Schlagwort: Café

  • 25-11-22 Ick bin ein ChaWiener

    25-11-22 Ick bin ein ChaWiener

    Endlich fand ich eine zweifellos sinnvolle Anwendung von ChatGPT. Es löst jetzt meine Captchas und ist dabei erfolgreicher als ich.

    Madame töpferte ein Seepferdchen nach Art eines mittelalterlichen Elefantenbildes. Allerdings steht ihr das Internet zur Verfügung und so konnte sie ihr Werk vor dem Abschluss noch einmal mit Bildern echter Seepferde vergleichen.

    Das Café Bilderbuch ist weg! Zumindest deutet Frau Karminrot das an und die Insolvenzmeldungen vom 11. August scheinen es zu bestätigen. Meine Reaktion „Oh gott! Sie haben das seelische Zentrum aus dem Kiez gerissen!“. Madame reagierte rationaler mit „Das sah schon lange so aus als sollte es mal überarbeitet werden, aber anscheinend war kein Geld mehr da.“ Passend dazu: Außerdem haben die Leute sich schon immer mit Lektüre wichtig gemacht. Schließlich wurde dafür extra das Café erfunden.– aber heute anders.

    Ich staune: Ich habe im Internet unseren Umzugswunsch bei der Telekom eingetütet und keine 10 Minuten später rief die zuständige Sachbearbeiterin mit sinnvollen Rückfragen und Informationen an. Bei o2 ist sowas nie passiert. Dafür stellt sich der neue anvisierte Stromanbieter tot. Na mal schauen.

    Es war ein Arbeits- und ein Prä-Umzugstag.

    Der Hof und der Müll

    T-10 bis zum Umzug. Wir verzehren die letzten Vorräte aus dem Gefrierschrank. Langsam häufen sich die Momente, in denen wir denken „Das letzte Mal, dass..“ oder „Bald nicht mehr..“

    Ein erfreuliches Bald-nicht-mehr wird auf jeden Fall der Abschied von den Haus-Hallodris. Die entpuppten sich zum Abschied noch einmal als rechte Rüpel-Eumel, als Madame höflich fragte, ob sie es sind, die seit neuestem das Hoftor abschließen und damit die BSR aussperren. Vermutlich getroffen in all‘ ihrer normal-vermüllenden Hallodrihaftigkeit – und gerade offenbar im Termin mit Opfern Kaufinteressierten – reagierten ein Hallodri mit Verbalaggression. Mon Dieu!

    Immerhin scheint ihnen durch das Gespräch aufgegangen, dass Müll-Berge im Hinterhof nicht dem Verkaufsclaim helfen, dass hier ein ordentlich-bürgerliches Haus steht. Passend zum Niveau und ihrem wir-scheuen-Kosten-und-Mühen-Anspruch versenkten sie den herumliegenden Müll jetzt erstmal im Papiercontainer. Mon Dieu!

    Mit der Dresdner Eisebahne

    Auch offiziell sind wir neue Menschen. Seit Freitag sind wir offiziell Bewohner des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf (ChaWi), im Personalausweis klebt ein neuer Aufkleber, seine elektronisch gespeicherten Daten wurden umprogrammiert.

    Zum Abschied fand der Termin in unseren ehemaligen Altbezirk Tempelhof-Schöneberg (TS) statt. Das einzig zeitnah verfügbare Bürgeramt lag an der Grenze von TS zu Brandenburg. Auf mit der Dresdner Eisenbahne ans südliche Ende Berlins nach Lichtenrade.

    Dort: eine epische Unterführung vom Ausmaß eines komplettem Kongresszentrums (siehe Der lange Anfahrtsweg der „Dresdner Bahn“) und ein backsteingeprägtes Ortsbild, dass in Madame sofort Norddeutschlandassoziationen weckte. Kaum sprache es aus, sahen wir eine Filiale des Lübeck/Hamburger Stadtbäckers Junge.

    Aber vor das Pain au chocolat hatte der Plan die Ummeldung gelegt. Das Bürgeramt sitzt im ehemaligen Christophorus-Kinderkrankenhaus. Nachdem wir gemeinsam mit der Sachbearbeiterin dem Start ihres Rechners beiwohnten, lief alles problemlos.

    Passend dazu besichtigte ich endlich die halbfertige Küche, wir brachten ein paar Sachen aus der Kategorie „Sperrig, empfindlich, nur selten benötigt“ aus der alten Wohnung in den neuen Keller.

    Nada

    Gelesen: Jean-Patrick Manchette: Nada – ein Buch, in dem die Akteure quasi immer überhastet, übereilt und spontan agieren, das in seiner Wirkung auf mich aber langsam zersetzend ist. Mit jedem Tag Abstand zur Lektüre denke ich mehr darüber nach und bin begeisterter.

    Paris, 1971, eine Stadt in grau und Dauerregen. Die Hoffnungen von 1968 sind zerstoben – aufeinander treffen eine wild zusammengewürfelte Gruppe der Links-Linken der Gruppe Nada zwischen Desillusionierung, sinnentleerter Gewalttätigkeit und dem Versuch sich an etwas festzuhalten und der Staat in Form emotionsloser Machtausübung.

    Nada entführt den amerikanischen Botschafter, ohne wirklich an Erfolg oder Sinn der Aktion zu glauben und wird im Anschluss vom französischen Staat in einer Schießerei plattgewalzt. Hoffnung hat niemand. Der einzige, der Freude empfindet, ist vielleicht der sadistische Kommissar.

    Fast ein Roman wie ein Gedicht – kein Wort zuviel: Die Szenen sind angerissen, die Dialoge auf das Notwendigste begrenzt, Stimmungen werden in zwei drei Worten gesetzt. Und doch, das deprimierte, graue, zynische Nach-68er-Paris so unfassbar gut getroffen. Ein Roman, für den ich fast ernsthaft französisch lernen möchte, um die Sprache im Original zu lesen.

    Direkt danach: Rainer Erler – Reise in eine strahlende Zukunft. Ein Politthriller von 1986 über Atommüll und Castor-Transorte. Auch kein schlechtes Buch. Aber im Vergleich zum Manchette davor halt, als hätte ich Foucault zur Seite gelegt und jetzt ein Gemeinschaftskunde-Lehrbuch ergriffen.

    Mit Dip, ohne Häuser

    Andere erleben Abenteuer, ich dippe. Immerhin erlebe ich Abenteuer ohne Ende, wenn ich versuche, die beim Dippen entstandenen Saucenflecken wieder aus den Shirts zu bekommen: Rote Beete-Raita

    Frau Blattspinat-U-Bahnverleih besuchte Mühlrose, das letzte für den Braunkohleabbau in der Lausitz abgerissene Dorf: und entdeckte ein Dorf ganz ohne Häuser: Nur mit Straßen, Hecken, erkennbaren Grundstückgrenzen und ganz besonders grünen Rasen auf dem ehemaligen Schwimmbadgelände: Das Dorf ohne Häuser

    Ein Lob des Performative Readings. (via Kieselblog)

    Biopics sind nicht meins. Aber diese Maria-Besprechung macht mich neugierig.

    Wer mit Katz fermentiert, fermentiert gut. Salzgurken bei Magentratzerl.

    Zum Abschluss: Forensic Accounting und KI

    Im Internet traf ich auf einen Artikel zum spannenden Thema KI und die Wirtschaft. Der Artikel hatte mich, als er von „Forensic Accounting“ sprach. Ansonsten ist er glaube ich dem größten Thema von LLMs / KI auf der Spur: Es verbrennt Millarden Dollar, die sich nirgendwo verdienen lassen:

    Nvidia invests in AI startups, startups commit to cloud spending, cloud providers purchase Nvidia hardware, Nvidia recognizes revenue, but the cash never completes the circuit because the underlying economic activity—AI applications generating profit—remains insufficient. (The Algorithm That Detected a $610 Billion Fraud: How Machine Intelligence Exposed the AI Industry’s Circular Financing Scheme)

    Was altbekannt ist, aber immer wieder wiederholt werden sollte:

    OpenAI, valued at $157 billion in its most recent funding round, reported $3.7 billion in revenue for 2025 according to The Information. The company simultaneously disclosed operating expenses of $13 billion, resulting in a $9.3 billion annual cash burn.

    Aber spannenderweise auch eine gute Nachricht für KI-Fans (wenn auch nicht für LLMs):

    November 20, 2025, represents an inflection point in financial markets. For the first time, algorithmic trading systems detected accounting fraud faster than human analysis. The 18-hour reversal from post-earnings euphoria to negative market territory reflects machine intelligence processing financial statement footnotes, calculating deviation from industry norms, and executing trades before human analysts completed their models.

  • 25-08-05 function badoffen() function badsensibel()

    25-08-05 function badoffen() function badsensibel()

    Am Breslauer Platz stehen Trinkbrunnen. Eine gute Idee in einem Sommer, in dem es zwar nur 21 Grad hat, es dank Dauerregen aber schwül ist wie nichts Gutes. Lasst einmal einen Strahl der knalligen Sonne auf mich fallen und ich verwandle mich spontan in einen Schweißtropfen.

    Die ganze Stadt fühlt sich inzwischen wie ein Campingurlaub bei Regen an. Nichts trocknet mehr.

    Neues Lebensziel: Namenspatron einer Pastaform werden. Wobei „Adriano Celentano werden“ eh ein Ziel für das nächste Leben werden könnte.

    Auf einer Café Speisekarte lese ich Guacamole und habe sofort das Lumpenpack in den Ohren. Kaum bin ich an meinem Platz zurück, höre ich vom Nebentisch einen Bericht vom letzte Abend „Es war wie eine WG Party. Aber gehobener.“ Ich fürchte, niemand konnte meinen Kicheranfall verstehen.

    Es war ein Abschied von den Latifundien und anderthalb Bachelurlaubstage in Berlin.

    solution_summary(model; verbose = true)

    Good news: Zwei von drei Bachelorarbeits-Knacknüssen sind erlegt.

    Meine Bachelorarbeit geht ja im Wesentlichen um ein Gleichungssystem zu optimalen Öffnungszeiten von Schwimmbädern. (und den dazu gehörigen Fragen woher / wohin / warum / warumauchdasnoch). Das Gleichungssystem ist schick, hatte aber bisher den Nachteil, dass ich selber es nur mit seltsamen Baumarktworkarounds ansatzsweise lösen konnte.

    Mittlerweile kann ich es dank zwei kleiner JuMP-Funktionen (badoffen() und badsensibel()) lösen (Knacknuss 1) und auch eine lesbare Sensitivitätsanalyse dazu erstellen (2). Damit kann ich nicht nur dieses System lösen, sondern auch gleich ohne Aufwand viel komplexer werden. Damit ist ein großer Schritt vorwärts erreicht.

    Es fehlt nur noch Knacknuss 3: Das ganze auch mit Parametern lösbar zu machen.

    Deshalb der Plan für heute: ParametricOptInterface.jl – JuMP-Example-step-by-step-usage richtig ernsthaft verstehen. Das ist der entscheidende Punkt. Danach wäre ich dann sicher zurück in meiner Komfortzone – gebildet und intelligent wirkende Deko um das Programmiergerüst bauen kann ich normalerweise im Schlaf.

    Der innere Zusammenhang zwischen mittelalterlichem Teppich und Soldatenfriedhöfen

    Madame wandelt derweil durch die Normandie. Sie besuchte das Café La Reine Mathilde in Bayeux, das ihr hier von Gabi Frankemölle bereits in den Kommentaren empfohlen wurde.

    Bayeux besitzt zwei internationale Tourismusmagneten: einen Teppich aus dem Mittelalter und Bunker aus dem 20. Jahrhundert. Es ist eigentümlich wie zwei so verschiedene Gegenstände am Ende fast dieselbe Geschichte erzählen.

    Nachdem sie ausführlich Kathedrale von Bayeux und den Teppich in mehreren Besuchen betrachtete, fährt sie heute mit einer Tour und einem englischen Paar mit Teenie-Tochter die Strände. Alleine die Fotos sehen beeindruckend aus.

    Die somalische Botschaft

    Um am Bachelorarbeitsabgabetermin nicht komplett verzottelt und verflossen in die Welt zu treten, bemühe ich mich Alltagsstruktur aufrecht zu halten. Das hat bei Corona ja auch schon gut funktioniert.

    Also führen mich meine Wege zu einer längeren Fußwegs/Bus-Expedition zu Lidl, der Bücherei, entlang der Schloßstraße, ins Café und zur BioCompany.

    Entdeckt: In der Schloßstraße und quasi fußläufig von hier, residiert die Botschaft Somalias. Sie lebt soweit ich erkennen kann in einer Wohnung in einem Wohn/Geschäftshaus an der Haupstraße. Erkennbar ist das der somalischen Flagge im ersten Stock – weißer Stern auf blauem Grund. Ob der Inklusionsdienstleister Sterntalente seinem Namen daher hat?

    Auch entdeckt: Der immer eher abweisend wirkende Sufi-Orden in der Martin-Luther-Straße verließ uns und wurde gegen ein Brettspielcafé getauscht. Eröffnung am Tag zuvor. Das staune ich über mein Schnellmerken. Das wirkt deutlich einladender. Ich denke mal ich werde in dieser Woche vorbeigehen.

    Vor allem aber entdeckt: das GM26 – ein Café, das es in dieser Gegend (Haupteinkaufsstaße) und in durchgetrifizierenden Berlin des Jahres 2025 nicht geben dürfte. Bereits mehrfach dringend empfohlen von Madame, nutzte ich den Tag, um dort einen Nachdenkcafé zu trinken.

    Offenbar ist es in seiner rumpeligen Gemütlichkeit mit dem traumhaften Innenhof durch eine Raum-Zeit-Falte gerutscht. Es fühlt sich an wie Schöneberg 1985 gewesen sein muss, erinnert an alte Uni-Studi-Selbsterverwaltungs-Cafés – aber mit Stil und Kompetenz. Andere schreiben von „Gefühl eines Bradenburger Hofladens“ (neben dem Einkaufszentrum!) – und irgendwie trifft es das alles.

    Jeder Stuhl und jeder Tisch ein wenig anders. Alles war mal eine alte Garagenanlage, und irgendwie ist hier ein Ort in dem Raum und Zeit auszusetzen scheinen.

    Mit Rad und Boot

    Wenn meine Augen mal auf etwas anderes denn auf JuMP schauen wollte, berachte ich die Punkte beim Transcontinental Race No. 11 – einem Fahrradrennen quer durch Europa, das soweit ich verstehe größtenteils selbst organisiert ist. Auch schön das folgen des Hasthtags #tcrno11 auf Mastodon – wo alle Rennbeobachter auch nicht mehr wissen als sie aus den Punkten entnehmen, aber zum Teil mit großer Fahrrad und Geographieerfahrung rätseln können was passiert.

    Atemberaubende Sekunden, als die beiden führenden die kritische Fähre von Bari nach Durres bekommen musste, kurz vor knapp waren und dann erkennbar durch den Hafen von Bari irrten.

    Radtour anderer Art, auch via Mastodon gefunden: Rebis reist Rad – Osten ohne Plan. Von Deutschland bis derzeit durch Kasachstan auf der Suche nach der ehemaligen Ballettlehrerin, die dort im Lager war.

    Ähnlich episch: Angela und Holger brechen zu ihrer 13-Monats-Segeltour auf, hängen aber noch in Brunsbüttel fest: AZ13 – weitere Details und AZ13 – Zwei Meilen Ostwärts

    Nicht aktuell, aber gerade inhaltlich passend: Gabi Frankemölle in der Normandie.

    Derweil in Chemnitz: Bedenkenswerte Begehungen im Heizkraftwerk Nord (das mit dem bunten Schornstein)

    Die taz war im erweiteren Wohnzimmer: Die bonbonbunte Fressbudengasse des Insulanerbades erinnert an Imbissstände am Strand von Coney Island.

  • 25-02-04 Klausur naht, trotzdem da – Teilzeitstudi-Antifa

    25-02-04 Klausur naht, trotzdem da – Teilzeitstudi-Antifa

    Fiat Lux! Madame testete, ob der Baustellenschmodder an unseren Fenstern eher abwaschbarer Schlamm oder eher ewig bliebender Betonmatsch ist. Es sieht nach Schlamm aus. Sie bekam die Fenster ein gutes Stück sauberer.

    Fiat Lux! Selbst an längeren Bürotagen gehe ich im Hellen aus dem Haus und verlasse zumindest in der Dämmerung die Südkreuz Offices.

    Happy office days because of zwei neue Kolleg*innen.

    (Auch Du kannst Nummer 3 werden, wir suchen noch eine:n Teamleiter:in IT-Infrastruktur (d/w/m))

    Mir träumte, dass Anna-Maria aus Bielefeld mir einen bösen Brief schickte, weil ich ihre Rezepte nicht mehr in meinem Blog verlinke. Anna-Maria, ich weiß nicht wer du bist und ob du jenseits des Traums existiert – aber sorry.

    „Bier ist mein Yoga“ titelte ein LKW, der an mir vorbeifuhr. Und damit bringt er viele Probleme von Männlichkeit auf einen Punkt.1

    Letztens gab es eine Suche nach einem Slow Medium, dass die US-Ereignisse zusammenfasst. Ich neige zum neuen Rebecca Solnit-Newsletter Meditations in an Emergency – weil Rebecca Solnit großartig ist. Und weil sie niemals nie dieses verzweifelte Doomscrolling von sich gibt. Gedanklich ist sie schon einen Schritt weiter:

    Underlying all this is an old assumption by many elites, especially the authoritarian and fascist variety, that ordinary people are weak, timid, fearful and pretty much collapse if you say boo to them. They also tend to think we are selfish and operate only out of self-interest because they think we’re like them. They are very often wrong in very consequential ways..

    Some resistance is going to look familiar: protests, marches, demonstrations, blockades. New tactics may emerge, and there is reason to fear that the lawless people who’ve seized our federal government–or rather parts of it–will be ruthless in new ways against civil disobedience. But that’s far from all that’s happening. …

    Some resistance is not going to look like anything at all because we will not see what goes on inside some of those government offices or how a medical worker doesn’t comply with an unjust or inhumane mandate or how local police rebuff ICE (though it’s been great to local police say publicly „here’s how we do not with ICE“), will not see a neighbor quietly reaching out to a targeted individual. All this matters.

    Die Partei die Linke hat 71.000 Mitglieder und damit so viele wie seit 2010 nicht mehr. Vor zwei Wochen waren es noch 60.000. In 14 Tagen 11.000 Mitglieder zu gewinnen ist ein nie dagewesener Rekord. Bei Bündnis90/Die Grünen waren es 5000 neue Mitglieder in fünf Tagen. Sie müsstem damit bei 165.000 Mitgliedern sein: „Seit November haben wir eine riesige Eintrittswelle, seit letzten Mittwoch ist daraus ein regelrechter Ansturm geworden.“

    Oha, das Wikipedia:Café wurde gelöscht. Die eine Seite, die frei von jedem Enzyklopädie- oder Arbeitsgedanken rein der Laberei diente. Prinzipiell fand ich das Konzept sympathisch – praktisch waren die „Diskussionen“ dort meistens komplett unerträglich. Diese Meinungen teilten viele Wikipedistas, wie sich der epischen Löschdikussion entnehmen lässt.

    Über die Mengenlehre zu SAP

    Samstag teilte sich unser temporäres Sextett auf.

    Der jung-dynamische Teil verschwand Richtung Olympiastadion, eine Stadionführung mitmachen. Der ältere gebildete Teil ging erst zum Noonsong und dann ins Museum. Ich ging ein Café suchen.

    Nach kurzen Einkäufen rosenkohliger Art suchte ich mir ein friedliches Café zum Lernen. Samstagnachmittag war die Suche nach einem freien Platz überraschend schwierig. Aber am Ende landete ich im Wiener (Offenbacher) Feinbäcker im Eingang von Rewe. Der Kaffee war vollkommen okay, ich hatte Platz, um mich auszubreiten, ich hatte alle Ruhe der Welt zum Lernen und konnte ab und an Leute schauen. Triple Win.

    Lernen aber tut not. NUR NOCH ZWEI WOCHEN BIS ZUR KLAUSUR! und ich komme immer noch mit der Struktur des Moduls Betriebliche Informationssysteme nicht klar – finde sie im Aufbau so komplett fremdartig und eigentümlich, so wild im Niveau schwankend, dass ich mich nur schwerlich eingrooven kann.

    Er definiert wirklich von ganz unten „Was ist Information?“, „Was ist ein Betrieb?“, „Was ist ein automatisches System“ und bastelt sich langsam hoch. Der Versuch einer mathematischen Denkweise, in der wirklich jeder Schritt sicher und schlüssig auf dem Vorhergehenden aufbaut und ganz genau definiert ist – aber angewandt auf ein realweltliches System. Das ist schräg.

    Noch schräger die gelegentlichen wilden Ausflüge in Mathematik oder Code, die nirgendwo eingeführt werden und dann auch plötzlich wieder enden.

    Aber ich mache glaube ich Fortschritte. Ich glaube zu verstehen, was genau dieser Aufbau und Ablauf beabsichtigen will. Ich finde es immer noch falsch – aber zumindest erkennen ich ein System; es kommen nicht mehr wild blaue und rote Stangen auf mich zu, sondern ich erkenne die gesteckte Slalomstrecke.

    Und am Ende landet alles bei SAP.

    Antipasti Baba Ganoush

    Abends galt es, das Sextett wieder zusammenzusammeln. Nach unseren verschiedenen Exkusionen (Olympiastadion/Hackesche Höfe oder DHM mit zwei Ausstellungen (Aufklärung und Roads not taken) oder Café und lernen) trafen wir uns im Marienkäfer an der Marienstraße. Die osteuropäische Kellnerin servierte uns von Arabern zubereitete Pizza, und es war wie immer großartig.

    Für Mitte-Mitte, für eine Lage nahe von Friedrichstadtpalast, Berliner Ensemble und drölf Millionen Hauptstadtsitzen von Lobbyorganisationen, ist der Laden extrem nett, die Pizza überdurchschnittlich und selbst das Ambiente und die Deko wirklich schön. Wir hörten Erzählungen vom Deutschen Stadion (dem Vorgängerbau des Olympiastadions) und den Wendepunkten deutscher Geschichte.

    Heimfahrt mit dem 100er Bus, noch einmal vorbei an Brandenburger Tor, Reichstag, Schloss Bellevue und Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Mit den M46 nach Schöneberg.

    Danach: Alle platt. Alle Bett.

    Plakate mit Faltanleitungen auf der Rückseite

    Sonntag: Platt. Nicht im Bett.

    Denn die CDU und Friedrich Merz nötigten mich zum Aufstehen. Auf zum Reichstag, demonstrieren.

    Die Zahlen sind müßig, wenn Du auf der Straße des 17. Juni stehst und weder ein Ende noch ein Anfang der Demo erahnbar sind; wenn selbst die breite Prachtschneise mit ihren 45 bis 85 Metern Breite nicht mehr ausreicht, die Demo aufzunehmen und diese auf Parallelstraßen ausweicht.

    Ich glaube außer „Silvester 2000 – oh Gott wie bin ich hier hingekommen“ auf derselben Straße war ich noch nie in annähernd so großen Menschenmengen. Und es war komplett friedlich und entspannt. Wieder einmal staunte ich darüber wie normal alle waren. Wie jede zweite Gruppe IKEA oder Umzugs-Kartons wiederentdeckt hatte und mit eigenen Sprüchen verziert. Da war nichts zentral organisiert, nichts gelenkt – es waren einfach sehr sehr viele Menschen, die die Ereignisse der letzten Tage sehr scheiße fanden.

    Zwei Plakate fielen mir besonders auf:

    Kein Lillet trotzdem da – Nina Chuba Antifa. Eine Prise Humor, eine Prise Hedonimus, und ein Zeichen dafür, dass der Protest weit über die üblichen Kreise hinaus trug.2

    Meine Vorfahren kamen nicht her, haben dieses Land aufgebaut und für die Demokratie gekämpft, damit jetzt dies passiert. (Sinngemäß, der Spruch war vergleichsweise lang und komplex). Endlich einmal ein Faschismus-Protest, der anerkennt, dass in Deutschland auch Menschen leben und mitzureden haben, deren Vorfahren 1933 noch nicht in Deutschland lebten. Die haben auch eine deutsche Geschichte und die muss erzählt werden. Davon gibt es auch auf den Demos viel zu wenig.

    Montag nach dem Wochenende: Alle platt. Alle Bett.

    Kafka Zombie Kürbiseintopf

    Die Washington Post gedachte Jimmy Carter mit einem Rezept und Frau Küchenlatein adaptiert: Kürbis-Erdnusseintopf.

    Thomas Gigold räumt auf: Wenn auf einer internationalen Seite mit 30.000 Followern pro Post noch 3 Likes zusammenkommen weißt du: Organische Reichweite beim dicken blauen Flaggschiff [Facebook] ist tot.

    Herr Rau hadert mit einem Theaterbesuch.

    Sari fährt sehr tapfer sehr oft zum Fußball.

    1. Muss ich erklären, warum? Ich hoffe nicht. ↩︎
    2. Der Wikipedia-Erklärartikel für dienigen, die sich fragen: Lillet? Nina Chuba?: Wildberry Lillet (Lied) ↩︎
  • 25-01-19 Grundschöttel! (Hagen)

    25-01-19 Grundschöttel! (Hagen)

    Nena kommt aus Hagen. Nina Hagen hingegen kommt aus Berlin.

    Ich bin körperlich wieder in Berlin, gedanklich aber noch in Hagen.

    Am Bahnhof Hagen fuhr ICE 859 nahezu pünktlich mit angekündigten Wagen in der angekündigten Reihenfolge ein. Vorher genoss ich das Spektakel der An- und Abreisenden in der Hagener Bahnhofshalle.

    Davor gab es Znüni im Café Vicenzo.

    Denn Café Vicenzo löste mein samstagliches Zeitproblem. Das Zimmer musste ich bis spätestens um 10 Uhr verlassen, den Zug durfte ich frühestens um 12:30h besteigen. Reisezeit vom Zimmer zum Zug: Eine gute halbe Stunde.

    Also dachte ich, ich fahre erstmal in die Stadt. Dann steige ich an einem Punkt aus, von dem aus selbst ich zu Fuß den Bahnhof finde. Und dann wird es wohl eine Bäckerei geben, in der ich noch Kaffee und ein zweites Frühstück bekomme und etwas Zeit verbringen kann.

    Ich fuhr bis zum Theaterplatz. Dort gab es keine Bäckerei, aber etwas viel Besseres: Café Vicenzo. Rein äußerlich eine Mischung aus Italianita, Shabby Chic und Hagen-Style. Am Tresen hing ein Poster, dass Vicenzo selbst ein Konzert zum 20jährigen Café-Jubiläum geben wird.

    Auf der Karte die üblichen Kaffeespezialitäten und eine kleine Frühstückskarte mit Brötchen und Rührei. Das Café gut gefüllt, anscheinend fast alles Stammgäste. Ich fiel mit großem Koffer sofort auf – und wurde ausnehmend herzlich behandelt. Nach etwa einer Dreiviertelstunde Aufenthalt hatte ich den Eindruck, selber kurz vorm Einzug in die Stammgastkategorie zu sein.

    Aber leider – so schön wie es alles war – baldige Rückkehr nach Hagen ist für mich nicht zu erwarten.

    Aufgewachsen im Schatten der Müllverbrennungsanlage Krefeld

    Aber bevor ich aus Hagen aufbrach, galt es dort Donnerstag und Freitag zu verbringen.

    Der Rest der Woche begann mit dem Seminar. Ich war ja durch, konnte also unbeschwert zuhören. Es gab drei Themenblöcke:

    (a) Eher abstrakt zum Thema Postoptimalitätsanalyse in der Linearen Programmierung. In diesem Block war ich mit meinem Vortrag gelandet. Grob gesagt geht es dabei um eine Problemstellung, der der ich etwas maximieren (Ertrag) oder minimieren (Abfall, Co2, Kosten) möchte – unter bestimmten Rahmenbedingungen.

    Um ein Beispiel zu bringen: Ich möchte C02 mininierem, muss aber innerhalb eines Tages drei Wölfe, eine Tonne Salat und eine Schafherde über den Fluss bringen. Dafür stehen mir verschiedene Transportmittel zur Verfügung mit jeweils eigener CO2-Erzeugung und Transportkapazitäten. Was ist die optimale Mischung an Transportmitteln?

    Dabei bestimmte ich im ersten Schritt mathematisch eine optimale Lösung. Im zweiten Schritt kann ich aus dem Ergebnis der Berechnung diverses Anderes ablesen – um die Frage nach dem „Anderen“ dreht sich die Analyse nach (post) Bestimmung der optimalen Lösung; also die Postoptimalitätsanalyse.

    (b) Block 2: Effizienmesseung bei Banken. Hier lag die Herausforderung darin, dass es bei Banken gar nicht so einfach ist zu sagen, was relevanter Input und was relevanter Output ist. Einzelne Werte (zB Menge der vergebenen Kredite) wird mal als Input und mal als Output gewertet,

    (c) Block 3: Multikriterielle Entscheidungsprobleme am Beispiel Abfallswirtschaft.

    Wir müssen eine Entscheidung treffen- zum Beispiel über die Anschaffung von Müllwagen, Standorte von Abfallverbrennungsanlagen, Auswahl der Müllbehandlungsmethode. Dafür gibt es verschiedene Ziele und Kriterien (ökonomisch, ökologisch, sozial). Die Ziele widersprechen sich in Teilen und funktionieren in verschiedenen „Einheiten“. Es lässt sich also nicht einfach drei Geld minus vier Sozialeinheiten rechnen. Wie formuliere ich dennoch ein abstraktes mathematisches Modell für solche Themen?

    Die Teilnehmer*innen waren überwiegend Ingenieure und BWLer – beides keine Gruppen, die für ihre unkonventielle Herzlichkeit bekannt sind. Ich glaube, es war die erste Uni-Veranstaltung meines Lebens bei der sich auch die Studierenden untereinander siezten.

    Aber im Laufe der Tage lockerten sie auf.

    Irgendwann zeigte sich auch, dass wir am Lehrstuhl Wirtschaftsmathematik unterwegs waren und nicht etwa bei Marketing oder Controlling. Irgendwann schimmerte unter den weißen und karierten Hemden und den Kostümchen doch deutlich das Nerdtum hervor. Und da wurde es auch menschlich spannend.

    Aber ich hatte mir nach dem Seminar noch etwas Zeit für die Stadt und Sightseeing gegönnt.

    Besuchen sie unser gemütliches Wohnzimmercafé mit dem Flughafenabsperrband

    Links! Welch Idee!

    Nach Verlassen der Bildungsherberge wendete ich mich automatisch immer nach rechts (Nordost), denn dort liegen Uni, Edeka und der Umstieg zum Westfalenbad. Nun empfahl Thomas in den Kommentaren:

    Wenn du die Eppenhauser Straße stadteinwärts gehst (von der Herberge aus Feithstraße nach links und dann an der Aral-Tankstelle rechts)..

    Potzblitz! Ich kann ja einfach mal vom Grundstück kommen und dann nach links laufen! Er hat recht. Und so lief ich links, dann an der Araltankstelle rechts und dann die Eppenhauser Straße hinunter.

    Ein wenig fühlte ich mich wie in New York. Ehrlicherweise lag es vermutlich weniger an Hagen – mehr daran, dass mein letzter Gang alleine eine unbekannte lange Straße entlang Richtung Stadtzentrum 2015 entlang des Broadways verlief.

    Auf dem Weg in die Stadt passierte ich den „Schwedischen Kiosk“ und „Golden Dog Beauty“. Dort schaute mich der Golden Dog, ein Labrador mit großen Augen, hingebungsvoll direkt durch das Schaufenster an, so dass alle bösen Gedanken an überschminkte Kampfhundausführerinnen sofort von mir wichen.

    Ich lief weiter in die Stadt, staunte über die vielen authentisch aussehenden italienischen Eiscafés und das Café de Paris – landete aber im Colazione. Einem Café inmitten eines halbleeren Einkaufszentrums, das versuchte Gemütlichkeit mittels Polstermöbeln herzustellen.

    Es hätte allerdings geholfen, wenn diese Möbel alt. luxuriös und shabby gewesen wären, nicht offensichtich brandneu und preiswert. Auch die Lage inmiten der großen Einkaufszentrumshalle, von dieser getrennt durch Flughafenabsperrbänder, half nicht.

    Ach, Hagen, Du unvollendete. Wie wirst du mir immer sympathischer. Ich nahm einen Kaffee und begann im Wikipedia-Artikel zur Stadt zu schmöckern.

    Der Wikipedia-Eintrag zu Hagen bot manchmal wenig überraschendes:

    Das Risiko, beim Radfahren in Hagen zu verunglücken ist gegenüber dem Bundesdurchschnitt um den Faktor 10 erhöht.[35] Hagen belegt in Fahrradklima-Tests des ADFC[36] regelmäßig den letzten Platz unter allen deutschen Großstädten, so zuletzt 2020.[37]

    Er bot Fakten, die inhaltlich nicht überraschten, aber doch in ihrer Form:

    Die größten Steigungen (mit mindestens 20 %) innerhalb des Hagener Stadtgebiets:

    • Treppenstraße in Altenhagen mit 28 %
    • Böhmerstraße in der Stadtmitte mit 27 %
    • Ewaldstraße in Wehringhausen mit 27 %
    • Rehstraße in Wehringhausen mit 26 %
    • Tunnelstraße in Wehringhausen mit 26 %

    und er bot gänzlich Überraschendes:

    Im Jahr 2017 wurde Hagen in die 27. Auflage des Duden aufgenommen.

    Weitere Wege führten mich zur Buchhandlung am Rathaus. Auch die wäre eine Abschweifung wert, die später kommen wird. Wie so oft in der Stadt das Erlebnis: Meine Güte, sind die alle herzlich hier. Noch ein Laden, bei dem ich nach 20 Minuten das Gefühl hatte, schon halb zur Stammkundschaft zu gehören.

    Hohenlimburg via Donnerkuhle

    Bei meiner Planung der restlichen freien Zeit hatte ich ein Problem. Einerseits dachte ich, ich habe noch so wenig von Hagen gesehen; gerne würde ich in der Stadt bleiben. Andererseits wollte ich natürlich auch das Deutschlandticket ausfahren. Im ÖPNV lernt man viel über eine Gegend.

    Ich studierte den Netzplan mit dem Wasserlosen Tal, dem Felsental, Wetter und Witten und stolperte über einen Eintrag: Grundschöttel.

    Auch eine Gemeinde? Oder einfach ein Ausruf des Kartographen? „Grundschöttel aber auch! Was hier wieder ist!“

    Eine Lösung meines Problems allerdings brachte nicht der Plan, sondern Wikipedia:

    Diese informierte mich, dass Hohenlimburg 1975 nach Hagen eingemeindet wurde. Kurz darauf sah ich einen Bus mit Ziel „Hohenlimburg Bf.“ und dachte Heureka! Mein Problem ist gelöst, wie ich gleichzeitig in Hagen bleiben und doch durch die Gegend fahren kann.

    Ich suchte den nächsten 522er Bus, fuhr vom Rathaus Hagen nach „Hohenlimburg Mitte.“ Wie zu erwarten führte die Strecke über einen Berg und verlief entlang eines Waldes. Der Bus hielt in Heidnocken, Hünenpforte, Totenhofweg und Donnerkuhle. Selbst eine große Farbrikanlage fand sich an der Strecke: „Bilstein – ein Name im Kaltband!“

    Nur als ich in Hohemlimburg ausstieg, entfuhr mir ein „Grundschöttel! Was ist denn hier passiert?“

    Nach einigen Metern Fußweg entdeckte ich, dass mich der Bus an der schlimmsten Ecke von Hohemlimburg-Zentrum vor die Tür gesetzt hatte. Immerhin gab es fünfzehn Meter weiter um die Ecke eine funktionsfähige Trinkhalle.

    Weiter hinein ins Zentrum: Ein kleiner sympathischer Wochenmark und eine „gemeinnützig geführte“ Buchhandlung. Die Fußgängerzone mit ihren geschwenkten Gäßchen, dem leichten auf- und ab und den alten Häusern, hätte Märklin-Modellanlagenpontenzial.

    Aber hier herrschte nicht das pralle Leben, sondern ein Leerstand, der schon nicht mehr erschreckend war. Wenn ich im Zentrum der Fußgängerzone durch eine Schaufensterscheibe sehe, und im Inneren des Ladens liegt Schutt; an der Wand im Innenraum ist ein großer gezeichneter Penis und daneben steht „Gangbang.“ So richtig aufmunternd wirkt das nicht.

    Nach meiner Runde also zum Hohenlimburger Bahnhofsrewe, Vorräte aufstocken, und im Nebel zurück zur Herberge. Das Westfalenbad wartete erneut. Aber dazu später mehr.

    Merken: Desmos

    Gelernt: Desmos ist ein schikes Onlinetool, um Graphen und ähnliches darzustellen.

    Rein äußerlich war ich extrem begeistert vom Gebäude der Tanzschüle Siebenhühner. The sixties are alive and swinging.

  • 24-05-23 Gestreckter Rückwärtssalto

    24-05-23 Gestreckter Rückwärtssalto

    Gestern war Tag des Schwimmmeisters.

    Wir recherchierten Hotels. Ich fand eine Besprechung:

    24h Restaurant, Wechselstube, Apotheke, Tabakladen, Zahnarzt, Zoogeschäft, Bordell, Supermarkt und eine dem ehemaligen Stadttor nachempfundene Tankstelle … bei diesem Hotel bleiben keine Wünsche offen.

    Ich bin gebucht, Zoogeschäft und Tankstelle im historischen Stadttordesign; mehr als ich je von einem Hotel erwartet hätte.

    Der neu eröffnete M&M-Spätkauf ist jetzt DHL-Filiale. Ich hoffe Dein Späti bleibt es auch. So eine große Berliner Straße wird doch wohl zwei Späti-DHLs innerhalb eines Blocks verkraften.

    Saisonkabinenbesuch Nr. 3 im Insulaner. Damit 26,67€ / Besuch.

    Kaum verstehe ich, warum Menschen ihre Schwimmbadzeit damit verbringen, sich erst in Schlangen zu stellen und dann Treppen zu steigen. Aber ich erfreue mich, wenn sie am Ende ihrer Aktionen einen nahezu formvollendeten gestreckten Rückwärtssalto vom 3-Meter-Brett hinbekommen.

    Freiheit, Liebe, Liste

    In Polen hingen nur wenige Europawahlplakate. Überraschend: die Plakate, die wir sahen, waren nahezu identisch gestaltet, unabhängig von der Partei: Grau-weißer Hintergrund, ein großes Bild eines älteren weißen Mannes und dessen Name, dazu ein Slogan, der Partei/Bündnisname und etwas Kontrastfarbe je nach Partei.

    Die Plakate sahen so uniform aus, dass ich fast eine behördliche Vorgabe vermute.

    (Okay, dass die Person auf dem Plakat ein älterer weißer Mann ist, hat vermutlich mehr mit polnischer Gesellschaft zu tun als mit direkten Vorgaben.)

    Zurück in Berlin passiere ich auf dem Arbeitsweg kurz hintereinander zwei FDP-Plakate Wirtschaft liebt Freiheit so wie Du. und Migration steuern. Das provoziert zwei Fragen:

    • Lieben Migrantinnen und Migranten keine Freiheit?
    • Ist Freiheitsliebe vielleicht nicht das einzige Entscheidungskriterium?

    Hey, Mackarela

    Nachzutragen von Stettin bleibt der wunderbare Bagel-Laden Bajgle Krola Jana direkt in der Altstadt. Sei es, weil er uns inmitten heftiger Gewitterschauer Obdach bot; sei es weil er alberne Namen für die Bagel hatte, die dennoch Sinn ergaben („The Full Monty“, „Ave Cesar“, „Hey, Mackarela“..); sei es, weil Madame die ganze Woche über vom Hey, Mackarela schwärmte.

    R87508

    In Rzepin im Powiat Słubicki, Woiwodschaft Lebus wohnen 6600 Einwohner. Dort stehen zwei Innenstadthotels. Die Stadt beherbergt einen Bahnhof mit etwa 40 Güter- und 8 Personengleisen. Dort leben 100.000 Mücken.

    In Rzepin treffen sich die beiden Bahnstrecken Stettin<->Breslau und Berlin<->Warschau. Dort befindet sich der letzte polnische Bahnhof vor der deutschen Grenze.

    Da die Strecke Berlin<->Stettin seit Jahren durch eine Baustelle gesperrt ist, fuhren wir von Stettin mit Polregio R87508 nach Rzepin und dann im EC40 weiter nach Berlin.

    Der DB-Zugbegleiter zweifelt: Da sind sie ja einen riesigen Umweg gefahren!

    Wir: Wie sonst? Baustelle! Was hätten Sie gemacht?

    Zugbegleiter: Da gibt es doch diese Busse, diese Flixbusse..

    Dabei war unsere Fahrt mit Polregio sehr schön. 24 Halts in zwei Stunden, wir sahen entzückende Orte, entzückende Landschaften und mehr als einen einsamen Bahnsteig im Weizenfeld. In Chojna steht ein Bahnhofsgebäude mit toller Typographie.

    Als wir wieder im „großen“ Zug saßen, fiel positiv auf: der deutsche Zugchef im EC hat sich nicht nur auf deutsch und englisch betätigt, sondern sogar sich auch auf polnisch bemüht.

    Neben uns; Gesprächseröffnungen from hell.

    Deutscher Mann, Typ Julian Assange, versucht mit junger Ukrainerin ins Gespräch zu kommen. Sie hat schon erklärt, dass sie eine Freundin besucht und das erste mal in Deutschland ist. Er, 15 Minuten nach Grenzüberquerung, während sie sich die ganze Zeit gegenübersaßen „How do you like Germany so far?“

    Statue eines Bahnarbeiters, im Hintergrund die Oder und ein fliegender Vogel mit gespreizten Federn.

    Beweislast, Betrug, Beweisumkehr, Unschuldsvermutung

    Herr Rau zum Thema Hausaufgaben und Alleinaufgaben. Ich bin aus dem Thema ja schon länger raus und gehörte eh zur nur wenig von Hausaufgaben betroffenen Fraktion „schnell & faul“, kann das interessiert als Außenstehender lesen: Alleinaufgaben statt Hausaufgaben

    Am Rhein beim Postwestfalen. That’s the spirit!:

    anzumerken ist, dass ich relativ plötzlich in ein Projekt mit hoher Management Attention und sportlicher Zeitplanung involviert bin; ich nehme an, in nicht allzu ferner Zukunft, jedenfalls lange vor meinem Ruhestand, wird sich niemand mehr dafür interessieren. Wie auch immer – ich werde mein Möglichstes dazu beitragen, auf dass ein mögliches Scheitern nicht mir anzulasten ist.