Abendessen zum srieh srieh der Mauersegler.
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Tage mit knapp 30 Grad verschaffen mir einen Stand über das aktuelle Tattoo-Geschehen. Besonders schick: die schulterblattgroße Gottesanbeterin.
Auch ohne 30 Grad habe ich noch nie eine komplett tätowierte Hand-Innen-Fläche gesehen. Jetzt schon.
Dabei fiel mir im Hallenbad auf, dass dies – im Gegensatz zum Freibad – normalerweise eine tattooarme Zone ist. Hat das schon jemand erforscht? Warum gehen Menschen, die Tätowierungen mögen, nicht ins Hallenbad? Warum lassen sich Hallenbadfans keine Tätowierungen stechen?
Denn der Mikro-Urlaub begann nass. Nach dem freitäglichen Besuch im Potsdamer blu und dem samstäglichen Besuch im Insulanerbad, mussten wir natürlich auch noch einmal ins eigene Hausbad.
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In eben jenem Hallenbad wartete ich im Foyer auf Madame, sah die Mutter-Sohn-Gruppe die leicht hektisch, aber mit viel Enthuasiasmus durch die Drehkreuz eilte, nur um fünf Minuten später entsetzt wiederzukehren, weil das Hallenbad kein Freibad ist.
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Madame und Kellerkind unternahmen dem Anlasse des Besuches nach eine religiös-touristisch-kulturelle Berlintour. Sie begann mit dem Noonsong in der Kirche am Hohenzollernplatz und beinhaltete eine Bötchenfahrt auf der Spree, Kaffee auf dem Dach des Humboltforumschlossesn, die Besichtigung der neu renovierten St. Hedwigs-Kathedrale.
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Es waren Besuchstage zwischen Huhn (geschmort), Raupen (krabbelnd) und Mauerseglern (sriend).
Tajine Oase
Mein Fernuni-Modul Dienstleistungsmanagement stimmte mich auf die Tage ein: „Analog zum Denken und Fühlen des Kunden durchlaufen auch die Restaurantmitarbeiter Denkprozesse und haben Gefühle, die für den Kunden nicht sichtbar sind“ – das war in dem Fernuni-Kontext natürlich als sachliche Info gemeint, liest sich aber auch wie ein leicht verzweifelter Appell an das Benehmen der Kundschaft.
Wir allerdings sind ja ebenso herzensgute wie ausgesprochen höfliche Menschen, würden immer auf Denken und Gefühle der Mitarbeiter*innen Rücksicht nehmen.
Wir hatten gedacht, dass, wenn wir schon Besuch aus anderen Gegenden Deutschlands haben, dann suchen wir uns für den Berlin-Abend etwas aus, was mehr BERLIN sagt als das eher dörfliche Alt-Wilmersdorf. Kreuzberg sollte es sein. Es wurde Kreuzberg 36. Es wurde sogar noch kreuzbergiger als geplant, wenn wir gerieten ungeplant in die Ausläufer des Karnevals der Kulturen.
Das war auf der Straße schick anzuschauen, in der U3 zeitweise ziemlich kuschelig und wir lernten im vorbeihören, dass die U3 auf berlin-türkisch die „U üç“ ist. Wir allerdings fuhren so tief in das ehemalige Mauer-Kreuzberg, an das der revolitionäre Postbote noch lebhafteste Erinnerungen hatte, dass wir den größten Teil des Karnevals schon wieder uns ließen.
Am Ort des Geschehens, dem Baraka am Görli, waren wir weit genug entfernt von den Feiern, so dass wir Platz haben, und nur vereinzelte Kulturkarnevalist*innen vorbezogen. Der revolutionäre Postbote mopperte, dass die U-Bahnen zu seiner Zeit noch viel mehr quietschten und es dafür auch noch andere Geschäfte als nur Restaurants in der Ecke gab – aber those are the times.
Die Stimmung war ausgezeichnet, denn wir waren vollzählig geworden: Team Hamburg und Team Ist-das-noch-Brandenburg-oder-schon-Sachsen? waren auch dazu gestoßen.

Die Raupen. Der Fuchs.
Kellerkind kehrte zur pfingstsonntäglichen Messe mit Bischof am Sonntag zurück in die St. Hedwigs-Kathedrale.
Da religiösen, kulturellen und gastronomischen Gelangen ausreichend Rechnung getragen wurde, sollten biologische Belange folgen. Der Botanische Garten liegt nicht nur vage auf halber Strecke zwischen Wilmersdorf und Potsdam, sondern bietet auch hitzeangemessene Schattenbereiche.
Amerikasee
Wir schlenderte, ließen uns schnell mit Fernuni-Skript und Büchern am Amerikasee nieder. Das wogen der Bäume, das Rascheln des Grases, das Quäken der landenden Enten und die Schreie der beraupten Gartenbesucher*innen.
Vom See vertrieben nicht die Mücken, sondern die Raupen. Ob sie Speed-Kletterer waren? Ob sie von den Bäumen fielen? Es waren viele und wir fanden sie auf Hosen, Hemden und Schuhen. Optisch ähnelten sie dem Eichenprozessionsspinner, was die Lage nicht sympathischer machte – allerdings waren sie nicht allergieauslösend, sonst würde ich jetzt nicht mit einem perfekt normal aussehenden Unterarm diese Zeilen tippen.

Japanwald
Also gingen wir in friedlichere Bereiche. Wir staunten, dass nicht nur die Bäume so aussehen wie in der jeweiligen geographischen Region, sondern auch das Unterholz. Wir staunten, dass so auch die Region Japan frei von den üblichen mitteleuropäisch-brandenburgischen Beikräutern ist, die sich sonst gerne sofort in jedem Wald ansiedeln. Hier im Japanwald waren diese japanisch.
Ich wunderte mich, warum sind wir nicht öfter da? Der Garten ist sehr schön, unglaublich entspannend, und selbst an eine heißen Pfingsttag verläuft sich das Publikum sofort, sobald man die Hauptwege verlässt. Wir könnten an einem freien Tag sofort in den Bus steigen und wandeln.
Da fiel es mir ein: Freie Tage, da war was. Sie sind selten, und wenn sie stattfinden, sind wir auf den Latifundien. Wenn es draußen zu ungemütlich für die märkischen Hamptons wird, wird es auch zu ungemütlich für den Botanischen Garten.
Verdammte Axt.
Aber wo ich schon mal da war: Lauschen, riechen, atmen, Fernuni lesen.

Zum Abschied bewarf ich Madame mit Kaffee
Irgendwann in all das atmen, lauschen und riechen hinein rief Potsdam: „Ihr habt eine Tischreservierung.“ Das erinnerte an Hunger und Durst, und bevor wir mit 101er-Bus, S1, S7 und Tram 96 den neuerlichen Weg zum Nauener Tor antraten, hielten wir vor den großen Gewächshäusern am Kaffeemobil an, wo es neben den üblichen „Kaffeespezialitäten“ auch geeistes, wie den Eis Strawberry Matcha Latte gab.
Wir suchten uns eine Bank, und stellten fest, dass zumindest ich zu alt für Selfies bin und mir die dafür erforderlichen Grundfähigkeiten fehlen. Beim Versuch, uns selfiegerecht zu arrangieren, bewarf ich Madame mit heißem Kaffee, verfehlte sie jedoch zum Glück knapp.
Während wir uns sortierten, direkt gegenüber den Gewächshaus, am Kaffeestand, beim zentralen See, an der größten Menschenansammlung des Gartens, sprang ein Fuchs von hinten auf die Bänke. Schaute ein bißchen, roch ein bißchen mehr, trottete zur Freude aller Spontanfotgraf*innen einmal quer über den Platz, roch ein wenig an den Bänken gegenüber, stolzierte über ein Mäuerchen, und verschwand im Gebüsch.

Gemütlich logieren
Es wurde Zeit für Potsdam. Wieder in ein Lokal, das in seiner deutsch-mediterran-asiatischen Ausrichtung geeignet für heterogrene Gruppen ist, und darüber hinaus nett am Rande des Holländischen Viertels liegt.
Das Tomasa liegt im Logenhaus der Potsdamer Freimaurer, das, anscheinend anders als der PotsdamWiki-Artikel suggeriet, sogar noch im Logenbetrieb ist.
Die Runde bekam angesichts ihrer katholischen Entstehungsgeschichte eine überraschen kenntnisreiche Diskussion über das Freimaurertum hin. So lernten wir, dass die meisten Logen noch reine Männerlogen sind. Es gibt aber auch Frauenlogen und gemischte Logen. Aber: deren Mitglieder dürfen keinen freimauer-sozialen Kontakt zu den reinen Männerlogen haben.
Was dazu führt, dass in den gemischten Logen de facto auch fast nur Frauen sind, da die Männer, wenn sie schon Freimaurer werden, auf den Kontakt zu den großen, alten Logen verzichten wollen.
Dazu Rotwildklößchen Königsberger Art und Backhendl. Über uns kreischten die Mauersegler. Wie schon zwei Tage vorher an ähnlicher Stelle vertrieben uns schließlich die Mücken.

Wir ließen die Residenzübernachtenden zurück und nahmen den Regio nach Wilmersdorf. Am nächste Tag ging es los in die zwei Tage Urlaub-Urlaub in die märkischen Hamptons. Ich packte meinen Koffer und nahm mit: Badehose, Fernuni-Skript und zwei Opernkarten.
Links
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Und natürlich das Wichtige: Klatsch und Tratsch aus Cannes
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Weiter oben in Frankreich: AZ13 – Adieu La Rochelle, Bienvenue Ile de Ré
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Schicke Zusammenfassung mit vielen Links zur re:publica. Die Idee eines gedruckten Readers zum Ende möchte ich unterstützen: #rp26, tag 3 und fazit
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