29-09-29 Die letzte Wespe?(Berlin-Dithmarschen)

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Wenn morgens das Kühlschrankinnere wärmer ist (13 Grad) als das Wohnzimmer drumherum (10 Grad), dann ist das Evidenz dafür, dass der Kühlschrank seine Arbeit aufgegeben hat. Immerhin isoliert er noch gut und hält die Temperatur des wärmeren Vortags. Goodbye Bauknecht-Kühlschrank. Wir werden uns wohl im nächste Frühjahr nicht mehr wiedersehen.

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Bruno Kramm (Das Ich) starb. In meiner sehr kurzen ernsthaften Dark-Romantic-Phase im Frühjahr 1995(?) war Das Ich die einzige Band des Genres, die ich jemals live sah. Nur für Bruno fuhr ich von Hannover nach Bielefeld, unvergesslich.

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In Mecklenburg sah ich ein Wahlplakat des CDU-Direktkandidaten „Ich räume auf!“, und wer so AfD-Sprech plakatiert, scheint mir einerseits verzweifelt, andererseits ein deutlicher Hinweisgeber, lieber das Original zu wählen. Die Wähler*innen im Wahlkreis Ludwigslust-Parchim II sahen das anscheinend genauso.

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Durch Klassik, Pop et cetera beim Terrassenfrühstück entdeckte ich: Always Look on the Bright Side of Life (Monty Python) und Yellow Submarine (Beatles) ist quasi derselbe Song.

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Es war ein Lupinenwurst-Onlinebatterien-Wochenende.

Zieräpfel Evereste

Tauglänzende Morgenkühle

Der 18-Stunden-Schlaf musste weiterhin verschoben werden. Wer um 14 Uhr zum informell-inoffiziell-freiwilligen Teamgrillen Gäste einlädt, sollte spätestens um 13:30h den Grill anheizen, sollte davor nach Möglichkeit nochmal den Bungalow gesaugt haben, sollte davor entspant gefrühstückt haben, sollte davor eingekauft haben, sollte davor gemütlich Kaffee im Bett getrunken haben – wir stellten einen Wecker.

Jagdwurst auf Vorrat

Nach den Morgenkaffee und das Frühstück setzte die Feier die Logistik des Einkauf. Neben den nötigen Brötchen für das Frühstück, hatte ich mich bereiterklärt „einen Grundstock an Fleisch und Getränken“ zu stellen, und der wollte besorgt werden. Getränke waren noch vorhanden – ohne Besuch verbrauchen wir fast nur Kaffee, alkoholfreies Bier und Gin Tonic, aber Fleisch/Wurst wurde benötigt.

Dabei erhielten wir die schlechte Nachricht des Tages: Rinderstolz und Wildelust zieht um. Die haben sich jetzt mehrere Jahre angesehen, dass ihr Umsatz in Brandenburg nach dem Ende der Grillsaison einbricht und versuchen ihr Glück in Berlin.

Falls ihr zufällig sonnabends auf dem Kollwitzmarkt einkauft: Wir könnten ab Oktober einen guten Fleischer empfehlen. Fast hätten noch alle ein paar Tränchen verdrückt beim Abschied, aber wir beschieden uns dann doch darauf neben Käse-Jalapeno-Bratwürsten und einem Stück Schweinenacken auch noch diverse Salami, Jagdwurst und Leberwurst als Notration auf Vorrat mitzunehmen.

Immerhin das lokale Bäckerei-Imperium erweckt keinerlei Anschein des Wankens. Wir kauften im Stammhaus Handgedrückte (Brötchen) und Wurzelbrot.

Ein kleiner schwarzer glänzender Käfer liebte meinen Arm

Die Kohlweißlinge stoben immer noch. Sie scheinen vom Ende des Sommers noch nichts gehört zu haben. Überhaupt präsentierten sich Frühstück und Kaffeegartenrunde noch unerwartet insektenreich. Einige Grashüpfer flohen wenn ich mich näherte. Ein mir komplett unbekannter aber glänzend aussehener kleiner schwarzer Käfer wanderte hingebungsvoll meinen Arm ab. Der große dunkle Schmetterling, der sich lange jedem Versuch entzog, ihn besser zu sehen, erwies sich als Admiral.

Die Astern, insbesondere die violetten Exemplare waren populär bei den Tagpfauenaugen. Damit ist die Astern-Mango-Zeit des Jahres eröffnet.

Dann ging es an die letzten Vorbreitungen. Ich merkte noch die Effekte der letzten Woche: Normalerweise finde ich den Transport einiger Stühle über das Grundstück nicht so anstrengend. Diesmal schon. Aber zum Glück hatte ich ja gerade Stühle zum Draufsetzen dabei. Aber dann durfte es losgehen.

Rosa Arabia, Terracotta und Red Eden. Einst passten die drei zusammen mit drei Erwachsenen in einen normalen PKW.

Entspannt war das Ziel

Fußball war ein Thema. Der Moabiter und der kleine Moabiter hatten extra die neuen Torwarthandschuhe mitgebracht, verabschiedeten sich direkt nach dem Kommen erstmal auf den Dorfspielplatz. Später kamen zwei weitere Jungs in kompletten Fußballuniformen hinzu. Aber auch ihrem Vater blieb es unerklärlich, warum kleine Jungs immer noch auf Ronaldo stehen, dessen große Zeit lange vor deren Geburt lag. Die drei bewegten sich zwischen Dortspiel/fußballplatz, Versteckspielen und dem Versuch auf den Latifundien selbst Fußball zu spielen.

Der Termin des inoffiziell-informell-freiwilligen Teamgrillens findet erfahrungsgemäß an dem einen Wochenende zwischen Frühsommer und Spätherbst statt, an dem wirklich niemand Urlaub hat. Das war dieses Jahr der 26. September, vor zwei Jahren der 29. September und 2025 fiel das Ganze Bachelorarbeit und Umzug zum Opfer. Die Urlaube verfehlten wir nur knapp. MMB erzählte von Warschau und Krakau („wie halt andere Stadtteile Berlins“) und dem Geologie-Museum, das MsMB offenbar deutlich spannender fand als er.

Wir bestaunten die veganen Würstchen aus Seitan und Lupinen, denen ich zumindest nie ansehen kann, wann sie fertig sind. Während Seitan okay schmeckte, hatte die Lupinenwurst Probleme Abnehmer*innen zu finden. Die karibische Schweizerin hatte Mangold (en: „Swiss Chard“) mitgebracht, die „mal so ein wenig“ mitgebrachten Getränke erreichten Mengen, dass unser eigener Grundstock quasi unangetastet blieb. Er kann gleich der nächsten Party wieder als Grundstock dienen.1 Als Gast kam eine einsame, orientierungslos wirkende Wespe hinzu, die sich mit dem Wassersprenger schnell vertreiben ließ.

Wir überlegten ob dies das letzte echte Sommerwochenende mit der letzten Wespe war.

Gegen Abend konnte ich die Gäst*innen in meinen Kurzurlaub verabschieden. Es reichte sogar für eine kurze Übergabe („Ihr werdet es merken. Viel Spaß!“).

Immer noch kein Gin Tonic

Wir räumten Zeug zusammen. Aus Tradition kamen in den Lebensmittel in den nicht-kühlenden Kühlschrank, die größten Ansammlungen von Lebensmittelresten kamen einmal durchs Wasser, alles was wasserempfindlich war, kam in den Bungalow – und dann konnten wir endlich einmal von 22 Uhr bis 10 Uhr morgens schlafen.

Ömmeln und Wegbringen

Irgendwann dachte ich „langsam sollte ich aufstehen, sonst kriege ich Rücken.“ Es war eine erholsame Nacht und für mich der perfekte Auftakt für die Urlaubswoche. Die Terrasse bot die perfekte Mischung aus kühler Außentemperatur und vollsonniger Erwärmung, die Schmetterlingen schmetterten wieder, die Astern blühten und wir lernten, dass wir gestern keineswegs die letzte Wespe gesehen hatten. Ein Duo kam – in Formation, zielstrebig und kaum durch Wasser zu beeindrucken. Das waren professionelle Wespen.

Um mein junges Hundehirn weiter zu beruhigen, hatte ich um gemächlicheren Aufbruch gebeten. Der RE um 12:50 Uhr fiel aus, also zielte Madame auf den RB um 13:15 Uhr.

Gegen Mittag brachte ich Madame zum Bahnhof Schwante. Little did we know welch Odysee mit Bus und Bus und Bahn und Bahn und Bahn ihr noch bevorstehen würde. Denn die S-Bahn fuhr nur eine Station statt der geplanten 15, ab Heiligensee wurde es für Madame abenteuerlich.

Zum Glück wussten wir davon am Bahnhof noch nichts und genossen die letzten Minuten.

Wir warteten friedlich auf den RB55 nach Hennigsdorf und machten die Entdeckung „Wenn immer eine Fleischerei schließt, öffnet anderswo eine Neue.“ Mit uns warteten in Schwante die beiden Inhaber der neu eröffneten Knobses Feldküche(?)2, ein Imbiss mit angeschlossener Fleischerei, oder eine Fleischere mit angeschlossenem Imbiss – auf jeden Fall – echtes handwerkliches Fleisch direkt aus dem Nachbardorf.

Wir tauschten freundliche Worte, Madame steckte die Visitenkarte ein und machte sich auf den beschwerlichen Weg nach Süden. Ich fuhr mit dem Subaru noch zur Tankstelle, vertrieb ein paar Vespa-Teens von ihrem Lagerplatz neben dem Autogas und tankte für 1,12€. Dann ging es auf die A24.

Wohnmobile in Gegenrichtung

Der Radioempfang des Subarus wird von Jahr zu Jahr schlechter. Ich überlege, ob es damit zusammenhängt, dass der Marder von Jahr zu Jahr mehr an der Autoantenne herumknabbert. Aber es gibt ja CDs. Wie zum Hohn auf das eingegrenzt empfangende Radio sah ich zahlreiche neue Mobilfunkmasten an der Autobahn. Sie scheint 5G’t zu werden.

Diese hörte ich ab der Landesgrenze Brandenburg auf der schattenlosen A24. Mit mir war halb Norddeutschland auf dem Heimweg – die Autobahn war überraschend voll, die Kennzeichen fast ausschließlich HH, aus Schleswig-Holstein oder Mecklenburg. In die Gegenrichtung rollten die Wohnmobile. Ferien are over jetzt auch in der Nebensaison.

Der Versuch einer Pause gestaltete sich schwierig. Die Raststätte Gudow ist oft desolat. Das reguläre Kaffee-Ausweichquartier, der McDonalds Wittenburg bot eine Baustelle, so dass ich auf meinen Kaffee bis hinter Hamburg warten musste.

Dort traf ich zwei Männer mit Trikots „Berlin-Marathon Finisher“ und einer entsprechenden Medaille. Okay, die hatten an diesem Sonntag schon etwas mehr unternommen als ich und waren trotzdem gleichzeitig mit mir in Tornesch angekommen.

Bis dahin war ich trotz wieder funktionierender Klimaanlage weichgekocht durch die ewige direkte Sonne, in Hamburg sorgten Elbbrückensperrung und Autobahn-direkt-am-Elbtunnel-Sperrung für spannende Verkehrslawinen, die sich durch die Stadt quälten, gerne schräg und lateral zu meiner Strecke.

Immerhin stand ich lange genug im Stau, um mir endlich einmal „online-batterien.de“ zu notieren. Ein Laden, dessen Schild mich seit Jahren beim Vorbeifahren fasziniert – bis zum nächsten Anhalten habe ich es aber schon wieder vergessen. Endlich stand ich direkt dort im Stau, konnte ein Erinnerungsfoto machen und stellte fest: Online-batterien.de verkauft tatsächlich Online Batterien. Alle.

In Dithmarschen dann Windräder, Fohlen in der Abendsonne, Schafe, die neben den Rotkohlfeldern grasen.

Links

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Modern Times und so. People Training OpenAI’s AI Fired for Using AI to Train the AI (via Thomas)

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Stephan blickt zurück wie er irgendwann freischaffender Softwareentwickler wurde und was das in Zeiten von KI bedeutet: Noch nie habe ich mich als Wissensarbeiter in Tech verlorener gefühlt als jetzt. Für mich hat es sich bewährt, dem unklaren Blick nach vorn mit Rückbesinnung zu begegnen, in der Hoffnung, dass die Vergangenheit Impulse für die Zukunft bereithält. Wie bin ich also an diesem Punkt in meinem Leben angelangt?

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Grundsätzlicher und weiter ausgreifend die Krautreporter: KI klaut dir erst mal nicht den Job (via Kaltmamsell)

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Frau Brüllen mit der vereinfachten Erklärbärsession (ihre Worte), was sie eigentlich arbeitet. Hochspannend. Wir sorgen dafür, dass egal welcher [medizinischer] Wirkstoff in der richtigen Formulierung in den richtigen Mengen in der richtigen Qualität zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

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Wie das in Finnland mit den Arztbesuchen ist: Innerhalb der letzten vier Wochen war ich dreimal beim Arzt zu irgendwelchen Untersuchungen: erst flatterte eine automatische Einladung zum Gebärmutterhalskrebsscreening (ab 35 alle 5 Jahre) ins Haus, eine Woche später eine zur Mammografie (ab 50 alle 2 Jahre), und zuletzt wies mich noch die Verkehrsbehörde in einem elektronischen Schreiben darauf hin, dass ich eine ärztliche Bescheinigung brauche (ab 50 alle 5 Jahre), um weiterhin Fahrzeuge bis zu 7,5 Tonnen fahren zu dürfen.

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Games, die mich fast motivieren könnten: Wir spielen einen Teenager, dessen Körper dauerhaft in einer perfekten T-Form feststeckt. Die Arme sind permanent ausgestreckt und selbst alltägliche Dinge wie Zähneputzen, Anziehen oder Essen werden dadurch zu kleinen Herausforderungen.

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Anmerkungen

  1. Sagte jemand Steinsuppe? ↩︎
  2. Offiziell Feldküche Robse King ↩︎

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