Schlagwort: Nordsee

  • 26-04-07 Die Möwe, die sich für einen Lenkdrachen hielt (Dithmarschen -> Berlin)

    26-04-07 Die Möwe, die sich für einen Lenkdrachen hielt (Dithmarschen -> Berlin)

    Der Zeitungsbeilagenkatalog preist einen 6-Meter-Fahnenmast mit Deutschlandfahne für 29,99€ an. Ich dachte, dieses Land wäre nicht so billig.

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    Unerwartete Nachricht beim Einchecken ins Berliner Hotel: „Ab dem 4. Stock funktioniert das Fernsehen nicht mehr.“

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    Der Kaptian buk1 einen Schweinebauch.

    Der Spargelhof kochte Spargel. Die Oster-Doppelhelix-Verbringung (erst wir in Dithmarschen, jetzt der Kaptain in Berlin) erlaubte einen Dreierbesuch mit Kurzabenteuer zur Eröffnung der Saison. Gerade das SB-Restaurant (der „Landwirt“) auf dem Hof erlaubt die aparte Kombination aus rustikaler Hemdsärmeligkeit mit Edelgemüse frisch vom Feld.

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    Aufgrund einer Verkettung vom Umständen kaufte ich entgegen aller Vorsätze einen originalen Apple-Handy-Ladeteller. Und allein beim in-die-Hand nehmen sparkt er Joy. Auch bei der Benutzung. Mit Dota Kehr: Ich hasse es.

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    Es waren drei Osternordseereisetage.

    Savall stand still

    Ein Nachtrag zu Savall/Haydn in der Elbphilharmonie, an den Madame mich erinnerte.

    Emotionaler Höhepunkt des Konzerts, der Moment an dem der Kaptain fast weinte, war das Vokalensemble stehend, das Orchester ruhig und nur gesungen eines der sieben letzten Worte. Also zum Beispiel „Es ist vollbracht„.

    Und nicht nur war das Orchester komplett ruhig. Selbst Savall dirigierte nicht mehr sondern stand nur ruhig am Pult. Nicht einmal einen gegebene Einsatz sahen wir. Gänsehaut.

    Kuschlig, aber vermutlich streng riechend

    Der Rest der Tage blieb erdnäher.

    Wir lehnten uns in die Landschaft. Wortwörtlich. Oben an der Deichkante stürmte es ausreichend, um sich sanft in den Wind zu legen und den eigenen Körperschwerpunkt in physikalisch ungewohnte Bereiche zu schieben.

    Ein wenig wie im Schwimmbad, nur halt lauter beim Sturmgebraus.

    Nordsee bedeutet Spaziergang:

    Wasser

    Am Deich in Hillgroven, um das Sielbauwerk herum. Natürlich die erste Strecke gegen den Wind. Das ist über das Jahre des Radfahrens dort eingebrannt: bei freier Streckenwahl gibt die Windrichtung den Ausschlag für die Routenführung.

    Auf dem Deich standen die Schafe und wieselten die Lämmer, im Versuch das Sturmgetöse mit ihrem Blöken zu übertönen. Abgetrennt in einem besonderen Bereich, die kleinsten Lämmer und das eine schwanzlose Exemplar, das zudem leicht humpelte.

    Nur dank äußerster Disziplin widerstand ich dem Impuls, mich einfach auf das Tier zu stürzen und mich festzukuscheln.

    Auf den Salzwiesen rastete eine Kolonie Austernfischer. Wenn der Wind richtig stand, konnten wir ihren Gesang hören.

    Über dem Deich eine Möwe. Die Flügel statisch, der Flug halb am Ort, halb in raschem links und rechts, oben und unten. Wie ein Lenkdrachen, nur ohne Schnur.

    Land

    Nordsee bedeutet Spaziergang auf den Wesselburener Feldwegen.

    Wir bewunderten die halbwilden Narzissen, die sich zu dichten Büscheln weitab der Häuser gesammelt hatten. Marschboden ist Narzissenboden. Feuchtgemäßig ist Narzissenklima. Osterdithmarschen ist gelbes Puscheldithmarschen.

    Während wir das leuchtende Gelb bewunderten, der ganze innere Romantikapparat beim Sonnenuntergang gegen das Schilf anging, huschte etwas vorbei.

    War das vorüberhuschende Wesen eine Katze? Vermutlich nicht. Zu puschlig der Schwanz, zu weißspitzig, zu hochbeinig das Tier.

    Ein Fuchs? Fuchs ist immer gut.

    Dann hoppelte es um die Kurve direkt auf uns zu. Musterte uns neugierig, legte die Ohren an und erwies sich als waschechter Osterhase.

    Das erste Eis der Saison

    Dithmarschen bedeutet Kleinstadtbummel. Schauen wie es den Städtchen geht. Im Zentrum: Heide, die „Marktstadt im Nordseewind“ mit Wochenmarkt und sehr viel Wind. An der Küste: Büsum, die Touristadt im Nordseewind mit Fast-Überfüllung und Blanken Hans.

    Die Städte erwiesen sich als ungewohnt mitteilsam. Die rumänischen Landarbeiter in Wesselburen sind inzwischen lang genug vor Ort, dass sie mit Moin grüßen.

    Längere Gesprächsangebote richteten sich an Madame. An der Form allerdings müssen die Einheimischen noch üben.

    Von seltsam zu unangenehm:

    • Im Drogeriemarkt. Madame wartet bis eine Mutter mit Tochter das Erkältungsmittelchenregal wieder frei gibt, als die Mutter sich umdreht, Madame vor den Inkontinezprodukten herumstehen sieht und ausführlich von ihren Erfahrungen mit diverser dieser Produkte berichtet. Die Tochter bewies, dass es cringe auch als Körperhaltung gibt.
    • Der Wesselburener Radfahrer, der aus zwei Meter Entfernung nach Alkohol roch und der Madame fragte, ob sie heute schon genug Blumen geschenkt bekommen habe.
    • Der Heider Radschieber, der Madame halb über den Haufen schob, sie dann anpöbelte, warum wie im Weg steht und sich jedes weiteren Dialogs verweigerte.

    Heide, you can do better!

    Solange wir mit niemandem redeten allerdings blieb es nett.

    Das erste Eis der Saison im Eiscafé Cortina, aufgrund der Windigkeit des Nordseewinds ausnahmsweise drinnen. Es gab Spaghetti und Spaghetti-Joghurt.

    Während Heide mal wieder durch eine Leerstandsphase der Geschäfte schreitet, ist Büsum kurz vor dem Platzen. Besonders auffallend die vielen Läden, die als klassisches „Geschäft“ durchgehen würden. So mit Kleidung oder Schuhen oder Büchern. Büsum lebt.

    Auf der Büsumer Deichbank. Einfach eine halbe Stunde auf das Meer schauen und Leute schauen. Ein alter Lehrbuchsatz kam mir ins Hirn „Die tobende Nordsee heißt Blanker Hans. Nicht weil sie so konturlos, glatt ist, sondern weil es von Blank (blanca, blanc) = weiß kommt. Gischtspitzen selbst in der friedlichen Büsumer Hafeneinfahrt, weißes Wasser, dass sich bis zum Promierweg emporleckte. Brechende Wellen zeigten jeden Unterwasser-Wellenbrecher an. Weiß war das Meer.

    Blick ins Hafenbecken Büsum. Links ein Bug auf dem "Büsum" steht zusammen mit einem Neptun.Wappen, weiter hinten ein Schiff der Küstenwache,

    Ciao Miao

    Stadtbummeleien führen zu Buchhandlungsbummeleien. In Heide und Büsum bedeutet dies vor allem: Scheller Boyens, die Buchhandlung zum Buchverlag zur Lokalzeitung WIE SICH DAS GEHÖRT.

    Vor allem, weil die Buchhandlung anscheinend noch von echten Buchhändler*innen gepflegt wird, die sich Gedanken machen, was auf welchen Tisch kommt, wo die Highlights sind und was im Schaufenster steht. Natürlich wird auch hier der Papeterie- und Dekoschnus-Anteil von Jahr zu Jahr größer. Aber noch geht es um Bücher.

    So passiere ich den Nordsee-Dithmarschen-Buch-Teil (im Touri-Ort Büsum ganz vorne, in der Einheimischen-Einkaufsstraße Heide ziemlich weit hinten), schaue nach Trends bei Garten- und Kochbüchern und widerstehe mit äußerster Kraftanstrengung auch den persönlichen Romanempfehlungen der Mitarbeiter*innen.

    Auffallend im leuchtenden Pastell: Der BookTok-Tisch. Bücher von großen Gefühlen, mit Titeln in güldener Schreibschrift, in allen Farbschattierungen, welche prastelllila, pastelltürkis und pastellrosa hergeben. Ich schwanke zwischen einem gütigen Lächeln, das sich am Riemen reißen muss, um nicht zur Arroganz zu kippen, und einem spontanen Kniefall mit erhobenen Armen „DANKE, dass ihr den deutschen Buchmarkt rettet.“

    Noch nicht wusste ich, dass ich in Wesselburen – von allen Orten – am nächsten Tag (leider ein Feiertag) eine komplette neue BookTok-Buchhandlung sehen würde: Ciao Miao, mit starken Italien-Connections, begann soweit ich mit zusammenreimte als Legami-Händlerin bis sich Inhaberin Ellie ihren Traum einer echten lokalen Buchhandlung erfüllte – mit starkem Fokus auf junge Menschen und deren Wünschen.

    Das vibet alles so positiv und nett und sympathisch, auch die selbst betriebene Wesselburen-Unterseite, dass wir seitdem überlegen, wie wir eine Lokalbuchhandlung 400 Kilometer von unseren Wohnort sinnvoll supporten können.

    30 Pflanzen

    Anlässlich des Buchhandlungs-Besuchs lernten wir: Die in meiner Internetbubble hochgelobte Katharina Seiser hat ein Buch zu den 30 Pflanzen herausgegeben. Dies verwunderte mich, hielt ich sie doch bisher für eine viel zu handfeste Person, um sich solchen Albernheiten hinzugeben. Aber vermutlich ist auch das ein Auswuchs von „Wes‘ Grünkohl ich ess‘ des Lied ich sing.“

    Egal, wenn schon Zählen, dann konsequent. Die Woche nähert sich dem Ende und es gibt einige Pflanzennachträge zu machen:

    • 62 – Mandel (Vom Mandelkuchen D’oh!)
    • 63 – Rote Paprika (Beilage zum vietnamsischen Tofu)
    • 64 – Soja (Vietnamesisches Tofu)
    • 65 – Brauner Eichblatt-Salat (Vorspeise zum Schweinebauch)
    • 66 – Lauch (Beilage zum Schweinebauch)
    • 67 – Weißer Spargel (Beim Spargelhof)
    • 68 – Kartoffel (zum Spargel)
    • 69 – Himbeeren (In Schokoummantelung, Ostern halt)

    Selbst bei allen Unsicherheiten (Blauschimmel anyone?) sind 68 verschiedene Pflanzen in der Woche deutlich mehr als 30. Damit kann ich wieder aufhören zu zählen.

    Meine Vermutung ist, dass reisebedingtes häufiges Auswärtsessen diese Woche die Zahl nach oben trieb – für ein Restaurant ergibt es logistisch mehr Sinn, einen Salat aus je einem halben Blatt sieben verschiedener Salatsorten zuzubereiten, als für einen Privathaushalt. Aber das wird kontrollgezählt, wenn wieder eine Woche kommt, in der wir beide nicht verreist sind.

    Enjoy the Struwen

    Bridgerton vor Bridgerton: A program from the 1925 Paris Opera: “La Nuit Créole” (No. 4)

    Camp Catatonia mäandert durch Heidelberg: Enjoy the Silence

    Falls ich jemals dazu komme, eine Dissertation in Politik-Mathe zu schreiben, dann über Zahlensender. Leider wird mein mathematisches Wissen dafür vermutlich nie reichen. Neues zum neuen Zahlensender, der auf Farsi aus der Nähe von Böblingen sendet: Priyom.org: V32. (via Jan Montag: V32 sendet Zahlen)

    Zweimal Struwen in einer Timeline: In Münster, lerne ich am Telefon von Kaa, ist das (oder ein?) traditionelles Karfreitagsessen Struwen. Was nicht etwa fischig ist, sondern pfannkuchenähnlich, dicke kleine eher nicht so süße Pfannkuchen mit Rosinen. Klingt ganz so, als wäre das was für mich. und aber Das Aufregendste heute war, dass ich für mich beschlossen habe, in einem der kommenden Jahre an Karfreitag ins Münsterland zu reisen und Struwen zu essen, in einem Landgasthaus. Alternativ natürlich, falls mich wer einlädt, bei dieser Person zu Hause.

    Notat

    Für zum Wiederfinden in späteren Zeiten:

    • Gelbe Dockers-Schuhe gekauft.
    • Spiegel beim Kaptain umgehängt.
    • Für 1,12€ bei HEM (Hamburg) getankt.

    Anmerkungen

    1. Das Internet scheint irrigerweise der Meinung zu sein, dass Schweinebauch gebraten wird. Selbst wenn der Akt im BACKofen stattfindet. ↩︎
  • 24-03-03 Stille Strudel

    24-03-03 Stille Strudel

    Madame las 1A und 1B.

    Mir träumte Freitag, ich hätte einen bestimmten Kollegen in Badehose im Schwimmbad beim Schunkeln gesehen. Und mir schien das ein sicheres Zeichen für Wochenendbedürftigkeit zu sein.

    Freitag blieb etwas Zeit für virtuelle Bastelarbeiten. Mr. Elliott erzählte derweil, dass er gerade versucht einen kompletten lauffähigen UNIX-Computer zusammenzubauen, in dem jedes Einzelteil älter ist als er selber.

    Es kam eine Waldbezogene Rundmail. Mehr dazu in Annex D.

    Freitagabend: ICE 708 und RE6 mit längerem Zwischenstopp in Altona nach Heide. Im Zug gedöst und gelegentlich Klausurgelesen (BPMN). In Altona der Versuch, über den Bahnhof zu schlendern ohne dauernd der WWF-Drückerkolonne in die Arme zu laufen.

    Nach Ankunft folgte bald lineares Fernsehen (Let’s Dance) zum Einschlafen. Gefühlt kommen aber selbst dort inzwischen 90 der „Prominenten“ aus dem nichtlinearen Internetkosmos.

    Samstag: Internes Rechnungswesen (Alternative und Kumulative Abweichungsanalyse nach Plan-Ist und Ist-Plan) + Wirsingbouletten + Eidersperrwerk.

    Wir fuhren zum Hochwasser ans Meer. Die erste Dithmarscher Sonne seit vielen Wochen. Ungewohnt windstill. Der Wasserstand außergewöhnlich hoch.

    Wenn das Wasser steigt und die Eider rückwärts durch das Sperrwerk fließt, strudelt sie. Aber selten so still wie diesmal. Wenige Wellen, wenige Bewegung, tiefes Wasser.

    Rückwegs über Tönning. Die zahlreichen Gänse im Katinger Watt bestaunen. Uns an allerliebsten Minilämmlein erfreuen.

    Abends Nordseemüdigkeit. Lineares Fernsehen zum Einschlafen.

  • 23-05-28 Sommer für Sommer wachsen hier wilde Brombeeren

    23-05-28 Sommer für Sommer wachsen hier wilde Brombeeren

    Pfingsten für Pfingsten fahren wir an die Nordsee. Und baden die Saison an im kalten Watt. Pfingsten für Pfingsten staune ich, wie wenig Wasser da ist. Und erst dieses Jahr merkte ich: Es gibt einen Grund.

    In der Kurzversion: Sowohl der Pfingsttermin als auch der Wasserstand hängen vom Mond an. Es ist kein Zufall, dass beides zusammenfällt. Pfingsten ist immer bei Halbmond. Und bei Halbmond ist Nipptide – das heißt, die Gezeiten sind wenig ausgeprägt. Das Niedrigwasser ist vergleichsweise hoch, das Hochwasser ist besonders niedrig.

    Und so watetet wir in Westerkoog viele hundert Meter durch Modder und Watt, bis wir an eine Stelle gerieten, die zumindest das Hinsetzen erlaubte. Dank einem strahlenden Sonnentag und Hochwasser am frühen Abend hatten sich Boden und Wasser aufgewärnt. In anderen Jahren waren wir beim Saisonanbaden von bibbernden Menschen in dicken Fahrradjacken umgeben, heute wagten sich mehrere Gruppen ins Watt.

    Nur um des Schwimmens willen werden wir noch ein Schwimmbad aufsuchen müssen. Vielleicht gelingt es uns, den Kaptain mitzunehmen und sie im Eiscafé abzusetzen.

    Der Freitag begann anstrengend. Die Vibes auf Arbeiten waren gestresster als auch schon. Den Hauptbeteiligten gönne ich die freien Tage sehr.

    (Mit Gedanken an die Leute im Bad, denen ein intesives Wochenende bevorsteht.)

    Wer Freitag vor Pfingsten Berlin in Richtung Meer verlässt, darf sich nicht wundern, in Menschenmassen zu geraten. Der Verkehr stockte bis zur Weggabelung Nordsee/Ostsee.

    Auf der Höhe des Westhavellandes gerieten wir in das obligatorische Funkloch, das selbst den UKW-Radioempfang erschwert. Wir schwelgten im Luxus vergangener Tage mit einem 6-CD-Wechsler der Teil des Autoradios ist. Es lief unter anderem Dota. Das Hören von Bademeister*in ist speziell: Denn inzwischen tauchen dabei sehr spezielle Personen vor meinem inneren Auge auf (Hallo Angie, hallo Sissy, hallo Steve, hallo Sven, hallo Rene, hallo Britta und Britta, hallo Heike, …). Vor allem aber habe ich seit der Fahrt einen „Sommer für Sommer“-Ohrwurm:

    Und Sommer für Sommer wachsen hier wilde Brombeeren
    Und ich pflücke die Reifen ab, wenn ich vorüber geh
    Sommer für Sommer sind die Süßesten schwer zu erreichen
    Die Schrammen, die man sich holt, tun nicht lange weh

    In Dithmarschen wachsen keine wilden Brombeeren. Viel zu kostbar ist jeder Quadratmeter des premiumfruchtbaren Agrarlandes für eine solche Platzverschwendung. Aber die Kohlpflanzen werden gesetzt, die Kartoffelfurchen werden gerade gezogen. Miniaturfohlen liegen ermattet auf den Weiden, erschöpft vom Fohlen-sein. Größere Lämmer sind von den Weiden wieder auf die Deiche zurückgekehrt.

    Spaghetti-Eis in der Eisdiele Cortina. Durch die Marktstadt im Nordseewind wabert ein Didgeridoo-Festival mit Didgeridoo-Jams an allen Enden. Wir stöbern über den Markt, sehen Gemüse aus heimischem Anbau, Tomaten aus heimischen Gewächshäusern (beheizt mit der Abwärme der Raffinerie), Krabben und Schollen aus heimischem Fang.

    Im ältesten Traditionsgeschäft der Innenstadt kaufen wir Strohhüte und lassen uns vom Feiertags-Nordsee-die-Sonne-scheint Vibe einhüllen.

    Wir sitzen im Gras. Schauen auf das Meer und das Watt. Und immer wieder von neuem schwingt sich die Sonne ins Himmelblau.

    Blick von Deich Richtung Nordsee

    Passend zum Sommerbeginn: der erste Nieser des Jahres erzeugt durch Alternaria-Allergie.

    Linear-Fernseh-Entdeckung: That’s my Jam. Echte Musik im Fernsehen mit guter Band, Musiker*innen, die informiert über Musik reden und vor allem live vor Ort echt Musik machen. Wir staunten, was manche der Dauer-Fernseh-Bewohner*innen so können wenn man sie nur machen lässt.

    Und noch ein Dota-Fundstück: Das Video zu öffentlicher Nahverkehr. Mit lauter Bildern, die ich dauernd so sehe.

  • 22-12-25 Bis der Whirl zweimal endet

    22-12-25 Bis der Whirl zweimal endet

    Schauen Österreicher „Sissi“? Diese Frage ist bis jetzt für uns ungelöst.

    Madame schäumte Milch.

    Die Weihnachtsbräuche der Nachbarn bleiben unergründlich. Heute Nacht machten die Bräuche um etwa 1:30h intensives lautes Musikhören, rhythmisches Stampfen und weiterhin Schnaps erforderlich. Wir taten unser Missfallen angemessen nachdrücklich kund. Soweit hat es sich inzwischen eingespielt: Der Musikhörende Teil der Nachbar-Wohnungsbesatzung verließ nach unserer Missfallenskundgebung schnell die Wohnung und feierte an anderem Ort weiter.

    Der reguläre Tagesstart ging dementsprechend langsam vor sich. Nach dem Freitag (überwiegend auf der Autobahn) und dem Samstag (Weihnachten vorbereiten und Bescherung), war heute „Auslüften und Wässern“ angesagt.

    Wir begaben uns auf den Weg nach Stinteck und liefen einige Meter entlang der Nordsee. Die Tide lief noch auf, war aber kurz vor dem Hochwasser, das Wasser jahreszeituntypisch still. Auf dem Weg zur Badestelle sahen wir Schafe auf der Weide, die der Bauer mit gehäckselten Kohlresten fütterte. Und da wusste ich: Alles ist gut. So soll es sein in der Welt.

    Am Deich entdeckten wir einen Pächterwechsel der Deichkate, ausgelüftete Hunde, einen Schwarm Möwen. Dass die Radler ausnahmsweise einheimisch waren, erkannte man am Nicht-E-Bike und daran, dass die Jacken weder brandneu noch im Partnerlook waren. Sehr kurz war ich versucht, eine Runde Winter-Nordsee-Baden zu starten, hatte mich aber im Griff. Denn wir wollten noch zur Meerzeit.

    Das Hallenbad in Büsum hieß einst Piratenmeer, und hat nun nach jahrelangem Umbau wieder eröffnet.

    Und ich sah, dass es gut war. Die ganze Gestaltung stilvoller, die Wegeführung sinnvoller, das Außenbecken schöner und einfach alles wirkte einladender. Weihnachtsbonus eins: ein Schwimmbad-Weihnachtsmann in voller Montur und mit Gummistiefeln lief durch die Halle und verteilte Geschenke. Weihnachtsbonus zwei: Wohlfühldichte. Außer uns war kaum jemand da, wir konnten alle Innen- und Außenwhirlpools nach Lust und Laune benutzen. Wir blieben je zwei Whirlphasen, begaben uns zwischenzeitlich mit zu Lesendem auf die Liegestühle.

    Der Büsumer Hafen war ungewohnt: alle Schiffe lagen vor Anker, die Dichte an Fischkuttern war hoch. Die Weihnachtsgeschmückten Fischkutter waren sehr niedlich. Café Knüppel wird abgerissen. Hinter der Ruine taucht eine alte Wandinschrift mit „Nordseehafen“ auf.

    Der Kaptain hatte sich Käsefondue gewünscht. Um dieses rechtzeitig servieren zu können, fuhren wir ohne Umweg nach Hause. Madame bereitete noch Feldsalat und Fenchel-Orangen-Kiwi-Salat. Wir alle freuten uns am Fondue. Davor und danach lief Sissi. Wir haben keine Ahnung, ob Österreicher den Film schauen.

    Der Ukraine-Krieg verfolgt mich. Auf den Bad-Liegestühlen lasen wir. Ich hatte in Berlin wahllos auf den Granta-Stapel gegriffen, erwischte das Exemplar Conflict und dessen erster Text sind Briefe von Lindsey Hilsum nach Hause. Die Briefe einer britischen Korrespondentin zwischen März und Mai dieses Jahres aus Kyiv, Odesa, Dnipro. Noch-mal-Erleben der ersten Kriegswochen und noch einmal die Vernichtung Mariupols.