Schlagwort: Flora Incognita

  • 26-05-23 Drüberheben von Kindern wird als Betrugsversuch gewertet

    26-05-23 Drüberheben von Kindern wird als Betrugsversuch gewertet

    Aufwachen zum Srieh srieh der Mauersegler.

    *

    Das Leipziger Wave Gothic Treffen (WGT) zieht seine Spuren durch die Hallen des Bahnhofs Südkreuz. Welch faszinierender Clash of Cultures: Die modernistische Konzernsachlichkeit der Bahnhofshalle gegen Düstere-Romantik-Rüschen-Schleier-Spitzen-Outfits der WGT-Teilnehmer*innen.

    Ganz anders, und doch irgendwie gleich: Der Clash of Cultures zwischen den schreiend farbigen Fußballoutfits der Pokalfinalfans und dem aufgehübschten Hutzeltum des Holländischen Viertels in Potsdam.

    *

    Im Hallenbad-Umkleide-Spind-Bereich die Auswahl: Mit oder ohne Videoüberwachung?

    Ist Aquacycling noch ein Ding?

    *

    Madame entdeckte auf unserem Parkplatzgarten einen aufblühenden Strauch des Schwarzen Holunders. Mit einer Aufnahme dessen spielte sie das nächste Flora Incognita Level frei: den Fragebogen zum phänologischen Sommerbeginn.

    Noch schöner ihre Flora-Incognita-Entdeckung via Mastodon: Die Krautschau. „Unkraut“-beschriftung im öffentlichen Raum. Eine so wunderbare Mischung genau auf der Grenze zwischen Aufklärung und Trollerei, dass ich hin und weg bin.1

    *

    Es war ein vorfeiertäglicher Wochenausklangsübergang mit Hallenschwimmen, Außenessen und Außenschwimmen.

    Finding Europe, not finding Transponder

    Zum ersten mal in vier Jahren vergaß ich mein Dienstgehängsel in der Wohnung. Es war ein Freitag vor den Feiertagen, alles dementsprechend ausgestorben, mein Hoffen auf die Raucher*innen, die vor der Haustür stehen und mich einlassen, brauchte lange um sich zu erfüllen.

    Einpiepen in der Zeiterfassung ging nicht, ebenso wie mir mein eigener Spind mit meinem Rechner verschlossen blieb. Zeiterfassung nachtragen lag ja noch im Bereich des Möglichkeiten. Vorarbeiten ohne Rechner wird bei meiner Tätigkeit schwieriger.

    Die Schlüsselmeisterin hätte einen Zweitschlüssel für meinen Spind. Aber mit dem würde sie aufschließen, mir aber nicht den Schlüssel geben. Nachmittags wenn sie schon gegangen ist, aber ich noch anwesend, hätte ich dasselbe Problem in rückwärts.

    Die Überlegung erledigte sich, weil die Schlüsselmeisterinneninnentür verschlossen war. Bevor ich weiter an Plan C herumdachte (immerhin sitze ich ja an der Hardwarequelle), wurde es mir zu blöd.

    Jetzt weiß ich, wie lange ich wirklich brauche vom Büro zur Wohnung und direkt wieder zurück.

    Da das komplette Gehängsel an einem Ex-re:publica-Lanyard2 von vor vielen Jahren hängt, dachte ich ja erst an irgendwelche karmischen Verwicklungen des Vergessens mit der re:publica, die diese Woche stattfand.

    Einen wahrscheinlicheren Grund meiner geistigen Abwesenheit offenbarte mir aber mein Urlaubskalender. Der letzte echte Urlaub waren zwei Tage Anfang Oktober 2025, danach in den letzten siebeneinhalb Monaten hatte ich zwei Tage Urlaub für die Umzugstage, einen Tag für eine Klausur und einen Tag für die Wohnungsübergabe. Der Rest der sieben Monate danach musste so gehen. Ich glaub‘ ich bin einfach durch(gearbeitet).

    Aber jetzt: Feiertage und zwei ganze Tage Urlaub-Urlaub!

    Nach Groß-Kleinmachnow

    Kaum war ich am Westkreuz in die S7 gestiegen, saß mir gegenüber ein junger Mann mit Potsdam-Royals-Helm neben sich. Ich grüßte gedanklich eine Nachbarbloggerin.

    Mein erster Zwischenstopp nach dem Ausstieg aus der S7 führte mich ins Potsdamer Prunk-Schwimmbad in Wettkampfausstattung (10 Bahnen, 50 Meter), das fast neu gebaute Blu.

    Meine letzten Besuche im Blu waren ein paar Jahre her. Damals war es noch alles kurz nach Eröffnung. Baustellen sorgten für eine seltsame Wegeführung vom Bahnhof zum Bad. Das Außengelände war auch noch eine Baustelle.

    Jetzt ist es acht Jahre später. Erstaunlicherweise liegt auf den 100 Metern zwischen Bahnhof und Blu immer noch eine Großbaustelle. Und selbst die Teile, die offensichtlich fertig gebaut sind, lassen es erstaunlich schwierig erscheinen, den eigentlich extrem simplen Weg von Bahnhof zum Bad zu laufen. Wegeführung aus dem siebten Kreis der Unmotiviertheit.

    blu

    Gesperrt oder auch nicht

    Der Konflikt zwischen urbanem Architekturdesign mit Weltstadtanspruch und Brandenburger Bademeisterherrlichkeit war damals 2017(?) beim letzten Besuch noch nicht entschieden.

    Denn das Schwimmbad-Gebäude ist schick. Einerseits von einer quadratisch-imposanten Sachlichkeit, andererseits mit klug gesetzten Holzbalken, einem durchdachten Farbspiel in Graublautönen mit einzelnen gelben Akzenten – das ist nicht „schön“ im klassischen Butzenfenster-Fachwerkhaus-Denken – aber es hat was.

    Spätestens, wenn ich die einzige Uhr in der Schwimmhalle sehe, bei der ein graublauer Uhrzeiger auf blaugrauem Grund bestenfalls zu erraten ist, weiß ich, dass Pragmatismus nicht das einzige Prinzip bei der Hallengestaltung war.

    Betrieben wird das Blu aber halt nicht von Mailänder Designer*innen sondern von Potsdamer Fachangestellten für Bäderbetriebe – und diese gewannen. Die wohldurchdachten graublauen Proportionen ergänzt um Schwimmgerümpel in allen denkbaren Signalfarben, mehrfaches Testen der Pausenhupe für die Wasserballer, die „intuitive“ Wegeführung ergänzt um zahlreiche Schilder und natürlich die obligatorischen Hinweise was alles notwendig oder verboten ist.

    Unter anderem lernte ich, dass es als Betrugsversuch gewertet wird, Kinder über das Drehkreuz zu heben.

    Es waren zu wenig Schilder. Die 10 Bahnen waren unübersichtlich. An einer hing ein DLRG-Schild und ein Trainer stand am Rand. Das war einfach. Bei anderen stand nur ein*e Trainer*in aber ohne Schild oder es hing ein „gesperrt“-Schild am Startblock einer leeren Bahn; unklar ob es sich auf den Startblock, die Bahn oder die-Bahn-vor-einer-Stunde bezog.

    Ich flüchtete mich in den Treibholzbereich. Der war eindeutig, und da fühle ich mich wohl. Bis sie anfingen Bahnen diagonal abzuleinen des Sprungbretts wegen, ich plötzlich auf einer trichterförmigen Bahn schwamm.

    Eigentlich ein tolles Bad, die Bahnen, die ich schwamm, waren schön. Aber ich sehe noch Verbesserungspotenzial.

    Aus der Serie: Schwimmbadeintrittskarten

    Geschichten aus Britz und Trier

    Aber trotz aller Schwimmbadherrlichkeit war ich aus ganz anderen Gründen in Potsdam. Das Ostertauferinnerungsteam trifft sich über Pfingsten in Potsdam/ Berlin. Die erste Zusammenkunft war für den Freitag im Fliegenden Holländer im Holländischen Viertel geplant.

    Suitable für Tourists, dennoch nett, edel aber nicht überkandidelt, einladend für alle ohne dass Mensch auf Plastikstühlen unter der Klimaanlage sitzt.

    Der revolutionäre Postbote hatte bereits den Park von Sans,souci erkundet. Kellerkind fiel erstaunlich fit wirkend direkt nach 12 Stunden Zugfahrt ins Lokal und Madame holte mich vor dem blu ab, damit wir mit der Tram zum Nauener Tor fuhren.

    Es galt zu feiern, und so starteten wir mit Aperitivs (Campari Amalfi, Rosato, Wildberry Lillet) über Spargelsuppe und Wildkräutersalat hin zu Matjes, Steinbeisser, Kalbsleber und Spargel mit Kalbsfilet: Kartoffeln super, Spargel super, Saucen super. Das Fleisch wäre besser gewesen, wenn es die Pfanne eine halbe Minute vorher verlassen hätte.

    Die Mücken (wo kamen sie her?) vertrieben uns schlußendlich von unserem schönen Außentisch. Kellerkind und Revolutionär blieben in der Residenzstadt, wir fuhren zurück nach Berlin. Auf die Tage, die noch kommen werden.

    Return of Kabane

    Und weil ich das Wochenende so gut mit Schwimmengehen eröffnet hatte, ging es am samstäglichen Sonnentag weiter. Das Insulanerbad öffnete endlich wieder. Denn so schön unsere beiden Wohnzimmer sind, ein Freibaddrittsommerwohnzimmer verbessert die Lage schon.

    Also fuhr ich ins Insulanerbad. Freudige Wiederbegrüßung mit den Kolleg*innen an der Kasse. Aber ich habe mich ein bisschen schlecht gefühlt, weil ich das eine ausgefallene EC-Gerät auch nicht reparieren konnte.

    Kabane gemietet. Unser halber Quadratmeter Freibadherrlichkeit! Diese ist leider dasselbe Modell wie letztes Jahr mit denselben Macken.

    Aber geschwommen: Kaltes, klares Wasser, Sonnenschein, freibadglückliche Menschen und diese wunderbare Außenanlage.

    I’mlovingit.

    Links

    ##

    Hurra, das freut mich! (und sorry für das Nicht-Kommentieren. Irgendwann hat WordPress meine ganzen Anmeldungen gefressen und ich hatte keine Lust, mir noch eine E-Mail-Adresse dafür zu besorgen)

    ##

    Drei Bloggerinnen gingen in eine Ausstellung, zwei kauften eine Jahreskarte, aber nur eine schrieb darüber. Kein Witz, sondern eine Tatsachenbeschreibung. Sie gingen unabhängig voneinander, schrieben aber über alle über die Ausstellung im Museum für Fotografie: Neue Frau, Neues Sehen. Die Bauhaus-Fotografinnen. Es schrieb poupou („Auf jeden Fall interessant anzusehen, aber nicht mind blowing.“), die kaltmamsell („Aufmerksam gehängte Ausstellung, gut erklärt und vermittelt,“) und readinginsweden („es gefiel mir außerordentlich„).

    ##

    Postwestfale Carsten war im Le Train bleu in Paris. Damit wächst er natürlich sofort weiter an mein Herz.

    ##

    Über pop64 wurde mir gewahr, dass es möglich ist mit den Fingern binär zu zählen. Ich will das jetzt können. An einer Hand bis 31 zählen. Wie krass ist das denn.

    ##

    Das schöne am Internet ist, dass ich in den letzten Monaten ein starkes Interesse an der geplanten Turkuer Straßenbahn entwickelt habe. Und sie kommt!

    Notat

    Der Subaru ist zurück. Inspektion bei 202.500 Kilometer. Werkstatteindruck blieb gut.

    1. Noch mehr zur Krautschau bei der Senckenberg-Gesellschaft. Es gibt gerade zu Pfingsten auch jede Menge Spaziergänge zum Thema. ↩︎
    2. „Finding Europe“ re:publica No. 9, im Mai 2015 ↩︎
  • 26-05-16 Merrily we roll along Ohrwurm!

    26-05-16 Merrily we roll along Ohrwurm!

    „13:44: Robbe schaut zu“ – Highlights des Walkadaver-Timmy-Livetrackers.

    *

    Ex-Neptun-Spielhalle ist jetzt Lonlon Coworking / Eventspace.

    *

    Familientraditionen, so wichtig. Madame hielt diese aufrecht, indem sie wie fast jedes Jahr am Himmelfahrts-Wochenende einen Großteil der Steuerklärung erledigte.

    *

    Familientraditionen so wichtig. Der Kaptain schickte Fotos von der Rendsburger Schwebefähre, und wie immer wenn unsere Familie dieses Verkehrsmittel besucht, fuhr es nicht.

    *

    Es war ein Broadway-auf-Leinwand-Feiertagsabend, ein Gartenofficebrückentag und ein Gartengartensamstag.

    Fische, Drachen, Rote Beete

    Derzeit lese ich Undiné Radzevičiūtės Fische und Drachen. Es handelt sich nur indirekt um einen Vilnius-Roman, da der Roman der litauischen Autorin in einer Altbauwohnung einer ungenannten europäischen Stadt spielt, nachdem diese 50 Jahre bleierne Zeit hinter sich ließ. Die andere Hälfte des Buches spielt im Hofstaat des fünften Kaisers der Qing-Dynastie.

    Nach etwa einem Viertel des Buches kann ich sagen, dass ich das Buch sehr mag, aber emotional noch nicht verstehe. Das kommt vielleicht noch.

    Litauen rückt zeitlich näher. So nahe rückt es, dass ich die Fahrkarte von Warschau nach Kaunas buchen konnte. Dabei erfuhr ich, dass wir mit dem Pink Soup Train fahren werden. Die innerlitauischen Züge dürfen wir erst 30 Tage vor der Fahrt buchen. So nah liegt es noch nicht.

    Warum nicht Kartoffelsalatzug, Deutsche Bahn?

    Außerdem Jagdwurst und Kirschwindbeutel

    Den Feiertag verbrachten wir aus Finnlandausstellungs-Kinokarten-Gründen noch in Berlin. Aber ich hatte genug Vertrauen in die Brückentagsruhe, dass ich entgegen sämtlicher Gewohnheit mit Hotspot ohne Monitor oder Tastatur das mobile Arbeiten aus vom Garten veranstaltete. Es hat zu diesem besonderen Anlass funktioniert.

    Dadurch waren wir Freitag schon da, ab Freitagnachmittag war ich garteneinsatzbereit. Wir konnten den Käsejalapeñobratwurstverkaufswagen ebenso schon Freitag aufsuchen, wie den Supermarkt mit Milch und zweierlei Kartoffeln (Ganz-direkt-aus-der-Erde und als -Chips). Samstag konnte Madame nur aus Jux und Dollerei zu Fuß zum Himbeerkuchenverkaufswagen wandeln, der direkt unseren Weiler zweimal in der Woche aufsucht.

    Aus den vier kleinen Fencheln mit viel Grün, kochte ich Fenchelgrün-Kartoffelsuppe, und da Experiment erfolgreich war und ich mich daran erinnern möchte, wie es funktionierte bloggte ich nebenan darüber, bevor ich vergesse was ich machte. Und wo ich mich schon eingeloggt hatte, stellte ich auch endlich Madames Tomatenkraut aus dem Slow Cooker ein.

    So fühlte sich der Freitag schon an wie Samstag und der Samstag wie Sonntag und morgen haben wir einen ganzen Tag geschenkt!

    Keine Spur mehr von der Hornisse, aber ein papiernes Insektennest

    Offener Kompost, Trockenmauer

    Madame uppte ihr App-Game. Inspiriert durch Frau Brüllen installierte sie die Merlin-App. So konnte sie auch einmal die Dorngrasmücke leibhaftig sehen. Eigentlich ist es einer dieser winzigen braunen Vögel, die immer zu weit weg sind. Aber wenn die App anzeigt, dass sie jetzt singt und man mit ihr triangulieren kann, wo sie sitzen muss, dann kann Madame sie auch sehen.

    Außerdem neu auf dem Handy: Flora Incognita arbeitet zusammen an GartenDiv – zur Bürgerwissenschaftserforschung der Diversität deutscher Gärten unter der Leitung von Dr. Staude [sic]. Erste Feststellung: Mit Ausnahme von „Teich“ hat unser Nicht-Naturgarten jeden in der App vorkommenden Biotoptyp. Zweite Feststellung: Bei einem Tempo von ungefähr fünf bis zehn verschiedenen Pflanzen am Tag (damit 20 Pflanzen in der Woche, da wir nur am Wochende anwesend sind) schaffen wir eine vollständige Liste niemals in einem Monat, ich würde behaupten, nicht einmal in einem Jahr.

    Erstaunlich wie naturnah es wird, wenn mensch eigentlich nur einen Lustwandelgarten für Faule erschaffen möchte.

    Fünfzig Schattierungen des Grüns

    Der Rotdorn hat eine Rot-Grün-Stärke. Das Bäumchen wuchs letztes Jahr für seine Verhältnisse ganz gewaltig. Dieses Jahr blüht er vor allem an den alten Teilen. Das heißt, wir haben ein Bäumchen, das in der unteren Hälfte sehr rot und in der oberen Hälfte sehr grün ist.

    Während der Flieder ganzpflanzenblüht als gäbe es kein Morgen, halten sich die meisten anderen Pflanzen noch zurück. Der rote Ginster hat eine (eine!) Blüte, die immerhin sehr schick ist. Die fünf bereits geöffneten Blüten der Abelie durften ausreichend für einen ganzen Strauch. Der Blütenstaubrand an der Insektentränke ist Zeichen vergangener Pflanzenpracht,

    Die überwiegende Farbe dieses Wochenendes ist weiterhin grün. Die Stauden und das Gras wachsen wie der junge Frühling, die Knospen blasen sich auf, aber noch blühen sie nicht. Der Rosentriebbohrer ist auch zurück, aber wir hoffen, wir haben die meisten seiner Exemplare in die Flucht geschlagen.

    Wir schwelgen in den Grüntönen, die noch oft genug in der Sonne transparent bleiben so frisch wie sie sind.

    Bursting with dreams

    Ich staune über die Yorck-Kinos, dass es ihnen gelingt, obskure Szenen aufzutreiben und ihre Mitglieder in ihr Kino zu locken. Ich staune über die Yorck-Kinos, dass es ihnen gelingt, mich in diese Filme zu locken, obwohl ich gar nicht zur Szene gehöre, null Ahnung habe, was passieren wird, aber denke „das klingt spannend.“

    Merrily we roll along ist ein geflopptes Steven-Sondheim-Musical von 1981. Es lebte als Kult-Classic an den Rändern des Musicalbetriebs und unter Sondheim-Fans weiter, bis es 1991 in London wieder in den größeren Musicalbetrieb aufgenommen wurde, 2022 kam eine Off-Broadway-Inszenierung hinzu, die 2023 an den Broadway umzog.

    Eine echte Verfilmung ist in Arbeit, wird aber aus künstlerischen Gründen bis 2040 brauchen. Wir sahen eine Filmaufnahme der Broadway-Inszenierung.

    Times goes by and hope goes dry

    Neben uns waren vor allem die Mitglieder der englischsprachigen Berliner Theater/Musical-Szene im Odeon anwesend. Nicht nur, dass das Merrily ein Kult-Classic in diesen Kreisen ist, sondern es ist auch ein Meta-Musical über die Musicalproduktion.

    Es erzählt die Geschichte einer Gruppe von drei Freund*innen, die als 20 jährige optimistisch in künstlerischer Vision ins Leben aufbrechen, um 20 Jahre später, zerstritten, desillusioniert, hoffnungslos, zu leben.

    Der Kunstgriff des Musicals: Es erzählt rückwärts. Es beginnt mit einer Party, bei der einer der drei nicht erwähnt werden darf, eine heftig betrunken alle anderen Anwesenden und insbesondere den dritten Freund anpöbelt, der scheinbar irdischen Erfolg hat, aber er ist ausgebrannt und unglücklich.

    Es ist ein Test der Tragödientheorie. Ist in der Tragödie das Ende durch die Ausgangskonstellation schon festgelegt, ist das hier die Frage. Der Plot bewegt sich rückwärts durch die Zeit, besucht Wendepunkte und Schlüsselmomente: Musste es so kommen?

    So wird das geschehen auf der Bühne immer glücklicher, immer weniger schmerzhaft, immer hoffnungsfroher. Es beginnt mit der zerstörten Freundschaft, geht hinüber zum Moment der Zerstörung, dem Kampf gegen die Risse bis schließlich zu den großem Momenten des Glücks.

    Die Menschen auf der Bühne werden immer glücklicher, das Publikum leidet immer mehr, weil immer klarer wird, was sie alles verloren haben. Dabei immer wieder derselbe Song: Merrily we roll along, auch hier in immer fröhlicheren enthuasistischeren Variationen.

    Wie versteckten sie die Mikrofone?

    Ich lernte: Stephen Sondheim ist ein spannender Musicalschreiber. Ich will mehr von ihm sehen.

    Die Möglichkeiten während einer Live-Vorführung einen Film zu drehen, sind meiner „Effi-Briest-im-Deutschunterricht“-Zeit dramatisch besser geworden. Ich hätte nicht gedacht, dass mich der Film alleine mit seiner Technik und Bildführung so hineinziehen kann.

    Daniel Radcliffe (aka Harry Potter bzw. im Musical Charles Kryngas – einer der drei Freunde) kann Musical spielen.

    Links

    ##

    Jetzt wirklich: Z13 – Biskaya die 2. – der lange Bericht

    ##

    Frau Herzbruch auf Curaçao – Teil 4 und Teil 5 und Teil 6.

    ##

    It’s just a dream: Neben der Zeitung liegt noch ein kleiner Haufen aus Ladekabeln und Netzteilen. Ich lege noch mein eigenes Ladekabel dazu und führe einen Ladekabeltanz auf. Die beste Ex-Frau von allen ist nicht begeistert.

    ##

    In einem Haushalt, der regelmäßig mit Klausuraufsichten zu tun hat, mit besonderem Interesse gelesen: Heute erfahren, dass SuS zur Abiturprüfung nicht gedopt sein dürfen, dass zum Beispiel (reguläre) Ritalineinnahme angegeben werden muss. Vom Bogenschießen kenne ich das, da gehört ein Bier vor dem Schießen zu den verbotenen Substanzen, weil es zu ruhigerer Hand führen kann.

    ##

    Ich erfreute mich an der Kaltmamsell-repulica-Planungs-Heuristik: „Guckte also über alles hinweg mit “CEO”, “Founder”, “Geschäftsführer”, gab Staatssekretärinnen und Abteilungsleitungen den Vorzug vor Ministerinnen, je dröger sich der Jobtitel las, desto attraktiver fand ich ihn“

    ##
    Christiane mit der 12-von-12-Cannes-Filmfestival-Reportage

    ##

    Ich war kurz davor, [die neue Assistenz] zu umarmen, auf ein Rollwägelchen zu stellen und durch alle Flure zu schieben, dabei zu rufen „Schaut her, so macht man das, ihr Irrsinnigen!!“ Aber ich hatte Angst, dass sie das befremdlich findet und sie davonläuft.