26-06-30 Shall I compare thee to a summer’s day

Madame machte Sugo für vier.

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Am Potsdamer Hauptbahnhof gibt es einen Automat, der herren- und damenlose verschlossene Paketsendungen1 für einen kleinen zweistelligen Eurobetrag verkauft. Dann Überraschung! Ich bin stolz auf mich, dass ich der Neugier standhielt ob des Geschäftsmodell. Und ein bißchen traurig.

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Am Bahnhof Schöneberg unterhielt ein Ohrstöpseltelefoniermann den halben Bahnsteig mit „Wir müssen die Performance-Muster rauskämmen“ – joah.

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Eine Frau im Kleid mit dem Farbton S-Bahn-Sitz verschmolz optisch mit diesem. Es sieht aus wie so Green-Screen-Aufnahmen auf denen mensch nur Arme und Beine aus dem Nichts hervorschauen sieht.

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Es war ein Sonntag unerträglicher Hitze und ein Arbeitsmontag erträglicher Schwüle.

14 lines of iambic pentameter

Köpererinnerung wird von der Hitze ans Tageslicht gedrückt. Als wir aus unserem klimatisierten Restaurant auf den abendlich-vorgewittrigen Uber Plaza in die Hitzeglocke traten, sagte mein Körper „Mississippi“ – nach dem Kino, halb in der Nacht, auf den Parkplatz, es ist dunkel, aber immer noch dürckend heiß – genau so war es.

Absurderweise kommt mir dann Ms. Thomas in den Sinn, die wunderbare Englischlehrerin, die in der 12. Klasse nach Lehrplan 10% Chaucer und 90% Shakespeare unterrichtete; seitdem bin ich Shakespeare-Hool.2

Das Sonnet 18 poppt im Geiste wieder auf. Shall I compare thee to a summer’s day – ein Sonnet aus glücklicheren Zeiten, als ein Sommertag in England noch nicht bedeutete, vor der gnadenlosen Sonne zu fliehen.

Shall I compare thee to a summer’s day?
Thou art more lovely and more temperate:

Das wäre auch noch im Jahre 2026 angemessen, auch Ende Juni. Die Aussage more temperate zu sein als der Brutofen da draußen, ist vielleicht niedrigschwellig, aber ein Kompliment.

Rough winds do shake the darling buds of May,
And summer’s lease hath all too short a date:

Die Kürze des Sommers wird heutzutage hingegen nicht ganz so oft beklagt.

Sometime too hot the eye of heaven shines,
And often is his gold complexion dimmed;
And every fair from fair sometime declines,
By chance, or nature’s changing course, untrimmed

Schwieriger wird es mit:

But thy eternal summer shall not fade,
Nor lose possession of that fair thou ow’st;
Nor shall Death brag thou wander’st in his shade
When in eternal lines to time thou grow’st:

Zeitlos das Ende

So long as men can breathe or eyes can see,
So long lives this, and this gives life to thee.

Was für ein Paradies es sein muss, in dem Menschen Wollpullover tragen können ohne in die Notaufnahme zu müssen

Passend zum amerikanischen Wochenende mühte sich unsere 50- bis 78-jährige Reisegruppe den Sonntag wie so amerikanischen Teenager in den 1990ern zu verbringen: Wir hingen in der klimatisieren Mall ab.

Nach dem erfreulichen Samstag im Kühlparadies UCI Uber Plaza, folgte der Sonntag im UCI Postdam Bahnhofspassage: wieder ging es eine Stunde im gekühlten SUV über Land, dann ins Parkhaus, dann ins Kino, dann etwas essen. Es war nicht mehr Friedrichshain, sondern Potsdam, es war nicht mehr Baujahr 2006 sondern 1999, aber es war ähnlich.

Das Kino war voll. Wir waren nicht die einzigen mit der Idee. Und da wir eine Vorstellung zur Peak Tageshitze um 13:30h gewählt hatten, waren wir im Kinderparadies gelandet. Fast hätte ich gegen 9-jährige um meinen Rosa-goldenen Slushi kämpfen müssen.

Wir verbrachten Zeit im Foyer, rätselten über die seltsame Aussicht.

Das Baufeld ist noch unklar. Aber ich fand inzwischen heraus: Der Turm gehört zur Seniorenresidenz Heilig-Geist-Park, die Ende der 1990ern auf den Fundamenten der gesprengten Heilig-Geist-Kirche entstand.

Dann verschwanden wir in Saal 7. Noch einmal Glennkill – ein Schafskrimi, diesmal in der deutschen Vorstellung, wir in anderern Formation und diesmal mit Liegesitzen. Die gestochen scharfen Bilder wogen die Klimaanlage am Rande ihrer Leistungsfähigkeit nur mit Mühe auf – es war nicht mehr Vergeh-Heiß, aber schwül und stickig im Saal – das konnte Friedrichshain besser – der Film allerdings war auf deutsch genauso toll und lieb und wunderbar wie auf englisch.

Danach Eisdiele. Diese servierte auch Pizza. Wir beschlossen zu drei Vierteln, dass wir genug Schweisssalz verloren hatten, und schwenkten spontan zu dieser um. Einkaufszentrums-Spontan-Pizza, was gibt es besseres.

DON’T MOVE!

Das Kino: rappelvoll. Die Straßen: rappelleer. Die Wege um die Latifundien herum: ausgestorben. Eine einzige Radtour sah ich um 8:36h. Die einzigen Zeiten zu denen ich mich dort freiwillig bewegte lagen zwischen 23 und 8 Uhr.

Selbst wenn wir es schafften, die heißesten Stunden des Tages in gekühlten Räumen zu verbringen, blieben reichlich heiße Stunden übrig, bis wir um 23 Uhr endlich die 30 Grad Außentemperatur erreicht hatten. Es galt die Kunst des Minimalismus zu zelebrieren.

Madames getöpferte Insektentränke wird angenommen. Da wir uns selbst am Sonntag nicht mehr bewegten, hatteen wir die Chance näher in Augenschein zu nehmen. Gerade die Hippiewespen, die friedlichen Feldwespen, nutzten diese eifrig. Manchmal landen sie zu Madames Freude auf dem vorgesehenen Ein- und Ausstieg, viel öfter aber besteigen sie abgefallene Rosenblätter, die nun wie kleine Schiffchen auf dem Wasserbecken dümpeln, und als Lande- und Trinkplatz ausersehen werden.

Neue Freude: Bahnfahrt live auf der Railmap-App verfolgen

Ich fragte mich: Mal angenommen, ich würde wirklich auf dem Land leben, sagen wir jenseits von Neuruppin. Und der eine Zug, den ich benötigte, würde ausfallen. Wäre ich etwas stadtnäher, vielleicht Kremmen, gäbe es eine halbe Stunde später eine Alternative, die ebenfalls ausfallen würde. Und der Nachfolger „meines Zuges“, eine ganze Stunde später, hätte 40 Minuten Verspätung mindestens, und aus zwei Zugteilen des eh immer überfüllten Zuges wäre einer geworden.

Was würde ich dann machen? Eine Stunde vierzig in Neuruppin am Bahnhof stehen? Arbeitgeber oder anderen erklären, warum ich schon wieder zwei Stunden zu spät bin? Fragen, die mir durch den Kopf gingen, während sich am Kremmener Bahnhof die Ereignisse im Brandenburger Tempo überschlugen: Zug um 5.49h gestrichen, Zug um 6:15h gestrichen, Zug um 6:50h einteilig mit mindestens 40 Minuten Verspätung.

Zum Glück hatte ich Madame dabei, und diese das Auto, so dass wir zur S-Bahn nach Hennigsdorf fahren konnten, und ich wieder weiß, warum ich normalerweise unter der Woche in Berlin bleibe. Die S-Bahn-Fahrt selber ist schön, aber mir fällt Schöneres ein, was ich in diesen Anderthalb Stunden (+x) machen kann.

Zurück der Regio ab Charlottenburg. Ein Anlass für eine weitere West-Berlin-Exkursion: Irgendwann werde ich begreifen wie dieser Bahnhof funktioniert. Diesmal fuhr der Zug; vollwagig. Wieder mit 40 Minuten Verspätung. Bis ich neben Madame in den klimatisierten Autositz sinken durfte.

Links

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Dieses Wochenende im Kino war ein Ding. Auch in Friedrichshain im Kühlpalast war Reading in Sweden (wir müssen uns knapp verpasst haben): Hoffen auf den erlösenden …, und ich glaube weiter im Westen Berlins Sari: Unser #WIB am 27./28.06.2026 – Totalausfall oder doch Hitzefrei?

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Liebe alles am Text, der beginnt mit „Jede einzelne Zugtoilette hat einen eigenen Computer und Schaltschrank der sie steuert.“ und endet mit „Denn ich vertraue darauf Jesus Christus, ich weiß, dass er immer auf mich aufpasst und einen guten Plan für mich hat. Auch wenn Züge ausfallen und kurzfristig Chaos entsteht weiß er wie ich sicher nach hause komme.“

Nebenbei stelle ich fest, dass ich weiterhin Null Interesse für Blogsoftware und ähnliches aufbringe, aber computergesteuerte Bahntoiletten – that’s my kind of technology!

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Schafe! Und Meer! Und kühl! Irgendwann komme ich noch auf die Insel. Bis dahin allerdings: Große kleine Sprache Färöisch (via Zeilenkino)

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Außerdem habe ich ein Schälchen mit „Streber und stolz darauf“-Buttons im Büro, da können sich alle einen nehmen; gesünder als Süßigkeiten. – kann ich dafür bitte einen Klassensatz für den nächsten Wikipedia-Stammtisch bestellen?

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Frau Novemberregen mit Freuden des Alters: [I]m Laden lief Gothic und Dark Wave der 80er, ich lobte die Musik, die sich für mich positiv vom ewigen Elektrogedudel des Stammpersonals abhob. Die junge Frau wollte mir die Bands und die damalige Szene erklären und ich sagte „entschuldige Mal“ und erklärte es dann umgekehrt ihr.

Anmerkungen

  1. Technisch diese Plastikumschläge, die der moderne Versender von heute gerne verwendet. Die passen besser in die kleinen Fächer als echte Kartons. ↩︎
  2. Chaucer natürlich auch. Aber das würde ablenken. Whan that Aprill, with his shoures soote / The droghte of March hath perced to the roote / And bathed every veyne in swich licour, / Of which vertu engendred is the flour; / Whan Zephirus eek with his sweete breeth / Inspired hath in every holt and heeth ↩︎

Ein Gedanke zu „26-06-30 Shall I compare thee to a summer’s day“

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