Schlagwort: Mr. Darcy

  • 26-03-31 Mr. Darcy treibt kräftig

    26-03-31 Mr. Darcy treibt kräftig

    Wal, da liegt er.

    2026 gibt sich mit Buckelwal und beißendem-Wolf-bei-IKEA bereits im Frühjahr mehr Mühe im Bereich nachrichtenwürdiger Großtiere als manches Jahr im Hochsommer. Aber auch: Eine Nachrichtensendung in der ein Buckelwal in der Ostsee und Wölfe in der Hamburger Innenstadt vorkommen, schreit danach, Hintergrundgeräusch in den ersten fünf Minuten eines apokalyptischen Films zu sein.

    Und das noch vor dem Politikteil.

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    Streitpunkt mit Madame: Zählt „den anderen Ausgang am S-Bahnhof nehmen“ schon als Mikroabenteuer? Was sagt ClipClop dazu?

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    Montagmorgen am S-Bahnsteig schaute ich schon mal in das Handy. Generell bin ich sehr beeindruckt von der karibischen Schweizerin, halte sie für das beste was einem an Kollegin passieren kann und bewundere sie in vielerlei Hinsicht. Aber in diesem Moment dachte ich nur: „Meine Güte, Mädel, wie kann man Montagmorgen schon so motiviert sein?“ Beziehunsgweise dachte ich eher „Mgmmlknmnmthmotirtmm!“. Das sind Uhrzeiten, in denen ich selbst geistig noch nicht artikulationsfähig bin.

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    In der S-Bahn eine Frau, die ihr Handy in metallicrosa Hülle direkt an ihr metallicrosa Kopftuch hielt. Innerlich pfiff ich anerkennend.

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    Südkreuz. Rolltreppe. Mit April Lavigne: Can I make it more obvious?

    Blick auf einen Bauzaun, hinter dem das brandneue Folienbild einer Rolltreppe zu sehen ist.,

    Es war der Sonntag der zwei Gärten und ein Arbeitsmontag der Rinderlappen.

    Bleek und wie er die Welt sah

    Der Jazz-Noir-Film Mo‘ Better Blues vom letzten Donnerstag spukte mir weiterhin im Kopf herum. Wie kann ein Film, der so intelligent gebaut ist, an einzelnen Stellen so doof sein? Das ergibt keinen Sinn.

    Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr stolperte ich über das Ende. Das ist in den doofen Schleifen des Films ganz besonders doof. Das kann nicht aus Versehen passiert sein.

    Das Ende muss der Schlüssel sein.

    Deshalb rekapitulierte ich: Ungefähr bei 80% der Filmlaufzeit ist Protagonist „Bleek“ Gilliam am Ende: Frauen weg, Band weg, Gig weg und er selbst so übel zusammengeschlagen, dass er nie wieder richtig trompeten wird. Dann kommt die sagenhafte Wendung, in der er innerhalb von zwei Minuten vom Tiefpunkt seines Lebens mit Hilfe purer Aufdringlichkeit zu Frau, Kind und einem Bilderbuchleben kommt, das genau seiner Kindheit entspricht.

    This cannot be real

    Und wenn es nicht real sein kann, ist es vielleicht Einbildung? Ist es das Traumbild von Bleek? Das er sich ausmalt?

    Ist es vielleicht der Punkt, an dem er die Realität nicht mehr verklärt, sondern komplett in Tagträume abdriftet. Schildert der Film die Realität gar nicht mehr als „objektiver Beobachter“ sondern zeigt er quasi das, was in Bleeks Kopf vorgeht?

    It’s just a dream

    Voraus dann der nächste Gedanke folgt: Wenn der Film am Ende quasi Bleeks geträumte Version der Geschichte zeigt, kann das auch am Anfang sein? Zu der Zeit als er noch nicht in Tagträumen lebte, aber offensichtlich eine ziemlich verklärte Sicht von sich und der Welt hatte?

    Dann würde vieles mehr Sinn ergeben: Die karikaturenhaftigkeit mancher Nebenfiguren. Die Tatsache, dass alle Frauen nie miteinander, sondern immer nur mit ihm reden. Sowieso, wie sehr die komplette Filmwelt um ihn herum kreist. Das ergibt überraschend Sinn.

    Ich müsste den Film noch einmal sehen, um diese These zu überprüfen. Also spätestens 2046 wenn er wieder mal in einem Kino gebracht wird.

    Zwei Gärten

    Hamptons der Mittelmark

    Unter ernsthaften Gärtnern ist die Forsythie eine Art André Rieu des Pflanzenorchesters. Plakativ, platt, ohne jede Tiefe, und ein One-Trick-Pony. Dementsprechend ist sie ähnlich beliebt unter Gartenfachleuten wie Rieu unter Musikkritikern. Aber wie auch der Rieu – die Menschheit liebt sie.

    Ungleich Rieu allerdings mögen wir sie auch. So ein strahlendes Gelb, gerettet mit Hilfe eines Ablegers aus dem Schöneberger Hinterhof, bringt sie die ganze Ecke aus Totholzstapel, dunkler Nachbarsfichte und bräunlich-grünen Wiesenresten aus dem Vorjahr zum Leuchten.

    Während die Narzissen langsam eine nach dem anderen die Köpfe ausstrecken, der Blattpflaum des Zierapfels einen Bartwuchs eines Vierzehnjährigen erinnert und die Rosen noch mit Austrieb vollbeschäftigt sind (selbst der kleine Mr Darcy) leuchtet sie schon wie eine Rolltreppenwarnabsperrung: Hier bin ich! Und es wird Frühling!

    Dann sehen wir: Beet 2L entwickelt sich zum Königskerzenwald. Weitere ungeahnte Schachbrettblumen treiben aus. Die Hummeln mühen sich in den Regenpausen ab,

    Wochenend-West

    Das Forsythienleuchten bedeutet aber auch: Die Exkursion nach Wochenend-West stand an. Auch dort stehen Obstbäume und Rosen, die geschnitten werden wollen. Auch wenn dort, Sandboden, halb im Wald, quasi alles anders ist als auf unserem sonnengefluteten Lehm, die Rosen wachsen hier wie dort.

    Wie bewunderten den neuen Zaun (kein Jägerzaun mehr, denn wie der Berliner sagt Jägerzaun = Jekreuzt), ebenso wie die neue Treppe. Wir informierten über Familienmitglieder, hörten uns News zur Fast-Triest-Reise an und zu den Problemen der Internet-Reisebuchung. Am Ende gab es Pilzsuppe, Gemüsequiche und wie immer den spirituellen Geist eines Asterix-Gelages am Lagerfeuer.

    Blick nach oben in die Brandenburger Nadelbäume. Dazu strahlendblauer Himmel.

    Pilze sind keine Pflanzen, sonst wären es ja Pflilze

    Gegessene Gemüsesorten zu zählen ist zugegebenermaßen eine hochgradig alberne Angelegenheit. So wie vieles im Leben. Erwerbsarbeit zum Beispiel. Aber hier wie dort, gilt: Die Albernheit läuft zur höchsten Form auf, wenn mensch sie in Regeln gießt.

    Wenn ich also die 30-Pflanzen-Challenge durchspiele, möchte ich halbwegs klare Regeln haben, was eine Pflanze ist und was nicht. Etwas Recherchen erbrachten den Ursprung der Angelegenheit: 10.000 Citizen Scientists schickten Stuhlproben und Ernährungslisten an Ernährungswissenschaftler und nach einigen Statistikskripts (RStudio?) und etwas Magie, entstand die Zahl von 30 notwendigen Pflanzenarten, die Citizen Scientist essen muss für die optimale Stuhlprobe.

    Es gilt:

    • Pilze sind Pflanzen (An dieser Stelle atme ich einmal gut hörbar ein.)
    • Verschiedenfarbige Gemüse zählen mehrfach. Also zum Beispiel Rote und Grüne Paprika.
    • Es geht vor allem um die sekundären, obskuren Inhalte. Wenn die noch vorhanden sind (Kaffee, Fermentiertes, Vollkornmehl) zählt das Lebensmittel. Wenn es zu stark verarbeitet ist, zählt die Pflanze nicht (Zucker, Weißmehl).
    • Es muss eine erkennbare Menge sein. Die ist bei Kartoffeln größer als bei Kurkuma, aber es muss schon echter Bestandteil der Mahlzeit sein, nicht der siebzehnte Zusatzstoff auf der Inhaltsangabe.

    Und nach all‘ der Vorrede zähle ich weiter für diese Woche:

    • 30 – Orange (Snack)
    • 31 – Feldsalat (Mittagessen)
    • 32 – Kumquat (Abendessenauftakt Wochenend-West)
    • 33 – Grüner Salat (Abendessensalat Wochenend-West)
    • 34 – Radieschen (Abendessensalat Wochenend-West)
    • 35 – Schnittlauch (Abendessensalat Wochenend-West)
    • 36 – Stangensellerie (Abendessensalat Wochenend-West)
    • 37 – Salbei (Pilzsuppe Abendessen Wochenend-West)
    • 38 – Champignons (Pilzsuppe Abendessen Wochenend-West)
    • 39 – Petersilienwurzel (Gemüsequiche Abendessen Wochenend-West)
    • 40 – Erdnuss (Erdnussmus, Frühstück)
    • 41 – Blauschimmel (Im-Käse-Lebenwesen, Frühstück)
    • 42 – Pak Choi (Hot Pot Friedrichshain)
    • 43 – Chinakohl (Hot Pot Friedrichshain)
    • 44 – Grüne Paprika (Hot Pot Friedrichshain)
    • 45 – Brokkoli (Hot Pot Friedrichshain)
    • 46 – Blumenkohl (Hot Pot Friedrichshain)
    • 47 – Diverse chinesische Pilze, die ich im Leben nicht benennen könnte (Hot Pot Friedrichshain)

    Viele Pandas

    Letzte Woche noch im Kino, heute schon mit uns im Hot-Pot-Restaurant-in-der-leblosen-Mall: Jazz Musiker*innen.

    Auch wenn die Spike-Lee-Versionen im Kino noch cooler waren als die Friedrichshainer vor uns, und außerdem Musik machten, waren die beiden vor uns die sehr viel bessere Wahl: Umgänglich, eine Freude für ihr Umfeld und einfach tolle Menschen. Im Leben siegt toller-Mensch-sein vor Coolness.

    Wir saßen im Ruyixuan Hot Pot Restaurant in einer Deko aus Plastikpandas, roter atmosphärischer Beleuchtung, um uns herum, viele Menschen, die ich nach China verorten würde. Eindrucksvoll die Frau mit dem spektakukären Blumen-Hemd unter dem rückenfreien Top, das sich beim zweiten Gang als Tatoo herausstellte.

    Gut, dass ich kein Mandarin kann: das eindrückliche Ohrwurmpotenzial des zuckersüßen Chinapops entfaltete sich weniger, wenn keine Wörter stellte.

    Schnell stellte sich die Frage: Wie authentisch ist zu authentisch?

    Wir hatten vor uns den typischen Hot-Pot-Tisch in dem Tomaten- und Pilzbrühe1 eingelassen waren, und konnten ans Buffet gehen. Dort lagen, hm, vermutlich Tierteile, die ich weder einem Tier noch einem bestimmten Teil eines Tiers hätte zuordnen können – nur Muskelfleisch war das nicht. Am Rand des Buffets standen 10 Schilder „Schichtdarm, Rinderlappen, Rindfleischkugeln, Entenfüße..“ und wir konnten raten, welches Schild zu welchem Teil gehört. Spannender wurde es in der Abteilung „aus der See“. Da sind die Tiere kleiner, manchmal war raten besser, aber so einiges war nur für den abenteuerlustigen Europäer.

    Glücklicherweise waren unbeholfene Europäer nicht die Hauptzielgruppe, aber auch vorgesehen. Nudeln, vielerlei Gemüse, vielerlei Pilze, Rindfleisch(muskel) und die nicht ganz so extravaganten Fleisch- und Fischstücke von „Ente“ bis zu „Hm, mal schauen“ ergaben ein köstliches Essen, dass sich wie es sich gehört über gesprächsreiche Stunden hinzog.

    Land-Grazien und Nagerteppiche

    Verbrennt die Handies. Denn quasi jeder Mann, der in der Beziehung Gewalt ausübt, dauerüberwacht seine „Partnerin“ auch per Tracking-App auf dem Handy. Das ist so ein Punkt in dem ich mich frage, ob das all‘ das nette, was Handies gebracht haben, die Opfer an anderem Ort wert sind.

    Im Deutschlandfunk sprach Miriam Peters vom Verein Land-Grazien über die Probleme, auch nur mit diesen Frauen zu reden ohne dass ihr Schläger es mitbekommt. Und noch über vieles Andere, was ich so prinzipiell weiß, dass es stattfindet – so im Detail ist es aber doch eine andere Nummer. Das ist hörenswert, und wird noch eindrucksvoller, weil Peters selbst auch nach allem was sie gehört und gesehen hat, immer noch lebendig und optimistisch auf die Welt sehen kann.

    Und Baustellen. Schwimmbäder. Rolltreppen. Demokratie erodiert nicht spektakulär. Sie verliert im Alltag. Verwaltung entscheidet Demokratie. (via)

    Holger spleisst: Mein erster Augspleiss.

    Holger lernte spleissen. Ich lernte: Frau kann Nagerteppiche abonnieren.

    Doch mal Wuthering Heights lesen.

    Der Tag, an dem mein Herz stillstand – 6 Monate später.

    Anmerkungen

    1. „die nach den Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin zubereitet wird, um die Durchblutung zu fördern und das Immunsystem zu stärken“ ↩︎
  • 25-05-03 Maibock. Und noch einer.

    25-05-03 Maibock. Und noch einer.

    Laut Verfassungsschutz ist die AfD gesichert rechtsextrem. Ein Teil von mir will mit der Schulter zucken und mit Louis de Funes sagen „Nein! Doch! Oh!“. Ein anderer Teil von mir kann vage Einschätzen, welchen Unterschied diese Einschätzung auf das handeln staatlicher Stellen hat, und findet die offizielle Einordnung gut.

    Leider ändert das nichts am Problem, dass ein beträchtlicher Teil meiner Landsleute denkt „Rechtspopulistisch, Rechtsextrem, mir alles egal.“

    Der grillifrln existiert wirklich. Das sagen zumindest meine Notizen. Und diese lügen nicht. Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, was der grillifrln ist.

    Auch aus den Notizen: Was ist heute im Gare Francaise in Tegel?

    Madame ließ sich von Frank Zemke Metallbau Ronden erklären.

    Zio macchina war da. Wir unterhielten uns unter anderem lang über verschiedene VW Bullis und Hotelparkplätze in Genua.

    Die Kabanen im Sommerbad am Insulaner existieren noch. Leider werden sie gerade renoviert, und so lange sie renoviert werden, werden sie nicht vermietet. Im Zusammenspiel aus Kabanen-Enttäuschung, warmen Duschen, die auch in Renovierung sind, 18,9 Grad Wassertemperatur und dräuendem Unwetter verzichtete dann sogar ich auf den Badbesuch.

    Gar nicht mehr existiert der samstägliche Dorfbäcker mit seinem Auto. Dem kam vermutlich im Winter zu wenig Laufkundschaft.

    Geister-Regio

    Als guter Wahlpreuße zelebrierte ich keineswegs St. Brück, sondern begab mich Freitag von den Latifundien aus in die Südkreuz Offices.

    Nachteil: Aufstehen mitten in der Nacht.

    Vorteil: Als wir uns auf dem Plattenweg durch die Felder begaben, hoppelte neben uns im Raps ein Rehbock. Ein Sprung: Kopf, Schulter und Rücken tauchten aus dem Raps aus. Die Landung: der Rehbock war wieder verschwunden. Rehbock – kein Rehbock – Rehbock – kein Rehbock. Ein echter Maibock.

    Weiterer Vorteil: Im späten Sonnenaufgang am Dorfbahnhof stehen und feststellen, dass am Bahnhofsgebäude Schwalben nisten. Unter dem Schwalbenschwarm bei rosa Sonne – es gibt schlimmere Beginne eines Arbeitstags.

    Prignitz-Express und S25 waren fast-Feiertags-angemessen angenehm leer.

    Spannend: Der junge Mann, dessen schwarzer Anzug mit weißen Hemd deutlich zu festlich für eine 7:30h-S-Bahn wirkte. Später sah ich ihn mit Feuerwehr-Berlin-Uniformjacke und Namennschild am Anzug. Gerne wüsste ich die Geschichter dahinter.

    Spannend auf der Rückfahrt: Die Vierergruppe Jugendlicher/Jungerwachsener, offenbar zusammengehörig, von denen drei so aussahen als wären sie auf dem Weg zum Chillen im Park. Die vierte wirkte im Kleid mit Stöckelschuhen und aufwendigem Make-Up als wäre ihr Ziel ein Sommerempfang der schwedischen Botschaft. Auch hier wüsste ich gerne die Geschichte dahinter.

    Der Bahnhof Südkreuz lernte aus Paris und brachte den ganzen Tag über gute Bahnhofspianisten zutage Durch eine Verkettung von Umständen lernte ich in der MIttagspause einen Regionalbahnschaffner kennen, der in Bereitschaft war, und keine Lust auf den Pausenraum hatte.

    Fast wäre dieser Arbeitstag ziemlich perfekt gewesen. Leider musste ich auch arbeiten. Deutlich zuviel für einen Brückentag. Unter anderem schon wieder der Klassiker: KuK, die den Konferenzraum kaputtgespielt hatten.

    Der Rückweg dauerte doppelt so lang, beinhaltete eine S-Bahn, die auf der Strecke nicht mehr weiterwollte, und einen Regio, der auf der Strecke nicht mehr weiter wollte – angesichts des schwülen Tages und beidseitiger Erschöpfung, begann der Abendeinkauf etwas holprig, endete am Ende aber sehr erfreulich mit Ayvar, diversem Gemüse, alkoholfreiem Bier und runtergesetzten Ostersüßigkeiten.

    Sea Song Strange Fruit

    Manchmal braucht es 51 Jahre für Entdeckungen,

    Zufällig stolperte ich Robert Wyatts Sea Song von 1974. Meine vagen Robert-Wyatt-Assoziatonen sagen „Sehr schöne Musik, kämpferisch-politische Texte“, und dann lief Sea Song, und ich fragte mich was los ist. Das passte schon fast mehr in das Atelier Neuer Musik im Deutschlandfunk als nach Top of the Pops. Eine Art Liebeslied an eine Kreatur „It’s your skin shining softly in the moonlight – Partly fish, partly porpoise, partly baby sperm whale“, musikalisch und textlich in Auflösung begriffen.

    Das Internet informiert mich: Eröffnungssong des bahnbrechenden Albums „Rock Bottom“. Veröffentlicht kurz nachdem Wyatt durch einen Balkonsturz querschnittsgelähmt wurde – die Gelehrten streiten, ob der Song vor oder nach dem Sturz entstand.

    Sea Song wie auch das Album werden sowohl von Björk wie Thom Yorke (Radiohead) wie Brian Eno oder Anohni (ehemals Anthony und die Johnsens) immer wieder als prägender Song und prägendes ALbum ihrer Musikkarrieren gehandelt. Neu vertont unter anderem vom North Sea Radio Orchestra – das selber spannend ist1.

    Eine neue Musikwelt tat sich auf.

    Eher unheimlich hingegen war Klassik, Pop et cetera mit dem Kulturwissenschaftler Philipp Felsch – der war schon zu sehr Bruder im Geiste von mir. Wir wurden im selben Bundesland drei Jahre auseinander geboren. Nicht nur, dass wir beide seit einem US-Austausch innerlich einen 17jährigen Amerikaner mit uns herumführen, auch unsere Themen, Merve-Verlag, Habermas, US-Musik-Pop-Kultur sind sehr ähnlich. So verwundert es nicht, dass auch seine Musikauswahl von Strange Fruit bis Tom Petty nahe der meinen gekommen wäre.

    Ein-Blüten-Stacheldraht

    Mr. Darcy zeigt Lebenszeichen. Nicht der fiktionale aus Pride and Prejudice, sondern die gleichnamige Rose in unserem Garten. Die Totgeglaubte treibt aus.

    Zum Frühstück besuchte uns eine kleine grüne Kürbisspinne, die auffallend auf meinem hellbeigen Hut herumlief.

    Regen und Sturm begannen die Apfelbüte zu beenden. Beim Rasenmähen streifte ich tiefsitzende Äste von James Grieve. Mir rieselten Apfelblütenblätter ins Shirt – full sensual Mäh-Experience.

    Dafür zeigen die Ginster rote (Ost) bzw. gelbe (West) Blütenansätze. Keine weitere Mohnblüte tauchte auf, aber jede Menge Knospen. Das wird spektakulär.

    Der Rehbock kam nochmal. Wir aßen friedlich Erdbeer-Stracciatela-Kuchen von Bäcker Plentz, als er direkt vorm Zaun auftauchte. Vielleicht einen Meter von der Grundstücksgrenze entfernt, direkt in inserer Sichtlinie. Er begab sich zum Kompost, schaute sich immer wieder um, fraß, ließ sich durch uns – mucksmäuschenstill – nicht stören. Der zweite Maibock.

    Der Stacheldrahtrose hat die letztjährige Kur gut getan.

    Hadern und Kaufen

    Hanjo las Richard Powers „Das große Spiel“Wie es ist, als reicher, kluger Mensch erkennen zu müssen, dass die Demenz immer größere Bereiche des eigenen Lebens übernimmt und alles Geld und Wissen den Prozess nicht aufhalten können.

    Poupou liest Modul 2B LE1 : Möglicherweise sind Medien das Wesen des Unterrichts und damit auch der Didaktik.

    VISA schlägt autonomes Shoppen vor. Man gibt seiner KI ein Kreditlimit und bestimmte Produkte vor, und die KI kauft selber. Via Thomas Gigold.

    Andrea Karminrot hadert noch mit der KI.

    Thomas Gigold betreibt nicht nur Uberbloggr sondern jetzt die BloggerRolle.

    Da fuhren wir letzte Woche noch mit der Bahn von Mannheim über Weinheim – Kaiserslauter – Saarbrücken , da bespricht John schon die entsprechende Strecke in Train Sim World.

    south spielt mit ChatGPT

    Hallo namenlose KI. Gestate mir eine Illustration und diverse Empfehlungen zu oben stehenden Blogtext:

    Empfehlungen

    Outfit: Lila Fischerhemd, Shorts aus gewachster Baumwolle, rote Gummiclogs – für Gemüse-Einkäufe in der Dämmerung.

    Kulinarik: Warmer Linsensalat mit Minze und Ayvar, dazu alkoholfreies IPA.

    Film: Tony Takitani (Japan 2004) – Reduktion, Verlust, Poesie – wie Apfelblüten im Shirt.

    Musik: Anohni – Hopelessness – lyrisch, verzweifelt schön, wie Sea Song mit Wut.

    Sachbuch: Richard Sennett: Die offene Stadt – Soziologie mit Sinn für Urbanität und Melancholie.

    1. Unter anderem weil sie ihre Karriere in den mittelalterlichen KIrchen der City of London begannen – die für mich wieder zu den spannendsten Gebäuden Europas gehören. ↩︎
  • 24-12-24 Samstags steht unser Wasserspielzeug DOGGY zur Verfügung

    24-12-24 Samstags steht unser Wasserspielzeug DOGGY zur Verfügung

    Schlafen, schlafen nicht mehr ganz so müde. Der Kalender gönnt uns drei Tage zwischen den Zeiten – nicht mehr Alltag, aber auch noch nicht Weihnachten – und diese wirken wie ein langsames Ausatmen über 72 Stunden.

    Von beiden Seiten schwappt es herein in diese Tage der unwirklichen Schwerelosigkeit. Die Downton-Abbey-Filme auf DVD fühlen sich weihnachtlich ein. Ebenso der wiederentdeckte Sherry zum Roman. Paketeinpacken und ein letzter Gang in den Supermarkt gehören noch in die Rubrik Alltag. Die letzten verschollenen Pakete tauchen auf. Noch sind nicht alle angekommen, aber bei den Übrigen wissen wir immerhin ungefähr wo auf dem DHL-Weg sie sich befinden.

    Innerlich überschlage ich kurz Seminar- und Klausurtermine und denke, dass ich eigentlich dafür etwas tun müsste. Aber zu kostbar erscheinen mir diese Tage des Schwebens zwischen den Zeiten.

    Mehrere Tage hintereinander las ich konzentriert ein Buch – wann passierte dies zuletzt? Weiterhin in Olga Tokarczuks Jakobsbüchern, die sich langsam dem Ende nähern. Die Protagonisten werden alt, die neue Welt, die sie um sich herum erleben, ist nicht mehr die Welt des Buches, nicht mehr wirklich die ihre.

    I feel like I am living on another planet now – sagt die Dowager Countess of Grantham im Downton-Abbey-Film – Everybody does, lautet die Antwort, you only need to live long enough.

    Ich las Nils Minkars Newsletter und über Deutschland und Frankreich und das Elend der jeweiligen Politik; kurz darauf „Schleswig-Holstein. Die Kulturzeitschrift für den Norden.“ mit einem Portrait von Carl Friedrich Cramer – deutscher Intellektueller zur Zeit der französischen Revolution. Er war Übersetzer von Schiller ins Französische und Übersetzer von Rousseau und Diderot ins Deutsche – glühender Anhänger der französischen Revolution, aus Kiel vertrieben nach Paris und am Ende in Frankreich politisch so heimatlos wie in Deutschland. Ein Minkmar des späten 18. Jahrhunderts und auch nicht.

    Die Mahlzeiten eine Mischung aus Tiefkühler-zum-Jahresende-ausleeren (Pomeranzenmarmelade, Skinny Boullabaisse aus Tiefkühl-Muscheln und Garnelen), Frankfurter Kranz bei Bäcker Plentz und Rehgulasch-Reste. Wir kaufen letzten Lauch. Denn weil wir Heiligabend zu zweit verbringen und total crazy sind, wird es Fondue irlandaise geben aus Cheddar, Guiness, Whiskey und Worcestersauce mit Roggenbrot und Lauch.

    Mr. Darcy – Ettenbühl Sunset – Tuscany Superb – Betty Prior

    Das allerletzte verschollene Paket lokalisierten wir in dem Schreibwarenladen/DHL-Filiale auf den Märkischen Hamptons. Zum Glück kennen sie uns und die Siedlung, wissen, dass es im Winter ein paar Tage dauern kann bis wir kommen, und behielten das Paket trotz Fristablaufs im Laden.

    Der Wasserversorgen hatte uns hinausgerufen. Wir sollten zum Jahresende den Zählerstand mitteilen. Dazu: Durchatmen, Weite. Trotz windigem Nieselregen die Freude draußen zu sein und den Himmel zu sehen. Stanwell Perpetual macht ihrem Namen alle Ehre und blüht noch. Selbst Violina scheint noch eine Knospe hervorzubringen.

    Wir überwanden die klamme Nässe, setzten Mr. Darcy und Ettenbühl Sunset (Beet), Tuscany Superb (die Alte-Rosen-Allee-in-Entstehen) und Betty Prior (Vorgarten).

    Festtagspreis wie früher

    Endlich wieder schwimmen gehen, wie seit Wochen nicht mehr. Endlich den schwarzen peinlichen Fleck auf meiner inneren Berliner Schwimmbadlandschaft füllen: Wir nutzten die Fahrt zu den Latifundien für einen Abstecher im Stadtbad Hennigsdorf. Dies eröffnete nach Neubau 2023 und noch nie war ich dort.

    Vorgänger: das aqua Hennigsdorf, von mir geliebter Typenbau der DDR-Volksschwimmhalle C. Schlicht und doch von einer untypischen Eleganz für den Arbeiter- und Bauernstaat mit Diktaturhintergrund. Jetzt abgerissen.

    Der Neubau überrascht: in Bahnhofsnähe – sogar öffentlich erreichbar. Von außen so schlicht, dass wir ihn mit dem Auto ein paarmal umrunden, bevor wir das Schwimmbad ausmachen. Innen: Im Geiste seines Vorgängers. Schlicht – keine zusätzliche Deko, ein Schwimmerbecken, ein Nichtschwimmer, ein kleines niedriges Nichtschwimmer und ein Planschbecken – Holz, Stein und Glas. Jegliche Gestaltung besteht aus Funktionselementen.

    Ein Bad, das mitdenkt wie ich mir wünsche: Föne umonst; im Schuhausziehbereich stehen Schuhlöffel; die Verriegelung der Kabinen mit dem besten störungsfreisten System; in den Duschen ausreichend Ablagen und Haken. An der Decke eine Markierung für die Rückenschwimmer. Ein Bad in dem irgendwie alles funktional ist, und zusammen doch irgendwie schön.

    Die Digitaluhr in der Halle fungiert auch als Anzeigetafel. Ich erfahre, dass Mittwochs und Freitags(?) eine Bahn für Flossen- Anzug und Geräteschwimmen frei ist, sowie das Samstag das große Wasserspielzeug DOGGY im Schwimmerbecken bespielt werden kann.

    Weil Ferien sind, hat das Bad Montagmittag für die Öffentlichkeit geöffnet. Weil Festtage sind, bezahlen wir einen Eintrittspreis wie früher.

    Kein Weihnachtslied

    Elke Brüser beobachtet Kraniche: Geflügelte November-Fischer

    Dieser Haushalt hat zu Weihnachten ein besseres Verhältnis als zu Deko. Und so besteht die Weihnachtsschmückung aus einem Adventskranz, einem Herrnhuter Stern und der immerwährenden Lichterkette, die im Frühjahr und Herbst als Kinobeleuchtung für Beamer-Abende fungiert und im Dezember als Weihnachtsschmuck. Die einzige Variante eines Weihnachtsbaums, die ich mir für mein Heim vorstellen kann, steht sowieso im Garten und sieht ungefähr so aus. Aber Garten und Wohnung liegen weit auseinander – also nichts.

    Dennoch finde ich das Konzept Weihnachtsbaum spannend, habe einiges über ökologisch-nachhaltiges Weihnachtsbaum und Gardenwashing bei Gunhild Rudolph gelernt: Die Tradition des Weihnachtsbaums und Der ökologische Weihnachstbaum.

    Die Kaltmamsell sah ein Theaterstück über (im weitestmöglichen Sinne) ein Schwimmvereinsmitglied. Die Bühnendeko immerhin ausschließlich in Schwimmbadblau und Rot: Journal Sonntag, 22. Dezember 2024 – Laufwetterglück, Eine Zierde für den Verein im Marstall

    Zum Abschluss ein Weihnachtslied, das eigentlich kein Weihnachtslied ist. Schedryk, ukrainisches Volkslied über die Ernte und später bekannt geworden als Carol of the Bells. Ich muss dringend in die Ukraine sobald man dort nicht mehr von russischen Drohnen abgeschossen wird: The Unknown Ukrainian Carol that everyone knows