Baumblattwurfübergangszeit.
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Madame brachte ausgebrochen fotogene gestreifte Kürbisse von der Gemüslichkeit mit, die jetzt den Kühlschrank verschönern. Leider vergaß ich das fotografieren.
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Vor dem Frühstück bewunderten wir Madames Quittentarte und sammelten Rosenblätter ein.
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Ein Polizeiwagen mit Blaulicht und Martinhorn fuhr über den Bürgersteig.
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Es war ein Märkisch-Landmanniges-Wien-Ende-der-Woche
Postimpf in der Zopfmusterstrickjacke /do
Ich bin zurück im regulären Rhythmus, in dem ich einmal in der Woche zu Hause arbeite. So gemütlich es ist, einfach morgens vom Frühstückstisch an den Schreibtisch schlumpfen zu können, so wurden die drei Wochen ohne Außenkontakt nach dem Sturz zu Paris zum Ende hin doch langweilig.
Naja, aber Donnerstag ist traditionell Schlumpftag. Das ergab sich gut, weil ich mir selbst am Tag nach der Corona-Impfung nicht so recht über den Weg traute.
Nach meinen Impfungen 2021/2022 lag ich regelmäßig den nächsten Tag flach. Aber vielleicht hat sich etwas in der Impfstoffentwicklung getan, vielleicht stand auch der Mond richtig – ich konnte auch am Nach-Impf-Tag so gemütlich vor mich hinlümmelarbeiten ohne ernsthaft an’s Flachliegen zu denken.
Prompt wurde ich in einem Meeting gefragt, ob ich noch im Schlafanzug dasitze. Dabei trug ich die hochseriöse Zopfmusterstrickjacke.
Nachmittags kam der Kantor und erzählte von den Vorzügen des dänischen Scheidungsrechts. Ich allerdings konnte dem Gespräch nur kurz lauschen, weil ich selber im Aufbruch begriffen war. Direkt vom Schwimmbad-Office auf halbe Strecke zum Office-Office, um the only Afterwork-Jungkarpfen wo gibt zu treffen.
Spinaci e Averna /do-abend
Als ich kam, hatten sich der Rest der Karpengruppe im Abbruzzo gesammelt; ein Lokal von dem niemand wirklich begeistert ist, dass aber die verschiedenen Anforderungen verschiedener Teilnehmer1 erfüllen kann. Das Gespräch drehte sich bereits um die letzten Besuche beim Gynäkologen und das setzte dann auch einen gewissen Ton der Offenheit für den Rest des Abends.

Nach Pizza, Pasta, Wasser und Averna zogen wir weitere zum eigentlichen Ziel: der Resonanz. Bei Märkischem Landmann, Guinness und Mineralwasser ging es natürlich um Alltägliches, Dienstliches und Privates, aber auch um Grundsätzliches: Was mache ich hier in diesem Job? Warum? Kann ich mir das in fünf Jahren noch vorstellen?
Wobei spannend ist, dass niemand der Karpfengruppe vorher im öffentlichen Dienst war. Die Vor-Erfahrungen reichen von Weltrettungs-Start-Ups, über echte NGOs und klassischen Mittelstand bis hin zu Dax-Unternehmen. Dementsprechend verschieden die Erfahrungen sind, was bei einer Arbeit eigentlich „normal“ ist, und was seltsam.
Auf dem Heimweg fuhr ich hinter einem Radfahrduo, das zu zweit die komplett Straßenbreite einnahm. Sie vertrieben den Parkfuchs, quer auf der Straße lag und nur widerwillig für die beiden aufstand.

One Mississippi, Two Mississippi, Three Mississippi /do-abend
Beim Online-Zeitunglesen musste ich lachen. Gerade erst vor ein paar Tagen hatte ich ja ein wenig über die Bass line geschrieben, die von Chic in „Good Times“ in die Welt gesetzt wurde und dann zum Beispiel bei Kurtis Blow oder Queen wieder auftauchte.
Nun also las ich Nachberichterstattung zu den Midterms. Unter einem Artikel zu den denkwürdigsten Wahlwerbespot der Wahl. Auf Platz 1 der Spot des demokratischen Senatskandidaten aus Missisippi, Scott Colom. Und welche Bass line höre ich im Hintergrund?
Und überhaupt Mississippi. Die Zählung läuft noch. Aber mit jeder Stunde wächst der Vorsprung von Colom um ein paar Dutzend Stimmen. Langsam zeichnet sich ein Sieg ab. In Mississippi, my Mississippi, bei dem Auswärtige sich wundern, dass es dort überhaupt die Demokratische Partei gibt..
Ich glaube von Deutschland aus, ist es weitgehend unvorstellbar wie vielfältig ein Land wie die USA sein kann. Und die andere USA lebt auch nach zwei Jahren extremen MAGA noch. Und sie kann sich wieder zeigen.
Da sich die Entwicklung zumindest ein wenig abzeichnete, bin ich dieser Herbst wieder in der Lage, selber die USA wahrzunehmen, ohne in einen Tisch zu beißen.
College Football spielt wieder eine Rolle. Dabei entdeckte ich einen spannenden blinden Fleck bei mir. Das Team der University of Texas, die Texas Longhorns, die ich einen echten Bullen als Maskottchen haben, waren für mich immer DER Inbegriff des ländlich-reaktionären Texas.
Little did I care, dass die Uni ausgerechnet in Austin, dem Eine-Million-Einwohner-Friedrichshain von Texas ansässig ist, und überhaupt in einer echten Millionenstadt sitzt – was für die SEC sehr untypisch ist. Inzwischen fand ich auch heraus, dass in den USA natürlich auch Studenten beforscht werden wie conservative oder liberal sie sind. Und keine andere SEC-Uni hat einen derart hohen Anteil von liberal zu conservative wie die University of Texas.2,3,4,5,6
Da lag ich wohl falsch in meiner Einschätzung. Nicht, dass es irgendeinen relevanten Unterschied für irgendjemand gemacht hat. Aber ich entschuldige mich innerlich vor mir selbst.
Mit der Ringbahn durch den Nebel /fr
Erst wachte ich Freitag auf, dachte ich hab verschlafen, stellte dann fest, dass es 4:17h war, und kam aus dieser Zeitverwirrung nicht mehr richtig raus. Dann musste ich auf die bicicletta azzurra verzichten, weil ich Abends noch nach Kreuzberg wollte.
Die Ringbahn ratterte durch’s Nebelmeer. Die Rolltreppe der Gegenwart am Südkreuz war erfreulicherweise die Rolltreppe der Gegenwart geblieben und ersparte mir Treppenwanken.

Das große Drama des Arbeitstages – wo bleibt die verschollene Lieferung(!) – betraf mich zum Glück nur am Rande, so dass ich ein wenig für 2027 planen konnte.
Es sieht so aus, als würde ich nächstes Jahr mal wieder einen Versuch mit Fortbildungen im Businesskontext machen, so mit Zertifikat und so.
Gerade im IT-Kontext habe ich gegenüber diesen Fortbildungen großes Misstrauen – am Ende sind das oft genug eins bis zwei Tage Auswendiggebolze, gefolgt von einem Multiple-Choice-Test. Eine Woche nach der „Fortbildung“ weiß ich nichts mehr, darf mich aber für 3000 Euro bei LinkedIn mit einem Badge schmücken.

Baby, it’s dark outside. Es war ein normaler Freitag an dem ich normal die Arbeit verließ, vor die Bürotür trat, und dachte: Oh. Dunkel. Es war eine Dunkelheit, sich wahrscheinlich nicht sehr von der Dunkelheit am Montag, Dienstag oder Mittwoch unterschied. Aber es macht einen erstaunlich großen Unterschied, ob ich über die Tiefgarage mit dem Fahrrad das Büro verlasse und auf der flutlichterleuchteten Hauptstraße lande, ober ob ich zu Fuß direkt vom Gebäude in die weniger erleuchtete Nebenstraße trete.
Auch wenn ich an dem Tag merkte, dass der gebrochene Zeh das ÖPNV-Hin-und-her-Laufen-durch-Berlin irgendwann übel nimmt, zum Kottbusser Tor wollte ich schon. Das Babylon Kreuzberg spielte Die Blutgräfin.7

Wiener Blut /fr-abend
Es gibt Filme, die sollen vor allem Geld verdienen. Es gibt Filme, mit denen sich jemand einen Namen machten möchte, die Welt verbessern oder ein künsterisches Statement in die Welt setzen will. Bei diesem Film, der Blutgräfin, hatte ich den Eindruck, es geht allen Beteiligten vor allem darum Spaß zu haben.
Eine erstaunliche A-Liste des deutschsprachigen Kinos dreht mit übersichtlichem Budget einen Horror-Albernheit über Erzsébet Báthory, die als Vampirin das Wien der Jahrtausendewende 2000 besucht.
Báthory wird von Isabelle Huppert gespielt und der Zweit-Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr bin ich dieses Jahr schon verfallen als sie die Hauptrolle in Everytime spielte. Regisseurin/Drehbuchautorin Ulrike Ottinger nahm schon in den 1960ern an PopArt-Ausstellungen in Paris teil, war später bei der documenta – und weil Ottinger in Berlin wohnt, der Film aber in Wien spielt, hat sie dann halt mal bei Elfriede Jelinek nach Dialogen gefragt8. Dabei entstanden so schöne Sentenzen wie „Mon petit Würgeschatzerl“ als Anrede der Zofe gegenüber der Gräfin.
Im Plot, sofern einer erkennbar ist, geht es um den Wettstreit Erzsébet Báthory – blutig und grausam seit Jahrhunderten und ihren Abkömmling Baron Rudi Bubi von Strudl zur Buchtelau, „grünes Schaf“ der Familie Báthory, der vegetarisches lebt, zahlreichen Ängsten ausgesetzt ist und vom Vampirismus loskommen will, um ein magisches Buch.
Das ist aber nur Anlass um die Figuren quer durch Wien, insbesondere seine makaberen Ecken, zu führen. Die Burschenschaft Vampyria tritt auf, im Café Hawelka gibt es Buchteln, der Kommissar versucht zu ermitteln, und Zofe Hermine hält das Chaos zusammen.
Angeblich spielt der Film im Wien, tatsächlich konnte ich mich an einem wilden Zeitmix erfreuen. Die Vampire sind ja schon per Story alterslos und in verschiedenen Jahrhunderten zu Hause, die meisten Nebenfiguren scheinen dem 19. Jahrhundert entstiegen, und einzelne Orte wie das Café Hawelka sind glaube ich auch im echten Wien zeitlos. Manchmal aber laufen sie halt auch durch moderne U-Bahn-Rolltreppen.9
Höhepunkt ist vielleicht der Vampirball mit Conchita Wurst als Zeremonienmeisterin und einer neu betexteten Version des Walzers Wiener Blut.
Der Film verzichtet vom Beginn an auf jede Disziplinierung durch guten Geschmack und wirft sich hemmungslos in all seine übertriebenen Albernheiten. Würde mehr gesungen, könnte es eine übertriebene Operette sein. Dabei ist er natürlich meisterhaft gespielt (kein Wunder bei dem Ensemble) und liefert Bilder zum Niederknien.
Manchmal aber wurde selbst bei mir eine Grenze der Albernheit erreicht. Manchmal hätte ich mir gewünscht, wenigstens die Figuren selbst würden sich ein bißchen ernst nehmen. Dann hätte es etwas mehr Zug und etwas mehr Fallhöhe gegeben.
Aber falls mensch zufällig kurz davor ist, nach Wien zu fahren, ist der Film in seiner albernen Morbidität natürlich eine perfekte Einstimmung.

In der U-üç nach Wilmersdorf vapten Teenis; Erdbeerduft-U-Bahn.
Links
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Was für eine großartige Bühnenenergie.
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Annuschka mit dem Versuch im ländlichen Ostwestfalen Alltagsrad zu fahren: Nein, ich will nicht!
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Im November lernte ich: In München gibt es ein Geschäft, das gratis ein Getränk ausgibt – wenn man sich seine Iris scannen lässt. Wie hieß das: „wenn etwas nichts kostet, bist du die Ware“. Iris-Daten sind biometrische Daten und damit nach Art. 9 DSGVO besonders geschützt, und das aus gutem Grund. Ein Passwort kann ich ändern, meine Iris nicht.
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alphathiel fuhr in den Neunzigern mit den anderen Azubis ins Landschulheim.
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Mit dem Zug nach Italien, Tag 4: Mailand: Über den Mailänder Strassen sieht es ein bisschen wie in Rīga aus.
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Margrit reist nach Paris. Und weil ich ja schneller lese als derzeit verlinke, kann ich auch schon alle Folgeposts empfehlen. Persönlich freute mich ja sehr, dass sie es auch in das wunderbare Bouillon Chartier am Gare de l’Est versucht hat. Aber dafür müsst und solltet ihr alle Posts durch die ganze Reise lesen.
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Anmerkungen
- Non-gendered: Die Komplikationen sind rein männlich hier ↩︎
- Dabei lernte ich auch: die wahre konservative Uni in Texas ist Texas A&M, die aus einer ehemaligen Militärhochschule hervorgegangen ist. Wie man ihrer Marching Band ansehen kann. ↩︎
- Und dann noch ein schönes Fundstück. Ich finde dieser Marching Band kann mensch schon ansehen, dass New Orleans nicht soweit weg ist. ↩︎
- Und nochmal aus der Nähe. Erstaunlich wie sehr eine Marching Band grooven kann. Da möchte ich den ein oder anderen deutschen Fanfahrenzug gerne zur Fortbildung hinschicken. ↩︎
- Oder doch gleich konsequent sein und sie zu den HBCU (Historical Black Colleges and Universities schicken): Zum Beispiel den Sonic Boom of the South der Jackson State University in Mississippi. ↩︎
- Herzlichen Glückwunsch. Du bist die letzte Person, die bis hierhin durchgehalten hat. Noch mehr zu Jackson State ab etwa Minute 16:20 in „The Three Marching Bands that changed everything.“ ↩︎
- Yorck Unlimited No. 51 – 4,67€ pro Besuch. ↩︎
- Und überhaupt alle. Es lohnt den Wikipedia-Artikel zum Film zu öffnen und einfach mal auf die verlinkten Personen klicken. ↩︎
- Die Funktionieren! ↩︎
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