Schlagwort: Einführung in die imperative Programmierung

  • 26-07-07 I don’t believe in Peter Pan, Frankenstein or Superman

    26-07-07 I don’t believe in Peter Pan, Frankenstein or Superman

    Der Kaptain fuhr nach Bad Bramstedt.

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    Wo kommen die ganzen Elektro-Lastenräder her? Einige Monate war ich nicht auf dem Rad, wir zogen von Schöneberger Haupt- in Wilmersdorfer Nebenstraßen und schon schießen beim ersten Wieder-Radpendeln Elektro-Lastenräder links und rechts mit Karacho an mir vorbei. Zufall? Anderes Nutzungsprofil der Wilmersdorfer Nebenstraßen? The Times are changing?

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    Brian May has said that the song [Bicycle Race] was not an autobiographical portrait of [Freddy] Mercury and that Mercury did not particularly enjoy bicycling, also noting that despite the lyric „I don’t like Star Wars“, Mercury was a Star Wars fan.[10]

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    Madame kehrte ins Stadtbad Schöneberg zurück. Als Bad-Abonenntin durfte sie am Wiedereröffnungs-Probebetrieb teilnehmen. Ihr Fazit: Wie immer, nur unglaublich sauber. Und entspannter, weil die Zahl der Besuchenden noch sehr gering ist.

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    Es war ein aglais-ioscher Latifundiensonntag und ein Tag in den Südkreuz Offices ganz ohne am Südkreuz zu sein.

    Lawn derives from Middle English launde, a borrowing from Old French lande (meaning „heath“, „clearing“). The word shares an origin with land

    Unter dem Schattiernetz las ich das Paul Robbins‘ Buch Lawn People – seine Kultur-/Sozial-Geschichte der amerikanischen Rasenflächen als Vorgarten. Wie kam es, dass ein ganzes Land, ein halber Kontinent, eine vergleichsweise uniforme Vorgartengestaltung betreibt, die aus durchgehenden monokulturellen Rasenflächen quer durch ganze Straßenzüge besteht?

    Ich staunte darüber, dass der vergleichsweise schmale Band mit Vorgartenrasen beginnt, dann einen Bogen über die Kulturtheoretiker Bruno Latour und Louis Althusser schlägt, um zur Biologie der Gräser und einer ausführlichen Besprechung aller relevanten Gras-„Pflege“-Chemikalien des 20. Jahrhunderts zu gelangen.

    Das Büchlein ist schmal, und ich habe erst die Hälfte gelesen, bin mittlerweile sehr gespannt wie es weitergeht.

    Robbins zeichnet nach wie der gepflegte Rasen in französischen Fürstengärten der Renaissance entstand, sich über Englische County Houses verbreitete und mit Frederik Law Olmsted (bekannt durch den New York Central Park und den Niagara Falls National Park) schließlich in die USA kam, wo er am Ende die dominierende Kulturpflanze1 des ganzen Landes wurde.2.

    Und welche faszierende Lektüre zum 4. Juli, dem 250. Geburtstag der USA. Derjenige Geburtstag, den am Ende hoffentlich alle in Erinnerung behalten, als „damals als der verrückte Onkel die Party schmiss.“

    Vielleicht war es ein Lawn-people-Geburtstag.

    Ich habe den Eindruck viele der Trump-Wählenden wünschen sich eine USA zurück, wie aus der Rasenpestizid-Werbung der 1960er: Das Gras so grün so unnatürlich, Papa auf dem Aufsitzmäher, Mama kocht, das Mädchen putzt und der Bub spielt kleine Streiche. Eine Welt, die es nie gab, die ich mir aber hervorragend als ausgeschnittene Zeitungsanzeige der Lawn People vorstellen kann.

    Das Tagpfauenauge ist der Junikäfer des Julis

    Junikäfer (Amphimallon solstitiale) gehören zu den Tierarten Brandenburgs, die manchmal arg herausgefordert wirken von den Anforderungen, die Leben und Welt an sie stellen. An einigen Abenden im Juni steigen sie in den Latifundien zu Dutzenden, Hunderten, aus ihren Erdlöchern empor, beginnen zu fliegen und dotzen gegen alles was im Wege liegt. Gegen Bäume, Häuser, Menschen, Autos.. egal.. Hauptsache dagegen, wieder und wieder. Es ist ein Spektakel der Frühsommerdämmerung. Es ist ein Rätsel wie sich jemals zwei dieser Käfer gegenseitig finden, aber wahrscheinlich ist dieses gegen-Alles-Dotzen ihr Erfolgsgeheimnis. Irgendwann dotzen sie auch gegen andere Junikäfer: Und dann Liebe! Familie! Kinder! Kredit!

    Tagpfauenauge (Aglais io) stellen sich besser an. Die Stelle des Hauptdotzers Brandenburgs kann nur einmal vergeben werden. Die Tagpfauenaugen fliegen nicht gegen den Bungalow. Sie fliegen hinein. Einer, den wir hinausbeförderten, zwei, den wir hinausbeförderten, drei, den wir hinausbeförderten.. spätestens wenn wir die Hütte verlassen, alle Türen und Fenster geschlossen sind, ist das keine gute Gegend für Tagfalter dort.

    Denn obwohl das Wetter auf Grau und Regen geschaltet hatte, sind die Schmettis und die Bienis und Hummis nicht mehr aufzuhalten. Neben all‘ den Schachbrettfaltern (wo kommen sie alle her!?), den weiterhin zu hektischen braun-orangen Schmetterlingen, den nicht mehr abschätzbaren Hummeln und Bienen, den Kohlweißlingen und Zitronenfaltern, kommen auch die Tagpfauenaugen. Auf dem Dost, auf der Wiese, und im Bungalow. Hübsch sind sie. Und weil es kühler war, waren sie auch gerne bereit in der spärlichen Sonne ihre Flügel aufzuspannen.

    Wir waren am Sonntag etwas erholter als am Samstag und werkelten dementsprechend mehr. Leider vergaß ich vor dem weiteren Zupfen der Brennesseln, das ich zwar behandschuht, aber mittlerweile kurzärmlig unterwegs war, so dass ich davon noch den Rest des Tages etwas hatte.

    Mit Coffee making facilities (){}

    Die kommenden Wochen rasen heran. Ich versuche gleichzeitig mit wieder an die korrekte Reihenfolge von package main, und import „fmt“ und func main() in Go zu erinnern, herauszufinden, ob mensch von Kaunas mit dem Schiff die Memel hinunter bis zur kurischen Nehrung fahren kann3, mit Madame zusammen das „wie-kommen-wir-rechtzeitig-nach-Frankfurt(Oder)-Problem“ zu lösen und den Spagat zwischen meinem langsam ausklingenden vorurlaublichen Arbeitstempo und dem Das-muss-alles-noch-fertig-werden-in-Q2 der Kolleg*innen zu schaffen.

    Ich möchte eigentlich nur noch die Arme ausbreiten und der mit Restgeschwindigkeit des metaphorischen Fahrrads ins Ziel trudeln, alles um mich herum, möchte noch schnell ein Bicycle Race gewinnen.

    Trotz überraschend vieler Feuerwehreinsätze gelang es mir immerhin heute eine halbe Entscheidung zu treffen, was wir mit den USB-C-auf-USB-C-Adaptern4 machen, die irgendwie den Weg zu uns fanden, ich kann mittlerweile die drei Arten der Variablendeklaration in Go auswendig genug um sie niederzuschreiben, und wir beschlossen das Frankfurt-Problem mit Flexibilität und Geld zu erschlagen.

    Nein, nicht das Taxi. Aber wenn jede Art Vormittags nach dort zu kommen, um den polnischen EC zu kriegen, ungemütliches und unentspannedes Hassle mit Regios und Bussen sein wird, können wir auch Open-End-am-Abend-vorher fahren und ein Hotel beim Bahnhof nehmen.

    Dann haben wir die chillste Anreise zum EC, die wir uns vorstellen können.

    I want to ride

    Es war der Gegenwind und nicht die mangelnde Übung! Meine Schutzbehauptung von letzter Woche erwies sich zu meiner eigenen Überraschung als war. Endlich, endlich, konnte ich wieder mit einem funktionierenden Fahrrad zur Arbeit fahren. Queens Bicycle Race war meine Hymne. I don’t believe in Peter Pan, Frankenstein or Superman / All I wanna do is Bicycle, bicycle, bicycle, I want to ride my bicycle.

    Ich summte.

    (You say black) I say white. (You say bark) I say bite. And I don’t like Star Wars.

    Nur war ich halt langsamer als Queen sang. Aber es war so schön, entlang der Nebenstraßen Wilmersdorf, vorbei am Volkspark und dann durch die alte Hood. Denn bei allem was sich im Leben in den letzten Jahren änderte: es verlagerte sich nur wenige Kilometer nach Westen.

    In Teilen fahre ich immer noch dieselbe Arbeitsstrecke. Nur ist das, was damals der westlichste Teil des Weges war, nahe der Wohnung war, mittlerweile der östlichste Teil, den ich fahre, nahe der Arbeit.

    Noch läuft es unrund: Helm vergessen, starten der DB-Rad-App vergessen, die elegantes Kurvenführungen vergessen. Aber es wird wiederkommen.

    I want to ride my bicycle I want to ride my bike.

    Zu Hause hatte Madame aus den solidarischen Breiten Bohnen eine Coronation Quiche gebacken. Der Geruch der Melone hatte sie von der Kasse zurück in den Supermarkt gelockt – zu meinem Nachtischsglück.

    Links

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    Kurz bevor wir den Pink Soup Train nehmen werden, sendete der Deutschlandfunk einen Beitrag zum Pink Soup Festival. (Sonntagsspaziergang, ab Sekunde 35)

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    Auch ein Fan der Lawn People ist US-Autor Michael Pollan, der selber einige Bücher über Pflanzen-Mensch-Beziehungen schrieb. Hier ein kurzes Video von ihm zum Thema: Why is America Obsessed with Lawns?

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    Die Stuttgarter Wielandshöhe bloggte ihre Serviceregeln (via Kaltmamsell) und natürlich provozierte das sofort Erinnerungen an das wunderbare Essen mit Dr. D und Dr. E dort im letzten Oktober.

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    Mehr zu Liminalen Orten: Liminal Spaces: Wenn anthropogene Orte menschenleer sind (via Kieselblog)

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    Noch jemand, der am Hitzesonntag Glennkill im klimatisierten Kino sah.

    Anmerkungen

    1. Die Rasenfläche ist weit größer als aller Mais in den USA zusammen. Oder alles Soya. ↩︎
    2. Wobei er auslies, dass ausgerechnet die Shaker – gerade wieder bekannter durch den Film The Testament of Ann Lee – die ersten waren, die qualitativ hochwertige Grassamen züchteten. ↩︎
    3. Ja, aber nicht an Tagen wo es uns nutzen würde. ↩︎
    4. Ja, die gibt es. Ja, ich weiß auch nur halb warum. Deshalb lagen sie ja ungeklärt in der Gegend. ↩︎
  • 26-06-25 Flurfilm

    26-06-25 Flurfilm

    Steigende Temperaturen treiben irrende Menschen um unsere Wohnung herum, auf der Suche nach dem nahe gelegenen Freibad.

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    Madame holte ein Paket in einem Mehr-Use-Laden, in dem unter anderem aufgearbeitete Tripp-Trapp-Baby-Hochstühle, edle Second-Hand-Kleidung für Kinder, Second-Hand-Kleidung für Erwachsene, DHL-Pakete, ornamentalen Silberschmuck und Binder für Jugendliche Transpersonen angeboten werden. Sie war etwas verwirrt, weil ihr nicht so recht klar war, was der Laden verkauft – nur, dass sie zu keiner möglichen Zielgruppe gehört – war aber sehr angetan von Freundlichkeit und professioneller Paketorga: Lilli & Paul

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    Der Klavierstimmer kam. Das Instrument hat sich in der neuen Wohnung eingewohnt und akklimatisiert. Was für schöne Töne plötzlich aus dem Wohnzimmer kamen. Wie gut es klingt.

    Der vorherige Klavierstimmversucher hatte noch behauptet, das Klavier sei unstimmbar und unrettbar kaputt. Beinahe hätte das Instrument deswegen nicht den Umzug überstanden, denn wer möchte schon ein kaputtes Klavier durch die Gegend tragen? Zum Glück vermittelte Le pianiste diesen Stimmer. Der hatte bereits vor dem Umzug die Rettbarkeit des Klaviers festgestellt. Nun war er gekommen, um – nach angemessener Eingewöhnung des Instruments im Raum – das Klavier zu retten.

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    Der Eichenprozessionsspinner spinnt auch in Pankow.1

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    Es waren zwei Arbeitstage.

    Gespinst des Eichenprozessionsspinners über Absperrband „Vorsicht Eichenprozessionsspinner.“

    _, err

    Ich arbeite an der Klausurvorbereitung zur imperativen Programmierung. Nach meinen ersten echten geschweiften Klammern und dem ersten echten Code, machte ich diesmal den Multiple-Choice-Selbsttest.

    Der lief gut, bestätigte mir, dass ich im Prinzip alles verstanden habe und zumindest innerhalb der gelehrten Grundlagen weiß, wie Go funktioniert.

    Das theoretische Wissen heißt noch nicht, dass ich den Standardsyntax auswendig kann, mit der beispielsweise eine Funktion als zweiten Rückgabewert einen Fehlercode macht. Aber das wird sich hoffentlich durch ausreichendes Training für das Fingergedächtnis legen.

    15 Grad und es wird noch heißer

    Manchmal stehe ich nachts auf und setze mich an das offene Fenster, um die Kühle zu genießen. Oft stehe ich auch sehr früh morgens auf, wie diese komplette Woche.

    Der Vorteil an Madames Woche der Wochen ist das Aufstehen. An sich ist Aufstehen um 5:00h morgens wenig beliebt. Derzeit bietet es uns aber die Chance, alle Fenster aufzureißen und die Morgenluft hereinzulassen. Manchmal ist sie kühl, manchmal nur „das Kühlste was es gerade gibt“, aber auf jeden Fall ist sie besser als die Nachmittagsluft.

    Mittwochmorgen: 15 Grad. Während ich versuchte durch oftmaliges Aufrufen von Kachelmannwetter irgendwie die Vorhersage für das Wochenende nach unten zu drücken, mochte ich die 15-Grad-Luft-Herzen-an-mich-drücken und nie wieder gehen lassen. Aber es hilft nichts, der einzige erkennbare Effekt ist das Ansteigen der Vorhersage von bisher 39 auf 41 Grad am Wochenende, mit nur geringfügigen Unterschieden zwischen Berlin und den Latifundien.

    Während ich dies Mittwochabend schreibe, sind wir noch bei 32 Grad – kein Wetter, in dem ich mich in der Sonne aufhalten möchte, aber bei eher trockener Luft (Taupunkt 12 Grad) im Schatten noch gut aushaltbar. Nur sind 32 nicht 39 und herannahende Gewitter zerstieben die Hoffnung auf dauerhaft trockene Luft.

    Die zweitgrößte Stadt Litauens

    Mein Versuch, eine Bahnfahrkarte von Vilnius in Litauen in die Hafenstadt Klaipėda zu kaufen, scheiterte. Noch stehen diese nicht zum Verkauf.

    Während ich mich durch die Website und die App klickte, lernte ich, dass wir wählen können: Zur Wahl stehen ein traditioneller Zug mit Lok und Waggons, die mich an deutsche Regios erinnern, oder ihre Pesa-730ML-Triebzüge, in dem ich bisher eine meiner komfortabelsten Bahnfahrten überhaupt (Riga <-> Vilnius, 2024) durchführte.

    Während ich noch darauf warte, die Pesa-Tickets kaufen zu dürfen, beginne ich ganz sutsche mit praktischer Kaunas-Planung: Was wollen wir da überhaupt?

    Das Art Deco/Modernismus-Welterbe ist klar, deshalb fahren wir hin. Die Erfahrung bisheriger Städtereisen spricht dafür, dass wir zentrale Einkaufs- und Ausgehstraßen sowie die Altstadt auch von alleine finden werden, einfach indem wir in den fraglichen Gegenden ein wenig zu Fuß laufen.

    Übersehen könnten wir:

    Der Kiemo Galerija – ein Street-Art-Hinterhof, der damit begann, dass Anwohner Vytenis Jakas in einem ignorierten Hinterhof Kunstwerke anbrachte, die an die ehemaligen jüdischen Bewohner*innen der anliegenden Häuser erinnern. Heute ist er das Zentrum Kaunaser Street Art und vermutlich Insta-Hotspot, aber ohne Insta weiß ich von sowas nichts.

    Das Barockkloster Pažaislis am Rande der Stadt auf einer Halbinsel eines Memel-Stausees.2

    Keine Taxen am Bahnhof Zoo

    Es ist eine schwimmbadbüroreiche Woche. Um überhaupt aus dem Haus zu kommen, und weil ich auf angenehm abendliche Temperaturen hoffte, stieg ich in den 249er Bus zum Delphi Lux am Bahnhof Zoo.

    Vor mir saß ein Mann, eine echte wahrhaftige physische Zeitung lesend, im Anzug, der mehr „gut angezogen“ sagte als „Business“, mit Rucksack und Brille, der zwischendurch den Bus verließ, mit Zeitung, Anzug und Rücksack zügigen Schrittes von dannen eilte. Und ich fragte mich „Herr Buddenbohm in Berlin?“

    Vermutlich war es nicht Herr Buddenbohm. Mit Sicherheit war es Berlin. Spätestens als ich beim Überqueren einer Kreuzung neben mir zwei Damen hatte, von denen einer ihrer Freundin erzählte, sie müsse die japanische Botschafterin begleiten und auch die Staatsministerin, war klar, dass ich in der Stadt der Bundesbeamtinnen unterwegs bin.

    Knapp drei Stunden später, nach dem Film, bot sich ein neues Bild. Die glücklichen und gerade hier, aich die unglücklichen Gestalten der Nacht trafen sich. Sie trafen sich in Mengen, dafür waren die Taxen verschwunden. Denn die Bahn hatte Komplettausfall. Getroffen waren auch S-Bahn und Regios. Insbesondere die Busse nach Spandau waren voll, wie wohl noch nie an einem Dienstag um kurz vor Mitternacht.

    Ich stellte mir kurz vor, wie es ist, mitten in der Nacht irgendwo im nirgendwo zu versacken, weil der Zug nicht fährt, erinnerte mich an einige wenige ungeplante Zwangsübernachten an Überraschungsorten, und freute mich zumindest, weil es warm genug war, um ohne Gesundheitsgefahren die ganze Nacht draußen zu bleiben.

    In Berlin, hier am Zoo, lassen sich zum Glück auch fast alle Strecken irgendwie mit U-Bahn, Tram und Bus und Fußweg bewältigen. So lange die Störung zeitlich begrenzt blieb3, war die Crowd um mich herum in einer vergleichsweise guten Position.

    Backrooms

    Es begann mit gelben Räumen. Ich hatte die Trailer für den Film Backrooms gesehen. Das Horrorfilmszenario reizte mich weniger. Aber diese gelben Räume: in dem verblassten fröhlichen Gelb, irgendwie unwirklich, irgendwie unheimlich und gleichzeitig komplett banal. Das reizte mich. Im laufe der folgenden Wochen las ich mehr zu Hintergrundgeschichte und Hype des Films. Aber das, was mich letztlich ins Delphi Lux trieb4, waren die gelben Räume und Flure.

    Es begann mit gelben Räumen. Die Entstehung des Films begann mit einem Foto von leeren gelben Räumen, das 2019 auf 4chan gepostet wurde. Daraus entwickelten sich erst Memes, dann eine Webvideo-Serie auf Youtube und am Ende ein Spielfilm eines 20-jährigens Youtubers beim Prestigestudio A24, der bei übersichtlichen PRoduktionskosten mit bisherigen Einnahmen von 300 Millionen Dollar zu den Kassenschlagern des Jahres zählt.

    Während des Schauens versuchte ich mich innerlich von der Entstehungsgeschichte zu lösen und den Film nur so zu sehen wie er war: Im Jahr 1990 entdeckt der verkrachte Discount-Möbelhausbesitzer Clarke (Chiwetel Ejiofor) in seinem Keller einen Durchgang in ein schier endloses Labyrinth gelber Räume.

    Mit der Zeit stellt sich heraus, dass sich dort – nach einer Horrorfilmlogik über die mensch besser nicht länger nachdenken sollte – das Unbewusste von Menschen manifestiert, insbesondere die unangenehmen Teile. Seine Therapeutin Mary (Renate Reinsve) folgt ihm, trifft in den gelben Räumen einen Clarke, der offenbar psychisch komplett durch ist. Es kommt zum dramatischen Showdown und irgendwie taucht dann am Ende noch eine geheimnisvolle Organisation auf.

    Diese Räume.. eine Welt, die gleichzeitig unglaublich banal und extrem creepy ist, in der die Gesetze normaler Logik nicht gelten – in einem durchgehend tollen Set-Design. Was hätte der Film an Potenzial gehabt. Der Verschnitt mit einer 1990er-Discount-Möbelhaus-Brüllaffenwerbung-Ästhetik – so großartig!

    Weniger Großartig, dann das ganze Therapie-Unbewusste-Setting, das ist halt auch 2020er-InstaTikTok-Niveau und fällt deutlich ab. Vor allem aber: der Film hat in seinem Setting alle Möglichkeiten. Everything is possible in these rooms. Und er entscheidet sich für 90 Minuten dieselbe emotionale Tonlage – immer ist es creepy, bedrohlich, unheimlich. Immer spielt im Hintergrund der selbe Soundtrack „Grusel“.

    Dabei weiß doch jeder Film, und auch gerade die guten Horrorfilme, dass Fallhöhe vorhanden sein muss. Dass es die emotionalen Highs geben muss, die Momente der Unbeschwertheit, der falschen Gewissheit, der Freude, damit dann der Schock um so größer wird. Die Chance vergibt Backrooms vollkommen.

    Der Film war nicht gut, aber interessant mittelmäßig.

    Die Kugelbar mit der Kegelbahn

    Es endete in einem gelben Raum.

    Der diesjährige Teamtag führte in den für mich fernen Norden Berlins. Es begann mit einem Meeting/Arbeitstreffen auf drei schattigen Bänken im Rosengarten des Bürgerparks Pankow. Der Park deutete an, dass es ein richtig schöner Sommertag werden könnte. lauschig, blumig, schattig mit Kirschen und Wassermelonen, während wir uns in Visionen versuchten und Hochzeitsgesellschaften bei ihren Fototerminen zusahen.

    Nach einem Mittagessen bei einem Italiener (erfüllte seinen Zweck), wechselten wir in den Westen und gingen im Wedding in die Kugelbar Kegeln. Wir hatten das Gebäude für uns: Oben Bar und ein Mini-Biergarten, unten die Kegelbahn, die uns als „70 Jahre alte Grand Dame“ vorgestellt wurde, die ein wenig anspruchsvoll sei.

    Erinnerungen an Kindergeburtstage beim Jugoslawen oder Griechen kamen hoch bei mir, B konnte mit der Kegelbahn beim Wilmersdorfer Chinesen glänzen, die in der damals typischen Rot-Schwarzen-Lackästhetik von Chinarestaurants gestaltet war. Der Semipro-Bowler im Team prophezeite uns Muskelkater für den nächsten Tag, hielt sich aber mit Spielen zurück.

    Vielleicht war es der Geruch, der ihn abhielt. Denn ich fürchte, ich habe einen Gedächtnisgeruch erschaffen – wie ein Raum bei 35 Grad Außentemperatur so kühl und vor allem feucht sein kann, war spektakulär. Eine mit Stoff ausstattfierte nasse Kegelhöhle, in der vermutlich passiert, was passiert, wenn mensch Stoff über längere Zeit in nasse Höhlen legt. Da muss mensch Kegeln wollen.

    Ich wollte. Zwei Stunden lang. Mit überschaubarem Erfolg und sehr viel Spaß. Jetzt habe ich Muskelkater.

    Dem Foto nach könnte diese Kegelbahn in Backrooms vorkommen. Im echten Erleben war sie anders überraschend.

    Links

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    Dank Markus gelernt, dass Melatonin u.a. die Körpertemperatur senkt. Das sollten wir vielleicht für die kommenden Tropennächte in Erwägung ziehen. In der Apotheken-Umschau lernte ich, dass das bewiesen wirksam nur für die verschreibungspflichtige retardierte Form ist und zwei bis drei Wochen der Eingewöhnung benötigt. Es ist alles kompliziert.

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    Menschen, die jedenfalls Hilfe brauchen, so sieht es oft aus. Menschen, die aber manchmal durchaus keine Hilfe wollen. Weil sie keine Papiere haben, wie man dann vielleicht hört. Kaum ein Wort Deutsch können sie, aber „Keine Papiere“, das haben sie doch lernen müssen, und vermutlich schnell. Die dann jedenfalls abwinken und sich hastig weiterschleppen, um die nächste Ecke und weg, bloß weg.

    Es kommt hier alles vor, und nichts daran ist einfach. Ich habe es bisher nie gelesen, glaube ich, aber es kommt mir nicht gerade unwahrscheinlich vor, dass an der Hitze mehr Menschen auf der Straße sterben, und schneller auch, als an der Kälte im Winter.

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    Lawrence von Arabien im Kino: Ich weiß nicht, wie oft ich den Film seitdem gesehen habe. Viele Dialoge kann ich jedenfalls mitsprechen. Gestern bot sich die Gelegenheit, ihn im Kino anzuschauen. Der Film gehört ins Kino. Mit der Ouvertüre auf schwarzer Leinwand. Es war die lange Version. Knapp vier Stunden mit Al ’awrence.

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    Gestern noch unterhielten wir uns über den von einer polnischen Familie betriebenen Dorfkrug in Bärenklau, und dessen große herzliche Gastfreundschaft und Gästesorge, die sich von der üblichen Brandenburger Stoffeligkeit abhebt. Da lese ich bei Frau Rabe von einer Einladung: „Sonntag waren wir zum Geburtstagsgrillen bei den Ex-Nachbarn eingeladen .. Es gab Unmengen zu essen (die ex-Nachbarin ist gebürtige Polin, die hat ein ganz anderes Verhältnis zu Gastfreundschaft als die meisten Norwegys)“

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    Es ist immer gut, wenn man in der Lage ist, seine Meinung zu ändern. Äußerte ich mich vergangene Woche noch zurückhaltend bis ablehnend über Austern, so muss ich mich korrigieren. Nachdem ich ihnen gestern und heute eine weitere Chance gab, empfinde ich inzwischen durchaus Genuss bei ihrem Verzehr.

    Anmerkungen

    1. Vielleicht sollte ich das mit den biblischen Plagen nochmal nachlesen. Raupen und Hitze würde meiner Erinnerung nach passen. ↩︎
    2. Der natürlich jünger ist als das Kloster. Ich vermute, es wurde auf einer ehemaligen Hügelspitze errichtet. ↩︎
    3. Ein klein wenig dazu, was passiert ist auf Mastodon bzw. dem dort verlinkten Bahn-FAQ ↩︎
    4. Damit Yorck Unlimited No. 35 – d.h. 6,80€ pro Besuch. ↩︎
  • 26-06-23 Taupunkt 22 Grad. Just as once upon a time in Mississippi.

    26-06-23 Taupunkt 22 Grad. Just as once upon a time in Mississippi.

    Schweiß-Salzränder auf dem T-Shirt.

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    Klassenfahrtknäuel am Bahnhof Südkreuz.

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    Der Kaptain beackert mit bewundernswerter Energie das Dithmarscher Gesundheitssystem.

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    Der Fifa-Friedenspreistäger droht wieder einmal, den Iran „in Grund und Boden zu bomben“. Um die Männer-Fußball-WM zu verfolgen, ist dieses Jahr noch mehr intellektuelle und moralische Selbstverleugnung als sonst nötig.

    Im Tippspiel dümpele ich weiter vor mich hin, derzeit auf Platz 16. Guter ITler der ich bin, habe ich auch schon einmal vergessen, auf Speichern zu drücken.

    Nachbar Canineri enttäuschte uns. Am frühen Abend vor dem Deutschlandspiel hatte er anscheinend ein paar Kumpels da und wir hofften aus Live-Geräusch-Berichterstattung von ein paar Gärten weiter. Aber bis zum Anpfiff um 22 Uhr war er anscheinend alleine. Sein einsames „Tor! Nein! Doch nicht!“ wirkte er traurig als fanbegeistert.

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    Es war ein schwül-bratwurstig-pfirsicher Latifundiensonntag und ein prozessionsspinnend-freibadiger Montag.

    As in Berlin, 2023, 2024, 2025

    Das vorletzte Juniwochenende macht in Wiederholung. 2026 las ich ermattet von Hitze, Schwüle und unter dem Wissen um die Unwetter der Gegend in alten Blogposts.

    2025 hatte ich am 24. Juni unter Peak Tageshitze geschrieben: „Berlin gab Klimakrise mit erst 35 Grad und dann sturmgefällten Bäumen“, im Jahr 2024 war es etwas später, da lautet der einschlägige Blogpost vom 2. Juli „Vier Schattierungen der Schwüle„. Im Jahr 2023 schrieb ich am 20. Juni „Die Wettervorhersage sieht für die nächsten Tage Temperatursprünge von knapp zehn Grad nach oben und unten vor, zwischendurch Regen. Welcome to heiße Waschküche.“

    Noch spannender allerdings fand ich den Eintrag vom 24. Juni 2025 zu einem anderen Thema: Spannende Entdeckung zum Schachbrettfalter: Seit drei Jahren blogge ich über ihn und jeweils erscheint der Post am vorletzten Juniwochenende. Anscheinend ein Falter mit einem sehr zuverlässigen Jahresrhythmus.

    Ich dürfte raten, welchen Schmetterling wir dieses vorletzte Juniwochenende ganz besonders oft sahen, so dass er auf jeden Fall im Blogpost vorkommen sollte.

    As in Memphis, 1992, 1993

    Wetter war in Thema. Wir saßen sonnengeschützt aber weichgekocht unter dem Schattiernetz als wir irgendwie auf meine Zeit in Southaven, Mississippi, Vorort von Memphis 1992/1993 zu sprechen kamen.

    Unter anderem mit der Frage: „Wie war dort das Wetter?“, und ich konnte nur antworten: „So wie jetzt.“ Denn die heißesten Sommermonate hatte ich damals ausgelassen, war nur von Elvis‘ Todestag Mitte August bis zum Ende des Schuljahres im Juni vor Ort.

    Aber diese Schwüle, diese entsetztliche Schwüle, blieb mir auch noch aus dem September, Oktober, April und Mai in Erinnerung: Football-Training in stehender Luft. Der ewige Duft feuchter Erde. Der leichte Dauer-Schweißfilm, der in jedem klimatisierten Raum verdunstete und sich sofort neu bildete, sobald sich eine Außentür öffnete; Outside-Aktivitäten, die weit in den Abend hineingezogen wurden. Footballspiele im Dunkeln aber Warmen.

    Tagsüber war das ein Wetter wie jetzt. Ein Wetter für Klimaanlagen oder rollende Ermattung unter intensiver Beobachtung von Wetter-Apps. Ich lernte, dass das Maß für absolute Feuchtigkeit der Taupunkt ist.

    Der Taupunkt sagt objektiv wieviel Wasser in der Luft gelöst ist, unabhängig von der Temperatur, subjektiv ist er ein Anhaltspunkt dafür als wie drückend Wetter empfunden wird. Dabei gilt generell ein Taupunkt bis 15 Grad angenehm. Darüber wird es schwül. So ab 18-19 Grad Taupunkt wird es sehr unangehm und bei 24 Grad Taupunkt beginnen größere Gruppen von Menschen Kreislaufprobleme zu bekommen.

    In Memphis zu meiner Zeit lag er zumindest in den Fast-Sommermonaten Mai/Juni/September/Oktober jenseits der 20 Grad. Auf den Latifundien am Wochenende lag er bei 22.

    Noch blühen die Alten Rosen

    Wir saßen weiter im Insektenobservatorium Pergola. Wildbienen in allen Tönen von schwarz, braun und gelb surrten um uns herum. Wie beruhigend das Surren war. Wie beschaulich das Schwirren und Sirren der Tiere wirkte.

    Wie hektisch es wirkte, wenn ich eine einzige Biene fokussierte, „Blüte – Rein – Check – Raus – Blüte – Rein – Check – Raus“.. bevor ich beschloss doch wieder mehr auf das beschauliche Summen zu achten. Unwetter und Regen hatten einmal alles geputzt. Die Sauerkirschen leuchteten am Baum, die Johannisbeeren versteckten sich, die Schachbrettfalter flatterten.

    Am Tor zum Feld, ein neuer Gast: Der Balkenschröter Dorcus parallelipipedus1, ein Käfer mit einer „weiten Präsenz in naturnahen Gärten und Parks.“ Das nehme ich jetzt als Kompliment.

    Zia sociale und zio machina kamen zur Übergabe des Rennpolos und brachten Kirschplotzer mit. Während Internet und Sirenengeheul aus der Ferne Landunter meldeten, saßen wir im Fast-Trockenen, redeten über dies und das über Kniee und Hüften über Kirschplotzer mit und ohne Stein.

    Madame hatte das Kochbuch gut bei hitze von Katharina Seiser konsultiert, bereitete Tomaten-Pfirsisch-Salat (sah besser aus) und Salsa-Verde-Fenchel-Bohnen-Salat (schmeckte besser), dazu ein gegrilltes Bratwurst-Potpurri von Wildelust.

    Es war schön.

    Func main(){fmt.Println “ „, )}

    Gemischtschöner war die Berliner Rückkehr in den Alltag.

    Das hafenstädtischen Kalendergötter setzten Madame die Woche der Wochen in den Dienstplan, die immerhin Stoff für zwei bis drei normale Wochen abarbeitet.

    Freundlicherweise möchte meine eigene Stelle diese Woche wieder weniger von mir, eine der zu vertretenden Stellen ist wieder besetzt, die zweite wird Mittwoch wieder besetzt und der Sonntagabend offenbarte noch eine weitere Deus-Ex-Machina-Vertretung.

    Ich schaute in meinen Kalender, weitete ungläubig die Augen und begann kurz zu hecheln, als ich merkte, dass es ich nur noch 36 Nicht-Urlaubs-Tage bis zur Imperativen Programmierklausur habe. Bis dahin hatte ich immer noch keine Klammer in Go geschrieben.

    Jetzt schon.

    Wellen. Fast wie im Freiwasser. Nur klarer.

    Die Berliner Großstädter durchlaufen eine unfreiwillige Fortbildung zum Thema „Welcher Baum ist eine Eiche?“ Die Bezirke kennzeichnen diese jeden Tag etwas flächendeckender mit weiß-roten Absperrbändern auf denen „Eichenprozessionsspinner“ steht.

    Wenn ich einen Radwege sehe, neben dem links und rechts ein Dutzend gekennzeichnete Eichen stehen, ich daran denke, dass schon einzelne eingeatmete Härchen Reaktionen erzeugen können und im 20-Sekunden-Takt Radfahrer*innen vorbeifahren, dann zweifle ich an der Situation.

    Die spinnen, die Eichen

    Frei nach Margrit, Wasser erdet mich, hatte ich mich bei 30 Grad Richtung Insulanerbad begeben2.

    Es war voller. Die Schnellschwimmbahn war zur Mäßíg-schnell-Schwimmbahn motiert, die Schwimmbahn war zur Langsamschwimmbahn geworden und der Treibzholzbereich hatte sich in Richtung „versuch es gar nicht erst“ gewandelt. Aber noch was alles sutsche, peacig, die Sonne schien, ein leichtes Lüftchen wehte, und ich konnte im kühlen klaren Wasser schweben.

    Hach, ach, wie schön, schweben erdet.

    Links

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    Gelesen und für gut befunden. Ich freue mich schon auf die Umsetzung: Milchreis-Eiscreme

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    Gelesen und für gut befunden. Umsetzung hier schwierig, weil Mangos im Juni. Mango Gazpacho

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    Für den Freundeskreis Dystopie: Palettenweise wandern Sachbücher und Romane aus europäischen Antiquariaten in die USA. Dahinter stecken mutmasslich KI-Unternehmen: Sie nutzen gedruckte Bücher als Rohdaten für ihre Sprachmodelle – und werfen sie nach dem Scannen in die Tonne.

    Anmerkungen

    1. Heißt der lateinische Name auf deutsch wirklich Parallelfuß? ↩︎
    2. Kabanenbesuch No. 4 – 20 Euro pro Besuch ↩︎
  • 26-06-16 Schafe werden Wolken, Wolken werden Regenschauer

    26-06-16 Schafe werden Wolken, Wolken werden Regenschauer

    Madame telefonierte alemannisch.

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    Am Südkreuzklavier sah sie nicht nur Menschen mit Noten für Klavierpartien, sondern auch Pianisten, die ihre eigene Geigerin mitbringen. (oder eine Geigerin, die ihren eigenen Pianisten..)

    Später versuchte Madame, zweierlei Latein in ihrem Kopf zu entwirren. Aufgrund ihrer Mehrchorwochen singt sie gleichzeitig das Mozart-Requiem und das Cherubini-Requiem. Beide haben im Prinzip denselben lateinischen Text. Aber bei Mozart sei es bitte in der deutschen Latein-Aussprache gesungen und bei Cherubini in der italienischen Latein-Aussprache.

    *

    Mein Versuch, litauische Bahnkarten zu kaufen, scheitert an der Meldung „403 forbidden“. Dazu erscheint eine Fehlerseite, die so klassisch technisch aussieht wie das gute alte Internet von ehedem.

    Etwas Recherche erbringt die Info, dass LTG Link gerade aus Cyberabwehrgründen ganz Nicht-Litauen aussperrt. Das Internet empfiehlt die LTG-Link-App oder die Nutzung eines VPNs. Die App zwingt mich, mir einen Account anzulegen und hängt sich dann dabei auf.

    Also werde ich ein VPN suchen müssen, das Litauen kann und trotzdem nicht wie die hinterste dunkle Ecke des Internets wirkt.

    *

    Am Tag als mein Fahrrad verschwand, Madame auf der Suche zwar kein Fahrrad aber einen Fuchs fand, und das Fahrrad wieder auftauchte. Das war der Tag als Madame im Lochowbad erfuhr „Ihr Schloss ist fehlgeleitet“ und dann ihre Uhr vergaß. Das war ein seltsamer Tag.

    *

    Es war ein Sonntag zwischen rain and shine und ein Montag zwischen Südkreuz und Schaf.

    Farben schießen Tore

    Ein niedlicher Nachtrag: Der kleine Fußballfan vom Wochenende, der zwar zur Irritation seiner Eltern überhaupt riesiger Fußballfan ist, aber das noch auf einem Niveau, wo er ganz begeistert vom Spiel von Grün gegen Gelb erzählt.

    Im Kreise älterer fußballinteressierter Menschen läuft mein Tippspiel-Masterplan so mäh. The power of statistics bringt mich am Ende von Spieltag 2 auf Platz 22 von 44.

    An einem Montagnachmittag versuchten drei Menschen im öffentlichen Dienst visionär zu sein. Und zwar nicht visionär im frei fliegenden irgendwann-haben-wir-Flugtaxis-Modus sondern visionär im Sinne von „in sechs Monaten solles real existierende Menschen im Alltag benutzen können.“ Das ist eine manchmal recht mühselige Form der Visionarität, erst recht am Montag Nachmittag.

    Friedhof der Fluginsekten

    Wir joggten Garten. Es konnte passieren, dass wir sagten, „Ah, Sonne, lass uns die Gelegenheit nutzen und den Staubsauger wieder in den Schuppen bringen“, und innerhalb der fünf Meter von der Haus- zur Schuppentür wurde schon wieder jemand klatschnass.

    Der spektakuläre Himmel empfahl für den Sonntag Häuslichkeit. Ich und der Staubsauger versuchten sich am niedrigen Schlafboden an einer Aktivität, die zu einem Achtel aus Athletik und zu sieben Achteln aus Herumrollen bestand. Vielleicht sah es aus wie der welt-unbeholfenste Schlangentanz. Die Staubsauger-Rollethik führte mich insbesondere am großen nicht-zu-öffnenden Südfenster zur letzten Stätte toter Bienen und Fliegen. Denn wo viele Insekten, da auch immer wieder Insekten im Haus, die sich auf dem Rückweg verirren und in die Sackgasse geraten.

    Aus dem Fenster konnten wir die immer wieder kreisende Bachstelze sehen, und raten, wo ihr naheliegendes Nest liegen könnte. Die Alten Rosen sind so gewachsen, dass wir sie selbst hinter dem 2-Meter-Gras noch durchscheinen sehen können. Gerade die Pink Moss wirkt wie direkt aus einem Märchen der Brüder Grimm entstiegen bzw. da die Sorte seit 1696 bekannt ist, ist sie vermutlich einem Märchen der Gebrüder Grimm entstiegen.

    Go GoLand

    Der Blick auf meinen Kalender sagt mir, dass ich mich ernsthafter mit den beiden kommenden Fernuni-Klausuren beschäftigten sollte. Ich beschloß für Sonntagabend, erst einmal die ganzen Aufgaben aus der „imperativen Programmierung“ zu lösen.

    Denn nur weil ich glaube prinzipiell verstanden zu haben, wie die Sprache Go funktioniert, heißt dass noch lange nicht, dass ich in der Lage bin, alle geschweiften Klammern, Kommata, leere Klammern und Punkte in einer Reihenfolge zu setzen, die die Sprache erfordert.

    Das kann und werde ich mir nur mit Training (= Testaufgaben lösen) aneignen.

    Wie eigentlich immer in der Informatik liegt die erste Herausforderung kann nicht im Inhalt, sondern in der Form: Wieder einmal eine Sprache auf dem Rechner installieren, wieder einmal eine Studiumslizenz für eine Programmierumgebung beantragen und dann das vom Lehrstuhl empfohlene GoLand auch noch auf meinem Rechner zum Laufen bringen. Danach ist mein Lernslot vorbei, weiterhin ohne eine geschriebene Klammer.

    Saal 5 ist der in Blau und Rot

    Am Hühnchenimbiss ein Loch in der Scheibe. Wir überlegten, ob es einem Unfall entstammte oder den gerade grassierenden rustikalen Schutzgelderpressungen mit Schusswaffenhilfe. Der Qualität des halben Hühnchens schadete es nicht.

    Denn, es ist absurd, dasjenige der Yorck-Kinos, das am ehesten unauffällig, funktional, praktisch und gut ist, das Delphi Lux, liegt in der Ecke Berlins, die alles andere als unauffällig oder funktional ist.

    Der Bahnhof Zoo hat nicht nur mit Breitscheidplatz, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und Ku’damm alteingesessene Touriattraktionen um die Ecke, mit Zoo-Palast, Delphi Palast und dem Musicaltheater eine große Strahlkraft, sondern auch die Szene, die seit „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ zwar manchmal die Gestalt und die Droge-der-Wahl wechselt, aber zuverlässig zum Zufluchtsort für die Hoffnungslosen wird.

    Und genau dort liegt ein Kino, das mit seinem sieben kleinen bis mittelgroßen Sälen einfach nur praktisch ist. Es liegt direkt an einem Verkehrsknotenpunkt in einer der Berliner Stadtmitten. Das Delphi Lux ist vom Saal her kein Neues Off, kein Filmtheater am Friedrichshain. Das hat genau die Atmosphäre, die nicht vom Film ablenkt. Die Programmauswahl ist bei sieben Sälen groß, Säle und Foyeur unspektakulär einladend. Ein guter Platz für entspanntes After-Work-Kino.

    It was getting orders from a sheep

    Der Montag endete in flauschiger Niedlichkeit. „Glennkill – ein Schafskrimi / The Sheep detectives“1 ist ein Film, der weise auf jeglichen Originalitätsdrang verzichtet, um die Niedlichkeit und ins-Herz-Schließbarkeit der schafischen und menschlichen Charaktere in Szene zu setzen.

    Ein Schäfer wird getötet. Seine Herde, die zwar Menschen verstehen und miteinander sprechen kann, die für Menschen aber nur aus blökenden Schafen besteht, versucht den Fall zu lösen: Im Stil klassischer Whodunits in einer englischen Kleinstadt mit Testamentseröffnung, einem alle-sind-verdächtig-Cast, einer überraschenden Wendung und der großen Verkündungsszene am Ende.

    Da die Schafe ihre Ermittlungsergebnisse nicht selbst präsentieren können, müssen sie den gutmütigen der trotteligen Dorfpolizisten zu den Spuren ziehen, oder diese auch auf den Boden des Polizeireviers malen. Nachts, vor einer unschuldig inhaftierten, die am nächsten Morgen nur erzählen kann „There was a lamb inside. And it was getting orders from a sheep.“

    Hugh Jackman als Schäfer spielte einen perfekten einsam-herzenswarmen Schäfer, Emma Thompson als Anwältin aus der Stadt war genau so schneidig-faszinierend wie mensch sich in einem solchen Setting Anwältinnen aus der Stadt vorstellt, und überhaupt war das alles komplettes wunderbares Flausch-Wohlfühlkino.

    Ein Tag, der mit Fahrrad und Fuchs begann, endete mit Schafen, die zu Wolken wurden.

    Links

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    Von Madame gelesen, während sie unsere dramatisch schwindenden Buttervorräte aufbesserte.

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    Ich hatte ja keine Ahnung! In Bezug auf Partytricks kann ich einäugig Schielen und habe noch eine Merkwürdigkeit in der Hinterhand: die Ohren taub stellen. Nein, das ist nicht nur eine Floskel, das geht wirklich

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    Auch wenn das wahre Basbektball-Team natürlich die Boston Celtics sind, fühle ich mich verbunden: Seit Anfang der 1990er Jahre bin ich Fan der New York Knicks.

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    Wenn Sie also gerade in Richtung Musik etwas lernen, machen Sie es doch bitte in der Außengastro. Es gibt Menschen wie mich, die sie dabei gerne beobachten wollen und die davon auch etwas haben. / ack

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 34 – 7,00€ pro Besuch ↩︎
  • 26-06-04 Pool’s out for summer

    26-06-04 Pool’s out for summer

    Der Parkplatzjasmin blüht. Duftwolken ziehen bis an diesen Schreibtisch.

    *

    In der Bahn eine junge Frau, die erst ausgiebig Dehnübungen im Sitz machte und sich danach so schief in diesen hineinfläzte, dass ich allein beim Zusehen Rückenschmerzen bekam.

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    MMB sprach über eine gemeinsame Bekannte als „die, die immer aggressiv-pastell bekleidet ist“. Das ist eine Aussage mit innerem Widerspruch, und dennoch wusste ich sofort, wer gemeint ist, und musste zustimmen.

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    Madame chorierte vertretungsweise unter einem hauptberuflichen Grundschullehrer als Chorleiter und war mehr als begeistert ob seiner Präsenz und seines methodisches Repertoires. Mehr Grundschullehrer*innen in Führungspositionen!

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    Es waren vier Arbeitstage zwischen SERVQUAL, Sternwarte und dem cinealen Versuch, ein Mensch zu bleiben.

    Entscheidungen

    Die Sonne scheint. Die Vögel singen. Das Freibad lockt. Zeit, sich wieder der Fernuni zuzuwenden.

    Unterhaltung / Arousal

    Kunden beobachten andere Kunden auch, weil dies einen gewissen Unterhaltungswert hat. Viele Kunden begeben sich gerne unter andere Menschen und schauen sich das Geschehen in der Öffentlichkeit um sich herum an (Tombs und McColl-Kennedy 2010).

    Das Fernuni-Modul Dienstleistungsmanagement ist mir ein steter Quell der Freude. In seiner inhaltlichen Alltagsnähe, in einer Sprache, die zwischen akademischer Distanz und Business-Bullshit-Bingo schwankt wirkt es mehr als einmal wie die Loriot-Version seiner selbst.

    So zum Beispiel mit der Erkenntnis:

    So zeigen Kaminakis et al. (2019), dass sich die Gestaltung der Dienstleistungsumgebung – im Kontext der Studie ein Restaurant – stärker auf die Erregung (arousal) und die Lust (pleasure) des Kundenkontaktpersonals als auf die Erregung und das Vergnügen des Kunden auswirkt.

    Manchmal denke ich aber auch „Aha“!

    Als ich letztens an der Shell-Tankstelle vorbeilief und an den gescheiterten Versuch dachte als Shell, wieder Tankwarte als Premium-Unterscheidungsmerkmal einzuführen versuchte, da erinnerte ich mich an verwirrte Kund*innen, die nicht recht wussten wie sie mit den Tankwarten umgehen sollten. Dank des Moduls kann ich jetzt denken „Service-Skript“: Jede Dienstleistung erfordert Interaktion und die Kund*in muss jederzeit das Gefühl haben, zu wissen was von ihr gerade erwartet wird. Sonst fühlt sie sich nicht wohl und die Dienstleistung scheitert.

    Bei neuen Dienstleistungen oder Abläufen, die seit Jahrzehnten nicht mehr vorkamen, muss die Anbieterin den Kund*innen beibringen, was diese tun sollen. (Siehe auch: IKEA-Anfänge in Deutschland, McDonalds-Anfänge in Deutschland).

    Programmierung oder Algorithmen?

    Entscheidender als einzelne Inhalte im Fernuni-Kontext bleibt aber das große Ganze und der Ablauf: Der 1. Juni ist an der Fernuni der Tag des kleinen Übergangs. Am 1. Juni öffnet die Rückmeldefrist für das nächste Semester und es öffnet der Zeitraum der Klausuranmeldungen. Langsam sollte ich mich entscheiden, was ich dieses Semester schreiben und daraus folgend, was ich nächstes Semester belegen werden.

    Bisher lernte ich für

    • Dienstleistungsmanagement
    • Einführung in die Imperative Programmierung

    Die Module gibt es nicht geschenkt. Aber sie sind inhaltlich tief in meinem Wohlfühlbereich angesiedelt. Der Lernaufwand scheint mir überschaubar.

    Angedacht hatte ich

    • Datenstrukturen und Algorithmen (D&A)

    This is a whole kind of different beast. Das Modul hatte ich im letzten Semester schon mal begonnen, weil es doppelt einzahlt – auf den Master Wirtschaftsinformatik wie auch auf den möglichen Bachelor Informatik. Aber dann hatte ich schnell wieder aufgehört, weil es gar nicht einverträglich war mit dem letztsemestrigen plan: „Study, relax & chill“. So gar nicht.

    Die Klausur D&A würde bedeuten, dass ich jetzt wirklich intensiv und unter Vernachlässigung diversen anderen Lebens mit Lernen beginnen müsste und dies bis zur Klausur Mitte August durchziehen. Bei Bestehen wäre ein großer Brocken aus dem Weg geräumt.

    Dann erinnerte ich mich des Jahresmottos „Einatmen – Ausatmen“, dachte „Bist du verrückt? Es ist Freibadsaison!“ und verschob das Modul.

    Dieses Semester bleibt es bei Dienstleistungsmanagement und Imperativer Programmierung. Überraschend auftretende Anfälle von Ehrgeiz kanalisiere ich auf die Noten in den beiden Modulen – oder ich lerne schon mal für die Datenstrukturen im Wintersemester vor. Dort findet back to normal mit Datenstrukturen & Algorithmen und Objektorientierte Programmierung und Socio-Technical Information Systems Design statt.

    Well, we got no choice / All the girls and boys / Makin′ all that noise

    Innen out

    Wir verschlafen ungefähr einmal im Jahr. Das schafften wir Mittwoch. Vermutlich hat die Mischung aus schwül-am-Abend – deshalb schlechtes Einschlafkarma – plus Nachtregen – deshalb Tiefenentspannung am frühen Morgen – dazu geführt, dass ich sämtliche Wecker glücklich überhörte. Madame testete, wie schnell sie bei strömenden Regen in der Hafenstadt sein kann.

    Ich hatte mehr Glück, mein erster Termin lag später und fand in der hauseigenen Schwimmhalle statt.

    Diese war ruhig. Denn bis auf das Schulschwimmen ist der Hallenbadbetrieb eingestellt. Wir sind Schwimm-Heimatlos, müssen wieder das Grundstück verlassen, um Schwimmen zu gehen. Sofort habe ich einen Alice-Cooper-Hit im Ohr:

    Pool’s out for summer / Pool’s out forever / Pool’s been blown to pieces.

    Ich hoffe, dass bei Alice Cooper und bei uns die letzten beiden Zeilen literarische Übertreibungen aus emotionalem Überschwang heraus sind.

    Außen out

    Wenn der Pool out ist, ist das ein Grund mehr zum Steglitzer Sommerwohnzimmer zu pilgern. Auf zum Insulanerbad.

    Aber auch dieser Ausflug teilte das Schicksal unserer letzten Exkursionsversuche (siehe Nymphensee überfüllt – und Fahrradtour mit kaputtem Sattel), er scheiterte. „Wegen Team/Fortbildungstag geschlossen“ Und das mir!

    So nutzte ich die Gelegenheit, das erste Mal seit 15 Jahren nicht das Insulanerbad sondern den Insulanerberg zu erklimmen. Ich entdeckte die geheime Liegewiese außerhalb des Freibads (Luftbad!), ich sah Wege, so dicht bewachsen, dass diese auch im schlimmsten Hochsommer noch im Schatten liegen werden. Ich entdeckte die Andeckenplaketten an Insulaner (Trümmerhügel) und Insulaner (Radio-Kabarett). Ich wiederentdeckte die Sternwarte und warf den ein oder anderen Blick auf das am Fuß des Trümmerhügels liegende verlassen wirkende Schwimmbad.

    Bahnhofsgeschichten

    Berechenbarer als das Insulanerbad bleibt der Bahnhof Südkreuz.

    Für die Zukunft

    Die Rolltreppen dort zum Beispiel bleiben unbewegt. Paul’s Bauzaun Service verwandelte die bisherigen Absperrungen in eine größere Ansammlung von Bauzäunen, auf denen Rolltreppen „für die Zukunft“ angekündigt werden. Das sagte mir, dass DB InfraGO die Rolltreppe „für die Gegenwart“ aufgegeben hat.

    Tatsächlich bestätigte mich der Tagesspiegel-Checkpoint mit einem Text zur Südkreuz-Rolltreppensituation: „Zwei weitere [Rolltreppen] im Eingangsbereich machen größere Probleme. Sie müssen altersbedingt komplett erneuert werden. Die Bauarbeiten beginnen in dieser Woche und werden „einige Monate“ dauern. „

    Im selben Checkpoint wurde immerhin ein weiteres Rätsel gelöst. Denn die Personen, die ich als Kofferträger identifizierte, sah ich nun in vielen Monaten noch nie einen Koffer tragen. Meistens lehnen sie an der Treppe, despektierlich könnte ich schreiben, sie lungern herum, vielleicht sind es gar keine Kofferträger, sondern professionelle Lungerer.

    Auch hier gab der Checkpoint Auskunft: „Achtung, neue Berlin-Vokabel: Während der Bauarbeiten sind „Reisendenlenker“ im Einsatz, „um Fahrgäste zu unterstützen“. Heißt konkret, auch mal Kinderwagen und Koffer die Treppe hochzuwuchten.

    Ich las erst „Reisendenker“. Und vielleicht wäre das etwas: Einfach Menschen an den Bahnhof stellen, die über das Reisen nachdenken. Aber vielleicht machen sie das auch schon die ganze Zeit, und kommen deshalb nicht zum Kinderwagentragen.

    Für die Orientierung

    Vor dem Südkreuz taucht ein neuer Wander-Wegweiser mit Bär mit Wanderstab auf: Grüne Hauptwege. Das ist einerseits komplett absurd, denn der Südkreuz-Vorplatz ist ein Ort für den das Wort „unwirtlich“ in den Duden aufgenommen wurde und der sich besser für „Graue Nebenplätze“ als für „Grüne Hauptwege“ qualifiziert.

    Andererseits ist das Schild damit notwendig: Denn wohl jede*r Wander*in auf einem Grünen Hauptweg braucht hier umfangreiche Bestätigung, sich auch wirklich, wirklich nicht verlaufen zu haben.

    Saving Mima Kirigoe

    Ich hatte mir vorgenommen, nicht mehr als zwei Kinofilme in der Woche zu sehen. Zu sehr verschwimmen die Eindrücke sonst, zu sehr geht mir ein Film aus dem Hirn verloren, noch bevor ich auch nur ansatzweise verstanden habe, was ich erlebte.

    Diese Woche werden es drei Kinofilme werden.

    Montag: Saving Private Ryan (Odeon – USA, 1998)1, Mittwoch Perfect Blue (Babylon Kreuzberg – Japan, 1998)2 und Donnerstag American Gigolo (Yorck – USA, 1980).

    Durch die Häufung ergeben sich interessante Effekte. Kurz nacheinander sah ich den Spielberg-Blockbuster Saving Private Ryan und den triggerwarnungs-intensiven Anime Perfect Blue.

    Beide erschienen 1998. Der eine aus der damaligen Gegenwart mit dem Blick in die Vergangenheit, der eine aus der damaligen Gegenwart mit dem Blick in die Zukunft. Eines ein Mainstream-Blockbuster mit den größten Stars des damaligen Kinos, in handwerklicher Brillianz, die uns von der ersten bis zur letzten Sekunde ihrer Intensität in die Sitze drückte; eines ein Anime, der aus Kostengründen kein Spielfilm wurde, in Japan für ein Nischenpublikum produziert war, ästhetisch Höhen und Tiefen hat, und ein zweites Leben als Arthouse-Moviegoers-Festival-Film bekam.

    Und doch hatten beide dasselbe zentrale Thema: Wie bleibe ich unter mörderischen Umständen Mensch? Als Englischlehrer-wurde-Soldat im Zweiten Weltkrieg oder als junge Darstellerin in den Abgründen der J-Pop-Girlband-early-Internet-Reality-Menschenverbrauchsmaschine.

    Beide Filme ließen mich nicht unbeeindruckt ziehen. Beide würde ich gerne wieder sehen. Bei beiden bin ich versucht, den ultimativen Wikipedia-Artikel über sie oder einen Roman inspiriert von ihnen zu schreiben.

    Links

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    Via Mastodon: Der Sterbende wünscht sich, dass zu seiner Beerdigung alle mit einer „lustigen Kopfbedeckung“ kommen. Man darf gespannt sein. Und ich habe kein neues Lebensziel, aber ein neues Sterbensziel. Falls ihr plant, mich zu überleben, denkt schon mal über den Hut nach.

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    Ein Traum der Post in jeder Hinsicht: Vier Tage im Hinterland, gleich gefolgt vom Ähnlichen Kleine Wanderung im Hinterland

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    Wer Bloggerinnen treffe möchte, kann sich einfach in die Ausstellung „Neue Frau, Neues Sehen. Die Bauhaus-Fotografinnen“ begeben. Dort waren Juna („Ich trug meine Ambivalenz mit mir herum und konnte sie zunächst nicht fassen.) und die Pressepfarrerin („später, als sich die Eindrücke gesetzt hatten, ließ sie mich seltsam unbefriedigt zurück“) – wie schon mal verlinkt, waren auch poupou („Auf jeden Fall interessant anzusehen, aber nicht mind blowing.“), die kaltmamsell („Aufmerksam gehängte Ausstellung, gut erklärt und vermittelt,“) und readinginsweden („es gefiel mir außerordentlich„) dort.

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    Japan verstehen: Die “sieben Wunder” sind Gruselgeschichten, die sich Schüler seit Generationen erzählen und die allesamt in der Schule stattfinden. Weil sie im gesamten Land bekannt sind, werden sie oft in verschiedenen Medien erwähnt – Unter dem Verständnis, dass alle die Referenz verstehen.

    ##

    Auch ich beuge mich dem Diktat der großen Wasserstoffbombe am Himmel und trage meinen peinlichen Safarihut. Damit sehe ich zwar aus, als woll ich Velociraptoren jagen, aber immerhin weniger bescheuert als der alte zottelige Mann mit dieser Sonnenbrille in Form des Kölner Doms. – ich weiß nicht. Zottelig werden, eine Sonnebrille in Form des Kölner Doms tragen, und dann als Reisendenker in einem Bahnhof lungern – das klingt für mich wie eine erstrebenswerte Zukunftsversion meiner selbst. Und wenn ich sterbe, müssen alle mit einem komischen Hut kommen.

    Anmerkungen

    ~ Neu im Bestand: Ein T-Shirt (agressiv-pastell blau), ein Polo (Bahamas-Bär)

    1. Yorck Unlimited No. 27 – 8,82€ pro Besuch ↩︎
    2. Yorck Unlimited No. 28 – 8,50€ pro Besuch ↩︎

  • 26-01-15 Bitte stelle sicher, dass Deine Haustiere in Sicherheit sind

    26-01-15 Bitte stelle sicher, dass Deine Haustiere in Sicherheit sind

    Die Wikipedia feiert 25. jähriges Jubiläum und zu diesem Anlass ist ein 15 Jahre alter Artikel von mir1 als Artikel des Tages auf der Hauptseite. Ich staune und ich freue mich.

    Jeder leere Viersitzer in der vollen S-Bahn hat eine Geschichte.

    In der S-Bahn gesehen: Ein mittelalter Mann, Handy lesend, der in mir ein Störgefühl auslöst. Irgendwas stimmt nicht. Nach zwei Stationen habe ich es: Die Frisur sieht teurer aus als die Brille. Das ist selten. Zwei weitere Stationen später habe ich beschlossen: „Das ist Absicht. Vermutlich ist das eine teure Designerbrille, bei der viel Mühe darauf verwendet wurde, dass sie wie eine Lesebrille vom Drogerieständer aussieht.“

    Der Nachteil des Schwimmbads im Haus: Ich kann mich nicht mehr so richtig erinnern, wann ich schwimmen war. Irgendwann abends halt mal kurz. Vor allem total immersen im Lehrschwimmbecken, da das eh schon volle Schwimmbecken noch zusätzlich durch einen Verein belegt war, und normales Schwimmen freudlos geworden wäre.

    Weiterhin erstaunlich: die extreme Gastfreundschaft, die uns im Gebäude entgegen schlägt. Wir müssen aufpassen, nicht dass wir aus Versehen demnächst so nebenbei private Schwimmstunden bekommen.

    Beim ukrainisch-polnischen Supermarkt entdeckte ich in der Gemüseabteilung frische Habanero-Chillies. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die in Deutschland überhaupt je in einem „normalen“ Supermarkt gesehen habe.

    Eigentlich suchte ich im Supermarkt Kielbasa, laut Internet der beste Ersatz für Louisiana-Andouille, der in Deutschland zu bekommen ist. Aber es kam wie es kommen musste: Kielbasa bedeutet im Wesentlichen „polnische Wurst“, und in diesem Supermarkt bedeutet das: 40 verschiedene Sorten polnische Wurst. southpark war mehr als überfordert.

    Ich meldete mich von der Informatik-Klausur ab. Wenn ich die Klausur noch bestehen wollen würde, müsste ich angesichts meiner nicht vorhandenen Vorarbeit genau jetzt ernstlich mit Lernen anfangen. Und da sehe ich mich nicht. Ich denke auch, ein Pausensemester nach dem Bachelor und mit Umzug ist durchaus verdient.

    Es waren Tage des Arbeitens mit dem unweihnachtlichsten Weihnachtsfilm aller Zeiten.

    Wenn es dunkel ist

    Die maritime Bettwäsche, Gewinn aus dem Seemannsmissions-Adventskalender, traf ein. Sie ist erfreulich kuschlig. Und maritim!

    Die Erziehung der Post und der Lieferdienste dauert weiterhin. DHL fand gestern sogar unsere Tür. Dafür fand amazon2 nicht einmal das Haus. Erst ein Anruf, den ich nicht schnell genug annehmen konnte. Bei Rückruf eine generische amazon-Servicenummer. Dann eine Handy-Nachricht:

    Ich werde bald mit deiner Lieferung ankommen. Bitte stelle ggf. sicher, dass deine Haustiere in Sicherheit sind und schalte das Licht ein, wenn es dunkel ist.

    Nachdem Madame die Haustiere in Sicherheit gebracht hatte, ging sie vor das Gebäude und suchte den Fahrer: aber nichts nirgends.

    Bikini

    Auf dem Weg ins Kino eine weitere Berlin-Premiere für mich: Ich war im Bikini-Berlin, dem Concept-Mall-Ding neben dem Bahnhof. Es soll so eine Art Einkaufszentrum sein, aber halt in stylisch und schick. Es war .. interessant.

    Quasi alle Läden suggerierten mir „Hier kaufst du kein Produkt. Hier kaufst du eine Einstellung zum Leben.“ Und diese Lebenseinstellung lautet „Beratung mit vielen Brand Identity Manager Consultants zum invalue store empowering enrichtment“.

    Naja, weil die Brand Identity Leute sich in Golddukatensäcken bezahlen lassen, rufen die Läden entsprechende Preise auf. Sehr spannend. In Teilen auch ansprechend. Aber in größeren Teilen vor allem gewollt und anstrengend. .

    Immerhin kurze Freude: in einem ansprechenden Ruhebereich steht die perfekte Symbiose unserer Stühle: das Luxembourg-Schaukelschaf. Wo unser Gartenstuhl (Luxembourg) mit dem Wohnungsstuhl (Schaukelschaf) zusammenkommt.

    Der Gang ins Bikini war lehrreich, aber ist in näherer Zukunft nicht wiederholenswert.

    Immer wieder lohnend ist der Gang am Breitscheidplatz und an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche vorbei. Ich bin ja großer Fan des Gedächtniskirchenneubaus. Am Tag von außen unscheinbar. Von innen oder bei Nacht aber eine Wucht. Beste Nachkriegsmoderne.

    Die Mörder

    Mein Ziel war noch mehr Berliner Nachkrieg, weniger Moderne. Im Delphi Filmpalast fand eine Aufführung des ersten Deutschen Nachkriegsfilms Die Mörder sind unter uns aus dem Oktober 1946 statt. Umrahmt von einer kleinen Veranstaltung der Stiftung Ernst-Reuter-Archiv in Kooperation mit dem Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Delphi Filmpalast, die eine eher seltsame Mischung aus Politikdiskussion der Jahre 1945/1946 und Hildegard-Knef Hommage war.

    Im Film geht es darum, dass Dr. Mertens (Ernst Wilhelm Borchert) und Susanne Wallner (Hildegard Knef) durch die Verwerfungen der Nachkriegszeit gemeinsam in einer Berliner Trümmerwohnung wohnen müssen. Am Anfang kennen und mögen sie sich nicht, am Ende sind sie ein Paar.

    Vor allem leidet Mertens an schwerer Posttraumatischer Belastungsstörung (die im Film natürlich nicht so genannt wird) hat ein Alkoholproblem und sinnt auf Rache an einem ehemaligen Hauptmann Brückner, der in Polen ein ganzes Dorf mit Frauen und Kindern exekutieren ließ. (was in Mertens vermutlich die PTBS auslöste).

    Der Anblick eines Tannenbaums an Heiligabend lässt in Mertens das letzte bißchen Selbstbeherrschung schwinden, denn genau jenes Massaker fand an Heiligabend 1942 statt zwischen Stille Nacht und Maschinengewehrsalven.

    Er bricht auf zu Brückner, steht ihm Heiligabend 1945 in einer dramatischen Heiligabendszene am Tannenbaum mit der Pistole vor Brückner steht, verhindert Susanne den Schuss und es folgt ein Epilog, dass Selbstjustiz verständlich aber nicht gut ist, und dass öffentlich Anklage gegen die Mörder erhoben werden muss.

    Ein Film faszinierend auf so vielen Ebenen, dass ich gar nicht mehr hinterherkomme. Deshalb versuche ich mich auf drei zu beschränken.

    1946

    Vor dem Kinosaal unterhielten wir uns zu viert (Geburtsjahre um 1950, 1973, 1975 und 1986) darüber wie die NS-Zeit in Jugend und Schule behandelt wurden. Die drei jüngeren erinnerten sich deutlich an die Ausstellung Verbrechen der Wehrmacht, die das erste Mal eben jene in eine breite Öffentlichkeit brachte und wilde Diskussionen um die NS-Zeit und die Rolle der Wehrmacht auslöste. Für uns alle war das gefühlt vor 1995 in Deutschland kein Thema.

    Und dann sahen wir diesen Film von 1946, den ersten deutsche Film überhaupt nach Ende des Krieges – und er dreht sich zentral um ein Massaker durch eben jene Wehrmacht. Deutschland, was hast Du zwischen 1946 und 1995 gemacht?

    Im Film von 1946 wurde es thematisiert: Nazis und Gewissen, Massenmord, Trauma des Krieges und das eigenwillige Leben in den Berliner Ruinen.

    Semi-thematisiert: Der grundgütige Optiker „Mondschein“, der bis zu seinem Tod im Film auf seinen verschollenen Sohn wartet – Name und Porträtierung werfen deutliche Hinweise in Richtung „jüdisch / es gab auch einen Holocaust“ – explizit gesagt wird es nie.

    Überhaupt ein Film, dessen Publikum gerade vorher komplett durch den zweiten Weltkrieg gegangen war – wie hat er auf dieses Publikum gewirkt?

    KZ ja und?

    Susanne Wallner ist KZ-Überlebende. Dies wird einmal am Anfang des Films gesagt und im Rest des Films ignoriert. Während der Film sich ausführlich und tiefgehend Mertens Traumata als Wehrmachtssoldat widmet, spielt die KZ-Geschichte keine Rolle mehr. Sie fragt ihn mehrfach eingehend nach seiner Vorgeschichte, seinen Erlebnissen: Er sie kein einziges mal.

    Und wieder: Warum sich eine junge bildschöne lebenslustige tatkräftige Frau sich ausgerechnet in einen mittelalten Alkoholiker mit cholerischen Anfällen verliebt – auch dazu fällt dem Film nichts ein.

    Und so wird die präsente, einen Raum für sich einnehmende Hildegard Knef in einer Rolle besetzt, die innerhalb von 20 Minuten von der tatkräftigen neuaufbauenden KZ-Überlebenden zum verliebten Muttchen mutiert.

    Für einen Film aus der Zeit nicht wirklich überraschend – für diesen speziellen Film aber schon.

    Expressionismus noir

    Auch stilistisch spannend: Der Film, der ich sah war halb Vorkriegsexpressionismus (denke Nosferatu, Cabinet des Dr. Caligari) und halb Film Noir: die unruhige Kameraführung des Expressionismus, die starken hell-dunkel-Kontraste und Schatten als eigene Figuren im Film, die emotionalen Ausbrüche von Mertens, der Soundtrack – pure Expression.

    Und da war auch der Noir: die Großstadt (das zerbombte Berlin) als eigener Charakter, die moralische Ambivalenz, der Protagonist als getriebener, alle sind elegant angezogen und rauchen ununterbrochen. Das passt in jedes Noir-Setting.

    Und erst so im Zusammenhang fiel mir auf, wie nah die beiden Stilistiken beinander stehen, wie sehr sie ineinander übergehen, und wie sehr sich Nachkriegsnoir aus dem Vorkriegsexpressionismus speist.

    Trauben und Diktaturen

    Ein Gemüsesalat, der sich als Obstsalat tarnt. Ich musste drei mal hinschauen: Das ist doch ganz eindeutig Ananas-Traube-Pflaume 12 von 12 im Januar (2026).

    Die Mimosen hingegen bleiben die Mimosen: 12 von 12 im Januar 2026

    Karen aus Japan über japanische Buzzwords im deutschen und englischen. („Vielleicht ist dieser Artikel ein wenig Therapie für mich und ihr müsst da jetzt auch durch.“): Japanische Buzzwords: Bleibt mir mit eurem Ikigai gestohlen

    Passend zum Thema Aufarbeitung las und hörte Anke Gröner von Anne Rabe. Sie zitiert sinngemäß: „Dass die Aufarbeitung der NS-Zeit in der Gesellschaft noch nicht abgeschlossen ist, ist jedem klar. Wieso glauben dann aber viele, dass die Spuren, die die DDR-Diktatur in den Menschen hinterlassen hat, nicht mehr wichtig oder Forschungsthema sind?“

    Anmerkungen

    1. Ja „Artikel von mir“, schwieriges Konzept in der Wikipedia. Aber das ist eine Diskussion für ein Andernmal. ↩︎
    2. Ja, eigentlich bestelle ich da nicht. Außer es ist der Shop vom Hersteller und das Produkt sonst nirgends erhältlich. Ich möchte aber auch sagen, dass amazon pro verkauftem Produkt ungefähr 2 cent Gewinn macht und pro vermieteter AWS-Cloud-Stunde eine Fantastilmillion. Das Amazon-Geschäftsmodell ist vor allem Rechenzentrumsvermietung und wer den Laden wirklich nicht unterstützen möchte, müsste Recherchieren wo ihre liebsten Internetanbieter ihre Daten parken. ↩︎
  • 26-01-01 New Years New York, New York im Yorck

    26-01-01 New Years New York, New York im Yorck

    Im Adventskalender der Seemannsmission gewannen wir „Maritime Bettwäsche“. Jetzt müssen wir diese allerdings an der Seemannsmission Brunsbüttel abholen.

    Die Töpfe wandern. Viele der Töpfe, die wir einst „erbten“, weil die Vorbesitzer sich einen Induktionsherd anschafften, geben wir als neue Induktionsherdsbenutzer jetzt selber weiter. Einige Exemplare wandern über den Umweg unserer Küche von den Eltern zur Tochter.

    Madame las einen Regency-Roman und fragte sich, wie das damals eigentlich mit den Pferdewechseln an den Kutschenstationen waren? Haben die damals einfach so die Pferde durchgetauscht und irgendjemand hat am Ende den alten Klepper abbekommen?

    Schreibe ich dieses Jahr ausnahmsweise einen Gesamt-Jahresrückblick im Blog? Vielleicht. Aber nicht jetzt. Jetzt folgt ein Zwei-Tages-Rückblick.

    Es war Silvester und Neujahr.

    Eierlikör, Marmelade, Pflaumenmus, Mandel-Marzipan

    Silvester begann am 30. Dezember abends. Wir hatten beschlossen, schon Dienstag auf die Latifundien zu fahren, auf dass wir dort am 31. Dezember mehr Tageslicht abbekommen, weil wir schon morgens anwesend sind.

    Es war spannend: Wir waren seit Ende Oktober nicht mehr auf den Latifundien. Ende Oktober hatten wir nur die Wintervorbereitung light absolviert – nicht ahnend, dass es acht Wochen mit einigen -10-Grad-Nächten dauern würde, bis wir zurückkämen.

    Es stellte sich die Frage: kämen wir überhaupt bis dorthin? Auch der 17 Jahre alte Subaru hatte in den letzten acht Wochen nur vielfach die Zwei-Kilometer-Kurzstrecke zwischen alter und neuer Berliner Wohnung zurückgelegt. Bei ausgeprägten Minustemperaturen neigte das Auto in den letzten Jahren auch zum Zicken, gerade auch seine Batterie.

    Aber: Alles ging. Der Motor zündete als wäre er neu. Der latifundale Zugang zum Wasseranschluss war seit dem letzten Frühjahr überwachsen und jetzt zugefroren, lies sich aber freilegen. Einzig ein vergessenes Gardena-Plastik-Gartenschlauchteil hat es vielleicht durchs Eis gerissen, das wäre verschmerzbar. Alle echten Autos, Leitungen und Getränkeflaschen haben alles unbeschadet überstanden.

    Madame absolvierte einen Kneipp-Tag: Nach der vormittäglichen Sauna kam nun der Bungalow mit einer Innentemperatur von 3 Grad hinzu. Aber nach diversen Stunden des Heizens wurden die Temperaturen erträglich, bis zum Silvestermorgen sogar fast angenehm.

    Es folgten am 31. mittags einige letzte Besorgungen (Das Buch Der Schwarm in die Büchertelefonzelle zurückbringen, Baguette und Pfannkuchen (Eierlikör, Marmelade, Pflaumenmus, Mandel-Marzipan) kaufen). Bei Tageslicht konnten wir noch den Grünspecht sehen, der den halben Garten umpflügte und das Rotkäppchen auf dem Zaunpfahl („Robin in the snow!„). Es folgte der lange dunkle Abend des Lesens und Chillens und Tomaten-Käsefondue und Nachbars Kinderfeuerwerk aus dem Fenster sehen.

    Es war so dunkel und so ruhig, um Mitternacht schliefen wir schon beide sanft vor uns hin, selbst durch Böller und Feuerwerk nur wenige Sekunden aus dem Schlaf gerissen.

    Back to the &AUML;

    Dass mein Geist langsam wieder aufnahmefähig für weitere Themen merkte ich im Bungalow. Dort fiel mein Blick auf das 800-Seiten-Monstrum „Moderne Betriebssysteme“ von Andrew S. Tanenbaum. Das ist in seiner Version von 2003 eher modern im historischen Sinn; aber die Grundlagen sind ja seit 2003 unverändert. Und vor allem: Ich hatte Lust es zu lesen und anscheinend auch wieder geistige Kapazität dafür. Das Studium kann weitergehen.

    Denn auch wenn ich es die letzten Monate komplett ignorierte: Ich studiere noch auf den Master Wirtschaftsinformartik. Und das Semester ist schon fast zu Ende. Irgendwann fiel mir auf, dass ich mich für das nächste Sommersemester Rückmelden muss, und mich voller Übermut noch dieses Semester für Klausuren anmelden kann.

    Die Online-Rückmeldung schickte mich in eine Warteschleifen:

    Die Online-Rückmeldung über den virtuellen Studienplatz ist für Sie leider nicht möglich, da Sie Ihren aktuellen Studiengang erfolgreich abgeschlossen haben. Für eine Rückmeldung mit &AUML;nderung [sic!] des Studiengangs, zum Beispiel zur Fortsetzung Ihres Studiums im Masterstudiengang oder den Wechsel in einen anderen Studiengang oder zum Akademiestudium nutzen Sie bitte den „Antrag auf Rückmeldung mit &AUML;nderung“. [sic!]

    Also füllte ich das online-PDF-Formular Antrag auf Rückmeldung mit &AUML;nderung für das Sommersemester aus. Ich kreuzte alle Module dieses Semesters als „belege ich als Wiederholer“ an (you never know) und noch zwei dazu als neu-zu-belegendes (vielleicht klappt ja auch noch etwas). Das ergibt:

    Als Wiederholer

    • Einführung in die imperative Programmierung
    • Datenstrukturen und Algorithmen
    • Digitale Diversität

    Neu

    • Einführung in die objektorientierte Programmierung1
    • Dienstleistungsmanagement

    Was genau ich davon wirklich studieren werde, entscheidet sich in den Klausuren, die ich in den nächsten Wochen vielleicht belege und vielleicht bestehe.

    I want to wake up in a city that doesn′t sleep

    Neujahrs-Abends: Ein Drama, das sich als Musical tarnt. Martin Scorseses New York, New York mit Liza Minelli und Robert de Niro im Yorck-Kino. Die dortige Kinoreihe Boulevard Noir könnte mein Liebling aller Kinoreihen der Yorck-Kinos werden.

    Eskalation!

    Man muss sich das Leben als Reaktion auf von Algorithmen geschaffene Situationen vorstellen

    Joel malte einen Leuchtturm.

    Konzert des Jahres: Eine Schweizer Partyband in Chemnitz. (Merken für mich: am 18. April in der Stadthalle Falkensee – Beispiel)

    Percy Puddletree eskaliert noch mehr (mit Fotobeweis): The same procedure

    Konstantins Tochter möchte doch nur Computerspiele spielen: Und mir immer wieder die Frage gestellt: „Kann ich nicht eine Frau waehlen?“

    Frau Zimtkringel versteht die Algorithmen nicht, die Menschen auf ihren Blog bringen:

    Nun habe ich aber gerade festgestellt, dass ein Rezept aus 2018 (!) in diesem Jahr dem Käsekuchen fast den Rang abläuft. What? Why? Ok, der magische Zauberbegriff scheint hier Airfryer zu sein. Leute, baut irgendwo den Begriff Airfryer oder Heißluftfritteuse ein und landet ein Klickwunder! Vor Zeiten habe ich mal schnelle Paprika-Antipasti aus dem Airfryer gebastelt und eben dieses uralte, pupsige 08/15-Rezept wurde in den letzten zwölf Monaten im sehr hohen fünfstelligen-Bereich aufgerufen. Echt jetzt, Leute? Warum?

    Anmerkungen

    1. Für Informatiker. „Einführung in die objektorientierte Programmierung (für Wirtschaftsinformatiker)“ habe ich schon irgendwann 2023 belegt und bestanden. ↩︎