26-08-15 Der erste Eimer Fallobst

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Edeka Duolingo hat Smashed Croissants im Angebot. Vielleicht ist das der Moment, in dem ich mich zu alt für Food-Trends fühle.

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Bei Nachbar Canineri fledderte und bleichte die Deutschlandfahne weiter. In ihrem dahinsiechenden Restfransentum erinnert sie erstaunlich stark an das Kabinett Merz.

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Manchmal versuche ich den Berlin-Snob zu geben, und zum Beispiel zu sagen „Odyssee nur im IMAX oder einem gleichwertigen Saal und nur OV“. Es gibt Vorstellungen, aber in den nächsten Wochen keinerlei Karten.

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Das Blog holpert noch seiner längeren Offline-Zeit hinterher. Veröffentlicht wird der Post am 18. August, geschrieben wurde er am 15. August und erlebt am So/Mo 9./10. August. Das Blog-ich ist dem Lebens-Ich noch 8 Tage hinterher.

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Es war ein Schniefschwitzaufräum-SoMo.

Getreideernte befördert die Sporenausbreitung enorm

Der Sonntagmorgen blieb angenehm kühl. Aber die Sonne bewies bereits wie sehr sie brennen kann, und welch große Pläne sie noch hatte. Die aktuelle Temperatur-Achterbahn hatte sich wieder für „heiß“ entschieden.

Leider beschlossen die Latifundien neben schwüler Hitze auch die andere Karte auszuspielen, die sie haben, um mich lahmzulegen: Alternaria aka Allergie gegen Schwarzen Schimmel, der sich vor allem draußen auf Pflanzen befindet.

Oft merke ich davon nichts, manchmal habe ich im Sommer typische Heunschnupfensymptome, die dramatischer wirken als sie sich anfühlen, und in seltenen Fällen bin ich komplett zerschlagen und kann kaum nach draußen, weil die Sonne in den Augen schmerzt.

So ein Tag war. Ich kann mich zum Glück zurecht dopen, hing aber eher durch, hörte größere Teile des Tages Radio (Klassik, Pop et cetera mit Vanessa Porter zum Beispiel)

Oder ich las Siegfried Kracauers Essayband Straßen in Berlin und anderswo, der das Motivs des Aus-der-Zeit-gefallen-Seins der letzten Boulevard Noir Filme aufnimmt.

Kracauer hat einen Blick, den ich für modern und 2026 halten würde, beschreibt aber eine Welt von vor 100 Jahren – denkt zum Beispiel über das Verschwinden der Hosenträger zugunsten des „Sportgürtels“ nach, ist fasziniert von seiner Schreibmaschine oder beschreibt Pariser Straßenmärkte des frühen 20. Jahrhunderts.

Dazu Kaffee.

Riesenlibelle am Nachmittag

Irgendwann raffte ich mich auf, einige Brennesseln zu zupfen.

Madame stellte den Garten weiter her. Da Alkmene und James Grieve sich von uns im Fallapfeltum nicht stören ließen, sammelten wir auch diese weiter ein. Der erste Eimer mit verwertbarem Fallobst füllte sich.

Wir zweifelten bei den Zwetschgen. Von diesen waren einige fast vollreif, die anderen könnten vermutlich noch eine Woche brauchen. Aber wir fürchteten, dass auch Vögel, Insekten, Pilze und andere Unbilden sich über die erste gemeinsame nennenswerte Zwetschgenernte unseres Lebens hermachen würde, und wir statt einem kleinen Baum unreifer Zwetschgen einfach einen kleinen leeren Baum vorfinden würden.

Also Kompromiss: Einen Teil sammelten wir ab und fuhren ihn nach Berlin, beim Rest vertrauten wir.

Falläpfel und Pflückzwetschgen

Zucchini auch

Madame bereitete Zwetschgenkuchen und plante aus den Falläpfeln platzsparende Apple Butter herzustellen.

Zum Nachtisch gab es litauen-inspirierte Quarki-Quarkriegel. Dank EU-Verordnungen zu Packungsaufdrucken wissen wir jetzt auch, dass diese auch wirklich in Litauen produziert werden.

wp-class….b64

Noch im Garten hatte ich eine Anleitung zum Umgang mit wp2shell gefunden. Leider führte diese Anleitung auch nötige Punkte auf, die ich noch abgehakt hatte, und von den Latifundien aus mangels Passwörtern und Zugängen auch nicht durchführen konnte.

Im Hinterkopf nagte die ganze Zeit ein „Sie kommen wieder. Sie haben noch Schlüssel!“, aber ich weigerte mich deswegen das Wochenende abzubrechen. Und ich weigerte mich auch, nervös herumzutigern, weil ich das Wochenende nicht abbreche.

Aber ich war nicht böse, als ich wieder auf dem System war, und noch einige Checks durchführte. Das meiste war unnötig. Aber ich fand tatsächlich noch als b64-Dateien verpackte Kopien des Schadcodes, die an unauffälliger Stelle untergebracht waren, um sie nach unvollständiger Blogsäuberung mit offenen Hintertüren wieder in den Code kopieren zu können.

Offensichtlich war die Kopierfunktion bereits zerstört (sonst wäre ich nicht mehr an den Blog gekommen), aber ich war ganz froh, auch die Kopien gelöscht zu haben.

Dabei stellte ich dann endgültig fest, wie es gelaufen war. Am 21. Juli (also wirklich erst kurz nachdem der Exploit öffentlich bekannt wurde) hatte jemand in meinen Blogzoo ein paar Hintertüren gebaut und sich Schlüssel von allem gemacht. Dies hätte ich bemerken können (zum Beispiel gab es da schon neue Admin-Accounts), aber ich gondelte ja gerade durch Litauen und kontrollierte nun nicht im gesamten Blogzoo die Accounts,

Zum 27. wurden die Hintertüren vermutlich an jemand weiterverkauft, der diese produktiv nutzen wollte, anfing auf low-n-slow.de phishing aufzuspielen und der allgemein aggressiver vorging.

Dadurch habe auch ich die Sache bemerkt, unvollständig reagiert, die Sache erstmal eskaliert, und hatte zum Glück noch die Zugänge alles offline zu nehmen.

Darauf hin folgte Backup-Tickets beim Hoster, das Backup von „zu spät“ und letztlich meine manuellen Putzarbeiten.

Die Wilmersdorfer Wohnung hat viele tolle Eigenschaften. Größe und üppiger Stauraum gehören nicht dazu.

Zahlen aufräumen

Wir unternahmen die Urlaubsabrechnung. Der ganze Spaß für #Litauen2026 kostete mit Alles etwa 4500 Euro. Davon etwa 800 für Züge und Fähre, knapp 2000 Euro für Hotels (~133 / Nacht), 1200 Euro für auswärtiges Essen und 500 für den ganzen Rest (Stadtführungen, Eintrittskarten, Boot auf der Nehrung etc.)

Erstaunlich: Wir haben die Kosten zwischen uns prinzipiell nach einem jeweils einkommensabhängigen Schlüssel aufgeteilt. Dabei lief es so, dass beim Buchen und unterwegs mal der eine und mal die andere bezahlt hat. Wir haben jetzt abgerechnet, um zu schauen, wer dabei zuviel auslegte. Und wir waren mit mal-zahlst-du-mal-zahl-ich bis auf 25 Euro an der perfekten Aufteilung.

Die Hildegardstraße führt immer bergauf

Die Alltagsintegration läuft. Manchmal lahmt sie – ich glaube ich habe meinen Fahrradhelm unwiederbringlich irgendwo liegenlassen – aber insgesamt bilden sich wieder Rhythmen.

Langsam gewöhne ich mich an den normalen Fahrradweg mit dem bicicletta azzurra – erst die grünen Nebenstraßen und am Park vorbei in Wilmersdorf, dann auf halber Strecke die Carl-Zuckmayer-Brücke über den Volkspark und dann die alte Hood mit den Schöneberger Straßen.

Langsam komme ich dazu, Bremspunkte, Abzweigungen und neuralgische Querfahrer*innen schon im Vorhinein einzupreisen und „automatisch“ abzufahren und mehr Geist für die eigentliche Strecke zu haben.

Langsam ging mir zum Beispiel auf, dass die knapp 600 Meter lange Hildegardstraße1 Wilmersdorf auf dem Hinweg immer „flashest of the flashes“ ist, auf dem Rückweg aber immer so das letzte ernstzunehmende Teilstück ist. Und nachdem ich darauf achtete, merkte ich, dass sie einfach durchgehend eine leichte Steigung hat. Diese beginnt schon am Park beim Bieberbau und setzt sich bis zum Ende fort.

Richtung Büro immer leicht bergab, Richtung Wohnung immer leicht bergauf. Zu wenig, um es beim einmaligen Fahren zu bemerken, aber ausreichend, um bei stetiger Wiederholung einen Unterschied zu machen.

Carl-Zuckmayer-Brücken-Halbzeit

f*c

Natürlich achte ich auch auf interessante Wahlplakate. Volt plakatiert zum Beispiel „unf*ck berlin“, was spannend ist, weil die AfD mit „Damit Berlin wieder funktioniert“ quasi dasselbe in anderer Tonalität an die Laternen hängt.

Eine spannende Forderung, weil sie ja erstmal gänzlich unpolitisch erscheint, aber die ganze fragwürdige Infrastruktur der Stadt natürlich hochpolitisch ist. Das grundsätzliche Leiden ist quer durch das politische Spektrum dasselbe.2

Das Leiden teile ich. Und im Tonfall muss ich zugeben, liegt mir die AfD fast näher. Allein schon wegen des bescheuerten Selbstzensur-Sternchens bei unf*ck.

Ich glaube allerdings, in der konkreten Ausgestaltung liegt mir Volt näher. Vor allem hat Volt auf der Rückseite eine ordentliche Sammlung, quasi das kleingedruckte, was gemeint ist.

Ich weiß nicht, wie viele Menschen das Lesen, aber ich weiß, dass wir inzwischen so entalphabetisiert sind, dass performatives Lesen a thing ist, und vermutlich auch performativ Kleingedrucktes.

Auch wenn es niemand liest, funktioniert es, weil die Zielgruppe auf kleingedrucktes anspringt.

(und einfach alle, alle Berliner von der Dysfunktionalität der Stadt genervt sind – vermutlich mindestens so sehr wie vom anderen großen Thema, dem Wohnungsmarkt)3

Links

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Während ich hier gerade noch Tove Janssons Sommerbuch herumliegen habe, war readinginswedeninfinnland im Moomins Museum in Tampere.

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Falls ihr schon immer wissen wolltet, wie es ist an der City University of New York die Law School zu besuchen: First year of law school is in the books

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Chili Cheese Sucuk. Gib mir alles.

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Einkaufen in Brighton, Dinge, die Herr Rau in Deutschland nicht kriegt.

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Projekte, die nicht (mehr) funktionieren, sind oft spannender und lehrreicher als welche, die einfach laufen: Mein Rückblick auf PC-Kombo (mein ältestes eigenes Projekt)

Anmerkungen

  1. Bis 1895 übrigens Seestraße, weil sie am südlichen See-Ufer des Ex-Sees lag. ↩︎
  2. Nur die SPD, in deren tiefsten Wesenskern ja eigentlich Daseinsfürsorge und „ein funktionierender Staat für alle“ eingebrannt sein müssten, hält sich bei dem Thema eigentümlich zurück. ↩︎
  3. Mittlerweile sah ich, dass der zentrale Slogan der FDP Berlin auf der Website ist: „Ein starkes Team für eine Stadt, die wieder funktioniert.“ – Plakatiert sah ich es noch nicht. Und von allen drei Varianten, den Claim zu formulieren, ist das natürlich diejenige, bei der ich zuerst eingeschlafen bin, bevor ich den Satz zu Ende las. ↩︎