Schlagwort: Babylon Kreuzberg

  • 26-06-04 Pool’s out for summer

    26-06-04 Pool’s out for summer

    Der Parkplatzjasmin blüht. Duftwolken ziehen bis an diesen Schreibtisch.

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    In der Bahn eine junge Frau, die erst ausgiebig Dehnübungen im Sitz machte und sich danach so schief in diesen hineinfläzte, dass ich allein beim Zusehen Rückenschmerzen bekam.

    *

    MMB sprach über eine gemeinsame Bekannte als „die, die immer aggressiv-pastell bekleidet ist“. Das ist eine Aussage mit innerem Widerspruch, und dennoch wusste ich sofort, wer gemeint ist, und musste zustimmen.

    *

    Madame chorierte vertretungsweise unter einem hauptberuflichen Grundschullehrer als Chorleiter und war mehr als begeistert ob seiner Präsenz und seines methodisches Repertoires. Mehr Grundschullehrer*innen in Führungspositionen!

    *

    Es waren vier Arbeitstage zwischen SERVQUAL, Sternwarte und dem cinealen Versuch, ein Mensch zu bleiben.

    Entscheidungen

    Die Sonne scheint. Die Vögel singen. Das Freibad lockt. Zeit, sich wieder der Fernuni zuzuwenden.

    Unterhaltung / Arousal

    Kunden beobachten andere Kunden auch, weil dies einen gewissen Unterhaltungswert hat. Viele Kunden begeben sich gerne unter andere Menschen und schauen sich das Geschehen in der Öffentlichkeit um sich herum an (Tombs und McColl-Kennedy 2010).

    Das Fernuni-Modul Dienstleistungsmanagement ist mir ein steter Quell der Freude. In seiner inhaltlichen Alltagsnähe, in einer Sprache, die zwischen akademischer Distanz und Business-Bullshit-Bingo schwankt wirkt es mehr als einmal wie die Loriot-Version seiner selbst.

    So zum Beispiel mit der Erkenntnis:

    So zeigen Kaminakis et al. (2019), dass sich die Gestaltung der Dienstleistungsumgebung – im Kontext der Studie ein Restaurant – stärker auf die Erregung (arousal) und die Lust (pleasure) des Kundenkontaktpersonals als auf die Erregung und das Vergnügen des Kunden auswirkt.

    Manchmal denke ich aber auch „Aha“!

    Als ich letztens an der Shell-Tankstelle vorbeilief und an den gescheiterten Versuch dachte als Shell, wieder Tankwarte als Premium-Unterscheidungsmerkmal einzuführen versuchte, da erinnerte ich mich an verwirrte Kund*innen, die nicht recht wussten wie sie mit den Tankwarten umgehen sollten. Dank des Moduls kann ich jetzt denken „Service-Skript“: Jede Dienstleistung erfordert Interaktion und die Kund*in muss jederzeit das Gefühl haben, zu wissen was von ihr gerade erwartet wird. Sonst fühlt sie sich nicht wohl und die Dienstleistung scheitert.

    Bei neuen Dienstleistungen oder Abläufen, die seit Jahrzehnten nicht mehr vorkamen, muss die Anbieterin den Kund*innen beibringen, was diese tun sollen. (Siehe auch: IKEA-Anfänge in Deutschland, McDonalds-Anfänge in Deutschland).

    Programmierung oder Algorithmen?

    Entscheidender als einzelne Inhalte im Fernuni-Kontext bleibt aber das große Ganze und der Ablauf: Der 1. Juni ist an der Fernuni der Tag des kleinen Übergangs. Am 1. Juni öffnet die Rückmeldefrist für das nächste Semester und es öffnet der Zeitraum der Klausuranmeldungen. Langsam sollte ich mich entscheiden, was ich dieses Semester schreiben und daraus folgend, was ich nächstes Semester belegen werden.

    Bisher lernte ich für

    • Dienstleistungsmanagement
    • Einführung in die Imperative Programmierung

    Die Module gibt es nicht geschenkt. Aber sie sind inhaltlich tief in meinem Wohlfühlbereich angesiedelt. Der Lernaufwand scheint mir überschaubar.

    Angedacht hatte ich

    • Datenstrukturen und Algorithmen (D&A)

    This is a whole kind of different beast. Das Modul hatte ich im letzten Semester schon mal begonnen, weil es doppelt einzahlt – auf den Master Wirtschaftsinformatik wie auch auf den möglichen Bachelor Informatik. Aber dann hatte ich schnell wieder aufgehört, weil es gar nicht einverträglich war mit dem letztsemestrigen plan: „Study, relax & chill“. So gar nicht.

    Die Klausur D&A würde bedeuten, dass ich jetzt wirklich intensiv und unter Vernachlässigung diversen anderen Lebens mit Lernen beginnen müsste und dies bis zur Klausur Mitte August durchziehen. Bei Bestehen wäre ein großer Brocken aus dem Weg geräumt.

    Dann erinnerte ich mich des Jahresmottos „Einatmen – Ausatmen“, dachte „Bist du verrückt? Es ist Freibadsaison!“ und verschob das Modul.

    Dieses Semester bleibt es bei Dienstleistungsmanagement und Imperativer Programmierung. Überraschend auftretende Anfälle von Ehrgeiz kanalisiere ich auf die Noten in den beiden Modulen – oder ich lerne schon mal für die Datenstrukturen im Wintersemester vor. Dort findet back to normal mit Datenstrukturen & Algorithmen und Objektorientierte Programmierung und Socio-Technical Information Systems Design statt.

    Well, we got no choice / All the girls and boys / Makin′ all that noise

    Innen out

    Wir verschlafen ungefähr einmal im Jahr. Das schafften wir Mittwoch. Vermutlich hat die Mischung aus schwül-am-Abend – deshalb schlechtes Einschlafkarma – plus Nachtregen – deshalb Tiefenentspannung am frühen Morgen – dazu geführt, dass ich sämtliche Wecker glücklich überhörte. Madame testete, wie schnell sie bei strömenden Regen in der Hafenstadt sein kann.

    Ich hatte mehr Glück, mein erster Termin lag später und fand in der hauseigenen Schwimmhalle statt.

    Diese war ruhig. Denn bis auf das Schulschwimmen ist der Hallenbadbetrieb eingestellt. Wir sind Schwimm-Heimatlos, müssen wieder das Grundstück verlassen, um Schwimmen zu gehen. Sofort habe ich einen Alice-Cooper-Hit im Ohr:

    Pool’s out for summer / Pool’s out forever / Pool’s been blown to pieces.

    Ich hoffe, dass bei Alice Cooper und bei uns die letzten beiden Zeilen literarische Übertreibungen aus emotionalem Überschwang heraus sind.

    Außen out

    Wenn der Pool out ist, ist das ein Grund mehr zum Steglitzer Sommerwohnzimmer zu pilgern. Auf zum Insulanerbad.

    Aber auch dieser Ausflug teilte das Schicksal unserer letzten Exkursionsversuche (siehe Nymphensee überfüllt – und Fahrradtour mit kaputtem Sattel), er scheiterte. „Wegen Team/Fortbildungstag geschlossen“ Und das mir!

    So nutzte ich die Gelegenheit, das erste Mal seit 15 Jahren nicht das Insulanerbad sondern den Insulanerberg zu erklimmen. Ich entdeckte die geheime Liegewiese außerhalb des Freibads (Luftbad!), ich sah Wege, so dicht bewachsen, dass diese auch im schlimmsten Hochsommer noch im Schatten liegen werden. Ich entdeckte die Andeckenplaketten an Insulaner (Trümmerhügel) und Insulaner (Radio-Kabarett). Ich wiederentdeckte die Sternwarte und warf den ein oder anderen Blick auf das am Fuß des Trümmerhügels liegende verlassen wirkende Schwimmbad.

    Bahnhofsgeschichten

    Berechenbarer als das Insulanerbad bleibt der Bahnhof Südkreuz.

    Für die Zukunft

    Die Rolltreppen dort zum Beispiel bleiben unbewegt. Paul’s Bauzaun Service verwandelte die bisherigen Absperrungen in eine größere Ansammlung von Bauzäunen, auf denen Rolltreppen „für die Zukunft“ angekündigt werden. Das sagte mir, dass DB InfraGO die Rolltreppe „für die Gegenwart“ aufgegeben hat.

    Tatsächlich bestätigte mich der Tagesspiegel-Checkpoint mit einem Text zur Südkreuz-Rolltreppensituation: „Zwei weitere [Rolltreppen] im Eingangsbereich machen größere Probleme. Sie müssen altersbedingt komplett erneuert werden. Die Bauarbeiten beginnen in dieser Woche und werden „einige Monate“ dauern. „

    Im selben Checkpoint wurde immerhin ein weiteres Rätsel gelöst. Denn die Personen, die ich als Kofferträger identifizierte, sah ich nun in vielen Monaten noch nie einen Koffer tragen. Meistens lehnen sie an der Treppe, despektierlich könnte ich schreiben, sie lungern herum, vielleicht sind es gar keine Kofferträger, sondern professionelle Lungerer.

    Auch hier gab der Checkpoint Auskunft: „Achtung, neue Berlin-Vokabel: Während der Bauarbeiten sind „Reisendenlenker“ im Einsatz, „um Fahrgäste zu unterstützen“. Heißt konkret, auch mal Kinderwagen und Koffer die Treppe hochzuwuchten.

    Ich las erst „Reisendenker“. Und vielleicht wäre das etwas: Einfach Menschen an den Bahnhof stellen, die über das Reisen nachdenken. Aber vielleicht machen sie das auch schon die ganze Zeit, und kommen deshalb nicht zum Kinderwagentragen.

    Für die Orientierung

    Vor dem Südkreuz taucht ein neuer Wander-Wegweiser mit Bär mit Wanderstab auf: Grüne Hauptwege. Das ist einerseits komplett absurd, denn der Südkreuz-Vorplatz ist ein Ort für den das Wort „unwirtlich“ in den Duden aufgenommen wurde und der sich besser für „Graue Nebenplätze“ als für „Grüne Hauptwege“ qualifiziert.

    Andererseits ist das Schild damit notwendig: Denn wohl jede*r Wander*in auf einem Grünen Hauptweg braucht hier umfangreiche Bestätigung, sich auch wirklich, wirklich nicht verlaufen zu haben.

    Saving Mima Kirigoe

    Ich hatte mir vorgenommen, nicht mehr als zwei Kinofilme in der Woche zu sehen. Zu sehr verschwimmen die Eindrücke sonst, zu sehr geht mir ein Film aus dem Hirn verloren, noch bevor ich auch nur ansatzweise verstanden habe, was ich erlebte.

    Diese Woche werden es drei Kinofilme werden.

    Montag: Saving Private Ryan (Odeon – USA, 1998)1, Mittwoch Perfect Blue (Babylon Kreuzberg – Japan, 1998)2 und Donnerstag American Gigolo (Yorck – USA, 1980).

    Durch die Häufung ergeben sich interessante Effekte. Kurz nacheinander sah ich den Spielberg-Blockbuster Saving Private Ryan und den triggerwarnungs-intensiven Anime Perfect Blue.

    Beide erschienen 1998. Der eine aus der damaligen Gegenwart mit dem Blick in die Vergangenheit, der eine aus der damaligen Gegenwart mit dem Blick in die Zukunft. Eines ein Mainstream-Blockbuster mit den größten Stars des damaligen Kinos, in handwerklicher Brillianz, die uns von der ersten bis zur letzten Sekunde ihrer Intensität in die Sitze drückte; eines ein Anime, der aus Kostengründen kein Spielfilm wurde, in Japan für ein Nischenpublikum produziert war, ästhetisch Höhen und Tiefen hat, und ein zweites Leben als Arthouse-Moviegoers-Festival-Film bekam.

    Und doch hatten beide dasselbe zentrale Thema: Wie bleibe ich unter mörderischen Umständen Mensch? Als Englischlehrer-wurde-Soldat im Zweiten Weltkrieg oder als junge Darstellerin in den Abgründen der J-Pop-Girlband-early-Internet-Reality-Menschenverbrauchsmaschine.

    Beide Filme ließen mich nicht unbeeindruckt ziehen. Beide würde ich gerne wieder sehen. Bei beiden bin ich versucht, den ultimativen Wikipedia-Artikel über sie oder einen Roman inspiriert von ihnen zu schreiben.

    Links

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    Via Mastodon: Der Sterbende wünscht sich, dass zu seiner Beerdigung alle mit einer „lustigen Kopfbedeckung“ kommen. Man darf gespannt sein. Und ich habe kein neues Lebensziel, aber ein neues Sterbensziel. Falls ihr plant, mich zu überleben, denkt schon mal über den Hut nach.

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    Ein Traum der Post in jeder Hinsicht: Vier Tage im Hinterland, gleich gefolgt vom Ähnlichen Kleine Wanderung im Hinterland

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    Wer Bloggerinnen treffe möchte, kann sich einfach in die Ausstellung „Neue Frau, Neues Sehen. Die Bauhaus-Fotografinnen“ begeben. Dort waren Juna („Ich trug meine Ambivalenz mit mir herum und konnte sie zunächst nicht fassen.) und die Pressepfarrerin („später, als sich die Eindrücke gesetzt hatten, ließ sie mich seltsam unbefriedigt zurück“) – wie schon mal verlinkt, waren auch poupou („Auf jeden Fall interessant anzusehen, aber nicht mind blowing.“), die kaltmamsell („Aufmerksam gehängte Ausstellung, gut erklärt und vermittelt,“) und readinginsweden („es gefiel mir außerordentlich„) dort.

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    Japan verstehen: Die “sieben Wunder” sind Gruselgeschichten, die sich Schüler seit Generationen erzählen und die allesamt in der Schule stattfinden. Weil sie im gesamten Land bekannt sind, werden sie oft in verschiedenen Medien erwähnt – Unter dem Verständnis, dass alle die Referenz verstehen.

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    Auch ich beuge mich dem Diktat der großen Wasserstoffbombe am Himmel und trage meinen peinlichen Safarihut. Damit sehe ich zwar aus, als woll ich Velociraptoren jagen, aber immerhin weniger bescheuert als der alte zottelige Mann mit dieser Sonnenbrille in Form des Kölner Doms. – ich weiß nicht. Zottelig werden, eine Sonnebrille in Form des Kölner Doms tragen, und dann als Reisendenker in einem Bahnhof lungern – das klingt für mich wie eine erstrebenswerte Zukunftsversion meiner selbst. Und wenn ich sterbe, müssen alle mit einem komischen Hut kommen.

    Anmerkungen

    ~ Neu im Bestand: Ein T-Shirt (agressiv-pastell blau), ein Polo (Bahamas-Bär)

    1. Yorck Unlimited No. 27 – 8,82€ pro Besuch ↩︎
    2. Yorck Unlimited No. 28 – 8,50€ pro Besuch ↩︎

  • 26-04-14 The Chronology of almost no water (Dithmarschen->Berlin)

    26-04-14 The Chronology of almost no water (Dithmarschen->Berlin)

    Ein Mülleimeraufkleber informierte mich, auf welchem Telegram-Kanal ich ein Drogentaxi bestellen kann. MMB lobte mich, weil ich die menschlich-soziale Kommunikation zwischen Dealer*innen und Konsument*innen förderte, indem ich den Aufkleber in den selbigen Mülleimer hinein beförderte.

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    Autobahnfahrtsfrage: Warum drehen sich Windräder im Uhrzeigersinn und nicht dagegen?

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    Ich sah das erste Taxi, das groß und offensiv mit dem Ortskenntnisnachweis des Fahrers warb.

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    Ob der Drogentaxifahrer auch einen Ortskenntnisnachweis hat?

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    Madame stellte fest: Menschen fahren entweder nach Freiburg oder von Freiburg. Niemensch fährt durch Freiburg hindurch.

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    Wasser und ich, ein schwieriges Thema in den letzten Tagen. Ich bin nah genug an der Nordsee gewesen um in gemütlicher Ohne-E-Fahrrad-Entfernung vom Deich zu sein – ohne Wasser zu sehen. Dann bin ich im Schwimmbad gewesen; immer noch kein Wasser. Schließlich war ich im Kino, ein Film mit einer Schwimmerin auf dem Plakat; immerhin sah ich dort ein wenig Wasser, Wasser so indirekt wie es nur irgend möglich ist.

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    Es war ein Nordseerückkehrsonntag und ein Alltagsberlinmontag.

    Nordsee Ostberlin

    Auf der A24: Ein knallrotes Mercedes-Coupe mit Berliner Kennzeichen und Bayern-München-Kennzeichenhalter. Spannend. 30 Kilometer später: Ein Familienkombi aus Oberhavel mit Bayern-München-Heckscheibenaufkleber.

    Ich war sicher: Einer ist Zufall, zwei sind ein Muster. Ein kurzes duckduckgoen ergab: Bayern hatte wirklich am Vortag in Sankt Pauli gespielt. Das Muster war nicht gefühlt, es war echt.

    Neben den WoMos und den Booten und den Auto-Anhänger-Ziehern war dies die vierte Großreisegruppe des beginnenden Frühjahrs: Fußballfans in der Hoffnung auf Auswärtsspiele bei erträglichem Wetter.

    Wir absolvierten die letzte Etappe des Doppelhelixostertrips. An dessen Abschluss war wieder alles, wie vor 11 Tagen auf der Ausgangsposition. Nur waren alle um Erlebtes reicher. Madame reiste gleich weiter nach Süden1, ich nach Südkreuz und von dort ins Sportforum Hohenschönhausen.

    Sportforum Hohenschönhausen - Wellblechpalast in graublau davor die Rollerbahn in graublau
    Skaterbahn und Beachvolleyballanlage im Sportforum

    Schon von Außen zu erkennen: Ein 10-Meter-Turm passt hinein

    Es sind Arbeitszeiten der Exkursionen. Nach dem Fast-Nordseewasser-Anblick am Sonntag bot sich Montag die Chance auf gechlortes Beckenwasser. Ich war zweieinhalb Stunden mit Tram und kollabierender S-Bahn unterwegs, um zwei Stunden in einem Schwimmbad zu verbringen. Aber ich sah wieder kein Wasser. Wieder kam ich über den Konfi nicht hinaus.

    Immerhin konnte ich eine persönliche Sammlungslücke schließen. Das Schwimmbad im Sportforum Hohenschönhausen war eines der sehr wenigen Bäder Berlins, das ich noch nicht besuchte. Mit seinem Baujahr von 1954 und seiner sehr einzigartigen Nutzungsgeschichte ist es eines der spannenderen Berliner Bäder.

    Aber eben diese Nutzung verwehrt meinen Besuch. Denn das Bad ist primär für den Olympiastützpunkt und den Hochleistungssport bestimmt. Und ich bin weder hochleistung noch Sport. Ich bin „southpark erzählt Digitalisierungs-Döntjes.“

    Deshalb lande ich im Konfi und nicht im Wasser.

    Sportforum Hohenschönhausen. Schräg seitlicher Blick auf die Schwimmhalle und die Plastik davor.

    Das prägende Bild: ein Block, ein Bleistift, in verkrampfter Hand gehalten

    Achtung Triggerwarnung: Sexueller Missbrauch bis zur nächsten Überschrift.

    Zurück im Alltag bedeutet zurück im Babylon Kreuzberg, zurück im After-Work-Kino.2 Schon nach weniger als einer Minute des Films war klar: Hier will jemand3 einen Anspruch. Und kurz darauf war mir auch klar: Dieser Film strebt nach Wahrhaftigkeit; nicht in dem Sinne, dass er die Geschehnisse erzählen möchte wie sie wahren, aber er möchte den Emotionen wahrhaftig sein.

    Oder genauer, Wahrhaftigkeit gegenüner der Emotion. Denn im Wesentlichen geht es um die eine: Schmerz. Mal ist er offen und brutal, mal pocht er im Hintergrund. Mal versucht die Protagonisten ihn zu betäuben, dann ihn ruhig zu stellen, zu besänftigen, erliegt ihm, versucht ihn mit anderem Schmerz zu übertönen. Zwei Stunden Schmerz; nicht schön, aber denkwürdig.

    Der Film The Chronology of Water4 von Kristen Stewart orientiert sich am gleichnamigen Buch von Lidia Yuknavitch. Yuknavitch schildert in dem autobiographischen Buch den sexuellen und anderen Missbrauch, vor allem wie sie ihr Erwachsenenleben damit verbrachte, mit diesem Schmerz umzugehen.

    Der Film „funktioniert“ wie Erinnerung: Fragmentarisch, zersplittert, in Sprüngen, nie ganz sicher, was wirklich passiert ist und was eingebildet ist. Grob werden die Fragmente in mehrere Kapitel geteilt: Beginnend mit dem Wechsel der damaligen Leistungsschwimmern Yuknavitch (gespielt von Imogen Poots) aus dem Elternhaus heraus ans College, den ihr Vater mit Gewalt und Manipulation zu hintertreiben versucht, die frühen Collegejahre voller Sex, Drugs and Vodka, Beziehungsversuche, Schreiben als Rettung, eine Totgeburt und noch mehr Sex and Vodka und noch mehr Schreiben.

    In jedem Kapitel, die sich chronologisch immer mehr vom Missbrauch entfernen, wird es weniger zersplittert, weniger fragmentarisch; die Wunden liegen nicht mehr ganz so offen, reißen aber in Wellen wieder auf.

    Ein Film über den Versuch, sich selbst wieder zusammenzusetzen, mit den unvollkommenen hilflosen Mitteln, die uns Menschen zur Verfügung stehen.

    Wo ist der zielgenaue Blitz vom Himmel, wenn man ihn mal braucht?

    Das Trumpjesus-KI-Bild
    Ein Bild für die Geschichtsbücher

    Smart Wagon Wheel in Reinfeld

    Ostern in Tartu.

    Reihenhäuser in Reinfeld in Stormarn.

    Warum es mir zum Beispiel freitags nochmal besonders leicht fällt, auf Mails, die ich – weil sie nerven – länger liegen gelassen habe, zu reagieren. Ich glaube, das liegt daran, dass meine Ansprüche sinken.

    Zwei Texte über das Smart Home. Ich staune. Bei Text 1 musste ich fast lachen als ich die Beschwerde über „unnötige Fietschers“ las. Für mich ist wirklich alles was im Text vorkommt, Fietscheritis bei der viel Aufwand darin gesteckt wird, umständlicher zu leben als vorher. Spätestens, wenn Haustechnik mich zwingen würde, meinen Gästen Weisungen zu schreiben, wie sie sich korrekt zu verhalten haben, wäre der ganze Aufbau schneller entfernt gewesen, als mensch „Recyclinghof“ sagen kann.

    Bei Text 2 denke ich auch: NICHTS davon möchte ich davon in meiner Wohnung haben. Aber ein System das mitdenkt, das if-then beherrscht und bei dem die Schalter noch funktionieren: Das finde ich grundsätzlich spannend und das würde ich in einem professionellen Kontext wirklich gerne bauen.

    Ich hatte ja keine Idee: aber einen [Bob-Dylan]-Song, der finanziell bestimmt mit an der spitze plaziert sein dürfte und der in einem musik-genre, das man nicht unbedingt mit bob dylan in verbindung bringt, kult-status hat und dort zu den evergreens des jahrhundert gehört, hatte ich noch nie gehört.

    Anmerkungen

    1. ICE795 nach Karlsruhe, danach mit Deutschlandticket und Regionalexpress über Freiburg hinaus. ↩︎
    2. Yorck Unlimited No. 19 – damit 12,53€ pro Besuch. Das ist ziemlich genau der Abendkassenpreis für ein Ticket bei den B-Kinos und der Online-Preis bei den A-Kinos- ↩︎
    3. Kristen Stewart, weltbekannt durch Twillight – Biss zum Morgengrauen. ↩︎
    4. Seriously Wikipedia? The Chronology ist ein „romantisches“ Filmdrama? ↩︎
  • 26-01-10 LAN String

    26-01-10 LAN String

    Ein Mann in der U-Bahn spielte 2048 und ich wurde fast nostalgisch.

    Vor dem Haus: eine ältere Schwester, die ihren jüngeren Bruder auf dem Schlitten vorbeizieht.

    Der Fuchs kam auch, ließ sich Zeit wie selten und stellte sich für einen Passanten in Fotopose.

    Der Labeldrucker kam mit der Post. Ich beherrschte mich vorbildlich, nicht Schilder auf alles zu kleben, was im Wege stand.

    Ich stellte fest, dass die Arte Mediathek umfangreiche Mitschnitte des Bardentreffens Nürnberg 2025 enthält, und höre jetzt spannendend Funk von Nik West. (Bei arte)

    Vielleicht braucht der Rechner doch eine Soundbar? Bei Funk music wirkt das, was aus dem Rechner kommt, arg ärmlich.

    Es waren Freitag und Samstag umgeben von Eis und Schnee.

    Der Geruch beim Öffnen des Kühlschranks ließ es angeraten erscheinen, das gemüsliche Kimchi schnell zu verbrauchen. Da wir beide nicht so richtig Lust zum Kochen hatten, erinnerten wir uns an die Teelicht-Raclette-Öfchen und den Käseimport aus Basel. Es gab zweierlei Kimchi (geruchlicher aber geschmacklich harmloser von der Gemüslichkeit, plus scharfes Kimchi aus dem ukrainischen Edelsupermarkt) mit Raclettekäse. Zu unserer Überraschung war es richtig, richtig gut. Jederzeit wieder.

    Noch 10 Kartons

    Im zweiten Versuch fand sogar Hermes die Wohnng.

    Feudel und Deckel des Brotbacktopfes tauchten auf. Madame bäckt ihr erstes echtes Brot in der neuen Wohnung. Wie sie sagt: Ein Sauerteig-Wiederbelebungsbrot.

    Das LAN läuft. Die Netzwerkdosen haben Netzwerk. Ich hätte halt nur ein Kabel zum Testen verwenden sollen, das nicht selbst kaputt ist.. Trotz Zwangsdowngrade von Glasfaser (alte Wohnung) auf schnelles DSL -> so schnelles Netz hatte der Rechner noch nie. Wow.

    Vor lauter Begeisterung schaute ich mir auch mal näher die ganzen Einstellmöglichkeiten der Fritzbox an, und jetzt kriegen wir E-Mails wenn jemand auf den Anrufbeantworter vom Festnetztelefon spricht.

    Auch an anderen Stellen der Wohnung geht es voran.

    Das Denkmalamt wäre stolz auf uns. An die Klavierzimmerwand unsere Mid-Century Baudenkmals schraubten wir ein Mid-Century-Bücherregal. Manchmal treffen die Zufälle lustig zusammen.

    Unsere Einrichtung besteht zum Großteil aus IKEA oder geerbt; geerbt heißt bei uns meistens eine Entstehungszeit zwischen 1900 bis 1965. Der Nachbau Das durch String inspirierte Regal hat anscheinend eine lustige Geschichte: denn heute bei näherer Betrachtung scheinen es einst zwei Regale gewesen zu sein, die durch einen Heimwerker in eines verwandelt wurden.

    Und egal, auf jeden Fall hängt es: Blaue Bücher hängen über dem blauen Sofa und wir sind bei zehn verbliebenen Umzugskartons.

    Auch mal testen: Würgeengel Cocktailbar

    Siebzehn Jahre in Berlin. Und ich glaube, ich war noch nie am Kotti. Natürlich habe ich den Platz Kottbusser Tor diverse mal mit Bahn, Fahrrad oder Auto überquert. Aber wirklich dort? War ich nie. Der Platz, der für Berliner fast so herausfordernd klingt wie Rollbergkiez oder Sonnenallee, da wo die Westberliner Stadtplanung mitten in Kreuzberg Altbauten durch eine Großwohnsiedlung ersetzte, wo linkes Szene-Kreuzberg auf türkisch-arabische Community trifft; und ich war noch nie da!

    Ein Fehler. Natürlich. So ein Ort an dem ich ausstieg und dachte „das fühlt sich richtig an.“

    Entdeckung: Midye Dolme. Ein Imbiss pries Miesmuscheln in acht Sprachen an. Ein Miesmuschel-Imbiss? Was ist das? Etwas Recherche brachte mir die Erkenntnis über die türkische Spezialität: Midye Dolme – Miesmuscheln gefüllt mit Reis und Muschelfleisch. In Berlin existieren mindestens zwei Imbisse, die sich darauf spezialisiert haben: The Midyeci am Kottbusser Tor (bisher im Internet nur auf Clip Clop und Insta auffindbar) und Midye 47.

    Berlin, du hörst nie auf mich zu überraschen.

    Mein eigentliches Ziel aber war die Dresdner Straße und dort das Kino Babylon Kreuzberg. Nachdem mich die U3 in einer sehr eigene Welt direkt am Kotti geworfen hatte, verließ ich diese wieder. Einmal durch den Durchgang am Neuen Kreuzberger Zentrum gelaufen und schon war ich im Altbau-Szene-Kreuzberg mit Kneipen in denen Antifa-Poster hängen, abgehangenen Edelitalienern und einem eigenwilligen Programmkino mit All-Gender-WCs (um genau zu sein: ein reines Pissoir-WC, eine Sitzklo-WC und ein Sitzklo-WC barrierefrei.

    Passend zum Film. Ich besuchte meinen dritten Yorck-Unlimited Film des Jahres1: Die jüngste Tochter (La petite dernière), Gewinner der Queer Palm beim Cannes Filmfestival 2025.

    Frauen, die ins leere Starren

    Der eigentliche Film – Die jüngste Tochter – war seltsam. Die ganze Zeit dachte ich: Eigentlich sind alle Puzzleteile vorhanden, um einen wirklich großartigen Film zu machen. Aber sie finden nicht zueinander.

    Erzählt wird ein Jahr im Leben von Fatima, dritte Tochter eines algerisch-französischen Familie, die in einem Pariser Banlieu Abitur macht und in Paris beginnt, Philosophie zu studieren. Ist sie zu Beginn des Filmes noch mit einem schnauzbärtigen Nudelkopf zusammen, erforscht sie im Laufe des Jahres ihres lesbische Sexualität.

    Eigentlich hat der Film alles: Eine Ausgangslage die von alleine eine Geschichte erzählt. Tolle Szenen (die Familie am Küchentisch, der Vater auf der Couch und Fatima, die zum Spott und Entsetzen ihrer Schwestern einfach nicht kochen will; Fatimas erstes lesbisches Date via Dating-App). Interessante Schauspieler, ein komplett hinreißendes lesbisches Liebespaar, und ein Setting, das so realistisch und so 2026 wirkt als könnte es direkt wortwörtlich und genau mit diesen Personen in einem Nachbarhaus am Kotti spielen.

    Aber es kommt nicht zusammen.

    Vielleicht passt es nicht, weil die Konflikte sich vor allem in Fatimas Inneren abspielen – verdeutlicht durch sehr viele sehr lange Einstellungen in denen Fatima (gespielt von Nadia Melliti) in die Ferne schaut und die Kamera im Profil ihr fast im Gesicht klebt.

    Vielleicht passt es auch nicht, weil es nie als durchgehende Geschichte gedacht war. Der Film beruht auf dem gleichnamigen autobiographischen Roman vom Fatima Daas; der Roman soll aber viel fragmentarischer und viel verbaler sein als der Film. Eben: gewollte Puzzlestücke.

    Der Film versucht daraus ein großes Ganzes zu machen und das funktioniert nur so halb.

    Hausaufgaben Ultras

    Margrit sah auch Die jüngste Tochter: Jahreswechsel filmografisch

    Hanjo bespricht einen polnischen Comic2 zur Umbruch in Osteuruopa und der klingt spannend: Sylvain Savoia / Marzena Sowa: Marzi 1989.

    Vielleicht tracke ich doch mal Bücher. Aber bei Goodreads bekomme ich immer schon Gänsehaut, wenn ich daran denke. Thomas hat da was: Bücher tracken: Alternativen zu Goodreads

    Noch besser: Nana für zuhause

    Jedes Wort ein Gedicht. Da wird alles zusammen ja wohl auch funktionieren: Gochujang-Tomatensuppe mit Reisnudeln und Tofu

    Manchmal muss man etwas lesen, um sich selbst zu erkennen: An alle Alice-Rohrwacher-Ultras: Arte hat geliefert!

    Herr Rau überfordert mich. Aber das liegt glaube ich zur Zeit an mir. Vom Mausklick zur Maschinensprache (Linux 3)

    Das Fischerspiel zum Thema Allmende-Güter in der anderen 10. ist heute im positiven Sinne gescheitert: Die Klasse hat in den Spielen eins und zwei intuitiv Rücksicht aufeinander genommen und tatsächlich neun Runden geschafft. Erst nach der Auslobung eines Hausaufgaben-Gutscheins für die am Markt erfolgreichste Gruppe war nach Runde drei Schluss. Musste mir dann nur noch schnell eine Hausaufgabe einfallen lassen.

    Anmerkungen

    1. Damit 79,33€ pro Kinobesuch. ↩︎
    2. Oder Graphic Novel für wen Comic zu kindisch klingt. ↩︎