Schlagwort: Mississippi

  • 26-06-30 Shall I compare thee to a summer’s day

    26-06-30 Shall I compare thee to a summer’s day

    Madame machte Sugo für vier.

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    Am Potsdamer Hauptbahnhof gibt es einen Automat, der herren- und damenlose verschlossene Paketsendungen1 für einen kleinen zweistelligen Eurobetrag verkauft. Dann Überraschung! Ich bin stolz auf mich, dass ich der Neugier standhielt ob des Geschäftsmodell. Und ein bißchen traurig.

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    Am Bahnhof Schöneberg unterhielt ein Ohrstöpseltelefoniermann den halben Bahnsteig mit „Wir müssen die Performance-Muster rauskämmen“ – joah.

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    Eine Frau im Kleid mit dem Farbton S-Bahn-Sitz verschmolz optisch mit diesem. Es sieht aus wie so Green-Screen-Aufnahmen auf denen mensch nur Arme und Beine aus dem Nichts hervorschauen sieht.

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    Es war ein Sonntag unerträglicher Hitze und ein Arbeitsmontag erträglicher Schwüle.

    14 lines of iambic pentameter

    Köpererinnerung wird von der Hitze ans Tageslicht gedrückt. Als wir aus unserem klimatisierten Restaurant auf den abendlich-vorgewittrigen Uber Plaza in die Hitzeglocke traten, sagte mein Körper „Mississippi“ – nach dem Kino, halb in der Nacht, auf den Parkplatz, es ist dunkel, aber immer noch dürckend heiß – genau so war es.

    Absurderweise kommt mir dann Ms. Thomas in den Sinn, die wunderbare Englischlehrerin, die in der 12. Klasse nach Lehrplan 10% Chaucer und 90% Shakespeare unterrichtete; seitdem bin ich Shakespeare-Hool.2

    Das Sonnet 18 poppt im Geiste wieder auf. Shall I compare thee to a summer’s day – ein Sonnet aus glücklicheren Zeiten, als ein Sommertag in England noch nicht bedeutete, vor der gnadenlosen Sonne zu fliehen.

    Shall I compare thee to a summer’s day?
    Thou art more lovely and more temperate:

    Das wäre auch noch im Jahre 2026 angemessen, auch Ende Juni. Die Aussage more temperate zu sein als der Brutofen da draußen, ist vielleicht niedrigschwellig, aber ein Kompliment.

    Rough winds do shake the darling buds of May,
    And summer’s lease hath all too short a date:

    Die Kürze des Sommers wird heutzutage hingegen nicht ganz so oft beklagt.

    Sometime too hot the eye of heaven shines,
    And often is his gold complexion dimmed;
    And every fair from fair sometime declines,
    By chance, or nature’s changing course, untrimmed

    Schwieriger wird es mit:

    But thy eternal summer shall not fade,
    Nor lose possession of that fair thou ow’st;
    Nor shall Death brag thou wander’st in his shade
    When in eternal lines to time thou grow’st:

    Zeitlos das Ende

    So long as men can breathe or eyes can see,
    So long lives this, and this gives life to thee.

    Was für ein Paradies es sein muss, in dem Menschen Wollpullover tragen können ohne in die Notaufnahme zu müssen

    Passend zum amerikanischen Wochenende mühte sich unsere 50- bis 78-jährige Reisegruppe den Sonntag wie so amerikanischen Teenager in den 1990ern zu verbringen: Wir hingen in der klimatisieren Mall ab.

    Nach dem erfreulichen Samstag im Kühlparadies UCI Uber Plaza, folgte der Sonntag im UCI Postdam Bahnhofspassage: wieder ging es eine Stunde im gekühlten SUV über Land, dann ins Parkhaus, dann ins Kino, dann etwas essen. Es war nicht mehr Friedrichshain, sondern Potsdam, es war nicht mehr Baujahr 2006 sondern 1999, aber es war ähnlich.

    Das Kino war voll. Wir waren nicht die einzigen mit der Idee. Und da wir eine Vorstellung zur Peak Tageshitze um 13:30h gewählt hatten, waren wir im Kinderparadies gelandet. Fast hätte ich gegen 9-jährige um meinen Rosa-goldenen Slushi kämpfen müssen.

    Wir verbrachten Zeit im Foyer, rätselten über die seltsame Aussicht.

    Das Baufeld ist noch unklar. Aber ich fand inzwischen heraus: Der Turm gehört zur Seniorenresidenz Heilig-Geist-Park, die Ende der 1990ern auf den Fundamenten der gesprengten Heilig-Geist-Kirche entstand.

    Dann verschwanden wir in Saal 7. Noch einmal Glennkill – ein Schafskrimi, diesmal in der deutschen Vorstellung, wir in anderern Formation und diesmal mit Liegesitzen. Die gestochen scharfen Bilder wogen die Klimaanlage am Rande ihrer Leistungsfähigkeit nur mit Mühe auf – es war nicht mehr Vergeh-Heiß, aber schwül und stickig im Saal – das konnte Friedrichshain besser – der Film allerdings war auf deutsch genauso toll und lieb und wunderbar wie auf englisch.

    Danach Eisdiele. Diese servierte auch Pizza. Wir beschlossen zu drei Vierteln, dass wir genug Schweisssalz verloren hatten, und schwenkten spontan zu dieser um. Einkaufszentrums-Spontan-Pizza, was gibt es besseres.

    DON’T MOVE!

    Das Kino: rappelvoll. Die Straßen: rappelleer. Die Wege um die Latifundien herum: ausgestorben. Eine einzige Radtour sah ich um 8:36h. Die einzigen Zeiten zu denen ich mich dort freiwillig bewegte lagen zwischen 23 und 8 Uhr.

    Selbst wenn wir es schafften, die heißesten Stunden des Tages in gekühlten Räumen zu verbringen, blieben reichlich heiße Stunden übrig, bis wir um 23 Uhr endlich die 30 Grad Außentemperatur erreicht hatten. Es galt die Kunst des Minimalismus zu zelebrieren.

    Madames getöpferte Insektentränke wird angenommen. Da wir uns selbst am Sonntag nicht mehr bewegten, hatteen wir die Chance näher in Augenschein zu nehmen. Gerade die Hippiewespen, die friedlichen Feldwespen, nutzten diese eifrig. Manchmal landen sie zu Madames Freude auf dem vorgesehenen Ein- und Ausstieg, viel öfter aber besteigen sie abgefallene Rosenblätter, die nun wie kleine Schiffchen auf dem Wasserbecken dümpeln, und als Lande- und Trinkplatz ausersehen werden.

    Neue Freude: Bahnfahrt live auf der Railmap-App verfolgen

    Ich fragte mich: Mal angenommen, ich würde wirklich auf dem Land leben, sagen wir jenseits von Neuruppin. Und der eine Zug, den ich benötigte, würde ausfallen. Wäre ich etwas stadtnäher, vielleicht Kremmen, gäbe es eine halbe Stunde später eine Alternative, die ebenfalls ausfallen würde. Und der Nachfolger „meines Zuges“, eine ganze Stunde später, hätte 40 Minuten Verspätung mindestens, und aus zwei Zugteilen des eh immer überfüllten Zuges wäre einer geworden.

    Was würde ich dann machen? Eine Stunde vierzig in Neuruppin am Bahnhof stehen? Arbeitgeber oder anderen erklären, warum ich schon wieder zwei Stunden zu spät bin? Fragen, die mir durch den Kopf gingen, während sich am Kremmener Bahnhof die Ereignisse im Brandenburger Tempo überschlugen: Zug um 5.49h gestrichen, Zug um 6:15h gestrichen, Zug um 6:50h einteilig mit mindestens 40 Minuten Verspätung.

    Zum Glück hatte ich Madame dabei, und diese das Auto, so dass wir zur S-Bahn nach Hennigsdorf fahren konnten, und ich wieder weiß, warum ich normalerweise unter der Woche in Berlin bleibe. Die S-Bahn-Fahrt selber ist schön, aber mir fällt Schöneres ein, was ich in diesen Anderthalb Stunden (+x) machen kann.

    Zurück der Regio ab Charlottenburg. Ein Anlass für eine weitere West-Berlin-Exkursion: Irgendwann werde ich begreifen wie dieser Bahnhof funktioniert. Diesmal fuhr der Zug; vollwagig. Wieder mit 40 Minuten Verspätung. Bis ich neben Madame in den klimatisierten Autositz sinken durfte.

    Links

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    Dieses Wochenende im Kino war ein Ding. Auch in Friedrichshain im Kühlpalast war Reading in Sweden (wir müssen uns knapp verpasst haben): Hoffen auf den erlösenden …, und ich glaube weiter im Westen Berlins Sari: Unser #WIB am 27./28.06.2026 – Totalausfall oder doch Hitzefrei?

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    Liebe alles am Text, der beginnt mit „Jede einzelne Zugtoilette hat einen eigenen Computer und Schaltschrank der sie steuert.“ und endet mit „Denn ich vertraue darauf Jesus Christus, ich weiß, dass er immer auf mich aufpasst und einen guten Plan für mich hat. Auch wenn Züge ausfallen und kurzfristig Chaos entsteht weiß er wie ich sicher nach hause komme.“

    Nebenbei stelle ich fest, dass ich weiterhin Null Interesse für Blogsoftware und ähnliches aufbringe, aber computergesteuerte Bahntoiletten – that’s my kind of technology!

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    Schafe! Und Meer! Und kühl! Irgendwann komme ich noch auf die Insel. Bis dahin allerdings: Große kleine Sprache Färöisch (via Zeilenkino)

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    Außerdem habe ich ein Schälchen mit „Streber und stolz darauf“-Buttons im Büro, da können sich alle einen nehmen; gesünder als Süßigkeiten. – kann ich dafür bitte einen Klassensatz für den nächsten Wikipedia-Stammtisch bestellen?

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    Frau Novemberregen mit Freuden des Alters: [I]m Laden lief Gothic und Dark Wave der 80er, ich lobte die Musik, die sich für mich positiv vom ewigen Elektrogedudel des Stammpersonals abhob. Die junge Frau wollte mir die Bands und die damalige Szene erklären und ich sagte „entschuldige Mal“ und erklärte es dann umgekehrt ihr.

    Anmerkungen

    1. Technisch diese Plastikumschläge, die der moderne Versender von heute gerne verwendet. Die passen besser in die kleinen Fächer als echte Kartons. ↩︎
    2. Chaucer natürlich auch. Aber das würde ablenken. Whan that Aprill, with his shoures soote / The droghte of March hath perced to the roote / And bathed every veyne in swich licour, / Of which vertu engendred is the flour; / Whan Zephirus eek with his sweete breeth / Inspired hath in every holt and heeth ↩︎
  • 26-06-23 Taupunkt 22 Grad. Just as once upon a time in Mississippi.

    26-06-23 Taupunkt 22 Grad. Just as once upon a time in Mississippi.

    Schweiß-Salzränder auf dem T-Shirt.

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    Klassenfahrtknäuel am Bahnhof Südkreuz.

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    Der Kaptain beackert mit bewundernswerter Energie das Dithmarscher Gesundheitssystem.

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    Der Fifa-Friedenspreistäger droht wieder einmal, den Iran „in Grund und Boden zu bomben“. Um die Männer-Fußball-WM zu verfolgen, ist dieses Jahr noch mehr intellektuelle und moralische Selbstverleugnung als sonst nötig.

    Im Tippspiel dümpele ich weiter vor mich hin, derzeit auf Platz 16. Guter ITler der ich bin, habe ich auch schon einmal vergessen, auf Speichern zu drücken.

    Nachbar Canineri enttäuschte uns. Am frühen Abend vor dem Deutschlandspiel hatte er anscheinend ein paar Kumpels da und wir hofften aus Live-Geräusch-Berichterstattung von ein paar Gärten weiter. Aber bis zum Anpfiff um 22 Uhr war er anscheinend alleine. Sein einsames „Tor! Nein! Doch nicht!“ wirkte er traurig als fanbegeistert.

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    Es war ein schwül-bratwurstig-pfirsicher Latifundiensonntag und ein prozessionsspinnend-freibadiger Montag.

    As in Berlin, 2023, 2024, 2025

    Das vorletzte Juniwochenende macht in Wiederholung. 2026 las ich ermattet von Hitze, Schwüle und unter dem Wissen um die Unwetter der Gegend in alten Blogposts.

    2025 hatte ich am 24. Juni unter Peak Tageshitze geschrieben: „Berlin gab Klimakrise mit erst 35 Grad und dann sturmgefällten Bäumen“, im Jahr 2024 war es etwas später, da lautet der einschlägige Blogpost vom 2. Juli „Vier Schattierungen der Schwüle„. Im Jahr 2023 schrieb ich am 20. Juni „Die Wettervorhersage sieht für die nächsten Tage Temperatursprünge von knapp zehn Grad nach oben und unten vor, zwischendurch Regen. Welcome to heiße Waschküche.“

    Noch spannender allerdings fand ich den Eintrag vom 24. Juni 2025 zu einem anderen Thema: Spannende Entdeckung zum Schachbrettfalter: Seit drei Jahren blogge ich über ihn und jeweils erscheint der Post am vorletzten Juniwochenende. Anscheinend ein Falter mit einem sehr zuverlässigen Jahresrhythmus.

    Ich dürfte raten, welchen Schmetterling wir dieses vorletzte Juniwochenende ganz besonders oft sahen, so dass er auf jeden Fall im Blogpost vorkommen sollte.

    As in Memphis, 1992, 1993

    Wetter war in Thema. Wir saßen sonnengeschützt aber weichgekocht unter dem Schattiernetz als wir irgendwie auf meine Zeit in Southaven, Mississippi, Vorort von Memphis 1992/1993 zu sprechen kamen.

    Unter anderem mit der Frage: „Wie war dort das Wetter?“, und ich konnte nur antworten: „So wie jetzt.“ Denn die heißesten Sommermonate hatte ich damals ausgelassen, war nur von Elvis‘ Todestag Mitte August bis zum Ende des Schuljahres im Juni vor Ort.

    Aber diese Schwüle, diese entsetztliche Schwüle, blieb mir auch noch aus dem September, Oktober, April und Mai in Erinnerung: Football-Training in stehender Luft. Der ewige Duft feuchter Erde. Der leichte Dauer-Schweißfilm, der in jedem klimatisierten Raum verdunstete und sich sofort neu bildete, sobald sich eine Außentür öffnete; Outside-Aktivitäten, die weit in den Abend hineingezogen wurden. Footballspiele im Dunkeln aber Warmen.

    Tagsüber war das ein Wetter wie jetzt. Ein Wetter für Klimaanlagen oder rollende Ermattung unter intensiver Beobachtung von Wetter-Apps. Ich lernte, dass das Maß für absolute Feuchtigkeit der Taupunkt ist.

    Der Taupunkt sagt objektiv wieviel Wasser in der Luft gelöst ist, unabhängig von der Temperatur, subjektiv ist er ein Anhaltspunkt dafür als wie drückend Wetter empfunden wird. Dabei gilt generell ein Taupunkt bis 15 Grad angenehm. Darüber wird es schwül. So ab 18-19 Grad Taupunkt wird es sehr unangehm und bei 24 Grad Taupunkt beginnen größere Gruppen von Menschen Kreislaufprobleme zu bekommen.

    In Memphis zu meiner Zeit lag er zumindest in den Fast-Sommermonaten Mai/Juni/September/Oktober jenseits der 20 Grad. Auf den Latifundien am Wochenende lag er bei 22.

    Noch blühen die Alten Rosen

    Wir saßen weiter im Insektenobservatorium Pergola. Wildbienen in allen Tönen von schwarz, braun und gelb surrten um uns herum. Wie beruhigend das Surren war. Wie beschaulich das Schwirren und Sirren der Tiere wirkte.

    Wie hektisch es wirkte, wenn ich eine einzige Biene fokussierte, „Blüte – Rein – Check – Raus – Blüte – Rein – Check – Raus“.. bevor ich beschloss doch wieder mehr auf das beschauliche Summen zu achten. Unwetter und Regen hatten einmal alles geputzt. Die Sauerkirschen leuchteten am Baum, die Johannisbeeren versteckten sich, die Schachbrettfalter flatterten.

    Am Tor zum Feld, ein neuer Gast: Der Balkenschröter Dorcus parallelipipedus1, ein Käfer mit einer „weiten Präsenz in naturnahen Gärten und Parks.“ Das nehme ich jetzt als Kompliment.

    Zia sociale und zio machina kamen zur Übergabe des Rennpolos und brachten Kirschplotzer mit. Während Internet und Sirenengeheul aus der Ferne Landunter meldeten, saßen wir im Fast-Trockenen, redeten über dies und das über Kniee und Hüften über Kirschplotzer mit und ohne Stein.

    Madame hatte das Kochbuch gut bei hitze von Katharina Seiser konsultiert, bereitete Tomaten-Pfirsisch-Salat (sah besser aus) und Salsa-Verde-Fenchel-Bohnen-Salat (schmeckte besser), dazu ein gegrilltes Bratwurst-Potpurri von Wildelust.

    Es war schön.

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    Gemischtschöner war die Berliner Rückkehr in den Alltag.

    Das hafenstädtischen Kalendergötter setzten Madame die Woche der Wochen in den Dienstplan, die immerhin Stoff für zwei bis drei normale Wochen abarbeitet.

    Freundlicherweise möchte meine eigene Stelle diese Woche wieder weniger von mir, eine der zu vertretenden Stellen ist wieder besetzt, die zweite wird Mittwoch wieder besetzt und der Sonntagabend offenbarte noch eine weitere Deus-Ex-Machina-Vertretung.

    Ich schaute in meinen Kalender, weitete ungläubig die Augen und begann kurz zu hecheln, als ich merkte, dass es ich nur noch 36 Nicht-Urlaubs-Tage bis zur Imperativen Programmierklausur habe. Bis dahin hatte ich immer noch keine Klammer in Go geschrieben.

    Jetzt schon.

    Wellen. Fast wie im Freiwasser. Nur klarer.

    Die Berliner Großstädter durchlaufen eine unfreiwillige Fortbildung zum Thema „Welcher Baum ist eine Eiche?“ Die Bezirke kennzeichnen diese jeden Tag etwas flächendeckender mit weiß-roten Absperrbändern auf denen „Eichenprozessionsspinner“ steht.

    Wenn ich einen Radwege sehe, neben dem links und rechts ein Dutzend gekennzeichnete Eichen stehen, ich daran denke, dass schon einzelne eingeatmete Härchen Reaktionen erzeugen können und im 20-Sekunden-Takt Radfahrer*innen vorbeifahren, dann zweifle ich an der Situation.

    Die spinnen, die Eichen

    Frei nach Margrit, Wasser erdet mich, hatte ich mich bei 30 Grad Richtung Insulanerbad begeben2.

    Es war voller. Die Schnellschwimmbahn war zur Mäßíg-schnell-Schwimmbahn motiert, die Schwimmbahn war zur Langsamschwimmbahn geworden und der Treibzholzbereich hatte sich in Richtung „versuch es gar nicht erst“ gewandelt. Aber noch was alles sutsche, peacig, die Sonne schien, ein leichtes Lüftchen wehte, und ich konnte im kühlen klaren Wasser schweben.

    Hach, ach, wie schön, schweben erdet.

    Links

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    Gelesen und für gut befunden. Ich freue mich schon auf die Umsetzung: Milchreis-Eiscreme

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    Gelesen und für gut befunden. Umsetzung hier schwierig, weil Mangos im Juni. Mango Gazpacho

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    Für den Freundeskreis Dystopie: Palettenweise wandern Sachbücher und Romane aus europäischen Antiquariaten in die USA. Dahinter stecken mutmasslich KI-Unternehmen: Sie nutzen gedruckte Bücher als Rohdaten für ihre Sprachmodelle – und werfen sie nach dem Scannen in die Tonne.

    Anmerkungen

    1. Heißt der lateinische Name auf deutsch wirklich Parallelfuß? ↩︎
    2. Kabanenbesuch No. 4 – 20 Euro pro Besuch ↩︎
  • 26-01-08 Der Vampir tanzte Jig im 9/8-Takt

    26-01-08 Der Vampir tanzte Jig im 9/8-Takt

    Laut Asterix-das Kartenspiel bestand das römische Heer vor allem aus Generälen, Legionären und Hornisten. Wer vier Hornisten in seine Truppe sammeln kann, bekommt 100 Bonuspunkte.

    Die Benutzung einer Küche macht mehr Spaß, wenn die Spülmaschine und vor allem der Wasseranschluss in der Küche problemlos funktioniert.

    Noch 13 unausgepackte Umzugskartons, derzeit aber auch noch einige neu angebrachte ungenutzte Regalbretter.

    Madame nutzte die Chance der funktionierenden Küche zum Einkauf bei Ledo, brachte guten frischen Kimchi, noch frischere Artischocken und Doraden mit. Das Suppenhuhn hatten wir an Neujahr aus dem Suppenhuhnautomat nahe der Latifundien gelassen.

    Es waren die letzten Tage zwischen Weihnachten und dem zurückkehrenden ernsthaften Ernst des Lebens. Einer davon mit Arbeit, einer mit Besuch aus Wien, und zwei Filmen.

    Der wir-Schwimmen-zu-Hause-Streak hielt zumindest bis zum 4. Januar. Wenn ich richtig rechne, waren wir am 2. und am 4. im Becken. Madame besorgte sich eine Monatskarte und beschloss, sich mit Total Immersion zu beschäftigen. Das bringt uns gerade einige Zeit ins Nichtschwimmer– Lehr-Schwimmbecken, um lustige Übungen zu machen. Auch wenn wir verschiedene Startpunkte haben, profitieren wir beide stark davon.

    (Immer noch mit dem eigenartigen Gefühl, dass vermutlich jede Person am Beckenrand weiß wer wir sind und im Zweifel interessiert zuschaut).

    Der Yorck-Unlimited-Pass verleitete zu zwei Kinobesuchen in den ersten drei Tagen des Jahres (damit bisher 119 Euro/Besuch). Beide Filme waren auf ihre Art episch, manchmal schwierig, aber hochspannend: New York, New York im Rahmen der Reihe Boulevard Noir im Yorck-Kino und Sinners im Odeon.

    Start spreading the news

    Das Jahr beginn mit einem Martin-Scorsese-Musical. New York, New York von 1977 bewies warum das Genre des Depri-Musicals sich nicht durchsetzte. Aber was für ein Film. Ein Film

    • Der eine Hommage an die Hollywood-Musicals der 1940er war
    • Aber sich in einem 1970er gritty Sozialrealismus zu Hause fühlte
    • Ein Vehikel für Robert de Niro und Liza Minella darstellte
    • Zeigte, dass der Mensch der künstlerisch auf der „richtigen und wahren“ Seite steht trotzdem ein totales Arschloch sein kann
    • Jazz und Swing der 1940er feierte (in seiner BigBand- und seiner Harlem-Club-Version. So spannend wie verschieden sich eine eigentlich sehr ähnliche Musik im Film anhören kann)
    • Der auf Rassentrennung der USA in den 1940ern/1950ern hinwies
    • Vollkommen zurecht Liza Minellas Hairstylist im Vorspann erwähnte (Sydney Guilaroff – „a British-American hair stylist during Hollywood’s Golden Age, and the first to receive on-screen credit in films“)
    • Großartige Musiknummern hatte
    • Halb ausversehen eine Hymne in die Welt setzte. (eben jenes New York, New York – man musste sich beim Zusehen immer wieder sagen, dass der Song dem damaligen Publikum komplett unbekannt war, weil eben nur für den Film geschrieben)yout
    • Mit seit einer Woche einen Ohrwurm in den Kopf setzt
    • Großartige immer wieder Tricktechniken der 1940er zitierte
    • Ein spaciges Musical im Musical vorführte
    • Das vermutlich unpassendste und schlechtgelaunteste Liebes- und Ehepaar der Musicalgeschichte porträtierte

    This movie ain’t no fun. Aber so so spannend und mitreissend beim zusehen.

    Ain’t no Haints

    Sinners (Titel im deutschen Verleih: Blood and Sinners) ist fast 50 Jahre jünger als New York, New York, aber wie dieser Film auch ein unfrohes Musical. Bei Sinners sind die Probleme Vampire und Rassismus.

    Der Film, laut irgendwelcher Internetseiten derzeit übrigens Oscar-Frontrunner, ist einerseits ein klassischer Genrefilm Vampire des Jahres 2025 mit demenstprechend viel Blut, Gewalt und Trickeffekten. Brauch ich nicht, kann ich (im Gegensatz zu Madame) aber auch ganz gut ignorieren, und die Genrekonventionen einfach als Mittel zum Zweck ansehen:

    Der Film erzählt eine Geschichte über das Schwarze Mississippi der 1930er. Die Sklaverei ist de jure seit über 60 Jahren beendet, de facto existiert sie durch das Sharecorpping-System weiter. Schwarze arbeiten auf den endlosen Baumwollplantagen und werden mit selbstgeschnitzten Holzdollars bezahlt. Wer aufmuckt kommt ins Gefängnis, oder wird vom Ku-Klux-Klan geholt. Die einzige, oft vergebliche Hoffnung: die Great Migration, die Flucht in den Norden nach Chicago, New York und in andere Großstädte.

    Erzählt ist er aus einer Schwarzen Perspektive. Ausbeutung und Rassismus werden thematisiert, vor allem aber die schwarze Kultur der Zeit gefeiert. Weiße kommen fast nicht vor. Die einzigen Sympathieträger sind Mary (weiß aussehend mit schwarzem Großvater, damit nach US-Rassenlogik selber schwarz) und der irischstämmige Vampir. Selbst der Vampir ist sympathischer und menschlicher als die Weißen aus Mississippi.

    Spannend: der Vampir ist Europäer. Sowohl der Vampir im Film wie auch der Vampirmythos. Die Hoodoo-Wissende der Gemeinde erwähnt mehrmals, dass sie sich mit Haints, den Geistern des Hoodoo, auskennt, von Vampiren aber bisher nur härte und diese nie sah.

    Kern des Films sind zwei Musiknummern: das als Blues beginnend Lied to you, das „die Geister der Vergangenheit und Zukunft beschwört, in eine Melange mit Gospel, Rock und Hip Hop übergeht“ und die Vampirnummer Road to Dublin zu der der Obervampir einen Jig tanzt.

    Auch ein wirklich spannender Film. Man muss nur halt nur den 2020er-Action-Blut-FX-Schlacht-Teil mögen oder zumindest tolerieren. Ich liebte den Film, schon weil sie die einzige echte und beste Art des Englischen Reden: Delta Englisch – wie es sich gehört.

    Schnee!

    Auf dem Weg nach Hause: Schnee schippen. Das erste Mal in Berlin. Wenn das Bad abends geschlossen ist, sind wir die einzig Anwesenden. Wenn wir über das große Grundstück zur Straße kommen wollen, empfiehlt es sich den knöchelhohen Schnee aus dem Weg zu schippen bevor er festfriert.

    Außerdem ist unserer beider Verbundenheit mit den Besitzern von Wohnung und Grundstück sehr viel höher als in der vorherigen Wohnung.

    Freundlicherweise haben die Kolleg*innen Schaufeln und Streugut so im Keller gelagert, dass wir dort herankommen. Dabei gesehen: Der Fuchs ist auch noch da.

    Niki Kater Quark

    Julia war im Sprengel-Museum Hannover.

    Daniel schrieb eine Geschichte.

    Thomas schrieb handgemachten Quark. Ha!

    Darüber machte ich mir noch nie Gedanken: Wie viel kosten ÖPNV-Monatskarten im Vergleich zur Einzelfahrt. In Europa liegt die der Preis der Monatskarte irgendwo zwischen 12 Fahrten (Prag), 16 (Berlin mit Deutschlandticket) 20 Fahrten (die meisten italienischen Städte) bis zu etwa 35 Fahrten (Paris). Andererseits sind die Monatskarten in London und Istanbul so teuer, dass ihr Erwerb in gar keinem Szenario Sinn ergeben, in Nordamerika liegt die Ratio bei knapp 50 Fahrten bevor die Monatskarte lohnt.

    Ein bißchen umherschweifend im Stil, aber im nächsten Leben werde ich Keyboard-Nerd: Non-Canon Wordprocessors und ihre Keyboards.