Schlagwort: Cosy-Wasch

  • 26-06-02 Mondtäuschung und Mohntäuschung

    26-06-02 Mondtäuschung und Mohntäuschung

    Madame möchte erwähnt haben, wie großartig der Vorgarten dieses Jahr aussieht.

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    Eine Elster verschwand im Totholzstapel, dort wo letzte Woche die Ente verschwunden war.

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    Auf dem Feldweg: Ein Fahrrad mit Ballondekoration kam uns entgegen. Auf den Straßen um das Grundstück herum: Eine Oldtimerrallye. Selten sah ich so viele Porsches (911, 924, 928) auf einmal, schon lange nicht mehr so viele klassische Volvos und schon gar nicht sechsziger-Jahre Cadillas.

    *

    Auf dem leeren Acker erspähten wir einen Feldhasen. Nachdem er uns erblickt hatte, legte er die Ohren an und verwandelte sich vor unseren Augen in einen Schlammklumpen.

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    Es war ein Latifundienwochenende zwischen Pilzsporen und Brackwespen.

    Nachträge

    Zwei Nachträge zu Posts der letzten Tage.

    Ein kleiner Nachtrag: Raupen und Schmetterlinge

    Die Raupengruppe, die uns im Botanischen Garten vertrieb, gehörte offenbar zum Großen Fuchs. Damit haben wir nicht nur zwei verschiedene Füchse gesehen (den Fuchs-Fuchs und den Raupen-Fuchs) sondern auch ein gefährdetes Tier von der Roten Liste. Im Botanischen Garten herrschen vermutlich bessere Lebensbedingungen als in der üblichen Monokultur-Landwirtschaft auf der Fläche.

    Ein größerer Nachtrag: Psychologie und Wirtschaftsinformatik

    Nachdem mich auf der Fernuni-Alumnifeier die ungefähre 20:1 Ratio von Psycholog*innen zu Wirtschaftsinformatikern erstaunte, wollte ich es doch mal genau wissen, woran es liegt. Mir fielen einige mögliche Gründe ein:

    • Psycholog*innen (P) wohnen in Berlin und kommen dort zum Campus, Wirtschaftsinformatiker*innen (W) irgendwo anders (zB Nürnberg)
    • P gehen eher zu so einer Feier, W bleiben eher zu Hause.
    • P machen eher einen Abschluss, W bleiben im Studium stecken
    • Mehr Menschen studieren P als W.

    Die erste Annahme kann ich mangels Zahlenkenntnis nicht testen und muss davon ausgehen, dass die Absolvent*innen geographisch gleich verteilt sind.

    Der Feier-Bias

    Aber ich kann mit Hilfe der Fernuni-Statistiken sehen, dass P eher zur Feier gehen als W. In Psychologie erlangten 2025 (das relevante Jahr hier) 826 Menschen (614 Bach + 212 Mast) einen Abschluss, in Wirtschaftsinformatik 246 Menschen (98 Bach + 148 Mast). Also kein Verhältnis mehr von 20:1 sondern nur noch von 3,5:1. Oder anders gesagt, die Chance dass ein*e Psycholog*in zur Feier geht, ist fünf – bis sechsmal so hoch, wie ein Winfo.

    Wenn ich dann nicht nach Absolvent*innen gehe, sondern nach Eingeschriebenen, dreht es sich nochmal. Psychologie studierten im letzten Wintersemester 12.920 Menschen (11.351 Bach + 1.569 Mas), Wirtschaftsinformatik 5273 Menschen (3651 Bach + 1622 Mas), also nur noch ein Verhältnis von 1:2,45. Psycholog*innen machen eher einen Abschluss als Winfos.

    Die einen und die anderen

    Fast spannender finde ich aber die auffallenden Unterschiede zwischen Bachelorn- und Mastern in beiden Studiengängen. Denn hier können wir an den Ursachen für anderes Feierverhalten und Abschlüsse herumraten.

    Denn ich glaube, es sind verschiedene Gruppen, die die Fächer studieren: Alle Wirtschaftsinformatikstudis, die ich traf, waren meist jünger als ich, aber in der ähnlichen Situation: Irgendwie sind sie beruflich in das Feld hineingeraten und wollen nun aus verschiedenen Gründen auch einen entsprechenden Uni-Abschluss.

    Dabei traf ich gelernte Fachinformatiker, die einen Uniabschluss und BWL-Grundlagen wollten, oder Kaufleute, die in IT reinrutschten oder ähnliches. Quasi alle hatten schon einen Vollzeitjob und irgendeine Art eines beruflich/universitäten Abschlusses, mussten allerdings das Studium irgendwie mit einem Vollzeitjob zum Ausgleich bringen, bei allen war der Abschluss mehr nice-to-have als dringende Notwendigkeit.

    Psychologie hingegen ist bundesweit ein hartes NC-Fach, außer in Hagen. Die Fernuni bietet die Chance, direkt nach dem Abi Psychologie zu studieren. Deshalb die hohe Zahl der Bachelors, deshalb die größere Notwendigkeit den Abschluss zu machen (in dem Fall ist es ja meist der erste) und deshalb auch waren die ausgezeichneten dort im Schnitt ein Stück jünger als in den anderen Abschlüssen.

    Ein kleines Stück Richtung Hamburg

    Unwetterwetter ohne Unwetter

    Wir frühstückten unter dem Vollmond. Gesehen haben wir ihn nicht, denn eine Hälfte des Himmels war strahlend blau, die andere bewölkt. Aber das Internet hatte gesagt „Vollmond, 31. Mai um 10:45h“. Dann wird es wohl so sein.

    Vielleicht erklärte er das seltsame Klima des Wochenendes.

    Es war ein seltsames Wetter. Sehr schwül, drückend, aber laut Regenradar war das nächste Regengebiet hunderte Kilometer entfernt. Freitag abend schon hatten die Mücken verrückt gespielt. Wir hatten uns schon eingesprüht, noch während wir am Ausladen waren. Selbst das stoppte sie nicht: Durch (leichten) Schuh und Socken entdeckte ich am nächsten Morgen ein halbes Dutzend Mückenstiche an den Füßen.

    Morgens setzte mein Allergie-Pilz ein und sporte und sporte. Zum Glück gibt es solche Tage nur ein oder zweimal im Jahr. Zwischendurch war nicht mehr die Nase komplett zu, sondern ich flüchtete mich auch vor Licht ins Haus, weil es die Augen schmerzte. Verbunden mit den Rückennachwehen war dies ein unerfreulicher Morgen.

    Ein hoch auf die moderne Chemie, die mich bis Mittags wieder halbwegs hergestellt hatte.

    Fast-Vollmond am Abend zuvor. Sah in echt größer aus.

    Nur das Monokol fehlte

    Die Nachtigall hatte uns am Freitagabend begrüßt. Bis zum Aufstehen am Samstag hatte sie sich heiser gesungen. Oder es war ein Fasan, der blökte.

    Seitdem alle Nachbarskatzen alt geworden sind, und es nicht mehr auf unser Grundstück schaffen, hat die Zahl der Vögel deutlich zugenommen. Selbst der Bussard, den wir hörten, und der Milan, den wir sahen, hielt Spatzen, Meisen, Grasmücken und andere nicht ab.

    Gegen Abend kam die Nebelkrähe in ihrem grauen Frack und schritt die gemähten Gartenwege aufmerksam und gravitätisch ein Inspektor aus dem Neunzehnten Jahrhundert ab, schauen, ob auch alles recht ist.

    Unverändert reichlich die Insekten. Die Distelfalter sind auf Nordafrika zurück. Die Hornisse schaute kurz vorbei, bei den ganzen Wildbienen und Schwebfliegen ist jeder Versuch, eine Übersicht behalten zu wollen, sinnlos. Wir entdeckten: In der Holzlege hat sich vermutlich eine Kolonie Brackwespen angesiedelt.

    Nur der Marder ist komplett unbeeindruckt von Wetter und Katzen, kommt weiterhin zum Auto, springt von der rückwärtigen Ladekante aufs Dach, kaut ein bißchen an der Antenne herum und rutscht dann über die Frontscheibe wieder hinunter.

    Sowie Storchschnäbel

    Aus der Wahrnehmung bekannt ist der Begriff der Mondtäuschung – ein tief stehender Mond (oder eine tief stehende Sonne) kommt Menschen deutlich größer vor, als sie „objektiv“ sind. Die lässt sich einfach überprüfen, indem mensch diesen Mond fotografiert und staunt, wie klein er auf dem Foto ist.

    Uns neu war die Mohntäuschung: die Beete sind voller Farben, lauter kleine Blüten, oft schwebend, die dem ganzen den Anblick eines impressionistischen Gemäldes (Madame) bzw. eines bunten Wyschywankas (ich) vermittelten. Auf den Fotos war es überwiegend grün. Die Kamera hat keine Ahnung von Pflanzen. Nur der massiv scheinend Mohn konnte sie nicht täuschen.

    Rotmilan, Feldhase und Großer kleiner Fuchs

    Leicht wehmütig strich ich beim Latifundien-Fahrrad über den guten Brooks-Sattel. Den der Fahrradmeister hatte mich informiert, dass alle deutschen Großhändler diesen aus dem Programm genommen haben – Brexit sei Dank. Jetzt gibt es sie nur noch über das Internet.

    Nachdem unsere Pfingstexkursionen erfolgreich, aber anders als gedacht, waren, wollten wir den nächsten Versuch machen. Wir kamen etwa 100 Meter weit. Dann begann Madames Sattel ihr mitzuteilen, dass er so nicht mehr weitermachen will, und das wir ihn auch nicht mehr feststellen können. Diese Exkursion blieb kurz.

    Erfolgreicher war der Spaziergang um’s Carré, der sich, wie von Madame prognostiziert, hervorragend auf den Rücken auswirkte. Wir trafen Schmetterlinge (eventuell schon wieder der Große Fuchs, vermutlich eher ein großer Kleine Fuchs), Bachstelzen flogen vor uns über die Straße, dicht gefolgt von Schwalben. Als wir in der Einfamilienhaussiedlung den Zustand von Schottergärten zehn Jahre nach der Erstanlage begutachteten und beim modernistischen Haus mit Rasenmähroboter beide den Delphinbrunnen aus Jacque Tatis Mon Oncle vermissten, flog eine Schafstelze minutenlang auf dem Weg vor uns.

    Was wäre es erst für ein Paradies, wenn die Äcker nicht nur Monokulturmais enthielten, sondern echte Lebensräume für Tiere?

    Back to Berlin

    Die FFFW (Frühlings-Frühsommer-Feiertags-Wochen) sind vorbei1. Bis zum Urlaub in sechs Wochen heißt es jetzt erstmal wieder durcharbeiten. Dafür zurück nach Berlin.

    Die Mauersegler sriehten, eine sehr schlecht gelaunte Nebelkrähe rrahte und die Autowaschanlage wuschbrummte.

    Links

    Jemand hat Christa Chorherr als Zeitzeugin interviewt. Und das ist eine ganz vortreffliche Idee; Interview durch ein US-Team als Zeitzeugin (1) und Teil 2

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    Falls ich jemals etwas sammeln werde, dann Keyboards: Neues Keyboard: Athena 1800

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    Rosalias Berghain schlägt Wellen weit über die üblichen Kreise hinaus. Herr Buddenbohm motivierte mich, jetzt doch mal ihren Brit-Awards-Auftritt anzusehen. Viel Lob gibt es anderswo. Mir fielen nur zwei Sachen auf: (1) Bewunderung einen Chor zu finden, der aus lauter Models zusammengesetzt ist. (2) Dieser Trick, Nina Hagen auf die Bühne zu holen und so zu tun als sei sie Björk – marvellous.

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    Wo ich gerade so tue als wäre ich noch im Alter für aktuelle Musik, gleich zwei mal Festivals: Das hier schön erwähnte Wave-Gotik-Treffen in Leipzig bei mesalunita und das Immergut bei loosy.

    Ich dachte, wir würden uns alle gemeinsam ein bisschen in Erinnerungen schwelgen. Aber dann sagte einer meiner Mitarbeiter: „Neunzehn Neunundneunzig! Das war drei Jahre vor meiner Geburt.“

    1. Wäre Berlin katholisch blieben mir diese Wochen noch die FFFbFW (Frühlings-Frühsommer-Feiertags-bis-Fronleichnam-Wochen) ↩︎
  • 26-05-19 Die Goldglänzenden Rosenkäfer fliegen wieder

    26-05-19 Die Goldglänzenden Rosenkäfer fliegen wieder

    Eine Taube flog über das Feld, verwandelte sich in einen Turmfalken und begann zu rütteln.

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    Auf der Suche nach einem Altkleidercontainer fuhr Madame mit dem Fahrrad einen Sack alter Wäsche zum Ku’damm und zurück.

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    In der S-Bahn eine junge Frau mit stark zerrissener Jeans, Sonnenbrille, Piercings und einem Polizei-Hoodie, der samt seinen Wappen überraschend offiziell aussah. Entweder die bestgetarnte oder die schlechtestgetarnte Zivilpolizistin meines Lebens.
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    Im Garten las ich alte Blogposts, stellte fest, dass die Natur die letzten Jahre zu diesem Zeitpunkt immer weiter war (und oftmals noch trockener), dass mein Alternaria-Allergie-Antritts-Termin gar nicht im Juni liegt, sondern eher Mitte Mai und dass die Arbeitswoche vor Pfingsten immer unerfreulich war.
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    Es war ein Rest Grünwochenende und ein Arbeitstag mit Schwarz-Weiß-Abschluss

    Falls die Person mitliest: Wir suchen die Schenker*innen des Mattei Cap Corse – der ist fein

    Es begann mit fehlenden Kabeln. Zum Samstagabend wollten wir endlich den Gartenbeamer einweihen, der seit mehreren Jahren ein Leben in Schränken und Kisten führt. Aber schnell fiel uns wieder auf, warum er so ein Schattendasein führte:

    Der Beamer war damals fortschrittlich für eine Zukunft gebaut worden, die so nie kam. Sein Betriebsmodus ist kabelloses Screensharing bzw. Chromecast – ein Verfahren bei dem 2026 sämtliche Streamer und Mediatheken (selbst Filmfriend, selbst die ARD mit dem ESC) sofort aus Kopierschutzgründen das Streamen abbrechen. Die Alternative ist „Videoübertragung per USB-C“ – auch ein Technikstandard, der sie nie durchsetzte.

    Unser Abend also setzte sich also ohne Beamer fort, aber dafür mit einer Großbestellung an Adaptern und Kabeln. Wir werden die gescheiterte Zukunft ja wohl besiegen.

    Der Beamer kam zurück in die Kiste. Wir griffen stattdessen in das Regal und zogen den vollanalogen Mattei Cap Corse heraus, der sich auf der Einzugsparty, vermutlich als Gastgeschenk, in den Haushalt schlich, füllten ihn mit Tonic und Zitronentzesten auf und schauten auf dem Laptopmonitor Teile des ESCs. Als wir am nächsten Morgen das Ergebnis mitbekamen waren wir einig: Der Barangaranga-Sieg1 war verdient. Das muss ja wohl ein Dancefloor-Crasher dieses Sommers werden.

    Vor dem Duke-of-Cambridge war das Rosentriebbohrer-Sprühzeug aus

    Frühstück auf der Terrasse im Schlafanzug aber mit Strohhut. Ich glaube das war der Stil Adelsverwahrlosung. (Auch wenn der verwahrloste Adel im Allgemeinen edlere Schlafanzüge trägt als ich, der Strohhut hat das wieder rausgerissen.)

    Ein Admiral flog vorbei. Die Sonnentage lockten sämtliche Insekten, die die Latifundien zur Zeit zu bieten haben, hervor. Miniaturschmetterlinge in braun, schwarz, orange und gelb; Goldglänzende Rosenkäfer und Trauer-Rosenkäfer, die wir vor allem betrunken torkelnd in Rosen- und Abelienblüten kennen, müssen aktuell mangels Rosen- und Abelienblüten noch mit den ersten Skabiosen vorlieb nehmen. Sie wirken deutlich koordinierter als sonst.

    Die erste Pfingsrosenblüte behauptete seit Freitag sich gleich sofort öffnen zu wollen, ohne es je zu machen.

    Luft und Licht liefen zur herrlichsten Frühsommerform auf.

    Madame, die den Gesang der Dorngrasmücke inzwischen auch spontan ohne App erkennt, wies mich in den Vogel ein und so konnte ich ihn auch sehen. Halt braun und sehr klein.

    Und ob mein Körper gerade begann vom Wochenend- in den Urlaubsmodus zu schalten, ob es Allergiedingsnebenwirkungen waren, ob das es komische Wetter war, das irgendwie gleichzeitig zu kalt, perfekt und zu warm war, meine Güte war ich erschöpft, freute mich an Tieren und Pflanzen, die aus der Ferne leuchteten und widmete mich dem Gartentischbestiarium.

    Nach Käsejalapenobratwurst und Zitronenkohlrabi fuhren wir rechtzeitig nach Wilmersdorf für erfolgreiche Entmarderung (Auto) bzw. Entwuschelung (ich).

    Vielleicht setze ich mich auch nur mal einen Nachmittag und Abend ins Foyer und schaue Leute

    In der U-Bahn: „nuschelruschelnuschelngrrss Weichenstörung nuschelruschelnuschelknörz“ Diese Art der Ansagen fehlt mir schon sehr, seit die BVG alles von professionellen Sprecher*innen einsprechen und von Band abspielen lässt.

    Die U2 aber öffnete kurz ein Fenster in die Vergangenheit, bevor sie uns weiter Richtung Mitte brachte.

    Wir waren bis zum Alex gefahren, ich hatte mich dort wie es sich gehört leicht verlaufen, um dann schließlich Richtung Strausberger Platz unter den Platanen2 im Schatten zum Kino zu wandeln.

    Kurz vor dem Kino am verlassenen Laden: Ein Obdachlosencamp. Erstaunlich offensiv gelegen, mitten an der Prachtstraße. Erst beim Näherkommen fiel mir auf, dass der verlassene Laden ein Luxus-Campinggeschäft ist und das Obdachlosencamp seine Bürgersteig-Zeltausstellung.

    Von dort aus konnte ich schon das große Sandra-Hüller-Plakat am Kino sehen, das den Film Rose3 ankündigte.

    Der Weg führte fast auf die Bezirksgrenze Mitte/Friedrichshain in das frisch renovierte Kino International. Das ehemalige DDR-Premierenkino, eine Ikone der Ostmoderne, mit dem vielleicht schicksten Foyer der Yorck-Kinos, ist heute ein Programmkino deluxe. Es lief leiser brasilianischer Bar-Jazz, der mich an dota erinnerte, insbesondere als ein portugiesischer Text mehrfach das deutsch gesungene Wort „Elisabeth“ umspielte.

    Suzanna sang für Rose, Suzanna sang für sich

    Es war ein Film, bei dem ich zögerte. Zu Schwarz-Weiß schien mir die Vorschau, zu sehr „wir machen einen ernsthaften Film über Gender“, zu eindeutig in seiner Aussage, wenig ambivalenzambitioniert.

    Andererseits sprachen gleich zwei Frauen dafür, ihn zu sehen: Madame wollte Rose sehen. Und bei Hauptdarstellerin Sandra Hüller habe ich nicht nur großes Vertrauen in ihre Schauspielerei, sondern auch in ihre Filmauswahl.

    Of course, they were right. Ich war währenddessen angetan, und mit zeitlichem Abstand vergrößert sich die Begeisterung: ein Film zum dauerhaft-im-Herzen tragen.

    The Basics

    Rose ist ein Film, der von einem Österreicher im Harz gedreht wurde, 2026 erst auf der Berlinale einen Preis für die beste Schauspielerin gewann und dann in die Kinos kam.

    Es geht um Rose (Sandra Hüller), die als Soldat aus dem 30jährigen Krieg zurückkehrt, als Mann das Erbe eines Hofes antritt, dort prosperiert. Sie heiratet als Mann Suzanna (Caro Braun), die Tochter des benachbarten Großbauern. Diese bekommt ein Kind. Durch einen medizinischen Notfall fliegt die Geschichte auf. Rose stirbt durch das Schwert, Suzanne im Sack im Fluss.

    Es gab einigen Knatsch, weil der Film auf mehreren Quellen beruht, insbesondere einem Buch von Angela Steidele. Es übernimmt sie aber nicht. sondern führt bedeutsame Änderungen ein, wie vor allem dass die Buch-Rose ihre Männlichkeit samt Sex voll auslebte, in heutigen Worten vermutlich ein Transmann war, die Film-Rose aber in „die Hose schlüpft, um etwas mehr Freiheit zu haben“ – das ist schon eine starke Änderung. In anderen Worten: Die Handlung wurde entqueert.

    Je mehr ich aber den Film sah, desto weniger konnte ich die Kritik nachvollziehen. Das Buch erzählt die Geschichte einer bestimmten Person. Der Film ist eine artifizielle Meditation über Geschlecht und Frauenrollen, durchgeführt an zwei Personen.

    Freiheit durch Kontrolle

    Der Film war in einer Ästhetik, die mich extrem an Tarkowskis Serkalo/Der Spiegel erinnerte, den ich schon im Januar liebte; ähnlich wirklich-unwirklich, durch Künstlichkeit ins emotionale Herz treffend. Die Erzählstimme, die Bildgestaltung, die mal Film sagte, mal Theater, mal Klassikergemälde, und natürlich das Aufgehen von Mensch und Haus in der umgebenden Natur; vermutlich ein glücklicher Zufall, aber als Rose allein durch das verwilderte Feld lief, über ihr ein rüttelnder Falke, der sehr nach der-war-beim-Drehen-wirklich-da aussah: Marvellous.

    Und ach, allein über die Musik werden Abschlussarbeiten geschrieben werden.

    Aber am Ende waren es zwei Menschen:

    Sandra Hüller spielt eine Frau, die vorgibt ein Mann zu sein. Sie spielt zu spielen, und das ist wohl der Punkt, den sie selber spannend fand. Es ist faszinierend zu sehen, wie begrenzt sie spielt, wie kontrolliert, ausdruckslos; sowieso im begrenzteren Ausdrucksrepertoire, das Männern im Normfallfall zu Verfügung steht, hier noch einmal eingeschränkt durch die Vorsicht, nur ja nicht zu expressiv, zu „weiblich“ zu wirken. Der Mann, eingezwängt in dichte Kleidung, fast schon in Starre spielend.

    Wie faszinierend zum Ende hin, nach der Enttarnung, die Rose „als sie selbst“ zu sehen. Immer noch ein Mensch, gezeichnet vom Krieg, trainiert darauf keine Emotionen zu zeigen, und doch so anders als vorher.

    Wie faszinierend Roses Partnerin Suzanna, vorgestellt als „sittsame Frau, in allen weiblichen Belangen kompetent“, gedrängt in eine Ehe mit einem hergelaufenen Krieger. Wie sie auf ihre eigene Art verschlossen und starr ist.

    Wie Suzanna singt, kurz nach der Hochzeit für Rose, fast unmelodiös, schleppend, aus ihrem eigenen Lied fallend. Wie froh und laut sie später singt, als sie verkündet, Schwanger zu sein. Wie sehr der Wandel von in-eine-gezwängter-Frau zu ihre-Rolle-findender-Frau zu Co-Verschwörerin-von-Rose sie immer größer und lebendiger werden lässt.

    Je mehr und je länger ich über Rose nachdenke, desto lieber mag ich den Film.

    Links

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    Cannes – dies und das vom Filmfestival

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    Frau Herzbruch auf Curaçao Teil 7 und Teil 8 und Teil 9.

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    See me fascinated. In diesem Garten läuft alles 180 Grad anders als es mir für unseren eigenen vorstellen kann. Aber um so interessierter lese ich: Ich weiss ja, was alles ansteht (einen Baum wieder ausgraben und höher einsetzen, dafür muss der Rasen aufgeschnitten und wieder zugeklebt werden

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    Alle unsere Baltikumsausflüge scheinen über Travemünde zu führen. Um so spannender zu lesen, wenn jemand dort sogar übernachtet: Travemünde – mit der Fähre zum Frühstück

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    Es gäbe in japanischen Schwimmbädern — die recht seicht sind — eigene Spuren für Aquawalking, das unter älteren Menschen sehr populär wäre, sagt A.

    Notat

    ~ Zugänge: T-Shirt (weiß, Segelboote) und T-Shirt (sand)
    ~ Zugangsnachtrag: Defektes Schlafzimmerradio (Bungalow) ersetzt
    ~ Autogas getankt für 1,19€
    ~ Getestet: Imren-Döner (Hauptstraße) wiederholenswert

    Anmerkungen

    1. Ich liebe, dass sie einerseits selbst im Sieg noch soviel Dance-Choreo hinbekommen und andererseits mega-ausgelassen dabei wirken. Zurecht gewonnen, sag ich ja. ↩︎
    2. Speaking figuratevly, ich hab ehrlich gesagt überhaupt nicht darauf geachtet, welche Bäume mir Schatten spenden ↩︎
    3. Yorck Unlimted No. 25 – damit 9,52€ pro Besuch. ↩︎
  • 26-04-03 You can never enter the kingdom of God with hardness against any one

    26-04-03 You can never enter the kingdom of God with hardness against any one

    Sind wir sauberer seitdem wir in einem Schwimmbad wohnen? Maybe. Ist das Auto sauberer, seitdem wir neben einer Waschstraße wohnen? Auf jeden Fall.

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    Ein Mann ohne Unterschenkel aber dafür mit zwei Krücken kam uns auf einem Skateboard entgegengerollert.

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    Ein Mann in weißem Ganzkörperschutzanzug mit Kapuze und Maske schob einen Einkaufswagen mit Pfandflaschen durch die Barstraße.

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    Höhe Strausberger Platz lachte jemand so durchdringend, dass selbst Menschen in der vollgestopften Berliner Pendler-U-Bahn aufschauten.

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    Es waren zwei Tage der Arbeit mit ekstatisch-zölibatärer Kino-Unterbrechung.

    Es hält kein Zug in Baden-Baden

    Eine elektronische Bahn-Abfahrtstafel informiert mich, dass der ICE nach Brig „ohne Halt in Baden-Baden“ fährt. Was einerseits korrekt ist. Andererseits ist die Info inmitten der Berlin-Südkreuz-Rolltreppen-Absperrungen, temporär gestörten S-Bahnen und komplett ausfallenden Zügen nach Hamburg oddly specific.

    Langsam wohnen sich auch die defekten Rolltreppen ein. Die leuchtend gelben Absperrungen verschmuddeln jeden Tag ein wenig mehr. Ihr Ausdruck wandert von „Achtung! Attention! Attenzione! Hier ist etwas wirklich, wirklich kaputt!“ zu „Ich bin halt auch ein Stadtgrümpel und tue mein Bestes.“

    Dort, wo die Benutzung der Treppe einen Umweg darstellen würde, wurden die Absperrungen aus dem Weg geschoben, damit die Rolltreppe zumindest belaufen werden kann. Dort, wo sie noch stehen, sammelt sich erster Müll an unzugänglichen Stellen.

    Zwei einsame Kofferträger suchen erfolglos Menschen, die ihnen ihre Koffer zum Tragen anvertrauen. Ein seltener Besuch, ein Handwerker, schraubte an einer der Fahrtreppen herum, allerdings ohne sichtbaren Erfolg.

    Gelber Doppeldeckerbus in der Nebellandschaft des Bahnhofsvorplatzes. Im Vordergrund zwei Fahrräder, halb umgekippt, halb von ihrem Schloss an einem Schild stabilisiert,

    Der Unterschied zwischen Mushrooms und Funghi

    Madame recherchierte dem Hot Pot hinterher. Jetzt weiß ich, dass eines der gegessenen Grünzeuge Am Choi war. Zumindest einer Pilze ließ sich als Enoki bestimmen. Das, was wirkte, wie sehr dünn geschnittene Champignons, waren tatsächlich welche.

    Teile der Tierteile bleiben mysteriös. Aber Tierteile sind keine Pflanzen. Auch nicht bei der 30-Pflanzen-Challenge. Wie anscheinend auch Schimmelpilze oder Hefen.

    Die einschlägigen Veröffentlichungen sind auf englisch und sprechen von zählenden Mushrooms. Mushroom wird generell und pi-mal-Schluckauf als „Pilz“ übersetzt. Technisch korrekter wäre „Fruchtkörper eines Pilzes.“ Ein Blauschimmel zum Beispiel ist zwar ein Pilz, aber kein Mushroom.

    Das alles ergibt biologisch noch weniger Sinn – aber nunja, Kulinarik und Biologie haben zueinander ein Verhältnis wie die Schwestern in Aschenputtel.

    Um nach all der Vorrede zu Zahlen zu kommen. Es gibt neue verzehrte Pflanzen:

    • 48 – Enoki-Pilze (Hot Pot)
    • 49 – Am Choi (Hot Pot)
    • 50 – Banane (Snack)
    • 51 – Braune Alblinsen (Linseneintopf)
    • 52 – Spanische Crowdfarming-Linsen (keine Ahnung ob der Sorte, auf jeden Fall keine Alblinsen)
    • 53 – Pflaume (getrocknet, Linseneintopf)
    • 54 – Kirsche (getrocknet, Linseneintopf)
    • 55 – Kreuzkümmel (Linseneintopf)
    • 56 – Hafer (Drink, Frühstück)

    Spuren des George

    Spontan musste ich beim Bahnhof Zoo an den Duisburger Großmeister des Straßenaufkleberfotos, den Flusskiesel, denken:

    Aufkleber auf Ampelmast "Duisburg war hier"

    Vor dem Kino waberte ich noch ein wenig durch den Zookiez. Eine Bewegtbild-Infotafel informierte mich, dass ich 50 Plastik am Tag esse. Waren es Gramm? Oder waren es Mikrogramm? Ist das schlimm? Oder gibt es jetzt analog zur 30-Pflanzen-Challenge auch die 50-Plastik-Challenge? Das Bewegtbild bewegte sich zu schnell, um es zu erfahren.

    Ein Graffitti war statischer. Seine Info, wie ich Dickpicks von George googlen könnte, half mir aber auch nicht weiter im Leben.

    Schließlich liess ich mich zurück in einen geschützt-kuratierten Raum treiben.

    Im Delphi Lux freute ich mich mein Brlo-Helles mit Yorck-Branding direkt mit meiner Sparda-Girocard und Handy unter Umgehung von Apple Pay und Mastercard zahlen zu können.

    Im Foyer erfuhr ich, dass es neben Yorck Unlimited ein weiteres Angebot gibt: Mubi go. Unbegrenztes Mubi-Streaming und jede Woche ein Kinoticket. Zum selben Preis wie Yorck Unlimited. Sähe ich mich selbst öfter als dreimal im Jahr ernsthaft einen Film auf einem fernsehartigen Gerät sehen, käme ich ins Grübeln.

    13 Kilometer

    Es lief Film den ich lieben sollte1. The Testament of Ann Lee von Mona Fastvold geht um eine faszinierende Frau. Es ist ein Musical, mit mysthisch-seltsamen Stoff, historisch verortet, und wird allgemein als intensiv und publikumsspaltend beschrieben.

    Und doch verbrachte ich zuwenig Zeit im Kino damit, mit großen Augen und offenem Mund in den Film zu versinken, und zuviel Zeit damit, mich intellektuell zu fragen, warum der Film für mich nicht funktioniert.

    Ann Lee

    Der Film folgt dem Leben von „Mutter Ann Lee“ von der Kindheit in der präindustriellen Metropole Manchester des 18. Jahrhunderts bis sie 1784 von einem Mob losgelassener MAGA-Vorfahren derart misshandelt wird, dass sie wenige Monate später an den Folgen der Verletzungen stirbt.

    In der Zeit dazwischen schloss sie sich den Shaking Quakers an, brachte vier Kinder zur Welt, von denen keines ein Jahr überlebte, wurde mehrfach inhaftiert, wurde zur Prophetin und Wiedergeburt Jesu, erklärte Sexualität und insbesondere die Ehe zur Grundsünde, die die Menschen von Gott entfremdete, entfremdete sich von ihrem Mann, wanderte in die nordamerikanischen Kolonien aus, gründete eine Kolonie der Shaking Quakers in der Kolonie New York, die politisch und gesellschaft selbst 250 Jahre später noch politisch weit links im Koordinatensystem stehen würde, wurde mehrfach verhaftet und misshandelt und starb schließlich als die Shaker mehrere tausend Mitglieder hatten.

    Stoff bietet die Biographie reichlich.

    Ist es ein Flugzeug? Ist es Superman?

    Es ist ironisch: Ein Film über eine Frau, die gegen alle Widerstände ihrer eigenen Vision folgte, scheitert daran, dass er nicht so recht weiß, was er will.

    Ich sah Elemente dreier großartiger Filme:

    • Ein intensiver körperlicher in der Zeit verankerter Historienfilm, der mühelos durch die Zeit wandert, da er an Empfindungen anschließt, die allen Menschen zu allen Zeiten gemein sind. (siehe zB Hamnet)
    • Ein episch-exzentrisch ausschweifendes Musical, das klar erkennbar aus dem Jetzt auf die Vergangenheit schaut. (siehe zB Barrie Kosky)
    • Eine religiös-visionäre Meditation (siehe zB Tarkowsky)

    Alles war im Film angelegt, alles kam zeitweise zum Vorschein. Nur vertrug es sich nicht sonderlich gut untereinander. Noch weniger vertrug es sich mit Elementen konventioneller Hollywood-Historien-Schinken, die immer wieder aufschienen.

    Da wo bei Hamnet eigentlich alles richtig wirkte, jeder Schnitt, jede Bewegung, jeder Tonkrug im Bildhintergrund, wirkt bei Ann Lee irgendwie immer alles falsch: Das Timing stimmt quasi nie. Die Musik ist weder historisch noch „jetzt“. Die Ausstattung wirkt immer unfreiwillig nach Kulisse. Die Trickeffekte sehen deutlich nach dem schmalen Budget aus, dass der Film hatte, nicht nach dem großen Budget, dass er gerne gehabt hätte. Das gesprochene Englisch im Film ist weder überzeugend „Arme Leute, Manchester 18. Jahrhundert“ noch so unspezifisch, dass es nicht auffällt.

    Dann auch noch immer wieder Schlampigkeiten, wie zum Beispiel dass die Gruppe knapp 20 Jahre vor Einführung des metrischen Systems eine Entfernung als „13 Kilometer“ angibt. Was halt auffällt, weil zwischendurch noch die französische Revolution stattfinden muss.

    Da kann Amanda Seyfried (neben der Wahl des Ausgangsstoffes so ziemlich das einzige was der Film konsequent richtig macht) noch so sehr mit allem Ausdrucksvermögen und aller Körperlichkeit gegenanspielen – es reicht nicht.

    Was bleibt

    War es lohnend? Unbedingt,

    Meine Shaker-Bildungslücke ist geschlossen und ich will schon wieder nach Neuengland reisen, weiter Shaker recherchieren.

    Es gab denkwürdige Aufnahmen und erinnerungswürdige Bilder – insbesondere wenn es ins Kammerspiel direkt mit Seyfried ging.

    Und es gab die Erinnerung, dass die USA nicht nur MAGA in ihrem Urschleim haben, sondern auch pazifistische Frauen, die schon vor Gründung des Staates, mit Allem was sie hatten, Gleichberechtigung, Pazifismus und Liebe predigten.

    The River of Sachsen-Anhalt

    Boy, war die Musik in dem Film daneben. Bei der nachfolgenden Suche nach echter Shaker-Musik stieß ich auf .. wenig. Ein einziges Album eines Projektensembles New England Voices, die mit The River of Love eine Sammlung von Shaker-Hymnen versammelte. Eine Aufnahme, der, natürlich, King’s Singers, die die Hymne The Gift to be Simple auf ihrem gleichnamigen Folk/Traditions/Balladen-Album brachten.

    Und da hört es auch auf.

    Ein durchgehend denkwürdiger Film war Souleymanes Geschichte über einen ghanaischen Lieferradler in Paris. Dazu passend, das Buch Liefern: Tomer nimmt uns mit zu Lieferfahrer_innen in Tel Aviv, Berlin, Istanbul, Buenos Aires und Delhi.

    Poupou zählt gegessene Jahrespflanzen und kommt (ohne Whiskey und Blauschimmel) auf derzeit 52: Pflanzen 2026

    Thomas lebt in Sachsen-Anhalt und sieht Landtagswahlen heraufziehen: Sachsen-Anhalt im Fokus

    Wir werden demnächst in der Elbphilharmonie sein. Herr Buddenbohm war schon. Frau Klugscheisser war auch dort. Sie waren sogar in der selben Vorstellung.

    Gefühlt besteht derzeit die Hälfte meines Arbeitslebens aus Diskussionen, wie „Welche Daten wo?“, „Wo ist die Cloud?“, „Gibt es eine AAV?“, „Sind diese Daten anders als andere Daten etc.?“ Und dann lese ich sowas: „Eine KI Vibe Coding Horrorgeschichte“ Eigentlich hätte ich während des Lesens durchgehend schreien können.

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 18 – damit 13,22€ pro Ticket und damit unter dem Abendkassen-Basispreis in den A-List-Kinos von Yorck. Nebenentdeckung auf der Website: Der +1-Ticket-Rabatt für Mitkommende für Yorck Unlimited steigt von 10% nach 12 Monaten auf 20%. Damit bin ich noch sichererer, dass das verlängert wird. ↩︎
  • 26-03-24 Nur das versteckte Sektglas blieb

    26-03-24 Nur das versteckte Sektglas blieb

    Inspektionstermine beim Fahrradmeister haben eine Wartezeit von sechs Wochen.

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    In der Lokalzeitung lernte ich, dass der Haupt-Außen-Drehort des Netflix-Brüllers Kacken an der Havel in der Kleinstadt Kremmen direkt neben den Latifundien liegt.

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    Im Schöneberger Ex-Kiez hingegen: 38-Jähriger in Schöneberg angeschossen. Was das zweite Mal innerhalb eines halben Jahres ist, dass in 100 Meter Umkreis der Ex-Wohnung Menschen aufeinander schossen. Vielleicht gibt es ein zuviel an Großstadt-Flair.

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    Das Sommersemester 2026 ist das letzte Fernuni-Semester in dem es – je – in allen Zeiten – für immer – gedruckte Studienbriefe geben wird. Ich überlege noch spontan alles zu belegen, was ich vielleicht je belegen wollen würde, um diese Chance zu nutzen.

    Außer natürlich die Digitalisierung bricht an ihren inneren Widersprüchen zusammen, was in den nächsten Jahren auch nicht ausgeschlossen ist.

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    In meinem Kopf kreist eine Partyidee, die ich mit Abstand immer besser finde. Leider wird es keinen Markt geben. Ich mache mich selbstständig unter dem Claim „Informationssicherheit im Zeitalter globaler Krisen – Resilienz durch Rohrpost.“

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    Auch kreisen in meinem Kopf noch leichte Neidgefühle als ich vom Diplomarbeitsthema „Geschenkpapier“ hörte.

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    Positive Partynachwirkung: Wir leben temporär in einem Blumenladen.

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    Es waren die Tage danach: Nach der Klausur, nach der Einweihungsgsparty, nach dem Subbotnik-direkt-im-Anschluss-an-die-Einweihungsparty.

    Weiterhin bleiben die drei Schachbrettblumen unerklärlich

    Nach der direkten Klausur-Party-Subbotnik-Abfolge, brauchte ich den Sonntag, um mich selbst wieder mit mir selbst zusammenzubringen.

    Ich zupfte ein wenig ein frisch gesprießtem Brennnesseln, sah Madame beim Rosenschneiden zu, erfreute mich am Tagpfauenauge und freute mich vor allem darüber, in der Sonne zu sitzen.

    Wir diskutierten, welches die beste Feldfrucht für den Acker nebenan wäre. Kartoffeln wären nett, die haben schöne Blätter und blühen gut. Oder Kohl1: Die Felder in Dithmarschen sehen toll aus. Aber beides wird in Brandenburg nicht in Mengen angebaut.

    Spargel wäre ortstypisch, sieht nach der Saison auch schön aus, wäre in der Saison aber zu anstrengend. Raps sieht zwar zeitweise toll aus, riecht aber auch durchdringend. Mais bildet im Herbst die dunkelgrüne Wand: eindrucksvoll, aber doch auch deprimierend.

    Am Ende ist wahrscheinlich sanft wogendes Getreide das beste was uns auf dem Acker passieren kann. Wir haben Glück, dieses Jahr sieht es ganz danach aus.

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    Zwei Kraniche beschlossen, den Sommer über in Brandenburg zu bleiben und flogen zwei Meter über dem Bungalow vorbei.

    Aus der Höhe, knapp noch kreisend über dem Acker zu sehen, der Schrei zweier Rotmilane.

    Noch ist alles auf den ersten Blick das meiste im Garten braun-grün. Aber es sprießt und keim und knospet an allen Ecken und Enden. Die Farbenpracht steht kurz bevor.

    Tisch weg. Tischtuch bleibt.

    Nachdem wir uns selbst wieder halbwegs alltagstauglich hergerichtet hatten, durfte dann auch der Rest der Wohnung und Umfeld dran glauben.

    Das Auto durfte mal wieder durch die Disco-Inferno-Waschstraße. Offenbar ist der Frühling jetzt lange genug anwesend, damit die Waschstraßenschlange am Wochenende nicht noch hundert Meter die Straße entlangläuft.

    Wir räumten ein wenig hin und her:

    Bier, Tonic Water und Cola wanderten ins Auto – erfahrungsgemäß geht das am Wochenende im Garten besser weg als in der Woche in der Wohnung.

    Die Klappstühle und der Klapptisch wanderten zurück in den Keller. Das restliche Geschirr drehte Runden durch die Geschirrspülmaschine. Nur ein einzelnes Sektglas versteckte sich bis zum Montagsfrühstück in einer hinteren Regaleckeund darf nun allein unter Alltagsgeschirr seine Waschung durchlaufen.

    Die Zitronen-Tischdecke blieb. Die ist zwar grenzwertig groß für den Wohnzimmertisch in seiner Alltagsgröße. Aber sie macht mir einfach gute Laune.

    Nusskanne, Vertreibung, Versöhnung

    Max war im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung – ein Zentrum, das einen maximal schlechten Start hatte, aber sonst sehenswert ist.

    Eine Website zur Nusskanne: Nusskanne.de. Ich hatte keine Ahnung! (via)

    Ich habe auch mal an einer Dunkelfeldstudie teilgenommen. Es war ein Weizenfeld, ich war besoffen und hinterher war das Fahrrad kaputt.

    Anmerkungen

    1. Das Trendgemüse 2026. ↩︎
  • 26-03-14 Das Nötigste, einem rohen Menschen Gesittung beizubringen, ist Wasser und Seife (Berlin->Tübingen)

    26-03-14 Das Nötigste, einem rohen Menschen Gesittung beizubringen, ist Wasser und Seife (Berlin->Tübingen)

    Auf dem Arbeitsweg: Kalt, Sonne und endlich passt das Wetter zur umgebenden Natur. Es riecht nach Frühling. Vielleicht war es aber auch nur der Duft des Waschmittels aus der naheliegenden Autowaschanlage.

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    Vor Hanau standen die Störche.

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    Einst las ich einen Politthriller des deutschen Ursula-K.-LeGuin-Übersetzers Gisbert Haefs1. Soweit ich den Plot aus meiner Erinnerung rekonstruieren kann, ging es um den kalten Krieg und einen Saboteur in Deutschland. Seine Sabotage bestand darin, ein hohes Amt anzustreben und dann das Vertrauen in den deutschen Staat zu untergraben, indem er unsinnige Projekte voranbringt. Im speziellen Fall des Buchs: Ein Autobahnkreuz mitten in Büsum.

    Naja, wenn ich derzeit Politik mitbekomme, denke ich öfters an diesen Roman. Gerade bei Merz‘ Gruseltruppe weiß ich gar nicht wen ich herausgreifen soll. Aber ich bleibe beim Bundeskulturnarren. Der hat nicht nur etwas gegen Buchhandlungen sondern offenbar auch gegen Bücher. Er möchte den Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek stoppen, weil in Zukunft keine Bücher mehr gesammelt werden müssen:

    Es sei nicht einzusehen, dass man so viel Geld in ein Lager für physische Medien investiere – und das in Zeiten der Digitalisierung! Im Übrigen wäre es im Sinne eines „Bürokratieabbaus“, wenn künftig nur noch ein Exemplar jeder Publikation gesammelt würde, und das, wo möglich, „ausschließlich in digitaler Form“.

    **

    Die Endabrechnung für den Schöneberger Strom kam. Damit sind wir jetzt wirklich, wirklich mit allem aus der alten Wohnung durch.

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    Die erste Wilmersdorfer Deckenlampe hängt. Farbton: Bernstein. Material: recycled.

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    Es war ein Arbeitsfreitag und ein Reisesamstag.

    Via Kopfbahnhof

    Am Südkreuz vor uns: Der ICE direkt nach Paris Est. Aber nicht an diesem Wochende.

    Steht – fährt

    Die nichtrollenden Berliner Bahnhofsrolltreppen bekamen mittlerweile einen halbseitigen Artikel in der Dithmarscher Landeszeitung gewidmet.

    Wir konnten es glücklicherweise so einrichten, dass sie S-Bahn uns zum höchsten Punkt des Bahnhofs brachte und wir Richtung ICE595 nur hinabsteigen mussten.

    ICE595 – der Kopfbahnhof-ICE. Über Leipzig (Richtungswechsel) nach Frankfurt (Richtungswechsel) und Stuttgart (Richtungswechsel) nach München (wäre Richtungswechsel wenn nicht Fahrtende).

    Vielleicht beflügelten ihn die Kopfbahnhöfe: Er war durchgehend pünktlich, mit allen angekündigten Wagen in der angekündigten Reihenfolge – und selbst das Bistro hatte durchgehend geöffnet. So einen Erfolg auf ganzer Linie hatten wir seit Jahren nicht mehr.

    Zugchef mobiler Verkäufer

    Schon länger fällt mir auf, dass die Deutsche Bahn ihre Zugchefs anscheinend durch ein Sprechtraining schickt. Seit einiger Zeit sind alle Ansagen auffallend klar ausgesprochen und erkennbar betont. DAfür haben sie mehr Freiheit im Wortlaut „Hello dear guests, my name is Brad Sneijeder“ allerdings war die Krönung. Offenbar lebt dort ein alter Traum weiter, mal eine Radio-Morningshow zu moderieren.

    Auch die Kaffeeversorgung per Onlinebestellung am Platz funktionierte tadellos. Würde jede Zugfahrt so verlaufen wie diese, würde ich glänzende Augen bekommen, wenn ich Deutsche Bahn sagte.

    Ich hätte einen weiteren Vorschlag für Personal: Erinnert sich noch jemand an die mobilen Brezel- ine Eisverkäufer*innen zwischen Göttingen und Kassel? Als wir zwischen Offenbach und Frankfurt die grünen Felder mit Grüne-Sauce-Kräutern passierten, dachte ich „Jetzt ein mobiler Grüne-Saucen-Verkauf, der die Kräuterbüschel im Zug verkauft. Das würde ich nehmen.“

    Über den Berg auf die Autobahn

    Spannend wurde der Rest der Fahrt nach Tübingen. Wir lesen seit Jahren das Fachblog für Bahnprobleme zwischen Stuttgart und Tübingen und waren gespannt. Es stellte sich heraus: Entgegen aller Planungen stießen wir auf das ultimate Bahnproblem bzw. das Ende aller Bahnprobleme: Schienenersatzverkehr.

    Dieser fuhr ohne Zwischenstopps direkt nach Tübingen und das weitgehend nach Plan. Madame erwischte einen überfüllten Linienbus, ich später einen halbvollen Reisebus, die uns problemlos bis an den Tübinger Hauptbahnhof fuhren. Aber vor dem SEV kam die Metropole im Talkessel.

    Stuttgart

    Stuttgart gab sich Mühe das Klischee der schwierigen Innenstadt vorzuführen. Kaum hatte ich einen Drogeriemarkt betreten, wurden dort zwei Jugendliche von der Polizei hinausbegleitet.

    Einst war ich als Kind/Jungjugendlicher in Stuttgart. Ich erinnere mich fast nur an den Bahnhof, der dank Baustelle kaum mehr wieder zu erkennen ist. Nur die Ecke gegenüber wirkt unverändert. Sogar mit historischem Crepes-Stand seit 1980.

    Einmal durch weitere Baustellen ging es in den oberen Schlossgarten. Ein wirklich schönes Zentrum mit Kultur (Theatern), dem Schloss und dem modern gebauten Landtag. Und einer schwäbischen Pragmatik, die ich mir für Berlin wünschen würde.

    Bild aus dem Stuttharter Schlossgarten. Im Hintegrund Park davor ein halbleeres gepflegtes Bild. Im Vordergrund Bilder "Straßburger Platz / Place des Strasbourg/ Strossburjer Platz" und "Vorsicht Skater. Skaten an Sitzungstagen untersagt"

    Schwimmen schauen

    Der Umsteigestopp in Stuttgart war praktisch. Bot er mir doch die Chance durch das Bahnhofslabyrinth Stuttgart 21 und den Schlossgarten zum Haus der Geschichte Baden-Württemberg zu laufen, „Frei Schwimmen“ anzusehen: eine Ausstellung zur Kulturgeschichte des Schwimmens (in Baden-Württemberg).

    Bei dieser standen wir im Herbst schon vor verschlossenen Türen, freundlicherweise wurde sie aber wegen des großen Erfolges um ein paar Monate verlängert. Jetzt also:

    Die Ausstellung findet im Untergeschosses statt, in einem großen Raum, ich würde schätze in etwa Schwimmhallenformat, in der mittels semitransparenter Wände in verschiedene Abschnitte geteilt ist.

    Frauen! Männer!

    Die Abschnitte sind chrono-thematisch geordnet: Eigentlich hat jeder Abschnitt ein Thema; zum Teil lassen sich diese aber direkt auf einem Zeitstrahl anordnen („Fürstenbäder“, „Schwimmen in der NS-Diktatur“), von oben geschaffene Arbeiterbäder („Das Nötigste, einem rohen Menschen Gesittung beizubringen, ist Wasser und Seife“). Die allgemeineren Abschnitte („Sport“, „Bekleidung“) wurden dann auf einen bestimmten Zeitabschnitt fokussiert (Sport auf die Weimarer Republik, Bekleidung auf das Kaiserreich) und fanden sich auch in der Chronologie weiter.

    Die Betonung lag auf Kultur und Zusammenleben, bei denen im Bad Vieles verstärkt wird, dadurch dass Formalismen und Gebräuche (Kleidung! Abstand!) die Problemlagen in der Öffentlichkeit gestalten, wegfallen. Es ist vieles unmittelbarer.

    Natürlich der Klassiker in vielen Varianten: Man(n) sieht Frau viertel- halb- ganz unbekleidet. Schön zusammengebracht in einem Doppelinterview mit einer Frau, die für Burkini-Erlaubnis in Bädern kämpft und einer Frau, die für Oben-ohne-Erlaubnis-für-Frauen in Bädern kämpft.

    Aber auch allgemeiner die Frage: Wer kann zusammen schwimmen: Arbeiter und Fürsten? Männer und Frauen? Juden und andere Deutsche? Französische Zwangsarbeiter und russische Zwangsarbeiter?

    Das Sein als Material

    Schön und spannend fand ich, dass wirklich alle Themenblöcke an Beispielen und Fällen aus Baden und Württemberg dargestellt wurden. Vor allem wurden die dargestellt an vielen Bildern und Erklärungen. Die materiellen Ausstellungsstücke waren sorgfältig ausgewählt.

    Mein Lieblingsstück war dabei optisch nur mittel beeindruckend, brachte aber fast alle Themen der Ausstellung gut zusammen: eine Tür des Lorettobades in Freiburg, des einzigen deutschen Bades mit reinem „Damenbereich“, die ebenjenen Badebereich vom allgemeinen Schwimmbad trennt.

    Meine beiden anderen Lieblingsstücke hatten nur indirekt mit Schwimmen und den gesellschaftlichen Problemlagen zu tun: Dieser Vorläufer eines Solariums und etwas ähnliches als allumschwingende Dusche, bei der sich jemand in die Mitte stellt und dann von etwas 15 Duschköpfen aus allen Richtungen abgestrahl wird.

    Hingehen?

    Hingehen!

    Allerdings läuft die Ausstellung nur noch bis zum 12. April.

    Und weil ich noch nicht gemäkelt habe:

    Der Welt fehlt weiterhin der Foucault des Schwimmbadwesens. Ein Thema, das gemeinschaftsbetont ist, dass eine ihm so innenwohnende Körperlichkeit hat, wie das Schwimmen, bietet sich nach einer Foucault-Behandlung an. Aber natürlich kann ich sowas nicht von einer solchen Ausstellung verlangen. Dafür in welchem Umfeld für welches Publikum diese Ausstellung stattfand, war sie richtig richtig schön.

    Im Rahmen des Möglichen wäre m.E. ein Abschnitt über Technik (von Goldorfen zum chemischen Kampfstoff Chlor) , dem gigantischen Energieverbrauch eines Bades und neuen Lösungen gewesen. Aber es braucht ja auch noch Material für die Folgeausstellung.

    Tübingen abend

    In Tübingen: vom Bahnhof zum Hotel, zweimal durchatmen. Vom Hotel zum Neckarmüller, erste Verwandtschaft treffen und ordentlich schwäbisch essen, vom Neckarmüller in die Hotelbar: Rotwein und Hertha BSC auf dem Großbildschirm. (1:1 gegen Bochum, wir gingen allerdings schon als es noch 1:0 für Hertha stand).

    Bücher Besen Kompostieren

    Uwe bereitet das Bundeskulturnarr-Buchhandlungsdesaster noch einmal umfassend auf und kauft Bücher: In Berlin gewesen. Bücher gekauft.

    Teures Papier erinnert sich an den DNB-Besuch: Geht es noch mehr daneben?

    Wie ein Regenbogenbesen entsteht

    Da werde ich nostalgisch: Musikkritik ist nicht tot, selbst wenn sie nach einem Shitstorm komisch riecht. Warum der Diskurs über Pop wichtig ist, wo er lebt und wo nicht.

    Heiko wird nostalgisch. Über seinen erfolgreichsten Tweet: Internetreparatur an Donauwelle

    Aus dem Maschinenraum der US-Justiz. Lego berichtet von einem Besuch der liberalen Supreme Court Judge Sonia Sotomayor an seiner Law School: Exclusive: Justice Sotomayor on AI, taxes and more

    Poupous Post über „Kein Naturgarten“ führte zu einem spannenden Link via Kommentar zu Claudias Naturnah gärtnern – was meinen wir damit?

    Anmerkungen

    1. Die aktuelle Überprüfung meiner Erinnerung sagt mir, dass Haefs zwar Übersetzer ist, die LeGuin-Übersetzung aber anscheinend nebenbei passierte. Stammübersetzer:innen für LeGuin sind andere. Andererseits habe ich mir die Haefs-Romane nur wegen des LeGuin-Kontextes besorgt. Positiv hereingelegt von mir selber. ↩︎
  • 26-02-21 Westberlinfahrten

    26-02-21 Westberlinfahrten

    Eine Parfümwolke umhüllte mich in der U-Bahn. Geschmacksrichtung: Kirschbonbon.

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    Das Knirschen von Streusplit begleitet meine Wege. Vor der Autowaschanlage bildete sich eine epische Schlange: 40 Autos? 50 Autos? Samstagvormittag und das Ende von Eis und Schnee kombinierten sich zur höchsten Autowaschanlagenbetreiberbeglückung.

    Endlich kann ich wieder lüften ohne die Wohnung sofort in einen Iglu zu verwandeln.

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    Paten-E liebt Spätzle.

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    An der Bushaltestelle erzählte eine junge Frau in hippiesker Aufmachung ihrer Freundin wie sie anlässlich einer Buchmesse das erste mal in einem Edel-Business-Hotel übernachtete: „Es war crazy aber auch inspirierend.“

    Im Eck-Edeka erzählte mir eine etwas ältere Frau im Brustton tiefer Überzeugung: „Was soll ich mit Wein? Ich brauch Bier!“

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    Kaum hatte ich Donnerstag geschrieben, dass meine Hilfsbereitschaft für den Monat aufgebraucht ist, bekam ich eine Mail von einem der fünf Menschen, die mich jederzeit wegen privaten IT-Problemen kontaktieren dürfen.

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    Das syrische Restaurant Planet Cuisine am Kleistpark bietet ein Ramadan-Menü mit Hauptgericht (2 Speisen nach Wahl), Ayran und Datteln. Das kommt auf die innere Liste.

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    Der steigende Zuzug von Inder*innen nach Berlin zeigt sich an der steigenden Zahl von Lebensmittelläden mit indischen Produkten. Eine begrüßenswerte Erscheinung.

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    Es kommt der Punkt im Arbeitsleben an dem ich mich frage „Können unsere Kassenrechner eigentlich Sound ausgeben?“

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    Am Südkreuz eröffnete Bäcker Dreißig by Wöllhaf. Der Moabiter schleppte mich in der Hoffnung auf Eröffnungsangebote hin. Aber es gab nichts besseres als „Sechs Brötchen für den Preis von fünf.“

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    Beim Kaptain fiel nachts um vier bei Minusgraden und starkem Ostwind die Heizung aus. Der örtliche Sänitär- und Heizungshandwerker verwies auf viele andere ausgefallene Heizungen und erklärte Unpässlichkeit.

    Zum Glück scheint beim Anderen, erfahrungsgemäß schwierigen, Heizungdienst mittlerweile ein Generationswechsel stattgefunden zu haben: der Sohn erwies sich als ungeahnt schnell, freundlich und verbindlich.

    Oh wie schön ist ein warmes Haus.

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    Es war ein Arbeitsfreitag und ein Gruschtelsamstag.

    Am 20. März findet die Klausur statt

    Langsam lerne ich etwas ernsthafter für die Digitale-Diversitäts-Klausur. Dabei lernte ich Neues gelernt: Nicht unbedingt inhaltlich im Kern, aber doch, dass dafür inzwischen feste etablierte Theorieanätze existieren:

    • Die IT-Identität (im Sinne von „Mein Dauergamen / meine Programmierkenntnisse / meine Teilnahme an der eSports-Excel-Weltmeisterschaft sind Teil meiner Identität genau wie Geschlecht, Ethnie, und Überzeugungen)
    • Stereotype threat / Stereotype lift: Wenn Menschen wissen, dass ihre Gruppe bei einer Aufgabe als stereotypisch „schlecht abschneidend“ angesehen wird und sie befürchten durch ihr eigenes ungenügendes Abschneiden dieses Stereotyp in der Situation zu verstärken, führt allein dieses Wissen und die Befürchtung zu schlechteren Leistungen. Im speziellen Fall „Digitale Diversität“ erklärt am alten Klassiker Frauen-und-Mint. Und es führt natürlich auch zur Problemvermeidung, indem sich Mitglieder der entsprechenden Gruppen gar nicht erst in entsprechende Sitiuationen begeben.

    Immer wieder nett, „eigene“ Bücher in der Oxfam-Verkaufsauslage zu sehen

    Ausgelesen: Dashiell Hammetts The Dain Curse. Meine zwischenzeitlich schwindende Liebe zum Buch kehrte zurück. Dazu irgendwann mehr. An sich ging es diese Tage eher darum, Bücher durch die Gegend zu fahren als darum, sie zu lesen.

    Es waren Tage der Buchlogistik. Mein Versuch in Schöneberg ein Büchereibuch abzuholen, scheiterte am Bibliotheksausweis. Dieser war zwischen Bestellung und Abholung abgelaufen. Man könnte denken: „Prima, du warst ja eh gerade in der Bücherei.“ Aber ha! Diese spezielle Zweigstelle wird von Ehrenamtlichen betrieben, die keine Stammdaten bearbeiten dürfen. Nicht einmal, um profan Ausweise zu verlängern.

    Also begab ich mich nach Wilmersdorf für ein Miniabenteuer: Meinem Erstbesuch in der eigentlich örtlich für uns zuständigen Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek. Die war freundlich und höflich, aber diese Bibliothekar*innen eigene innere Begeisterung und Drang anderen Menschen zum Lesen und Wissen zu verhelfen, fehlte; sowohl am Tresen wie auch in der ganzen Ausstattung. Irgendwie fühlte sich das emotional kalt an. Ich werde weiter beobachten.

    Also dann mit gültigem Ausweis zurück nach Schöneberg, um Exhalation: Stories von Ted Chiang abzuholen. Immerhin ist mein Jahresmotto ja „Einatmen – Ausatmen.“ In der Thomas-Dehler-Bibliothek habe ich wieder Menschen getroffen, die einem am liebsten sofort die ganze Bibliothek zeigen und vorführen würden und ihre Lieblingsbücher präsentieren – wie ich es kenne.

    Am Samstag absolvierte ich den Gang, den wir seit Monaten hinter uns bringen, und wohl auch noch in sinkender Intensität hinter uns bringen: Ich brachte Bücher zu Oxfam. „Guten Tag, ich habe eine Tasche Buch.“

    Der 101er-Bus hält neben dem Schillertheater

    Während ich dies schreibe, sitzt Madame im ICE 278 Basel->Berlin. Überraschenderweise wird dieser am Bahnhof Zoo halten. Noch überraschendererweise ist das für uns von Belang.

    Es ist spannend. Eigentlich sind wir nur zwei Kilometer parallel zum S-Bahn-Ring gezogen. Aber „unser Berlin“ fühlt sich anders an. Nicht nur im Nahbereich, Alt-Wilmersdorf ist deutlich kleinstädtischer als Alt-Schöneberg. Auch im weiteren Verlauf: Wir sind in einer anderen Einfahrtsschneise in die Stadt gelandet.

    Fielen wir bis 2025 in den Bus oder die S-Bahn auf dem Weg „in die Stadt“ landeten wir entweder an der Schloßstraße in Steglitz oder irgendwo zwischen Potsdamer Platz und Friedrichstraße, da wo auch Brandenburger Tor, Unter den Linden und viele Ministerien sind. Eine Gegend, die bis 1990 oft brach lag, sich seit 1990 neu erfunden hat.

    Ab 2026 führt uns der Weg „in die Stadt“ in Richtung Zoo, Wittenbergplatz, Ku’damm. Das klassische Westberlin. Eine Gegend, die sich immernoch neu finden muss und den Verlust der zentralen Berliner Stadtzentrumsrolle verknusen.

    Und auch wir müssen uns noch finden. Festgestellt: Hit Markt Ulrich am Bahnhof Zoo kann ein ganz normaler Supermarkt auf dem Weg nach Hause sein. Einschließlich des sehr selbstvergessenen Menschen, der auf einer kleinen Eisfläche schnelle Umdrehungen um sich selber machte, der Dame, die dem wartenden Ampelpublikum lautstark etwas verworrenes von Menschenrechten erzählte und dem was die Zeitung wohl „Auseinandersetzung im Obdachlosenmilieu“ nennen würde – immerhin ohne Gewalt.

    Langsam lerne ich die Orientierung durch die Labyrinth-U-Bahn-Station Fehrbelliner Platz. Noch nicht lerne ich, dass ich in der U7 von Schöneberg aus meist nach Westen will und nicht nach Osten.

    Nächtlicher Blick von der Kreuzung am Bahnhof Zoo Richtung Ku'damm. Eine Radfahrerin im Vordergrund, Autos, Teile des Bikinis Hauses und des Zoo-Palastes. Im Hintergrund Europa-Center und Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-KIrche

    Das Sakral muss anspringen

    In einem Blog las ich die Formulierung „das Sakral muss anspringen“ führ „es muss sich richtig anfühlen“, und ich möchte die bitte übernehmen, allein schon um meinen Mitmenschen auf den Keks zu gehen.

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    Jens Bemme über die (wikipedistische) Erschließung historischer sächsischer Tanzkarten: Ordnung muss sein. Extra-Touren mit historischen Tanzkarten – und mit GLAM

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    Johannes mit einem Rückblick auf die Kreuzberger Konzertkasse Koka 36.

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    Christiane war in der Mimosen-Forcerie.

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    Angela und Holger auf dem Karneval in A Coruña.

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    Gestern verschlungenes Unterwegssein mit verschiedenen Zielen. Sitze in der U-Bahn auf dem Weg von der Friseurin nachhause und lese in meinem Buch, „Herkunft“ von Saša Stanišic. Ein Mann steht auf und sagt, während er auf dem Weg zur Tür ist, „das ist ein sehr guter Autor“. Bin erstaunt, dass jemand etwas sagt, einmal, und kann nur kurz zustimmen, was ihn freut.

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    In Hamburg hatte ich nur das Bett und den Schreibtisch. Wie im Hotel. Da kann ich auch nicht lesen. Außer ich verreise mit meiner Frau, wenn sie neben mir liegt, dann lese ich bis in die Nacht hinein. Vielleicht liegt es auch an ihr und nicht am Bett.

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    I’m autistic. Don’t panic. […] Some people who know me may be very surprised to read that I’m autistic. Others will be surprised that it took me so long to figure it out. I understand both.

  • 25-12-11 In Hausschuhen zur Packstation

    25-12-11 In Hausschuhen zur Packstation

    Die Gemüslichkeit bescherte uns Yacón. Eine offenbar in einschlägigen Foodfluencer-Kreisen begehrte Knolle, die wenig überraschend sehr gesund sein soll. Geschmack, roh: überraschend süß, am Ende ein vorbeihuschen von Ingwerwasser. Geschmack, aus dem Backofen. Äh, wässrig-neutral?

    Durch Berlin fuhr eine S-Bahn mit der Anzeige Rentier-Express.

    Kollege Jean aus dem Controlling wurde Dritter bei der Excel-Weltmeisterschaft. This is peak nerdness – in meinem Büro! Nicht nur, dass es Excel-Weltmeisterschaften gibt, ich arbeite mit einem Meister seines Fachs zusammen. Wie unbelievable ist das? Ich stelle mir die Ganggespräche in Las Vegas vor: „What is your job? Goldman Sachs? KPMG? Google? – No. It’s Berliner Bäder AöR.“ Hier der Link zum kompletten Halbfinale und Finale, Jeans Finaleinlauf beginnt bei 2:55:06h.

    In wesentlichem kleineren Maßstab: Ich setze gerade eine Ankündigung aus meinem „Hallo southpark, Willkommen-im-Job“-Gespräch von 2022 um. Damals hatte ich schon gesagt, irgendwann lasse ich die ganzen Ticketsystemdaten durch R laufen und bekomme automatisiert tolle Statistiken. Naja, erstmal galt Gigo1 und das langfristige Projekt der Daten- und Kategorienbereinigung. Dann brauchte ich ein wenig mehr R-Vertrautheit. Aber jetzt wird es und ich freue mich.

    Gut: Ich lernte, wo im Wohnschwimmbad der Team-Raum ist und wer die einladenden Gerüche aus der Teamküche hervorruft. Ungewohnt: Ich weiß das wegen eines abendlichen IT-Supporteinsatzes. Aber c’est la vie – es kommt nicht überraschend.

    Es waren drei Tage zwischen Nachumzug und Erwerbsarbeit.

    Wir stellten fest: Die neue Wohnung fühlt sich deutlich mehr nach Latifundien/Bungalow an als die alte: Raumgrößen und Schnitt sind ähnlich, wir blicken jetzt aus niedriger Höhe (1. Stock) ins Grüne. Durch die Lage, getrennt durch den grünen Parkplatz von der Straße, wirkt es überraschend ruhig und dunkel. Und der Sozialzusammenhalt und die soziale Kontrolle innerhalb eines Schwimmbadteams sind mindestens so ausgeprägt wie in der Dauergartenkolonie. Wenn ich spätabends am Küchenfenster auf der Leiter stehe, weiß das am nächsten Morgen das halbe Bad.

    Aber auch: Wenn wir mal einige Tage nicht gesehen werden, fällt es auf und Leute werden nachforschen.

    Selbst das Autobahngeräusch zwischen Latifundien und Wohnung hat gewisse Ähnlichkeiten. Allerdings fehlt dem Bungalow der Gong, der das Ende der Badezeit ankündigt und die benachbarte Autowaschanlage.

    Paketzustellgeschichten

    Lobend sei erwähnt: UPS war der erste Paketdienst, der auf Anhieb in der Lage war, uns an der neuen Adresse ein Paket zukommen zu lassen.

    Geschichten aus Schöneberg. Ein DHL-Paket kam noch an der alten Adresse an und wurde an eine Späti-Post geliefert. In der türmten sich gut sichtbar die Pakete. Allerdings hing im Fenster ein handgeschriebener Zettel: „Post aus technischen Gründen außer Betrieb. Wir wissen nicht, wann sie wieder funktioniert.“ Das Späti-Personal mochte auch keine Fragen dazu beantworten, weigerte sich allerdinsg beharrlich etwas aus dem prominent platzierten Paketstapel auszugeben, denn „Post außer Betrieb.“

    In Wilmersdorf gelang es mir, das erste Paket in Hausschuhen und nur notdürftigen ausgehfeinem Dress aus der grundstückseigenen Packstation zu bergen. Es hat Vorteile, die Paketstation in 10 Metern Entfernung von der eigenen Haustür stehen zu haben.

    Wahrhaftig ist die Packstation näher an unserer Haustür als unser eigener Briefkasten. Dieser hängt am Schwimmbad-Haupteingang. Damit hat er eine andere Straßenadresse als die Haustür und als unsere Meldeadresse. Und, wie Madame erfuhr, liegt er zu allem Drama auch noch räumlich in einem anderen Briefzustellbezirk als unsere Meldeadresse. Der bisherige Stand ist, dass „unser“ Briefträger (Zuständig für den Eingang Meldeadresse), die Post an seinen Kollegen (Zuständig für den Haupteingang Schwimmbad) übergeben müsste, der sie dann in den Briefkasten wirft.

    Mir scheint, das Thema ist noch nicht beendet.

    Bordsteinkantengeschichten

    Die Nachfragen im Bad werden häufiger, wenn ich denn mal schwimmen kommen. Und es ist absurd. Seitdem ich im Schwimmbad wohne, war ich noch nicht einmal baden. So sehr rufen Kartons und unaufgebaute Regale in der Nachumzugswohnung nach Liebe und Aufmerksamkeit als dass ich es über mich brächte, diese noch einmal zu verlassen und dann mit mehr Chaos (nasse Klamotten, nasse Handtücher – wohin?) zurückzukommen.

    Überhaupt bleiben es Wohnungstage. Gut dabei: die CDs sind gefunden und im Regal, dabei sogar besser erreichbar als in der alten Wohnung, das Küchenradio (mit CD-Player) ist eingerichtet und ich kann einfach so CDs rausziehen.

    Aktueller Zufallsfund: muff.potter – Bordsteinkantengeschichten. Melancholisch-poetischer Poppunk aus dem Münsterland der späten 1990er. Manchmal denke ich „Jo, schmerzt ein bißchen das Klischee, aber sie waren jung.“ Oft denke ich: „Hat sich überraschend gut gehalten, diese Provinzjugendverzweiflung und alles was sie dazu singen.“ Ich entdecke: Sänger und Texter Nagel schreibt mittlerweile recht erfolgreich Romane. Ich bin nicht überrascht.

    Es werde Dunkelheit

    Am Wochenende war das Canapee nicht einmal sichtbar, jetzt kann ich schon regelmäßig darauf sitzen! Jetzt kommt aber die Zeit des Denkens. Es sind noch viele Bücherkartons übrig. Diese müssen in Regale. Die können wir aber sinnvoll erst einräumen, wenn wir wissen, wo sie hinsollen. Das wissen wir erst, wenn wir wissen wie die Schreibtisch im Kaminzimmer stehen werden. Um die Schreibtisch im Kaminzimmer zu stellen, ist aber kein Platz, weil alles voller Kartons ist.

    Immerhin gelang es Madame, die Schrankschlüssel in einem Karton zu finden deren Fehlen bisher verhindert hatte, dass wir die Kartons auspacken können, in denen dann die Schlüssel lagen.

    Jeden Tag herrscht etwas weniger Sonderzustand und etwas mehr Alltag. Zum Entertainment aller Vorübergehenden stieg ich in der Küche auf die Leiter, hangelte hinter die Verkleidung vom Dunstabzug und mit viel Balance und wenig Fluchen gelang es mir, die IKEA-Fernbedienung Rodred mit der IKEA Unterbaubeleuchtung Irsta zu koppeln. Das ist gut, denn bisher konnten wir das Licht nur über die Sicherung an und ausschalten.

    Das war misslich. Noch misslicher war es, wenn der Sicherungskasten einen Großteil der Zeit von Umzugskartons versperrt ist.

    Anmerkungen

    1. Garbage in – garbage out. Oder anders gesagt: wenn die zugrunde liegenden Daten unvollständig, fehlerhaft und zufällig sind, dann kann die beste Datenauswertung nicht mehr viel machen. ↩︎