Schlagwort: Wilmersdorf

  • 26-07-07 I don’t believe in Peter Pan, Frankenstein or Superman

    26-07-07 I don’t believe in Peter Pan, Frankenstein or Superman

    Der Kaptain fuhr nach Bad Bramstedt.

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    Wo kommen die ganzen Elektro-Lastenräder her? Einige Monate war ich nicht auf dem Rad, wir zogen von Schöneberger Haupt- in Wilmersdorfer Nebenstraßen und schon schießen beim ersten Wieder-Radpendeln Elektro-Lastenräder links und rechts mit Karacho an mir vorbei. Zufall? Anderes Nutzungsprofil der Wilmersdorfer Nebenstraßen? The Times are changing?

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    Brian May has said that the song [Bicycle Race] was not an autobiographical portrait of [Freddy] Mercury and that Mercury did not particularly enjoy bicycling, also noting that despite the lyric „I don’t like Star Wars“, Mercury was a Star Wars fan.[10]

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    Madame kehrte ins Stadtbad Schöneberg zurück. Als Bad-Abonenntin durfte sie am Wiedereröffnungs-Probebetrieb teilnehmen. Ihr Fazit: Wie immer, nur unglaublich sauber. Und entspannter, weil die Zahl der Besuchenden noch sehr gering ist.

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    Es war ein aglais-ioscher Latifundiensonntag und ein Tag in den Südkreuz Offices ganz ohne am Südkreuz zu sein.

    Lawn derives from Middle English launde, a borrowing from Old French lande (meaning „heath“, „clearing“). The word shares an origin with land

    Unter dem Schattiernetz las ich das Paul Robbins‘ Buch Lawn People – seine Kultur-/Sozial-Geschichte der amerikanischen Rasenflächen als Vorgarten. Wie kam es, dass ein ganzes Land, ein halber Kontinent, eine vergleichsweise uniforme Vorgartengestaltung betreibt, die aus durchgehenden monokulturellen Rasenflächen quer durch ganze Straßenzüge besteht?

    Ich staunte darüber, dass der vergleichsweise schmale Band mit Vorgartenrasen beginnt, dann einen Bogen über die Kulturtheoretiker Bruno Latour und Louis Althusser schlägt, um zur Biologie der Gräser und einer ausführlichen Besprechung aller relevanten Gras-„Pflege“-Chemikalien des 20. Jahrhunderts zu gelangen.

    Das Büchlein ist schmal, und ich habe erst die Hälfte gelesen, bin mittlerweile sehr gespannt wie es weitergeht.

    Robbins zeichnet nach wie der gepflegte Rasen in französischen Fürstengärten der Renaissance entstand, sich über Englische County Houses verbreitete und mit Frederik Law Olmsted (bekannt durch den New York Central Park und den Niagara Falls National Park) schließlich in die USA kam, wo er am Ende die dominierende Kulturpflanze1 des ganzen Landes wurde.2.

    Und welche faszierende Lektüre zum 4. Juli, dem 250. Geburtstag der USA. Derjenige Geburtstag, den am Ende hoffentlich alle in Erinnerung behalten, als „damals als der verrückte Onkel die Party schmiss.“

    Vielleicht war es ein Lawn-people-Geburtstag.

    Ich habe den Eindruck viele der Trump-Wählenden wünschen sich eine USA zurück, wie aus der Rasenpestizid-Werbung der 1960er: Das Gras so grün so unnatürlich, Papa auf dem Aufsitzmäher, Mama kocht, das Mädchen putzt und der Bub spielt kleine Streiche. Eine Welt, die es nie gab, die ich mir aber hervorragend als ausgeschnittene Zeitungsanzeige der Lawn People vorstellen kann.

    Das Tagpfauenauge ist der Junikäfer des Julis

    Junikäfer (Amphimallon solstitiale) gehören zu den Tierarten Brandenburgs, die manchmal arg herausgefordert wirken von den Anforderungen, die Leben und Welt an sie stellen. An einigen Abenden im Juni steigen sie in den Latifundien zu Dutzenden, Hunderten, aus ihren Erdlöchern empor, beginnen zu fliegen und dotzen gegen alles was im Wege liegt. Gegen Bäume, Häuser, Menschen, Autos.. egal.. Hauptsache dagegen, wieder und wieder. Es ist ein Spektakel der Frühsommerdämmerung. Es ist ein Rätsel wie sich jemals zwei dieser Käfer gegenseitig finden, aber wahrscheinlich ist dieses gegen-Alles-Dotzen ihr Erfolgsgeheimnis. Irgendwann dotzen sie auch gegen andere Junikäfer: Und dann Liebe! Familie! Kinder! Kredit!

    Tagpfauenauge (Aglais io) stellen sich besser an. Die Stelle des Hauptdotzers Brandenburgs kann nur einmal vergeben werden. Die Tagpfauenaugen fliegen nicht gegen den Bungalow. Sie fliegen hinein. Einer, den wir hinausbeförderten, zwei, den wir hinausbeförderten, drei, den wir hinausbeförderten.. spätestens wenn wir die Hütte verlassen, alle Türen und Fenster geschlossen sind, ist das keine gute Gegend für Tagfalter dort.

    Denn obwohl das Wetter auf Grau und Regen geschaltet hatte, sind die Schmettis und die Bienis und Hummis nicht mehr aufzuhalten. Neben all‘ den Schachbrettfaltern (wo kommen sie alle her!?), den weiterhin zu hektischen braun-orangen Schmetterlingen, den nicht mehr abschätzbaren Hummeln und Bienen, den Kohlweißlingen und Zitronenfaltern, kommen auch die Tagpfauenaugen. Auf dem Dost, auf der Wiese, und im Bungalow. Hübsch sind sie. Und weil es kühler war, waren sie auch gerne bereit in der spärlichen Sonne ihre Flügel aufzuspannen.

    Wir waren am Sonntag etwas erholter als am Samstag und werkelten dementsprechend mehr. Leider vergaß ich vor dem weiteren Zupfen der Brennesseln, das ich zwar behandschuht, aber mittlerweile kurzärmlig unterwegs war, so dass ich davon noch den Rest des Tages etwas hatte.

    Mit Coffee making facilities (){}

    Die kommenden Wochen rasen heran. Ich versuche gleichzeitig mit wieder an die korrekte Reihenfolge von package main, und import „fmt“ und func main() in Go zu erinnern, herauszufinden, ob mensch von Kaunas mit dem Schiff die Memel hinunter bis zur kurischen Nehrung fahren kann3, mit Madame zusammen das „wie-kommen-wir-rechtzeitig-nach-Frankfurt(Oder)-Problem“ zu lösen und den Spagat zwischen meinem langsam ausklingenden vorurlaublichen Arbeitstempo und dem Das-muss-alles-noch-fertig-werden-in-Q2 der Kolleg*innen zu schaffen.

    Ich möchte eigentlich nur noch die Arme ausbreiten und der mit Restgeschwindigkeit des metaphorischen Fahrrads ins Ziel trudeln, alles um mich herum, möchte noch schnell ein Bicycle Race gewinnen.

    Trotz überraschend vieler Feuerwehreinsätze gelang es mir immerhin heute eine halbe Entscheidung zu treffen, was wir mit den USB-C-auf-USB-C-Adaptern4 machen, die irgendwie den Weg zu uns fanden, ich kann mittlerweile die drei Arten der Variablendeklaration in Go auswendig genug um sie niederzuschreiben, und wir beschlossen das Frankfurt-Problem mit Flexibilität und Geld zu erschlagen.

    Nein, nicht das Taxi. Aber wenn jede Art Vormittags nach dort zu kommen, um den polnischen EC zu kriegen, ungemütliches und unentspannedes Hassle mit Regios und Bussen sein wird, können wir auch Open-End-am-Abend-vorher fahren und ein Hotel beim Bahnhof nehmen.

    Dann haben wir die chillste Anreise zum EC, die wir uns vorstellen können.

    I want to ride

    Es war der Gegenwind und nicht die mangelnde Übung! Meine Schutzbehauptung von letzter Woche erwies sich zu meiner eigenen Überraschung als war. Endlich, endlich, konnte ich wieder mit einem funktionierenden Fahrrad zur Arbeit fahren. Queens Bicycle Race war meine Hymne. I don’t believe in Peter Pan, Frankenstein or Superman / All I wanna do is Bicycle, bicycle, bicycle, I want to ride my bicycle.

    Ich summte.

    (You say black) I say white. (You say bark) I say bite. And I don’t like Star Wars.

    Nur war ich halt langsamer als Queen sang. Aber es war so schön, entlang der Nebenstraßen Wilmersdorf, vorbei am Volkspark und dann durch die alte Hood. Denn bei allem was sich im Leben in den letzten Jahren änderte: es verlagerte sich nur wenige Kilometer nach Westen.

    In Teilen fahre ich immer noch dieselbe Arbeitsstrecke. Nur ist das, was damals der westlichste Teil des Weges war, nahe der Wohnung war, mittlerweile der östlichste Teil, den ich fahre, nahe der Arbeit.

    Noch läuft es unrund: Helm vergessen, starten der DB-Rad-App vergessen, die elegantes Kurvenführungen vergessen. Aber es wird wiederkommen.

    I want to ride my bicycle I want to ride my bike.

    Zu Hause hatte Madame aus den solidarischen Breiten Bohnen eine Coronation Quiche gebacken. Der Geruch der Melone hatte sie von der Kasse zurück in den Supermarkt gelockt – zu meinem Nachtischsglück.

    Links

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    Kurz bevor wir den Pink Soup Train nehmen werden, sendete der Deutschlandfunk einen Beitrag zum Pink Soup Festival. (Sonntagsspaziergang, ab Sekunde 35)

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    Auch ein Fan der Lawn People ist US-Autor Michael Pollan, der selber einige Bücher über Pflanzen-Mensch-Beziehungen schrieb. Hier ein kurzes Video von ihm zum Thema: Why is America Obsessed with Lawns?

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    Die Stuttgarter Wielandshöhe bloggte ihre Serviceregeln (via Kaltmamsell) und natürlich provozierte das sofort Erinnerungen an das wunderbare Essen mit Dr. D und Dr. E dort im letzten Oktober.

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    Mehr zu Liminalen Orten: Liminal Spaces: Wenn anthropogene Orte menschenleer sind (via Kieselblog)

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    Noch jemand, der am Hitzesonntag Glennkill im klimatisierten Kino sah.

    Anmerkungen

    1. Die Rasenfläche ist weit größer als aller Mais in den USA zusammen. Oder alles Soya. ↩︎
    2. Wobei er auslies, dass ausgerechnet die Shaker – gerade wieder bekannter durch den Film The Testament of Ann Lee – die ersten waren, die qualitativ hochwertige Grassamen züchteten. ↩︎
    3. Ja, aber nicht an Tagen wo es uns nutzen würde. ↩︎
    4. Ja, die gibt es. Ja, ich weiß auch nur halb warum. Deshalb lagen sie ja ungeklärt in der Gegend. ↩︎
  • 26-06-14 Blandine avec la großer Rucksack multicolore

    26-06-14 Blandine avec la großer Rucksack multicolore

    Manchmal haben Leute am Südkreuz-Klavier umfangreiche Klaviernoten dabei und spielen anspruchsvolle Klavierprogramme. Manchmal spielt auch jemand schief Alle meine Entchen.

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    In der U-üc informierte Sophia ihre Freundin, dass Anton mittlerweile zur coolen Gang gehört. Ihre Freundin konnte das nicht glauben. Anton war früher doch der Uncoolste überhaupt, schon allein weil er auf dem Schulhof immer Ameisen aß.

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    Manchmal videocalle ich mit Dienstleistern und ich sehe vor meinem inneren Auge einen Stapel brennender Geldscheine.

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    Wie schon bei der Männerfußball-EM 2024 versuche ich das Organisationsinterne Tippspiel zur WM 2026 fernab jeder Ahnung oder jedes Interesses mit statistischer Heuristik zu gewinnen. Letztes Mal kosteten mich gefühlsgewallte Tipps den Sieg. Dieses mal wird stur heuristisch getippt. Nach dem 1:1 zwischen der Schweiz und Katar führte dies bisher zu Platz 21 von 46. Aber the power of Statistik liegt in der großen Zahl der zu tippenden Spiele.

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    Es war ein Wilmersdorf-Pariser Werktagsausklang und ein feuchtfröhlicher Wochenendauftakt.

    Unten Idylle, oben Screaming Party

    In ihren Mehrchorwochen war Madame wieder Chor, der am Ex-See probt. Und wieder war der Gartenfuchs anwesend, der später von den Gartenkaninchen abgelöst wurden. Zwischendurch spielten kleine Jungs im Garten Fußball und schauten dann dem Chor zu. Die manchmalige Dörflichkeit von Wilmersdorf erstaunt uns weiterhin.

    Jedes mit Absperrband umwickelte und an einen Poller gebundene Auto hat eine Geschichte. Manchmal ist Wilmersdorf auch städtisch.

    Wie ich zwei Kilo Mehl und eine Packung Klopapier durch Wilmersdorf trug

    Das Schöne an einem Umzug ist. Auch nach einem halben Jahr muss ich nach dem Vollkornroggenmehleinkauf nur einmal nicht die Diretissima nehmen, sondern nach links abbiegen und entdecken komplett neue Gegenden.

    Meine Güte. Welch schwäbisch-wohlhabende Idylle haben wir in der Nachbarschaft. Die drei Straßenzüge um die Gasteiner Straße, die Sigmaringer Straße und den Leon-Jessel-Platz sind offenbar einem Katalog für gediegenes Großstadtleben entstiegen. Das ist weder Wilmersdorf als Dorf noch Wilmersdorf als Berlin-Innenstadt, das ist Wilmersdorf als wohlhabender Randbereich einer kleineren Großstadt.

    Altbauten, Kopfsteinpflaster, viel Grün, eine niedliche Straßenmöblierung, einige wenige einladend wirkende Restaurants, die gut eingesessen und dennoch erreichbar-edel wirken. Irgendwie war es passend, dass dort auch die Hobby- und Kleintierzüchter Verlagsgesellschaft wohnt. Und das um die Ecke.

    Über mir formierten sich Mauersegler zu ihren ersten Screaming Parties des Sommers. An den Bäumen wiesen Absperrbänder auf zahlreichen Eichenprozessionsspinner hin. Denn wo ein alter Eichenbestand, da Eichenprozessionsspinner.. Irgendwas ist halt immer.

    In der Mitte des Komplexes das Goethe-Gymnasium. Laut Wikipedia ein traditionsreiches altsprachliches humanistisches Gymnasium, das Schüler*innen „von der Sexta bis zur Prima“ betreut. Und – ich weiß nicht ob ich das je in Berlin sah – Gebäude, Hof und Umfeld sahen Immaculate aus, wie der Neusprachler sagen würde.

    Ich lese das weitere Schulportrait auf Wikipedia und mein jungendliches ich ist neidisch: Da wäre ich gerne zur Schule gegangen.

    La double Blandine

    Ich sah einen Spielfilm, der etwa eine Minuten lang im Technikkeller eines Schwimmbads spielte. Und schon allein damit sollte klar sein, dass jetzt eine Lobpreisung folgt.

    Zum Glück verdienen die restlichen 77 Minuten des Films diese auch. Denn je länger ich Le Rendez-vous de l’été / Sommer in Paris1 sacken lasse, desto lieber mag ich den Film. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr ergibt der Vergleich mit Jacque Tati’s Playtime Sinn.

    Das Rendez-vous mit dem Sommer ist keine klassische Komödie – der Film ist glaube ich gänzlich pointenfrei. Aber wie die immer leicht alienhafte Blandine mit ihrem großen bunten Rücksack und dem Umhängehandy (gespielt von Blandine Medec) durch Paris stolpert gibt sie allein durch ihre Anwesenheit der Stadt die Gelegenheit ihren ganzen Wahnsinn bloßzulegen.

    Die Handlung folgt Blandine, die aus Bayeux nach Paris reist, um einige Schwimmwettbewerbe während der Olympischen Spiele 2024 zu sehen. Daran scheitert sie. Sie trifft ihre seit Jahren entfremdete Halbschwester Julie, toughe Pariserin, die aber so sehr mit der Auseinandersetzung mit ihrem Ex beschäftigt ist, dass sie Blandine nur am Rande wahrnimmt.

    Ihren 30. Geburtstag „feiert“ Blandine indem die Jungendherberge sie vor die Tür setzt, weil sie die Altersgrenze überschritten hat. Blandine irrt immer wieder einsam durch die Stadt, durch die Olympiafeiern, vorbei an den Touri-Attraktionen, aber viel öfter durch die echten Wohnviertel, wo ihre Familie sind. Nur der Elektriker Benjamin, der auch Nachts am Olympia-Schwimmstadion arbeitet, zeigt Interesse an ihr, gibt ihr das Gefühl nicht allein durch die Gegend zu irren.

    Dabei ist insbesondere Blandine gespielt von Blandine beeindruckend. Diese schafft es gleichzeitig so verloren und verworfen in der Welt zu wirken wie alle in dieser sich fühlen und nur selten so aussehen. Sie strahlt eine herzliche Freundlichkeit weit jenseits der Grenze zur Naivität aus, und vermittelz doch auch gleichzeitig den Eindruck, als wäre mehr Lebensweisheit in ihr als im ganzen Paris um sie herum.

    Zum Abschluss spielt sie auf dem Bahnhofsklavier am Gare du Nord, steigt in den Zug nach Bayeux und sitzt in der Abschlusseinstellung am Omaha Beach mit Blick auf den Ärmelkanal.

    Mauersegler zu Staren

    Nach dem Kino der Garten. Eine Nachtfahrt auf die Latifundien. Am Morgen ein Anblick, der meine Formulierungsfähigkeiten übersteigt. So spektakulär war er noch nie. Anscheinend waren Frost und Regen dieses Jahr genau richtig.

    Ich möchte meine Arme ausbreiten und darin herumrollen, über mir Hummeln, Falter, Bienen, Solitärwespen, Fliegen und kleine Starenschwärme.

    Tatsächlich aber mähte ich die Wege nach. Wir trafen Spargelkönigin und Lebkuchenprinz beim Einkauf von Spargel und Nudossi. Wir fuhren nach Wochend-West zur Doppelgeburtstagsfeier mit Regen vor dem Fenster, Kuchen, Aristocats, Regen vor dem Fenster und Familienupdates.

    Dann zu den Latifundien. Ich öffnete die Autotür und sagte spontan „Was für ein Geruch!“

    Hach.

    Links

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    Ein Mann kommt von der Naturweide hinter mir mit einer großen Plane. Er zieht sie hinter sich her und transportiert Zeugs: Erde, Wurzeln und sicher auch tausend Jahre alte Artefakte.

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    Oh, Zeiten: „Die Schülerschaft wirkte dieses Jahr etwas irritiert und unsicher auf mich. Die häufigste Frage meiner Schützlinge war “Welches Spezialthema würden Sie mir empfehlen?” Und zwar fast durchgängig. Dass man sich mit 19 Jahren nicht selbständig zu einer Entscheidung durchringen kann, war mir völlig neu.“ und noch ein Abitursrückblick.

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    „Ois is Blues“ hat der Willy Michl mal gesungen, das seh ich auch so.

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    Christine im italienischen Hinterland und ich bin von den Anblicken begeistert.

    Anmerkungen

    ~ Wenn die deutsch-englische Hybridsprache Denglisch ist, ist die Überschrift dann Dranzösisch?

    ~ Haushaltszugang: Je ein Zahlenschloss in blau und grün für Schwimmbadspind und ähnliches. Der Code ist vierstellig.

    1. Yorck Unlimited No. 33 – 7,21€ pro Besuch. ↩︎
  • 26-04-18 Ayran in der Wilhelmsaue

    26-04-18 Ayran in der Wilhelmsaue

    Rückwärts einparken für Kreative: Einfach aussteigen und das Auto mit der Hand am Lenkrad schieben.

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    Am Pavillon von Currywurst Ruhige Tag blinkt und leuchtet eine Eisdiele. War die schon immer da und ich habe sie jahreszeitbedingt nur nie gesehen? Oder ist sie jahreszeitbedingt erst jetzt aufgetaucht?

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    Noch viel mehr blinkte und glitzerte ein mir bisher unbekanntes Schaufenster: Wirbelwind Sportbekleidung spezialisiert sich auf Rhythmische Sportgymnastik, Eiskunstlauf, Turnen. Ein dementsprechender Traum in Pailetten schmückt ihr Schaufenster.

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    Wahrend ich dies schreibe, signalisiert Madame ein Bild vom Frankfurter Hauptbahnhof. Sie erkundete die letzte Woche wieder einmal Ettenbühl und bringt im ICE278 Rosen sowie organischen Dünger mit. Vielleicht sichert ihr das letztere einen Einzelplatz.

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    Es war ein strohwitweriger Wilmersdorfer Wochenendauftakt.

    Am Schreibtisch

    Vor die Wilmersdorf-Exkursionen hatte die Welt meinen Schreibtisch gesetzt.

    Als lahmender letzter Juror des Wikipedia-Schreibwettbewerbs stellte auch ich meine Artikel-Shortlist zusammen, so dass wir jetzt beim Jurywochende eine spannende Artikelauswahl haben, über deren Platzierungen wir streiten können.

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    Da die Fernuni Hagen in diesem Sommersemester 2026 das letzte Mal gedruckte Unterlagen ausschickt, rang ich mich zu einer Entscheidung durch, welche Module ich in den kommenden Semestern wohl belegen können wollen würde und belegte noch vier neue:

    Gerade die Informatiker machten es mir nicht leicht. Fast alle ihrer Module werden in den nächsten Semestern verschwinden oder komplett überarbeitet werden. Auch nur eine mittelfristige Planung mit diesen Modulen ist fast unmöglich.

    Um am über die Wilhelsaue herum

    Die erste Attraktion des Ortes kann ich vom Schreibtisch aus sehen. Der rosa Fluffelpuschel, aka die Zierkirsche, steht an einem Schleichweg für Anwohner*innen. Und jede*r zweite zückt zweifellos zögerungsfrei zurecht das Telefon für ein Foto. Die können wir dann sehen und uns am Anblick erfreuen.

    Aber eigentlich sollte es weiter in den Ort gehen.

    Damit das Amt uns finde

    Zu diesen Alt-Wilmersdorf-Exkursionen hatte mich das Bürgeramt angestiftet. Schon bei unserer Ummeldung hatte uns die Sachbearbeiterin aufgrund unserer speziellen Adresse informiert, dass es wichtig ist, dass Behördenpost ankommt. Sonst geht die Behörde davon aus, dass wir dort nicht wohnen, löscht die Anmeldung, womit auch die Autoanmeldung.. und so, alles unschön.

    Nun haben wir langsam die deutsche Post erzogen, unseren Briefkasten zu finden. Leider nutzen Berliner Behörden aber nicht die deutsche Post, sondern PIN. Und ob PIN in der Lage ist?

    Also wollen wir das Lernprogramm für Briefausträger*innen fortsetzen: Wir schicken uns selber Briefe an die neue Adresse mit dem Zusatz „Schwimmbad!“ Irgendwann wird die PIN-Briefträger*in es merken und hoffentlich bei genügend Briefen dauerhaft in Erinnerung behalten, dass diese Adresse existiert.

    Also brauchen wir Briefe. Dafür brauchen wir Briefmarken. Von PIN; die es online nur in 100er-Mengen gibt. Also brauchen wir eine Verkaufsstelle. Die nächste Verkaufsstelle ist der Edeka Berliner Straße am Ende der Wilhelmsaue; der sich als wahrhaftes Supermarkt-Wunderland mit 24 Stunden Öffnungszeit herausstellte, und die Kassiererin fand am Ende auch unter der Kasse die Briefmarken.

    Vorher aber hatte ich schon wilmersdorfgewandert.

    Grüner PIN Briefkasten inmitten einer Baustelle

    Am Stein

    Auch sechs Monate nach Einzug bietet die Nachbarschaft jede Menge Möglichkeiten zur Entdeckung. Zumal wenn sie sich plötzlich im Frühlingskleid zeigt, Menschen auf die Straße gehen, die Trattoria die Tische nach draußen räumt und die Grünflächen gleich einladender wirken.

    Ich entdeckte einen neuen Banksitzplatz unter dem Baum am Gedenkstein für den ehemaligen Ortskern. Ein Traum in der Abendsonne, kaum zu glauben in seiner Idylle und doch durch bemüht nach einem Parkplatz suchende Autofahrer*innen nicht ohne Unterhaltung.

    Mein Telefonat von dieser Bank aus wurde derart von einer singenden Drossel übertönt, dass dies Vögelzwitschern den Kaptain am anderen Ende dauerhaft irritierte.

    Der Karaoke-Keller

    Madame schickte mir einen Veranstaltungshinweis für Freitag Abend: Am 17. April sorgt DJ BigBaer wieder für Stimmung bei Jung und Alt mit seinem Karaoke-Abend.

    In Wilmersdorf ist die Welt noch in Ordnung. Hier existiert noch ein reges Gemeindeleben in der evangelischen Auengemeinde, das nicht nur Mitglieder des RIAS-Kammerchors in die Kirche bringt, sondern auch DJ Big Baer in den Keller des Gemeindehauses.

    Ich hätte große Lust, aber trau mich alleine nicht dorthin. Zumal ich immer noch versuche die hartnäckige Langzeiterkältung loszuwerden, die Abendexzesse verbietet.

    Dann lieber tagsüber unterwegs.

    Auenkirche hinter Auenaue

    Die Waffle-Brothers-Auswechselbank

    Während ich am ehemaligen Wilmersdorfer See entlangschlenderte, der sich im 20. Jahrhundert in Sportplätze verwandelt hatte, fiel mir aufgrund des Gejohles von der Seitenlinien auf, dass ein wahrhaftiges Fußballspiel stattfand. Es spielte Weiß-mit-blauem-Muster gegen Blau-mit-leuchtend-gelber-Ärmelapplikation; Jugendmannschaften der Optik nach.

    Ich blieb stehen, ich bemerkte das erste mal, dass auf dem Sportplatz nicht nur Wechselbänke stehen, sondern diese vor allem vom Freund der snackenden Jugend, den Waffle Brothers gesponsert werden.

    Etwas später konnte ich Vereinsnamen lesen: Delay Sports (weiß) spielte gegen BFC Alemannia 90 (blau). Und dann staunte ich, weil Delay nicht nur irgendein Verein ist, sondern ein neumodischer 2021 von Twitch-Influencern-gegründeter-Verein mit large Internet following. Daher vermutlich auch die Waffle Brothers. Dieser Verein wohnt wirklich auf dem Kunstrasensplatz Blissestraße an dem ich gerade vorbei ging.

    Gänzlich zu Hause wurde ich dann ganz schlau: Ich hatte den 2:1 Sieg der Alemannia C-Jugend über Delay Sports in der Bezirksliga Berlin Staffel 3 gesehen. Delay bleibt aber Tabellenführer und wird vermutlich in Staffel 2 aufsteigen.

    Eine U-Bahn-Station weiter

    Der „Thaipark“ mit Asia Streetfood. Oder wie eine junge Frau mit vor Freude sich fast überschlagender Stimme meinte: „Ich hatte soo gehofft, dass du auch Hunger hast.“

    Zementsack Lächelparade

    Vielleicht bekommt Berlin eine neue Sehenswürdigkeit: Den Zemetsack. Dieser illegal entsorgte Sack wurde, soweit nicht überraschend, seit 17 Jahren nicht entsorgt. Dies wurde, soweit überraschend, aber von einem Anwohner verfolgt und versucht zu ändern: Saubermann 007 und sein Kampf gegen das vermüllte Berlin: Warum liegt der Zementsack seit 17 Jahren am selben Ort?

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    Das Elsass und drumherum bekommt ein Wochenendticket. Die Region Grand Est, also der Teil Frankreich an der deutschen Grenze, führt den Pass Groupe Week-End mit dem bis zu 5 Personen für 40 Euro das Wochenende durch Grand Est fahren dürfen. Wann bin ich wieder Baden?

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    Erinnert sich noch jemand an das Affen-Selfie. The BBC does: This monkey selfie will protect you from AI slop

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    Turkuer Schnipsel

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    Beim Umarbeiten finde ich heraus, dass die Landesregierung Nordrhein-Westfalen einen “Arkanbereich” hat! Sofort denke ich Harry Potter, Gandalf, Merlin, magische Bücher und Zauberstäbe. Magischer Staub, der schnödes Papier in herrliche Digitalisiate verwandelt, liegt hier in der Luft. Ledergebundene Bücher murmeln leise im Dunkeln uralte Formeln, ein Rabe krächzt und eine Kristallkugel leuchtet.

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    Sagen wir einfach, ein bis zwei Hundertschaften der hanseatischen Promenierbevölkerung gehen hier vorbei. Eine Lächelparade des Wohlwollens. Und die Tanzenden, sie bekommen das kaum mit. Sie sind doch so sehr damit beschäftigt, sich anzusehen.Was aus meiner Sicht auch vollkommen der althergebrachten Ordnung entspricht.

  • 26-02-15 Julien!

    26-02-15 Julien!

    Madame und die evangelische Musiklehrerin saunierten zu Limone-Eis.

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    Wir nutzten die eisfreien Wege und den Besuch aus Hamburg-Einbeck zu einem Spaziergang durch unseren neuen Kiez: Alt-Wilmersdorf.

    Es ist immer noch faszinierend zu sehen, dass ganze historische Struktur Alt-Wilmersdorfs mit Straßen, Grundstücksgrenzen und Gebäuden auf einen See ausgerichtet ist – der nicht mehr existiert. Alt-Wilmersdorf schmiegt sich an einen Fußballplatz. der auf dem zugeschütteten See errichtet wurde. Kirche, Herrenhaus und ehemalige Bürgerhäuser haben großzügige Gartengrundstücke, die auf den Fußballplatz zulaufen.

    Dabei entdeckt: Der Schölerpark, ein ehemaliger Barockpark, der sich im Laufe der Jahrhunderte in eine naturnahe ruhige Grünoase am See Fußballplatz verwandelte.

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    Zum Abschied gab es ein Strandkorbfoto, denn in unserem Schwimmbadfoyer haben wir jetzt Zugriff auf einen Haus-Strandkorb.

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    Schwerer Fehler: Im Fire 1973 bestellte ich einen Ananassalat1, der relativ großzügig mit Chilis versehen war. Und vielleicht muss ich mich jetzt den Rest meines Lebens nur noch von diesem Ananassalat ernähren. Vielleicht im Wechsel mit den Marillenknödeln der Nussbaumerin.

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    Der Kaptain experimentiert mit Smoothies. Ich finde das sehr spannend.

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    Im Café in Zehlendorf hörte ich den ausdauernden Vortrag einer (semi)professionellen Zahnarztfunktionärin am Nachbartisch. Ich hoffte auf Details zum Versorgungswerk-Skandal, leider aber war es im Wesentlichen eine exorbitante Bejammerung ihrer mangelnden Anerkennung. („Ich dachte das ist wie in der Wirtschaft – wer gut ist, kommt nach oben. Dem ist aber in der Politik nicht so!“)

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    Es war ein Freitag und Samstag mit Besuch und Aktivitäten.

    Mid-century Noir

    Kreuzberg, 2026

    Plottwist: Ich war auf dem Weg zu einem Kinofilm, bei dem ein zentraler Plotpunkt ist, dass die Hauptperson im Fahrstuhl feststeckt. Und was passiert: Ich stecke in der U-Bahn fest. Gut 20 Minuten standen wir im Bahnhof Yorckstraße, betreut von einer zunehmend genervten U-Bahnfahrerin und einem rustikaler Mann mit Warnweste. Wir, an den Scheiben kratzend in den Waggons wie im Zoo, auf dem Bahnsteig die stets zunehmende Menschenmenge, die gerne fahren würde aber nicht konnte.

    Am Ende „wir müssen evakuieren!“ Sie öffneten eine Tür per Notöffnung, und unter dem Warnpiepen der Tür ergoss sich die ganze U-Bahn in den Bahnhof. Angesichts des zu erwartbaren folgenden Aufräumchaos beschloss ich, den Rest der Strecke in der Nacht durch den Dauerregen zu laufen: Southpark auf der Yorckstraße statt Jeanne Moreau auf dem Champs Elysee.

    Paris, 1958

    Um einen Schritt zurück zu treten:

    Ich hatte die Jeanne-Moreau-auf-dem-Champs-Elysee-Szene gesehen2: Jeanne Moreau in „Lift to the Scaffold“ (Miles Davis Theme). Mein Gedanke war klar: Und wenn sie die restlichen 86 Minuten des Filmes nur schreiende Teletubbies zeigen sollte: Ich muss diesen Film sehen.

    Welch glückliche Fügung, dass auch er es in das Boulevard-Noir-Programm von Yorck geschafft hatte.3

    Fahrstuhl zum Schafott/ Ascenseur pour l’échafaud von 1958 ist ein Noir/Nouvelle-Vague-Klassiker. Zwei Paare begehen je einen Mord: ein „älteres“ (Julien Travernier und Florence Cavala – so 30/40 Jahre alt) und ein jüngeres (Lois und Veronique – unter 20).

    Die Älteren haben nicht nur Nachnamen sondern auch einen Plan. Sie haben eine Lebensgeschichte (Ehefrau eines Waffenhändlers bzw- Exfallschirmjäger), die Jüngeren haben Energie und romantische Ideen. Die älteren haben einen sorgsam ausgearbeiteten Plan, die jüngeren überschießende Emotionen. Aber durch einen stecken gebliebenen Fahrstuhl und viele Zufälle verheddern sich beide Geschichten untrennbar ineinander.

    Die Geschichte spielt in weniger als 24 Stunden an einem Tag und vor allem in einer Nacht in Paris.

    Nie wurde Paris so amerikanisch inszeniert4. Selten war es so cool. Es waren noch Zeiten als Paris nicht europäisch-altertümlich-romantisch insiziniert wurde, sondern das stylishte der Moderne aufbot: Das brandneue stylische Bürogebäude in bester Nachkriegsmoderne Rue de Courcelles 29, im Innern mit der modernsten Büroausstattung der Zeit, die beiden Autos, ein 1952 Chevrolet Styline de Luxe Cabrio und ein Mercedes 300SL (der mit den Flügeltüren.) und jede Menge Gadgets, die „klassische Moderne“ schreien.

    Und natürlich die Nachtszene am Champe Elysee, die Filmgeschichte schrieb: Jeanne Moreau, für damalige Filmstandards kaum geschmickt, natürliches Licht (bei Nacht!) und der Score, den Miles Davis an einem Abend über die Szene improvisierte.

    Von der Galliarde her gedacht

    Von Eiche bis Welle

    Normalerweise komme ich vielleicht einmal im Jahr ins alte Zehlendorfer Ortszentrum nach Zehlendorf/Eiche. Aber 2026 verläuft unser Leben eh anders, und so war dies schon der zweite Besuch dort im Februar.

    Dabei entdeckt: Es gibt eine Bus-Direttissima von unserer neuen Wohnung nach Zehlendorf/Eiche.

    Dabei entdeckt: In einem Schaufenster an der Clayallee steht eine Auslage mit Maulkörben, effektvoller inszeniert als jede Boutique des Stadtteils.

    In Zehlendorf recherchierte ich: Berlins skurrilstes öffentliches Schwimmbad ist weiterhin geöffnet. Dort. wo einst das Stadtbad Zehlendorf stand, befindet sich seit 2008 ein Einkaufszentrum, die Zehlendorfer Welle. Das Stadtbad wurde abgerissen und verkauft in jenen Jahren, in denen Berlin sich als „arm aber sexy“ verkaufte. Im Gegensatz zum SEZ wurde aber offensichtlich gelernt: Anscheinend musste der Investor sich verpflichten weiterhin ein Schwimmbad am Leben zu halten.

    Ein alter Stelle in neuem Gebäude besteht ein öffentlichers Schwimmbad innerhalb eines Fitnessclubs innerhalb des Einkaufszentrums.

    Der einzige Hinweis, dass dieses Bad zur besucherärmsten Zeit werktags von 12 bis 16 Uhr öffentlich ist, findet sich direkt vor Ort, unterhalb der normalen Öffnungszeiten – nichts im Internet, nichts irgendwo, der Besuch dort verläuft erst über den Fitnessclub-Tresen durch den Spezialeingang für die Öffentlichkeit.

    Das Bad sieht auf Fotos eindrucksvoll aus. Vor Ort dann nicht mehr so sehr: die großen Fensterfronten haben dahinter alle in ein paar Metern Abstand eine Wand, das Becken ist 1,35m (oder so) tief und mit Folie verkleidet. Aber natürlich sortiert die Schwierigkeit des Zugangs Menschen aus: Es ist ruhig, zu öffentlichkeitszeiten relativ leer und alle sind mehr oder weniger sportlich, auf jeden Fall aber in sportlichen Absichten, unterwegs.

    Double – Simple – Simple – Double- Simple – Double – Simple

    Wir aber wollten nicht schwimmen. Denn es war Samstagabend, die öffentliche Schwimmbad-Zeit war schon lange vorbei. Wir wollten tanzen: historisch5 tanzen. Das Motto war Ü300 und nach dem Programm des Maison Voltaire e.V. – Verein zur Förderung von historischen Theatertechniken und Alter Musik stehen nur Tänze auf dem Programm, die älter als 300 Jahre alt sind.

    Wir kamen das erste Mal seit Corona und fanden es unverändert vor. Eine feste Gruppe aus Amateuren geleitet von einer Musikwissenschaftlerein im Orchester und einem Choreographen als Tanzmeister findet sich zusammen. Manche kommen seit Jahren zu jedem Treffen und sind entsprechend geübt, manche, wie wir, kommen alle paar Jahre mal und stolpern dementsprechend durch die Gegend.

    Aber das macht nichts. Das ist Konzept. Wir bei echten historischen Bällen auch treffen Bewegungswunder auf Stolperstiesel und alle haben einen schönen Abend. Anders als bei echten Bällen allerdings geht es hier wirklich nur ums Tanzen: keinerlei „gesellschaftliche Interaktion“ findet statt, der Dresscode „as you like it“ von T-Shirt und abgelaufenen Ballettschläppchen bis zum echten Kostüm.

    Madame hatte Bass- und Tenoflöte dabei, die evangelische Musiklehrerin ihre Geige und ich nur mich selbst. Erfreulich überraschend: auch nach Jahren der Abwesenheit wurden wir wiedererkannt und anscheinend erfreut und herzlich begrüßt.

    Das Programm dieses Mal überraschend neuzeitlich: Es begann mit Country Dances, gefolgt von Branles d’ecosse bis Hinauf zum Ländler („Ein deutscher Tanz im 3/8-Takt, von mäßig geschwinder Bewegung und heiterem hüpfendem Charakter„) und als ewiger Abschluss, der Ü300-Dauerbrenner: Hole on the Wall.

    As always: Tanzen setzt Glückshormone frei. So krass.

    Überall gediegene, freundliche Hemdsärmeligkeit

    Vom Eise bedeckt ist Ostsee und Bodden.

    Ahlen ist wirklich Westfalen pur. Neben dem Bahnhof gibt es sogar eine öffentliche Toilette: Kostenfrei und aus beschussfestem Edelstahl. Überall gediegene, freundliche Hemdsärmeligkeit. Mit schickem Foto. (Vom Blogger in Ahlen, nicht von der Toilette)

    Der Teppich und die Motten. Ich fühle mit: Was für ein Tag {12von12 Februar 26}

    Eine Schriftstellerin, die selber alle erwähnten Songs ihres Buchs auflistet. So lobenswert. Judith Holofernes: Hummelhirn, alle Songs!

    Ich begeistere mich über jeden Beitrag zu KI/neuronalem Lernen, der über „ich habe einen Chatbot benutzt und eine Meinung“ hinausgeht. Der Samenkorn einer Sternstunde dazu mal wieder bei Herrn Rau: Maschinelles Lernen im Informatikunterricht.

    Ausgearbeitetes Rumnerden: Warum Straßen(-netzwerke) in Computerspielen anders funktionieren als in der Realität: Then I stopped stumbling around and started asking why? I tried to understand how engineers design roads and how game developers code them. That’s when I ran straight into the fundamental issue – right at the base of it. And it comes to something every developer knows about and loves: The Bezier Spline (via onli blogging)

    Anmerkungen

    1. mit Rucola mit einer hausgemachten Ingwer-Honig-Sauce, verfeinert mit Erdnüssen und Röstzwiebeln und Entenfleisch. ↩︎
    2. Nicht genau dieses Video, aber halt die Filmszene ↩︎
    3. Also Yorck-Unlimited-Besuch No. 10 – 23,80€ pro Besuch. ↩︎
    4. Sagte Robin der vermutliche Filmwissenschaftler, der die Einleitung sprach. In all meiner Ahnungslosigkeit neige ich dazu, ihm zuzusprechen. ↩︎
    5. Oder auch nicht: Es gab eine längere Pausendiskussion ob man überhaupt von „historischen Tänzen“ reden kann, wenn diese von modernen Menschen des Jahres 2026 getanzt werden, oder ob es nicht „frühe Tänze“ sein sollten. ↩︎
  • 2026-01-24 Lichtbildvortrag am Samstag

    2026-01-24 Lichtbildvortrag am Samstag

    Die Schokoladenhersteller verramschen ihre Pistazienvorräte. Dank eines nahen Mindesthaltbarkeitsdatums und des dazu gehörigen Rabatts konnte auch ich mir eine Dubai-Schokolade leisten. Schmeckt wirklich fein. Aber ist, wenig überraschend, den Hype nicht wert.

    Das Café Toskana mit der italienischen Auslage im Schaufenster bot im Innern Menemen und Sucuk-Frühstück an. Sizialinische Cannoli gab es aber auch.

    Mir träumte, ich sähe eine Fernsehsendung in der erläutert wird, dass Urlaub eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers ist und jederzeit gestrichen oder umgelegt werden kann. Obwohl dies technisch als Alptraum zählt, nahm ich das im Traum als selbstverständlich hin. Ich muss ein ernsthaftes Wort mit meinem Traum-Ich reden.

    Dem Kaptain träumte, ich schreibe mein Buch. Sehr viel besser.

    Es war ein Exkursions-Arbeitstag und ein Stadtgeschichts-Samstag.

    IKEA-Regale sind aus Holz

    Zwischen die verschiedenen Anlässe des Vorwochenend- und Wochenend-Entertainments setzte die Welt einen Ausmistausflug. Die Übergabe der Schöneberger Wohnung naht jetzt wirklich. Noch gibt es einige Kleinigkeiten zu erledigen: Letzte Bohrlöcher schließen, putzen und wienern und wieder putzen und Reste entfernen: Die abgenommenen Galerieschienen und Gardinenstangen, drei Dosen mit Lösungsmittel von 2010, letzte mit Erde gefüllte Blumenkübel.

    Also schruppten wir und stiegen auf Leitern, schleppten Zeug nach unten und stopften es um Madame herum ins Auto. Es folgte kurzer Weg nach Neukölln-Süd zum Wertstoffhof Plus, an dem wir uns in die übliche Samstagabend-Schlange stellten. Auf dem Hof führte ich noch eine kurze Diskussion ob die Galerieschienen aus Metall sind (ja!). Ich ließ mich vom BSR-Personal überzeugen, dass alte IKEA-Regale wirklich aus Holz gefertigt sind und dementsprechend über den Altholz-Container entsorgt werden sollen.

    Nach der Heimkehr chillen und Sauerkraut-Raclette.

    Next stop Springfuhl

    Hurra! Dienstreise! Also fast. Meine Fahrzeit hätte fast gereicht, um nach Hamburg zu kommen. Als rein Berliner Unternehmung reichen unsere „Reisen“ aber eigentlich nie über den Tarifbereich B der BVG hinaus. Ich fuhr vom Südkreuz (Schöneberg) zum S-Bahnhof Springfuhl (Marzahn). Ich hatte mir selbst einen Badbesuch gesichert. Diesmal in der Schwimmhalle „Helmut Behrendt“, einer spannenden Sportschwimmhalle aus der späten DDR, wo sich heute gefühlt halb Marzahn trifft. (und meinem persönlichen Eindruck nach: Die nettere Hälfte).

    Ein wenig IT machen, ein wenig mit den Leuten vor Ort plaudern und viel viel über den Badbetrieb lernen. Ich staunte, was ich alles lernte. Nebenbei strich ich auch die Einladung ein, mal so vorbeizukommen und einfach die Büroräume im Bad (mit denen dies ausnahmsweise gesegnet ist) zu nutzen, um ganz normal zu arbeiten.

    Es klingt verlockend. Auf jeden Fall schicker als der normale Bürobau. Und von der Wohnung im Schwimmbad zum Büro im anderen Schwimmbad – ich bin stark versucht.

    Vom Seebad zur Kreuzung

    Wenig überraschend derzeit: Ich war Samstag in einem Kino.

    Überraschender: Kein Film lief. Das Kino, die Eva-Lichtspiele Wilmersdorf, gehören auch nicht zur Yorck-Gruppe.

    Es lief ein heimatkundlicher Vortrag. Der „12. Lichtbildvortrag zur Geschichte Wilmersdorfs.“

    Am überraschendesten: Ein großer alter Kinosaal mit 250 Plätzen war auch bei diesem 12. Vortrag komplett ausgebucht.

    Dipl-Ing. Christina Kautz führte bereits zum 12. Mal durch die Geschichte und Geographie Wilmersdorf „Vom Sackgassendorf zum Großstadtbezirk“. Für uns als Neu-Zugezogene war das natürlich ein Geschenk.

    Wir wissen jetzt, wo das alte Paar zweier Eichen steht, das einst den Eingang des Dorfes markierte und jetzt eher verloren im Straßenlabyrinth Wilmersdorf wirkt.

    Denn wir lernten, warum wir beide Probleme haben, uns zu orientieren. Die Straßen in Alt-Wilmersdorf verlaufen wirklich nicht, so wie Straßen in alten Dorfkernen normalerweise verlaufen, unser „so-funktioniert-Stadt“-Gefühl möchte etwas anderes als das was wir vorfinden – und wir lernten warum.

    Hilfreich war es hier, dass der Vortag von einer Dipl-Ing./Landschaftsbauerin gestaltet wurde, die gerade bei solchen Fragen „Wie funktioniert Landschaft? / Wie funktioniert Stadt?“ in ihrem eigenen Sweet Spot unterwegs war.

    Immer wieder spannend, die Erkenntnis, dass die gesamte Wilmersdorfer Geschichte und innere Geographie um den Wilmersdorfer See kreist – der einfach nicht mehr existiert. Aber natürlich zahlreiche Spuren in den Straßenzügen, den Grundstückzuschnitten und der Gliederung des Stadtteils hinterließ.

    Wir erfuhren nette Anekdoten: Zum Beispiel von der prachtvollen U-Bahn-Brücke über dem See, die wenige Jahre nach ihrem Bau wieder abgerissen wurde. Aber auch zur Geschichte der Eva-Lichtspiele selbst (ehemals Roland-Lichtspiele), die seit 1913 existieren.

    Gerne auch zum 13. Mal. Wobei aufgrund des großen Erfolgs das Eva-Kino jetzt eine ganze stadtgeschichtliche Vortragsreihe einmal im Monat veranstalten will. Es geht weiter mit U-Bahn, S-Bahn und Straßenbahn.

    Berlin – Rom – an Leuten reiben

    Durch den Vortag kennengelernt: Histomap Berlin, eine Website bei der mensch sich alte Berliner Städtpläne seit 1928 anschauen kann. Nett: Einfach eine Adresse eingeben und sich langsam durch die Geschichte des Grundstücks zoomen. Dabei gelernt: Das Stadtbad war bis zum Bau des Stadtbads 1961 gebäudefrei. Und das mitten im Stadtring. Eigentlich zogen wir halt doch aufs Dorf.

    Auffällig im Vortrag: eine Karte mit Berlin als Festung im 18. Jahrhundert mit Bastionen, Wällen, zackigen Mauern, wie es sich gehört. Denn in anderen Städten kann man diese Festung noch sehen (Frankfurter Wallanlagen, Hamburger Sternschanze, Leipziger Stadtring.) Aber in Berlin? Mit etwas Recherche fand sich der Spreegraben hing eng mit dem Grünen Graben der Festung zusammen, die Straße Am Festungsgraben, der Königsgraben/Zwirngraben oder auch der Köllnische Park und der Hausvogteiplatz ist das Innere des ehemaligen Sparr-Bollwerks/Jägerbastion.

    Was man mit den schräg laufenden Oberwall- und Niederwallstraße und der Ausstülpung des Platzes auch sehr gut sehen kann, wenn mensch mal drauf achtet.

    © OpenStreetMap-Beitragende

    Die Serie Suburra sehen heißt Rom-Sehnsucht bekommen. Das Gefühl hatten wir schon beim sehen und jetzt schreiben das auch ehemalige Römer. (Außerdem: Glitzer im Jugendzimmer)

    Gelernt: Herr Buddenbohm siezt seinen Haselanten.

    Fazit: ich kann mich jetzt an Leuten reiben. Und das war sehr lustig. Ich bevorzuge aber dann doch die „nur gucken!“-Version von Striptease.

  • 25-12-13 Seeteufel, Crème brûlée und Schwimmbadkaffee

    25-12-13 Seeteufel, Crème brûlée und Schwimmbadkaffee

    Wilmersdorf war einst ein Fischerdorf. Was um so erstaunlicher ist, weil heutzutage nicht einmal mehr der See existiert, in dem die Wilmersdorfer jahrhundertelang fischten.

    Auch die neue Wohnumgegend steckt voller Geschichten.

    Ich habe die Hoffnung, dass ich langsam dahin komme, diese Geschichten erkunden zu können.

    Es gibt da beispielsweise das Stadtbad Wilmersdorf, über das der rbb einen Film anlässlich seiner Eröffnung 1961 wieder ausgrub: Hallenbad Wilmersdorf eröffnet

    Am Samstag um 20:54h hatte ich das erste Mal seit dem Umzug das Gefühl: Jetzt schwimmen. Jetzt bin ich körperlich erledigt. geistig entspannt und habe vor allem nicht mehr das Gefühl unbedingt in der Wohnung räumen zu müssen, ich traue mir sogar zu mit nassen Badesachen das Chaoslevel zu vergrößern – ich würde jetzt gerne in ebenjenem Stadt WIlmersdorf baden gehen.

    Allerdings war die zu diesem Zeitpunkt der Ende-der-Badezeit-Gong bereits vor vier Stunden und vierundzwanzig MInuten ertönt.

    Es waren zwei Werktage des Nachumzugs. Einer mit Werken, einer mit Nachumziehen.

    Am Ende des zweiten Werktags wünschte mir ein Weihnachtsmann auf einer weißen Vespa Merry Christmas. Er war der Teil der Weihnachtsbiker und das war sehr schön.1

    An der Panke

    Zum Ende des Jahres durfte ich mir etwas schenken: Eine Schwimmbadexkursion. Ausgestattet mit einer handvoll Fidokeys, einem Ersatzkabel und einem Ersatzlaptop galt es die Segnungen der Digitalisierung bis in den letzten Winkel Berlins zu evangelisieren: Dorthin, wo die Windräder stehen, nach Buch.

    Wobei ich gleichzeitig ein sehr schlechter und ein sehr guter Digital-Evangelisator bin.

    Einerseits bin ich vermutlich in der ganzen Abteilung derjenige, der am wenigsten sagen würde: Digital ist besser. Gemessen an Beruf und Bildung lebe ich ausgesprochen analog, überlebe einmal alle drei Monate, ob mein Alltag ohne Smartphone machbar wäre2 und verstehe jeden, der damit nichts zu tun haben will. Andererseits kann ich aber voll Überzeugung sagen „so wie wir das gerade machen, ergibt es tatsächlich Sinn.“

    Na egal, eigentlich freue ich mich, mal in verschiedenen Bädern hinter die Kulissen zu schauen, zu sehen, wo Teamräume und Büros sind, am Rand die Diskussionen mitzuhören, wer den nächsten Saunaufguss macht und den Kaffee aus der Badmaschine angeboten zu bekommen.

    Dafür fahre ich auch gerne zwei Stunden S-Bahn hin- und zurück und schleppe zwei Laptops anderthalb Kilometer die Panke entlang bis ich endlich im Bad bin.

    Immer wieder lustig: in kompletter Straßenkleidung mit Jacke und Taschen (aber Überziehern an den Schuhen!) einmal quer durch die Schwimmhalle zu laufen, weil die relevanten Personen in der anderen Hälfte des Gebäudes sind.

    Und irgendwann Hummer thermidor

    Irgendwie verlief dieses Jahr unerwartet. Die letzten Wochen ganz besonders. Aber dass Madame beim Essen in der Wilmersdorfer Brasserie Pastis sagen würde „Klingt alles gut, aber hatte ich dieses Jahr schon so oft in Paris“ – auch das war unerwartet.

    Wenn mein runder Geburtstag schon zwischen Bachelor, Tübingen-Konferenz und Wohnungs-Zusage etwas unterging (nicht böse drüber), so traf es Madame noch untergängiger. Sie ist eh schon mit dem Geburtstag inmitten der Adventszeit gestraft. Aber dieses Jahr fiel er auch noch in die zwei Wochen, die komplett der Umzugsbewältigung dienen.

    Abends gewährten wir uns Ausgang: das Pastis. Eine franzöisches Restaurant am Rüdesheimer Platz, eine U-Bahn-Station von der neuen Wohnung entfernt. In Frankreich wäre es ein unspektakuläres gutes Restaurant, für deutsche Verhältnisse, wo im Schnitt dann doch ein anderes Gastronomieniveau gilt, war es also schon edel.

    Wir hatten einen schönen Tisch neben einer unterhaltsamen bürgerlich-Westberliner-Familienrunde. Kellner und Kellnerin wirkten angemessen charmant französisch. Sie servierten uns Jakobsmuscheln bzw. Geflügelconsommé mit Maispoularde, dann Entenbrust bzw. Seeteufel und zum Ende eine doppelte Crème brûlée. Dazu Cremant rose, ein Bordeaux auf Empfehlung des Kellners und zum Dessert ein Sauternes.

    Eigentlich dachten wir, das Schlimmste wäre überstanden und dann suchten wir zwei Stunden lang nach der großen, sperrigen, unübersehbaren Bodendüse des Staubsaugers

    Am Samstag um 14:00h holte ein freundlicher Mann mit osteuropäischem Akzent 170 leere Umzugskartons ab. Seitdem können wir einen Haken machen: Erste Etappe geschafft.

    In 10 Tagen (davon die allermeisten mit in diesem Fall sehr lästiger Erwerbsarbeit) von „Eigentlich kann man sich in dieser Wohnung nicht mehr bewegen und wir sind begeistert, wenn wir es schaffen in jedem Zimmer durch die Tür zu kommen und noch begeisterter, wenn wir beide gleichzeitig auf je einem freigeräuten Stuhl sitzen“ zu „wir kommen an jede Wand, jeden Schrank, jedes Fenster, und das war noch nicht verräumt ist, war auch schon in Schöneberg ein wenig heimatlos.“

    Noch ist alles provisorisch. Noch sind 30 Kisten nicht ausgeräumt, noch hängen eine ganze Menge Regale nicht (von Bildern, Vorhängen und Lampen will ich nicht anfangen..) aber die grundlegende Zivilisation innerhalb der Wohnung ist wieder hergestellt.

    What a ride.

    Zum Abschluss noch mal nach Schöneberg, Seidenpapier im dortigen Papiercontainer entsorgen (noch zahlen wir dort Miete und Nebenkosten!) und mal nach der Wohnung schauen. Immer wieder staunen, wie sich zwei Wohnlagen, gerade mal zwei Kilometer voneinander entfernt, beide in nahezu identischer Entfernung zum S-Bahn-Ring so voneinander unterscheiden können.

    Wir zogen nicht nur nach Wilmersdorf, sondern auch auf ein Dorf.3

    Warum Digitalisierung so kalt ist

    Feel you: Irgendwann ganz am Ende habe ich dann ergoogelt, dass Outlook zum Darstellen von E-Mails hinter der Kulisse Word benutzt – und Word mehr oder weniger egal ist, wie man einen Absatz in einer Mail ausgerichtet hat.

    Digitalisierung im Arbeitsleben ist Schlimm, Beweisstück 1 (Foto Nr. 4) und Beweisstück 2.

    So gleich und doch so anders: Kurz vorm Erfrieren: Warum unser japanisches Haus so kalt ist

    Kalt war es auch bei Christiane in den französischen Bergen: Same same but different – der Weihnachtsmarkt im Bergdorf

    Nico erinnert sich an Norddeich Radio.

    Außerhalb des Kinos findet in meinem Leben Bewegtbildwerbung nicht mehr wirklich statt. Umso netter von Thomas mich an die Weihnachtsspots zu erinnern und der niedlichste kommt aus Frankreich.

    Anmerkungen

    1. Angesichts der handvoll Zufälle, der es bedurft hatte, mich zu genau dieser Zeit an diese Kreuzung zu bringen, möchte ich fast von Fügung sprechen. ↩︎
    2. Nein ↩︎
    3. Natürlich nur im Vergleich zu Schöneberg/Hauptstraße. Aber da ist der Unterschied krass. ↩︎
  • 25-10-18 Aus dem Schattiernetz fiel ein Ei

    25-10-18 Aus dem Schattiernetz fiel ein Ei

    Gemach! Alle Entspannen!

    In einer Liste aus der Mode gekommener Worte stieß ich auf den Imperativ Gemach! (im Sinne von gemächlich) und beschloss, diesen auch öfter zu verwenden.

    Ein Motto, dass diese Woche gebraucht hätte. Auch der Freitag fühlte sich so gar nicht an wie ein Freitag, sondern hatte starke Montagsvibes. Aber es ist vorbei, jetzt sitze ich neben dem Kamin, höre Monika Roscher, und wenn es nicht stockdunkel wäre, würde ich Garten, Feld und Himmel sehen.

    Es war ein Tag des mobilen Arbeitens und ein Indian-Summer-Tag auf den Latifundien.

    Madame bekochte mich. Unter anderem mit dem gemüslichen Brokkoli. Der kam den Möhren von letzter Woche nach: Optisch gar nicht mal so ansprechend. Aber im Geschmack eine Brokkoligkeit? Wie sagt man, wie pflanzengewordenes Brokkoli-Konzentrat. Wie intensiv dieser Kohl schmecken kann. Meine Güte! Wie Großartig.

    Ganz anders aber auch wiederholenswert Gemüsli-Fenchel-mit-Crowdfarming-Mango-Salat.

    Die Schöneberger Dachbaustelle arbeitet sich von rumpelnden Ukrainern hin zu einem schlecht gelaunten original Berliner Dachdecker vor. MMB arbeitet an seinem ersten IT-erklär-Video.

    In Wilmersdorf existiert die Hui-Buh-Bibliothek. Offiziell ist es die Eberhard-Alexander-Burgh-Bibliothek. Aber da dessen Ruhm vor allem auf der Erschaffung von Hui Buh, dem Schlosssgespenst, beruht, ist es für mich die Hui-Buh-Bibliothek.

    Mich passierte ein Mann mit Union Jack auf der Jacke und darüber eine Aufschrift „geographical norway“. Sofort versuche ich, eine ungefähre Rahmenhandlung für einen Alternative-Geschichte-Roman zu entwerfen, in dem diese Flaggen/Landes-Kombination nicht nur Sinn ergibt, sondern auch relevant ist.

    Danach zum Edeka No. 1

    Ich bin ein braver Kollege. Wenn eine Lieblingsbadleiterin sagt, ich soll in ihr Bad kommen und schwimmen gehen, dann kann ich mich kurzfristig haselantisch herausreden. Aber natürlich gehe ich schwimmen.

    Am Freitag loggte ich mich aus dem Rechner aus und stieg ab in den 187er nach Lankwitz. Ich schwamm ein paar Bahnen, betrieb ein paar Bahnen improvisiertes Wassertreten hinter unpassierbarem Treibholz, winkte an den Beckenrand, und beendete die Beckenzeit unter dem künstlichen Wasserfall..

    In Lankwitz ist Action!

    Bereits vorher hatte ich mir die Mio-Mate-Einladung ins BBL-Büro besorgt – wo ich erst ausgefragt wurde „Wie viele Bahnen? Welche Zeit?“ und dann genötigt werden sollte, mich zu einem Besuch pro Woche zu verpflichten.

    Grün zu Gelb zu weg

    Ist es das Gartenwochenende der Gartenwochenenden? Die Sonne lockte noch einmal Hummel, Schwebfliegen und Tagpfauenaugen hervor. Untermalt vom Dauerttröten der Kraniche und Gänse, die mal zu hören sind, mal zu sehen, mal als Einzelvogel, mal als Trupp. Gelegentlich fliegt ein Schwarm Stare vorbei – so niedrig, dass ich vermeine, meinen Arm nach ihnen ausstrecken zu können.

    Der reichliche Regen des Jahres brachte nur nicht ungewohntes Grün im Sommer, sondern jetzt auch eine Farbexplosion von Grün (Apfelbäume), zu gelb (Pfirsich) zu rot – leuchtend in der Sonne.

    Nur mühsam rafften wir uns auf, den Garten langsam auf den Winter vorzubereiten. Ich begann das Schlußmähen (Fortsetzung nächste Woche), Madame montierte das Schattiernetz von der Pergola ab. Dabei fiel ihr ein zerbrochenes Ei in die Hände – Hühnereigröße. Wir können ausschließen, dass da oben ein Huhn brütete. Aber wie sonst kam das Ei dorthin?

    Land der Haseln

    Ich befragte den Halluzinator zum Wort Haselant – vielleicht fände er noch ein paar schöne Literaturstellen oder hätte Anekdoten zum Wort.

    Der Halluzinator allerdings machte, was er am besten kann: Halluzinieren. Erst erzählte er, Haselant sei das Land der Haseln. Konnte natürlich auf Nachfrage keine Fundstellen liefern.

    Dann schubste ich in die richtige Richtung: „Denke an Narr oder Scharlatan.“ Damit verortete er den Haselanten im 16. Jahrhundert – wieder ohne einen Beleg angeben zu können.

    Erst als ich ihn mit Nachdruck auf das 19. Jahrhundert hinweis, fand er Textstellen bei E.T.A. Hoffmann, Theodor Storm oder Theodor Fontane und fand auch eine Bedeutung „Mensch, der viel und schön redet, aber ohne Sachkenntnis/ Mensch ohne Charakter“. Da fiel es mir auf:

    Der wahre Haselant ist der Halluzinator selber.

    Back to the 80s

    Angesichts von Madames Bibliotheksausflügen, diskutierten wir Zeiten, in denen in Bibliotheksbüchern noch echte Stempelkarten waren, in denen jeweils der Rückgabetermin eingestemptelt wurde. Wir haben fanden es immer sehr spannend zu sehen, wie oft oder selten ein Buch ausgeliehen wurde und wie lange die Zeiträume des Nicht-Verleihens waren.

    Madame fiel auf, dass ein Buch ja nicht nur in der Bibliothek lebt, sondern quasi eine Reise durch Privathaushalte erlebt, schon auf den verschiedensten Tischen, Ablagen und Sofas gelegen hat. Sofort hatte ich eine vage Romanhandlung im Kopf, ein Episodenroman, zusammengehalten durch ein Buch, das durch Berliner Haushalte wandert.

    Die Stempelkarten-Erinnerung passte in die 80/90er-Thematik der Woche. Madame liest aktuell ausgeliehen den Inspektor-Linley-Roman, der ungefähr 1988 spielt. Nicht nur, dass andauernd geraucht wird, und ebenso oft Sherry, Brandy, oder Whisky, getrunken, auch taucht als neuste Errungenschaft der Computer Room bei Scotland Yard auf, in dem man auf eine Datenbank zugreifen kann, in die alle Außenstellen(!) Daten einpflegen können.

    Dazu passend, bei Klassik Pop et cetera Moses Pelham mit Musik seiner Kindheit und Jungend, die zeitlich stark mit meiner Kindheit und Jugend überlappte – und ich könnte ihm stundenlang zuhören, wie er darüber redet. Offensichtlich ist er mit jeder Faser seiner selbst Musikfan, schafft es über Musik (in toller Stimme auch noch!) einerseits reflektiert zu reden, aber gleichzeitig mit der Begeisterung eines hingerissenen Liebhabers. Großes Kino.

    Darauf Metall auf Metall.

    Etwas Täubchen, etwas Franzbrot

    Herr Buddenbohm empfiehlt die Grabowsche Kur Etwas Täubchen, etwas Franzbrot und gerne möchte ich sie dem Motto Gemach! unterstellen.

    Alternativ: Mit dem Zug von Zürich zum Schneehuenerstock und wieder zurück: Auszeit auf 2650m Höhe.

    Wer Knarf Rellöm zitiert, gehört zu den Guten: Trotzdem!

    Junior Thiel kauft mit Papa sein erstes Auto. Eine Geschichte in sehr vielen Akten: Von Der Junior wird im September volljährig sein bis zum aktuellen Zwischenstand in Folge 12(?): der Carport liegt voller Motorteile und Werkzeug,

    Auch meine Mutter war vierzig Jahre lang Rettungswagenfahrerin und kann all die Berg- und Talstraßen fast mit verbundenen Augen bei Tempo 100 befahren. Sie hatte natürlich eine Meinung über den Fahrstil meines Vaters und mein Vater hatte eine Meinung über den Fahrstil meiner Mutter. Zusammengefasst würde ich sagen: war kein gutes Thema.