26-08-26 2OO1: Chihiros Reise nach Syrakus

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Der Kaptain machte mit ihrem Gefährt Helau und Remmidemmi im Rosarium Uetersen.

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„You don’t sweat – you sparkle“. Junge Frauen transportierten Transparente zur U-Bahn. Erst vermuteten wir vielleicht eine Demo für mehr Platz für’s Radfahren. Kurze Zeit später entdeckten wir den Volkslauf/Halbmarathon, den diese vermutlich verlassen hatten.

In der Ringbahn stieg ein Paar mit einer großen Tasche auf einer Sackkarre und zwei Kayakpaddeln ein, alles war leicht zerzaust. Sie strahlten vor Freude ganzkörper.

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Die letzte TVöD-Tarifrunde schenkte mir die Möglichkeit, Geld der Jahressonderzahlung in freie Tage umzutauschen. Ich habe zwei Wochen Zeit zum Nachdenken.

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Die Regenbogenforelle nahm an der Master-Freiwasser-EM in Marseille teil und schwamm zwei Kilometer im Mittelmeer.

Die Regenbogenforelle lud Madame am Sonnabendabend zum Geburtstag in die Kulturbrauerei, was uns ein überraschendes Berlinkulturwochenende bescherte.

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Es war ein Kottirüdi-Wochenende International mit Holzverständigung.

Einlegetiefe 11 cm

Wo wir des Geburtstags wegen schon mal in Berlin waren, konnten wir auch Sinnvolles erwachsenes machen. Das Pappbett beschläft sich zwar weiterhin wunderbar. Aber wir sind weiterhin nicht sicher, wie viele Jahre es durchhält. Mit der freischwebenden Matratze auf der Pappe wirkt es auch weiterhin unfertig.

Wir hatten ein paar Wochen gemessen und nachgedacht und machten uns auf zu Frohraum, ein Bett bestellen. Es wird ein B54, freischwebend, Eiche, passend zum bereits vorhandenen Mobiliar.

Jetzt hoffen wir, dass es sich wirklich in die schmale Schlafzimmerecke zirkeln lässt, wenn es kommt. Denn unsere Wohnung ist ein Traum, aber ein kleiner.

Holz. Für uns Eiche (DGL)

Rüdi

Wo wir schon in Berlin waren, konnten wir auch Wilmersdorf erkunden.

Von der neu geschaffenen Fahrradstraße in Schöneberg (juhu!), der Belziger Straße, nahmen wir U7 und U3 zum Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf.

Madame hatte feststellen müssen, dass auch die ehrwürdigen UTB-Bücher inzwischen als Books on Demand produziert werden, und dabei halt mal Bücher mit 40 Seiten zu wenig ausliefert. Das Inhaltsverzeichnis reichte bis Seite 308, das Buch nur bis Seite 270.

Also suchten wir Mertiny & Sohn am Rüdi auf, tauschten unkompliziert das Buch. Obwohl es eine Buchhandlung ist, in deren Präsentationstisch ich blind greifen könnte, und danach sicher ein gutes Buch in der Hand hätte, widerstanden wir tapfer.

Lieber ging es zum Kaffee trinken nach gegenüber. Zwei Milchkaffee und zwei Pain au chocolat, während wir Wilmersdorf beim Bummeln zusahen.

Dieser Platz ist so beschaulich, es ist schon fast ein Idealbild für die Merz-Stadtbild-Debatten. Das kippt leicht ins gefühlt Reaktionäre1, ich glaube aber auch, es ist entspannend. Und bevor ich mich komplett verheddere: in seiner ausgesprochen grünen, naturfreudigen Kleingeschäftigkeit ist der Rüdi ein wirklich schöner Platz zum Laufen, Einkaufen, Kaffee und Wein trinken.

Inspiriert vom Platz bestellte Madame nach unserer Heimkehr gleich eine Jacke bei Frankonia. Immerhin verspricht deren Anti-Rutsch-Aufsatz-für-Gewehre auch, dass er das Rutschen von Rucksäcken verhindern soll.

Kotti

An der selben Bahn, der Heimat U-üc, geht es auch ganz anders. Diese führte mich wenig später in das Herz Kreuzbergs, an den Kotti, meinen Lieblings-Kriminalitätsschwerpunkt in Berlin.

Als ich aus der U-Bahn stieg, sah ich an einer selbst für Kotti-Verhältnisse räudigen Ecke eine Führung, die etwas erklärte. Städtebau konnte das nicht sein, das musste Kiezhostisch bedeutsam sein.

Jemand rief „Hallo“. Ich überlegte kurz, ob ich gemeint war. Dann fiel mir auf, dass hier gerade mehr Menschen auf der Straße waren als in ganz Wesselburen leben und dachte „Na, eher nicht.“

Ich sah Wahlplakate der Urbanen Partei und die Kreuzberger Linksgrünen, den Miesmuschel-Imbiss und artistisch angebrachte kunstlose Graffiti. Soviel Leben auf so wenigen Quadratmetern.

Eine „Hip-Hop-Partei“ aus Berlin, die ihre besten Wahlergebnisse bisher in Friedrichshain-Kreuzberg erzielte. Soweit ich bisher sah unterscheidet sie sich vor allem stilistisch von der sonstigen Politik des Bezirks. Bei anderen Parteien wäre „schafft Racial Profiling“ eher eine halt-auch-Forderung, bei den Urbanen ist sie zentral.2

Ich aber ging durch den üblichen Hausdurchgang in die Dresdener Straße und war innerhalb von 25 Metern vom lebenssprühenden Problemkiez Kotti in den linksgentrifizierten Edelkiez Oranienplatz-Umfeld gelangt, und von dort in den Kuschelsaal 2 im Babylon Kreuzberg.

Ohngesicht fährt Bahn

Wo wir in Berlin waren, konnte ich aus dem Wochenende ein Wochenende zweier legendärer Filme machen. Sonntag war schon 2OO1 Space Odyssey geplant, Sonnabend bot sich Chihiros Reise ins Zauberland / 千と千尋の神隠し Sen to Chihiro no kamikakushi, (deutsch ‚Sen und Chihiros magisches Verschwinden‘) an3.

Studio Ghibli! Hayao Miyazaki! Namen, die bei vielen Menschen für Freude und Ehrfurcht sorgen.4

Bei mir nicht. Ich hatte noch keinen Ghibli-Miyazaki-Film gesehen. Jetzt möchte ich damit nicht mehr aufhören.

Mir fehlt das Referenzsystem, um darüber reden zu können. Aber ich dachte

  • an Steven Spielberg und dessen Gabe, kindliches Sehen und Erleben ernst zu nehmen
  • an die Fähigkeit phantastische Welten zu bauen wie bei Lewis Carroll oder Tim Burton
  • an die Fähigkeit die uns umgebende Moderne in dieser Phantastik durchscheinen zu lassen wie bei Franz Kafka
  • Und eine sehr eigene, unendliche Schönheit und Liebe, die in jede Einstellung dieses Animes geflossen ist.

Chihiro ist nicht schön wie glatt und konturlos. Der Film ist schön wie vollendet, umfangreich, umfassend. Ich glaube, ich muss aktuell gar nicht mehr soviel dazu schreiben, denn Chihiro wird hier noch oft als Referenz auftauchen.

Aber ich möchte mir den Film tätowieren lassen.

Zum Ligeti-spielenden Monolithen

Wo wir in Berlin waren, konnte ich aus dem Wochenende ein Wocheende zweier legendärer Filme machen. Nachdem ich Sonnabend Chihiros Reise ins Zauberland gesehen hatte, wollten wir Sonntag endlich die Gelegenheit nutzen, 2OO1: Space Odyssey in einem guten Kinosaal zu sehen5.

Der Saal im neu renovierten Kino International gehört technisch vermutlich zu den fünf besten Kinosälen Berlins. Er ist von diesen der stilvollste.6

Der für-uns-zu-frühe-Beginn am Sonntag um 11 Uhr vormittags, sowie die sonntäglich spärlich fahrenden Ringbahn und U5 hatten uns ausgebremst. Als wir kamen, stellten wir uns in die Schlange, gelangten gerade noch rechtzeitig zur Trailer-Show auf unsere Plätze.

Foyer(decke) ohne Bar und Tische (unten)

1968 war es leichter vorstellbar, dass die Menschheit zum Jupiter fliegt, als dass ein Mann Getränke an Bord eines Flugzeugs serviert

Es war das dritte Mal, dass ich 2OO1 Space Odyssey im Kino sah. 2001 entdeckte ich ihn im Hamburger Abaton, das schon fast automatisch das Begleitadjektiv „legendär“ verlangt, irgendwann in den 2010ern folgte ein Besuch im Großplanetarium Berlin, irrigigerweise annehmend einer besonderen Planetariumstechnik-Magie beiwohnen zu können, dort allerdings lernend, dass im Planetarium selber ein eigener Kinosaal der Holzklasse existiert.

Beim ersten Besuch des Films war ich ebenso verwirrt wie geflasht. Beim zweiten verschaffte ich mir einen Überblick über den Film. Und beim dritten Besuch dachte ich, ich kann analytischer herangehen, auf einen Aspekt achten. Da diese Vorstellung im Rahmen des Berliner Musikfestes lief, dachte ich, prima, ich konzentriere mich auf Musik und Sound.

Tja. Ich lernte, dass es nichts zu entdecken gab. Die Musik ist legendär, ebenso wie Sound und Nichtsound. Aber halt auch sehr offensichtlich und ausgestellt. Natürlich hätte ich auf die Interpretation der Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan achten können, aber ich sah ja einen Film und hörte kein Konzert. Und was den Aspekt der Filmmusik angeht, ist diese derart ausgestellt, dass es unmöglich ist, etwas zu verpassen.

Wie eigentlich im ganzen Film. Fünf Minuten kreisende Raumstationen zum Walzer sind utter Genius. Aber sie sind halt auch fünf Minuten „schaut her wie genial das ist.“

Ich habe den Eindruck, ich habe die perfekte Zahl an Seherlebnissen des Films. Einmal zur Überwältigung, einmal zum Verstehen, einmal um festzustellen, dass es wirklich nicht mehr zu entdecken gibt.

Es gab keinen Parmesan in der DDR

Knapp drei Stunden und einige György-Ligeti-Stücke später begaben wir uns aus dem Saal zurück ins Foyer. Nach dem Durchhuschen am Vormittag brauchte ich Kaffee und wollte außerdem noch einen Blick in das Foyer der repräsentativen DDR-Moderne erhaschen.

Während wir tranken und betrachteten, änderte sich langsam das Publikum. Weg vom relativ jungen internationalen 2OO1-Publikum, hin zu etwas das mehr nach Anwohner*innen aussah, älter, berlinerischer, mehr auf Stil bedacht.

Ach, es läuft noch ein Film.

Wir schauten nach und fanden „Der Spaziergang nach Syrakus“, die fiktionalisierte Geschichte eines DDR-Einwohners, der aus der DDR flüchtet, um auf Johann Gottfried Seumes Spuren nach Syrakus auf Sizilien zu wandern und der dann wieder „in seine kleine“ DDR zurückkehrte.

Den wollten wir eh mal sehen.

Frage: Schaffen wir ein Double Feature? Vielleicht! Also kauften wir spontan Karten und blieben im International7.

Geschildert wird das Leben von Paul Gompitz (Charlie Hübner) und seiner Frau Anne (Lina Beckmann). Gompitz hat keine grundlegenden Einwände gegen den Staat, aber will nach Italien.

Der Staat will das nicht. Alle legal möglichen Wege (Verwandtenbesuch im Westen, Völkerfreundschaft) werden abgebügelt, also verlegt er sich auf das Illegale. Über Jahre bereitet er seine Flucht mit einem Segelboot über die Ostsee vor.

Der Film von Lars Jessen8 versprach, ein schön gemachter Wohlfühlfilm zu werden, wie gemacht als Ausklang nach zwei Monumenten der Filmgeschichte, er war aber mehr.

Er schafft es, ein sympathischer, nett erzählter Film zu sein, ohne den Staat DDR in seiner Rücksichtslosigkeit gegenüber den eigenen Menschen und seiner Brutalität zu verharmlosen. Er schildert nicht nur den unangepasst-verschlurft-getriebenen Paul Gompitz, sondern auch seine Frau. Diese leidet unter Pauls Geheimhaltung und seinen Lügen vor der Flucht. Sie, nicht er, bekommt die volle Wucht der Stasi-Brutalität nach der Flucht ab, während Paul fröhlich nach Italien spaziert.

Das war größeres Kino als ich erwartet hatte. Ich bekam nicht nur einen schönen Nachmittag, sondern sogar einen guten Film.

Foyer mit Bar und Tischen (oben)

Immer der blendenden Sonne nach

Spontan, wie wir den Tag schon waren, liefen wir erst zum Alexanderplatz, dann nahmen wir doch die U5 zurück zur Frankfurter Allee. Dort fand ein kurzer Zwischenstopp bei den Currywurst Piraten statt (Madame kann das Schaschlik nicht empfehlen, wir waren aber auch beide überrascht, dass es noch in der Fritteuse landete). Dann fuhren mit der Ringbahn in die Wohnung.

„Nach Hause“ war es noch nicht. Denn wenn wir schon das Wochenende in Berlin verbachten, könnten wir ja Sonntagabend noch in die märkischen Hamptons fahren.

Es war kühl. Und schön.

Einatmen. Ausatmen. Schlafen.

Gras

Links

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Also erwuchs in mir die Schnapsidee, ich könnte auch einfach in drei Tagen mit dem Fahrrad fahren. 650 Kilometer. Von unserem Zuhause nahe Leipzig in das kleine schwedische Dorf, in dem der andere Teil der Familie wohnt. Aus der Schnapsidee wurde eine Fährbuchung..

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Frau Brüllen beim ersten Kraulkurstermin.

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Gedanken zu KI (als zurückgekehrter professioneller Entwickler)

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Im Berliner S-Bahn-Verkehr kam es morgens wegen einer Signalstörung zu Verzögerungen, ist in der Bonner Zeitung zu lesen. Das mag interessant sein für Menschen innerhalb des hauptstädtischen S-Bahn-Netzes, das ziemlich groß ist, jedoch nicht bis ins Rheinland reicht. Wozu also diese Meldung, sogar mit Bild?

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Ob „schwitzende ältere Herren machen ihre Steuererklärung“ auch eine lohnenswerte Kategorie bei Onlyfans wäre? Müsste man die Einnahmen aus dem Kanal dann auch wieder versteuern? Wäre dann der Folgekanal „schwitzende ältere Herren machen ihre Umsatzsteuervoranmeldung“? Bevor ich zu sehr erregt werde, packe ich das Schreibgerät ein und laufe weiter.

Anmerkungen

  1. Gefühlt. Nicht gelebt. Wahllokal 04713 – Grundschule am Rüderheimer Platz wählte bei der letzten Wahl CDU 23%, Grün 20%, SPD 17%, Linke 16%. Das ist noch ein gutes Stück links vom Berliner Durchschnitt und irgendwie bürgerlicher als bei uns. Bei uns liegen SPD/Linke/Grüne vage gleich wie am Rüde. Dafür hat die CDU weniger und die AfD mehr Stimmen als dort. ↩︎
  2. Zwei Plakatnachträge. 1 – Ich sah mittlerweile auch ein AfD-Plakat zu Mieten. Damit hat von den größeren Partein bisher nur die CDU das Thema noch nicht adressiert. 2 – Das CDU-Kreuzberg-Wimmelbild, das mich an Gerhard Seyfried erinnerte, soll tatsächlich an die ehemaligen Christian-Ströbele-Plakate in Kreuzberg erinnern, die eben jener Gerhard Seyfried gestaltete. Immerhin ist das CDU-Wimmelplakat noch von einer realen Person gestaltet worden, nicht von einem LLM. ↩︎
  3. Yorck Unlimited No. 43 – 5,53€ pro Besuch ↩︎
  4. Als eine von vielen: Billie Eilish mit Chihiro ↩︎
  5. Yorck Unlimited No. 44 – 5,41€ pro Besuch ↩︎
  6. Und der mit den im Vergleich ungemütlichsten Sitzen. I blame the Denkmalschutz. Also die sind schon sehr gut. Aber doch weit weg vom Zoo Palast oder UCI East Side Gallery. ↩︎
  7. Yorck Unlimited No. 45 – 5,29€ pro Besuch ↩︎
  8. Ein Dithmarscher. Ich will es nur gesagt haben. ↩︎

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