Schlagwort: Bahnhofsklavier

  • 26-07-25 Waldwege kreuzen (Vilnius – Klaipėda)

    26-07-25 Waldwege kreuzen (Vilnius – Klaipėda)

    Dieses Blog wurde gehackt. Das war reichlich unerfreulich, lehr- und folgenreich. Eine der Folgen ist, dass einige Texte verloren gingen bzw. noch jenseits des Backups waren. Diese werden unter dem damaligen Datum nachgereicht. Hier ist einer davon.

    Mehr zum Hack kommt an den Stellen an denen es in der Chronik des geschrieben Textes hingehört. Noch ist das Blog-ich in Litauen, wurde schon gehackt, weiß aber noch nichts davon.

    §§§§§

    Madame roch Seeluft.

    *

    Wir glauben, wir waren in Vilnius nicht nur im selben Hotel wie vor zwei Jahren, sondern sogar im selben Zimmer: Flur, Wandbild und Raumschnitt waren auf jeden Fall identisch. Die Aussicht mindestens sehr ähnlich.

    *

    Bisher ignoriere ich die Berliner Wettervorhersage für die nächste Woche und die News-Meldungen der Berliner S-Bahn eisern.

    *

    Denn ich bin zwar wieder in Deutschland, aber noch ein ganzes Stück entfernt von Berlin. Das Reise-ich reist noch, das Blog-ich hat aber dennoch 96 Stunden und 780 Kilometer Vorsprung.1

    Es war In-den-Wald-Guck-und-Such-den-Anleger-Dienstag.

    Goodbye Vilnius

    Zug 781 von Vilnius nach Klaipėda sollte um 10:23h abfahren. Ab in die Hafenstadt: Die drittgrößte Stadt Litauens wartete, „Tor zur Welt“ bzw für uns, Startpunkt für die Fähre nach Travemünde, und wieder eine ganz andere Stadt. Die kleinste der „3 Großen“ Litauens, mit einer komplett anderen Geschichte: Waren die anderen Städte Litauens vor allem zwischen Litauern, Polen und Russen umkämpft über die Jahrhunderte, gehörte Klaipėda, erst zum Deutschen Orden, dann zu Preußen und bis 1919 zum Deutschen Reich. Erst danach reihte es sich in die deutsch-sowjetischen Überfälle des 20. Jahrhunderts ein.

    Aber erst galt es dorthin zu kommen. Unser Hotel in Vilnius war vielleicht 10 Minuten zu Fuß bzw. eine Bushaltestelle und sehr wenig Fußwenig vom Bahnhof entfernt. Es bot sich einfach an, (fast) auszuschlafen, gemütlich zu frühstücken und zu beobachten, wie die ganzen Intrepid-Reisenden ihre Reisebusse bestiegen.

    Denn obwohl wir zwei Abende zuvor nur 10 Intrepid-Leute plus Guide Algita im Restaurant getroffen hatten, fühlten sie nun zwei Busse (wir erkannten die zehn und Algita wieder die einstiegen). Entweder das werden jetzt parallel-Individualtouren bei denen Logistik, die niemand wirklich interessiert (Bus/Hotel) für große Gruppen gebucht werden, während der inhaltliche Teil zwar im Ablauf parallel für alle, in der Ausgestaltung aber Kleingruppen läuft; oder sie haben wirklich verschiedenen Touren durch das Baltikum, die sich mal im Hotel und Bus treffen und dann mal wieder auseinanderlaufen.

    Wir liefen allein, verließen kurz nach ihnen den Bahnhof. Aber auf uns wartete noch niemand. Wir beschlossen, zu faul zu sein, um die Köffer den Hügel hochzuziehen.

    Wir gingen zur Bushaltestelle Aguonų gatvė („Mohnstraße“) und nahmen für eine Station einen kleinen Trolleybus, der ungelogen, das Busmodell Trollino 12 war. (Der kleine, ungehorsame Trollino möchte bitte..)

    Im Sofa zum Zug

    Im Bahnhof Vilnius entdeckte Madame den Bahnhofsflügel, ich die VIP Lounge für die 1. Klasse. Mit Hilfe einer Bahnangestellten gelang es sogar, die elektrische Einlasssperre mit dem Spezial-VIP-Lounge-QR-Code zu überwinden.

    Es war nicht plüschig, aber business-cozy. Bequeme Sofas, bequeme Sessel, mehr Meeting-Spaces als „mein“ normalen Büro. Nachdem wir eine herrliche Viertelstunden alles für uns allein hatten, kamen weitere Reisende. Niemand sprach litauisch.

    Denn, das ist das spannende: Obwohl das Preisniveau in Vilnius, Kaunas und Klaipėda (Großstadt-Innenstadt) durchaus deutsches Niveau hatte und die durchweg ehrgeizig bepreisten Restaurants trotzdem immer mit Litauern gefüllt waren, auch mitten in der Woche, also auch bei den Litauer*innen Geld zum Ausgeben vorhanden ist, war die 1. Klasse LTG fast eine reise Auslands-Veranstaltung. Meine Arbeitshypothese:

    Alle Litauer*innen, die in der Lage und Willens wäre, die 1. Klasse zu benutzen, nehmen für die Strecken lieber ihren Audi/Lexus/BMW. Bahn in Litauen ist für Leute, die keine andere Wahl haben, und die fahren dann 2. Klasse.

    Irgendwann, kurz bevor es mit unserem Zug spannend wurde, kam jemand von LTG werkelte an der (kostenpflichten) VIP-Lounge-Kaffeemaschine, und nachdem er ging, fiel in der gesamten Lounge der Strom aus. Nach der vortätigen Toilettenerfahrung hatte ich Sorgen, ob wir sie überhaupt je verlassen könnten. Aber indem ich den Türöffner betätigte ging der Strom wieder an.

    Selbst der sandigste Waldweg allerdings bekam einen beschrankten Bahnübergang

    Unsere Plätze warteten auf uns. Nicht warteten die Gepäckablagen, denn die waren anscheinend schon in Vilnius-Airport, dem Startpunkt des Zuges gefüllt worden. Die Zugchefing machte tapfer eine Ansage auf litauisch, die vermutlich bei uns im Wagen 2 von 20 Anwesenden verstanden, sie kramte dann aber bei Überraschung des (kostenlosen) Heißgetränks, Wassers und Brownies doch noch etwas englisch hervor.

    Wir fuhren zurück bis fast nach Kaunas und dann einmal quer durch Litauen nach Norden. Wir sahen Wälder und Wege, Pisten, Wiesen, Seen und Hügel. Wie ich inzwischen erfuhr hat das ländliche Litauen eine Bevölkerungsdichte wie die entlegensten Teile Brandenburgs (~ Prignitz) und dementsprechend spärlich ist Infrastruktur. Die hohe Dichte an SUVs im Allgemeinen und Subarus als no-Schmock-komplett-Waldpistentauglichem Modell ergab noch mehr Sinn.

    Ab und an kam eine halbverfallene sowjetische Industrieanlage vorbei, ab und an Streckenbau-Arbeiten. Staunend hatten wir schon gelernt, dass Litauen zwar keine natürlichen Bodenschätze hat, aber 5% der Wirtschaft daraus besteht, Öl zu raffinieren – vermutlich ehemals aus Russland gekommen, was nicht mehr geht, haben die Raffinerien den Wandel überstanden.

    Hunderte und aberhunderte Tankwagen, die wir immer wieder trafen, bestätigten, wie groß und wichtig der Wirtschaftszweig anscheinend ist.

    Mohn zu Linden

    In Kretinge verloren wir viele Mitreisende, denn dort fährt der Bus nach Palanga, das Ostsee-Mallorca der Litauern. Als wir eine halbe Stunde vor Plan schon im Großraum Klaipėda waren, staunte ich, was wir noch machen würden. Nachdem uns 20 Minuten später gemütliche Freizeitradler überholten, staunte ich ein wenig und verstand ein wenig.

    Nachträglich recherchierte ich: Baustelle, Langsamfahrstelle. Um 15:33h kamen wir pünktlich nach Fahrplan an. Im Nieselregen zogen wir die Köffer vom Bahnhof weg durch den Skulpturenpark/Ex-Friedhof der Stadt in die Liepų gatvė zum Dangė Hotel.

    Bitte hier tröten!

    Zimmer 44

    Das Dangė Hotel erinnerte an das Boheme von Kaunas. Auch hier ein umgebautes Wohnhaus. Auch hier privat geführt und bis an die Zähne designt. Aber sonst würde ich gerne das Bohme einmal zur Fortbildung schicken. Dort war eigentlich immer „Ich bin Design! Beachte mich!“, hier war die Einstellung „Du musst gar nicht wissen, warum und wie, Hauptsache du hast das Gefühl alles ist toll.“ Vor allem aber dienste hier das Design der Nutzbarkeit.

    Die Menge an Raum, die sie aus ihrem Dachboden gewonnen hatten, beeindruckte uns. Das Badezimmer hatte ein Oberlicht, und dadurch soviel Licht, dass wir quasi dauernd kurz davor waren, den Lichtschalter zu drücken, weil es uns so beleuchtet vorkam. Der Schreibtisch war riesig, der Stuhl bequem, und der Balkon riesig.

    Und als wir auf dem Balkon saßen, sah ich am Ende der Straße plötzlich Container durch das Bild schieben. Ein kurzes Stutzen, ein Zögern, ein Nachdenken: Tatsächlich, dort am Ende der Straßen schauten wir auf die Hafen-Ausfahrt, konnten zumindest die großen Pötte über den Bäumen vorbeigleiten sehen.

    Ein Hotel. mindestens so schön wie das Boheme und mindestens so funktionierend-großzügig wie das Comfort-Hotel. Anfang (Polonia Palace) und Ende (Dangė) der eigentlichen Reise hatten die besten Hotels.

    Sapphire Princess

    Und währned das Hotel selbst an einer eher unspektakulären Wohn/Verkehrsstraße lag, Madame freute sich sehr am Fliesengeschäft und ein Lunch-Lokal für die Bewohner drumherum, waren wir doch nur einen Block vom Fluss Danė (ehemals Dange) entfernt, der bei Klaipėda in das Kurische Haff/das Memel-Delta fließt.

    Wir liefen am Fluss entlang, stellten schnell fest, dass es die Haupt-Ausgehmeile der Klaipėdianer*innen ist und offenbar in den letzten Jahren einmal nach allen Maßstäben und Trends moderner Ausgehmeilengestaltung am Fluss umgebaut wurde. Das war sehr beeindruckend.

    Wir aber suchten vor allem den Anleger. Madame hatte Boots-Fahrkarten auf die Kurische Nehrung nach Nida gebucht, und wir hatten wenig Lust morgens unter Zeitdruck durch das Hafengebiet zu irren auf der Suche nach dem Boot.

    Vor diesem fanden wir aber das Kreuzfahrtschiff. Das war auch größe, die Sapphire Princess – die war mit 300 Metern Länge, knapp 40 Meter Höhe und Platz für 2670 Passagiere auch ziemlich unübersehbar. Während wir noch standen und schauten, kamen einzelne Kreuzfahrer*innen zum Schiff zurück, gingen durch eine erstaunliche kleine Tür im Bauch des Schiffes wieder an Bord. Ich sah keine Kontrollen, war kurz versucht es ihnen einfach gleich zu tun, war aber dann doch zu feige.

    Vor allem aber rollten die Reisebusse an: „Purple 5, Brown 13, Black 11 – Best of Curian Split“ und noch viele andere. Sie waren ausgeschwärmt, hatten die Kreuzfahrer quer durch die Gegend verteilt und holten sie nun wieder zurück.

    Gestreifter Wackelpudding zum Abschluss

    Auch wir fuhren Bus, Minibus, eine ehemalige Marschrutka, ein Sammeltaxi/Kleinbus, der auf bestimmten Linien fährt, aber dort auf Handzeichen irgendwo auf der Strecke hält. In Klaipėda sind diese mittlerweile komplett in den ÖPNV integriert, fahren aber auch durch Nebenstraßen, haben feste Haltestellen, aber auch hier muss man den Arm ausstrecken, um sie zum halten zu bewegen.

    Bis zum dritten M-Bus hatten wir das auch gelernt,

    Wieder ging es zur Akropolis. Denn auch in der Akropolis Klaipėda gab es, wie in der Akropolis Vilnius, ein Delano-Restaurant. Ein Buffet-Restaurant, einst beliebt im ganzen Ex-Kommunistischen Ostblock, in Litauen, schon fast am Aussterben – eine Art gehobenes Selbstbedienungsrestaurant, an der eine große Auswahl „gutbürgerlicher Küche“ live gekocht wird – also ähnlich wie das Karstadt/Galeria-Restaurant, aber mit größeren Angebot und fokussiert auf litauisches Essen.

    Für uns hatte es den großen Vorteil, dass wir einmal eine ganze Bandbreite an Gerichten live, in echt sehen konnten, teilweise auch direkt die Zubereitung sahen, und uns noch einmal quer durch die ganzen Kartoffelvariationen essen.

    Dazu, natürlich, wir waren im Akropolis, wieder Eishockey-Training.

    Es ging früh zurück ins Hotel. Der nächste Tag sollte einen ganzen Tagesausflug bringen.

    Die Reise

    Am Ende der Straße die Containerschiffe

    Verkehrsmittel

    Stand Ankunft Klaipėda: 5 Fernzüge, 1 Regio, 2 S-Bahnen (Berlin), 2 Metros (Warschau) 5 Trams (2 Ffo, 3 Warschau), 7 O-Busse (5 Vilnius, 2 Kaunas), 1 Expressbus (Vilnius), 12 Busse (5 Vilnius, 3 Warschau, 3 Kaunas, 1 Klaipėda), 1 Minibus (Klaipėda); hinzugekommen: 1 Fernzug (Vilnius-Klaipėda), 1 Trolleybus (Hotel Vilnius-Bahnhof), 1 Minibus (Klaipėda Hafen-Akropolis), 1 Bus (Akropolis Klaipėda-Hotel)

    Anmerkungen

    1. Durch Hack und Blog-Verzögerung hat das Lebens-ich sogar aktuell 20 Tage und 1200 Kilometer Vorsprung vor dem Blog-Ich. ↩︎
  • 26-06-16 Schafe werden Wolken, Wolken werden Regenschauer

    26-06-16 Schafe werden Wolken, Wolken werden Regenschauer

    Madame telefonierte alemannisch.

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    Am Südkreuzklavier sah sie nicht nur Menschen mit Noten für Klavierpartien, sondern auch Pianisten, die ihre eigene Geigerin mitbringen. (oder eine Geigerin, die ihren eigenen Pianisten..)

    Später versuchte Madame, zweierlei Latein in ihrem Kopf zu entwirren. Aufgrund ihrer Mehrchorwochen singt sie gleichzeitig das Mozart-Requiem und das Cherubini-Requiem. Beide haben im Prinzip denselben lateinischen Text. Aber bei Mozart sei es bitte in der deutschen Latein-Aussprache gesungen und bei Cherubini in der italienischen Latein-Aussprache.

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    Mein Versuch, litauische Bahnkarten zu kaufen, scheitert an der Meldung „403 forbidden“. Dazu erscheint eine Fehlerseite, die so klassisch technisch aussieht wie das gute alte Internet von ehedem.

    Etwas Recherche erbringt die Info, dass LTG Link gerade aus Cyberabwehrgründen ganz Nicht-Litauen aussperrt. Das Internet empfiehlt die LTG-Link-App oder die Nutzung eines VPNs. Die App zwingt mich, mir einen Account anzulegen und hängt sich dann dabei auf.

    Also werde ich ein VPN suchen müssen, das Litauen kann und trotzdem nicht wie die hinterste dunkle Ecke des Internets wirkt.

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    Am Tag als mein Fahrrad verschwand, Madame auf der Suche zwar kein Fahrrad aber einen Fuchs fand, und das Fahrrad wieder auftauchte. Das war der Tag als Madame im Lochowbad erfuhr „Ihr Schloss ist fehlgeleitet“ und dann ihre Uhr vergaß. Das war ein seltsamer Tag.

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    Es war ein Sonntag zwischen rain and shine und ein Montag zwischen Südkreuz und Schaf.

    Farben schießen Tore

    Ein niedlicher Nachtrag: Der kleine Fußballfan vom Wochenende, der zwar zur Irritation seiner Eltern überhaupt riesiger Fußballfan ist, aber das noch auf einem Niveau, wo er ganz begeistert vom Spiel von Grün gegen Gelb erzählt.

    Im Kreise älterer fußballinteressierter Menschen läuft mein Tippspiel-Masterplan so mäh. The power of statistics bringt mich am Ende von Spieltag 2 auf Platz 22 von 44.

    An einem Montagnachmittag versuchten drei Menschen im öffentlichen Dienst visionär zu sein. Und zwar nicht visionär im frei fliegenden irgendwann-haben-wir-Flugtaxis-Modus sondern visionär im Sinne von „in sechs Monaten solles real existierende Menschen im Alltag benutzen können.“ Das ist eine manchmal recht mühselige Form der Visionarität, erst recht am Montag Nachmittag.

    Friedhof der Fluginsekten

    Wir joggten Garten. Es konnte passieren, dass wir sagten, „Ah, Sonne, lass uns die Gelegenheit nutzen und den Staubsauger wieder in den Schuppen bringen“, und innerhalb der fünf Meter von der Haus- zur Schuppentür wurde schon wieder jemand klatschnass.

    Der spektakuläre Himmel empfahl für den Sonntag Häuslichkeit. Ich und der Staubsauger versuchten sich am niedrigen Schlafboden an einer Aktivität, die zu einem Achtel aus Athletik und zu sieben Achteln aus Herumrollen bestand. Vielleicht sah es aus wie der welt-unbeholfenste Schlangentanz. Die Staubsauger-Rollethik führte mich insbesondere am großen nicht-zu-öffnenden Südfenster zur letzten Stätte toter Bienen und Fliegen. Denn wo viele Insekten, da auch immer wieder Insekten im Haus, die sich auf dem Rückweg verirren und in die Sackgasse geraten.

    Aus dem Fenster konnten wir die immer wieder kreisende Bachstelze sehen, und raten, wo ihr naheliegendes Nest liegen könnte. Die Alten Rosen sind so gewachsen, dass wir sie selbst hinter dem 2-Meter-Gras noch durchscheinen sehen können. Gerade die Pink Moss wirkt wie direkt aus einem Märchen der Brüder Grimm entstiegen bzw. da die Sorte seit 1696 bekannt ist, ist sie vermutlich einem Märchen der Gebrüder Grimm entstiegen.

    Go GoLand

    Der Blick auf meinen Kalender sagt mir, dass ich mich ernsthafter mit den beiden kommenden Fernuni-Klausuren beschäftigten sollte. Ich beschloß für Sonntagabend, erst einmal die ganzen Aufgaben aus der „imperativen Programmierung“ zu lösen.

    Denn nur weil ich glaube prinzipiell verstanden zu haben, wie die Sprache Go funktioniert, heißt dass noch lange nicht, dass ich in der Lage bin, alle geschweiften Klammern, Kommata, leere Klammern und Punkte in einer Reihenfolge zu setzen, die die Sprache erfordert.

    Das kann und werde ich mir nur mit Training (= Testaufgaben lösen) aneignen.

    Wie eigentlich immer in der Informatik liegt die erste Herausforderung kann nicht im Inhalt, sondern in der Form: Wieder einmal eine Sprache auf dem Rechner installieren, wieder einmal eine Studiumslizenz für eine Programmierumgebung beantragen und dann das vom Lehrstuhl empfohlene GoLand auch noch auf meinem Rechner zum Laufen bringen. Danach ist mein Lernslot vorbei, weiterhin ohne eine geschriebene Klammer.

    Saal 5 ist der in Blau und Rot

    Am Hühnchenimbiss ein Loch in der Scheibe. Wir überlegten, ob es einem Unfall entstammte oder den gerade grassierenden rustikalen Schutzgelderpressungen mit Schusswaffenhilfe. Der Qualität des halben Hühnchens schadete es nicht.

    Denn, es ist absurd, dasjenige der Yorck-Kinos, das am ehesten unauffällig, funktional, praktisch und gut ist, das Delphi Lux, liegt in der Ecke Berlins, die alles andere als unauffällig oder funktional ist.

    Der Bahnhof Zoo hat nicht nur mit Breitscheidplatz, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und Ku’damm alteingesessene Touriattraktionen um die Ecke, mit Zoo-Palast, Delphi Palast und dem Musicaltheater eine große Strahlkraft, sondern auch die Szene, die seit „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ zwar manchmal die Gestalt und die Droge-der-Wahl wechselt, aber zuverlässig zum Zufluchtsort für die Hoffnungslosen wird.

    Und genau dort liegt ein Kino, das mit seinem sieben kleinen bis mittelgroßen Sälen einfach nur praktisch ist. Es liegt direkt an einem Verkehrsknotenpunkt in einer der Berliner Stadtmitten. Das Delphi Lux ist vom Saal her kein Neues Off, kein Filmtheater am Friedrichshain. Das hat genau die Atmosphäre, die nicht vom Film ablenkt. Die Programmauswahl ist bei sieben Sälen groß, Säle und Foyeur unspektakulär einladend. Ein guter Platz für entspanntes After-Work-Kino.

    It was getting orders from a sheep

    Der Montag endete in flauschiger Niedlichkeit. „Glennkill – ein Schafskrimi / The Sheep detectives“1 ist ein Film, der weise auf jeglichen Originalitätsdrang verzichtet, um die Niedlichkeit und ins-Herz-Schließbarkeit der schafischen und menschlichen Charaktere in Szene zu setzen.

    Ein Schäfer wird getötet. Seine Herde, die zwar Menschen verstehen und miteinander sprechen kann, die für Menschen aber nur aus blökenden Schafen besteht, versucht den Fall zu lösen: Im Stil klassischer Whodunits in einer englischen Kleinstadt mit Testamentseröffnung, einem alle-sind-verdächtig-Cast, einer überraschenden Wendung und der großen Verkündungsszene am Ende.

    Da die Schafe ihre Ermittlungsergebnisse nicht selbst präsentieren können, müssen sie den gutmütigen der trotteligen Dorfpolizisten zu den Spuren ziehen, oder diese auch auf den Boden des Polizeireviers malen. Nachts, vor einer unschuldig inhaftierten, die am nächsten Morgen nur erzählen kann „There was a lamb inside. And it was getting orders from a sheep.“

    Hugh Jackman als Schäfer spielte einen perfekten einsam-herzenswarmen Schäfer, Emma Thompson als Anwältin aus der Stadt war genau so schneidig-faszinierend wie mensch sich in einem solchen Setting Anwältinnen aus der Stadt vorstellt, und überhaupt war das alles komplettes wunderbares Flausch-Wohlfühlkino.

    Ein Tag, der mit Fahrrad und Fuchs begann, endete mit Schafen, die zu Wolken wurden.

    Links

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    Von Madame gelesen, während sie unsere dramatisch schwindenden Buttervorräte aufbesserte.

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    Ich hatte ja keine Ahnung! In Bezug auf Partytricks kann ich einäugig Schielen und habe noch eine Merkwürdigkeit in der Hinterhand: die Ohren taub stellen. Nein, das ist nicht nur eine Floskel, das geht wirklich

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    Auch wenn das wahre Basbektball-Team natürlich die Boston Celtics sind, fühle ich mich verbunden: Seit Anfang der 1990er Jahre bin ich Fan der New York Knicks.

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    Wenn Sie also gerade in Richtung Musik etwas lernen, machen Sie es doch bitte in der Außengastro. Es gibt Menschen wie mich, die sie dabei gerne beobachten wollen und die davon auch etwas haben. / ack

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 34 – 7,00€ pro Besuch ↩︎
  • 26-06-14 Blandine avec la großer Rucksack multicolore

    26-06-14 Blandine avec la großer Rucksack multicolore

    Manchmal haben Leute am Südkreuz-Klavier umfangreiche Klaviernoten dabei und spielen anspruchsvolle Klavierprogramme. Manchmal spielt auch jemand schief Alle meine Entchen.

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    In der U-üc informierte Sophia ihre Freundin, dass Anton mittlerweile zur coolen Gang gehört. Ihre Freundin konnte das nicht glauben. Anton war früher doch der Uncoolste überhaupt, schon allein weil er auf dem Schulhof immer Ameisen aß.

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    Manchmal videocalle ich mit Dienstleistern und ich sehe vor meinem inneren Auge einen Stapel brennender Geldscheine.

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    Wie schon bei der Männerfußball-EM 2024 versuche ich das Organisationsinterne Tippspiel zur WM 2026 fernab jeder Ahnung oder jedes Interesses mit statistischer Heuristik zu gewinnen. Letztes Mal kosteten mich gefühlsgewallte Tipps den Sieg. Dieses mal wird stur heuristisch getippt. Nach dem 1:1 zwischen der Schweiz und Katar führte dies bisher zu Platz 21 von 46. Aber the power of Statistik liegt in der großen Zahl der zu tippenden Spiele.

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    Es war ein Wilmersdorf-Pariser Werktagsausklang und ein feuchtfröhlicher Wochenendauftakt.

    Unten Idylle, oben Screaming Party

    In ihren Mehrchorwochen war Madame wieder Chor, der am Ex-See probt. Und wieder war der Gartenfuchs anwesend, der später von den Gartenkaninchen abgelöst wurden. Zwischendurch spielten kleine Jungs im Garten Fußball und schauten dann dem Chor zu. Die manchmalige Dörflichkeit von Wilmersdorf erstaunt uns weiterhin.

    Jedes mit Absperrband umwickelte und an einen Poller gebundene Auto hat eine Geschichte. Manchmal ist Wilmersdorf auch städtisch.

    Wie ich zwei Kilo Mehl und eine Packung Klopapier durch Wilmersdorf trug

    Das Schöne an einem Umzug ist. Auch nach einem halben Jahr muss ich nach dem Vollkornroggenmehleinkauf nur einmal nicht die Diretissima nehmen, sondern nach links abbiegen und entdecken komplett neue Gegenden.

    Meine Güte. Welch schwäbisch-wohlhabende Idylle haben wir in der Nachbarschaft. Die drei Straßenzüge um die Gasteiner Straße, die Sigmaringer Straße und den Leon-Jessel-Platz sind offenbar einem Katalog für gediegenes Großstadtleben entstiegen. Das ist weder Wilmersdorf als Dorf noch Wilmersdorf als Berlin-Innenstadt, das ist Wilmersdorf als wohlhabender Randbereich einer kleineren Großstadt.

    Altbauten, Kopfsteinpflaster, viel Grün, eine niedliche Straßenmöblierung, einige wenige einladend wirkende Restaurants, die gut eingesessen und dennoch erreichbar-edel wirken. Irgendwie war es passend, dass dort auch die Hobby- und Kleintierzüchter Verlagsgesellschaft wohnt. Und das um die Ecke.

    Über mir formierten sich Mauersegler zu ihren ersten Screaming Parties des Sommers. An den Bäumen wiesen Absperrbänder auf zahlreichen Eichenprozessionsspinner hin. Denn wo ein alter Eichenbestand, da Eichenprozessionsspinner.. Irgendwas ist halt immer.

    In der Mitte des Komplexes das Goethe-Gymnasium. Laut Wikipedia ein traditionsreiches altsprachliches humanistisches Gymnasium, das Schüler*innen „von der Sexta bis zur Prima“ betreut. Und – ich weiß nicht ob ich das je in Berlin sah – Gebäude, Hof und Umfeld sahen Immaculate aus, wie der Neusprachler sagen würde.

    Ich lese das weitere Schulportrait auf Wikipedia und mein jungendliches ich ist neidisch: Da wäre ich gerne zur Schule gegangen.

    La double Blandine

    Ich sah einen Spielfilm, der etwa eine Minuten lang im Technikkeller eines Schwimmbads spielte. Und schon allein damit sollte klar sein, dass jetzt eine Lobpreisung folgt.

    Zum Glück verdienen die restlichen 77 Minuten des Films diese auch. Denn je länger ich Le Rendez-vous de l’été / Sommer in Paris1 sacken lasse, desto lieber mag ich den Film. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr ergibt der Vergleich mit Jacque Tati’s Playtime Sinn.

    Das Rendez-vous mit dem Sommer ist keine klassische Komödie – der Film ist glaube ich gänzlich pointenfrei. Aber wie die immer leicht alienhafte Blandine mit ihrem großen bunten Rücksack und dem Umhängehandy (gespielt von Blandine Medec) durch Paris stolpert gibt sie allein durch ihre Anwesenheit der Stadt die Gelegenheit ihren ganzen Wahnsinn bloßzulegen.

    Die Handlung folgt Blandine, die aus Bayeux nach Paris reist, um einige Schwimmwettbewerbe während der Olympischen Spiele 2024 zu sehen. Daran scheitert sie. Sie trifft ihre seit Jahren entfremdete Halbschwester Julie, toughe Pariserin, die aber so sehr mit der Auseinandersetzung mit ihrem Ex beschäftigt ist, dass sie Blandine nur am Rande wahrnimmt.

    Ihren 30. Geburtstag „feiert“ Blandine indem die Jungendherberge sie vor die Tür setzt, weil sie die Altersgrenze überschritten hat. Blandine irrt immer wieder einsam durch die Stadt, durch die Olympiafeiern, vorbei an den Touri-Attraktionen, aber viel öfter durch die echten Wohnviertel, wo ihre Familie sind. Nur der Elektriker Benjamin, der auch Nachts am Olympia-Schwimmstadion arbeitet, zeigt Interesse an ihr, gibt ihr das Gefühl nicht allein durch die Gegend zu irren.

    Dabei ist insbesondere Blandine gespielt von Blandine beeindruckend. Diese schafft es gleichzeitig so verloren und verworfen in der Welt zu wirken wie alle in dieser sich fühlen und nur selten so aussehen. Sie strahlt eine herzliche Freundlichkeit weit jenseits der Grenze zur Naivität aus, und vermittelz doch auch gleichzeitig den Eindruck, als wäre mehr Lebensweisheit in ihr als im ganzen Paris um sie herum.

    Zum Abschluss spielt sie auf dem Bahnhofsklavier am Gare du Nord, steigt in den Zug nach Bayeux und sitzt in der Abschlusseinstellung am Omaha Beach mit Blick auf den Ärmelkanal.

    Mauersegler zu Staren

    Nach dem Kino der Garten. Eine Nachtfahrt auf die Latifundien. Am Morgen ein Anblick, der meine Formulierungsfähigkeiten übersteigt. So spektakulär war er noch nie. Anscheinend waren Frost und Regen dieses Jahr genau richtig.

    Ich möchte meine Arme ausbreiten und darin herumrollen, über mir Hummeln, Falter, Bienen, Solitärwespen, Fliegen und kleine Starenschwärme.

    Tatsächlich aber mähte ich die Wege nach. Wir trafen Spargelkönigin und Lebkuchenprinz beim Einkauf von Spargel und Nudossi. Wir fuhren nach Wochend-West zur Doppelgeburtstagsfeier mit Regen vor dem Fenster, Kuchen, Aristocats, Regen vor dem Fenster und Familienupdates.

    Dann zu den Latifundien. Ich öffnete die Autotür und sagte spontan „Was für ein Geruch!“

    Hach.

    Links

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    Ein Mann kommt von der Naturweide hinter mir mit einer großen Plane. Er zieht sie hinter sich her und transportiert Zeugs: Erde, Wurzeln und sicher auch tausend Jahre alte Artefakte.

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    Oh, Zeiten: „Die Schülerschaft wirkte dieses Jahr etwas irritiert und unsicher auf mich. Die häufigste Frage meiner Schützlinge war “Welches Spezialthema würden Sie mir empfehlen?” Und zwar fast durchgängig. Dass man sich mit 19 Jahren nicht selbständig zu einer Entscheidung durchringen kann, war mir völlig neu.“ und noch ein Abitursrückblick.

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    „Ois is Blues“ hat der Willy Michl mal gesungen, das seh ich auch so.

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    Christine im italienischen Hinterland und ich bin von den Anblicken begeistert.

    Anmerkungen

    ~ Wenn die deutsch-englische Hybridsprache Denglisch ist, ist die Überschrift dann Dranzösisch?

    ~ Haushaltszugang: Je ein Zahlenschloss in blau und grün für Schwimmbadspind und ähnliches. Der Code ist vierstellig.

    1. Yorck Unlimited No. 33 – 7,21€ pro Besuch. ↩︎
  • 24-12-07 Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten

    24-12-07 Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten

    DM am Südkreuz nahm eine Batterie SB-Kassen in Betrieb.

    Das Klavier vor jenem DM floriert weiter. Langsam stehen Leute daneben und filmen mit. Ich hatte den Eindruck es gab sogar eine Schlange potenziell Spielender.

    Falls die Bauarbeiter vom Dachboden noch vor Weihnachten ein fertiges Dach produzieren wollen, wäre es langsam Zeit für die Errichtung des Dachstuhls. Immerhin ließ sich aus unserer Wohnung ein neues Brett am Rand des Dachboden-Bodens erkennen. Es soll offenbar eine Auffang- oder Stützfunktion haben.

    Die Sonne geht heute um 15:52 unter. Wie auch gestern und vorgestern und wie die nächsten zehn Tage. Danach wird es besser. Wir haben Peak Sonnenuntergang bereits erreicht.

    Meine Erfolgssträhne mit der Ordnungsamt-App geht weiter. Diesmal musste ich nur daran denken, die Big Bags mit Bauschutt, die seit Wochen nahe der Bushaltestelle stehen, dort zu melden – schon waren sie am nächsten Tag verschwunden.

    Offenbar haben die Berliner Medien zu oft über Gefahrbremsungen der Busse berichtet. An ebenjener Haltestelle stieg ein Mensch mit aufgesetztem Helm und Signalweste zu.

    Da schaut man mal eine Woche lang nicht genau hin, und ein ganzer Staat kollabiert. Es bleibt den Syrer*innen zu wünschen, dass sie die Bürgerkriegs-Warlord-Phase überspringen und danach eher im Modell Türkei als im Modell Afghanistan landen.

    Der Termin am Nikolaus war Zufall: Aber der zweite Teil Ticketsystem-API-Schulung fühlte sich an wie ein Geschenk. Ein ganzes Universum an Möglichkeiten öffnete sich. Ich habe so viele lustige Ideen, was mensch mit diesem Ticketsystem so anstellen kann. Nur blinken, flackern und überraschende Farbwechsel werden wohl nicht funktionieren.

    Mein Plan: das Fernuni-Modul Informationsmanagement dieses Wochenende abschließen und dann bis in den März hinein ignorieren harrt noch der Umsetzung. Nachdem die ersten Studienbriefe sich wirklich sehr schleppten, geht es jetzt in raschem Tempo voran.

    Offenbar hat der schreibende Informationsmanagement-Lehrstuhl den Punkt erreicht, wo er nicht mehr das Material seiner Vorgängerin überarbeiten musste (der alte Kurs der vorherigen Lehrstuhlinhaberin war berüchtigt) und ist jetzt bei seinen eigenen Themen angekommen: IT-Out und-Insourcing, Sinn- oder Unsinn von Cloudlösungen und Service Management (ITIL). Es ist richtig gut, es ist verständlich geschrieben und erreicht ungeahnte inhaltliche Tiefe. Ich stelle fest, wie sich im Hinterkopf bei mir der Gedanke „Vielleicht-was-für-eine-Abschlussarbeit“ bildet.

    Positiver Nebeneffekt der Glasfaser-Einrichtung: Die ganze Infrastruktur-Ecke der Wohnung sieht ordentlich aus wie seit Jahren nicht mehr.

    Weil das mit dem Glasfaser-Anschluss so gut funktionierte, und ich nach Weihnachtsgeschenken gedrängt werde, rechechierte ich ein wenig nach Technik-Spielzeug. Tja nun, das Fundstück sprengt jeden Preisrahmen.

    Läuft

    Wir sind beide sehr überrascht. Die Glasfaser läuft, dieser Blogpost erscheint über Glasfaser.

    Doppelt überrascht: Als wir Ende September den Anschluss beaufragten wurde uns der Februar 2025 als Termin genannt. Jetzt haben wir Dezember – und hätten wir mehr Tempo gemacht, hätte das alles vermutlich schon MItte November funktioniert.

    Vor allem aber: Es war komplikationsfrei. Alle vier Schritte (Umstellung DSL-Anschluss auf anderen Anbieter, Austausch Router, Bau-einer-Wohnungs-Glasfaserdose-und-Verlegung-der-Lichtwellenleiter-in-die-Wohnung sowie Aktivierung Glasfaser) verliefen überraschend schmerzlos.

    Leichtes haken drohte nur beim LWL-in-Wohnung-Teil – was eher an der schwierigen Situation im Haus und mit der Hausverwaltung liegt.

    Sonnabend die letzte Etappe: Glasfaser live schalten. Größtes Problem: Die Wandhalterung für das Modem an der Wand befestigen, die an dieser Stelle aus bröseligem Gips besteht.

    Kleinere Schwierigkeit: den Router (Fritzbox 7590, gekauft, nicht gemietet) mit der Leitung verbinden. Bis ich herausgefunden hatte, dass es in der Fritzbox-Oberfläche einen einfachen Assistenten gibt, bei dem ich nur „jetzt bitte Glasfaser“ clicken muss, hatten wir doch einige Zeit mit DuckDuckGo1, diversen Hilfeseiten und der komplett nutzlosen Magenta-App verbracht. Nachdem Madame mich auf den richtigen Weg zum Knopf gebracht hatte: ein Traum.

    Manchmal fühlt diese Gegenwart gewordenen Zukunft sich doch auch nach erstrebtem Fortschritt an.

    Chile – una geografia loca

    Beständigkeit hingegen ist das Wesenselement der Eckneipe Resonanz. Die Pace-Fahne an der Wand stammt vermutlich von den Anti-Irak-Kriegsdemos der frühen 2000er. Das Chile – una geografia loca – Poster sieht nach den Achtzigern aus. Und der handgeschriebene Spruch „Wenn die Nacht am tiefsten, ist der Tag am nächsten2 stammt vermutlich entweder aus den aktiven Jahren von Ton, Steine, Scherben oder aus den Gründungszeiten der Resonanz.

    Das Personal ist dasselbe wie immer, die Musik bleibt sich treu. Die einzige Änderung der Karte seit 2008 ist neben den gestiegenen Preisen der Hinweis auf Lesebrillen, die verliehen werden. Einzig die Ent-Raucherkneipung samt Raucheraquarium im Nebenraum sorgte für einschneidende Veränderungen.

    Das Publikum hat sich in den letzten Jahren deutlich verjüngt. Aber auch weiterhin kommen sie zum Klönen, Kartenspielen, Brettspiel-Spielen, Tatort schauen, Flirten oder einfach allein herumsitzen. Die Resonanz, ein Ort der Konstanz im Berliner Hamsterradwahnsinn.

    Ein schöner Ort für ein Projekt, dass sich Langlebenkeit und Verlässlichlkeit auf die Fahnen geschrieben hat: die Wikipedia. Über viele Jahre fand dort der Wikipedia-Stammtisch statt. Dann machte die ganze Berliner Community in Projekten und Arbeitstreffen und alles wurde irgendwie verkrampfter und anstrengender.

    Und seit einiger Zeit veranstaltet Poupou l’quourouce wieder Stammtische in der Resonanz. Wir waren zu sechst, fünf WP-Veteran*innen aus den frühen 2000ern und ein kompletter Newbie, der mit seinem starken Enthusiasmus und voller Energie auf die starre Wikipedia traf – und nun nach Hilfe dabei sucht sich aus den entstehenden Kalamitäten wieder herauszumanövrieren.

    Wir sprachen über alte Zeiten (natürlich), den aktuellen Wikipedia-Klatsch&Tratsch, wissenschaftliche Redlichkeit und das „P-Wort“, Gendern in wissenschaftlichen Veröffentlichungen (so selbstverständlich, dass es bei der Generation U60 nicht mal mehr Thema ist), PAKs in Parkett (Fazit: lieber Gebäude verschenken als das Zeug entsorgen müssen); große Augen am Tisch als WiseWoman beiläufig den Satz fielen ließ „Ich habe mal einen Artikel in Nature veröffentlicht“.

    Sofern etwas zu verstehen war (die Resonanz machte an diesem Abend ihrem Namen alle Ehren) ist jeder der Abende ein wilder Ritt durch die seltsamsten Themen. Und genau deshalb so schön.

    Es ist kurz nach Acht. Aber bei einem Wikipedia-Treffen kann man nie sicher sein, dass die Uhren der Anwesenden auf ME(S)Z eingestellt sind.

    Salzpfad- Zeitstrahl – Pressspann

    Beim Schreiben gefunden, im New York Magazine Berlins, dem Tip, ein Führer durch Kneipen in Schöneberg: Neuer Kult um alteingesessene Eckkneipen (bei dem Teil den ich kenne, kann ich alles bestätigen (Zudem klärt der Artikel eine Frage, die wir uns vor kurzem stellten: Willi Mangler ist eine Nichtraucherkneipe mit Raucherraum. Keine Raucherkneipe. Wir müssen endlich mal hin)).

    Herr Rau sucht eine Dramenaufbau-Zeitstrahl-Software

    Poupou kauft keine Pressspannplatten.

    Thomas Gigold über den Salzpfad. Ist fürs Kinoprogramm vorgemerkt

    Fußnoten

    1. Ursprünglich stand dort Google. Ich stelle überrrascht fest: Es war einfach die Standard-Suchmaschine zu ändern (seit vielleicht zwei Jahren schon) als den eigenen Sprachgebrauch. ↩︎
    2. Spontangedanke. Vielleicht pilgere ich einfach mal an Rios Grab vorbei heute. ↩︎