Schlagwort: Fisch Möller

  • 26-04-11 Spandau-Süd, Hamburg-Ost (Berlin -> Dithmarschen)

    26-04-11 Spandau-Süd, Hamburg-Ost (Berlin -> Dithmarschen)

    Lachgas ist aus. Verboten. Gut, dass wir noch einen 10-Jahres-Vorrat zur Herstellung von Schlagsahne gebunkert haben.

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    Versprochen lachgasfrei: Wilde Nächte mit wilden Träumen; für meinen Geschmack zu arbeitsthematisch. Abwechslungsreicher wurde es, als mir träumte, wir würden durch den nebligen Schwarzwald wandern und dabei die dort heimischen Baby-Elefanten sehen.

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    Im Bus, zwei junge Frauen direkt hinter mir, unterhielten sich über ihren Wasserschaden und die Versicherung, über verschiedene Enthaarungsmethoden, und über die Reportage über den ghanaisch-deutschen Fußballtrainerexspieler Otto Addo, an der eine von ihnen arbeitet. Als sie sich voneinander verabschiedeten, war ich kurz davor, ihnen zum Abschied die Hand zu drücken, weil ich sie innerlich bereits in meinen Bekanntenkreis aufgenommen hatte.

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    Vielleicht war ich besonders aufmerksam, weil Otto Addo einst ein Held von Hannover 96 war, ein Verein von dem ich gerade wieder mehr mitbekomme, weil 96 sich mit Hertha und diversen Anderen ein Nagelbeißer-Fotofinish um den Aufstieg in die 1. Männer-Fußball-Bundesliga liefert.

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    War es, mit Dota Kehr, der erste Samstag im Frühling? Ich weiß es nicht, denn ich war den größten Teil des Samstags auf der Autobahn. Aber auch wenn Boote auf den Straßen und im Wasser, Menschen an allen Plätzen und Stühle auf den Wegen, dafür sprachen: Die hohe Jackendichte und das fluchtartige Verlassen der Außenplätze bei Schattenwurf sprachen noch dagegen.

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    Es war ein Kleinreisearbeitsfreitag und ein Großreisesamstag.

    Sense and Usability

    Bei der Kaltmamsell las ich ein Lob des Lernens von „Nutzlosem“.

    Ich musste spontan an unseren Schulprakti denken, dem wir gerade erklärt haben, dass viele Tätigkeiten im Arbeitsleben – egal bei welcher Arbeitgeberin – sich währenddessen reichlich sinnlos anfühlen oder sich im Nachhinein als reichlos sinnlos herausstellen werden. Wobei der Zusammenhang zwischen beidem locker ist. Wir versuchten, eine wichtige Lektion für’s Leben zu vermitteln, aber ich weiß nicht wie begeistert sie aufgenommen wurde.

    Ebenjener Prakti führte auch zur internen Fragestellung: Liebe Kolleg*innen mit den zweistelligen E-Nummern im Arbeitsvertrag: Welche eurer Tätigkeiten kann auch ein 17jähriger nach einer Stunde Einweisung erledigen?

    The Lifecycle of Software Objects (2007)

    Gelesen: Ted Chiangs The Lifecycle of Software Objects – eine Novelle, die sich in Chiangs Kurzgeschichtensammlung Exhalation geschmuggelt hatte.

    Der 2007 veröffentlichte Text behandelt eine Zukunft in der KI als eine Art Wesen geschaffen wird. Bestehen aus einem „Genom“ wird sie trainiert ähnlich wie ein Tier oder ein Mensch, entwickelt dann Fertigkeiten und eine Intelligenz. Erzählerin der Geschichte ist Ana, promovierte Biologin/Ex-Tierpflegerin im Zoo, der das Training der ersten Gruppe dieser KIs, Digients, obliegt.

    Die Frage „was ist es“, „wie reagiert es“ und „wie reagieren Menschen darauf?“ sind zentrale Thesen des Textes. Am Ende geht es um Software, die eine Selbstwahrnehmung besitzt, Gefühle zumindest ausdrückt und im Laufe der Novelle immer mehr einen eigenen Willen und eigene Pläne entwickelt.

    Dabei wurde sie programmiert, extrem niedlich zu sein – sie wird verkörpert durch Avatare in einer Second Life/Metaverse ähnlichen Umgebung und später durch Roboter, die die Software laden und sich dann entsprechend verhalten können.

    Chiang dekliniert es durch, umfassend, in vielen Facetten – bis es im „sexual turn“ und der Frage inwieweit die Software selbstverantwortlich handeln darf, endet. Die Frage steht dahinter: Was macht den Mensch zum Mensch, was das Tier zum Tier und wie weit kann, darf und soll Software dort hineinragen.

    Das Problem: Chiang kann keine Menschen. Als belletristisch aufbereitete philosophische Gedankenexperimente sind seine Texte eindrucksvoll, als Belletristik im engeren Sinn mit handelnden, emotionalen, körperlichen Menschen, fallen sie flach.

    Auch hier werden auf der Menschenseite der Geschichte Pappmachéfiguren hin- und hergeschoben, und wenn schon der Autor Probleme hat, die Menschlichkeit der Menschen darzustellen, fällt auch die ganze Maschinen-Menschlichkeits-Diskussions ins Wasser.

    Als Denkansatz ist das spannend. Als Idee, was KI sein könnte außer Plapperbots, ist es inspirierend. Als durchdekliniertes Gedankenexperiment fällt es weitgehend aus, weil es schon an der Frage scheitert, wann eine fiktive Menschenfigur menschlich wirkt.

    Go West

    Es gibt Gründe dagegen, zwei Stunden Fahrzeit zu imvestieren, um Arbeitssachen in Person zu machen, die im Prinzip auch remote gingen. Aber es gibt auch sachliche Gründe dafür, es zu tun.

    Und es gibt den Grund dafür, dass ich endlich mal als Mitfahrer die Heerstraße von Berlin-Westend Richtung Spandau-Süd entlang fahre und aus dem Fenster schauen kann. Ich sehe die Ausläufer des Olympiageländes, die einstigen Villengegenden im Wald, die sich nach dem Ausbau der Heerstraße zur fünf- bis achtspurigen Magistrale verkümmerten und die dazwischen gesetzten Wohnblocks des utopischen sozialen Wohnungsbaus. Alles inmitten einer Brandenburger Hügel-Wald-Landschaft.

    Schild "Anlegestelle Leiter" an einem Großwohngebäude der 1970er/1980er

    Und es gibt den Grund, dass ich ein weiteres Bad von innen- und hinten kenne: Gut, dass mir jemand den Weg vom Badleitungsbüro zum Konfi-Raum zeigte, ich hätte mich in alle den Treppen, Hintertüren und Personalausgängen dieses Bades hoffnungslos verlaufen. Juhu, Spandau-Süd!

    Bootobahn

    Es gibt sehr gute Gründe dafür, insgesamt etwa 11 Stunden Fahrzeit zu investieren, um den Kaptain wieder nach Dithmarschen zu bringen. Am letzten Hotelfrühstück nahmen wir teil, trafen im Saal eine Gruppe Lautern-Fans, die tenhaag Road-Show on tour beim Frühstück und eine Freundesgruppe im Nahrentenalter, die sich im sächsischen Singsang über Berliner Sehesnwürdigkeiten unterhielt.

    Nachdem der Kaptain vor den Augen des Hotelmanagers zwei Kulis hatte mitgehen lassen, ließen wir alle Berliner Sehenswürdigkeiten hinter uns, fuhren nach einem kurzen Zwischenstopp auf den Latifundien und einem Eis am Trauerspiel Autobahnraststätte Gudow über die Autobahnkreuze Oranienburg, Hamburg-Ost und Hamburg-Nordwest nach Dithmarschen.

    Wo letzte Woche die WoMos aller Größen dominiert hatten, war dieser Samstag der Tag der Bootverbringung nach Norden. Aus Plastik und Holz, mit Segel und Motor, in Groß und Klein, Heimathafen Berlin oder Rostock – es war das Wochenende der Boote auf den Hängern.

    Folgerichtig endeten wir bei den großen Booten im Büsumer Hafen: wo es nach der Ankunft in Brandenburg Spargel direkt beim Spargelhof gegeben hatte, gab es nun Krabbe und Scholle direkt auf dem Werksgelände der Fischerfamilie. Fisch Möller tischte wie immer herrlich auf.

    Danach an den Wesselburener Marktplatz.

    Zum Abend verfielen wir dem Dithmarschen-Brauch und sahen analoges Fernsehen. Zum Einschlafen tanzte Miss Marple Charleston.

    Wesselburen, St. Batholomäus und Marktplatz und Blauer HImmel fotografiert aus dem Eiscafe.

    A Brimful of Georgien

    Habt ihr je von Asha Bhosle gehört? Ich auch nicht. Sie starb, und wie ich lernte, if you’ve been alive in the last eighty years, no matter in which country, then it’s quite likely that you heard the voice of Asha Bhosle, one of the greatest singers in Indian historiy. Im Westen namentlich bekannt vor allem bekannt durch Cornershops A Brimful of Asha.

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    Blogs lesen erlaubt Einblicke in fremde Welten: Eigentlich erwarte ich in nicht allzu ferner Zukunft die Entrückung.

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    Östlich von Istanbul: Wie sehr sich die Berichte vom sowjetischen Vorgehen gegen die georgische Unabhängigkeit 1989 und die Demoberichte aus Georgien 2024 gleichen; Lasst uns heute an Märchen glauben

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    Das Faraday’sche-Käfig-Experiment im Deutschen Museum: Unvergesslich! Seitdem seit 40 Jahren plus nicht mehr dort gewesen. Zum Glück kann ich bei Readinginsweden nachlesen: 10.4.2026 Moomins im Weltall oder so

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    Fazit: Ein metaphorisches Reh.

  • 25-07-13 Knobi-Pferd im Nordseewind (Dithmarschen)

    25-07-13 Knobi-Pferd im Nordseewind (Dithmarschen)

    Beim Schleswig-Holstein Musikfestival ist ein KI-Chatbot unterwegs, der sich Wolltraut nennt:

    Moin! Ich bin Wolltraut, Ihre digitale Konzertberatung beim Schleswig-Holstein Musik Festival, und durchgrase für Sie das Programm. Meine Antworten basieren auf künstlicher Intelligenz. Da ich ein Schaf bin, mache ich auch mal Fehler.

    Flens, das Bier, wirbt mit dem Wasser aus der Flensburger Gletscherquelle. Angesichts der Topographie Schleswig-Holsteins eine mutige Bezeichnung.

    Edeka Wesselburen verschenkte angesichts des Umzugs-Ausräumens Wurst und Käse an die Angestellten, was uns zu Besitzern zweiter Ordnung eines Wurst- und Käsepakets machte. Nächsten Mittwoch ist glanzvolle Supermarkt-Neueröffnung am Kohlosseum.

    Zeichen des nahenden Herbstes: der Kohl auf den Feldern ist ganz schön groß. Er sieht so aus als könnte er morgen abgeerntet werden.

    Es waren zwei Tage in Dithmarschen. Ein Freitagvormittag im mobilen Arbeiten, zwei Abende und ein Samstagvormittag frei für Belustigungsaktivitäten.

    Den Nicht-Belustigungs-Teil eines Abends verbrachte ich mit Wissenserwerb: ich weiß jetzt wie man verschollene Passwörter zu @arcor.de-E-Mail-Accounts zurücksetzen kann. Immerhin handelt es sich bei ihnen um schützenswerte historische Relikte aus den Jahren 1996 bis 2011.

    Auch gelernt: Krankenkassenkarten dürfen ohne Foto sein, wenn mensch aufgrund eines Pflegegrads dauerhaft mobilitätseingeschränkt ist.

    Schollen und Seeschwalben

    Alteingesessene Dithmarscher*innen beschweren sich, dass Büsum vom gemütlichen Familienbad hin mutierte, hin zur reinen Partystadt. Jedes Wochenende Festival, jedes Wochenede Rummsfallera. Nur noch für junge Leute. Als ich versuchte nach Büsum hineinzufahren und hinter einer Brigade grauhaariger Paare im Partnerlook auf Rädern, E-Bikes und Mobilitätshilfen aller Art, festhing, hatte ich Zweifel an der These.

    Wir wollten zum traditionellen Schollenessen bei Fisch-Möller. Ich hatte beschlossen, dass die Chance auf einen Platz Donnerstagabend besser ist als Freitagabend, und so brachen wir früh auf. Scholle und alkoholfreies Flens mit Blick auf das Hafenbecken, so darf es sein. Scholle mit Kraut / man sich erbaut.

    Weil der Abend noch jung war, ging es weitere zur anderen Attraktion mit Meerblick: dem Eidersperrwerk. In der Abendsonne ließen wir uns vom Nordseewind freiwehen, lauschten dem Kreischen der Möwen und Seeschwalben und bestaunten mit welcher Geschwindigkeit das Wasser durch die breite Eidermündung rauscht.

    Ich absolviert den obligatorischen Fußgang über die Eider von Dithmarschen nach Eiderstedt, bewunderte dabei die ewigwährende Baustelle (jetzt am Nordende) und die englisch geführte Gruppe Naturisten Naturkundler*innen auf der Suche nach den Seeschwalben.

    Ratten- und Axtwerfen

    Dieses Ende der Woche hatte einen Moment zum Atemanhalten und erschrocken die Hände vor den Mund legen. Wir sahen auf dem Heider Marktfrieden zu, wie ein Besucher sich im Axtwerfen übte, die ganze Zielwand verfehlte, und die Axt hoch hinter die Zielwand flog – außer Sicht aber definitiv auf dem Marktgelände landend.

    Zum Glück war dies anscheinend antiziapiert worden: Die abgesperrte Freifläche hinter dem Axtwurfstand war riesig.

    Nach 30 Jahren gelang es dem Kaptain und mir erstmals den Heider Marktfrieden zu besuchen. Den könnte mal als Mittelaltermarkt bezeichnen – aber das würde der Sache nicht gerecht werden.

    Denn er ist historisch verortet: Die Zeit der Schlacht von Hemmingstedt, als die Dithmarscher Bauern den Holsteinischen Adel besiegten, ist in der Dithmarscher Seele stets präsent1.Gefühlt ist jede*r zweite Dithmarscher*in auch heute noch in der Seele stolzes Mitglied der Bauernrepublik.

    Heide bezeichnet im Stadtslogan als „Marktstadt im Nordseewind“. Der Markt, und überhaupte jede Form von Markt, ist in Heide wichtiger als in anderen Städten.

    So passt ein historischer Markt genau in das Selbstbild der Stadt – der „Marktfrieden“ ging auch aus der Stadtgesellschaft hervor – eher unter Hinzuziehung des üblichen Mittelaltermarktprogramms.

    Das zeigte sich auch auf dem Markt.

    Es gab ein paar Schausteller, die ihr übliches Programm mühsam auf Mittelalter getrimmt hatten: Hallo Slushie/Frost-Trunk!

    Aber das blieb die Ausnahme: Vor allem war war eine große Mischung aus Schaustellern und Ehrenamtlichen Lokalen.

    Nett der Rattenwurf, bei dem niedliche Plüschratten auf eine Wand voller Mäusefalle geworfen werden musste, mit dem Ziel dass sie eine Falle auslösen und hängen bleiben. Selbst die meisten Essens- und Getränkestände boten etwas an, das es theoretisch ähnlich zur Zeit der Renaissance in Europa hätte geben können. So verzehrte ich eine Pferdwurst (Knobi-Pferd).

    Aber es gab auch einen großen Getränkestand in passendem Ambiente durch die Fuerwehr Heid; diverse örtliche Vereine und Organisationen hatten sich in historische Gewänder gehüllt. Die evangelische Kirchengemeinde bot „Pilger’s Rast“ an mit Stockbrot, Kräutergarten, einer Gutenbergpresse und Abendgebet.

    Wir kamen zufällig zur Eröffnung, die Hälfte der Programmbeiträge waren von Ehrenamtlichen auf Plattdeutsch und am Ende ritt ein ein vielleicht 16/17-jähriges Mädchen vor die Bühne und sprach vom Pferd auf Platt einleitende Worte.

    Im Nachhinein frage ich mich, warum ich 30 Jahre brauchte von der Erstaufführung des Marktes bis zu meinem Besuch.

    In der Seine baden, hinter die Paywall kommen

    Pariser*innen in der Seine vor 1913: PHOTOS : cette époque où les parisiens se baignaient dans la Seine (via Messy Nessy)

    Falls ihr nichts mehr von mir hört, kann es sein, dass ich mich im Curious-about-Everything-Newsletter verloren habe.. zuviele Themen. Eigentlich könnte ich alles hier verlinken, beschränke mich aber auf drei: (1) The Wild Within the Walls From antiquity to modern times, Rome has been entangled with the wild animals who creep, slither, scurry, and nest among its pillars and palaces. (2) Pirates of the Ayahuasca. That shaman stole my personality (3) The Wet History of Media in the Bathroom

    Irgendwie habe ich bisher alle Erwähnugen des Bibbots gekonnt ignoriert: Ich glaube es war ein Fehler. Herr Paul hat mich jetzt endlich draufgestupst. Browser-Erweiterung, um Premiumangebote deutscher Nachrichtenseiten über Ihren Bibliothekszugang zu nutzen.

    Anmerkungen

    1. 1500. Also auch nicht Mittelalter. ↩︎
  • 24-03-05 Elmshorn, so we meet again

    24-03-05 Elmshorn, so we meet again

    Madame schrieb 1a. Analog war besser.

    Eine wichtige Rolle dabei spielte Brigitte Brigitta Birgitta Fuchs.

    Der Fahrstuhl am Innsi ist schon wieder kaputt. Selten hörte ich so berechtigtes Fluchen wie das des Rollstuhlfahrers am Bahnsteig.

    Die ehemalige Spielhalle Neptun ist provisionsfrei zu mieten.

    Ich meldete mich für eine Tagebuchstudie zur Stressbewältigung; nicht ahnend, dass ich dreimal täglich einen zehnminütigen Fragebogen ausfüllen soll. Ne, Leute, das ist mir echt zu stressig.

    In Brandenburg offenbaren sich weiterhin ungeahnte Seenlandschaften. Inzwischen ragen die Spitzen des Winterweizens über die Seeoberfläche.

    Der Kaptain fand die Fotos und Filme aus dem Wunderland wieder.

    Die zunehmende Alterung der Gesellschaft bemerkt man in der Schweiz daran, dass das Wahlvolk einer Rentenerhöhung zustimmt. In Deutschland fällt es mir auf, wenn im Fußballstadion Bandenwerbung für Waldbestattungen gezeigt wird.

    11 Tage bis Krabbenbrötchen

    Wesselburener Fußgängergespräche. Erst die m.E- korrekte Feststellung, dass man fast nur Rumän*innen im Stadtbild sieht. Etwas später die Diskussion darüber, dass der Edeka von In-der-Stadt umziehen will nach neben-das-Ortsschild. Ich kann mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass beides daran liegt, dass die eingeborenen Wesselburener sowieso nicht zu Fuß gehen. Sie nutzen konsequent das Auto.

    Angesichts des strahlenden Sonnenscheins versuche ich dagegen zu halten und mich als Tourist aus der Stadt zu outen. Ich laufe einmal über den Marktplatz, bestaune das Krokusmeer an den historischen Grabplatten und laufe eine Dreiviertelstunde Zick-Zacks durch die Innenstadt.

    Für einen sonnigen Frühlingssonntag in einem beschaulichen Städtchen kommt es mir leer vor. Aber siehe oben.

    Seit Freitag gibt es wieder Eis bei DaPino. Der Imbiss am Eidersperrwerk öffnet am 16. März. Dann gibt es direkt am Sperrwerk wieder Kaffee und Krabbenbrötchen.

    Krabbenbrötchen gibt es auch bei Fisch-Möller. Dort, wo es ebenfalls Scholle gibt. Und dann siegt meistens die Scholle über das Krabbenbrötchen. Auch hier hat die Saison noch nicht ganz begonnen – noch ist die Sonnenterrasse am Hafen geschlossen, Kurkröten und Ditschis aber nutzten die Sonnetage, um durch Büsum zu flanieren und bei Fisch-Möller einzukehren.

    Wir bekamen einen Platz. Knapp.

    Die Preis sind gestiegen. Aber nicht so sehr. Ein kompletter Schollenteller kostet den Gegenwert von 3 1/2 durchschnittlichen Dönern in Berlin. Das war schon teurer. Die Scholle selber wie immer vortrefflich. Nichts ist besser als frisch.

    Ein Teller mit zwei kleinen gebratenen Schollen: Daneben in Schälchen Bratkartoffen und Kraut-Karotten-Salat.

    Dies ist ein ERSATZZUG

    Die Fahrt nach Dithmarschen funktionierte unglaublich gut. Selbst der letzte 2-Minuten-Umstieg hätte das erste Mal seit 2021 funktioniert. Das hatte die Bahn anscheinend auch schockiert. Sie gab sich auf dem Rückweg mehr Mühe.

    In Kürze: Ein kombinierter Polizei/Notarzteinsatz. Ein Abbruch der Fahrt. Ein überfüllter Zug. Ein Ersatzzug und ein Gleiswechsel. Faszinierenderweise hatte ich am Ende nur 10 Minuten Verspätung. Aber das mag an der geplanten (und fast ausgeschöpften) Umsteigezeit von 59 Minuten gelegen haben.

    RE6 kam pünktlich. Dann stand er 25 Minuten am Bahnhof. Soweit mir geschildert wurde, ein psychisch kranker Mensch, der ohne Schuhe und mit zerrissener Hose durch den Zug lief. Passagiere riefen den Notarzt. Der Notarzt rief zur Unterstützung die Polizei. Und bis die alle eingetroffen waren, dauerte es.

    Nach Abfahrt: In Hamburg ist heute Großbaustelle. Wir fahren nur bis Elmshorn. Warten sie dort 20 Minuten und eine Regionalbahn wird sie nach Altona bringen. Der Zugbegleiter bat in seinen Durchsagen darum, nicht zu kratzen, zu beißen oder zu treten wenn er rumkommt.

    Neben mir im Wagen ein Paar. Er nahm es gelassen. Sie steigerte sich immer weiter in Beschwerden über die Bahn, die Polizei, die Sanitäter und ganz Hamburg hinein – ich glaube, es hätte sie komplett aus der Fassung gebracht, wenn ihr Anschluss dann doch funktioniert hätte.

    (Fairerweise sollte man sagen, dass anscheinend sie die Reise geplant hatte und sich für ihr Gelingen verantwortlich fühlte. Er war Passagier).

    Elmshorn also. Wieder einmal im Dunkeln dicht gedrängt auf dem Bahnsteig 2/3. Wieder einmal verwirrt, dass die Abschnitte (A, B, C usw.) auf Bahnsteig 2 ganz anders liegen als auf Bahnsteig 3. Wieder einmal irritiert von den Fernzügen, die ungebremst am Bahnsteig durchrauschen. Wieder einmal inmitten einer großen Menschenmenge aus gestrandeten Zügen, die versucht sich in eine Miniaturregionalbahn zu zwängen. Ach, Elmshorn.

    In Altona eilte ich zügigen Schrites in den ICE2939, ein Ersatz für ICE699. Leider auch ein ICE1 statt ein ICE4 mit gänzlich anderen Wagenaufteilungen – und Nummern.

    Wieder eine Frau in Rage. Diese bestand darauf, dass ihr ob der Strapazen ein Erster-Klasse-Platz zusteht ganz ohne Erster-Klasse-Ticket.

    Bis hinter im Hamburg folgten im Fünfminutentakt die immer genervteren Durchsagen des Zugchefs: „Dies ist ein ERSATZZUG. Die Aufteilung der Wagen ist anders. Reservierungen können nicht eingehalten werden. BITTE setzen sie sich irgendwo hin.“

    David Bowie in Langenhagen

    Die BZ informiert mich, dass wieder ein Stück altes Westberlin verschwindet. John Glet, der Arbeitskleidungsladen in dem auch David Bowie shoppte schließt. Soweit so wenig überraschend. Überraschend, dass John Glet noch eine weitere Filiale betreibt: In Langenhagen bei Hannover.

    In derselben Mittelstadt wurde anno dazumals auch Ulrike Meinhof gefasst. Das LKA Niedersachsen und die RAF haben eine lange gemeinsame Geschichte.

    Der Wesselburener Edeka-Chef, der sein Geschäft an den Ortsrand verlegt, möchte als DJ Alex Kemper am 9. März „Garding on Fire“ setzen.

    Immobilien im Brandenburger Wald.

  • 23-10-08 FCK GRN

    23-10-08 FCK GRN

    Zwei Landtagswahlen in Bayern und Hessen fanden statt. Und bevor es für alle noch peinlicher wird, schlage ich vor, wir ignorieren das einfach und tun so als hätte es diese Wahlen nie gegeben.

    Ein Amöbenballon brachte die Nachricht eines erfolgreichen absolvierten Aqua-Fitness-Trainerinnenscheins. Das finde ich natürlich hochgrad töfte.

    Madame las einen Artikel aus Moderne Regional zum Kino International vor.

    Freitag an der Dauerbaustelle vor dem Büro: Das erste Mal „Zivilisten“, die weder nach Bauarbeitern noch nach Immobilienbeauftragten aussahen. Sollten die Wohnung dort langsam vermietet werden?

    Der Schornsteinfeger ließ sich seinen latifundierenden Besuch mit 45 Euro bezahlen.

    Daniel bezahlt die Strafgebühren

    Nachdem das Schicksal auf der kaptainschen Holtour die Ereigniskarten „Lokführer verlässt spontan den Zug“ und „Auffahrunfall vor Neuruppin“ ausgespielt hatte, begnügte es sich auf der Bringtour mit „Elbtunnel gesperrt.“

    Das betraf uns nicht direkt – die märkischen Hamptons und Dithmarschen liegen auf derselben Elbseite – aber indirekt schon. Ganz Südelbien auf dem Weg nach Norden breitete sich quer durch das Hamburger Stadtgebiet aus. Den Teil der Südelbier, der nach Sylt / Nordfriesland / Eiderstedt / Flensburg wollte, trafen wir nicht erst auf der A7 / A23 sondern bereits im Stau auf den Hamburger Zubringern.

    Auf der Bringtour Teil 2 war das Schicksal vielleicht versöhnt, weil wir einen großen Stein im Gepäck hatten (literally, not figuratively). Trotz Nutzung vierer Züge (RB63, RE6, RE70, FLX35) von zwei Anbietern (Deutsche Bahn/ Flixtrain) funktionierten alle Anschlüsse. Wir kamen nach Plan in Südkreuz an. Ich hätte zur Feier eine Blaskapelle erwartet.

    A24-Erkenntnisse: die Raststätte in Gudow rast in erstaunlichem Tempo in den Abgrund. Der Burger King scheint ausweichlich unserer Besuche und der Internet-Rezensionen überhaupt nie mehr „normal“ zu funktionieren. (Überraschend geschlossen, Terminals kaputt, Rindfleisch alle, Getränkemaschine kaputt, you name it), Tank&Rast daneben gibt sich jede Mühe nur ja keine der suchenden Kunden anzuziehen. Die einzige örtliche Alternative, McDonalds am Autohof nebenan, ist vor kurzem abgebrannt. Und das am perfekten Pausenort, je zwei Stunden von Berlin Innenstadt und Hamburg Innenstadt entfernt.

    Zuggespräche: Eine Hamburger Deern aus dem Bilderbuch (schlicht gekleidet aber edel, ebenso zurechtgemacht, leicht raue Stimme, erfolgreich eine zupackende-Art-vermittelnd), erzählte davon wie sie ihr Segelboot überwintern.

    Eine Gruppe Jungerwachsener aus NRW auf Heimfahrt stritt durch den halben Waggon hindurch, ob ihre Zugbindung jetzt aufgehoben ist oder nicht. (Fazit: Daniel zahlt die Strafgebühr, falls sie doch nicht aufgehoben ist)

    Der zugfahrende Bro von heute trägt baggy Cargohosen und wirft sich dazu einen Badezimmerteppich um die Schultern.

    Ländliche Bushaltestelle mit Kühen dahinter und Backsteinhäusern im Hintergrund.

    Gestovter Kohl und lineares Fernsehen

    In Dithmarschen erwartete mich die nächste Runde gegen den semi-smarten-Stromzähler.

    Das obligatorische Fisch-Möller-Essen in Büsum zeigte Inflationserscheinungen. Das Gericht „Scholle“ für 25 Euro hatte sich aufgeteilt in „Scholle-groß“ für 30 Euro und „Scholle-klein“ für 21 Euro. Neu auf der Karte budgetfreundliches Essen wie gestovter Kohl mit Salzkartoffeln für 10 Euro. Als kulinarischer Kohlfan nahm ich die gestovter-Kohl-Variante mit Fischfilet und war glücklich.

    Beim Kaptain ergibt sich die seltene Chance linear fernzusehen. Wir schauten bei Columbo herein. Fast anrührend wie in der Folge von 1990 das hochmoderne Faxgerät zur Lösung des Falles führt – einschließlich Columbo, der („Ich verstehe von diesen modernen Sachen nichts.“) sich das Fax von einer Sekretärin vorführen und erklären lässt.

    Auch gesehen: College Football auf Pro7Maxx. Nachdem ich vor vielen Jahren American Football im Deutschen Fernsehen abgeschworen hatte (Einäugige erklären den Sport Menschen die sie für blindtaubgeruchslos halten), hat sich viel getan. Die Moderation war kompetent und sie scheute sich nicht, es zu zeigen. Hurra! Und ich hatte Glück – es fand ein krasses Spiel statt – die Oklahoma Sooners gewannen in einem Nailbiter par excellence gegen die Texas Longhorns.

    Vor lauter Überschwang wollte ich dann doch gleich den ESPN-Player abonnieren – nur um festzustellen, dass der mittlerweile in Deutschland geogeblockt wird. Ich suche also gerade die beste Variante, College Football legal in Deutschland zu streamen.

    NZS BXN

    Beim Tanken in Dithmarschen sah ich meinen ersten „FCK-GRN“-Aufkleber. Im Stil von NZS BXN (Nazis Boxen) oder FCK AFD (Fuck AfD) nun als FCK GRN (Fuck Grün).

    Erster Gedanke: „Okay. In Schleswig-Holstein. Nicht in Brandenburg. Ich staune.“

    Zweiter Gedanke: „Es gibt Teile der Bevölkerung in der Grüne-hassen schon so sehr als Lifestyleelement angekommen ist, dass man sich Lifestyle-Aufkleber damit ans Auto bappen kann. Was sind das so für Menschen?“

    Junge Männer, Auto mäßig preiswert, tiefergelegt, mit breiten Reifen und breitem Auspuff.

    Zum Teil konnte ich das nicht verstehen: Die Grünen machen die gesellschaftlichen Änderungen ja nicht, ich habe den Eindruck, sie versuchen als einzige darauf eine konstruktive Antwort zu finden. Nur sieht diese Antwort halt keinen Platz für DIY-Autotuner vor.

    Zum Teil verstand ich die jungen Männer also: Sie sind Vertreter einer Lebensform, die stark unter Druck steht: Autofahren wird in den Medien abgewertet; praktisch wird es durch steigende Benzinkosten immer schwieriger. Das Image „des Schraubers“ ist im Vergleich zum Beispiel zur Projektmanagerin auf dem absteigenden Ast. Und irgendwie verkörpern die Grünen das alles. (Von Attitüdeproblemen grünnaher Menschen in den Medien und dem Missverhältnis aus Ankündigung und Umsetzung will ich jetzt gar nicht anfangen.)

    Aber wenn Du eine Lifestylebewegung gegen Dich hast – dann brauchst Du dringend auch eine Lifestylebewegung für dich, sonst hast Du ein Problem.

    European-Sleeper-Kurzbett

    Herr Mess war bei Zammreißen.

    Inka lag im European Sleeper probe.

    Uschi fährt zu allen Nino-de-Angelo-Konzerten.

    Poupou erzählt von der anbrechenden Kultursaison.

    Why Hamas attacked.

    Wer die Landtagswahlen nicht ignorieren will, lerne doch bitte aus der Geschichte. Und zwar nicht „Nazis sind schlimm“ sondern „Welche Formen des Widerstands waren erfolgreich?“ NZS BXN war da nicht das schlechteste. (Langfristig erfolgreicher: Gegenbewegungen. Die erfolgreichste antifaschistische Bewegung der letzten Jahre war Fridays für Future.)