Schlagwort: Piaggio

  • 24-12-17 Myrrhe, Dill und Weihnachts-Apes (Die Abrechnung)

    24-12-17 Myrrhe, Dill und Weihnachts-Apes (Die Abrechnung)

    Mistviecher elendige! Drei Grad wärmer und die Stechmücken stürzen sich wieder auf mich als wäre Mitte August. Nur fokussieren sie sich eine Woche vor Weihnachten auf Hände und Gesicht. Das erklärt auch die Klimakatastrophe nicht mehr.

    Halal Süßigkeiten gegenüber von Edeka-Kaiser-Richard (Ex Nemo-Feinkost, Ex mediterrane Feinkost) erfindet sich als Wonder Crepes wieder.

    In unserem Schlafzimmer liegt ein neues meterlanges Plastikteil. Madame sammelte dies herabhängend vom Baugerüst durch’s Fenster ein, bevor es auf dem Hof und jemandem auf den Kopf fällt.

    Der Postbote brachte einen Großbrief (zu groß für den Briefkasten) das Treppenhaus hinauf und entschuldigte sich vielfach dass er den gestrigen Brief ähnlicher Art hatte zurückgehen lassen. (naja, wir waren halt nicht da..) Aber das war trotzdem tragisch für ihn. Denn er legte Wert darauf, dass er noch echter Postangestellter ist und keine DHL-Aushilfskraft. Er hat den Ehrgeiz wirklich alle Briefe ans Ziel zu bringen.

    Samstag bereitete Madame vegetarisches Bigos mit Schweinegulasch im Slow Cooker zu. Das Rezept aus Polen vegetarisch sieht ein Bigos mit geräucherten Pflaumen und Pilzen vor. Dies landete im Slowi, nur wanderte eine handvoll Schwein als Aromazutat mit ins Gericht.

    Dazu ein knappes Fuder Dill.

    Es galt etwas Herzhaftes zu kochen, das ebenso timingfreundlich war, denn Dr.D&Dr.E würden irgendwann, vermutlich reichlich erschöpft, aus dem Süden eintreffen.

    Im Gänsemarsch durch Aleppo

    Samstagabend kamen Dr.D&Dr.E – frisch nach einer Woche der Anstrengung aus dem Schwäbischen von der Autobahn in unserer Wohnung. Sie hielten sich tapfer, und wie gewohnt folgte eine weite Tour d’Horizon unter besonderer Berücksichtigung verschiedener Dachbauarbeiten und der Situation in Syrien. In der guten alten Zeit war Dr.E vielfach in dem Land gewesen, 2007 kam Dr.D mit.

    Dr.E erzählte die Szene, wie er in der Prä-Smartphone-Zeit für einen Bekannten Myrrhe aus Aleppo mitbringen sollte. Sein Händler des Vertrauens konnte zwar deutsch, aber nicht gut genug für solche Begriffe. Es war ein Wort aus der Bibel – also gingen Dr.E, Dr.D und Bekannter über den Basar zu einem weiteren bekannten christlichen Händler.

    Der hatte zwar eine Bibel – aber die war in Hocharabisch, das dortige Wort sagte ihm auch nichts. Also gingen (inzwischen Dr.D, Dr.E, der erste Händler und der zweite Händler) zu einem gebildeten Armenischen Händler. Auch der wusste nicht weiter. Aber er kannte einen Sekretär des Patriarchen1, den er anrufen konnte. Der Sekretär war im Gebet – aber da die Sache in diesem Moment dringlich war, kam der Sekretär des Patriarchen aus dem Gebet. Er wusste weiter. Und der Armenier kannte einen Händler.

    Also gingen Dr.D, Dr.E, der erste Händler, der zweite Händler und der Armenier zum Gewürzhändler. Der war allerdings wenig überrascht und fragte auf deutsch: „Haben Sie Halsweh? Myrrhe hilft.“

    Schiff = 3*Bahn

    Der Rest des Wochenendes. Überfällige Haushaltsbürokratie. Wieder eine Tasche Bücher losgeworden. Eine Haushalts-Excel etwas mehr verformelt, langsam wird die ganze Handausrechnerei peinlich. Beim Aufräumen hatten wir die PIN für den elektronischen Personalausweis wiedergefunden. Ich richtete diesen ein, entdeckte, dass ein WordPress-Plugin zur Anmeldung mit dem Perso bei WordPress existiert.

    Auch Housekeeping: Im Blog testweise WP Armour Honeypot installiert. Mir schmeicheln diese 60 Komplimente auf chinesisch und englisch, die mehrmals die Woche in der Kommentarspalte eingehen. Aber manchmal in schlechten Momenten der Selbstkasteiung zweifle ich an der Ernsthaftigkeit des Lobs. Auch sind sie ein wenig anstrengend im wegmoderieren.2

    Auch zur Haushalts-Bürokratie gehörte die Abrechnung für die Baltikumsreise. WIr bezahlten insgesamt 2800€, davon ungefähr die Hälfte für Transport und ungefähr die Hälfte für Kosten vor Ort. Im Einzelnen für 2 Personen, 12 Tage mit 10 Übernachtungen:

    • Fähre (Travemünde – Helsinki Außenkabine, Helsinki – Tallinn Spontankauf) 1080€
    • Hotels (Helsinki(1), Tallinn (2), Riga (2), Vilnius (2), Warschau (1) – fast alle mit Frühstück) 830€
    • Bahn (Berlin-Travemünde, Tallinn-Riga-Vilnius-Warschau-Berlin, überwiegend 1. Klasse) 330€
    • Essen, Einkäufe etc. 360€

    Damit liegen wir beim Thema Hotels, Bahn, Rest genau in der Preislage wie letztes Jahr in Polen. Die 1000 Euro für die Fähren (samt zwei Übernachtungen auf der Finnland-Fähre) kamen diesmal extra hinzu.

    Viva Viva Nikolausi

    Du merkst, dass du in einer Großstadt lebst, wenn innerhalb von 10 Minuten erst eine fahnenschwenkende Gruppe die Freiheit Palästinas fordert und dich direkt danach 300 Weihnachtsmänner auf Motorrädern passieren.

    Friedlich flanierte ich mit Haferdrink, Äpfeln und Weihnachtskarten entlang des Kaiser-Richard-Platzes als mir die leere Hauptstraße auffiel. Auf den zweiten Blick: Viel Blaulicht Richtung Süd. Auf den dritten Blick: Zwei Polizisten, die den DHL-Boten beknieten die Straße zu räumen, bevor seinem Auto etwas passiert.

    Auf den ersten Hör: klingt nach Palästina-Demo. Da ich einerseits neugierig bin, andererseits die Demo schon mal aus der Ferne und aggro erlebt hatte, ging ich Richtung Heimat ihr entgegen, aber wechselte die Straßenseite. Die Demo klein (100 Menschen? 200?), die Stimmung so aggressiv wie erwartet, die Polizeibegleitung massiv.

    Nur sah ich weiter Blaulicht in der Ferne als die Demo schon vorbei war. Ich lief weiter in die Richtung, und keine zwei Minuten später kam er: der Motorrad-Weihnachtsmann-Korso. Hunderte von Motorrädern, festlich weihnachtlich geschmückt, und gelenkt von lauter Weihnachtsmännern und Engeln auf ihrer jährlichen Tour durch die Stadt. So speziell, so nett. Neu am Ende: der Ape-Block, mit zwei, drei Dutzend Piaggio Apes im blinkenden Weihnachts-Dekor.

    Ich vermute die Polizei wollte den Schöneberger Dorfanger nutzen, um die Weihnachtsmänner die Palästina-Demo überholen zu lassen. Dort befinden sich etwa 20 Meter Grünfläche zwischen beiden Fahrspuren, ein Direktkontakt kann so vermieden werden. Leider war ich schon weiter: den Anblick beider Events gleichzeitig hätte ich gerne gesehen.

    Im original-Disney Film ist Philo eine halbe Ziege

    Der SC Wedding, Abteilung Synchronschwimmen gab uns die Chance, wieder in der Sportschwimmhalle Schöneberg, das Synchron-Weihnachtsmärchen zu sehen. Die gesamte Abteilung von den kleinsten bis zum amtierenden Europameister Frithjof Seidel stürzten sich ins Wasser und spielten Herkules (Version Disney 1997 nicht Version Homer, Pseudo-Homer, Sophokles et al) nach.

    Im Prinzip in der Musicalvariante: Handlung oft an Land oder von den Erzählern vorgetragen, Tanz- und Actionszenen geschwommen im Wasser.

    Die Teams inszenierten selber, so kam es zu einer Mischung aus Laientheater mit dem besten was deutsche Synchronartistik zu bieten hat. Die Aufführung charmant, die Wasserszenen atemberaubend. Wir beide hatten den Eindruck: seit dem letzten Jahr hat das Team die Wasser-Choreographie besser auf die Handlung abgestimmt. Da stimmte fast alles.

    Als die Männer aus dem Zweiten Weltkrieg heimkehrten, wurden für die Amputierten sogenannte Versehrtenbäder eröffnet

    Holger beendet sein Linux-auf-dem-Smartphone-Experiment. „Ist es schon Zeit für ein Fazit? Ich weiss nicht. Aktuell habe ich die Lust verloren, mich damit zu beschäftigen, wie ein verwöhntes Kind einen Tag nach Weihnachten. Wer hauptsächlich telefonieren und solche Basics wie Mail, Office und Webseiten-aufrufen machen will, der ist mit dem Gerät gut bedient.“

    Was ist Multiple Sklerose? „Weil ich hier im Blog bisher vor allem über einzelne Aspekte meines Alltags mit MS geschrieben habe, möchte ich jetzt einen Schritt zurückgehen und erstmal die Grundlagen erklären.“

    Dieses Jahr wird ein Stuttgart-Trip obligatorisch. Im Haus der Geschichte Baden-Württemberg wird eine Ausstellung über das Schwimmbad und das Baden ausgestellt. So lehrt diese Ausstellung am Beispiel des Schwimmbads, dass gesellschaftliche Fragen oft komplex sind und nicht eindeutig zu beantworten.

    Tolles Buch meiner Jugend. Der Weltatlas. Dementsprechend freue ich mich über eine Karte von Fediverse (Mastondon und anderes..)-Aktiven: die Fedikarte

    Frau Rabe mit der Langversion zur Burlesque: Wie sie Striptanz zur Bastel-Mutti machte.

    Anmerkungen

    1. Ich vermute der armenisch-katholische Patriarch. In Frage kämen aber auch die Patriarchen von Aleppo der melkitisch-griechischen-katholischen Kirche, der chaldäisch-kathloschen Kirche, der maronitischen Kirche oder der syrisch-katholischen Kirche. ↩︎
    2. Danke an Pixelboomer für den Hinweis via einem Kommentar im Kommentarpost zu Claudia Klinger. ↩︎
  • 24-12-10 Vertraulichkeit und Integrität des Geschenkeprozesses

    24-12-10 Vertraulichkeit und Integrität des Geschenkeprozesses

    Am Innsbrucker Platz schwenkte ein einsamer Syrer die jetzt weltbekannte Flagge der syrischen Opposition.

    Die Berliner Verkehrsbetriebe weisen seit neustem in ihren Durchsagen darauf hin, dass Tik Toks und Telefonate in den Kopfhörer gehören und nicht auf den Lautsprecher.

    Immerhin noch keine Durchsagen, dass man bitte die Leute nicht verprügeln soll, die sich über zuviel Lärm oder Rauchen in der Bahn beschweren.

    Schöne Bahnerlebnisse: eine 2-Mann-Kombo mit Banjo, Kontrabass und Mundharmonika, die gut gespielten originellen Countryblues in der S-Bahn spielten. Zurecht sammelten sie ziemlich viel Geld ein.

    Die Crowdfarming-Linsen keimen (so wie sie sollen). Die Crowdfarming-Avocados warten nun bei den Nachbarn auf ihre Auslösung.

    Der Autofan in mir weint. Die Produktion der Piaggio Ape wird zum Jahresende eingestellt. Eine Welt in der die Ape nicht umweltfreundlich genug ist, ein 3,5-Tonnen-SUV aber kein Problem darstellt, verstehe ich nicht immer.1

    Dank Thomas Gigold entdeckten wir die ZDF-Minidoku zu Jule Stinkesocke2. Inhaltlich wenig neues, aber als Wenig-ÖR-Fernsehzuschauer fasziniert mich der Stil der Sendung. Die Herrenfrisur Nudelkopf ist inzwischen im seriösen Fernsehen angekommen. Sämtliche Gespräche wirken so als wären die Gesprächspartner auf einer Couch vor generischen Videokonferenzhintergründe drapiert – so clean, so glatt, so eigentümliche Farbkonzepte.

    Ich überlegte, ob es möglich wäre, als literarisches Experiment über Jahre hinweg so eine Fake-Figur wie Jule aufzubauen, ohne Opfer zu erzeugen. Vermutlich nicht – nicht in der Reichweite. Jules Reichweite und Größe erreicht mensch nur, wenn es Menschen gibt, die sich emotional tief auf den Account einlassen, ihm eisern folgen und die Kunde verbreiten. Die wären aber emotional immer tief betroffen, wenn der Fake sich enttarnt.

    Möglich wäre ein Fake nur mit Miniaccount wie diesem hier. Aber wer würde Jahre intensiven Texttheaters investieren ohne dass es jemand mitbekommt?

    Nach dem Samstagsauflug standen Sonntag und Montagabend im Zeichen des Geschenkeeintütens – ein wenig wortwörtlich, ein wenig mehr metaphorisch. Denn es gilt verschiedene Anlässe und verschiedene Personen zu koordinieren. Da das natürlich alles der Vertraulichkeit unterliegt, kann ich schlecht in Details gehen.

    Aber, doch, ich wurde auch zu einem Wunschzettel genötigt. Nachdem die Ergodox sowohl das Geschenkbudget als auch das Spontanentscheidungslimit weit sprengte, machte ich doch in Dekadenz und eine Logitech MX Master 3s landete auf der Liste. Immerhin ist die Entscheidung für die Mouse innerlich schon seit Monaten gefallen, es fehlt nur noch ein Anlass.

    Automatische Pseudonomisierug

    Frage: Woran merken Sie, dass Sie sich im akademischen Umfeld bewegen?

    Antwort: Sie bekommen eine Aufgabe „Schreiben sie 5 Sätze (etwa 100 Wörter).“

    Ganz ging mein Plan nicht auf, die Einsendeaufgaben Informationsmanagement in KW49 zu beenden. Der Montagabend in KW50 war’s. Ich hangelte mich brav durch alle Multiple-Choice-Fragen, zählte die sieben Gewährleistungsziele des Standard-Datenschutzmodells auf (Verfügbarkeit, Datenminimierung, Integrität, Vertraulichkeit, Nichtverkettung, Transparenz, Intervenierbarkeit) und beantwortete die Textaufgaben.

    Dieser zweite Teil des Moduls kann sich nicht über mangelnde Praxisnähe beschweren. Die Textaufgaben hätte ich vermutlich 1:1 durch Textschnipsel beantworten können, die dieses Jahr im Team so formuliert worden. Aber natürlich ist es einfacher die entsprechenden Abschnitte pädagogisch didaktisch aufbereitet im Lehrbrief wiederzufinden als in den Tiefen des Team-Archivs.

    Jetzt allerdings werde ich jeglichen Gedanken an Informationsmanagement aus meinem Hirn verbannen, und das Thema erst am 24. Februar wieder hervorkramen, in der Hoffnung in drei Wochen im Februar/März ein paar hundert Definitionen und Beschreibungen rechtzeitig für die Klausur auswendig zu lernen.

    Interstellar

    Das Stadtbad Lichtenberg ist das architektonisch spannendste Bad Berlins. Steht es doch in zwei Epochen, in denen der Stil öffentlicher Bauten sich radikal wandelte. Die Fundamente und die ursprüngliche Planung entstanden in der unabhängigen Stadt Lichtenberg im deutschen Kaiserreich.

    Der Bau und die Neuplanung fanden im Berlin der Weimarer Republik statt. Und so ist es halb wilhelminischer Schnörkelpalast (siehe auch Stadtbad Charlottenburg, Stadtbad Neukölln) und halb Neues-Bauen-Bauhaus-beeinflusst (siehe auch Stadtbad Mitte, Stadtbad Schöneberg).

    Leider schwumm ich dort nie. Denn es teilt das Schicksal vieler Berliner Bäder: Irgendwann kam aufgrund mangelnder Wartung die Havarie und seitdem liegt es still. In Lichtenberg ereignete sich die finale Havarie 1991, vor meiner Berliner Zeit.

    So lang es lange still, war lange gesperrt und drohte über Jahre komplett einzufallen – während niemand das bodenlose Kostenloch in Obhut nehmen sollte. Aber die Lichtenberger kämpften, hatte doch halb Ostberlin hier schwimmen gelernt, und sie wussten welch Kleinod sie an der Hand hatten.

    Die Geschichte der Irrungen und Wirrungen führte dazu, man das Gebäude wieder betreten kann, ohne Deckenteile auf den Kopf zu bekommen. Es dient wieder für Veranstaltungen – und seit einigen Monaten für eine Art Kunstausstellung.

    Stadtbad RELOADED: Ambilight nennt sich der Spaß. Mobile Tablets zeigen Multimediakunst, einige Lichtinstallationen sind im Raum, beschallt wird alles von Hans-Zimmer-Filmmusik.

    Aber was nimmt man nicht auf sich, um dieses herausragende Bad zu sehen. Professor Transformation begleitete am netten Abend, der uns noch zu Phở und Glasnudeln führte und uns eine Busfahrt quer durch Neukölln bescherte.

    Der Osten ist kein Zoo

    Buggisch: Bloggen über Männergrippe das malad sein, das eben keine Männergrippe ist. Auch malad jenseits der Männergrippe: Henning Uhle.

    Die New York Times kürt die 63 stylishten Wesen des Jahres 2024: Neben Charli XCX, dem Baby-Nilpferd Moo Deng und Mark Eydelshteyn taucht auch Sandra Hüller in der Liste auf.

    Es rappelt in der Szene. Eine Beigefluencerin verklagt eine andere Beigefluencerin, weil diese ihr Konzept klaut. Beide bestreiten ihren Lebensunterhalt durch das Beigefluencen, ein ökonomischer Grund für eine solche Klage ist vorhanden. Rechtlich aber ist das spannend, denn die Frage, wo und ob eine urheberrechtliche schützbare „Schöpfung“ im Bereich von Influencer-Stil vorliegt, ist noch ungeklärt. Can You Copyright a Vibe?

    Ein Interview mit Marieke Reimann, einzige ostdeutsche Chefredakteurin bei einem westdeutschen Sender über die seltsame Wahrnehmung des Ostens im Westen. Sie spricht die üblichen Themen an. Seltsame Verallgemeinerungen, extreme Unkenntnis im Westen über Ostdeutschland und Osteuropa, und auch solche Themen, dass sämtliche Zeitungen Ostdeutschlands westdeutschen Verlagen gehören. Was dann dazu führt, dass auch 2024 noch einen starken Drang zur Exotik-Berichterstattung gibt:

    Wir müssen von diesem Fokus auf die Wahl- und Jubiläumsberichterstattung weg. Es reicht einfach nicht, wenn westdeutsche Reporter*innen vor den Wahlen „mal kurz rüberschauen“, indem sie vielleicht einen Roadtrip durch den Osten machen. Der Osten ist kein Zoo und auch kein Kriegsgebiet. Er findet genauso zwischendurch statt.

    Anmerkungen

    1. Immerhin kann die Welt halbwegs erklären. Irgendwann vor längerer Zeit setzen die deutschen Autobauer eine Regelung durch, dass nicht bewertet wird, wie umweltfreundlich ein Auto insgesamt ist, sondern wie umweltfreundlich pro Kilo Gewicht. Wenn also ein Auto fünfmal soviel wiegt wie ein anderes, aber nur viermal so viele Schadstoffe ausstößt, gilt es als umweltfreundlicher. Das war das Ende der europäischen Kleinwagen. In weniger flapsig beim Umweltbundesamt: Die herstellerspezifischen Zielwerte ergeben sich aus dem durchschnittlichen Fahrzeuggewicht der Neufahrzeuge des Herstellers: Je höher dieser Durchschnitt liegt, desto höher können die spezifischen CO2-Emissionen eines Herstellers sein, ohne das Ziel der CO2-Regulierung zu verfehlen ↩︎
    2. Jule Stinkesocke, fiktive Figur einer jungen behinderten Frau, die frei von der Leber weg über Leben, Sex und Zärtlichkeit schrieb. Wurde über 15 Jahre eine Internetgallionsfigur für junge behinderte Frauen, bis herauskam, dass sie gar nicht existiert. Der Mensch an der Tastatur war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an mittelalter Mann. ↩︎