26-10-01 A sea of one’s own (Dithmarschen)

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Schlafen bis 11 Uhr morgens. Aus Prinzip.

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Modder. Wenn Landwirte oft von den Feldern auf die Straße fahren, können sie Warnschilder aufstellen: Feldarbeiten oder Hackfruchternte oder mein Liebling: Modder.

Warnschilder waren nötig. Noch öfter als die allgegenwärtigen WoMos begegneten mit Trecker mit und ohne Hänger und Aufsetzen, Transporte von Rüben, Kohl und Heu, auf den Feldern sah ich die überwiegned rumänischen Feldarbeiter*innen, die sich bei der Kohlernte die Rücken krummachten, und auf den Straßen war, ja genau, Modder.

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Dorfklatsch: Ein Nachbar gewann per Rubbellos einen neuen Audi, kann aber die laufenden Kosten nicht bezahlen. Jetzt steht das Auto abgemeldet an der Straße und die Polizei kommt, sich beschweren.

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Mein ehemaliger Zahnarzt ist 2026 Schützenkönig der Bürgergilde Wesselburen

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Es waren Nordseemarschlandtage.

Acker-Gänsedistel (Sonchus arvensis) mit Insekt auf Salzwiese.

So’n Mütz de is trendy un is to wat Nütz

Auf dem Weg zum Eidersperrwerk hörte ich den Offenen Kanal Westküste – wie es sich in Dithmarschen gehört. Ich geriet in lange Abschnitte auf friesisch (don’t understand – klang aber auch nicht so richtig fließend) und auf Platt. Das klang überzeugender, wie zum Beispiel die Ode an die Mütze: So’n Mütz de is trendy un is to wat Nütz.

Langsam komme ich mir fast wie ein Außenseiter vor, mit dem Auto den langen Damm entlang zum Eidersperrwerk zu fahren. Denn auch am Sperrwerk zeichnet sich Mobilitätswende ab. Auf dem Damm dorthin stehen die Radfahrer*innen fast im Stau – E-Bikes machen es möglich. Selbst die erste E-Trottinett-Fahrerin sah ich, die sich bis an diesen entlegenen Ort gefahren hatte.

Fast beruhigend, dass dort noch PKW und natürlich Wohnmobile standen. Mich freute das Exemplar mit dem Kennzeichen AH – OI dort stand. Ich vermute einen Fan des Maritimen aus dem Kreis Borken (Ex-Teilkreis Ahaus).

Ich stieg dort am Sperrwerk, drehte die oblagotrische Runde war auch nach vielen Jahren immer noch beeindruckend von der rückwärts fließenden Eider – vom Meer ins Land, denn es war auflaufendes Wasser.

Aufkleber. „Nazis? Nein Danke“

Al mare

Selbst Eiderstedt verschwamm im Diesigen

Das auflaufende Wasser war mein Begehr. Denn auflaufendes Wasser bedeutet kommendes Hochwasser. Ich hatte mir Zeit vor dem Hochwasser eingeplant. Nach der obligatorischen Eidersperrwerksrunde ging es ein paar Kilometer nach Süden nach Wesselburenerkoog.

Ich passierte die malerisch silbernen Silberpappeln und genoß den Himmel, der oft sonnig und immer diesig war – offenbar hatte er sich von Caspar David Friedrich inspieren lassen.

Ich lief den schaflosen Deich hinab bis auf das Vorland. Zwei Boote im Wasser zeigten ebenso wie die beiden Bauwagen auf dem Deich, dass im Watt gearbeitet wurde. Ich vermeinte Rutenbündel auf den Booten zu sehen und schloß auf die Reparatur der Buhnen vor den Winterstürmen.

Die andere Hälfte der Bucht, die Eiderstedter Küste. löste sich im Nebel auf, Schemenland Nordseeküste.

Nordseedeich – am Ende das Eidersperrwerk.

Zu sehen war an den Booten nichts von den Arbeiter*innen. Einige einsame Hundespazierführer*innen spazierführten ihre Hunde. Gelegentlich e-radelte jemand vorbei. Vor allem präsent war der der glattgeschorene Deich und das wesentlich wilder wachsenede Vorland, durch das ein Weg bis zur Badestelle Wesselburenerkoog führte.

Ich schaute auf die Uhr – Hochwasser wartete noch – setzte mich mit Blick auf den Spielplatz den Gerätegarten vom Wattkindergarten – wie Waldkindergarten aber halt mit Watt – und las in Uprooted weiter – manchmal schön in seinem polen-inspirierten Setting, manchmal schon arg Action-getriebene YA-Fantasy. Vor mir lagen die beiden vertäuten Boote, Alpenstrandläufer(?) die knapp über das Wasser flogen, krakeelende Möwen irgendwo und ich bildete mir ein auch Austernfischer zu hören.

Watt’n Kindergarten

Alpenstrandläufer in Griffweite

Ich mag diese Badestelle, weil sie immer so ein wenig selbstgebastelt/ naturnah wirkt. Zwei einfache Duschen, zwei einfache Treppen, drei Bänke – that’s it. Wer braucht mehr wenn es die Nordsee gibt.

Der Vollmond präsentierte mir besonders viel Nordsee – Springtide – und so konnte ich schon bei der Treppe hüfttief ins Wasser gehen. Die 16 Grad Wassertemperatur waren gewöhnungsbedürftig.

Und dann war ich allein. In jede Richtung Wasser. Für Nordseeverhältnisse kaum bewegt. Nachdem ich mich an die Temperatur gewöhnt hatte, konnte ich die Unterschiede im Wasser selber spüren, je nachdem ob ich mich zwei Meter nach Links oder Rechts bewegte.

Die Vögel zeterten, aber deren Geräusch wurde vom Wasser gedämpft. Salzwasserschweben. Ein paar Züge schwimmen und staunen, wie stark die Strömung ist – zum Glück parallel zur Küste. Ein paar Meter gegen die Strömung zurücklaufen. Kraulen und dabei der leichte Salzgeschmack auf den Lippen.

Rückwärts in das Salzwasser legen und einfach nur Schweben. Die Farben so gedämpft wie die Geräusche. Kaum Wellen. Eine Gruppe Kleinvögel fliegt fast in Sichtweite vorbei.

Ich möchte kurz Teil der Szene werden, in ihr aufgehen. Tauchen. Auf dem Wasser sitzen. Ruhe.

Bis irgendwann die Vernunft zurückkam und sagte „du kühlst aus.“

Als ich ging, kam eine zweite Schwimmerin.

Hinter dem Zaun rumpelte der Regio nach Sylt

Danach aufwärmen im 30-Grad-Wasser. Eine kleine Überlandtour führte mich vom großen geheimnisvollen Wasser mit Ozeananschluss zum kleinen beherrschten Wasser mit Anschluss an die Wasserleitung.

Während ganz Berlin schon alle Freibäder geschlossen hat, hat das Freibad Hemmingstedt (2835 Einwohner) noch geöffnet. Eines der verschiedenen kleinen Ortsfreibäder in Dithmarschen, die zumindest für mich immer noch so aussehen wie ein Freibad gehört: ein Schwimmbecken, ein Nichtschwimmbecken, ein Fünf-Meter-Turm(!), das halbe Dorf tritt sich am Café/Pommesstand, das auch die Eintrittskarten verkauft, und weil 2026 ist, hat der Café-Betreiber die KI-Illustration für sich entdeckt.

Nach der grenzenlosen Tranquilität des Meeres, seiner Weite, seiner Entrückheit, war das Freibadschwimmen selbst natürlich eher wenig begeisternd. Aber ich schwamm, es war warm, und gefühlt war ich danach mit einem drittel der Anwesenden per Du, einfach weil die Stummung so war.

Natürlich musste ich zu meinem endgültigen Saisonabschlussschwimmen noch eine Freibadpommes essen, wenn sie schon so angepriesen wurden.

Just listen to the music of the traffic in the city

Mit dem Kaptain und dessen neuer Elektropower ging es in die Marktstadt am Nordseewind. Erst die eine Straße hinunter, dort wo ehemals die Weinhandlung und der Unverpackt-Laden waren, dann zurück zur aktuellen Inkarnation der Weinhandlung, und dann die andere Straße hinunter bis zum Kino.

Pinktober

Während an den Landstraßen und in den kleineren Städten noch Reste der Kohltage zu finden sind – Restaurants mit Extra-Kohlgerichten, Pop-Up-Parkplätze für Reisebusse, bereitet sich Dithmarschen schon auf das nächste vor.

Festivität will ich nicht sagen, auch wenn es so aussieht: Eine Art von Girlanden hängt über der Einkaufszone, Fahnen hängen an der Straße, Plakate in den Fußgängerbereichen.

Pinktober kommt – der Brustkrebs-Awareness-Monat, den Dithmarschen anscheinend seit 2025 gehäuft begeht. Noch gibt es Info-Veranstaltungen und noch ist das Westküstenklinikum Partner. Aber ich vermute, wenn es in dem Tempo weiter expandiert, wird es spätestens 2028 sehr viel Pink und sehr wenig Awareness sein.

Zum Abschluss das traditionelle Spaghettieis. Der Kaptain mit Amarenakirschen, ich ohne.

Dabei gelernt: die Betreiber des Eiscafés Cortina im Markt sind schon seit diversen Jahren gar nicht mehr die Italiener*innen aus den Dolomiten, sondern kommen vermutlich aus Albanien, fragen zumindest be Stammgästen – die wir nicht sind – ob sie Kaffee in der deutschen oder in der albanischen Variante wollen.

Schnittig Schwimmen

Nicht nur, dass Dithmarschen im Gegensatz zu Berlin noch ein offenes Freibad kann, es kann auch ein Hallenbad das all‘ meine Wünsche an ein Bad auf einmal erfüllt: Eine 50-Meter-Bahn. Ein Außenbereich. Und ein riesige warmes Solebecken gefüllt mit der eigene Sole aus der Tiefbohrung. Tatsächlich träumte ich schon vom Solebecken als ich noch in Hamburg im Elbbrücke-ist-gesperrt-Stau stand.

Ich habe keine Wahl als in die Dithmarscher Wasserwelt in Heide zu gehen. Ich schwamm zehn Bahnen, damit ich nicht nur im Solebecken rumwabere, staunte über die Massen in Kindern, die durch das Bad in den verschiedensten Kursen geschleust wurden, ebenso wie ich bestaunte, dass sich halb Dithmarschen zum Socialising im Becken traf.

Ich liebe die Beckenrandwerbung, die so ist wie ehemals die Kinowerbung. Neben den lokalen Versicherungsvertretetern und dem Schwimmverein Phoenix wirbt jetzt auch ein Friseursalon „Schnittig durch das Wasser.“

Das Solebecken war dank des gleichzeitig stattfindenden Aquafit-Kurses in einer Beckenhälfte nicht ganz so ruhig wie erwartet, aber so schön.

Leider lässt sich der Schriftzug nur odentlich lesen wenn mensch vor dem Gebäude schwebt.

Der Reisefuchs ist sonderbar sogar für die Gelehrten

Mittwochmorgen erreichte mich eine Mail, dass die Zugangsdaten für das Ferienwohnungs-Wlan in „Mein Reisebegleiter“ und im „Reisefuchs“ sind. Bis dahin dachte ich, dass sind zwei Namen für dieselbe Website. Wieder fragte ich mich, ob es nicht einfacher wäre, mir einfach die Zugangsdaten zu mailen, wie mir schon das Passwort und der Username für den Reisefuchs gemailt worden waren.

Am Mittwoch um 12:45 Uhr fuhren wir los. Ein letztes Überprüfen des Reifendrucks an der Tankstelle. Wäre es in dieser Familie üblich, Slogans zu rufen, hätten wir „Go East!“ schmettern können.

Links

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Heute war im Bergwerkmuseum ein sogenanntes Erzählcafé mit selbstgebackenem Kuchen und ca 20 Leuten, die was zum Erzählen hatten oder einfach nur zuhören wollten. .. Ich hätte nicht gedacht, daß es so einfach sein würde, aber es geht nur darum, ein Feuer anzuzünden, wenn es brennt, dann entsteht dieses Klima, in dem der Erzählfaden gesponnen und weitergereicht wird

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Weniger erzählen: Angenommen, Sie möchten prüfen, ob ein Baumarkt ein bestimmtes Ersatzteil vorrätig hat, einen Tisch auf der Terrasse eines Restaurants reservieren oder Ihren Friseurtermin auf nächsten Donnerstag verschieben. Anstatt selbst anzurufen, beauftragen Sie einfach Gemini mit dem Anruf über die Gemini-App auf Ihrem Pixel. Gemini ruft das Unternehmen an

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Das Mausloch war bei einer Demo gegen Sozialabbau: Mein lieber Herr Gesangsverein! Das war echt ein Erlebnis!!

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Der Bayerische Rundfunk löst Fundus auf und vom Konvolut Armbrüste bis zu Büromöbeln, einer Fahrradschablone, einer Hantel-Attrappe und einer Riesenzwiebel gibt es alles. Die alte Bundesrepublik in bayerisch-bizarr. (via Heiko)

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Krav Maga: Angreifern gepflegt in die Eier treten

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