Schlagwort: Botanischer Garten

  • 26-07-12 Chopin mit nasser Hose (Frankfurt(Oder) -> Warschau)

    26-07-12 Chopin mit nasser Hose (Frankfurt(Oder) -> Warschau)

    Am Bahnhof Warszawa Centralna steht ein Chatschapuri,-Automat.

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    Am Bahnsteig in Frankfurt ein Zwillingspärchen im Partnerlook. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten hatten sie beide weiße Sneaker, aber verschiedene Modelle, beide eine marineblaue Hose, aber verschiedener Schnitt, beide weiße Oberteile – einmal Bluse, einmal etwas jackenähnliches, beide weiße Kopfhörer (einmal kabellos, einmal mit Kabel). Das war Partnerlook für Fortgeschrittene.

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    Hallo Berlin. Ich möchte es nur gesagt haben. Wir sind jetzt ziemlich kreuz und quer durch Warschau, seine Metrostationen und Bahnhöfe. Und jede einzelne Rolltreppe funktionierte. WIe auch die komplette sonstige Infrastruktur. Bitte Berlin nimm dir ein Beispiel.

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    Speedblogging die zweite: mal schauen wie weit sich das reisende ich vom bloggenden ich absetzen kann.

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    Es waren anderthalb Reisetage. Glaube ich.

    EC47

    In der Sitzreihe hinter uns in Wagen 267 saß ein deutsches Paar – anscheinend bereits in Alter beginnender Schwerhörigkeit – das anscheinend seinen ersten Warschau-Besuch plante. Auf jeden Fall las er ihr über Stunden aus einem Warschau-Reiseführer vor. Das war manchmal interessant, manchmal anstrengend und für uns beide zwischendurch hilfreich beim Einschlafen in den Zugschlaf.

    Denn, wie zu ahnen, sobald wir die Oder überquert und den Einzugsbereich der Deutschen Bahn hinter uns gelassen hatten1, lief alles reibungslos, selbst die Sitze waren hoch genug, dass ich meinen Kopf anlehnen konnte, und wir konnten entspannt zwischen Posen und Kotnu zwischenschlafen.

    Hola Oder

    Polen ist leer, aber hübsch. Im Zug, zumindest in Wagen 267, waren diesmal überraschend wenige Polen auf Heimreise und überraschend viele Deutsche im Urlaub. Das Paar vor uns holte Pierogi aus dem Speisewagen, das Personal war nett, und wir haben, hallo Deutsche Bahn, zwischendurch auch gesehen, dass Toiletten gereinigt wurden.

    Fancy schmancy wie Komfort Check In oder App-Bestellung am Platz gab es natürlich nicht. Aber auch wenn der Satz für jemand, der selber berufliche „Digitale Transformation“ macht – Züge, die dann abfahren und ankommen wie angekündigt sind am Ende halt geiler als Komfort Check-In.

    Railmap-Screenshot: Einfahrt in Warschau

    Und so schaute ich auf der Railmap wo wir langfuhren und freute mich, dass wir wie geplant um 1704 im Warszawa Centralna einliefen und 200 Meter später im Hotel standen.

    Saturday my feelings alright

    Wo kamen sie her die Menschen? Wo kamen sie her die Kleider? Auf den wenigen Metern von Centralna zum Polonia Palace sahen wir mehr aufgebrezelte junge Menschen, als im letzten Jahr Berlin zusammen. Das war auch nicht mehr polnisch-nightlive-chic, das war Hochzeit / Festlicher-Abiball.

    Wir bekamen es nicht heraus?

    Wir aber waren erst einmal froh das Hotel mit Sicht auf den Kulturpalast zu haben, im vielleicht besten Bett der Reise zu schlafen und anzukommen. Hallo Urlaub!

    So erdbeerig wie pilzig

    Wenn man das zweite mal in zwei Jahren in ein Lokal geht, und vorhat das wieder zu tun, dann ist das ein Stammlokal. Das Browar Warszawskie in der Ex-Brauerei von Haberbusch i Schiele2 ist ein solches. Fancy genug, um etwas besonderes zu sein, bodenständig genug, dass ich mich auch nach einem langen Reisetag im T-Shirt nicht komplett fehl am Platz fühle.

    Das Essen ist vage polnisch, aber in chic, das Publikum bunt gemischt zwischen Warsawa Party People am Shisharauchen und festlich angezogenen Tourist*innen. Und vor allem können sie kochen,

    Wir aßen: Duck Soup (Madame) bzw. kalte Erdbeersuppe (ich) als Vorspeise. Danach Boeuf Stroganoff (ich) bzw. den Filet Mignon Burger (Madame) als Hauptgang und wir teilten uns Chocolate Fondant mit Biersauce und polnischem Blauschimmelkäse als Dessert.

    Die Erdbeersuppe schmechte nach dem Besten was Erdbeeren so können, das Boeuf mit Pilzen nach dem Besten was der Wald bietet, und diese Schoko-(milder)Blauschimmelkombinatiin: So großartig.

    Jederzeit wieder.

    Erdbeerige Erdbeersuppe. Quasi Konzentrat der Erdbeerigkeit mit Scharf.

    Kimchi und Duschmatte

    Einst, 2023, waren wir im Zuge der Polen-Rundreise ein paar Tage in Warschau. Wir hatten dort das mit Abstand schlechteste und teuerste Hotel der Reise, zuckten aber leicht resignierend mit den Schultern: „Warschau halt“. Mit großen Augen liefen wir am Polonia Palace vorbei, das schon von außen versprach ein tolle Erfahrung zu bieten, aber auch nach unbezahlbarem Grand Hotel wirkte.

    Wir hatten halb recht: Grand Hotel stimmt irgendwie. Aber es kostet nicht mehr als das leicht verrotete besseres Hostel zwei Straßen weiter. Der BWLer in mir versteht nicht, wie das funktioniert, aber der hat ja auch gerade Urlaub. Deshalb freue ich mich am gigantischen Zimmer, einem Zimmerservice, der sofort Duschmatten bringt wenn benötigt, einem richtig guten Bett, richtigen guten Möbeln und einer Soundanlage, die Fernseh- und Radioton in das Badezimmer mit der Badewanne überträgt.

    Und ach, das Frühstück, ich war überfordert: Frisches Obst, frisches Gemüse, viel Salat, Ei in gerührt, gespiegelt und hartgekocht, frische Waffeln, Bratäpfel mit Beeren, Käsekuchen, Tapioka-Pudding, überbackene Tomaten, Makrelen, Hering, Kimchi(!), Grünkohl-Smoothies, süße Pierogi.. und irgendwann konnte ich nicht mehr.

    Kurz überlegten wir einfach so ausgiebig zu frühstücken, dass wir den ganzen Tag nichts mehr brauchen, aber das wäre dann später auch schade gewesen,

    An diesem Eingang liefen wir einst vorbei und schmachteten das Hotel an. Nicht ahnend, dass wir 2026 das Zimmer genau darüber im 1. Stock belegen würden.

    Am Klavier Karolina Nadolska

    Wenn wir schon Stammhotel und -restaurant haben, können wir auch Stammbeschäftigungen entwickeln in der Stadt: Das Chopin-Konzert zum Beispiel. Seit 1959 finden jeden Sommer jeden Sonntag Chopin-Klavierkonzerte am Chopin-Denkmal im Łazienki-Park statt.

    2023 hatten wir uns vor der brutalen Hitze in den Park geflüchtet, lagen um 12 reglos irgendwo unter dem Busch im Schatten und stolperten eher zufällig ins Konzert. Wir waren aber angefixt genug, um die zweite Runde um 16 Uhr auch mitzunehmen. Besser vorbereitet, es war auch nicht mehr ganz so brülledn heiß, aus einer Sitzbank außerhalb der Sichtweite des Klaviers aber in Hörweite.

    Diesmal waren wir noch besser vorbereitet: Wir hatten eine Unterlage mitgenommen, um uns auf den Rasen direkt am kleinen Teich am Denkmal zu setzen. Leider war es diesmal aber nicht heiß, sondern vorher war ein Wolkenbruch herniedergegangen: in 10 Minuten waren die Handtücher durch, in 20 Minuten die Hosen und in 30 Minuten die Unterwäsche.

    Was machten wir nicht alles für ein wirklich schönes Konzert von Karolina Nadolska am Klavier.

    Luftwurzelschauen

    Das Konzert war schön aber nass. Danach waren wir nass und leicht durchgefroren. Zurück ins Hotel zu fahren, wäre eine Idee gewesen. Aber ich wollte nicht, wo der Urlaub gerade erst angefangen hatte, gleich mit einer Pause beginnen.

    Glüclklicherweise liegt neben dem Łazienki-Park gleich der Botanische Garten der Universität Warschau, und in diesem ein Subtropenhaus und ein Palamarium.

    Waren wir 2023 noch in den Park geflüchtet um den 37 Grad Außentemperaturen zu entkommen, flüchteten wir uns 2026 ins Palmarium aus der Flucht vor den nasskalten 19 Grad – beides im Juli.

    Wir schauten Orchideen und mehr Orchideen, die Klassiker wie Kaffee, Bananen und Kakao, und mehr Orchideen und eine wirklich schicke Abteilung mit fleischfressenden Pflanzen. Mal ausnahmsweise nicht als Einzelpflanze sondern in größeren Gruppen in einer ganzen Anlage.

    Ebenso spannend wie erwärmend,

    Nachdem wir uns dank Tropenhaus wieder etwas aufgewärmt hatten, ging es in den Freiluftteil des Botanischen Gartens. Danach brachte uns die Metro zur Führung durch die Reste des Warschauer Ghettos und danach zur Weichselpromenade. Aber das soll ein andernmal erzählt werden.

    Verkehrsmittelzählung

    (Stand Botanischer Garten Warschau):

    1 Fernzug, 1 Regio, 2 S-Bahnen (Berlin), 5 Trams (2, Ffo, 3 Warschau), 2 Busse (Warschau); hinzugekommen 2 Trams, 2 Busse (Warschau Essengehen), 1 Tram (Fahrt in den Łazienki-Park)

    Links

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    Karen ist auf ihrer Halbeuropatur durch Deutschland durch: Halbeuropatour ’26 (4): Prag

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    Als Künstlerin mit Kind: [W]enn aufbauten besonders lange dauerten durfte anton auf den fernsehern, die ich in meine arbeiten einbaute, kinderfilme auf vhs-kassetten schauen.

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    Herr Rau über seine Filmgeschichte: Nickelodeon (Peter Bogdanovich 1976) und Filme der 1970er Jahre

    Die Reise

    Anmerkungen

    1. Der Fairness halber sei noch erwähnt, dass die Deutsche Bahn was Streckenlängen und -zahl, Menge der Zugfahrten und Menge der Passagiere in einer ganz anderen Liga spielt als die PKP. Eine gesellschaftliche Diskussion sähe anders aus. Aber die Diskussion „Meine Bedarfe als zugfahrender Urlauber“ ist ein stehender K.O.-Sieg in der ersten Runde für die PKP. ↩︎
    2. Haberbusch i Schiele sollten wir später noch einmal bei der Warschauer-Ghetto-Führung treffen. Aber später, ↩︎
  • 26-06-02 Mondtäuschung und Mohntäuschung

    26-06-02 Mondtäuschung und Mohntäuschung

    Madame möchte erwähnt haben, wie großartig der Vorgarten dieses Jahr aussieht.

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    Eine Elster verschwand im Totholzstapel, dort wo letzte Woche die Ente verschwunden war.

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    Auf dem Feldweg: Ein Fahrrad mit Ballondekoration kam uns entgegen. Auf den Straßen um das Grundstück herum: Eine Oldtimerrallye. Selten sah ich so viele Porsches (911, 924, 928) auf einmal, schon lange nicht mehr so viele klassische Volvos und schon gar nicht sechsziger-Jahre Cadillas.

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    Auf dem leeren Acker erspähten wir einen Feldhasen. Nachdem er uns erblickt hatte, legte er die Ohren an und verwandelte sich vor unseren Augen in einen Schlammklumpen.

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    Es war ein Latifundienwochenende zwischen Pilzsporen und Brackwespen.

    Nachträge

    Zwei Nachträge zu Posts der letzten Tage.

    Ein kleiner Nachtrag: Raupen und Schmetterlinge

    Die Raupengruppe, die uns im Botanischen Garten vertrieb, gehörte offenbar zum Großen Fuchs. Damit haben wir nicht nur zwei verschiedene Füchse gesehen (den Fuchs-Fuchs und den Raupen-Fuchs) sondern auch ein gefährdetes Tier von der Roten Liste. Im Botanischen Garten herrschen vermutlich bessere Lebensbedingungen als in der üblichen Monokultur-Landwirtschaft auf der Fläche.

    Ein größerer Nachtrag: Psychologie und Wirtschaftsinformatik

    Nachdem mich auf der Fernuni-Alumnifeier die ungefähre 20:1 Ratio von Psycholog*innen zu Wirtschaftsinformatikern erstaunte, wollte ich es doch mal genau wissen, woran es liegt. Mir fielen einige mögliche Gründe ein:

    • Psycholog*innen (P) wohnen in Berlin und kommen dort zum Campus, Wirtschaftsinformatiker*innen (W) irgendwo anders (zB Nürnberg)
    • P gehen eher zu so einer Feier, W bleiben eher zu Hause.
    • P machen eher einen Abschluss, W bleiben im Studium stecken
    • Mehr Menschen studieren P als W.

    Die erste Annahme kann ich mangels Zahlenkenntnis nicht testen und muss davon ausgehen, dass die Absolvent*innen geographisch gleich verteilt sind.

    Der Feier-Bias

    Aber ich kann mit Hilfe der Fernuni-Statistiken sehen, dass P eher zur Feier gehen als W. In Psychologie erlangten 2025 (das relevante Jahr hier) 826 Menschen (614 Bach + 212 Mast) einen Abschluss, in Wirtschaftsinformatik 246 Menschen (98 Bach + 148 Mast). Also kein Verhältnis mehr von 20:1 sondern nur noch von 3,5:1. Oder anders gesagt, die Chance dass ein*e Psycholog*in zur Feier geht, ist fünf – bis sechsmal so hoch, wie ein Winfo.

    Wenn ich dann nicht nach Absolvent*innen gehe, sondern nach Eingeschriebenen, dreht es sich nochmal. Psychologie studierten im letzten Wintersemester 12.920 Menschen (11.351 Bach + 1.569 Mas), Wirtschaftsinformatik 5273 Menschen (3651 Bach + 1622 Mas), also nur noch ein Verhältnis von 1:2,45. Psycholog*innen machen eher einen Abschluss als Winfos.

    Die einen und die anderen

    Fast spannender finde ich aber die auffallenden Unterschiede zwischen Bachelorn- und Mastern in beiden Studiengängen. Denn hier können wir an den Ursachen für anderes Feierverhalten und Abschlüsse herumraten.

    Denn ich glaube, es sind verschiedene Gruppen, die die Fächer studieren: Alle Wirtschaftsinformatikstudis, die ich traf, waren meist jünger als ich, aber in der ähnlichen Situation: Irgendwie sind sie beruflich in das Feld hineingeraten und wollen nun aus verschiedenen Gründen auch einen entsprechenden Uni-Abschluss.

    Dabei traf ich gelernte Fachinformatiker, die einen Uniabschluss und BWL-Grundlagen wollten, oder Kaufleute, die in IT reinrutschten oder ähnliches. Quasi alle hatten schon einen Vollzeitjob und irgendeine Art eines beruflich/universitäten Abschlusses, mussten allerdings das Studium irgendwie mit einem Vollzeitjob zum Ausgleich bringen, bei allen war der Abschluss mehr nice-to-have als dringende Notwendigkeit.

    Psychologie hingegen ist bundesweit ein hartes NC-Fach, außer in Hagen. Die Fernuni bietet die Chance, direkt nach dem Abi Psychologie zu studieren. Deshalb die hohe Zahl der Bachelors, deshalb die größere Notwendigkeit den Abschluss zu machen (in dem Fall ist es ja meist der erste) und deshalb auch waren die ausgezeichneten dort im Schnitt ein Stück jünger als in den anderen Abschlüssen.

    Ein kleines Stück Richtung Hamburg

    Unwetterwetter ohne Unwetter

    Wir frühstückten unter dem Vollmond. Gesehen haben wir ihn nicht, denn eine Hälfte des Himmels war strahlend blau, die andere bewölkt. Aber das Internet hatte gesagt „Vollmond, 31. Mai um 10:45h“. Dann wird es wohl so sein.

    Vielleicht erklärte er das seltsame Klima des Wochenendes.

    Es war ein seltsames Wetter. Sehr schwül, drückend, aber laut Regenradar war das nächste Regengebiet hunderte Kilometer entfernt. Freitag abend schon hatten die Mücken verrückt gespielt. Wir hatten uns schon eingesprüht, noch während wir am Ausladen waren. Selbst das stoppte sie nicht: Durch (leichten) Schuh und Socken entdeckte ich am nächsten Morgen ein halbes Dutzend Mückenstiche an den Füßen.

    Morgens setzte mein Allergie-Pilz ein und sporte und sporte. Zum Glück gibt es solche Tage nur ein oder zweimal im Jahr. Zwischendurch war nicht mehr die Nase komplett zu, sondern ich flüchtete mich auch vor Licht ins Haus, weil es die Augen schmerzte. Verbunden mit den Rückennachwehen war dies ein unerfreulicher Morgen.

    Ein hoch auf die moderne Chemie, die mich bis Mittags wieder halbwegs hergestellt hatte.

    Fast-Vollmond am Abend zuvor. Sah in echt größer aus.

    Nur das Monokol fehlte

    Die Nachtigall hatte uns am Freitagabend begrüßt. Bis zum Aufstehen am Samstag hatte sie sich heiser gesungen. Oder es war ein Fasan, der blökte.

    Seitdem alle Nachbarskatzen alt geworden sind, und es nicht mehr auf unser Grundstück schaffen, hat die Zahl der Vögel deutlich zugenommen. Selbst der Bussard, den wir hörten, und der Milan, den wir sahen, hielt Spatzen, Meisen, Grasmücken und andere nicht ab.

    Gegen Abend kam die Nebelkrähe in ihrem grauen Frack und schritt die gemähten Gartenwege aufmerksam und gravitätisch ein Inspektor aus dem Neunzehnten Jahrhundert ab, schauen, ob auch alles recht ist.

    Unverändert reichlich die Insekten. Die Distelfalter sind auf Nordafrika zurück. Die Hornisse schaute kurz vorbei, bei den ganzen Wildbienen und Schwebfliegen ist jeder Versuch, eine Übersicht behalten zu wollen, sinnlos. Wir entdeckten: In der Holzlege hat sich vermutlich eine Kolonie Brackwespen angesiedelt.

    Nur der Marder ist komplett unbeeindruckt von Wetter und Katzen, kommt weiterhin zum Auto, springt von der rückwärtigen Ladekante aufs Dach, kaut ein bißchen an der Antenne herum und rutscht dann über die Frontscheibe wieder hinunter.

    Sowie Storchschnäbel

    Aus der Wahrnehmung bekannt ist der Begriff der Mondtäuschung – ein tief stehender Mond (oder eine tief stehende Sonne) kommt Menschen deutlich größer vor, als sie „objektiv“ sind. Die lässt sich einfach überprüfen, indem mensch diesen Mond fotografiert und staunt, wie klein er auf dem Foto ist.

    Uns neu war die Mohntäuschung: die Beete sind voller Farben, lauter kleine Blüten, oft schwebend, die dem ganzen den Anblick eines impressionistischen Gemäldes (Madame) bzw. eines bunten Wyschywankas (ich) vermittelten. Auf den Fotos war es überwiegend grün. Die Kamera hat keine Ahnung von Pflanzen. Nur der massiv scheinend Mohn konnte sie nicht täuschen.

    Rotmilan, Feldhase und Großer kleiner Fuchs

    Leicht wehmütig strich ich beim Latifundien-Fahrrad über den guten Brooks-Sattel. Den der Fahrradmeister hatte mich informiert, dass alle deutschen Großhändler diesen aus dem Programm genommen haben – Brexit sei Dank. Jetzt gibt es sie nur noch über das Internet.

    Nachdem unsere Pfingstexkursionen erfolgreich, aber anders als gedacht, waren, wollten wir den nächsten Versuch machen. Wir kamen etwa 100 Meter weit. Dann begann Madames Sattel ihr mitzuteilen, dass er so nicht mehr weitermachen will, und das wir ihn auch nicht mehr feststellen können. Diese Exkursion blieb kurz.

    Erfolgreicher war der Spaziergang um’s Carré, der sich, wie von Madame prognostiziert, hervorragend auf den Rücken auswirkte. Wir trafen Schmetterlinge (eventuell schon wieder der Große Fuchs, vermutlich eher ein großer Kleine Fuchs), Bachstelzen flogen vor uns über die Straße, dicht gefolgt von Schwalben. Als wir in der Einfamilienhaussiedlung den Zustand von Schottergärten zehn Jahre nach der Erstanlage begutachteten und beim modernistischen Haus mit Rasenmähroboter beide den Delphinbrunnen aus Jacque Tatis Mon Oncle vermissten, flog eine Schafstelze minutenlang auf dem Weg vor uns.

    Was wäre es erst für ein Paradies, wenn die Äcker nicht nur Monokulturmais enthielten, sondern echte Lebensräume für Tiere?

    Back to Berlin

    Die FFFW (Frühlings-Frühsommer-Feiertags-Wochen) sind vorbei1. Bis zum Urlaub in sechs Wochen heißt es jetzt erstmal wieder durcharbeiten. Dafür zurück nach Berlin.

    Die Mauersegler sriehten, eine sehr schlecht gelaunte Nebelkrähe rrahte und die Autowaschanlage wuschbrummte.

    Links

    Jemand hat Christa Chorherr als Zeitzeugin interviewt. Und das ist eine ganz vortreffliche Idee; Interview durch ein US-Team als Zeitzeugin (1) und Teil 2

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    Falls ich jemals etwas sammeln werde, dann Keyboards: Neues Keyboard: Athena 1800

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    Rosalias Berghain schlägt Wellen weit über die üblichen Kreise hinaus. Herr Buddenbohm motivierte mich, jetzt doch mal ihren Brit-Awards-Auftritt anzusehen. Viel Lob gibt es anderswo. Mir fielen nur zwei Sachen auf: (1) Bewunderung einen Chor zu finden, der aus lauter Models zusammengesetzt ist. (2) Dieser Trick, Nina Hagen auf die Bühne zu holen und so zu tun als sei sie Björk – marvellous.

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    Wo ich gerade so tue als wäre ich noch im Alter für aktuelle Musik, gleich zwei mal Festivals: Das hier schön erwähnte Wave-Gotik-Treffen in Leipzig bei mesalunita und das Immergut bei loosy.

    Ich dachte, wir würden uns alle gemeinsam ein bisschen in Erinnerungen schwelgen. Aber dann sagte einer meiner Mitarbeiter: „Neunzehn Neunundneunzig! Das war drei Jahre vor meiner Geburt.“

    1. Wäre Berlin katholisch blieben mir diese Wochen noch die FFFbFW (Frühlings-Frühsommer-Feiertags-bis-Fronleichnam-Wochen) ↩︎
  • 26-05-26 Eis Strawberry Matcha Latte mit Fuchs an blühenden Kakteen

    26-05-26 Eis Strawberry Matcha Latte mit Fuchs an blühenden Kakteen

    Abendessen zum srieh srieh der Mauersegler.

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    Tage mit knapp 30 Grad verschaffen mir einen Stand über das aktuelle Tattoo-Geschehen. Besonders schick: die schulterblattgroße Gottesanbeterin.

    Auch ohne 30 Grad habe ich noch nie eine komplett tätowierte Hand-Innen-Fläche gesehen. Jetzt schon.

    Dabei fiel mir im Hallenbad auf, dass dies – im Gegensatz zum Freibad – normalerweise eine tattooarme Zone ist. Hat das schon jemand erforscht? Warum gehen Menschen, die Tätowierungen mögen, nicht ins Hallenbad? Warum lassen sich Hallenbadfans keine Tätowierungen stechen?

    Denn der Mikro-Urlaub begann nass. Nach dem freitäglichen Besuch im Potsdamer blu und dem samstäglichen Besuch im Insulanerbad, mussten wir natürlich auch noch einmal ins eigene Hausbad.

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    In eben jenem Hallenbad wartete ich im Foyer auf Madame, sah die Mutter-Sohn-Gruppe die leicht hektisch, aber mit viel Enthuasiasmus durch die Drehkreuz eilte, nur um fünf Minuten später entsetzt wiederzukehren, weil das Hallenbad kein Freibad ist.

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    Madame und Kellerkind unternahmen dem Anlasse des Besuches nach eine religiös-touristisch-kulturelle Berlintour. Sie begann mit dem Noonsong in der Kirche am Hohenzollernplatz und beinhaltete eine Bötchenfahrt auf der Spree, Kaffee auf dem Dach des Humboltforumschlossesn, die Besichtigung der neu renovierten St. Hedwigs-Kathedrale.

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    Es waren Besuchstage zwischen Huhn (geschmort), Raupen (krabbelnd) und Mauerseglern (sriend).

    Tajine Oase

    Mein Fernuni-Modul Dienstleistungsmanagement stimmte mich auf die Tage ein: „Analog zum Denken und Fühlen des Kunden durchlaufen auch die Restaurantmitarbeiter Denkprozesse und haben Gefühle, die für den Kunden nicht sichtbar sind“ – das war in dem Fernuni-Kontext natürlich als sachliche Info gemeint, liest sich aber auch wie ein leicht verzweifelter Appell an das Benehmen der Kundschaft.

    Wir allerdings sind ja ebenso herzensgute wie ausgesprochen höfliche Menschen, würden immer auf Denken und Gefühle der Mitarbeiter*innen Rücksicht nehmen.

    Wir hatten gedacht, dass, wenn wir schon Besuch aus anderen Gegenden Deutschlands haben, dann suchen wir uns für den Berlin-Abend etwas aus, was mehr BERLIN sagt als das eher dörfliche Alt-Wilmersdorf. Kreuzberg sollte es sein. Es wurde Kreuzberg 36. Es wurde sogar noch kreuzbergiger als geplant, wenn wir gerieten ungeplant in die Ausläufer des Karnevals der Kulturen.

    Das war auf der Straße schick anzuschauen, in der U3 zeitweise ziemlich kuschelig und wir lernten im vorbeihören, dass die U3 auf berlin-türkisch die „U üç“ ist. Wir allerdings fuhren so tief in das ehemalige Mauer-Kreuzberg, an das der revolitionäre Postbote noch lebhafteste Erinnerungen hatte, dass wir den größten Teil des Karnevals schon wieder uns ließen.

    Am Ort des Geschehens, dem Baraka am Görli, waren wir weit genug entfernt von den Feiern, so dass wir Platz haben, und nur vereinzelte Kulturkarnevalist*innen vorbezogen. Der revolutionäre Postbote mopperte, dass die U-Bahnen zu seiner Zeit noch viel mehr quietschten und es dafür auch noch andere Geschäfte als nur Restaurants in der Ecke gab – aber those are the times.

    Die Stimmung war ausgezeichnet, denn wir waren vollzählig geworden: Team Hamburg und Team Ist-das-noch-Brandenburg-oder-schon-Sachsen? waren auch dazu gestoßen.

    Oase-Platte für 3 Personen oder so. Im Uhrzeigersinn, um 12:05h beginnned: Kartoffelsalat, Joghurtsauce, Hummus, so Tomaten-Paprika-Zeugs (Ayvar?), Falafel, Rote Beete, Bohnen, Baba Ganoush, Reis, Hallumi, in der Mitte Hähnchen-Tajine.

    Die Raupen. Der Fuchs.

    Kellerkind kehrte zur pfingstsonntäglichen Messe mit Bischof am Sonntag zurück in die St. Hedwigs-Kathedrale.

    Da religiösen, kulturellen und gastronomischen Gelangen ausreichend Rechnung getragen wurde, sollten biologische Belange folgen. Der Botanische Garten liegt nicht nur vage auf halber Strecke zwischen Wilmersdorf und Potsdam, sondern bietet auch hitzeangemessene Schattenbereiche.

    Amerikasee

    Wir schlenderte, ließen uns schnell mit Fernuni-Skript und Büchern am Amerikasee nieder. Das wogen der Bäume, das Rascheln des Grases, das Quäken der landenden Enten und die Schreie der beraupten Gartenbesucher*innen.

    Vom See vertrieben nicht die Mücken, sondern die Raupen. Ob sie Speed-Kletterer waren? Ob sie von den Bäumen fielen? Es waren viele und wir fanden sie auf Hosen, Hemden und Schuhen. Optisch ähnelten sie dem Eichenprozessionsspinner, was die Lage nicht sympathischer machte – allerdings waren sie nicht allergieauslösend, sonst würde ich jetzt nicht mit einem perfekt normal aussehenden Unterarm diese Zeilen tippen.

    Falls jemand diese Raupe bestimmen kann? Bisher am nächsten scheinen Brombeerspinner oder Distelfalter, die es aber beide nicht sein können.

    Japanwald

    Also gingen wir in friedlichere Bereiche. Wir staunten, dass nicht nur die Bäume so aussehen wie in der jeweiligen geographischen Region, sondern auch das Unterholz. Wir staunten, dass so auch die Region Japan frei von den üblichen mitteleuropäisch-brandenburgischen Beikräutern ist, die sich sonst gerne sofort in jedem Wald ansiedeln. Hier im Japanwald waren diese japanisch.

    Ich wunderte mich, warum sind wir nicht öfter da? Der Garten ist sehr schön, unglaublich entspannend, und selbst an eine heißen Pfingsttag verläuft sich das Publikum sofort, sobald man die Hauptwege verlässt. Wir könnten an einem freien Tag sofort in den Bus steigen und wandeln.

    Da fiel es mir ein: Freie Tage, da war was. Sie sind selten, und wenn sie stattfinden, sind wir auf den Latifundien. Wenn es draußen zu ungemütlich für die märkischen Hamptons wird, wird es auch zu ungemütlich für den Botanischen Garten.

    Verdammte Axt.

    Aber wo ich schon mal da war: Lauschen, riechen, atmen, Fernuni lesen.

    Zum Abschied bewarf ich Madame mit Kaffee

    Irgendwann in all das atmen, lauschen und riechen hinein rief Potsdam: „Ihr habt eine Tischreservierung.“ Das erinnerte an Hunger und Durst, und bevor wir mit 101er-Bus, S1, S7 und Tram 96 den neuerlichen Weg zum Nauener Tor antraten, hielten wir vor den großen Gewächshäusern am Kaffeemobil an, wo es neben den üblichen „Kaffeespezialitäten“ auch geeistes, wie den Eis Strawberry Matcha Latte gab.

    Wir suchten uns eine Bank, und stellten fest, dass zumindest ich zu alt für Selfies bin und mir die dafür erforderlichen Grundfähigkeiten fehlen. Beim Versuch, uns selfiegerecht zu arrangieren, bewarf ich Madame mit heißem Kaffee, verfehlte sie jedoch zum Glück knapp.

    Während wir uns sortierten, direkt gegenüber den Gewächshaus, am Kaffeestand, beim zentralen See, an der größten Menschenansammlung des Gartens, sprang ein Fuchs von hinten auf die Bänke. Schaute ein bißchen, roch ein bißchen mehr, trottete zur Freude aller Spontanfotgraf*innen einmal quer über den Platz, roch ein wenig an den Bänken gegenüber, stolzierte über ein Mäuerchen, und verschwand im Gebüsch.

    Gemütlich logieren

    Es wurde Zeit für Potsdam. Wieder in ein Lokal, das in seiner deutsch-mediterran-asiatischen Ausrichtung geeignet für heterogrene Gruppen ist, und darüber hinaus nett am Rande des Holländischen Viertels liegt.

    Das Tomasa liegt im Logenhaus der Potsdamer Freimaurer, das, anscheinend anders als der PotsdamWiki-Artikel suggeriet, sogar noch im Logenbetrieb ist.

    Die Runde bekam angesichts ihrer katholischen Entstehungsgeschichte eine überraschen kenntnisreiche Diskussion über das Freimaurertum hin. So lernten wir, dass die meisten Logen noch reine Männerlogen sind. Es gibt aber auch Frauenlogen und gemischte Logen. Aber: deren Mitglieder dürfen keinen freimauer-sozialen Kontakt zu den reinen Männerlogen haben.

    Was dazu führt, dass in den gemischten Logen de facto auch fast nur Frauen sind, da die Männer, wenn sie schon Freimaurer werden, auf den Kontakt zu den großen, alten Logen verzichten wollen.

    Dazu Rotwildklößchen Königsberger Art und Backhendl. Über uns kreischten die Mauersegler. Wie schon zwei Tage vorher an ähnlicher Stelle vertrieben uns schließlich die Mücken.

    Wir ließen die Residenzübernachtenden zurück und nahmen den Regio nach Wilmersdorf. Am nächste Tag ging es los in die zwei Tage Urlaub-Urlaub in die märkischen Hamptons. Ich packte meinen Koffer und nahm mit: Badehose, Fernuni-Skript und zwei Opernkarten.

    Links

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    Rate das Land: Was aber recht billig war, war, was ich danach gemacht habe, nämlich in ein öffentliches Schwimmbad gehen. Ich wusste ungefähr nichts darüber, außer dem, was mal in der Sendung mit der Maus war: dass da ALLE hingehen. Ständig. Mir waren von den Einheimischen Hot Tubs versprochen worden und Hot Tubs habe ich bekommen. Aber was für welche! In verschiedenen Temperaturen, 38, 40, 42, 44 Grad und einer in Meerwasser. Das ganze Ding war letztendlich ein (großes) Freibad, das komplett auf angenehme Temperaturen aufgewärmt war und dann eben Hot Tubs und ein richtig großes Becken mit 38 Grad, in dem man gemütlich abhängen konnte.

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    Und natürlich das Wichtige: Klatsch und Tratsch aus Cannes

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    Weiter oben in Frankreich: AZ13 – Adieu La Rochelle, Bienvenue Ile de Ré

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    Schicke Zusammenfassung mit vielen Links zur re:publica. Die Idee eines gedruckten Readers zum Ende möchte ich unterstützen: #rp26, tag 3 und fa­zit

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    Hm, denke ich beim nächsten Concept Store, die Bäckerei, die vorher hier drin war, die hatte ein Konzept: Brote, Brötchen, Backwaren produzieren und verkaufen.