26-08-30 Un Certain Regard

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Madame traf die Kaiserin zum Taco-Essen. Seitdem die Kaiserin vom Wedding nach Brandenburg zog, berlinert sie mehr.

Einen Tag später unterhielt sich Madame mit Herrn Rinderstolz. Seitdem wissen wir, wo er lernte und arbeitete, was seine Kinder machen und dass er Fan von Pendel-E-Bikes ist. Außerdem sah Madame seine Fingerknöchel-Tattoos: M-E-T-T I-G-E-L.

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Le pianiste studiert jetzt Germanistik und muss Emilia Galotti lesen.

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Ich kaufte Office-Lebkuchen.

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Das Hausbad gongte. Es wird für den Saisonstart frisch gewienert, und wenn mensch das Metallgeländer auf der Treppe schrubbt, dann gongt es

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Es war ein Teneriffa-Donnerstag und ein Charlottenburg-Falkensee-Freitag

Kein Uhlandessen

Die nächste Etappe des Uhlandessens stellt uns vor Herausforderungen. Das Uhland’s Café testet die Grenzen der Regeln. Es gibt warmes Essen und Sitzplätze. Aber eigentlich nur Mittags, und dann in der Rührei-(rote)Linsensuppe-Sandwich-Liga.

Aber die Regels sind die Regels.

Damit ich nicht nach der Arbeit hinstürzen muss, um dann ein aufgewärmtes Panini zum Abendessen zu bekommen, dachten wir, wir finden einen Tag zum Mittagessen. Wir nehmen einen Tag an dem Madame nicht in die Hafenstadt muss und ich mobil in Wilmersdorf arbeite und fahren in meiner Mittagspause: Diesen Donnerstag.

Und dann hatten wir Tonnen an Gemüslichkeitsessen, das vor zwei Tagen vermutlich noch auf dem Acker stand, und brachten es nicht über uns, dieses stehen zu lassen zugunsten von Rührei auf der Plastiktischdecke.

So aßen wir dann Tomaten mit Petersilien-Parmesan-Pesto (alles Gemüslichkeit) und abends Zucchini-Gemüse (G) mit Ravioli (zugekauft) mit Salat (Eisberg/Tomaten) und Gurken-Sellerieblatt-Quark (auch Gemüslichkeit).

Tomate auf Litauen-Mitbringsel

Am Ku’damm hängen keine Wahlplakate

Während Madame beim Enchiladaessen parlierte, ließ ich mich in den 249er fallen, fuhr bis zur U-Bahn-Station Ku’damm und bummelte diesen entlang. Tourist*innen schauen, ist doch was nettes, mensch sollte dafür in den Urlaub fahren. Dazwischen natürlich immer wieder Menschen mit Behörden-Merch oder diesen Konferenz/Büro-Bändseln.

Am neuen Kranzler-Eck („Bald wird es toll – seit 2000!“) mäanderte mich Richtung Delphi Lux, kaufte ein BRLO naked und begab mich in den grünen Saal 4.

Saal 4 war das Ziel, hier von Außen zu sehen.

Under the quadratische Sonne

Everytime von Sandra Wollner1 war ein Überraschungsfilm.

Ein ausgezeichneter Yorck Pick der Yorck-Kinogruppe – erst Nummer 3 dieses Jahr, den ich wahrnehme – und Sieger 2026 der Cannes-Kategorie Un Certain Regard für Filme, die zu schräg/kunst/klein für den großen Cannes-Preis sind. Aber weder Zusammenfassung noch Trailer reizten mich wirklich.

Die Entscheidung nahte, die Zahl der Aufführungen sinkt deutlich und bald wird er ganz aus dem Programm verschwinden.

Ich saß zwei Stunden im Saal mit drei nahezu durchgehenden Eindrücken:

  • Ich frage mich, warum ich emotional an den Film nicht andocke
  • Was für großartige Bilder
  • Der Film wird mir noch über Tage nachhängen

Einige Tage später. Er hing nach. Die Bilder waren großartig. So langsam verstehe ich auch, warum ich Zeit und Abstand brauchte, um einen emotionalen Zugang zum Film zu finden. Der Film gönnt seinen Zuschauer*innen über lange Zeit genauso wenig einen einfachen-zugänglichen-emotionalen Weg wie seinen Protagonist*innen. Diese befinden sich in Erstarrrung und die Zuschauer*innen auch, also zumindest ich.

Die Handlung ist spärlich, erstarrt, es wird nicht gelacht, fast nicht geweint, es ist eine Mühsal des Alltags. Erst zum Ende ändert sich das.

Aufhänger ist die alleinerziehende Mutter Ella (Birgit Minichmayr), die mit ihren beiden Töchtern Jessie (16 kurz vor 17) und Mellie (etwa 8-10) am nächsten Tag wieder nach Teneriffa fahren möchten.

Am Abend vorher geht Jessie noch mit ihrem Freund Lux auf eine Party, sie nehmen zusammen Halluzinogene und am Ende stürzt Jessie von einem Hochhaus. Schnitt. Einige Wochen später.

Ella versucht sich zusammenzuhalten, geht durch ihren Alltag. Beherrscht, kaum Gefühlsausdrücke zeigend. Dabei sind inbesondere die Begenungen mit Lux prägend: Einerseits war er derjenige der Jessie die Drogen gab und dann nicht auf sie aufpasste. Andererseits liebte sie ihn und er ist die einzige beste Verbindung zu ihr, die noch existiert.

Ella ist dabei, wenn die Jugendclique mit Lux aber ohne Jessie abhängt. Sie erlebt die Szenen, auf Lux‘ Geburtstagsfeier im Berliner Kleingarten, wo natürlich quasi in unsichtbaren Großbuchstabend UND JESSIE KANN NICHT MEHR FEIERN im Bild steht. Aber Lux Verwandte feiern und Ella wahrt die Form.

Am Ende fahren Ella, Mellie und Lux nach Teneriffa. Dort löst sich alles auf. Die Spannung, die Handlung, die Personen, das Bild2, und am Ende die Sonne.

Kein einfacher Film, aber einer mit Langzeitwirkung.

Rätselhaftes

Als jahrzehntelanger Beobachter politischer Kommunikation, insbesondere mit Schwerpunkt Mitte-Links bis Soweit-links-dass-Links-sich-als-Kategorie-auflöst, kann ich mir relativ gut die Vorgeschichte der BSW-Plakate vorstellen und könnte auch halbwegs ein „Warum“ erklären.

So als Bürger und Wähler denke ich: ????!!?!??!??!??

Die AfD versucht ja, zumindest wenn sie die ganze Öffentlichkeit jenseits der Zielgruppe anspricht, mehr oder weniger staatstragend und vernünftig zu wirken. BSW ist verzweifelt genug, um darauf zu verzichten und einfach nur Aggro-Kommunikation zu machen. Die meisten Plakate lauten A statt B, wobei A und B nie etwas miteinander zu tun haben.

Hier in der besonders seltsamen Variante „Mietwucher bekämpfen statt Autofahrer.“ This makes no sense! Auf keiner Ebene. Aber schon, dass es immerhin an einer Ecke hängt, auf der öffentlicher Raum auf 20 Meter Breite für Autofahrer reserviert ist.

Aber es geht noch seltsamer.

Den Donald-Trump-Einfluss auf die BVV Charlottenburg-Wilmersdorf zurückdrängen! Auf welcher Querdenker-Demo ist denn bitte dieses Bild entstanden?

Die BVG gibt, DB Regio nimmt

Erfreulichere Aushänge hängte die BVG auf. Der 310er-Bus kommt wieder. Wir vermissten ihn nicht, da wir ihn nicht kannten. Aber wir haben jetzt eine direttissima Verbindung ohne Umsteigen zum Bahnhof Charlottenburg, also zum Prignitz-Express.

Zumindest für die nächsten vier Wochen, weil DB Regio ab Oktober die Strecke des Prignitz-Expresses von Hennigsdorf nach Berlin einstellt.

Was mir bleibt ist die nette Rundfahrt durch ChaWi. Das Gewerbegebiet an der Mecklenburgischen Straße hinunter, am Cornelsen-Schulbuchverlag vorbei und bis zum Edeka Autobahn. Dann durch das Dorfzentrum Schmargendorf (wie das Dorfzentrum Wilmersdorf nur mit noch mehr Geld) und dann durch Charlottenburger Villengegenden am Grunewaldrand wieder in die Stadt.

Dabei entdeckt. Das Gelände des Berliner Sport-Clubs (BSC) an der Herthastraße. Der Berliner denkt dabei natürlich an Hertha BSC. Zufall?3

Okay, eine d´Direttissima wäre weniger U-förmig

Es gibt nur einen Eingang. No use, den besser gelegenen zu suchen

Es ist faszinierend: Zwei Kurven, und schon war ich nicht mehr in der grunewalder Villengegend, sondern großstädtisch-morbiden Bahnhof Charlottenburg.

Dann stellte ich fest, dass meine mir mühsam angewohnte Ortskenntnis am Bahnhof Charlottenburg sich nur auf das Umsteigen bezieht. Wo ich hineinmuss, wenn ich von der Straße komme, weiß ich noch nicht.

Und so umrundete ich den Bahnhof einmal komplett bis ich 10 Meter neben meinem ursprünglichen Startpunkt stand und dort den richtigen Weg hinein sah. Der Tiger wachte über meinen Start und mein Ziel.

Bis 1995 stand hier ein alter S-Bahn-Wagen, in dem Buletten-Susi4 einen Imbiss betrieb

Noch Anfang der Woche dachte ich beim Fensterblick auf dem Prignitz-Express „Auch einmal nach Falkensee. Das sieht spannend aus.“ Nicht ahnend, wie schnell mein Plan in Erfüllung geht.

Die Bahn legte vor mit „RE6 fällt ersatzlos aus.“ Kein Zug mehr auf die Latifundien. Alle Alternativen sahen mehrfaches knappes Umsteigen und selten fahrende Busse vor.

Madame schlug vor: Falkensee. Da musste sie dann zwar länger durch den Wald fahren, aber sie konnte mich abholen.

Ich begab mich in den RB14, genoß es mal oben im Doppelstöcker zu sitzen, Spandau sieht von dort ganz anders aus. Ich widerstand der Versuchung gleich in Seegefeld auszusteigen, um im Hallenbad Falkensee eine Pause zu machen,

Also Falkensee Central. Die Stadt mit den beiden Bahnhofsvorplätzen. Einer, klein, dörflich, historisch gewachsen, westlich der Gleise und einer, größer, neu, mit Busbahnhof und Parkhaus, östlich der Gleise. Denn wenn die Stadt seit 1985 bis 2025 von 23.000 auf 46.000 Einwohner*innen gewachsen ist, dann möchte sie auch ein entsprechendes repräsentatives Zentrum.

Madame las mich auf. Wir müssen wiederkommen und das näher ansehen.

Im Zug dachte ich über Dienstleistungsmanagement nach, die Klausur kommt bald.

Rainbowland

Madame bereitete Schmorgurken und Pfifferlinge.

Ich kam endlich dazu die Würdigung von Rebecca Solnit über Dolly Parton zu lesen: In Praise of Dolly Parton, 1946-2026, Our Goddess of Kindness

Dort fand ich die schönen Sätze: „If I hadn’t been a girl, I’d have been a drag queen,“ she famously said and she was beloved of the LGBTQ community and made it clear she loved them back. … While drag queens are most often gay men doing a glammed-up job of looking like someone else, Dolly Parton seemed like another kind of paradox, someone dressing up in drag as herself

Auch gelernt: Erst vor kurzem veröffentlichte sie mit ihrer Patentochter Miley Cyrus den Song Rainbowland:

Wouldn’t it be nice to live in paradise? 
Where we’re free to be exactly who we are 
Let’s all dig down deep inside 
Brush the judgment and fear aside

Links

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Mehr Dolly-Parton-Links bei der Kaltmamsell. Auch die Tage danach.

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After nearly seven years of conducting boba reviews, I have built up a decent ability to predict if the boba will be good or not. … The Alley in Montreal genuinely surprised me with its excellent boba tea. From the very first sip, I could tell this wasn’t merely good boba, it was fantastic.

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Spannende Einblicke aus der mir weitgehend verschlossenen BookTok-Welt mit gewisser Skepsis: Wenn Bücher zu Fast Fashion werden: Über Konsum, FOMO und die Kultur des Besitzens

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Die Ecke kenn ich! Das Gebäude auch! Im Gegensatz zu loosy darf ich aber nie in den Innenhof: 26.08.2026 – Einen Gang runter

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Ich denke manchmal an meine Zeit in Frankreich zurück, wie seltsam es war, die Landessprache in diesem sehr anderen Land nicht perfekt zu sprechen.

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New York in the 70s, as told through its parked cars – Take my money!

Anmerkungen

  1. Yorck Unlimited No. 46 – damit 5,17€ pro Besuch. ↩︎
  2. Kameramann Gregory Oke sollte dringend noch namentlich erwähnt werden. ↩︎
  3. Wie ich inzwischen erfuhr. Halb. Die Herthastraße ist Zufall, das BSC nicht. Um 1920 war Hertha92 ein aufstrebender erfolgreich sportlicher Fußballverein aus der Arbeitergegend Wedding, komplett überschuldet und vom Spielbetrieb ausgeschlossen, der Berliner Sport-Club ein reicher, renomminierter Mehrsparten-Verein aus dem großbürgerlichen Charlottenburg. Sie schlossen sich zu Hertha BSC zusammen, gewannen in Folge mehrfach die deutsche Meisterschaft im Fußball und trennten sich 1931 wieder. Aber die Hertha durfte das BSC im Namen behalten. ↩︎
  4. Ich lerne. Nicht nur dass Buletten-Susi in Falkensee stand, anscheinend war es sogar ein Gattungsbegriff für den Versorgungszug der S-Bahn. ↩︎

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