Schlagwort: Litauen

  • 26-08-02  You two are the only foot passengers (Klaipėda-Ostsee)

    26-08-02 You two are the only foot passengers (Klaipėda-Ostsee)

    Zum Wachwerden die Möwen, zum Aufstehen die Mauersegler.

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    Die litauischen Chips mit Pfifferlingen-in-Sahne-Arome schmeckten erstaunlich überzeugend nach Pfifferlingen in Sahnesauce.

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    Das leichte Schaukeln eines großen Schiffs ist, im Gegensatz zum Ratter-Ratter des Nachtzugs, erfreulich einschlaffördernd.

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    Aufgrund von Verzögerungen im Betriebsablauf hängt das Blog deutlich hinterher. Das Lebens-Ich ist 18 Tage und knapp 1000 Kilometer voraus. Es ereignete sich am 24. Juli.

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    Es war ein Treppensteigeschiffahrfreitag mit Sendung-mit-der-Maus-Vibes.

    Deutsch im Frühstücksraum

    Wie prophezeit: Auch in unserem kleinen Hotel saß am dritten Tag niemand mehr im Frühstücksraum, den wir vom ersten Tag an wiedererkannt hätten. Klaipėda, Stadt des Durchgangs und des Übergangs. Weiterhin war Deutsch die vorherrschende Sprache im Frühstücksraum.

    Wir trödelten rum, packten, deponierten unsere Koffer an der Rezeption und warfen einen fast-letzten Blick auf’s Dangė-Hotel. Faszinierend: Ein Hotel, das fast keine Dauergäste hat und sich so viel Mühe gibt, alles richtig gut und schön zu machen. Lohnt das für die Betreiber den Aufwand? Oder gibt es so viele Stammgäste, die halt immer wieder die Fähre nehmen und alle eins, zwei Jahre kurz wiederkommen?

    Der Aufwand, ein besonderes Hotel in einem ehemaligen Wohnhaus zu erschaffen, war mindestens so groß wie im Boheme in Kaunas. Beide haben keinen Fahrstuhl, bei beiden wohnten wir im ausgebauten Dachboden. Aber im Boheme war der letzte Anstieg eine steile Betontreppe mit wackligem Geländer – hier war es ein breites Treppenhaus und die Damen an der Rezeption boten gleich von sich aus an, mit den Koffern zu helfen. Die Attitüde war doch eine andere.

    Gerne jederzeit wieder. Vielleicht sollten wir Stammgäste werden.

    Dangė-Hotel Klaipėda

    Meeresfestival „Jūros šventė“

    Wir mussten das Zimmer um 12 räumen und wollten uns gegen 14:30h auf den Weg zum Bus zur Fähre machen. Wir dachten, wir laufen nochmal kurz zur Danė, setzen uns an das Ufer an dem wir noch nicht waren und lesen ein wenig.

    Und dann kam das Meeresfest Jūros šventė. Wir hatten am Abend vorher ja schon den Aufbau von ein paar Bierbänken gesehen, während wir uns auf einer Bühne vor dem Regen in Sicherheit brachten.

    Litauischer Baumkuchen. Hier in der Markt-Show-Version

    Nicht ahnten wir, dass es Stände geben würde. Und mehr Stände. Und noch mehr Stände: Leinen, Keramik, Baumkuchen, Fisch, andere Keramik, Schmuck, andere Leinen, Mützen, Apfelmark, frisch selbst gemachte Kartoffelchips am Spieß und und.. die Stände liefen den ganzen Weg entlang vom Hotel bis zum alten Fähranleger. Und dann über die Brücke Richtung Altstadt. Und dann quer durch die Altstadt. Und dann wieder aus der Stadt raus Richtung Einkaufszentrum Akropolis. Und nach jeder Kurve kamen mehr. Dazwischen immer mal Nebelduschen, eine leere Bühne, Insta-Fotomotive und Stände zwischen Ständen.

    Šaltibarščiai/Pink Soup ist ein Thema. Hier als Hüpfburg.

    Zum Glück erzog uns der Gedanke an die übervollen Koffer und mögliche weitere Treppenbezwungen zur Disziplin. Ich besorgte mir einzig noch eine Mütze als Sonnenschutz für das Schiff, widerstand der Versuchung eine Seemannsmütze zu nehmen (nicht dass jemand denkt, ich bin Besatzung..) habe aber jetzt eine mit hübschen Fischmotiven.

    Irgendwann trieb uns nur noch die Neugier vorwärts, ob dieser Markt überhaupt je ein Ende haben wird. Und als wir erreichten, und auf die Uhr schauten, war es doch ganz gut spät. Also den ganzen Weg zurück zum Bus.

    Goodbye, Soviet style apartment blocks

    Offensichtlich gibt es zwei Arten von Schiffsreisenden: Kreuzfahrtreisende kommen und gehen zu Fuß an Bord, das Terminal liegt zentral. Fährreisende kommen mit dem Auto. Das Terminal liegt hinter den sieben Bergen bei den sieben Güterkränen, bzw. im unseren Fall: Wir fuhren erst mit dem einen Bus ganz um den Markt herum und weit aus der Innenstadt heraus bis ans Ende der „Soviet style apartments blocks“, dann steigen wir in einen anderen Bus und fahren bis an dessen Endhaltestelle im Industriegebiet.

    Neue Markthalle – gefühlt schon weit draußen, aber anscheinend immer noch Innenstadt

    Nachdem wir seit Kaunas keine echten Unterführungen mehr gesehen hatten, schenkte uns Klaipėda zum Ende noch ein Maximuster der Stadtplanung irgendwo inmitten der Aprtment blocks. Wir fuhren mit dem Bus durch einen großen Kreisverkehr (Berliner dürfen jetzt Siegessäule oder Ernst-Reuter-Platz denken), der komplett ampfelfrei war. Jeweils an den Seiten der Zugang zu Unterführungen.

    Und diese führten auf die Mittelinsel. Diese war eine Etage tiefergelegt, so dass die Menschen unter freiem Himmel aber quasi im Keller über den Platz laufen und auf der anderen Seite wieder hinaufsteigen konnten. Faszinierend.

    Aber auch wenn wir den Kreisverkehr jetzt nur mit dem Bus überquerten, Koffer-die-Treppe hochtragen blieb ein Thema des Urlaubs.

    Exklusivität

    Klaipėda zieht sich erstaunlich in die Länge. Noch sehr lange stiegen erstaunlich viele Menschen Richtung stadtauswärts in den Bus – die lebten anscheinend noch weiter draußen.

    Nach einer Dreiviertelstunde standen wir auf einem Weg vor einem Zaun. Zum Glück hatten wir schon aus dem Bus heraus den kleinen Wegweiser zum Terminal von TT-Lines gesehen.

    Die nicht allzu beschäftigte Dame am Empfang verwies uns zum Eincheckterminal und sah interessiert zu, wie wir Ticket uns Ausweise am Terminal scannten. Dann druckte sie selber die Boarding-Tickets aus, sagte „You two are the only foot passengers“, und kündigte an, dass der Shuttle Bus zum Schiff sofort käme.

    Der war eine Art eingelaufener amerikanischer Schulbus für 10 Personen und null Gepäck. Ich konnte meinen Koffer nicht einmal durch den Gang schieben, weil der Gang zu schmal war. Aber da wir die einzigen waren, war das dann auch egal.

    Es folgte eine Labyrinthrunde um Hallen herum, an Lager von Stahlarmierungen vorbei und quer durch die LKWs – halb erwartete ich, Deutsche Wohnmobile zu sehen, die seit Tagen in diesem Wirrwarr die Fähre suchen, aber es gab keine. Wir kamen direkt zum Schiff.

    Allein zu Haus

    Bei der Wahl genau dieser der Fähre war ein Argument, dass sie möglichst wenig nach Casino und möglichst stark nach „Down-to-earth/ Frachtschiff“ wirkte. Die Marco Polo transportiert vor allem LKW-Hänger über die Ostsee und ein paar Passagierkabinen hat sie auch noch.

    Beim Thema down-to-earth hatten wir etwas übersehen, das wir erst am Tag vor der Abreise bemerkten. „Das Schiff hat keinen Fahrstuhl und schiffstypische Treppen. Bitte bedenken sie dies wenn sie ihr Gepäck packen. Ihre Kabine befindet sich auf Deck 7.“ Skeptisch schauten wir auf unsere beiden 30-Kilo-Köffer.

    „Wir könnten es ja im Auto.. ach Moment, da war was.“

    Es blieb die Hoffnung, dass der Shuttlebus uns auf das höchste Autodeck bringt und wir dann nur noch zwei Decks die Köffer die Schiffstreppen hochwuchten mussten.

    Vorspulen, einen Tag später: Der Shuttle Bus setzte uns nicht auf dem höchsten Deck ab. Eigentlich nicht mal auf einem Deck. Der hielt an Land, und wir dürfen als komplett unterdimensionierte Menschlein über die große LKW Rampe an Bord gehen. Zum Glück wird gerade keine Ladung verladen, die Besatzung ist nett zu uns. Bis Deck 5 können wir weiter die LKW-Rampen mit weniger Steigung und mehr Platz nutzen, nur für die letzten beiden erklimmen wir dann diese Mischung aus Treppe und Leiter, die für Frachtschiffe so üblich ist.

    Und dann sind wir allein zu Haus. WoMos und PKWs durften noch nicht an Bord, die Rezeption/Shop/Cafeteria ist noch geschlossen und wir haben das Schiff fast für uns allein! Welch Luxus!

    Hafenwinken beim Kwas-Trinken

    Ein echter Vorteil dieser down-to-earth-Frachtfähren ist aber, dass sie besser als jede Hafenrundfahrt sind. Denn sie liegen irgendwo weit hinten in den Güterterminals, wir sahen schon vom Shuttle-Bus und jetzt auch an Bord blickten wir auf Hafengelände, in das mensch sonst nur mit großem Aufwand kommt.

    Hallo Hafen

    Direkt neben uns wurde ein Schüttgutfrachter entladen. Irgendwas staubiges kam mit großen Hafenbagger in eine Art Trichter/Sieb. Unten standen Hafenarbeiter, füllten das Gut in Säcke, sackten ab, und dann hängte die Absacker je zwei solcher Säcke an einen Gabelstapler, der sie weiter nach hinten brachte. Einmal waren sie zu optimistisch mit der Menge, da konnte der Sack sie nicht halten, musste aufwendig geleert und sein Gut in einen anderen Sack umgeschüttet werden.

    Zum Ende hob der große Bagger einen kleinen Bagger in das Schiff, der dort offenbar die Schüttgutreste zusammenschob, auf dass der große Bagger sie noch entnehmen konnten.

    Kurz bevor wir abfuhren, wurde der kleine Bagger wieder vom großen Bagger aus dem Schiff gehoben. Die Absacker fegten den Quay wieder frei und wir konnten endlich einmal die Aufschrift auf einem Sack halb lesen, halb mit Hilfe der Zahlcodes und der abgebildeten Ähre erraten: Triple Superphosphate (TSP), ein weit verbreitetes Düngemittel.

    Abgesacktes Triple Superphosphate (TSP)

    Besser als die Sendung mit der Maus!

    Nach dem wir ablegten fuhren wir den Weg zurück zur Mündung des Kurischen Haffs, die wir zuvor mit dem Bus zurück gelegt hatten. Wir sahen große leere Terminals, die Fährterminals, eine Superyacht, die Containerbrücken (mit Schiff, aber ohne bewegte Kräne) und am Ende wieder das Hafenfest. Wir verstanden auch, warum keine Kreuzfahrtschiffe mehr kamen diese Tage: Der Anleger wurde für einen Traditionssegler und zwei historische Militärboote benötigt.

    Ein letzter Blick nach Litauen offenbarte 50 Kilometer Sandstrand im Süden (Kurische Nehrung) beziehungsweise ähnliche viel Sandstrand im Norden (Richtung Palanga) und dann waren wir bald auf dem Meer.

    Blick Richtung Palanga

    Auf der hohen See

    Das Land verschwand, das Internet auch. Das Essen war down-to-earth: eine kleine Essensausgabe, wir durften ein „three course meal“ nehmen: einmal Hauptgericht, das auf den Teller getischt wurde (bestehend nach Wahl aus Pasta, Reis, Hühnerkeulen, brauner Sauce, Bolognese und Gemüsemischung), dann Salatbuffet, Suppe oder Nachtisch in Form von halb geschmolzenem Speiseeeis.

    Insgesamt hatten wir eher das Gefühl, uns in einer schwimmenden Jugendherberge aufzuhalten als in einem schwimmenden Casinoresort. Hätten wir noch Geschirr abwaschen müssen, hätte uns das nicht gewundert. Aber so hatten wir es gewollt.

    Die Attraktionen an Bord waren das Außendeck oben (super Sicht, super Meerfeeling, aber so wenig, dass ich sofort die Mütze absetzte und Angst um meine Brille bekam), das Außen/Raucherdeck auf der Seite und die „PanoramaLounge“ – halt Sitze, Sofas und Bänke mit Blick nach vorne, in der sich ein Großteil der Reisenden traf; ohne Internet zu haben.

    Abgesehen von der einen Teen, die so genervt schaute, wie es nur Teens können, herrschte sonst gute Stimmung. Es wurde viel gespielt (vor allem kartenbasierte Gesellschaftsspiele, eine gemeinsame Reisegruppe spielte mit großem Hallo auch etwas was nach Doppelkopf oder ähnlichem Aussah, es wurden Bücher gelesen und ein Pärchen klärte im routiniert-unaufgeregten Paarstreit, was während ihres Urlaubs alles schief gegangen war und wer schuld war).

    Mit der Sonne gingen wir auch in die Kabine, auf zum Aufwachen auf der Ostsee am Samstag.

    Die Reise

    11. Juli Berlin -> Frankfurt(Oder)

    12. Juli Frankfurt(Oder) -> Warschau

    13. Juli Warschau

    14. Juli Warschau -> Mockava -> Kaunas

    15. Juli: Kaunas 1 (Art Deco, Stadtgebiet)

    16. Juli: Kaunas 2 (Essen, Kloster)

    17. Juli: Kaunas 3 (Kino, Altstadt, Parks)

    18. Juli: Kaunas->Vilnius

    19. Juli: Vilnius 1 (Jewish Vilnius, Užupis)

    20. Juli: Vilnius 2 (Peterpaul, Litvak-Museum)

    22. Juli: Vilnius 3 (Samuel Bak, Back to the 90s)

    23. Juli: Vilnius 4 (Akropolis, Sowjettour)

    25. Juli: Vilnius->Klaipėda

    26. Juli: Klaipėda/ Kurische Nehrung

    27. Juli: Klaipėda

    Tschüss Danė

    Verkehrsmittel

    Stand auf der Ostsee: 5 Fernzüge, 1 Regiozug, 1 Regioboot, 1 Hopserfähre, 2 S-Bahnen (Berlin), 2 Metros (Warschau) 5 Trams (2 Ffo, 3 Warschau), 1 Regiobus (Klaipėda), 7 O-Busse (5 Vilnius, 2 Kaunas), 1 Expressbus (Vilnius), 14 Busse (5 Vilnius, 3 Warschau, 3 Kaunas, 3 Klaipėda), 1 Minibus (Klaipėda), 1 Shuttlebus (Kleipėda); hinzugekommen: 2 Busse (Hotel-Fährterminal), 1 Shuttlebus (Terminal-Fähre)

    Autofährterminal zur Kurischen Nehrung
  • 26-07-27 Ännchen von Backsteinbrutalismus (Klaipėda)

    26-07-27 Ännchen von Backsteinbrutalismus (Klaipėda)

    Dieses Blog wurde gehackt. Das war reichlich unerfreulich, lehr- und folgenreich. Eine der Folgen ist, dass einige Texte verloren gingen bzw. noch jenseits des Backups waren. Diese werden unter dem damaligen Datum nachgereicht. Hier ist einer davon.

    Mehr zum Hack kommt an den Stellen an denen es in der Chronik des geschrieben Textes hingehört. Das Blog-ich hat den Hack schon mitbekommen, unterschätzt aber noch dramatisch dessen Ausmaß.

    §§§§§

    Die Rätsel-Wespen von Klaipėda. Offensichtlich hatten sie in der Verschalung unseres Hotelbalkons ein Nest, waren aber nicht im geringsten davon beeindruckt, dass wir 30 Zentimeter neben ihrem Ein- und Ausstieg saßen. Das kenne ich aus Deutschland nicht. Es können keine gängigen Wespen gewesen sein. Aber sie sahen genau so aus.

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    Bei Rimi-Express kauften wir neuen Instantkaffee. Fast wäre es auch der gestreifte Wackelpudding geworden, aber wie transportiert mensch den im Koffer ohne Kühlung?

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    In other news: Eine Ex-Blog-Wordpress-Site von mir wurde gehackt. Plötzlich stand da eine Anleitung zu „starten sie cmd+r auf ihrem Rechner und dann geben sie Code ein.“ Zufällig merkte ich es. Jetzt habe ich hoffentlich alles platt gemacht, was ich platt machen konnte und alle in Frage kommenden Passwörter geändert, mich beim Hoster gemeldet und werde schauen, was der Hoster jetzt noch sagt.1

    Aber das betrifft das inzwischen zu Hause angekommene Reise ich. Das Blog-ich ist noch 72 Stunden und 1200 Kilometer hinterher.2

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    Es war ein koppheisterischer Bummeldonnerstag.

    Repräsentation ohne Menschen

    Die Wettervorhersage war wenig aussagekräftig. Wir einigten uns darauf, dass es vormittags wohl regnen würde, danach wäre es zumindest trocken, vielleicht sogar sonnig. Also schliefen wir lange, frühstückten spät und trödelten durch die Gegend, in der Hoffnung jedem Regen ausgewichen zu sein.

    Am letzten Tag war kein Programm mehr auf dem Programm, sondern Stadtbummel. Von der Liepų gatvė aus gingen wir in die anderen Richtung als sonst und standen vor einem Denkmal von: Kristijonas Donelaitis/Christian Donalitius, das ihn einerseits als Schöpfer des Klassikers Metai (Jahreszeiten) der litauischen Sprache würdigte, andererseits – unausgesprochen – gleich in die Untiefen deutsch-litauisch-polnisch-russischer Geschichte führte: Denn Donelaitis sprach offensichtlich litauisch, gehörte aber anscheinend eigentlich eher zur deutschsprachigen Bevölkerung der Gegend, war aber irgendwie auch konsensfähig genug, dass selbst zu UdSSR-Zeiten, die den Deutschen gegenüber nicht aufgeschlossen waren, sein Denkmal errichtet werden durfte.

    Kristijonas Donelaitis

    Denn Klaipėda hat wie Gdansk/Danzig das Problem, dass die komplette Stadtbevölkerung 1945 verschwand. „Die Deutschen“ waren Kriegsgegner, mit denen von den Verbliebenen niemand etwas zu tun haben wollte. Die Stadt musste sich danach neu erfinden. Historisch ist es in dieser Gegend schwer, historische Referenzpunkte und -personen zu finden, die keinen deutschen Bezug haben, aber sie sollten halt auch einen Bezug zur heutigen Stadt haben.

    Klaipėda war sicher die sperrigste Stadt der drei litauischen Städte, die wir besuchten. Wir liefen durch die Neustadt, gebaut irgendwo im 20. Jahrhundert und fanden eine Fußgängerzone. Diese war offenbar vor kurzem neu gestaltet, hatte lauter Skulpturen, Sitzplätze und Kleinkunstwerke mit Bezug zur litauischen Literatur. Die war spannend, aber irritierend, weil sie abseits von allem liegt: die Flaniermeile ist am Hafen/Danė, die Tourist*innen zielen alle durch die Altstadt. Die Fußgängerzone lag im Nichts – vielleicht war die Stadt vor 20 Jahren noch anders gruppiert.

    Am Ende der Fußgängerzone lag ein Komplex, bei dem ich zuerst dachte „Kirche“ und dazu Pfarrbüro und Altenheim: ein großer Zentralbau mit Türmchen, daneben ein direkt angeschlossener Bürotrakt und ein größeres Wohnhaus. Stil: Backsteinbrutalismus.

    Oder anders gesagt: eine brutalistische Formgebung, aber mit Backsteinfassade, vielleicht 1970er, wahrscheinlicher ein Bau der 1980er. Nur konnte ich mir kein Szenario vorstellen, indem in der Sowjetunion in den 1980ern eine derart repräsentative Kirche entstanden wäre.

    Zumal Kirchen bekanntermaßen mit Kreuzen geschmückt sind und nicht mit Hufeisen.

    So entdeckten wir den Hochzeitspalast – repräsentative Bauten, die seit 1959 (Leningrad) im Einflussbereich der UdSSR entstanden, vermutlich um das verloren geglaubte Ritual im Alltag wieder zu bringen. Leider war dieser Hochzeitspalast geschlossen, ich hätte ihn gerne vor innen gesehen.

    Aber später. Und der Palast in Vilnius (Link) natürlich auch.

    Danach wieder ein Denkmal eines deutschtümelnden Litauenfreundes von 1900, der zugleich auch noch ein früher Buddhist war – sperrige Stadt.

    Hochzeitspalast

    Die Wimpel wurden gehängt

    Wir gingen am traurig aussehenden Haus der Simon-Dach-Gesellschaft vorbei, der Heimat des Memelländerveins in Litauen, am immer noch schwer zugänglichen Hafen entlang und in die Altstadt. Oder in das, was davon übrig blieb oder wieder aufgebaut wurde.

    Im Gegensatz zu Kaunas oder Vilnius wurde Klaipėda im Zweiten Weltkrieg nur einmal erobert. 1939 erspresste Deutschland, noch vor Kriegsausbruch, Litauen, um die Stadt und das Memelgebiet an Deutschland zu geben. Der einzige gewaltsame Übergang fand im Januar 1945 statt als die Rote Armee die Stadt eroberte. Hier allerdings nach starken Gefechten, und nachdem die Wehrmacht im Abzug zerstörte was sie konnte.

    Als die Rote Armee in die leere Stadt einrückte, fand sie insgesamt sechs Personen vor. In den nächsten Tagen tauchte noch insgesamt eine mittlerweile zweistellige Zahl auf – viele davon Kriegsgefangene oder andere versprengte in die Stadt. Der komplette Austausch von Bausubstanz und Bevölkerung war so ausgeprägt selbst für den zweiten Weltkrieg ungewöhnlich.

    Die Rote Armee zerstörte die Reste, die nach deutscher Kultur aussahen, und es blieb wenig. Die Altstadt ist ein kleines Carré unklarer historischer Akkuratesse, aber dennoch Touri-Hochburg, denn als Touri geht mensch natürlich in die Altstadt.

    Wie wir auch.

    Wir sahen endlich eines der Leinen-(der Stoff)-Geschäfte, die mir Madame seit 2017 für Litauen versprochen hatte. Die alte Markthalle war schon so gut wie zu leider. Wir passierten den Wilden Mann, schon von Stadtfestwimpelchen überdacht.

    Der Wilde Mann

    Am Theaterplatz, der bei aller Liebe nur als öde zu bezeichnen ist, stand immerhin das stadthistorisch bedeutsame Ännchen von Tharau. Die Wieder-Errichtung der Statue im November 1989 – noch zu Zeiten der Sowjetunion – war das erste Mal seit 1945, dass die memeldeutsche Kultur als solche irgendwie positiv im Stadtbild auftauchen durfte. Insofern ein bedeutsamer Moment für die Stadtgeschichte und den Umgang der Stadt mit ihrer solchen.

    Wenn man den Hintergrund nicht kennt, ist der Ort aber nicht weiter besuchenswert.

    Wir gingen durch netteres, kleinere Straßen voller Kopfsteinpflaster und Cafés. Madame kämpfte gegen das litauische Cafébestreben alle Bestellungen brav und sauber in großer Umständlichkeit nacheinander zuzubereiten. Aber dafür sah sie wirklich hingebungsvoll zurechtgerührte Matcha Lattes.

    Ich beobachte derweil auf der Straße die Handwerker, die mit dem Aufbau des Stadtfestes (Jūros Šventė) beschäftigt waren. Beinahe dramatische Szenen, wenn der eine White Van, der gerade etwas aufbaute, dem anderen White Van, der woanders etwas aufbauen wollte, im Weg stand. Getränke, eine Bühne, eine andere Bühne und Standausstattungen musste aneinander vorbei balancieren.

    Ännchen

    Im Trommelschlag der Galeeren

    Nach dem Kaffee wurde es Zeit zum Ausruhen. Wir beschlossen, wieder einmal an das Ufer der Danė zu gehen, uns auf eine der zahlreichen Bänke zu setzen und zu lesen. Ich las mich weiter mittelbegeistert durch “Touch: The Science of Hand, Heart and Mind“, Madame beendete ihren aktuellen Joan-Aiken-Roman.

    Menschen zogen vorbei. Wir entdeckten, dass es anscheinend einen ÖPNV-Wasserbus entlang der Danė gibt, der das Flüsslein hoch und runter fuhr. Feierabendbummler*innen, Jugendlich, auf der Brücke sahen wir weiteres Aufspannen von Stadtfestfähnchen.

    Dann regnete es. Tretboote sammelten sich unter der Brücke.

    Wir retteten uns unter ein Bühnenzelt, das auch schon für das Seefest stand. Mit zwei jugendlichen Pärchen, einem telefonierfreudigen Litauer und einer Kleinfamilie mit Pudel bildeten wir eine lustige Wartegemeinschaft. Erst saßen wir am Rand der Bühne, später rückten wir immer enger zusammen.

    Ab und an ertönten Trommelschläge vom Fluss. Boote, auf halber Strecke zwischen Drachenboot und Galeere zogen vorbei. Dann wendeten sie und dann fuhren sie davon. Dann kamen sie wieder. Vermutlich übten sie für eine Art Drachenbootrennen. Aber so sehr wie sie jetzt durch den strämenden Regen hin- und herrudern mussten, erinnerte es doch etwas an Galeerensklaven.

    Das Regenradar zeigte, dass das Regengebiet am äußersten Ende von Klaipėda lag und gleich vorbei wäre. Das Regenradar zeigt dieses „der-Regen-ist-gleich-vorbei“ für mindestens eine dreiviertel Stunde an. Wir gaben auf, gingen durch den Regen auf die Suche nach etwas zu Essen.

    IPA und Hard Kombucha

    Das Feuerwehrhaus von gestern hatte zwar zahlreiche Sonnenschirme auf seiner Aussichtsterrasse, aber kaum wasserfeste Sitzplätze. Also gingen wir dahinter ins Dock, Hipsterbar, die uns aber wegen gutem Bier und gutem Burger empfohlen wurde und praktischerweise auf der Rückseite der Feuerwachen-Bar lag.

    Ich ging bummelig koppheister, stolperte leicht über ein Stuhlbein, beim Versuch mich mit einem leichten Ausfallschritt zu retten, kamen wir weitere Stuhlbeine in den Weg, und ins Zeitlupe fiel ich. Den Reaktionen der Anwesenden nach, sah das spektakulärer aus, als es sich anfühlte, ich konnte mich vor Hilfsangeboten kaum retten, fühlte mich aber selbst komplett unbeeindruckt.

    Ich wollte nur eines der schicken Craft Biere, die sie on tap hatten (12 Sorten bot die Zapfanlage), dazu die internetweit gerühmten selbstgemachten Kartoffelchips und den Chorizo-Burger, für die fünf Garstufen zur Auswahl boten.

    Und selbst an diesem Ort an diesem Platz gab es keine englische Getränkekarte. Ich staunte wieder, wie litauisch selbst dieser Touristenhotspot ist.

    Essen und Bier waren ausgezeichnet, wir zahlten wieder per QR-Code auf dem Tisch, es gelang mir, die Bar aufrecht zu verlassen.

    Wir kamen nach Hause und sahen Sonne auf den Balkon. Leider regnete es auch.

    Die Reise

    Verkehrsmittel

    Stand Klaipėda nach dem letzten ganzen Tag: 5 Fernzüge, 1 Regiozug, 1 Regioboot, 1 Hopserfähre, 2 S-Bahnen (Berlin), 2 Metros (Warschau) 5 Trams (2 Ffo, 3 Warschau), 1 Regiobus (Klaipėda), 7 O-Busse (5 Vilnius, 2 Kaunas), 1 Expressbus (Vilnius), 12 Busse (5 Vilnius, 3 Warschau, 3 Kaunas, 1 Klaipėda), 1 Minibus (Klaipėda); hinzugekommen: Nix. Alles gelaufen.

    ÖPNV-Wasserbus. Leider zu spät gefunden. um ihn noch zu benutzen.

    Anmerkungen

    1. Joah, das hat wohl nicht gereicht bzw. es waren einige Umdrehungen zu wenig. ↩︎
    2. Und weil eben der Hack alles verzögert hat, hängt das Blog-ich dem Lebens-ich aktuell sogar 18 Tage und 1200 Kilometer nach. ↩︎
  • 26-07-26 Kurische Nehrung, russische Näherung (Klaipėda-Nida-Klaipėda)

    26-07-26 Kurische Nehrung, russische Näherung (Klaipėda-Nida-Klaipėda)

    Dieses Blog wurde gehackt. Das war reichlich unerfreulich, lehr- und folgenreich. Eine der Folgen ist, dass einige Texte verloren gingen bzw. noch jenseits des Backups waren. Diese werden unter dem damaligen Datum nachgereicht. Hier ist einer davon.

    Mehr zum Hack kommt an den Stellen an denen es in der Chronik des geschrieben Textes hingehört. Noch ist das Blog-ich in Litauen, wurde schon gehackt, weiß aber noch nichts davon.

    §§§§§

    Klaipėda präsentierte sich als Möwen-Mauersegler-Stadt. Geweckt werden von den Möwen, nur um dann im Fenster die Mauersegler kreisen zu sehen.

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    Wenn jemand in einen englischen Text das deutsche Wort „Tankstelle“ einbaut1, kann er entweder besser deutsch als englisch oder er hat zumindest mal als LKW-Fahrer in Deutschland gearbeitet.

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    Vilnius datumsverwirrte mich. Meine Blogposts sind ja normalerweise mit Jahr-Monat-Tag gekennzeichnet, sollten also während der Reise alle mit 26-07.. beginnen. Mit dem ersten Vilnius-Post wechselte ich auf 27-07.. mit dem letzten Vilnius-Post hörte ich damit auf. Ich schwöre, es war keine Absicht.

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    Nur noch wenige Tage bis zum Ende der Reise. Langsam näherte ich mich der spannenden Frage: Kann ich bis 16 zählen? Werden Unterhosen und Socken wohl reichen?

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    Das Reise-ich ist zurück in Berlin, hat aber noch einen Tag Urlaub. Es hat derzeit 96 Stunden und 1200 Kilometer Vorsprung vor dem Blog-ich.2

    Es war ein Sandmittwoch mit touristischen Beiklängen.

    Ein bißchen New York

    Das Dangė-Hotel konnte seine Vortrefflichkeit auch beim Frühstück beweisen. Ein Haus mit vielleicht 20 Zimmer kann kein so vielfältiges Buffet anbieten, wie die großen Hotelpötte in denen wir waren. Aber es war alles vorhanden und das in guter Qualität.

    Am großen Fernsehen liefen sehr langsame Drohnenaufnahmen, mal von New York, mal von Reykjavik, die überraschend gut als Urlaubs-Fernweh-Stimmung-induzierend funktionierten. Das hätte ich nicht vorher gedacht,

    Sehr gewöhnungsbedürftig war es wieder, fast nur Deutsch im Speisesaal zu hören. Klaipėda ist Startort von Fähren nach Kiel, Travemünde und Rostock. Noch mehr Menschen kamen auf die Idee, hier vorher zu übernachten.

    Die einen versuchen in der Menge unterzugehen, die anderen tragen abwechseln Rammstein-Slogans und deutsche Nationaltrikots. Wir erwarteten, wirklich niemand der jetzt Anwesenden noch zwei Tage später zu sehen.

    Wobei das in Klaipėda schon spannend ist. Die Stadt selber ist kaum ein touristisches Ziel. Aber direkt südlich liegt mit der Kurischen Nehrung eine Riesen-Attraktion für naturnahen Strandurlaub mit Wandern und Radfahren; nördlich liegt mit Palanga das Zentrum des litauischen Party-Ausgeh-Strandurlaubs. Jeden zweiten Tag spült ein Kreuzfahrtschiff eine Welle von Tourist*innen in die Stadt, die wie eine Welle auch, sich abends wieder auf das Schiff zurückziehen. Die Fähren nach Deutschland und Skandinavien bringen jede Menge Durchreisende.

    Die Stadt ist voller Tourist*innen, aber fast niemand von ihnen ist wegen der Stadt selber gekommen. So faszinierend.

    Nun ja, wir wollten an diesem Mittwoch auch nicht Klaipėda sehen, sondern die kurische Nehrung. Direkt neben dem heutigen Kreuzfahrtschiff (Norwegian Sun, ein Stück kleiner als die gestrige Saphire Princess) lag unser Boot, das noch ein viel größeren Stück kleiner war.

    Norwegian Sun

    Not like new Mercedes

    Über das Boot erfuhren wir dank Sprecher Aurelio einiges. Dessen Vorträge waren zwar auf litauisch immer viermal so lang wie auf englisch, aber wir lernten vieles. Das Boot zum Beispiel wurde 1975 zusammen mit 600 Schwesterbooten dafür gebaut, sibirische Flüsse zu befahren. Es hat dementsprechend nur 40 cm Tiefgang und „is the only one in the EU“ von dem Typ.

    Aber „good like old Mercedes. Not like new one. Like old one. Nothing breaks. And if it breaks, we can simply fix it. Just wires right below the floor.“ Wir saßen in Zweier- und Dreierreihen wie in einem alten Reisebus, schauten aus dem Fenster, und wenn Aurelio nicht redete, legten die drei Panflötisten los, die sie irgendwo in den 40cm Tiefgang versteckt haben mussten.

    Aber wie er auch sagte: die zweistünde Fahrt entlang der kurischen Nehrung (die 100 Kilometer lang ist! Davon 50 Kilometer auf litauscher Seite) verging schnell.

    Der Einstieg war allerdings eher like in old Unimog. Die letzte Stufe hatte einen guten halben Meter Höhenunterschied, das war nicht für alle was.3

    Dünenschauen

    Zuerst sahen wir den Hafen von Klaipėda mit modernen Containerschiffen und den verlassenen Belarus-Dock („Because we have war“). Nach einiger Zeit kamen wir an der Independence vorbei – ein Schiff als Flüssiggasterminal dient und Litauen auch in dieser Hinsicht Unabhängigkeit von Russland bringen sollte.

    Inzwischen sind diese Terminals auch in Deutschland bekannt, in Litauen allerdings wurden sie seit 2007 geplant und 2014 in Dienst gestellt. „Here goes all Lithuanian gas“. Im Umfeld der Indepence lag ein Schlauchboot (ein von den großen, schnellen, im amerikanischen heißen die Zodiac) auf dem dunkel gekleidete bewaffnete Herren saßen, die deutlich den Anschein von Armee erweckten.

    Auch im Hafenbecken, vage in der Nähe der Indepence, waren diverse Angler auf Booten unterwegs, und ich würde wetten, die eine Hälfte davon gehörte zum russischen Geheimdienst, die andere Hälfte zu NATO-Geheimdiensten und mindestens einer zu beiden.

    Irgendwann aber hatten wir das hinter uns gelassen und schauten auf Dünen. Sehr lange, überraschend hohe und insgesamt spektakuläre Dünen. Ich begann zu verstehen, was zum Beispiel Thomas Mann immer in diese Landschaft zog.

    Bis kurz vor Nida, es kam die Ansage „If we go left, in 5 Minutes we are in russia“, wir aber wollten nach Nida, dem litauischen Hauptort der Nehrung.

    Von Helgoland..

    Vielen Menschen, die auf die Nehrung fahren, landen im kleinen Städtchen Nida. Dort im Zentrum, mit Boots- und Schiffsanlegern, Geschäften und Cafés fühlten wir uns ein wenig wie in Helgoland. Es ballte sich auf kleinem Raum und viele Menschen strebten irgendwohin.

    Dort sahen wir auch die beiden Niederländer von der Soviet-Vilnius-Führung wieder. Insgesamt scheint die Zahl der Touristen in Litauen doch überschaubar. Wir kauften noch schnell eine Rückfahrkarte für den Bus und machten uns daran, den Ort zu verlassen.

    Als erstes geht man dort zur Parnidis-Düne. So auch wir. Die Düne heißt so, weil sie einst wanderte, und über (Par) die Stadt Nida (Nidis) hinwegzog. Würde mensch sie umbuddeln ließe sich in ihrem Inneren noch Alt-Nida finden. Zum Glück allerdings konnten sie dann preußische Düneninspektoren durch Kiefernpflanzungen und andere befestigen, so dass sie jetzt eine stationäre Düne geworden ist.

    Damit die Düne nicht wieder anfängt zu wandern (ein Schild hatte den wunderbaren Ausdruck „free roaming dunes“), wurden Wege hinauf und hinab befestigt, insgesamt geht es auf relativ kurzer Strecke 55 Meter nach oben, einen wunderbar waldigen, von uns sonst nie begegnenden Blumen umgeben, Aussichtspunkt zu.

    ..nach Sylt

    Dort war eine Plattform. Wir trafen viele Menschen. Eine deutsch-christliche Reisegruppe, die plötzlich in den Kanon „Der Himmel geht über allen auf„ ausbruch, ihn zu Madames großer Irritation aber nicht als Kanon sang; Radfahrer*innen, die die Straße die Düne hinauf genommen hatte, Kreuzfahrergruppen, die von ihren Bus auch dort hingefahren wurden, Influencer*innen die über das „betreten verboten“ Schild kletterten, damit sie ja im Sand in freier Natur fotografiert werden, nicht etwa auf einer Holzplattform.

    Sowas kenne ich normalerweise nicht, fand es hochspannend. Vor allem aber war die Sicht wirklich eine Wucht. Hier zu sehen das Kurische Haff, knapp rechts davon die Ostsee.


    Zuerst das Bild..

    Etwas gewöhnungsbedürftig aber auch, wie nah wir an Russland waren. Mit bloßen Auge war kaum eine Grenze auszumachen. Wir hatten auch schon gehört, dass diese in der Landschaft nicht zu sehen ist; was aber nicht heißt, dass nicht Grenzposten vorhanden sind, die jeden Meter überwachen – und es ist nicht ratsam auf Versehen auf die russische Seite zu gelangen. Zum Glück existiert auch eine Bildtafel.

    Und dann die Legende. Der Anfang vom Wald und die Landzunge sind ganz gut wiederzuerkennen.

    Wir aber liefen erst einmal zur Ostsee – Schauen, ob der Strand wirklich so eindrucksvoll ist wie versprochen. Erst einmal sahen wir denselben Kreuzfahrt-Busfahrer zum dritten Mal in zwei Tagen, der uns schon fröhlich zuwinkte, dann eine tolle Art-Deco-Tankstelle, einen Campingplatz, die Schilder zum Nudisten- und zum Frauenstrand und schließlich den Strand selber.

    So stelle ich mir Karibik vor, zumindest was den weißen und feinen Sand angeht. Und er geht einfach 50 Kilometer entlang der Dünen weiter, wird dementsprechend einsam – es erinnerte an Sylt, nur viel größer, noch düniger, noch einsamer.

    Vielleicht sollten wir doch einmal dort übernachten, uns irgendwo an diesem riesigen Traumstrand ein Plätzchen suchen und einen Tag lang schwelgen. Ich konnte Thomas Mann immer besser verstehen.

    Leider war es an diesem Tag aber eher kalt, schon spät geworden, und ich hatte auch keine Lust mehr die ganze Umkleide-Litanei zu unternehmen nur um einmal 5 Minuten im Wasser zu sein. Nächstes Mal..

    Zurück

    Zurück nahmen wir die Fußgängerautobahn, die neben der Straße verlief. Auf der anderen Seite die Radfahrautobahn, die ähnlich luxuriös ausgestattet war.

    Ein litauischer Brötchenknast in Verbindung mit einer schwer zu bedienden Selbstbedienungskasse sorgte dafür, dass wir eher knapp zum Bus kamen und ich damit den letzten freien Sitzplatz, den Platz in der Mitte der Rückbank gewann. Es war kuschlig. Der Bus ist so halb ÖPNV (Stundentakt, fährt jedes kleine Dorf ab), halb auch nicht (der Bus selber war ein Reisebus, der Preis auch jenseits normaler ÖPNV-Preise), und „von innen“ sah diese Dünenlandschaft noch viel eindrucksvoller aus als vom Haff her.

    Dann nach Smiltynė ganz am anderen litauischen Ende, dort wo das Kurische Haff ins Meer mündet, Madame musste lange mit der Bezahl-App kämpfen, es gelang ihr aber noch kurz bevor wir das andere Ufer erreicht hatten.

    Feuerwehrburger

    Nach dem Hotel, wieder los. Diesmal gewann deutlich der Sitzplatz. Wir sicherten uns einen Draußenplatz direkt an der Danė, dort wo die beleuchteten Bötchen sind, der Pseudo-Dreimaster liegt und ganz Klaipėda bummelt, saßen wir im Feuerwehrhaus bzw. im Restaurant Gaisrinė, wo wir mal wieder Fried Bread bestellten (When in Lithunia do as the lithuanians..), einen Feuerwehrburger und wie immer in diesem Land ziemlich gutes Bier.

    Dann schlafen. Inzwischen 14 Tage Reise oder so, hatten doch langsam an meinem Unternehmungsgeist gezehrt.

    Die Reise

    Verkehrsmittel

    Stand Klaipėda nach dem Ausflug zur Kurischen Nehrung: 5 Fernzüge, 1 Regiozug, 1 Regioboot, 1 Hopserfähre, 2 S-Bahnen (Berlin), 2 Metros (Warschau) 5 Trams (2 Ffo, 3 Warschau), 1 Regiobus (Klaipėda), 7 O-Busse (5 Vilnius, 2 Kaunas), 1 Expressbus (Vilnius), 12 Busse (5 Vilnius, 3 Warschau, 3 Kaunas, 1 Klaipėda), 1 Minibus (Klaipėda); hinzugekommen: 1 Regioboot (Klaipėda-Nida), 1 Regiobus (Nida-Smiltynė), 1 Hopserfähre (Smiltynė-Klaipėda)

    Die Marco Polo. Zwei Tage später unser Schiff zurück.

    Anmerkungen

    1. „We don’t go to Tankstelle. Tankstelle comes to us.“ ↩︎
    2. Das Reise-ich existiert nicht mehr. Das Lebens-ich hat inzwischen (am 10.8.26) den Rekordvorsprung von 19 Tagen und 1200 Kilometern. ↩︎
    3. Leider ging auch Karens Kommentar verloren, der darauf hinwies, dass das Boot offensichtlich in Zusammenarbeit mit einer sowjetischen Lokomotivenfabrik entstand. ↩︎
  • 26-07-25 Waldwege kreuzen (Vilnius – Klaipėda)

    26-07-25 Waldwege kreuzen (Vilnius – Klaipėda)

    Dieses Blog wurde gehackt. Das war reichlich unerfreulich, lehr- und folgenreich. Eine der Folgen ist, dass einige Texte verloren gingen bzw. noch jenseits des Backups waren. Diese werden unter dem damaligen Datum nachgereicht. Hier ist einer davon.

    Mehr zum Hack kommt an den Stellen an denen es in der Chronik des geschrieben Textes hingehört. Noch ist das Blog-ich in Litauen, wurde schon gehackt, weiß aber noch nichts davon.

    §§§§§

    Madame roch Seeluft.

    *

    Wir glauben, wir waren in Vilnius nicht nur im selben Hotel wie vor zwei Jahren, sondern sogar im selben Zimmer: Flur, Wandbild und Raumschnitt waren auf jeden Fall identisch. Die Aussicht mindestens sehr ähnlich.

    *

    Bisher ignoriere ich die Berliner Wettervorhersage für die nächste Woche und die News-Meldungen der Berliner S-Bahn eisern.

    *

    Denn ich bin zwar wieder in Deutschland, aber noch ein ganzes Stück entfernt von Berlin. Das Reise-ich reist noch, das Blog-ich hat aber dennoch 96 Stunden und 780 Kilometer Vorsprung.1

    Es war In-den-Wald-Guck-und-Such-den-Anleger-Dienstag.

    Goodbye Vilnius

    Zug 781 von Vilnius nach Klaipėda sollte um 10:23h abfahren. Ab in die Hafenstadt: Die drittgrößte Stadt Litauens wartete, „Tor zur Welt“ bzw für uns, Startpunkt für die Fähre nach Travemünde, und wieder eine ganz andere Stadt. Die kleinste der „3 Großen“ Litauens, mit einer komplett anderen Geschichte: Waren die anderen Städte Litauens vor allem zwischen Litauern, Polen und Russen umkämpft über die Jahrhunderte, gehörte Klaipėda, erst zum Deutschen Orden, dann zu Preußen und bis 1919 zum Deutschen Reich. Erst danach reihte es sich in die deutsch-sowjetischen Überfälle des 20. Jahrhunderts ein.

    Aber erst galt es dorthin zu kommen. Unser Hotel in Vilnius war vielleicht 10 Minuten zu Fuß bzw. eine Bushaltestelle und sehr wenig Fußwenig vom Bahnhof entfernt. Es bot sich einfach an, (fast) auszuschlafen, gemütlich zu frühstücken und zu beobachten, wie die ganzen Intrepid-Reisenden ihre Reisebusse bestiegen.

    Denn obwohl wir zwei Abende zuvor nur 10 Intrepid-Leute plus Guide Algita im Restaurant getroffen hatten, fühlten sie nun zwei Busse (wir erkannten die zehn und Algita wieder die einstiegen). Entweder das werden jetzt parallel-Individualtouren bei denen Logistik, die niemand wirklich interessiert (Bus/Hotel) für große Gruppen gebucht werden, während der inhaltliche Teil zwar im Ablauf parallel für alle, in der Ausgestaltung aber Kleingruppen läuft; oder sie haben wirklich verschiedenen Touren durch das Baltikum, die sich mal im Hotel und Bus treffen und dann mal wieder auseinanderlaufen.

    Wir liefen allein, verließen kurz nach ihnen den Bahnhof. Aber auf uns wartete noch niemand. Wir beschlossen, zu faul zu sein, um die Köffer den Hügel hochzuziehen.

    Wir gingen zur Bushaltestelle Aguonų gatvė („Mohnstraße“) und nahmen für eine Station einen kleinen Trolleybus, der ungelogen, das Busmodell Trollino 12 war. (Der kleine, ungehorsame Trollino möchte bitte..)

    Im Sofa zum Zug

    Im Bahnhof Vilnius entdeckte Madame den Bahnhofsflügel, ich die VIP Lounge für die 1. Klasse. Mit Hilfe einer Bahnangestellten gelang es sogar, die elektrische Einlasssperre mit dem Spezial-VIP-Lounge-QR-Code zu überwinden.

    Es war nicht plüschig, aber business-cozy. Bequeme Sofas, bequeme Sessel, mehr Meeting-Spaces als „mein“ normalen Büro. Nachdem wir eine herrliche Viertelstunden alles für uns allein hatten, kamen weitere Reisende. Niemand sprach litauisch.

    Denn, das ist das spannende: Obwohl das Preisniveau in Vilnius, Kaunas und Klaipėda (Großstadt-Innenstadt) durchaus deutsches Niveau hatte und die durchweg ehrgeizig bepreisten Restaurants trotzdem immer mit Litauern gefüllt waren, auch mitten in der Woche, also auch bei den Litauer*innen Geld zum Ausgeben vorhanden ist, war die 1. Klasse LTG fast eine reise Auslands-Veranstaltung. Meine Arbeitshypothese:

    Alle Litauer*innen, die in der Lage und Willens wäre, die 1. Klasse zu benutzen, nehmen für die Strecken lieber ihren Audi/Lexus/BMW. Bahn in Litauen ist für Leute, die keine andere Wahl haben, und die fahren dann 2. Klasse.

    Irgendwann, kurz bevor es mit unserem Zug spannend wurde, kam jemand von LTG werkelte an der (kostenpflichten) VIP-Lounge-Kaffeemaschine, und nachdem er ging, fiel in der gesamten Lounge der Strom aus. Nach der vortätigen Toilettenerfahrung hatte ich Sorgen, ob wir sie überhaupt je verlassen könnten. Aber indem ich den Türöffner betätigte ging der Strom wieder an.

    Selbst der sandigste Waldweg allerdings bekam einen beschrankten Bahnübergang

    Unsere Plätze warteten auf uns. Nicht warteten die Gepäckablagen, denn die waren anscheinend schon in Vilnius-Airport, dem Startpunkt des Zuges gefüllt worden. Die Zugchefing machte tapfer eine Ansage auf litauisch, die vermutlich bei uns im Wagen 2 von 20 Anwesenden verstanden, sie kramte dann aber bei Überraschung des (kostenlosen) Heißgetränks, Wassers und Brownies doch noch etwas englisch hervor.

    Wir fuhren zurück bis fast nach Kaunas und dann einmal quer durch Litauen nach Norden. Wir sahen Wälder und Wege, Pisten, Wiesen, Seen und Hügel. Wie ich inzwischen erfuhr hat das ländliche Litauen eine Bevölkerungsdichte wie die entlegensten Teile Brandenburgs (~ Prignitz) und dementsprechend spärlich ist Infrastruktur. Die hohe Dichte an SUVs im Allgemeinen und Subarus als no-Schmock-komplett-Waldpistentauglichem Modell ergab noch mehr Sinn.

    Ab und an kam eine halbverfallene sowjetische Industrieanlage vorbei, ab und an Streckenbau-Arbeiten. Staunend hatten wir schon gelernt, dass Litauen zwar keine natürlichen Bodenschätze hat, aber 5% der Wirtschaft daraus besteht, Öl zu raffinieren – vermutlich ehemals aus Russland gekommen, was nicht mehr geht, haben die Raffinerien den Wandel überstanden.

    Hunderte und aberhunderte Tankwagen, die wir immer wieder trafen, bestätigten, wie groß und wichtig der Wirtschaftszweig anscheinend ist.

    Mohn zu Linden

    In Kretinge verloren wir viele Mitreisende, denn dort fährt der Bus nach Palanga, das Ostsee-Mallorca der Litauern. Als wir eine halbe Stunde vor Plan schon im Großraum Klaipėda waren, staunte ich, was wir noch machen würden. Nachdem uns 20 Minuten später gemütliche Freizeitradler überholten, staunte ich ein wenig und verstand ein wenig.

    Nachträglich recherchierte ich: Baustelle, Langsamfahrstelle. Um 15:33h kamen wir pünktlich nach Fahrplan an. Im Nieselregen zogen wir die Köffer vom Bahnhof weg durch den Skulpturenpark/Ex-Friedhof der Stadt in die Liepų gatvė zum Dangė Hotel.

    Bitte hier tröten!

    Zimmer 44

    Das Dangė Hotel erinnerte an das Boheme von Kaunas. Auch hier ein umgebautes Wohnhaus. Auch hier privat geführt und bis an die Zähne designt. Aber sonst würde ich gerne das Bohme einmal zur Fortbildung schicken. Dort war eigentlich immer „Ich bin Design! Beachte mich!“, hier war die Einstellung „Du musst gar nicht wissen, warum und wie, Hauptsache du hast das Gefühl alles ist toll.“ Vor allem aber dienste hier das Design der Nutzbarkeit.

    Die Menge an Raum, die sie aus ihrem Dachboden gewonnen hatten, beeindruckte uns. Das Badezimmer hatte ein Oberlicht, und dadurch soviel Licht, dass wir quasi dauernd kurz davor waren, den Lichtschalter zu drücken, weil es uns so beleuchtet vorkam. Der Schreibtisch war riesig, der Stuhl bequem, und der Balkon riesig.

    Und als wir auf dem Balkon saßen, sah ich am Ende der Straße plötzlich Container durch das Bild schieben. Ein kurzes Stutzen, ein Zögern, ein Nachdenken: Tatsächlich, dort am Ende der Straßen schauten wir auf die Hafen-Ausfahrt, konnten zumindest die großen Pötte über den Bäumen vorbeigleiten sehen.

    Ein Hotel. mindestens so schön wie das Boheme und mindestens so funktionierend-großzügig wie das Comfort-Hotel. Anfang (Polonia Palace) und Ende (Dangė) der eigentlichen Reise hatten die besten Hotels.

    Sapphire Princess

    Und währned das Hotel selbst an einer eher unspektakulären Wohn/Verkehrsstraße lag, Madame freute sich sehr am Fliesengeschäft und ein Lunch-Lokal für die Bewohner drumherum, waren wir doch nur einen Block vom Fluss Danė (ehemals Dange) entfernt, der bei Klaipėda in das Kurische Haff/das Memel-Delta fließt.

    Wir liefen am Fluss entlang, stellten schnell fest, dass es die Haupt-Ausgehmeile der Klaipėdianer*innen ist und offenbar in den letzten Jahren einmal nach allen Maßstäben und Trends moderner Ausgehmeilengestaltung am Fluss umgebaut wurde. Das war sehr beeindruckend.

    Wir aber suchten vor allem den Anleger. Madame hatte Boots-Fahrkarten auf die Kurische Nehrung nach Nida gebucht, und wir hatten wenig Lust morgens unter Zeitdruck durch das Hafengebiet zu irren auf der Suche nach dem Boot.

    Vor diesem fanden wir aber das Kreuzfahrtschiff. Das war auch größe, die Sapphire Princess – die war mit 300 Metern Länge, knapp 40 Meter Höhe und Platz für 2670 Passagiere auch ziemlich unübersehbar. Während wir noch standen und schauten, kamen einzelne Kreuzfahrer*innen zum Schiff zurück, gingen durch eine erstaunliche kleine Tür im Bauch des Schiffes wieder an Bord. Ich sah keine Kontrollen, war kurz versucht es ihnen einfach gleich zu tun, war aber dann doch zu feige.

    Vor allem aber rollten die Reisebusse an: „Purple 5, Brown 13, Black 11 – Best of Curian Split“ und noch viele andere. Sie waren ausgeschwärmt, hatten die Kreuzfahrer quer durch die Gegend verteilt und holten sie nun wieder zurück.

    Gestreifter Wackelpudding zum Abschluss

    Auch wir fuhren Bus, Minibus, eine ehemalige Marschrutka, ein Sammeltaxi/Kleinbus, der auf bestimmten Linien fährt, aber dort auf Handzeichen irgendwo auf der Strecke hält. In Klaipėda sind diese mittlerweile komplett in den ÖPNV integriert, fahren aber auch durch Nebenstraßen, haben feste Haltestellen, aber auch hier muss man den Arm ausstrecken, um sie zum halten zu bewegen.

    Bis zum dritten M-Bus hatten wir das auch gelernt,

    Wieder ging es zur Akropolis. Denn auch in der Akropolis Klaipėda gab es, wie in der Akropolis Vilnius, ein Delano-Restaurant. Ein Buffet-Restaurant, einst beliebt im ganzen Ex-Kommunistischen Ostblock, in Litauen, schon fast am Aussterben – eine Art gehobenes Selbstbedienungsrestaurant, an der eine große Auswahl „gutbürgerlicher Küche“ live gekocht wird – also ähnlich wie das Karstadt/Galeria-Restaurant, aber mit größeren Angebot und fokussiert auf litauisches Essen.

    Für uns hatte es den großen Vorteil, dass wir einmal eine ganze Bandbreite an Gerichten live, in echt sehen konnten, teilweise auch direkt die Zubereitung sahen, und uns noch einmal quer durch die ganzen Kartoffelvariationen essen.

    Dazu, natürlich, wir waren im Akropolis, wieder Eishockey-Training.

    Es ging früh zurück ins Hotel. Der nächste Tag sollte einen ganzen Tagesausflug bringen.

    Die Reise

    Am Ende der Straße die Containerschiffe

    Verkehrsmittel

    Stand Ankunft Klaipėda: 5 Fernzüge, 1 Regio, 2 S-Bahnen (Berlin), 2 Metros (Warschau) 5 Trams (2 Ffo, 3 Warschau), 7 O-Busse (5 Vilnius, 2 Kaunas), 1 Expressbus (Vilnius), 12 Busse (5 Vilnius, 3 Warschau, 3 Kaunas, 1 Klaipėda), 1 Minibus (Klaipėda); hinzugekommen: 1 Fernzug (Vilnius-Klaipėda), 1 Trolleybus (Hotel Vilnius-Bahnhof), 1 Minibus (Klaipėda Hafen-Akropolis), 1 Bus (Akropolis Klaipėda-Hotel)

    Anmerkungen

    1. Durch Hack und Blog-Verzögerung hat das Lebens-ich sogar aktuell 20 Tage und 1200 Kilometer Vorsprung vor dem Blog-Ich. ↩︎
  • 26-06-16 Schafe werden Wolken, Wolken werden Regenschauer

    26-06-16 Schafe werden Wolken, Wolken werden Regenschauer

    Madame telefonierte alemannisch.

    *

    Am Südkreuzklavier sah sie nicht nur Menschen mit Noten für Klavierpartien, sondern auch Pianisten, die ihre eigene Geigerin mitbringen. (oder eine Geigerin, die ihren eigenen Pianisten..)

    Später versuchte Madame, zweierlei Latein in ihrem Kopf zu entwirren. Aufgrund ihrer Mehrchorwochen singt sie gleichzeitig das Mozart-Requiem und das Cherubini-Requiem. Beide haben im Prinzip denselben lateinischen Text. Aber bei Mozart sei es bitte in der deutschen Latein-Aussprache gesungen und bei Cherubini in der italienischen Latein-Aussprache.

    *

    Mein Versuch, litauische Bahnkarten zu kaufen, scheitert an der Meldung „403 forbidden“. Dazu erscheint eine Fehlerseite, die so klassisch technisch aussieht wie das gute alte Internet von ehedem.

    Etwas Recherche erbringt die Info, dass LTG Link gerade aus Cyberabwehrgründen ganz Nicht-Litauen aussperrt. Das Internet empfiehlt die LTG-Link-App oder die Nutzung eines VPNs. Die App zwingt mich, mir einen Account anzulegen und hängt sich dann dabei auf.

    Also werde ich ein VPN suchen müssen, das Litauen kann und trotzdem nicht wie die hinterste dunkle Ecke des Internets wirkt.

    *

    Am Tag als mein Fahrrad verschwand, Madame auf der Suche zwar kein Fahrrad aber einen Fuchs fand, und das Fahrrad wieder auftauchte. Das war der Tag als Madame im Lochowbad erfuhr „Ihr Schloss ist fehlgeleitet“ und dann ihre Uhr vergaß. Das war ein seltsamer Tag.

    *

    Es war ein Sonntag zwischen rain and shine und ein Montag zwischen Südkreuz und Schaf.

    Farben schießen Tore

    Ein niedlicher Nachtrag: Der kleine Fußballfan vom Wochenende, der zwar zur Irritation seiner Eltern überhaupt riesiger Fußballfan ist, aber das noch auf einem Niveau, wo er ganz begeistert vom Spiel von Grün gegen Gelb erzählt.

    Im Kreise älterer fußballinteressierter Menschen läuft mein Tippspiel-Masterplan so mäh. The power of statistics bringt mich am Ende von Spieltag 2 auf Platz 22 von 44.

    An einem Montagnachmittag versuchten drei Menschen im öffentlichen Dienst visionär zu sein. Und zwar nicht visionär im frei fliegenden irgendwann-haben-wir-Flugtaxis-Modus sondern visionär im Sinne von „in sechs Monaten solles real existierende Menschen im Alltag benutzen können.“ Das ist eine manchmal recht mühselige Form der Visionarität, erst recht am Montag Nachmittag.

    Friedhof der Fluginsekten

    Wir joggten Garten. Es konnte passieren, dass wir sagten, „Ah, Sonne, lass uns die Gelegenheit nutzen und den Staubsauger wieder in den Schuppen bringen“, und innerhalb der fünf Meter von der Haus- zur Schuppentür wurde schon wieder jemand klatschnass.

    Der spektakuläre Himmel empfahl für den Sonntag Häuslichkeit. Ich und der Staubsauger versuchten sich am niedrigen Schlafboden an einer Aktivität, die zu einem Achtel aus Athletik und zu sieben Achteln aus Herumrollen bestand. Vielleicht sah es aus wie der welt-unbeholfenste Schlangentanz. Die Staubsauger-Rollethik führte mich insbesondere am großen nicht-zu-öffnenden Südfenster zur letzten Stätte toter Bienen und Fliegen. Denn wo viele Insekten, da auch immer wieder Insekten im Haus, die sich auf dem Rückweg verirren und in die Sackgasse geraten.

    Aus dem Fenster konnten wir die immer wieder kreisende Bachstelze sehen, und raten, wo ihr naheliegendes Nest liegen könnte. Die Alten Rosen sind so gewachsen, dass wir sie selbst hinter dem 2-Meter-Gras noch durchscheinen sehen können. Gerade die Pink Moss wirkt wie direkt aus einem Märchen der Brüder Grimm entstiegen bzw. da die Sorte seit 1696 bekannt ist, ist sie vermutlich einem Märchen der Gebrüder Grimm entstiegen.

    Go GoLand

    Der Blick auf meinen Kalender sagt mir, dass ich mich ernsthafter mit den beiden kommenden Fernuni-Klausuren beschäftigten sollte. Ich beschloß für Sonntagabend, erst einmal die ganzen Aufgaben aus der „imperativen Programmierung“ zu lösen.

    Denn nur weil ich glaube prinzipiell verstanden zu haben, wie die Sprache Go funktioniert, heißt dass noch lange nicht, dass ich in der Lage bin, alle geschweiften Klammern, Kommata, leere Klammern und Punkte in einer Reihenfolge zu setzen, die die Sprache erfordert.

    Das kann und werde ich mir nur mit Training (= Testaufgaben lösen) aneignen.

    Wie eigentlich immer in der Informatik liegt die erste Herausforderung kann nicht im Inhalt, sondern in der Form: Wieder einmal eine Sprache auf dem Rechner installieren, wieder einmal eine Studiumslizenz für eine Programmierumgebung beantragen und dann das vom Lehrstuhl empfohlene GoLand auch noch auf meinem Rechner zum Laufen bringen. Danach ist mein Lernslot vorbei, weiterhin ohne eine geschriebene Klammer.

    Saal 5 ist der in Blau und Rot

    Am Hühnchenimbiss ein Loch in der Scheibe. Wir überlegten, ob es einem Unfall entstammte oder den gerade grassierenden rustikalen Schutzgelderpressungen mit Schusswaffenhilfe. Der Qualität des halben Hühnchens schadete es nicht.

    Denn, es ist absurd, dasjenige der Yorck-Kinos, das am ehesten unauffällig, funktional, praktisch und gut ist, das Delphi Lux, liegt in der Ecke Berlins, die alles andere als unauffällig oder funktional ist.

    Der Bahnhof Zoo hat nicht nur mit Breitscheidplatz, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und Ku’damm alteingesessene Touriattraktionen um die Ecke, mit Zoo-Palast, Delphi Palast und dem Musicaltheater eine große Strahlkraft, sondern auch die Szene, die seit „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ zwar manchmal die Gestalt und die Droge-der-Wahl wechselt, aber zuverlässig zum Zufluchtsort für die Hoffnungslosen wird.

    Und genau dort liegt ein Kino, das mit seinem sieben kleinen bis mittelgroßen Sälen einfach nur praktisch ist. Es liegt direkt an einem Verkehrsknotenpunkt in einer der Berliner Stadtmitten. Das Delphi Lux ist vom Saal her kein Neues Off, kein Filmtheater am Friedrichshain. Das hat genau die Atmosphäre, die nicht vom Film ablenkt. Die Programmauswahl ist bei sieben Sälen groß, Säle und Foyeur unspektakulär einladend. Ein guter Platz für entspanntes After-Work-Kino.

    It was getting orders from a sheep

    Der Montag endete in flauschiger Niedlichkeit. „Glennkill – ein Schafskrimi / The Sheep detectives“1 ist ein Film, der weise auf jeglichen Originalitätsdrang verzichtet, um die Niedlichkeit und ins-Herz-Schließbarkeit der schafischen und menschlichen Charaktere in Szene zu setzen.

    Ein Schäfer wird getötet. Seine Herde, die zwar Menschen verstehen und miteinander sprechen kann, die für Menschen aber nur aus blökenden Schafen besteht, versucht den Fall zu lösen: Im Stil klassischer Whodunits in einer englischen Kleinstadt mit Testamentseröffnung, einem alle-sind-verdächtig-Cast, einer überraschenden Wendung und der großen Verkündungsszene am Ende.

    Da die Schafe ihre Ermittlungsergebnisse nicht selbst präsentieren können, müssen sie den gutmütigen der trotteligen Dorfpolizisten zu den Spuren ziehen, oder diese auch auf den Boden des Polizeireviers malen. Nachts, vor einer unschuldig inhaftierten, die am nächsten Morgen nur erzählen kann „There was a lamb inside. And it was getting orders from a sheep.“

    Hugh Jackman als Schäfer spielte einen perfekten einsam-herzenswarmen Schäfer, Emma Thompson als Anwältin aus der Stadt war genau so schneidig-faszinierend wie mensch sich in einem solchen Setting Anwältinnen aus der Stadt vorstellt, und überhaupt war das alles komplettes wunderbares Flausch-Wohlfühlkino.

    Ein Tag, der mit Fahrrad und Fuchs begann, endete mit Schafen, die zu Wolken wurden.

    Links

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    Von Madame gelesen, während sie unsere dramatisch schwindenden Buttervorräte aufbesserte.

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    Ich hatte ja keine Ahnung! In Bezug auf Partytricks kann ich einäugig Schielen und habe noch eine Merkwürdigkeit in der Hinterhand: die Ohren taub stellen. Nein, das ist nicht nur eine Floskel, das geht wirklich

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    Auch wenn das wahre Basbektball-Team natürlich die Boston Celtics sind, fühle ich mich verbunden: Seit Anfang der 1990er Jahre bin ich Fan der New York Knicks.

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    Wenn Sie also gerade in Richtung Musik etwas lernen, machen Sie es doch bitte in der Außengastro. Es gibt Menschen wie mich, die sie dabei gerne beobachten wollen und die davon auch etwas haben. / ack

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 34 – 7,00€ pro Besuch ↩︎
  • 26-05-16 Merrily we roll along Ohrwurm!

    26-05-16 Merrily we roll along Ohrwurm!

    „13:44: Robbe schaut zu“ – Highlights des Walkadaver-Timmy-Livetrackers.

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    Ex-Neptun-Spielhalle ist jetzt Lonlon Coworking / Eventspace.

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    Familientraditionen, so wichtig. Madame hielt diese aufrecht, indem sie wie fast jedes Jahr am Himmelfahrts-Wochenende einen Großteil der Steuerklärung erledigte.

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    Familientraditionen so wichtig. Der Kaptain schickte Fotos von der Rendsburger Schwebefähre, und wie immer wenn unsere Familie dieses Verkehrsmittel besucht, fuhr es nicht.

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    Es war ein Broadway-auf-Leinwand-Feiertagsabend, ein Gartenofficebrückentag und ein Gartengartensamstag.

    Fische, Drachen, Rote Beete

    Derzeit lese ich Undiné Radzevičiūtės Fische und Drachen. Es handelt sich nur indirekt um einen Vilnius-Roman, da der Roman der litauischen Autorin in einer Altbauwohnung einer ungenannten europäischen Stadt spielt, nachdem diese 50 Jahre bleierne Zeit hinter sich ließ. Die andere Hälfte des Buches spielt im Hofstaat des fünften Kaisers der Qing-Dynastie.

    Nach etwa einem Viertel des Buches kann ich sagen, dass ich das Buch sehr mag, aber emotional noch nicht verstehe. Das kommt vielleicht noch.

    Litauen rückt zeitlich näher. So nahe rückt es, dass ich die Fahrkarte von Warschau nach Kaunas buchen konnte. Dabei erfuhr ich, dass wir mit dem Pink Soup Train fahren werden. Die innerlitauischen Züge dürfen wir erst 30 Tage vor der Fahrt buchen. So nah liegt es noch nicht.

    Warum nicht Kartoffelsalatzug, Deutsche Bahn?

    Außerdem Jagdwurst und Kirschwindbeutel

    Den Feiertag verbrachten wir aus Finnlandausstellungs-Kinokarten-Gründen noch in Berlin. Aber ich hatte genug Vertrauen in die Brückentagsruhe, dass ich entgegen sämtlicher Gewohnheit mit Hotspot ohne Monitor oder Tastatur das mobile Arbeiten aus vom Garten veranstaltete. Es hat zu diesem besonderen Anlass funktioniert.

    Dadurch waren wir Freitag schon da, ab Freitagnachmittag war ich garteneinsatzbereit. Wir konnten den Käsejalapeñobratwurstverkaufswagen ebenso schon Freitag aufsuchen, wie den Supermarkt mit Milch und zweierlei Kartoffeln (Ganz-direkt-aus-der-Erde und als -Chips). Samstag konnte Madame nur aus Jux und Dollerei zu Fuß zum Himbeerkuchenverkaufswagen wandeln, der direkt unseren Weiler zweimal in der Woche aufsucht.

    Aus den vier kleinen Fencheln mit viel Grün, kochte ich Fenchelgrün-Kartoffelsuppe, und da Experiment erfolgreich war und ich mich daran erinnern möchte, wie es funktionierte bloggte ich nebenan darüber, bevor ich vergesse was ich machte. Und wo ich mich schon eingeloggt hatte, stellte ich auch endlich Madames Tomatenkraut aus dem Slow Cooker ein.

    So fühlte sich der Freitag schon an wie Samstag und der Samstag wie Sonntag und morgen haben wir einen ganzen Tag geschenkt!

    Keine Spur mehr von der Hornisse, aber ein papiernes Insektennest

    Offener Kompost, Trockenmauer

    Madame uppte ihr App-Game. Inspiriert durch Frau Brüllen installierte sie die Merlin-App. So konnte sie auch einmal die Dorngrasmücke leibhaftig sehen. Eigentlich ist es einer dieser winzigen braunen Vögel, die immer zu weit weg sind. Aber wenn die App anzeigt, dass sie jetzt singt und man mit ihr triangulieren kann, wo sie sitzen muss, dann kann Madame sie auch sehen.

    Außerdem neu auf dem Handy: Flora Incognita arbeitet zusammen an GartenDiv – zur Bürgerwissenschaftserforschung der Diversität deutscher Gärten unter der Leitung von Dr. Staude [sic]. Erste Feststellung: Mit Ausnahme von „Teich“ hat unser Nicht-Naturgarten jeden in der App vorkommenden Biotoptyp. Zweite Feststellung: Bei einem Tempo von ungefähr fünf bis zehn verschiedenen Pflanzen am Tag (damit 20 Pflanzen in der Woche, da wir nur am Wochende anwesend sind) schaffen wir eine vollständige Liste niemals in einem Monat, ich würde behaupten, nicht einmal in einem Jahr.

    Erstaunlich wie naturnah es wird, wenn mensch eigentlich nur einen Lustwandelgarten für Faule erschaffen möchte.

    Fünfzig Schattierungen des Grüns

    Der Rotdorn hat eine Rot-Grün-Stärke. Das Bäumchen wuchs letztes Jahr für seine Verhältnisse ganz gewaltig. Dieses Jahr blüht er vor allem an den alten Teilen. Das heißt, wir haben ein Bäumchen, das in der unteren Hälfte sehr rot und in der oberen Hälfte sehr grün ist.

    Während der Flieder ganzpflanzenblüht als gäbe es kein Morgen, halten sich die meisten anderen Pflanzen noch zurück. Der rote Ginster hat eine (eine!) Blüte, die immerhin sehr schick ist. Die fünf bereits geöffneten Blüten der Abelie durften ausreichend für einen ganzen Strauch. Der Blütenstaubrand an der Insektentränke ist Zeichen vergangener Pflanzenpracht,

    Die überwiegende Farbe dieses Wochenendes ist weiterhin grün. Die Stauden und das Gras wachsen wie der junge Frühling, die Knospen blasen sich auf, aber noch blühen sie nicht. Der Rosentriebbohrer ist auch zurück, aber wir hoffen, wir haben die meisten seiner Exemplare in die Flucht geschlagen.

    Wir schwelgen in den Grüntönen, die noch oft genug in der Sonne transparent bleiben so frisch wie sie sind.

    Bursting with dreams

    Ich staune über die Yorck-Kinos, dass es ihnen gelingt, obskure Szenen aufzutreiben und ihre Mitglieder in ihr Kino zu locken. Ich staune über die Yorck-Kinos, dass es ihnen gelingt, mich in diese Filme zu locken, obwohl ich gar nicht zur Szene gehöre, null Ahnung habe, was passieren wird, aber denke „das klingt spannend.“

    Merrily we roll along ist ein geflopptes Steven-Sondheim-Musical von 1981. Es lebte als Kult-Classic an den Rändern des Musicalbetriebs und unter Sondheim-Fans weiter, bis es 1991 in London wieder in den größeren Musicalbetrieb aufgenommen wurde, 2022 kam eine Off-Broadway-Inszenierung hinzu, die 2023 an den Broadway umzog.

    Eine echte Verfilmung ist in Arbeit, wird aber aus künstlerischen Gründen bis 2040 brauchen. Wir sahen eine Filmaufnahme der Broadway-Inszenierung.

    Times goes by and hope goes dry

    Neben uns waren vor allem die Mitglieder der englischsprachigen Berliner Theater/Musical-Szene im Odeon anwesend. Nicht nur, dass das Merrily ein Kult-Classic in diesen Kreisen ist, sondern es ist auch ein Meta-Musical über die Musicalproduktion.

    Es erzählt die Geschichte einer Gruppe von drei Freund*innen, die als 20 jährige optimistisch in künstlerischer Vision ins Leben aufbrechen, um 20 Jahre später, zerstritten, desillusioniert, hoffnungslos, zu leben.

    Der Kunstgriff des Musicals: Es erzählt rückwärts. Es beginnt mit einer Party, bei der einer der drei nicht erwähnt werden darf, eine heftig betrunken alle anderen Anwesenden und insbesondere den dritten Freund anpöbelt, der scheinbar irdischen Erfolg hat, aber er ist ausgebrannt und unglücklich.

    Es ist ein Test der Tragödientheorie. Ist in der Tragödie das Ende durch die Ausgangskonstellation schon festgelegt, ist das hier die Frage. Der Plot bewegt sich rückwärts durch die Zeit, besucht Wendepunkte und Schlüsselmomente: Musste es so kommen?

    So wird das geschehen auf der Bühne immer glücklicher, immer weniger schmerzhaft, immer hoffnungsfroher. Es beginnt mit der zerstörten Freundschaft, geht hinüber zum Moment der Zerstörung, dem Kampf gegen die Risse bis schließlich zu den großem Momenten des Glücks.

    Die Menschen auf der Bühne werden immer glücklicher, das Publikum leidet immer mehr, weil immer klarer wird, was sie alles verloren haben. Dabei immer wieder derselbe Song: Merrily we roll along, auch hier in immer fröhlicheren enthuasistischeren Variationen.

    Wie versteckten sie die Mikrofone?

    Ich lernte: Stephen Sondheim ist ein spannender Musicalschreiber. Ich will mehr von ihm sehen.

    Die Möglichkeiten während einer Live-Vorführung einen Film zu drehen, sind meiner „Effi-Briest-im-Deutschunterricht“-Zeit dramatisch besser geworden. Ich hätte nicht gedacht, dass mich der Film alleine mit seiner Technik und Bildführung so hineinziehen kann.

    Daniel Radcliffe (aka Harry Potter bzw. im Musical Charles Kryngas – einer der drei Freunde) kann Musical spielen.

    Links

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    Jetzt wirklich: Z13 – Biskaya die 2. – der lange Bericht

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    Frau Herzbruch auf Curaçao – Teil 4 und Teil 5 und Teil 6.

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    It’s just a dream: Neben der Zeitung liegt noch ein kleiner Haufen aus Ladekabeln und Netzteilen. Ich lege noch mein eigenes Ladekabel dazu und führe einen Ladekabeltanz auf. Die beste Ex-Frau von allen ist nicht begeistert.

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    In einem Haushalt, der regelmäßig mit Klausuraufsichten zu tun hat, mit besonderem Interesse gelesen: Heute erfahren, dass SuS zur Abiturprüfung nicht gedopt sein dürfen, dass zum Beispiel (reguläre) Ritalineinnahme angegeben werden muss. Vom Bogenschießen kenne ich das, da gehört ein Bier vor dem Schießen zu den verbotenen Substanzen, weil es zu ruhigerer Hand führen kann.

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    Ich erfreute mich an der Kaltmamsell-repulica-Planungs-Heuristik: „Guckte also über alles hinweg mit “CEO”, “Founder”, “Geschäftsführer”, gab Staatssekretärinnen und Abteilungsleitungen den Vorzug vor Ministerinnen, je dröger sich der Jobtitel las, desto attraktiver fand ich ihn“

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    Christiane mit der 12-von-12-Cannes-Filmfestival-Reportage

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    Ich war kurz davor, [die neue Assistenz] zu umarmen, auf ein Rollwägelchen zu stellen und durch alle Flure zu schieben, dabei zu rufen „Schaut her, so macht man das, ihr Irrsinnigen!!“ Aber ich hatte Angst, dass sie das befremdlich findet und sie davonläuft.

  • 26-03-19 Suche Empfehlungen für Litauen-Bücher (Tapferes, kleines Handrührgerät)

    26-03-19 Suche Empfehlungen für Litauen-Bücher (Tapferes, kleines Handrührgerät)

    Am Südkreuz, ein Service-Fahrzeug der Hamburger Hochbahn.

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    Nachdem dort am Südkreuz die Plätze ausgehen, an denen sich „Rolltreppe-kaputt“-Absperrungen und Schilder aufstellen lassen, dehnt DB InfraGo die Hinweise auf die Laufbänder an den digitalen Abfahrtstafeln aus. „Nur wenige Fahrtreppen verfügbar“ teilen sie mir mit. Ach.

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    Ein Forschungsprojekt möchte mich als neuem Studiumsabsolventen für das Projekt „Dynamische Bildungs- und Erwerbsverläufe“ über „..die Veränderungen, die sich im Leben junger Menschen oft in kurzer Zeit ereignen“ befragen. Offenbar ist mein persönlicher Bildungs- und Erwerbsverlauf zu dynamisch, um in deren Raster zu passen.

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    Mein Supermarkt teilt mir etwas von Eierlieferproblemen mit, informiert aber auch mit „Hochdruck an einer Eierlösung“ zu arbeiten. Leider tauchen vor meinem inneren Auge sofort Supermarktmitarbeiter in der Hocke mit angespanntem Gesichtsausdruck auf.

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    Muss mensch auch erstmal schaffen: Als Kulturstaatsminister zur Leipziger Buchmesse kommen, und von allen Besucher*innen, dem Börsenverein des Buchhandels und dem Oberbürgermeister auf der Eröffnungsfeier abgewatscht werden.

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    Das Schöne an der Wohnung: Wenn ich um 20 Uhr beschließe noch mal schwimmen zu gehen, aber bis 20:45 Uhr lethargisch im Sessel hänge, komme ich trotzdem noch vierzehn Minuten vor dem 21-Uhr-Einlasschluss ans Drehkreuz.

    Der Nachteil: Wenn einen alle Rettungsschwimmer*innen und Fachkräfte am Beckenrand persönlich kennen, fühle ich mich genötigt nicht allzu planschig im Becken rumzufaulenzen.

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    In der Mittagspause: Gespräche welches Kind auf das monochrom beigste aller Essen besteht.

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    Es waren drei Arbeitstage im Zeichen kommender Ereignisse.

    The Thin Man möchte in der Thomas-Dehler-Bibliothek abgegeben werden

    Die gesammelten Romane von Dashiel Hammett mussten zurück in die Bibliothek.

    Es gab eine Vormerkung einer anderen Person – was mich rein abstrakt freut, das Buch wird noch gelesen. Konkret bedeutet es für mich einen Abbruch inmitten der Lektüre.

    Leider fehlen mir noch The Glass Key und The Thin Man in meiner Lektüreliste. Aber das wird. Bei der weiteren Maltese-Falcon-Lektüre stellte ich fest, wie sehr sich der Film in meinem Hirn verankert hat.

    Der ist eine sehr getreuliche Adaption des Buches und ich konnte gar nicht anders als vor meinem inneren Auge stets die Filmszenen zu sehen und zu denken „kenn ich schon“. An den wenigen Stellen an denen das Buch abwich und noch ein paar Extraschlenker einbaute, war ich sofort wieder aufmerksam und begeistert.

    Vilnius Poker – was noch?

    Langsam könnte ich mich in Voraussicht des Sommers eh auf eine neue Gegend eingrooven.

    Es wird Zeit für die Litauen-Lektüre: Sachbücher, aber vor allem Romane, um ein Gefühl für die Gegend zu bekommen. Mein Internet spuckte bisher Vilnius Poker und Silva rerum als wichtige Romane über Litauen aus – aber selbst Silva rerum ist schon in keiner Sprache mehr erhältlich, die ich verstehe.

    Wer also gute Romane und Sachbücher über Litauen auf deutsch oder englisch empfehlen kann – immer her damit!

    Das letzte Kimchi

    Es ist vorbei. Die letzte Gemüslichkeits-Lieferung der Saison lag im Spanholzschrank an der Bibliothek. Die Solawi hat die Lager geräumt und fand dort neben den (seltenen) Kartoffeln auch noch Grünkohl, Spinat und Kimchi. Es werden noch einmal Festtage werden bevor der Monat der Gemüseentbehrungen kommt.

    Die nächste Lieferung kommt im Mai, wenn wieder etwas Frisches zu ernten gibt.

    Die Gemüslicher suchen noch mindestens 15 Mitglieder für das nächste Jahr. Falls ihr in Berlin oder der Prignitz wohnt, Gemüse tatsächlich mögt (und nicht nur denkt ’sollte ich öfter‘) und regelmäßig so von Anfang an selbst kocht, vermitteln wir gerne.

    (Das sind natürlich keine offiziellen Einstiegsvoraussetzungen. Aber ohne diese Eigenschaften wird es unerfreulich werden, jede Woche Überraschungsgemüse verarbeiten zu müssen.)

    Rueblitorte und Gin Tonic

    Unsere Vermieterin meinte es gut mit uns – also nicht mit uns direkt, sondern allgemein mit den Bewohner*innen unserer Wohnung. Die Kornellkirsche vor dem Fenster ist eine einzige Pracht – und das zu einer Zeit, in der sonst nur erste Knospen zu sehen sich und sich die ersten Forsythien gerade ganz vorsichtig ein bißchen ans Blühen wagen.

    Wenn es dann draußen heiß wird, haben wir Schatten, dann schicke Kirschen und am Ende wunderbar farbiges Laub.

    Blick in eine leuchtend gelbe blühende Kornellkirsche

    Gespannt sind wir, was auf dem Garten-Parkplatz noch wächst. Nur anhand der leeren Sträucher und Bäume lässt sich das meistens nicht raten. Aber bald werden wir Blüten und Blätter sehen und mehr wissen. Eine handvoll Forsythien ist da. Das wissen wir schon.

    Die Kirsche wird einen schönen Hintergrund liefern zum Wohnungs-mit-Menschen-Einweihungs-Anlass.

    Madame bewältigte große Teigmengen, die zwei Kuchenbleche bis zum Anschlag füllten. Unser kleiner Handmixer ist für solche Einsätze nicht gedacht. Tapfer stand er bis zum Bauch im Teig, seine „Füße“ immer noch nicht am Boden der Schüssel. Aber er und Madame rührten und rührten, Optik und Geruch der Kuchen sind vielversprechend.

    Dabei wieder gelernt: Falls wir mal ein paar Kästen Getränke bringen, kommt ein Lieferdienst und sofern er die richtige Zufahrt findet, ist selbst das Ausladen und Hochbringen ein Traum: Abstellen direkt vor dem Eingang, eine breite Treppe und das war’s. Die Knusprei werden wir vermutlich wiederholen.

    Die Charta der Vielfalt geht auf Gardenswartz and Rowe, 2003 zurück

    Bevor der Kuchen zum Einsatz kommt, findet morgen die Digitale-Diversitäts-Klausur statt. Offenbar bin ich jetzt im Master-Studiengang ein alter, abgeklärter Student: noch nie an der Fernuni ging ich derart unvorbereitet in eine Klausur.

    Ich setze darauf, dass die Klausur inhaltlich tief in meinem eigenen Komfortbereich liegt. Die Bestehensquoten in den letzten Semestern lagen irgendwo zwischen >90% und >98%. Trotz arg hemdsärmeliger Vorbereitung mache ich mir trotzdem Bestehenshoffnungen. Die Noten waren mir ja schon im Bachelorstudium egal – ich will den Schein.

    Ich hoffe, wenn ich die Charta der Vielfalt auswendig kann und verstehe wie ein paar theoretische Konzepte funktionieren, sollte der größe Teil funktionieren.

    Planvoll mit dem Staubsauger

    Weil solche spontanen Ausflüge aber besonders viel Spaß machen, haben wir zur Feier unseres Hochzeitstages eine unglaublich schlecht geplante Reise unternommen. – die aber richtig schön klingt.

    Christa Chorherr blickt auf Rätselrallies zurück: Verschwundenes gesellschaftliches Leben

    Den Gedanken hatte ich noch nie, aber er ist treffend: „Für mich ist Teams ein wenig wie ein schlechtes Betriebssystem als Anwendung auf einem mittelmäßigen Betriebssystem.

    Wenn man bei unserem Staubsaugerroboter auf einen Knopf drückt fängt er an zu saugen und fährt dorthin, wo halt Platz ist, und wenn man wieder auf einen Knopf drückt, hört er damit auf. Das ist alles. Umso faszinierter bin ich, was Felix an dem seinen alles rumbastelt.

    Carsten möchte uns nicht mit allzusehr mit seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung behelligen. Aber, (klingt das schon fast pietätlos?), ich fühlte mich von der Schilderung gut unterhalten und lernte auch etwas: Woche 11/2026: Alles Gute Und natürlich vor allem gutes Abheilen!