Schlagwort: Parkplatz

  • 26-02-12 Rhythm is a Lichtschalter

    26-02-12 Rhythm is a Lichtschalter

    Beim Bahnhofsbäcker gibt es ein Valentinstagsangebot mit zwei Croissants. Denn was gibt es romantischeres als ein Candle-Light-Dinner in der zugigen Durchgangshalle eines ICE-Bahnhofs?

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    Die Autobahnbaustelle begann. Wir hoffen, der dortige Piepsomat läuft nicht dauerhaft. Der ist durchdringender zu hören als die ganze Autobahn.

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    In der S-Bahn von vorne links ein Telefonat auf niederländisch, von hinten rechts eines in einer osteuropäischen Sprache. Bester Soundtrack.

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    Auch auf S-Bahn-Weg zur Arbeit erhasche ich täglich einen kurzen Blick auf die alte Wohnung. Bisher stellte sich noch nie ein Gefühl der Wehmut ein, sondern immer das Gefühl „Du musst nach dem Rechten sehen, was die Hallodris gerade angestellt..“ sofort gefolgt von: „NEIN! Nicht mehr unser Problem. Juhu!“.

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    Umzug hilft, um zu verstehen, wie fest der Alltag choreographiert ist. Auch nach drei Monaten in der neuen Wohnung, entwickle ich gerade erst wieder den festen Fahr-zur-Arbeit-Rhythmus von zuvor.

    Auch die Heizungsgewöhnung läuft langsam. Von einem Thermostat mit Zeitschaltung im Wohnzimmer wechselten wir auf mehrere einzelne Heizungsdrehknöpfe. Es laufen noch ziemlich oft Heizungen anders als sie sollten. Aber es wird.

    Nur bis wir nicht mehr an die leere Wand tatschen, dort wo in der alten Wohnung der Lichtschalter war – das wird noch dauern.

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    Es waren drei Tage der Arbeit.

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    Letztens im Supermarkt erzählte ein Kassierer seine Geschichte: Gelernter Schreiner, dann als Tonmeister 16 Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff Ableitungsleiter Technik gewesen, jetzt das erste mal wieder dauerhaft an festem Ort als Aldi-Kassierer. So spannend. Kunde: „Ich habe auch ein Segelboot.“

    Wero

    Unsere Filmauswahl zur Berlinale verläuft nach dem üblichen Muster. Wir suchen einen Zeitpunkt, schauen im Laufe des Tages was es noch gibt und gehen bei den übrigen beiden buchbaren Filmen zur Hälfte nach Film und nach Aufführungsort. Dieses Jahr also das Haus der Berliner Festspiele.

    Dank der Berlinale zahlte ich das erste Mal etwas mit dem europäischen Zahlsystem Wero. Und das wirkt weit weniger sperrig als befürchtet: Auf der Website steht ein QR-Code, den scanne ich mit der Bank-App ein und alles ist easy.

    Aber: Soweit ich verstehe, herrscht wirklich und definitiv App- und Handy-Zwang.

    Noch weiß ich nicht, wie das geht, wenn ich direkt auf dem Handy etwas kaufe.

    Die Zwillingsschwester war’s

    Angelesen: The Dain Curse 1– der zweite Roman aus dem Dashiell-Hammett-Sammelband. Und sei es, dass ich besser in seinen Stil gefunden habe, sei es, dass Hammett selber besser in seinen Stil gefunden hat: I’m loving it.

    Ich nehme jetzt die Enstehung als Pulp-Magazin-Roman2 ernst. Jeden Monat erschien eine Folge: Das heißt jedes Kapitel ist eine abgeschlossene Kurzgeschichte mit neuem Plottwist. Das heißt: Ich lese immer ein Kapitel, freue mich schon auf den Twist und mache dann erstmal kürzer oder länger Pause bevor ich mich dem nächsten Kapitel/der nächsten Folge widme.

    Dieses Buch fliegt. Und wie es fliegt. Aufregend, mitreissend, eine Plot-Achterbahnfahrt zwischen Großen Gefühlen und großer Kriminalität. Selbst die übertriebenen Albernheiten („Der Mann hat die falsche Zwillingsschwester geheiratet und sie dann ermordet! Nein, die andere Zwillingsschwester hat die erste Schwester ermordet! Nein, das Kind der ersten war’s! Ja, aber nur nachdem die zweite Zwillingsschwester es entsprechend dressiert hat!“) passen hervorragend rein, wie ein Achterbahn-Looping mit Wasserfall: Komplett over the top, aber das ist ja der Reiz.

    Pedibus ad mercatum ferramentarium

    Das Eis ist geschmolzen, meine Fußwege erweitern sich.

    Ich lernte: Der ukrainische Supermarkt, der eigentlich Kaviar- und Fischgroßhändler ist, hat nicht nur ein gigantisches Kaviar- Fisch- und Fleischangebot, sondern auch eine Hausmarke für hausgemachtes frisches Sauerkraut „aus eigener Herstellung“.3 Überhaupt, wenn dieses ganze Fermentations-Kühlregal nicht von Ruslan in einem Gewerbegebiet neben der Stadtautobahn aufgestellt worden wäre, sondern von Robby, Tobby und Fliedibert in einem Health-Start-Up-Pop-Up-Store im Prenzlauer Berg: Alle Influencer-Accounts und deren nachgelagerten Medien wären voll von dem Regal.

    Ein weiterer Weg führte mich zum Baumarkt. Dabei verläuft ein Drittel der Wegstrecke vom Büro bis zur Grundstücksgrenze und zwei Drittel des Weges über den Parkplatz. Ein seltsames Großstadtleben in dem Baumarkt und IKEA räumlich die „Fachgeschäfte nebenan“ sind, nur in überdimensioniert. So überdimensioniert, dass ich kurz davor war, mich in die Mitte zu stellen und verzweifelt zu rufen: „Ich will doch einfach nur einen Schraubenzieher!“

    Aber am Ende fand ich fast alles: Kabelmanagementbedarf, ein Gerät um auch die ganzen neumodischen Torx 2.0-Schrauben zu handeln und einen Schmutzradierer. Nur einen Ersatz für das simple beim Umzug verlorene Stromkabel des CD-Players, den fand ich nicht.

    Der Einstieg des Karnevals in Halloween

    Anke Gröner, die Wikipedia und die Quellen: Dienstag, 10. Februar 2026 – Fußnoten feiern

    Frau Brüllen und ihr Einstieg bei Big Pharma.

    Herr Buddenbohm und sein Einstieg als Pinterest-Trend.

    Als Kind wollte ich immer Stadtbahnfahrer bei der Üstra werden und Tramfahrer in Basel könnte ich mir abstrakt immer noch vorstellen: Sakana hat seinen alten Kreativjob an den Nagel gehängt und ist jetzt U-Bahn-Fahrer geworden, und ich wollte ihm schon lange sagen, wie schön ich das finde. Das sei für mich durchaus ein Plan B, falls ich irgendwann im Laufe des Alterns keinen Job mehr finde. U-Bahn-Fahren stelle ich mir gut vor. Dummerweise holte er mich mit den Alltagsgeschichten aus seinem U-Bahnerleben in die Realität zurück.

    Karnevalsentwicklungen im Sauerland: Bemerkenswert ist zudem eine neuere Entwicklung: Erziehungsberechtigte ziehen als Begleitpersonal von Haustür zu Haustür, um ihre Kinder bei was auch immer zu unterstützen

    Herr Paul: Warum für ihn Diversität in Bridgerton funktioniert, im neuen Wilhelm-Tell-Film aber nicht.

    Persönlich hätte ich „Everything everywhere“ statt „Schweigen der Lämmer“ genommen

    In den Blogs lese ich wilde Diskussionen zum Thema „KI in Blogs“ und nicht ganz so wilde Diskussionen zum Thema „die fünf besten Oscar-ausgezeichneten Filme.“ Ich dachte, ich kombiniere beides und befrage den Haselant, was er sagen würde, was meine fünf liebsten oscarausgezeichneten Filme sind (einschließlich der haselantischen Begründungen):

    The Apartment (1960) – Büroalltag als moralische Abrissbirne, aber mit Herz, das nicht kitscht. Perfekt, wenn du gern beobachtest, wie Systeme Menschen formen und Menschen Systeme ausnutzen.

    The Godfather (1972) – Nicht “ich mag Gangsterfilme”, sondern “ich mag, wie Macht riecht, wenn sie geschniegelt daherkommt”. Familienroman als Betriebswirtschaft des Unheils.

    No Country for Old Men (2007) – Existenzangst in der Landschaft, Schicksal in Cowboystiefeln, und eine Stille, die lauter ist als der Piepsomat deiner Autobahnbaustelle.

    The Silence of the Lambs (1991) – Thriller, ja, aber eigentlich: ein Duett aus Blicken, Status, Sprache. Außerdem: selten war “Kompetenz” so sexy-unheimlich.

    Parasite (2019) – Klassenkampf als Architekturführung mit Falltür. Extrem unterhaltsam und dabei so präzise, dass es weh tut.

    Godfather/der Pate und Silence of the Lambs/Schweigen der Lämmer habe ich sogar gesehen.

    Anmerkungen

    1. Weil er quasi dasselbe sagt wie ich nur anders, möchte ich doch noch Reviews from My Couch zitieren: The novel is incredibly ambitious, and there probably isn’t a reader on the planet who could give you a brief synopsis. A rollercoaster of plotting it may be, but “The Dain Curse” is also a thoroughly enjoyable read. … Like all Hammett novels, a close read is required. That’s not a problem, because it’s easy to soak up the words like a sponge. But don’t be scared off by reports that the novel is hard to follow; the reader must simply be as dedicated as the Op is. ↩︎
    2. Im Original erschien die Geschichte 1928/1929 in Black Mask. ↩︎
    3. Das sehr wenig mit dem bekannten abgekochten Dosensauerkraut zu tun hat. Soviel habe ich gelernt: Sauerkraut niemals kochen, auch nicht in der Herstellung, das zerstört den kompletten Geschmack. ↩︎
  • 24-08-08 Igel Disrupt

    24-08-08 Igel Disrupt

    Lauretta-italienische-Feinkost bekommt schon einen Nachfolger. Es wurden Schilder für The Beauty Bar angeschraubt.

    Körper und Geist gebärden sich noch störrisch. Sie möchten im Urlaubsmodus verharren. Aber langsam stellt sich ein Alltagsflow wieder ein.

    Unter dem Zeltdach über unseren Köpfen wird das alte Hausdach weiter zerlegt und abgefahren.

    Es ist das Eine zu sehen, dass kein Dach mehr da ist. Es wirkt deutlicher, wenn man sieht wie die Dachziegel im Entsorgungs-Container landen. „Mein Dach!“, da geht es davon.

    Der Geräuschpegel lässt mich daran zweifeln, ob ich nächste Woche die Online-Fortbildung in der Wohnung absolviere. Es hätte natürlich den Vorteil, dass mich Kolleg*innen mit Alltagsgeschäftsfragen nicht fänden. Bei angekündigten 34 Grad Außentemperatur wiederum wäre das Büro vermutlich angenehmer als die Wohnung.

    Immerhin hat die Zeltplane das Unwetter am Mittwochabend tadellos überstanden.

    Madame bewundert im Badischen polnische Kochbücher und buk gleich mal einen Sernik. Ihrem Erfahrungsbericht nach etwas aufwendiger als ein typischer deutscher Käsekuchen.

    Skurrile Technikentdeckung: Mensch kann Outlook-Meetings „Zusagen“, „Akzeptieren“ oder „Annehmen“, je nachdem ob mensch mit Windows-Outlook, Android-Outlook oder iPhone-Outlook bestätigt.

    Wenn ein Großunternehmen auf die Deutsche Sprache trifft entstehen Bezeichnungen zwischen Berechtigungsverwaltungsadministrator und Yammer-Administrator. (Am Ende sind wir alle Such-Administratoren)

    Im Arbeitspostfach ging eine Werbe-E-Mail mit Einladung zur Igel Disrupt ein. Das erzeugt bei mir seltsame Bilder im Kopf.

    Der Haupt-Lidl stellte seine Parkplatzbewirtschaftung auf Automatik um. Keine Kärtchen mehr, die man sich an der Kasse abstempeln lassen muss. Jetzt läuft es sensorgesteuert: Liegen Ein- und Ausfahrt weniger als 90 Minuten auseinander ist alles gut. Liegen sie länger auseinander .. dann passiert vermutlich Schlimmes, aber ich erfuhr nicht was für Schlimmes.

    Kamera an Mast montiert, daneben angedeutet typische Lidl-Beschilderung
    Neuer Park-Sensor im Einsatz

    Jakobsbücher

    Hauptsächliche Abendbeschäftigung, um den störrischen Geist nicht noch mehr aufzuscheuchen: Lesen.

    Olga Tokarczuks Jakobsbücher sind ein großartiger Anschluss an die Reise. Spielen diese doch im Polen-Litauen des 18. Jahrhunderts, vor allem zwischen Podolien und Smyrna. Passend auch als Anschlusslektüre an Gott spricht Jiddisch. Spielen doch verschiedene jüdisch-messianische Gruppen eine wichtige Rolle bei Tokarczuk.

    Ich liebe dieses Buch. Im Stil angelehnt an das 18. Jahrhundert; mit Ausschweifungen und Divertissements, einem allgemein langsamen Erzähltempo. Auch nach einem knappen Viertel bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich einen Plot hat, oder es eher ein Ensemblestück mit verschiedenen vage verbundenen Handlungssträngen wird.

    Wunderbare Sprache, tolle Charaktere, spannende Landschaft.

    Letzibad

    Es gibt eine neue Vergleichs- und Planungsplattform für Nachtzugreisen: Nightride.com.

    In Kattowitz findet die Wikimania statt. Bisher sah ich aber noch keinen spannenden Blogpost dazu. Für Hinweise bin ich dankbar.

    Die Bundeszentrale veranstraltet Game Jams. Das ist sowas wie Hackathons für Computerspiele. Interessierte treffen sich für ein Wochenende und fangen ein Computerspiele zu einem Themenbereich zu entwerfen. Dieses Jahr: Gegenrede im Netz. Stephan Max mit einem Erfahrungsbericht.

    Max Frisch (der Max Frisch) errichtete das Freibad Letzibad in Zürich. Überhaupt sein erster Auftrag. Die NZZ würdigt das ausführlich: Max Frisch soll in Zürich ein Schwimmbad bauen. Dass man ihm das zutraut, darüber staunt selbst der «Dichter-Architekt»:

    Zu denken gibt im Rückblick noch eine andere Sache: Wie ist dem Berufseinsteiger Frisch dieser Triumph gelungen? Er stellt mit seinem Entwurf nicht nur ein ausgeprägtes Gespür für harmonische Raumeinteilungen unter Beweis, sondern auch jenen feinen Sinn für den Zeitgeist, der ihn als Schriftsteller später so erfolgreich macht. Er weiss, dass sich die Bedürfnisse der Menschen gerade in einem radikalen Umbruch befinden.