26-08-16 Dreibeinlungerei

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Wenn ein EDVler zum Arzt geht, kann es passieren, dass er danach nichts über Krankheiten erzählt, aber über die Probleme der Sprechstundenhilfe, XML in PDF umzuwandeln.

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Gegenüber vom Küchenfenster eröffnete eine Dreibeinlungerei. Irgendwie gelangte ein dreibeiniger Monobloc-Stuhl dorthin, der jetzt jeweils von einem semiprofessionellen Herumlungerer und seinen Freunden balancierend besessen (besitzt?) wurde. Das Lungern zieht sich über Stunden hin und sieht gekonnt aus.

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Der Blogbetrieb normalisierte sich. Noch aber schaute ich mehrfach täglich auf Benutzer und Plugins – wäre dies doch die Stelle an der ich im WordPress-Dashboard vermutlich zuerst einen Übernahmeversuch bemerken würde.

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Die Verzögerungen im Betriebsablauf verkleinern sich dementsprechend. Veröffentlicht wird der Post am 19. August, geschrieben wurde er am 16. August und das Geschehen ereignete sich am 11./12. August. Das Lebens-Ich ist dem Blog-Ich noch sieben Tage voraus.

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Es waren Hühner-Freibad-Keller-Tage in der Finsternis.

Auch ein halber Stuhl kann die Platznutzung stark verändern.

Gibt es Falt-Trottinetts?

Während ich weiterhin die bicicletta azzura feiere, versucht der Segelhausmeister mich mit seiner neuen Anschaffung zu versuchen. Stolz führte er sein Brompton-E-Bike vor.

Erstaunlicherweise funktioniert das Gefährt emotional bei mir. Auch wenn ich beides (Edel-Falträder und E-Bikes) abstrakt spannend finde, kann ich mir beides für mich in meinem Leben so gar nicht vorstellen.

Bis auf diese Kombination. Anscheinend heben die jeweiligen Vor- und Nachteile sich gegeneinander auf (obwohl Faltrad ist es trotzdem ernsthaft alltagstauglich für Radstrecken, obwohl E-Bike ist es trotzdem für Alltag in der Stadt gebaut und nicht für Urlaubstouren im Partnerlook).

Oder es lag am tollen Orange des E-Bromptons.

Andererseits kostet das gute Stück soviel wie drei himmelblaue Fahrräder. Dann vielleicht doch nicht.

Noch spannender finde ich glaube ich aber die Verpendlerung der E-Trottinetts. In Krakau hatte ich schon 2021 zahlreiche offensichtliche Pendler*innen gesehen, die mit so einem Gefährt zur Arbeit fuhren – in Deutschland waren sie damals noch Revier übermütiger sechszehnjähriger, die darauf zu dritt durch Fußgänger kurvten.

Langsam, langsam, sehe ich auch immer mehr Menschen, die solche Geräte offensichtlich auf dem Weg zur Arbeit einsetzen. Und Premiere, erstmalig auch an den büronahen Fahrradabstellern in der Tiefgarage.

Back to Südkreuz

Wer mit dem Fahrrad fährt, kommt seltener am Bahnhof vorbei. Da bedarf es schon der Mittagspause, um entweder im Bahnhof etwas zu suchen, oder, wie in diesem Fall, durch den Bahnhof bis zum Blumenfisch zu laufen.

Am Osthallenklavier war mal wieder jemand mit Noten unterwegs, der länger spielte. Irgendwo zwischen Walzer und Saloon-Musik musizierte, und doch die Athmosphäre in der Halle deutlich verbesserte.

Der Weg dorthin führt natürlich weiterhin über Treppen.

Das gute an der gemütlichen Bauzeit der Rolltreppe ist, dass ich auch bei seltenerem Aufenthalt im Bahnhof wirklich jeden einzelnen Baufortschritt bewundern und in Augenschein nehmen kann, die Rolltreppe in allen Zuständen der Halbgebautheit sehe.

Kit Kat Matcha

Überraschenderweise kam ich so früh an den Südkreuz Offices an, dass ich guten Gewissens noch im erfrischenden Luftzug vor dem Gebäude selber ein wenig herumlungern konnte, bevor es in die Büroatmosphäre ging.

Anscheinend ahnte ich, dass ich längere Zeit im abgeschlossenen Kellerlager verbringen würde, während ich einem Klimatechniker zusehe, der an der Lüftung arbeitet.

Ich hatte Halbmarathon Man mitgenommen, um ihm das Lager zu zeigen. Erst redeten wir ernsthaft beruflich, dann über Schwimmbäder an sich und als wir ganz ins Private abglitten, fragte ich doch mal den Mann am Lüftungsrohr wie lange er noch braucht.

Bis wir geklärt hatten, wie der Schlüssel bei mir bleibt, er aber trotzdem wieder raus kommt, hatte ich den Anfang eines von mir angesetzten Meetings im 10 Minuten verpasst.

Immerhin konnten wir uns an den Reisemitbringseln des Moabiter erfreuen. Waren Kit Kat Matcha nicht mal irgendwann total hip und begehrt in Deutschland?

Daß sie von dem Sauerkohle / Eine Portion sich hole,

Nachdem der erste Versuch eines Uhlandessens1 an den Sommerferien gescheitert war, zogen wir weiter. Vom Wilmersdorfer Ex-See zogen wir ein paar Kreuzungen weiter nördlich tief in das bürgerliche Wilmersdorf.

Die Witwe Bolte wurde 1978 eröffnet, sieht aber so aus, als wäre sie noch ein paar Jahrzehnte älter. Spezialität sind, wenig überraschend Hühnchen.

Soweit ich herausbekam war die Witwe lange ein relativ normales Wirtshaus mit Spezialgericht, scheint in den letzten Jahren Richtung „ambitioniertes Gastropub“ zu streben.

Zum traditionellen Knusperhähnchen kam 24-Stunden-marinier-Hähnchen vom Rotisserie-Grill auf die Karte, verschiedene selbstgemachten Saucen und zum Beispiel „Wilder Brokkoli“ erweiterten das Angebot.

Wir wurden freundlicherweise aus Südbaden eingeladen, denn es galt noch einen Geburtstag mit zia sociale und zio macchina nachzufeiern.

Wir saßen an der erfreulich verkehrsarmen Uhlandstraße. Die Mitessenden im Lokal waren so wie ich mir bürgerliches Wilmersdorf vorstelle: Im Alter gemischt, deutlich mehr Hemden und Blusen als ich sonst in meiner Freizeit sehe, in der Hautfarbe homogener als sonst oft in Berlin, aber durchaus vielsprachig.

Ein Pärchen verschwand nach dem Essen direkt in der Haustür nebenan, was für die Witwe sprach.

Wir teilten als Vorspeise den Hühnerstreich (Graubrot mit Aufstrich), zum Hauptgang vier halbe Knusperhühne mit verschiedenen Beilagen (Pommes, Coleslaw, Ofengemüse, Wilder Brokkoli) Saucen (Ají, Chilimayonnaise, Bernaise) und zum Nachtisch teilten wir Kaiserschmarrn.

Ich liebte das Ají, Madame den Hühnerstreich, alles andere war sehr gut aber nicht ich-schwärme-noch-in-Wochen-davon-gut. Ein schönes Abendessen für wenn die Gelegenheit passt.

Keine Sonnenfinsternis im Insulaner

Die Wetterachterbahn war in einem Tal vergleichsweiser Kühle angekommen. Die Körper wollte dringend guten Schlaf nachholen, das Aufstehen gestaltet sich schwierig, dafür waren die Freibäder wieder nutzbar.

Endlich wieder nach der Arbeit zum Insulaner. Ich grüßte angemessen, stellte fest, dass in der Kabane2 das Schloss immer noch nicht gewechselt wurde, und lief fast in eine epische Handtuchschlacht dreier Jungen.

Das Freibadwetter war nahezu zu perfekt, knapp dreißig Grad, Sonne, eine wirklich zauberhafte Atmosphäre, so dass ich nicht mehr richtig schwimmen konnte. Zu sehr musste ich bewusst im Geiste bleiben, immer wieder darauf achten, wo ich gegen wen schwimme, zu wenig konnte ich den Geist abschalten und einfach Wasser und Bewegung genießen.

Aber war es Bewegung, es war Abkühlung, und es war eines der schönsten Gelände Berlins.

Sonnenfinsternis/Ratte

Auf der Rückfahrt sah ich eine Unfallstelle, die einiges an Fragen aufwarf.

Einige hundert Meter dahinter passierte ich eine Gruppe Menschen, die an der Autobahnauffahrt saßen. Es sah ein wenig aus als warten sie auf den Bus – nur dass hier niemals ein Bus anhalten und Menschen auflesen wird.

Später fiel mir auf: Sonnenfinsternis. Die Autobahn ist unbebautes Gelände, auf der Brücke über die Autobahn herrscht Fernsicht. Maximal unromantisch, aber sie konnten die Sonne und ihre Verfinsterung sehen.

Ich fuhr weiter. Ich erlebte die komplette Sonnenfinsternis 1999 mit, und beschloss im Nachhinein, dass dieses Erlebnis den Hype nicht wert war. Da konnte ich die eh nur partielle Finsternis 2026 gemütlich ignorieren.

Ich hielt an der BioCompany am Rüdesheimer Platz, dachte noch: dieses Grün überall, die Bäume, die leeren Straßen, die vielen Fußgänger, dieses Viertel ist schon ganz besonders idyllisch, da trat ich fast in eine überfahrene Ratte.

Auf dem weiteren Heimweg merket ich wie das Licht anders wird, dunkler, wärmer und war beeindruckter davon als ich vorher gedacht hätte.

Ich habe Fragen.

Ein starkes Team für eine Stadt, die wieder funktioniert.

Kaum begann ich auf Wahlplakate zu achten, schon verschwanden sie. Alle interessanten Wahlplakate an der Seestraße und auf der Fahrradstrecke sind nicht mehr da, es hängen fast nur noch Plakate einer Partei.

Ich will jetzt nicht sagen welcher, denn das würde ja insensinuieren, dass diese Partei etwas mit dem Verschwinden der anderen zu tun hat.

Aber die Plakate der FDP sind schon so langweilig, dass ich nicht darüber schreiben mag.

Links

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DIe Kaltmamsell in der British Rumpelkammer

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Frau Novemberregens Checkliste für wann-besser-keine-Mail-schreiben

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Der Weiße Hai beim Filmfestival von Locarno mit Hotel Mama. Neid ist schon kein Ausdruck mehr.

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Politik diskutiert über Bahnverspätungen, was auch wie eine Diskussion zehn Jahre zu spät wirkt. Inzwischen sind wir eher bei „fährt überhaupt ein Zug.“ Belegstück siebenundrölfzig: Der Flusskiesel versucht von der Oberpfalz nach Duisburg zu kommen.

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Je mehr ich hinter den Vorhang der Führungsetage schaue, umso klarer wird für mich, dass es dort meistens gar keinen Masterplan gibt, manchmal noch nicht einmal einen Plan.

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Je größer das Wort, desto kleiner das Lied.

Anmerkungen

  1. Erläuterung Uhlandessen, siehe Link: Uhlandessen ↩︎
  2. Besuch No. 6 / 2026 – damit 13,33€ pro Besuch. ↩︎