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  • 25-05-27 Negative Lambdas

    25-05-27 Negative Lambdas

    Frauen, die auf Minis starren, stehen in der Tiefgarage. Um genau zu sein: Eine Frau und ein Mini. Ich glaube der Mini gehörte zu ihr. Aber warum sie ihr Auto minutenlang intensiv betrachtete, während ich mein Fahrrad anschloss – mensch könnte sich eine schöne Geschichte dazu ausdenken.

    Das herrenlose Mercedes-Cabrio auf dem Bürgersteig vor den Südkreuz Offices verschwand. Anscheinend fand sich ein*e Eigentümer*in oder ein*e Besitzer*in oder zumindest eine interessierte Person.

    Vor Edeka Duolingo hingegen steht seit Wochen ein Lastenrad der Generation Rappelkiste zum Verkauf.

    Madame produzierte Himbeer-Sanddorn-Marmelade und gab damit kostbaren Raum im Tiefkühlfach frei.

    Madame entdeckte: Bayeux ist nicht nur Heimat des Teppichs und Ausgangspunkt zu den D-Day-Stränden. Sondern auch Heimat des Crêpes und liegt im Department Calvados. Neben Calvados gibt es in Calvados auch Cidre und Apfelkuchen.

    Danke für den Kommentar von Gabi zum letzten Post: Bayeux kommt noch? Dann schaut euch nicht nur den Teppich an, sondern auch das Cafe À La Reine Mathilde – da hab ich vergangenes Jahr die schönsten Törtchen Frankreichs gesehen (und gegessen!) …

    Festgestellt: wenn man um vier aufwacht und ein bißchen wach bleibt – und das vollkommen egal ist, weil Wochenende ist – dann ist eine Messe aus dem 15. Jahrhundert – um genau zu sein Das Vokalensemble Amarcord singt Josquin des Préz in Die neue Platte XL auf dem Deutschlandfunk – wirklich gute Musik für Halbschlaf im Dunkeln. (Klangbeispiel)

    Dabei fällt mir ein: Ich bin Samstag vermutlich in Berlin, könnte mal wieder zum Noonsong.

    Wie es einem in diesem Haushalt ergehen kann: Ich erwähnte einen Tagesspiegel-Kommentar, in dem der Opernfeuilletonist des Blattes den ESC-Siegersong mit Richard Wagner vergleich (Wagner gewann). Keine zwei Minuten später läuft Lohengrin von der Anlage.

    Die Gleitschirmbrille hatte ihren ersten Büroeinsatz. Dort war ihre Wirkung nicht ganz so spektakulär: Wahrscheinlich weil die Bildschirmsicht (zweidimensional in mittlerer Entfernung) die Sehsituation ist, die bei mir am besten ohne Brille funktioniert.

    Sonst überwiegen beim Tragen der Brille drei Gefühle. Das Gute: Wow! Das Schlechte: Dieses Wow wäre auch schon vor drei, vier Jahren sinnvoll gewesen.. Und das Bangende: Wahrscheinlich wäre es auch sinnvoll, mich von den sehstärkenlosen Sonnenbrillen für 10 Euro zu verabschieden und eine Richtige echte Sonnenbrille mit Stärke anzuschaffen.

    Es regnet

    Zum Aufstehen: Zwei Stieglitze im Sanddorn. Zum Abschied: eine Familie Stare auf dem Rasen der Nachbarin. Dazwischen: Regen.

    Es ist zu trocken. So generell. Immerhin regnete es Sonntag durchgehend. Eine gute Gelegenheit für den Garten, um durchzuatmen. Aktueller Stand sind etwa drei Zentimeter feuchte Schicht im Boden, bevor er darunter zu Staub wird.

    Ich konnte altes Brennholz aus der Holzlege holen, und wir machten es uns im Bungalow gemütlich. Madame buk Schwarzwälder-Kirsch-Waffeln, zum Abendessen gab es weitere Teile vom Memphis-Dry-Rub-Schweinenacken.

    Ich litt leidend unter der Kettensägenaktion vom Samstag, las und sah Mathematik. Denn inzwischen habe ich mein Modell ganz gut im Griff. Aber die Schwerelosigkeit und artistische Freiheit, die ich beim Springen durch Vektoren und Matrizen gerne hätte – und die mir das Leben erleichterte – ist noch in weiter Ferne. Bis dahin gilt: Üben, üben, üben.

    Einmal mit den Büchern zu Linearen Programmierung und zur betriebswirtschaftlichen Optimierung. Zum anderen aber auch mit Linearer Algebra.

    Zurück in der Wohnung begrüßte uns ein lautes Piepen. Wie man es haben will. Der Kohlemmonoxidmelder gab Alarm. Zum Glück aber nicht wegen Kohlenmonoxid – immerhin kann ich diese Zeilen noch schreiben – sondern weil er das Ende seiner Lebenszeit erreicht hat.

    Denken in neun Dimensionen

    Die Bachelorarbeitsmissverständnisse sind hoffentlich ausgeräumt. Der Lehrstuhl meldet mich zum 2. Juni 2025 zur Bachelorarbeit an. Das Prüfungsamt wird dann errechnen, wann genau der Abgabetermin ist. Aber 2. Juni plus 3 Monate sollte Ende August sein.

    Mein Lambda stimmt noch nicht. Noch führt mein Modell im Spätsommer zu negativen Zahlen von Schwimmbadbesucher*innen, weil die negativen Lambdas ungewollte Sachen anrichten. Prinzipiell wüsste ich auch, wie es richtig einsetzen müsste (halt so wie die ganzen anderen auch).

    Aber mir gefällt die Lösung noch nicht. Und Lösungen abschreiben, die mir nicht gefallen und die ich nicht zu 100% verstehe -> never.

    Die Klärung der Bachelorarbeitsmissverständnisse lässt mir Zeit eine kleine Denkdeviation zu den anderen beiden Modulen einzulegen, die ja auch noch anliegen. Die haben ihre Frist für die Einsendeaufgaben auf den 1. Juni gelegt, und das bedeutet für mich „Husch, husch, ins Moodle.“

    Montag: Knowledge Management. Single-Choice fragen, die ich teilweise offensichtlich in der Antwort finde, teilweise lassen sie sich mit Hilfe von Strg+F und dem Skript beantworten. Aber beim Thema Community Management und Competence Management fühle ich mich auch zu Hause. Größte Herausforderung: das weiterhin sehr eigenwillige Englisch der Studiendbriefe. – Da möchte ich sagen: Darlin’, you and me? We ain’t cut from the same cloth — and I reckon we won’t be exchangin’ Christmas cards neither..

    Die nächsten Tage kommt: Mikroökonomie. Ich würde behaupten, das hat insgesamt mehr Substanz. Leider gilt das auch für den Schwierigkeitsgrad der Einsendeaufgaben.

    Wenn das Hirn gar nicht mehr will, Fernsehen mit Gilbert Strang. Er und seine Lineare-Algebra-Vorlesungen sind so unfassbar charmant. („Wenn sie das öfter machen.. Also, man kann sich natürlich neun Dimensionen nicht bildlich vorstellen. Aber wenn sie das oft genug rechnen, dann haben sie fast den Eindruck, dass sie es beinahe doch können.“)

    Entfremdungsgefühle

    Es ist originell. Aus weiter Ferne verfolge ich die re:publica, lade gleichzeitig von der Fernuni-Moodle-Seite Einheiten mit den Titeln „Community Management & Collaboration“ oder „Competence Management“ herunter. Wobei ich nicht ausschließen würde, dass der entsprechende Lehrstuhl gerade über die Gänge der Station Berlin schleicht.

    Spannend: Meine Internet-Bubble und die re:publica haben sich weitgehend auseinander entwickelt. Ich höre fast mehr aus dem Deutschlandfunk über die Veranstaltung, als ich im Internet darüber lese.

    Falls ich mich mal wieder frage: Sollte ich mich vielleicht doch noch einmal in meinem Leben um eine Einladung zur re:publica kümmern. Es gibt einen Grund mehr: An unserem Stand findet ihr ein mobiles Bürgeramt, bei dem ihr euren Pass verlängern, eine Meldebescheinigung beantragen oder eure Ausweis-PIN zurücksetzen könnt.

    Ruine 2 gewann

    Gelesen: Ein Hof und 11 Geschwister von Ewald Frie. (Danke für die Leihgabe!) Ein spannendes Buch: Frie schildert den Weg einer Bauersfamilie aus dem Münsterland in die Moderne etwa von 1880 bis 2000, im Kern des Buches 1950 bis 1990. Er beginnt mit dem Hof als eigener kleiner Welt, mit vielfältiger Landwirtschaft und Knechten und Hausmädchen, die auf dem Hof wohnten, bis zum Stand heute: der ehemaliger Einmannbauer wohnt als Rentner im Bauernhaus, die Flächen sind lange zu klein für einen eigenen Hof und werden verpachtet.

    Frie erzählt dabei aus zwei Perspektiven. Einmal der Sohn des Hofes, der mit seinen 10 Geschwistern über ihre Jugend sprach: erzählt liebevoll, macht begreifbar und kann Details schildern, wie seine Schwester, die immer über den Hof rannte, damit sie in der Schule nicht nach Bauer roch. Frie ist aber auch Historiker, der die Geschehnisse seiner Kindheit und Jugend in den weiten sozialen und ökonomischen Rahmen einordnen kann.

    Er teilt das Buch in vier Teile: die Vorgeschichte. Die Welt des Vaters (1950er und frühe 1960er, der Hof in einer Blüte, Rinderzuchturkunden hingen im Flur). Die Welt der Mutter (der Umbruch und der Versuch, die Kinder in die neue Zeit zu bringen). Und Auszug und Abschied von der Landwirtschaft. (Am Ende die Welt der meisten Kinder).

    Entstanden ist ein warmherziges aber reflektiertes Buch mit Auge für’s Detail. Die letzte der zahlreichen Kühe, die für die Familie Zuchtpreise gewannen, trug den Namen Ruine 2.

    Trottel und Vollidioten

    Ein fulminanter Abschied der Filmfestspiele von Cannes. Cannes und Christiane geben alles, großes Drama, große Inszenierung.

    Camp Catatonia geht am Stock.

    Josef Hader im Schweizer Fernsehen: In Deutschland gibt es ja eher die Tradiotion: der Kabarettist stellt sich als schlauer Mensch auf die Bühne und sagt, die Regierung ist schlecht. In Österreich ist die Tradition eher: Der Karabettist stellt sich als Trottel auf die Bühne und sagt, die Regierung ist super. (via Buddenbohm)

    Von Frau Novemberregen für das Leben lernen:

    Dann noch einen Termin mit der Hausverwaltung aus rein strategischen Gründen abgesagt, nämlich weil ich mich nicht bis Mittwoch in eine Haltung bringen kann, die nicht „ihr seid doch alle Vollidioten“ ausstrahlt und so eine Haltung ist für Verhandlungen komplett ungeeignet. So ist es ja nicht, niemand wird morgens wach und denkt sich Okay, heute bin ich ein absoluter Vollidiot! Es ist eher so, dass das Verhalten in dem jeweiligen Referenzsystem irgendeinen Sinn ergibt und wenn ich den Sinn nicht verstehe, habe ich dass System noch nicht verstanden, dann fehlen mir noch Informationen. Und wenn ich so verbockt in Gespräche gehe, bekomme ich diese Informationen ganz sicher nicht.

  • 25-05-22 Die vier Jahreszeiten (Bearbeitung für Mandoline und Orchester)

    25-05-22 Die vier Jahreszeiten (Bearbeitung für Mandoline und Orchester)

    Beim Pfingstspektakel am Schloss Oranienburg tritt Versengold auf – sicher eine Band ehemaliger Friseure.

    In der Hafenstadt traf Madame einen Biber, der sich kurzzeitig als alter, dicker Hund auf einem Radweg tarnte.

    Kurz fühlte ich mich am Südkreuz wie am Gare de l’est. Erst spielte ein kompetenter Mensch das Bahnhofsklavier. Dann kam ein Zweiertrupp der Bundespolizei mit Helm, schusssicherer Weste und Sturmgewehren/Maschinenpistolen.

    Ich erinnerte mich daran, dass Madame vor einigen Jahren an einem möglichen Terror-Hotspot arbeitete. Dort bekamen sie von der Polizei gesagt „Präsent sind wir immer. Wenn sie uns sehen, dann weil wir wollen, dass sie uns sehen. Wenn sie sehen, dass wir bewaffnet sind, dann weil wir wollen, dass sie sehen, dass wir bewaffnet sind.“

    Und dann fragte ich mich, für wen die Sturmgewehrvorführung gedacht war.

    Im Bus lag ein herren- und damenloser Apfel. Das war sehr ungewohnt. In meiner Erwartung korrespondieren bestimmte Konsumgewohnheiten (Bier) und das Herumliegenlassen von Müll. Oder eben nicht. Wer Äpfel auf dem Weg ist, verursacht mit diesen keinen Müll.

    Madame lauschte Severin von Eckardstein beim Berliner Klavierfestival im kleinen Saal des Konzerthauses. Er spielte:

    • BEETHOVEN Sonate op. 31 Nr. 2 „Sturm-Sonate“
    • MENDELSSOHN Fantasien op. 16
    • DEBUSSY Nocturne, Isle joyeuse
    • BRAHMS Cappriccio op. 76 Nr. 1, Ballade op. 10 Nr. 4
    • MEDTNER Sonate op. 25 Nr. 2 „Nachtwind“

    Ihre Beschreibung: Sehr eigenwilliger Pianist, aber tolles Klavierspiel. Sehr nerdiges Publikum. Und insbesondere die Medtner-Sonate ist der Irrsinn.

    Mein persönlicher Zustand: Erst die S-Bahn-Stationen Westkreuz und Westend verwechselt, dann übersehen, das mein anisierter Schwimmbadbesuch in eine nur-Vereine-Zeit des Bades fällt und deshalb nicht stattfinden kann. Gut, dass ich heute abend danach nur an der Bachelorarbeit weiterarbeitete.

    Ich bin weiterhin fasziniert, wie schnell diese ganzen Optimierungsprobleme in Regionen abdriften, in denen auch Computer im Jahr 2025 ins Straucheln geraten. Ich fand in der Open Learning Library der MIT den Kurs Optimization Methods in Business Analytics. Nach den ersten zehn Minuten: Lineare Probleme können sehr aufwendig sein, sind aber im Grundsatz fast immer lösbar. Nicht-lineare Probleme sind in den meisten Fällen komplett out of reach. Also nicht unlösbar in einem mathematisch-abstrakten Sinne, aber unlösbar in dem Sinne, dass es niemand berechnen kann.

    Blocksatz

    Einer meiner unerfüllbaren Träume ist ein Computer aus Gusseisen. Da hat man was Solides. Dieser Traum wird unerfüllbar bleiben. Aber als ich die neue Tastatur in den vierten Stock schleppte, fühlte ich mich meinem Traum näher. Das neue Aluminium-Plastik-Keyboard wiegt 1,2 Kilogramm – im Vergleich, die gleichzeitig gelieferte „normale“ Logitech wiegt 500 Gramm.

    Auf dem Weg bis die Tastatur im Späti gelandet war, lernte ich viel über mechanische Tastaturen. Grundsätzlich: die mechanische Tastatur unterscheidet sich vom Standardmodell dadurch, dass beim Standardmodell eine durchgehende Gummimatte unter allen Tasten die Kontakte auslöst. Bei einer mechanischen Tastatur hat jede Taste einen eigenen Kontakt. Es ist also sehr viel aufwendiger in der Herstellung, aber unter anderem auch viel differenzierter zu gestalten.

    Natürlich werden die Keyboards auch gerne von den Benutzern angepasst, die einzelne Teile tauschen. Die Kappen/ Keycaps sind das Teil auf dass die Finger aufschlagen. Die sollten sich gut anfühlen und widerstandsfähig sein. Die sind ohne Aufwand bei jeder mechanischen Tastatur tauschbar. Darunter liegen die Switches, also der Kontakt zwischen Taste und dem Board des Keyboards.

    Ich lernte den Unterschied zwischen den verschiedenen Switch-Arten, lernte dass die Cherry MX Brown einen klaren Auslösepunkt haben und vergleichsweise leise sind, also eher was für’s Büro, während die MX Silver einen extrem kurzen Tastenweg aufweisen, also eher was für Gamer sind.

    Edle Tastaturen sind Hot-Swap-fähig. Man kann nicht nur die Keycaps tauschen, sondern auch ohne Aufwand die Switche darunter. Man kann zum Beispiel unter dem Nummernblock andere Switche einbauen als unter den Buchstaben. Und es gibt sogar Switch-Tester – Mini-Tastaturen auf denen einfach verschiedene Switche eingebaut sind, damit man Haptik und Geräusch ausprobieren kann.

    Vor der Mandoline die Pflaumen

    An der Sachsendamm-Kreuzung Bettler, die die wartenden Autos abklapperten. Um 8:22h, bei einer Quote on 100% Pendler*innen und Handwerker*innen an dieser Stelle, sicher ein kärglicher Boden, den sie bearbeiten.

    99% Tourist*innen hingegen bewegen sich in der neuen Kerb Food Hall am Potsdamer Platz. Zum ersten Mal seit dem Umbau war ich im neuen alten Sony Center. Ich vermisse die Dussmann-Filiale. Aber der Innenraum selber ist mit Brunnen und Bänken sehr viel netter geworden als zuvor. Ein Nicht-Ort gewinnt Aufenthaltsqualität.

    Die Food Hall selbst hat ein klares Publikum: Tourist*innen, die erleben und erzählen wollen, wie special Berlin ist. Das ist alles Fancy, und die Essensstände (Berlinerisch mit Eisbein-Burger, Marokko, Indien, China..) wirken deutlich schicker und edgier als das was es an derartigen Touri-Hotspots sonst gibt.

    Aber natürlich auch: wenn man weiß wo, und sich die Zeit nimmt, durch die halbe Stadt zu fahren, gibt es besseres Essen ähnlicher Art in passenderem Ambiente woanders. Dennoch: wenn wir zum Beispiel in die Philharmonie wollen, und vorher was zu essen suchen: die Tajines von Bab kommen definitiv wieder in die Auswahl.

    Italopop mit dem Teufelsmandolinisten

    Letztes Wochenende, auf der Autobahn, hörte ich sehr viel Italopop. Im weiteren Sinne Italopop war es auch, was im Kammermusiksaal der Philharmonie stattfand. Avi Avital, aktuell der Mandolinist auf der Welt, spielte Vivaldi und diverse Napolitaner aus dem 18. Jahrhundert.

    Avi Avital und das Venice Baroque Orchestra spielten:

    • Antonio Vivaldi -Concerto g-Moll RV 156
    • Antonio Vivaldi – Concerto für Laute, zwei Violinen und Basso continuo D-Dur RV 93
    • Giovanni Paisiello – Concerto für Mandoline, Streicher und Basso continuo Es-Dur
    • Emanuele Barbella – Concerto für Mandoline, Streicher und Basso continuo D-Dur
    • Antonio Vivaldi – Die vier Jahreszeiten (Bearbeitung für Mandoline und Orchester)

    Eine spannende Mischung. Die Mandoline ist im Konzertrepertoire ja ein ungewöhnliches, fast möchte ich sagen ulkiges, Instrument. Die vier Jahreszeiten hingegen sind ein totaler Burner des Klassikradios, die best-of-Teile wahre Welthits.

    Für das Konzert galt es, Alte-Musik-Nerdtum und Popular Classics zu vereinen.

    Das Publikum: Im Vergleich zur Alten Musik war deutlich weniger strenge Kleidung in schwarz-braun-weiß anwesend, deutlich mehr Glitzerkleid. So weit so gut. Leider ließen auch grundlegende Regeln der Höflichkeit, wie „man soll nicht reden, wenn das Orchester spielt“ etwas zu wünschen übrig.

    Die Künstler: ein schöner Mann, der, obwohl Israeli, sich mit breitester „ich-bin-ein-schöner-italienischer-Mann“-Brust und wallendem Haar auf die Bühne setzte. Ein Konzertmeister, der nicht ganz so schön war, aber dafür Italiener und die breite Brust auch konnte. Da wurde jede Note nicht nur gespielt, sondern auch körperlich dargestellt.

    Das Konzert: Es gibt wenig Mandolinenrepertoire, und so hat der Mandolinist freie Auswahl, was für Stücke er adaptiert. Die beiden Napolitaner, Paisiello und Barbello, schrieben für Mandoline, denn Napoli e la città del Mandolino, und ich glaube der verspielte Paisiello gefiel mir am besten. Die vier Jahreszeiten mit ihren ganzen schnellen Stücken natürlich der helle Wahnsinn. Und in mandolinisch auch sehr anders als mit Geige. Ein echter Gewinn. Abgesehen von aller Show, ist Avi Avital ein Musiker zum Daniederknien.

    Zur Zugabe Vivaldies Blöckflötemkonzert RV 443 in C-Dur. Der langsame zweite Satz: Sanft, leise, quasi das Gegenteil von den Vier Jahreszeiten vorher. Schön.

    Die Tauben sind zurück

    Anscheinend war die Dachbodenbaustelle kurz geöffnet. Und dieses ermutigte die Tauben. Sie patrollieren wieder allein, zu zweit, zu dritt, zu viert, vor Schlafzimmer und Küchenfenster, sicher ungehalten darüber, dass ihnen der Eingang verwehrt wird.

    Bis auf eine, oder die zwei. Als ich noch dachte, die Tauben wären weitergezogen, ließ ich Montagmorgen das kleine Badezimmerfenster offen. Montag Abend war dann ein wenig Küchenchaos und ein wenig Badezimmerchaos – aber keine Taube.

    Dienstag war nichts. Mittwoch dachte ich um 7 noch ein wenig am Schreibtisch vor mich hin, als ich über mir Geräusche hörte. Das war eher unerwartet. Ich schaue hoch, und sehe eine Taube auf dem Ordnerregal. Vermutlich seit anderthalb Tagen in der Wohnung. Einige Ordner, zum Glück leer, sahen auch nicht mehr sehr gut aus.

    Platon umkrempeln

    In anderen Belangen soll ich demnächst jemand erklären, wie das mit der KI so ist. Das ist natürlich ein umfassendes Thema, und Mut zur Lücke ist kein Ausdruck. Aber eines scheint mir zumindest bei Generativer KI / Large Langue Modellen (LLM) wesentlich zu sein – weil es komplett kontraintuitiv ist – Generative KI kennt keine Realität.

    Wenn wir kommunizieren, dann versuchen wir etwas zu vermitteln: sei es ein etwas reales körperliches da draußen, ein Gefühl oder auch nur ein Produkt unserer Phantasie. Es gibt etwas außerhalb der Kommunikation und eine Kommunikation, die versucht, dieses Außerhalb für Andere begreiflich zu machen.

    Deshalb machen Kategorien wie echt oder falsch, Wahrheit oder Lüge Sinn – denn sie vergleichen ob die Kommunikation und das da Draußen übereinstimmen.

    Bei generativer KI gibt es das nicht – es gibt nur aneinandergereihte Worte, die nur nach mathematischen Verfahren aneinandergereiht werden. Wo es kein „draußen“ gibt, müssen diese Worte auch keinem Draußen entsprechen.

    Ich überlege dafür eine wilde Interpretation von Platons Höhlengleichnis zu nehmen: Ein Großteil unserer Weltwahrnehmung erfolgt vermittelt durch andere – als Schatten an der Wand. Aber wir wissen, dass es einen Raum vor der Höhle gibt, dass es etwas gibt, dass diese Schatten erzeugt. Wenn wir den Schatten eines Baums sehen, wissen wir, wie ein echter Baum aussieht.

    Die KI sitzt in der Höhle – hat Millionen, ach was, Milliarden, von Schattenspielen gesehen. Sie ist meister darin, ihre Muster und Formen zu erkennen – nachzubilden was es gesehen und den Rest plausibel zu interpolieren. Aber sie kennt nicht das da draußen. Sie hat keine Ahnung, dass etwas jenseits der Schatten existiert.

    Aus Perspektive des Systems ergibt es deshalb auch keinen Unterschied, ob der Schatten überhaupt existieren könnte – weil es ein Äquivalent gibt – oder nicht. Für sie gibt es kein wahr und falsch, sondern nur erwünscht und unerwünscht. Und deshalb wird sie immer halluzinieren. Und je mehr Menschen mit ihr interagieren, und ihr sagen, was erwünscht ist, und was nicht, desto schlimmer wird es werden.

    Aber ich fürchte, diese Erklärung ist auch noch zu kompliziert.

    Cannes, Helgoland, Internet

    Unsere Berichterstatterin aus Cannes mit dem Wichtigsten zum Festival. Vielen Dank für die Information.

    Lorenzo war auf Helgoland.

    Dieses Synchronbacken scheint aufregender als ich dachte: von ESC bis Notaufnahme.

    Frau Landlebenblogs Auto versucht sie umzubringen: Master of the Universe.

    An ongoing archive of Abandoned Blogs. (via Messy Nessy)

    Im Standard ein schöner Artikel zu dritten Orten: Beisl, Fitnessstudio, Bücherei: Warum wir einen „dritten Ort“ brauchen (via Ligne Claire)

  • 25-05-17 Familienbetrieb Sönnrichsen (Dithmarschen (Rendsburg))

    25-05-17 Familienbetrieb Sönnrichsen (Dithmarschen (Rendsburg))

    In Wesselburen wurde eine wurde Montagnacht eine Scheibe an einer Bushaltestelle beschädigt. Die Polizei sucht Zeugen. Ich bin erst seit Dienstag in der Gegend, habe also ein Alibi.

    Es ist zu trocken. Der vor zwei Wochen gewaschene Subaru wird von einer zentimeterdicken Schicht aus Pollen, Staub und Insekten bedeckt.

    Während der Pollensammler in Dithmarschen steht, nutzt Madame den ÖPNV, um nach Latifundinium zu kommen. Besonders auf der Last Mile ein Abenteuer, aber sie bestand es erfolgreich.

    Gesprächsfetzen, die im Supermarkt an mir vorbeifliegen: „Das sind ja alles Zugezogene“, der Betonung nach war das weder als wertfreie Beschreibung noch als Kompliment gemeint.

    Vor dem Eisregal: Klein Hannes hat sich eine Packung Eis ausgesucht. Mutter nimmt sie ihm wieder weg „Wir wollten doch gemeinsam darüber reden, was für Eis wir nehmen.“ Ergebnis: Mutter nimmt ein Eis und redet dann eine Minute auf Hannes ein, warum das von Mama gewählte Eis viel sinnvoller ist. Aber der rhetorisch unterlegene Hannes durchschaut das Spiel, nimmt sich einfach nochmal das erste Eis.

    Vor dem Bäcker steht ein Van „Familienbetrieb Sönnrichsen.“ Darauf ein Bild eines Krabbenkutters. Wenn wir unsere Brötchen dort kaufen, wo auch die Krabbenfischer sich ihr Frühstück holen, dann scheint mir das gut.

    Wasted Love

    Ich sah das ESC-Halbfinale und ich war unterwältigt. Irgendwie scheint sich ganz Europa auf die selbe Pop-Dance-Formel an Songs geeinigt zu haben. Und ich schaue den Event wegen des wilden Stilmixes und der verschiedenen Herangehensweisen. Wenn ich jetzt 20 mal denselben Song in unterschiedlichen Sprachen höre, macht das keinen Spaß.

    Einzige Lichtblicke: Hazel Bruggers AOL-Geschenk-CD-Gedächtnis-Kleid. Und ausgerechnet der österreichische Beitrag: der erfrischend androgyne JJ bringt große Oper auf die Bühne. Ich freue mich, dass Wasted Love auch bei den Wettmacher als Mitfavorit für den Sieg am Samstag gilt. Irritierend: der diesjährige selbstironisch-großartige Balkan-Pop-Song wird von Schweden ins Rennen geschickt..

    Mittelmärkische Tidensimulation

    Ich hatte eine Idee – und derzeit weder Energie noch Plan für die Umsetzung. Aber manchmal hilft es ja, etwas laut auszusprechen, um es in die Realität zu bringen: der Tidenbrunnen. Schon langsam fände ich Wasser im Garten nett, habe aber wenig Lust, mir aus Versehen eine Mückenzuchtanlage anzuschaffen. Fische kommen auch nicht wirklich in Frage: entweder wir müssten deutlich öfter anwesend sein, oder gleich einen Teich in einer Größe anbauen, in dem die Tiere mehr oder weniger autark leben könnten.

    Aber jetzt kam mir, natürlich beim Blick auf die Tidenuhr, der Gedanke: ein Brunnen mit Gezeiten, der einfach alle 12,5 Stunden komplett leer läuft. Es bedarf eines Beckens, vielleicht gefüllt mit Kies, soll ja nicht viel Wasser sein und eines unterirdischen Reservoirs. Ein Ablauf sorgt dauernd dafür, dass Wasser vom Becken ins Reservoir fließt. Eine zeitgesteuerte Pumpe – mit etwas weniger als doppeltem Volumen des Überlaufs – pumpt sechs Stunden Wasser nach oben, macht dann 6,5 Stunden Pause. Das Becken füllt sich langsam bis zum Maximum, leert sich dann langsam wieder.

    Einfach durch die Waschküche und dann raus

    Beim Kaptain saß ich im Garten, lies mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Die frisch bestimmte Flatter-Binse im Pflanzkübel war grün, Singvögel sangen bestimmungsgemäß und das Laub raschelte im Wind.

    Der Kaptain erinnerte sich an den ehemaligen Garten im Uetersen ihrer Kindheit. Ein klassischer Selbstversorgergarten mit Wurzeln (Karotten), und Bohnen; ein Mirabellenbaum, ein Pfirsichbau. Grünkohl, von dem die Raupen abgepflückt werden mussten, Hühner, eine unzähmbare Brombeere, fast unzähmbare Erdbeeren und einige Reihen Spargel.

    An Spargel, Brombeere und Rankpflanzen (Erbsen? Bohnen?) sowie das leere Stallgebäude kann ich mich noch erinneren. Diese hielten bis in die 1980er durch. Und ich erinnere mich an einen ganzen kleinen Keller voller gefüllter Weckgläser mit ehrlich gesagt zweifelhaften Inhalten.

    30 Grad – 30 Gäste

    Ein Großteil der Berliner Freibäder wird dieses Jahr nicht geheizt. Das bedeutet aktuell Wassertemperaturen von etwa 16-20 Grad und soweit mir anekdotisch erzählt wurde, leere Becken.

    Ich hingegen bin gerade im Schlaraffenland, dass durch Raffinerieabwärme geschaffen wird: 30 Grad im Freibad Hemmingstedt, dafür auch 30 Gäste im recht kleinen Becken.

    Nachdem ich einen Traktor überholte, längere Zeit hinter einem Futtermittel-LKW herfuhr und dann noch ein Pferd überholte, kam ich im Freibad an. Ein Gelände aus dem Bilderbuch: Hineingebaut in einen kleinen Abhang, am Rande des Dorfes zur Eisenbahn hin. Ein nettes Café, Abreißkarten, ein 25-Meter-Becken – ein Kinderbecken und ein Fünf-Meter-Sprungturm. Alles ist 50 Jahre alt, alles funktioniert – und es wirkt immer noch genau so, wie sich Planer der 1970er das vorgestellt haben.

    Außerdem: einer der wenigen Stellen im Ort, an dem man zwar die Güterzüge vorbeirauschen hört, nicht aber die Raffinerie sieht. Gelebte Träume einer anderen Zeit.

    Beate aus Hamburg, Ronja aus Limassol

    Wir waren im Auto unterwegs Richtung Rendsburg. Der Kaptain erinnerte sich, dass sie in den 1950ern die Rendsburger Hochbrücke mochte. Denn es bedeutet, dass der Kaptains-Kaptain nahe war. Die ganze Familie fuhr von Uetersen aus mit dem Zug nach Rendsburg. Dort wartete bereits das Küstenmotorschiff Delphin (Delphin II, Delphin III und Delphin IV über die Jahre), nahm die ganze Familie an Bord und brachte an Nord- und Ostsee Waren aus.

    Wir aber wollten gar nicht auf die Ostsee und auch nicht über die Hochbrücke: Wir wollten unten durch. Einmal im Leben die Rendsburger Schwebefähre benutzen. Eine von Acht Schwebefähren weltweit, die noch existieren (sagt meine vage Erinnerung an den Wikipedia-Artikel) und über den Kanal schweben.

    Aber ach, sie fährt nicht mehr. Wir standen vor dem „Außer Betrieb“-Schild, sahen noch zu wie ein DHL-Laster und ein weiterer PKW wendeten, und campierten und Gaststätte nebenan. Es gab Kanalblick, alkoholfreies Bier und gutes Essen.

    Der Kellner klärte uns auf: Elektrik an der Fähre kaputt. Seit sechs Wochen und noch bis Ende Juni. Das ist schade. Auch ein wenig Schade war, dass wir nun am Zaun keine zwei Meter vom Kanal entfernt saßen, und die Schiffe doch spärtlich blieben. Es kamen das Containerschiff Beate (deutsche Flagge) aus Dänemark nach Hamburg, die Ronja (zypriotische Flagge, mehr Details nicht verständlich) und die Lady Hedwig (niederländische Flagge) aus Estland auf dem Weg nach Amsterdam.

    Auf dem Rückweg entdeckt: Es gibt eine wunderbare Straße, bei der linkerhand, nur durch eine Böschung getrennt, der Nord-Ostsee-Kanal liegt und rechterhand, nur durch eine Böschung getrennt, die Eider. Die K47, der Parkplatz heißt „Am Moltkestein.“

    Vanderbei (2020), Strang (1999)

    In der Vorbereitung der Bachelorarbeit stellte sich ein Missverständnis heraus. Ich dachte: mein Lehrstuhl muss mich noch beim Prüfungsamt anmelden und (schwaches und) hat unabhängig davon noch inhaltliche Fragen. Der Lehrstuhl meinte es allerdings als starkes und: „Erst wenn die Fragen zufriedenstellend beantwortet sind, melden wir Sie an.“ Das ist inhaltlich durchaus berechtigt und sinnvoll, zerschießt mir aber trotzdem gerade etwas meinen inneren Zeitplan.

    Naja, solange ich noch unterwegs bin und nur das techische B-Team dabei habe, kann ich erstmal nur über die Fragen nachdenken und Antworten reifen lassen. Und weiter Mathe lesen und sehen.

    Robert J. Vanderbeis Linear Programming – Foundations and Extensions entpuppt sich dabei als von mir gesuchte missing link zwischen den BWL-Erklärbüchern und den hochfliegenden Mathematik-Ansätzen. Wikipedia beschreibt Vanderbei als Mathematiker1, der in Princeton inhaltlich den Lehrstuhl besetzt, an dem ich in Hagen meinen Bachelor schreiben will – und das passt tatsächlich sehr gut.

    Wenn die Konzentration nachlässt, ich mich nicht mehr in der Lage sehe, geschriebenen Text durchzuarbeiten, bleibe ich meinem neuen Freund Gilbert Strang und dessen Linearer-Algebra-Vorlesung treu. Diese stammt von 1999 an der MIT und steht als OpenCourseWare zur Verfügung. Nachdem Lektion 9 (Unabhängigkeit von Vektoren) gut lief, dachte ich, ich springe mal zur 20 Cramer’s Rule / Inverse Matrix) und staunte und verstand wenig. Also zurück zur Vorlesung 3: Matrizenmultiplikation. Die ist in ihren Grundlagen glaube ich sogar Schulstoff, hier aber in fünf Geschmacksrichtungen erklärt und mit den Inversen. Meinem Grundlagenverständnis tut sowas gut,

    Den netten Partygesprächs-Stopper-Satz gelernt: All key equations in math have a zero on the right hand side.

    Auch noch entdeckt. Gilbert Strangs Abschiedsvorlesung von 2023, die er im Alter von 88 Jahren hielt. Die einführnede Lobhudelei auf Strang startet vollkommen zu Recht mit Strangs „Dignity and humilty“. Eine Eigenschaft, die Strang dann sofor beweist, indem seine Abschiedsvorlesung sich inhaltlich nicht um seine fancy-pancy-Lieblingsnische dreht, sondern die absoluten Grundlagen des Fachs in einer Einführungsvorlesung behandelt.

    Ich musste doch lachen, als in der Lobhudelei auch der Satz fiel „Whether you are a colleague right next door or a stranger that landed in the hallways,, one feels that Gil is your old or new best friend.“ Meine Rede!

    south spielt mit dem großen Halluzinator

    Einem Nebensatz in der Gilbert-Strang-Abschiedsvorlesung entnahm ich, wie eng Lineare Algebra und Large Language Modelle (LLM, umgangssprachlich KI) zusammenhängen. Ein ganz neues Rabbit Hole tat sich auf. Aber erstmal Bachelorarbeit. Als vorläufigen Endpunkt meiner Beschäftigung bat ich meinen Halluzinator zwei Bilder zum Thema zu erstellen.

    Es kam wie geahnt: die „Variante Ölbild“ sieht schick aus, bei spärlicher Information. Die „Variante Infografik“ wirkt auf den ersten Blick informativer, ist auf den zweiten Blick komplett gaga.

    1. Plus diesen Satz auf den ich sehr sehr neidisch bin: In addition to his appointment in ORFE, he also has courtesy appointments in Mathematics, Astrophysics, Computer Science, and Applied Mathematics. ↩︎
  • 25-05-08 Ein zweischneidiges Pferd

    25-05-08 Ein zweischneidiges Pferd

    Ein FlixBus nach Krakau fuhr an mir vorbei.

    Madame brachte Grünen Spargel, Mohnkäsekuchen (oder Käsemohnkuchen) und Heringssalat vom polnischen Stand auf dem Wochenmarkt mit.

    Bei ÖzGida hatte ich im Kühlregal semifertige Böreks gefunden. Also fertig gerollte Böreks, die zu Hause nur noch finalisiert werden mussten. Ich war natürlich neugierig und dachte an Finalisierung im Backofen. Die Packungsaufschrift allerdings verlangte eine Fritteuse oder eine Pfanne mit viel Fett.

    Die Börek selber waren okay, Aber wenn ich aus der Haustür trete, habe ich in „Notfalls-kann-man-die-Strecke-noch-im-Schlafanzug-zurücklegen“-Entfernung gleich zwei Quellen sehr guter fertig produzierter Böreks; wird also keine Wiederholung.

    Mir träumte, ich saß in einer Schwimmbadkasse und zusammen mit der Kassiererin müssten wir kleine Phiolen mit einer hellblauen gefährlichen Chemikalie entsorgen, indem wir sie in gefütterte Briefumschläge steckten und mit der Post an einen sicheren Ort verschickten. Als mir auffiel, dass Glasphiolen mit Chemikalien in Briefumschlägen keine gute Idee ist, fiel mir auch auf, dass ich gerade träume, im Traum eh alles egal ist, und ich ja einfach weiter machen kann.

    Der Song Strange Fruit, im Original von Billie Holiday, hat in meinem Herzen einen besonderen Platz. Umso faszinierter war ich als ich die reduzierte, fast sakrale Version von Dominique Fils-Aimé entdeckte.

    Schöne Mailadressen: sekretariat.gegenwartsdiagnosen@

    Von diesem Sekretariat bekam Madame die Mitteilung, dass sie am Seminar Religion in der späten Moderne der Fernuni Hagen teilnehmen wird.

    Vielleicht gönne ich mir den Absender für eine meiner Domains. Die Mailadresse sekretariat.gegenwartsdiagnosen@zitronenpresse.info würde mir gefallen.

    Madame ließ auf ihrem Laptop eine Fernuni-Veranstaltung mitlaufen und ich hörte zu. Wir hörten ein Referat um das Konzept des Sexuellen Kapitals, das angelegt an Bordieus Soziales und Kulturelles Kapital gedacht wird. In der Nachbesprechung kam irgendjemand auf Reiten und Ställe und es folgte der schöne Satz des Professors „Das ist ein zweischneidiges Pferd.“

    Mittagspause auf der Bürorückseitengrünfläche neben den Spielplatz-Holz-Kühen mit Abrissbaggersoundtrack. Nicht nur wir haben Probleme mit Tauben, die an Scheiben fliegen. Ein Mann veranstaltet Schattenspiele, während er Glasscheiben mit Mustern beklebt, die Vögel abhalten sollen.

    Dantzig – von Neumann – Nash

    Für den Freundeskreis englischer Vorlesungen über Lineare Programmierung machte ich eine neue Entdeckung: 24. Linear Programming and Two-Person Games Diese ist besonders. Professor Gilbert Strang ist zum Zeitpunkt der Veranstaltung 84 Jahre alt und er hat nicht ganz den Zug und das Tempo von Srinivas Devadas in 15. Linear Programming: LP, reductions, Simplex.

    Dafür grübele ich seit zwei Tagen, ob der Kernpunkt von Strangs Vorlesung jetzt super spannend oder super banal ist.

    Denn Lineare Programme sind zweischneidige Pferde. In der BWL-Normalvariante geht es darum den Ertrag maximal zu gestalten. Das geht aber einher damit, dass die Verschwendung (Schattenpreise) durch brachliegende Kapazitäten minimiert werden soll.

    Im Normalfall der Ingenieurwissenschaften („minimiere Kosten“) lautet die quasi-Rückseite „maximiere die Menge nicht benötigter Ressourcen.“

    Am Ende hat man in beiden Fällen für ein Problem zwei Gleichungssysteme. Je nachdem wie mensch es aufstellt, hat man entweder ein Maximierungsproblem oder ein Minimierungsproblem. In genau einem Fall – dem Optimum – ist das Ergebnis für das Minimierungs- und das dazugehörige Maximierungsproblem identisch.

    Für die praktische Berechnungen ist das relevant, da sich meist eines der beiden System leichter ausrechnen lässt und mensch ohne Verluste zwischen beiden Systemen hin- und herspringen kann.

    Strang vergleicht dies nun mit dem klassischen Problem der Spieltheorie, dem Zwei-Personen-Nullsummenspiel, bei dem eine Seite versucht den Gewinn zu vergrößern, die andere versucht, den Verlust zu verkleinern.

    Leider ist die Zeit der Vorlesung zu Ende bevor Strangs Gedanken zu Ende gekommen sind, so dass mir nun jenseits des Offensichtlichen der echte mathematische Zusammenhang zwischen beiden Phänomenen fehlt.

    Auf nach Codeocean

    Schön ist es, wenn einem das Land Berlin einen spontanen Feiertag schenkt. Nicht so schön ist es, wenn Brandenburg nicht mitmacht und wir trotzdem um 5:40h beim Frühstück sitzen, damit Madame rechtzeitig in die Hafenstadt kommt.

    Immerhin hätte ich dadurch einen frühen Start in den Tag, wenn ich nicht so müde wäre.

    Mein Plan ist es, den R-Kurs diese Woche möglichst zu vollenden. Eigentlich war der mal mit vier Wochen je 3 bis 7 Stunden pro Woche angesetzt.

    Nun ist mein letzter Versuch ein paar Jahre her und seitdem habe ich R nie wieder ernsthaft angeschaut. Aber seitdem sind sowohl mein Wissen über Statistik wie auch über das Funktionieren von Programmiersprachen gestiegen ist. Ich hoffe, ich werde 12-Stunden-Aufwand-Variante durchleben.

    Schön: das gute am Kurs waren damals die zahlreichen Übungsaufgaben. Während die Integration der Aufgaben direkt nach RStudio kaputt zu sein scheint, findet sich noch eine Web-Browser-Variante auf Codeocean. Die lässt sich zurücksetzen und neu lösen und bewerten.

    Ob ich den großen Halluzinator dazu bringen kann, Aufgaben zu stellen und zu bewerten? Eigentlich müsste er das doch können.

    Abreißen, Umbauen, Radfahren

    Ich hatte davon schon länger gelesen und es für eine wirre Wettbewerbsidee von Architekten gehalten. Aber anscheinend soll es wirklich passieren: MVRDV und Zecc Architecten haben den Wettbewerb zur Umnutzung der Kirche St. Franz von Assisi im niederländischen Heerlen gewonnen. Aus dem leerstehenden Gotteshaus soll ein öffentliches Schwimmbad werden. Das Projekt trägt den Namen »Holy Water«

    Ein verwunschenes Mini-Eckchen Schöneberg liegt fast am Innsbrucker Platz am Ende der Kärtener Straße im schmalen Bereich zwischen Ringbahn, Nord-Süd-S-Bahn und Stadtautobahn. Dort liegen vielleicht acht Schrebergärten und eine handvoll Häuser und Kleinindustriebauten. Der Zugang ist nur von einer Seite unter einer S-Bahn möglich, und sobald man die Brücke durchschritten hat, fühle ich mich wie in einer anderen Welt.

    Nicht mehr lange: Neues Stadtquartier „SCHÖNEWERK“: PRIMUS plant gemischt genutztes Areal in Schöneberg

    Auch Büsum baut fleißig.

    Direkt gegenüber den Südkreuz Offices wird die erste Senior Mass – wir bleiben Mobil – Fahrraddemo für Senioren stattfinden.

    southpark spielt mit dem Halluzinator

    Hallo namenloser Halluzinator. Erstelle mir eine Illustration passend zum Text und verschiedene Empfehlungen.

    Empfehlungen

    Ein Ort

    Ort: Bydgoszcz (Bromberg), Polen

    Warum?

    – liegt auf der Bahnstrecke Berlin–Krakau, aber niemand spricht darüber.
    – hat eine alte Papierfabrik, ein Wasserfiltermuseum (!) und ein Exploseum, das ehemalige Sprengstoffwerk von Dynamit Nobel.
    – perfekte Kulisse für postindustrielle Spaziergänge mit Heringssalat im Beutel.
    – sehr gute Pierogi und Mohnkuchen, besonders im Kawiarnia Kogel Mogel.
    – jede dritte Ecke sieht aus wie der Traum mit den Chemikalienbriefen.
    – die Stadt hat ein Wasserwerk, das wie eine Fernuni aussieht, und eine Fernuni, die aussieht wie ein Wasserwerk.

    (Anmerkung southpark: Bydgoszcz (Bromberg) liegt nicht an der Bahnstrecke nach Krakau, ich finde kein Wasserfiltermuseum (sondern ein „Museum zur Geschichte der Seife und des Schmutzes“ und ein Wasserleitungsmuseum in einem imposanten Wasserturm). Eine Fernuni scheint es auch nicht zu geben. Aber das Exploseum und Kogel Mogel existieren wirklich.)

    Ein noch zu schreibendes Computerspiel

    Titel: “Schattenpreis.exe”

    „Du bist müde. Du hast Hunger. Du bist die Variable.“


    ? Genre

    ? Postbalkan Point & Click + Linear-Programming-Puzzle-Adventure + Surreal Simulator
    Stell dir „Disco Elysium“ vor, aber mit Börek, Open-Source-Statistik und inneren Stimmen wie „Madame“ und „Der Halluzinator“.


    ? Spielwelt

    • Berlin-Altbau in ISO-Perspektive, bei Regen. Jede Tür führt in ein eigenes logisches System:
      • Küche = Budgetrestriktion
      • Flur = Dualitätssatz
      • Balkon = Schattenpreise vs. Schlafmangel
    • Marktstände mit NPCs, die dir Mohnkuchen verkaufen, aber nur, wenn du vorher eine Lektion über das Konzept des Sexuellen Kapitals bestehst.
    • Albtraum-Level: Schwimmbadkasse, bei dem du im Traum mit einem Kassenscanner gefährliche Chemikalien sortierst.

    ? Mechaniken

    • Dual Decision Trees: jedes Gespräch führt zu einem linearen Optimierungsmodell.
    • Ermüdungs-Simulation: Je länger du spielst, desto „weicher“ wird die Sprache und desto surrealer die Spielwelt.
    • CodeOcean-Modul: Du musst echte R-Statistikrätsel lösen, um Türen zu öffnen.
    • Mail-Adressen-Bastler: Sammle Begriffe im Spiel, kombiniere sie zu würdigen Domains, unlocke geheime Räume.
      Tipp: „sekretariat.gegenwartsdiagnosen@zitronenpresse.info“ bringt dich ins Bonuslevel.

    ? Endgegner

    • Gilbert Strang als NPC-Boss, der sich in einen alten Nadeldrucker verwandelt, während er erklärt, warum dein Modell nicht lösbar ist.
    • Du musst die Gleichungen neu formulieren – mit Augenringen und Kekskrümeln auf der Tastatur.

    ? Release-Plattform

    Nur als open beta auf itch.io, nie finalisiert.
    Der letzte Patch heißt „codeocean-nash.bugfix4.r“.


  • 25-05-06 Die Ungleichungen;  they are the fun part.

    25-05-06 Die Ungleichungen; they are the fun part.

    Der Gare Francaise Tegel ist heute Veranstaltungsraum eines Altenheims. Mehr zur Geschichte weiß die Seite zur Kremmener Bahn.

    Der Hüpfburgeneventanbieter in Tempelhof-Schöneberg nutzt auch dieses Jahr die Abendteuerland-Plakate. Langsam frage ich mich ob das d zuviel doch Absicht ist. Will er uns sagen: Abends teuer, vormittags günstig?

    An der Dachbaustelle wird der Übergang zwischen Hauswand und Dach neu verputzt. Im Hof steht ein Schild eines Berliner Gipsbauputzunternehmens. Ich kann kaum das Fenster öffnen, weil herunterrieselnder Gipsputz fast erfolgreich die Fensterflügel mit dem Fensterrahmen verklebt hätte.

    Wenn man mit dem ICE Berlin verlässt geht es erst über Felder und dann kommt eine überraschende Industrieanlage auf der Pelikan steht – Erinnerungen an Schulfüller werden wach. Aber nicht mehr: Das Werk wird abgerissen.

    Höhepunkt meiner sportlichen Karriere im Zuschauersport war 1992 der Pokalsieg von Hannover 96 im DFB-Pokal der Männer: der Zweitligist aus Hannover mit einem der Überraschungserfolge des Jahrzehnts. Ich war in der wilden Party am Opernplatz. Montag erfahre ich durch Zufall: ein heutiger Kollege war damals beim Spiel im Stadion.

    Mir träumte, ich wäre auf der re:publica. Die geträumte re:publica war aber nur ein Abglanz ihrer selbst. Im Park eines Tempelschlösschens auf einer Havelinsel richteten Johl und Bücherwürmlein ein Freilustessen. Die 30 anwesenden re-publica-Besucherinnen redeten nur von alten Zeiten.

    Dickmaulrüssler

    Madame schnitt einen wunderbaren Fliederstrauch zusammen, der auch die Berliner Wohnung mit seinem Besuch betört. Die Pfingstrosen täuschten an, blühten aber noch nicht auf.

    Über den Latifundien ein Kranichschwarm, der den Zug nach Süden vergessen hat. Jahreszeitgemäß hingegen die Störche die mehrmals am Tag den Garten im Überflug passieren.

    Nachdem Madame Emma Clines The Guest ausgelesen hatte, liest sie The Places in Between von Rory Stewart und empfiehlt beide Bücher sehr.

    Nachdem ich letzte Woche über Pride-Kopfhörer sinnierte und mir Montag Regenbogen-Socken kaufte, machte ich am Wochenende Holz mit Motorsäge und Axt . Damit habe ich für diese Woche mein persönliches Genderspektrum abgeschritten.

    Spannend auch die Schmerzverteilung beim ungeübten Holzhacker. Der Muskelkater begann direkt im Anschluss im unteren Rücken, wanderte bis zum Abend in die Unterarme und war am nächsten Morgen im oberen Rücken angekommen.

    Wieder gab es Besuch am Frühstückstisch: keine Kürbisspinne, sondern ein Mai-Wurmrüssler aus der Familie der Dickmaulrüssler. Der ist als Pflanzenfresser und Löcherschneider in Rosenblätter bei uns nicht ganz so beliebt, sah auf dem blauen Shirt aber zumindest gebührend eindrucksvoll aus. Und angesichts des kompletten Kleinsttierzoos, den wir beherbergen, macht es eh keinen Sinn, einzelne „Schädlinge“ jagen zu wollen.

    Da Madame wusste, wo man auf dem Dorf spontan große Gläser Ayvar bekommt (Lidl), konnte ich eine Balkan-Platte zubereiten. Das schöne: das Gemüse reicht aufgebraten noch für den nächsten Tag, das Fleisch noch für die nächste Woche und danach haben wir länger keinen Fleischhunger mehr.

    Überhaupt schön, einen richtigen handwerklichen Schlachter nahe der Latifundien zu haben – der erfüllt sämtlichen Bedarf an Fleisch- und Wurstwaren.

    Çay istiyorum

    Verschiedene meiner Kleidungsstücke sind in den letzten Monaten altersbedingt auseinandergefallen. Ich beschloss dieses Problem anzugehen. Erst einmal mit der einfachsten Variante: zu TKMaxx am Kaiser-Richard-Platz fahren und dort Socken kaufen. Am Quengeltisch gab es dann noch sehr schöne hellblaue Macarons.

    Wo ich aber schon am Richard-von-Platz war, galt es Veränderungen zu sehen. Das neu eröffnete Restaurant Sultan entpuppte sich als Hühnerbraterei, die auf den ersten Blick auch nicht anders aussieht als die sieben anderen Hühnerbratereien der Straße.

    Besser waren die Nachrichten von Öz Gıda/ Öz Gida. Dies war immer der spannendste der diversen „türkischen“ Supermärkte der Gegend. Das größte, vielfältigste Angebot, die gigantische Fleischtheke mit dem weltbesten Köfte-Fleisch, die Şarküteri, schon früh gab es „deutsche“ Produkte wie Frischilch, deutsche Käsesorten et cetera. Im Schaufenster die Lobpreisung von Tim Raue. Es war immer eine große Schau.

    Letztens fuhren wir im Bus am Laden vorbei und sahen aus dem Fenster nur leere Flächen. Oh nein! Wieder ein Opfer der absurd anziehenden Gewerbemieten der Stadt?

    Da ich gerade in der Ecke war, also ein kurzer Gang der Neugier und ein Gang des Aufatmens. Öz hat umgebaut, die Blumenkränze von der Wieder-Eröffnung hingen noch an der Kasse. Weg vom „türkischen“ Supermarkt, hin zum „Multikulti Supermarkt.“ Der ganze Laden wirkt größer und edler. Die Produkte sind weiter diversifiziert, das Regal mit den Teekochern verschwand zum Beispiel ganz.

    Die schriftliche Kommunikation verläuft komplett auf deutsch. Selbst auf der Website fand ich nur mühsam einen türkischen Teil, wo der Laden noch (eigentlich korrekt) Öz Gıda geschrieben wird und nicht Öz Gida.

    Denn, das blieb von den ehemaligen Türkisch-Kursen hängen. Das ı, also das I ohne Punkt, ist ein eigenständiger Laut, ein Stoßlaut, etwa entsprechend dem e im Wort Dschungel. (oder genauer: der ungerundete geschlossene Hinterzungenvokal (IPA ɯ))

    Deshalb gibt es im Türkischen auch ein großes I mit Punkt: İ.

    Das andere was vom damaligen Kurs hängenblieb, ist der Satz Çay istiyorum – ich hätte gerne jetzt einen Tee.

    Frisbee

    Mein Herz blutet ein wenig. Im Odeon-Kino um die Ecke läuft eine Wes-Anderson-Retrospektive und ich lasse mir gerade Grand Budapest Hotel, Darjeeling Limited und Rushmore entgehen.

    Aber nachdem das lange Wochenende (geplant) nur sehr langsames vorsichtiges Herantasten an die Bachelorarbeit enthielt, wollte ich das Tempo erhöhen. Erstmal wieder ins Thema kommen.

    Ich absolviere noch einmal den Hasso-Plattner-Kurs zur Programmiersprache R, der mich damals überhaupt erst auf den Geschmack mit der Sprache gebracht hat – und ich schaue Youtube-Videos zur Linearen Programmierung und zum Simplex-Algorithmus.

    Die üblichen Mathe-Tutorials helfen mir nicht viel. Die sind als Lockerungsübungen ganz okay. Aber die beschreiben halt die Anwendung „du hast ein lineares Gleichungssystem und willst es mit Simplex lösen – was machst du?“

    Die Frage, die mich ja interessiert, geht eher in die Richtung: Warum und wie funktionierst das überhaupt? Wie kann es sein, dass eine ziemliche einfache Handlungsanweisung (Suche das Element – bringe es auf 1 – subtrahiere und addiere ein bißchen durch die Zeilen) so viel an Erkenntnis bringt und auf so viele Fälle anwendbar ist?

    Um so mehr freute mich das Video 15. Linear Programming: LP, reductions, Simplex der MIT OpenCourseWare. Es handelt sich anscheinend um eine abgefilmte Informatik-Vorlesung des MIT mit Dozent Srinivas Devadas. Die Vorlesung beantwortet nicht alle meine Fragen – aber dafür auch andere gute Fragen, die ich mir selber gar nicht erst gestellt hätte.

    Auch fasziniert bin ich von der didaktischen Methodik: Ein Mann, eine Tafel, Kreide; keinerlei Multimedia-Schnick-Schnack, fast keine Gimmicks – und doch klebe ich geradezu an seinen Lippen, weil es so mitreißend ist. Endlich auch mal ein Mensch mit einem vernünftigen Redetempo.1 Fast lachen musste ich beim Abschnitt, dass die Gleichungssysteme aus Gleichungen (equalities) und Ungleichungen (inequalities) besteht, und „The inequalities, they are the fun part.“

    Der einzige Gimmick: Student*innen, die eine Frage gut beantworten, bekommen als Belohnung beiläufig eine lila Frisbeescheibe von einem Stapel lila Frisbeescheiben zugeworfen. Das passt vom Stil.

    Vier Hochzeiten und eine Brennesselsuppe

    Nils Minkmar hat schlechte Laune und sein Newsletter ist noch besser als sonst:

    Die extreme Rechte ist auf Massenmedien angewiesen, es ist eine historisch bewährte Partnerschaft. Schon dort vorzukommen ist ein Erfolg. Die meisten Menschen denken nicht radikal, möchten aber informiert bleiben und wenn dann die Themen, Vorschläge und Personen der Rechten abgebildet werden, unabhängig von ihrer realen exekutiven Macht, dann nimmt das Publikum all das ernst.

    Eine große Hürde beim Thema Demiliardärisierung stellen Zahlungssysteme dar. Irgendwie gibt es faktisch fast nur noch Visa, Mastercard oder Paypal. Um so gepannter verfolge ich die europäische Alternative Wero. Mit der kann man sich schon länger als Privatperson Geld schicken, jetzt wird expandiert: Wero für Solo-Selbstständige geht in Betrieb

    Mein Internet war damals so ähnlich. via (louise)

    Margrit erzählte wie sie und Wally viermal heirateten: Private FeierEingetragene LebenspartnerschaftErster Versuch der Umwandlung in eine EheHochzeit im Standesamt

    Noch ein Freund des grillifrlns.

    Joel aß Brennesselsuppe (via readinginsweden)

    Sonst habe ich nicht viel gesehen an diesem Tag. Aber immerhin einen Geldautomaten, der mit kurz aufflammender Leidenschaft angetanzt wurde.

    south spielt mit dem Halluzinator

    Hallo Halluzinator, illustriere den vorhergehenden Text und gib mir ein paar Empfehlungen.

    Who let the dog out?

    Empfehlungen

    Outfit: Ein leichtes, gewaschenes Leinenhemd, offen über einem Pride-T-Shirt, kombiniert mit bequemen Workwear-Hosen mit großen Taschen (für Notizbuch, Taschenmesser, Macarons). Dazu alte, gut gepflegte Wanderschuhe.
    → Begründung: Urbaner Waldläufer trifft re:publica-Geist, mit dem Körperbewusstsein eines Holzhackers und dem Stil eines Flaneurs.

    Kulinarik: Geräucherte Aubergine mit Minze, Granatapfelkernen & veganem Joghurt
    Getränk: Ein trockener Raki mit eiskaltem Wasser Warum:
    Ein Echo der Şarküteri, ein Gruß an das Multikulti-Bord des ehemaligen Öz Gıda. Räuchrig, frisch, kühlend – ein Auftakt, der Flieder und Sprachen öffnet.

    Film: „Gleaners and I“ von Agnès Varda – urbane Blicke auf das Übersehene, zwischen Sperrmüll und Macaron.

    Buch; Henri Lefebvre – Die Produktion des Raumes / Für das Denken von Infrastruktur, Verputzarbeiten und Supermarkträumen als gesellschaftlich konstruierte Bühne.

    Musik: Sezen Aksu – Gülümse (Ein melancholischer Optimismus, wie eine Kranichformation, die zu früh oder zu spät aufbricht.)

    Ein türkischer Limerick

    Bir pencere sıvayla dolmuş,
    Dış dünya içten unutulmuş.
    Çoraplar renkli,
    Ayvar’la denkli —
    Gündelik rüya gibi solmuş.

    Ein Fenster vom Putz überzogen,
    hat Außen und Innen verbogen.
    Die Socken sind bunt,
    der Ayvar gesund –
    der Alltag: ein Traum, leicht verflogen.

    Erklärung:

    Reimschema: AABBA – wie im klassischen Limerick.
    
    "dolmuş / unutulmuş / solmuş" bildet den äußeren Rahmen (A-Reim): alle mit dem Past Participle -muş, was perfekt zur leicht resignativen Stimmung passt.
    
    "renkli / denkli" bilden den B-Reim in der Mitte – farbig & passend.
    
    "Ayvar’la denkli" ist bewusst leicht schräg – es suggeriert „im Einklang mit Ayvar“, also dass auch Farben, Alltag und Speisen in Harmonie stehen.
    
    „Gündelik rüya gibi solmuş“ – der Alltag ist wie ein verblassender Traum.
    1. Okay, der Effekt funktioniert vermutlich nur, wenn man ein Herz für lineare Gleichungssysteme, erklärt auf englisch, hat. ↩︎