Schlagwort: Pierogi

  • 26-07-12 Chopin mit nasser Hose (Frankfurt(Oder) -> Warschau)

    26-07-12 Chopin mit nasser Hose (Frankfurt(Oder) -> Warschau)

    Am Bahnhof Warszawa Centralna steht ein Chatschapuri,-Automat.

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    Am Bahnsteig in Frankfurt ein Zwillingspärchen im Partnerlook. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten hatten sie beide weiße Sneaker, aber verschiedene Modelle, beide eine marineblaue Hose, aber verschiedener Schnitt, beide weiße Oberteile – einmal Bluse, einmal etwas jackenähnliches, beide weiße Kopfhörer (einmal kabellos, einmal mit Kabel). Das war Partnerlook für Fortgeschrittene.

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    Hallo Berlin. Ich möchte es nur gesagt haben. Wir sind jetzt ziemlich kreuz und quer durch Warschau, seine Metrostationen und Bahnhöfe. Und jede einzelne Rolltreppe funktionierte. WIe auch die komplette sonstige Infrastruktur. Bitte Berlin nimm dir ein Beispiel.

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    Speedblogging die zweite: mal schauen wie weit sich das reisende ich vom bloggenden ich absetzen kann.

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    Es waren anderthalb Reisetage. Glaube ich.

    EC47

    In der Sitzreihe hinter uns in Wagen 267 saß ein deutsches Paar – anscheinend bereits in Alter beginnender Schwerhörigkeit – das anscheinend seinen ersten Warschau-Besuch plante. Auf jeden Fall las er ihr über Stunden aus einem Warschau-Reiseführer vor. Das war manchmal interessant, manchmal anstrengend und für uns beide zwischendurch hilfreich beim Einschlafen in den Zugschlaf.

    Denn, wie zu ahnen, sobald wir die Oder überquert und den Einzugsbereich der Deutschen Bahn hinter uns gelassen hatten1, lief alles reibungslos, selbst die Sitze waren hoch genug, dass ich meinen Kopf anlehnen konnte, und wir konnten entspannt zwischen Posen und Kotnu zwischenschlafen.

    Hola Oder

    Polen ist leer, aber hübsch. Im Zug, zumindest in Wagen 267, waren diesmal überraschend wenige Polen auf Heimreise und überraschend viele Deutsche im Urlaub. Das Paar vor uns holte Pierogi aus dem Speisewagen, das Personal war nett, und wir haben, hallo Deutsche Bahn, zwischendurch auch gesehen, dass Toiletten gereinigt wurden.

    Fancy schmancy wie Komfort Check In oder App-Bestellung am Platz gab es natürlich nicht. Aber auch wenn der Satz für jemand, der selber berufliche „Digitale Transformation“ macht – Züge, die dann abfahren und ankommen wie angekündigt sind am Ende halt geiler als Komfort Check-In.

    Railmap-Screenshot: Einfahrt in Warschau

    Und so schaute ich auf der Railmap wo wir langfuhren und freute mich, dass wir wie geplant um 1704 im Warszawa Centralna einliefen und 200 Meter später im Hotel standen.

    Saturday my feelings alright

    Wo kamen sie her die Menschen? Wo kamen sie her die Kleider? Auf den wenigen Metern von Centralna zum Polonia Palace sahen wir mehr aufgebrezelte junge Menschen, als im letzten Jahr Berlin zusammen. Das war auch nicht mehr polnisch-nightlive-chic, das war Hochzeit / Festlicher-Abiball.

    Wir bekamen es nicht heraus?

    Wir aber waren erst einmal froh das Hotel mit Sicht auf den Kulturpalast zu haben, im vielleicht besten Bett der Reise zu schlafen und anzukommen. Hallo Urlaub!

    So erdbeerig wie pilzig

    Wenn man das zweite mal in zwei Jahren in ein Lokal geht, und vorhat das wieder zu tun, dann ist das ein Stammlokal. Das Browar Warszawskie in der Ex-Brauerei von Haberbusch i Schiele2 ist ein solches. Fancy genug, um etwas besonderes zu sein, bodenständig genug, dass ich mich auch nach einem langen Reisetag im T-Shirt nicht komplett fehl am Platz fühle.

    Das Essen ist vage polnisch, aber in chic, das Publikum bunt gemischt zwischen Warsawa Party People am Shisharauchen und festlich angezogenen Tourist*innen. Und vor allem können sie kochen,

    Wir aßen: Duck Soup (Madame) bzw. kalte Erdbeersuppe (ich) als Vorspeise. Danach Boeuf Stroganoff (ich) bzw. den Filet Mignon Burger (Madame) als Hauptgang und wir teilten uns Chocolate Fondant mit Biersauce und polnischem Blauschimmelkäse als Dessert.

    Die Erdbeersuppe schmechte nach dem Besten was Erdbeeren so können, das Boeuf mit Pilzen nach dem Besten was der Wald bietet, und diese Schoko-(milder)Blauschimmelkombinatiin: So großartig.

    Jederzeit wieder.

    Erdbeerige Erdbeersuppe. Quasi Konzentrat der Erdbeerigkeit mit Scharf.

    Kimchi und Duschmatte

    Einst, 2023, waren wir im Zuge der Polen-Rundreise ein paar Tage in Warschau. Wir hatten dort das mit Abstand schlechteste und teuerste Hotel der Reise, zuckten aber leicht resignierend mit den Schultern: „Warschau halt“. Mit großen Augen liefen wir am Polonia Palace vorbei, das schon von außen versprach ein tolle Erfahrung zu bieten, aber auch nach unbezahlbarem Grand Hotel wirkte.

    Wir hatten halb recht: Grand Hotel stimmt irgendwie. Aber es kostet nicht mehr als das leicht verrotete besseres Hostel zwei Straßen weiter. Der BWLer in mir versteht nicht, wie das funktioniert, aber der hat ja auch gerade Urlaub. Deshalb freue ich mich am gigantischen Zimmer, einem Zimmerservice, der sofort Duschmatten bringt wenn benötigt, einem richtig guten Bett, richtigen guten Möbeln und einer Soundanlage, die Fernseh- und Radioton in das Badezimmer mit der Badewanne überträgt.

    Und ach, das Frühstück, ich war überfordert: Frisches Obst, frisches Gemüse, viel Salat, Ei in gerührt, gespiegelt und hartgekocht, frische Waffeln, Bratäpfel mit Beeren, Käsekuchen, Tapioka-Pudding, überbackene Tomaten, Makrelen, Hering, Kimchi(!), Grünkohl-Smoothies, süße Pierogi.. und irgendwann konnte ich nicht mehr.

    Kurz überlegten wir einfach so ausgiebig zu frühstücken, dass wir den ganzen Tag nichts mehr brauchen, aber das wäre dann später auch schade gewesen,

    An diesem Eingang liefen wir einst vorbei und schmachteten das Hotel an. Nicht ahnend, dass wir 2026 das Zimmer genau darüber im 1. Stock belegen würden.

    Am Klavier Karolina Nadolska

    Wenn wir schon Stammhotel und -restaurant haben, können wir auch Stammbeschäftigungen entwickeln in der Stadt: Das Chopin-Konzert zum Beispiel. Seit 1959 finden jeden Sommer jeden Sonntag Chopin-Klavierkonzerte am Chopin-Denkmal im Łazienki-Park statt.

    2023 hatten wir uns vor der brutalen Hitze in den Park geflüchtet, lagen um 12 reglos irgendwo unter dem Busch im Schatten und stolperten eher zufällig ins Konzert. Wir waren aber angefixt genug, um die zweite Runde um 16 Uhr auch mitzunehmen. Besser vorbereitet, es war auch nicht mehr ganz so brülledn heiß, aus einer Sitzbank außerhalb der Sichtweite des Klaviers aber in Hörweite.

    Diesmal waren wir noch besser vorbereitet: Wir hatten eine Unterlage mitgenommen, um uns auf den Rasen direkt am kleinen Teich am Denkmal zu setzen. Leider war es diesmal aber nicht heiß, sondern vorher war ein Wolkenbruch herniedergegangen: in 10 Minuten waren die Handtücher durch, in 20 Minuten die Hosen und in 30 Minuten die Unterwäsche.

    Was machten wir nicht alles für ein wirklich schönes Konzert von Karolina Nadolska am Klavier.

    Luftwurzelschauen

    Das Konzert war schön aber nass. Danach waren wir nass und leicht durchgefroren. Zurück ins Hotel zu fahren, wäre eine Idee gewesen. Aber ich wollte nicht, wo der Urlaub gerade erst angefangen hatte, gleich mit einer Pause beginnen.

    Glüclklicherweise liegt neben dem Łazienki-Park gleich der Botanische Garten der Universität Warschau, und in diesem ein Subtropenhaus und ein Palamarium.

    Waren wir 2023 noch in den Park geflüchtet um den 37 Grad Außentemperaturen zu entkommen, flüchteten wir uns 2026 ins Palmarium aus der Flucht vor den nasskalten 19 Grad – beides im Juli.

    Wir schauten Orchideen und mehr Orchideen, die Klassiker wie Kaffee, Bananen und Kakao, und mehr Orchideen und eine wirklich schicke Abteilung mit fleischfressenden Pflanzen. Mal ausnahmsweise nicht als Einzelpflanze sondern in größeren Gruppen in einer ganzen Anlage.

    Ebenso spannend wie erwärmend,

    Nachdem wir uns dank Tropenhaus wieder etwas aufgewärmt hatten, ging es in den Freiluftteil des Botanischen Gartens. Danach brachte uns die Metro zur Führung durch die Reste des Warschauer Ghettos und danach zur Weichselpromenade. Aber das soll ein andernmal erzählt werden.

    Verkehrsmittelzählung

    (Stand Botanischer Garten Warschau):

    1 Fernzug, 1 Regio, 2 S-Bahnen (Berlin), 5 Trams (2, Ffo, 3 Warschau), 2 Busse (Warschau); hinzugekommen 2 Trams, 2 Busse (Warschau Essengehen), 1 Tram (Fahrt in den Łazienki-Park)

    Links

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    Karen ist auf ihrer Halbeuropatur durch Deutschland durch: Halbeuropatour ’26 (4): Prag

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    Als Künstlerin mit Kind: [W]enn aufbauten besonders lange dauerten durfte anton auf den fernsehern, die ich in meine arbeiten einbaute, kinderfilme auf vhs-kassetten schauen.

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    Herr Rau über seine Filmgeschichte: Nickelodeon (Peter Bogdanovich 1976) und Filme der 1970er Jahre

    Die Reise

    Anmerkungen

    1. Der Fairness halber sei noch erwähnt, dass die Deutsche Bahn was Streckenlängen und -zahl, Menge der Zugfahrten und Menge der Passagiere in einer ganz anderen Liga spielt als die PKP. Eine gesellschaftliche Diskussion sähe anders aus. Aber die Diskussion „Meine Bedarfe als zugfahrender Urlauber“ ist ein stehender K.O.-Sieg in der ersten Runde für die PKP. ↩︎
    2. Haberbusch i Schiele sollten wir später noch einmal bei der Warschauer-Ghetto-Führung treffen. Aber später, ↩︎
  • 24-08-04 Kein Dach über dem Kopf (Warschau-Berlin)

    24-08-04 Kein Dach über dem Kopf (Warschau-Berlin)

    Der Körper bleibt stationärer. Keine Schnellzugfahrten mehr. Er bewegte sich nur zu einem Ausflug nach Latifundien, ergänzt um eine Exkursion in den Baumarkt und zum Recyclinghof. Die Seele hat Chancen nachzukommen. Inzwischen sind ich alle in Berlin.

    Ein Teil meiner selbst versucht sich zu erinnern, dass Morgen ja Werktag ist – wie ging der Arbeitsweg? Was war das Passwort? Was arbeite ich überhaupt?

    Ein anderer Teil meiner selbst sitzt noch im polnischen Intercity beziehungsweise ist auf dem Weg zum Warschauer Abendessen.

    Nachdem uns EC44 der PKP, RE1 der Odeg, und S3 und S41 der S-Bahn Berlin nach Hause gebracht hatten, nutzten wir auf der Reise:

    • 2 Fernfähren (Travemünde-Helsinki; Helsinki-Tallinn)
    • 9 Fernzüge (Berlin-Hamburg; Hamburg-Travemünde; Tallinn-Valga; Valga-Riga; Riga-Vilnius; Vilnius-Mockava; Mockava-Warschau; Warschau-Frankfurt/Oder; Frankfurt/Oder-Erkner)
    • 3 S-Bahnen (Berlin)
    • 1 U-Bahn (Helsinki)
    • 13 Trams (8 Helsinki, 3 Riga, 2 Warschau)
    • 4 Diesel-Linienbusse (2 Warschau, Travemünde, Helsinki)
    • 2 Trolley-Linienbusse (Vilnius)
    • 2 Shuttlebusse (Travemünde, Helsinki)
    • 2 Hopserfähren (Travemünde)

    Pawlowa

    Wir gingen dieses Jahr spärlich essen unterwegs. Helsinki war uns zu teuer. In Tallinn waren wir zu unpässlich. In Vilnius hat’s zu sehr geregnet. Das Hotelpicknick mit Supermarktzutaten fand öfters statt als gedacht.

    Ein Grund, es uns in Warschau gut gehen zu lassen.

    Dem Rat unseres polnischen Mitreisenden folgend, versuchten wir den Kulturpalast zu ignorieren, fuhren mit der Tram zum anderen Ende seines Platzes. Dann Fußweg. Obwohl sich Warschau schon fast heimatlich anfühlte, war uns diese Ecke zwischen den Hochhäusern hindurch fremd und faszinierend.

    Madame hatte die Browary Warszawskie ausgemacht. Ehemalige Großbrauerei, seit 2021 „ein neuer Hotspot. Bars mit hausgemachten Bier, eine große Food Hall und reichlich Sitzmöglichkeiten in gemütlichen Cafés.“ Wir saßen draußen im Untergeschoss in der gleichnamigen Bar.

    Spannende Gegend: Die Leute um uns herum sahen weder nach Touristen noch nach eingesessenen Warschauern aus – eher die schicken etablierten jungen Menschen, die mensch in entsprechenden Plätzen in London oder Zürich erwarten würde. Wobei eh alles wahnsinnig schick aussah. Ein Weltensprung gegenüber dem Berlin, das uns einen Tag später erwartete.

    Wir schwelgten: Litauisches Roggenbrot mit Ostseehering; Fischpierogi; Trüffelburger; Gegrillter Blumenkohl; Pawlowa; Sernik. Dann rollten wir mühsam nach Hause, wir blieben beim Thema Schwelgen.

    Palace

    Letztes Jahr bei unserem Polentrip war das Hotel in Warschau dasjenige, welches am teuersten war und dafür auch am wenigsten Joy sparkte. Irgendwie sagten wir „Warschau halt…“. Außerdem lag es nett fußläufig zu Warszawa Centralna, dem Warschauer Hauptbahnhof. Aber ging es nicht besser?

    Dieses Jahr war das Hotel in Warschau immer noch das teuerste der Reise – aber es sparkte jede Menge Joy. Den Polonia Palace hatten wir sogar schon gesehen – er liegt noch näher am Bahnhof, als das alte Hotel. Bei jedem Gang vom ZSCW-Hotel zum Bahnhof liefen wir am Polonia Palace vorbei.

    Jedes mal dachten wir: „Grand Hotel. Kostet sicher mehrere hundert Euro die Nacht. Weit über Budget.“

    Seat 61 brachte uns dazu noch einmal nachzusehen. Dessen Hoteltipps sind zwar am oberen Ende unserer Reiseplanung, aber das Nachdenken wert. Er empfahl das Grandhotel. Madame schaute nach. Denkste! Bezahlbar. Auf ins Grand Hotel.

    Gigantisches Zimmer, schickes Frühstück und ein tolles Gebäude, dessen Geschichte für einen eigenen Wikipedia-Artikel ausreicht. Genau gegenüber dem anderen Gebäude das wir ignorieren sollten. Welch schöner Urlaubsabschluss.

    Dementsprechend blieben wir den Vormittag im Hotelzimmer – muss man ja nutzen und gingen direkt nach Warszawa Centralna.

    Sie sehen nichts. Insbesondere kein Gebäude.

    Rollkommando

    Das Schicksal blieb uns hold, zwischen Warschau und Frankfurt hatten wir ein Abteil für uns allein. Wir bestellten Kotlet schabowy im PKP-Speisewagen – denn solang das Schnitzel noch vor Ort geklopft wird, soll man es ausnutzen.

    Ab Frankfurt half alles Schicksal nicht – die Deutsche Bahn kam ins Spiel.

    Vor Monaten gebucht: EC bis Frankfurt danach Regio, denn EC durchbuchen ging nicht. Kurz vor Abfahrt erzählte derHexer von Bahn-Bauarbeiten bei Frankfurt / Oder. Wenige Tage später die Mail „ihre Verbindung fällt aus.“ Das will man nicht lesen, wenn man noch im falschen Land unterwegs ist.

    Langes Gewürge, die Verbindung bis Frankfurt/O fuhr ganz normal. Danach gab es die Auswahl der Bus zum Hauptbahnhof, oder per Regio/S-Bahn/S-Bahn zum Südkreuz. Im Regio eine drei-Mann-Fahrkartenkontrolle. Eine militärisch auftretende Schaffnerin plus zwei Securities, auch eher am martialischen Ende des Verhaltensspektrums. Um ein Haar hätte ich mit der Bahncard salutiert.

    In a tent

    Zurück in Berlin. Ihr kennt das: man ist in einer anderen Welt, geht implizit davon aus, dass sich auch zu Hause viel geändert haben muss. Dabei waren es nur ein paar Tage, nichts ist passiert. Der Fahrstuhl an der S-Bahn ist immer noch defekt. Weiterhin erbarmte sich niemand, die Notdurft (eines Obdachlosen?) aus der Hofeinfahrt zu entfernen. Nicht einmal ein neuer Smash-Burger-Laden eröffnete in der Nachbarschaft.

    Diesmal aber gab es einen Unterschied: das Dach war weg. Das Gerüst um das Haus war in den oberen Etagen gewachsen. Dafür fehlten Dach- und Dachboden. Wir wohnen jetzt dachlos.

    Am Donnerstag immerhin kam ein polnischer Bautrepp, errichtete um das Gerüst herum eine Zelthalle. Diese soll vor Regen schützen. Wir vermuten, unter der Halle wird neuer Dachboden und neues Dach errichtet.

    Sunshine Vilnius

    Karen mit Familie war auch in Vilnius. Aber länger und bei weniger Regen: Halbeuropatour ’24 (10): Vilnius

  • 23-01-29 Do zobaczenia w Poznaniu

    23-01-29 Do zobaczenia w Poznaniu

    Die kühle Schöneberger Wohnung hat uns wieder. Der Eurocity brachte uns zurück aus Posen und es wird sicher noch einige Zeit dauern, bis alle Eindrücke verarbeitet sind, der Ansturm von Neuem seinen Platz im Hirn gefunden hat.

    Bisher weiß ich nur: Krass, dass man zweieinhalb Stunden Zugfahrt in einer anderen Welt ankommen kann. Schön, wie lebendig, sympathisch, abwechslungsreich und einladend diese Welt war.

    Zuerst ein erstes Festhalten dessen, was war:

    Freitag

    Freitag um 17:52 ging es am Berlin-Hauptbahnhof in den EC 249 (Berlin-Warschau-Express). Das Fahrmaterial wurde gestellt von der Polskie Koleje Państwowe, das Personal war bis Frankfurt (Oder) deutsch, danach polnisch. Zug halbleer, um uns die beiden polnischen Familien (zwei Mütter mit insgesamt drei Kindern), die unerfindlich die Hälfte der Zeit englisch miteinander sprachen. Ankunft in Posen viertel vor neun. Wir nahmen ein Uber ins Hotel, warfen die Koffer ins Zimmer und zogen gleich weiter zum Stare Miasto, dem alten Markt, um im Wiejskie Jadło zu essen. Zum unkomplizierten Anfang unserer Reise gab es klassische polnischer Küche: Oscypek-Käse, Schmalzstullen, eine Auswahl an Pierogi, Käsekuchen und eine Art Topfenstrudel. Plus Bier für 170 Złoty.

    Danach: „Ich bin ein Star“ auf dem Hotelfernseher.

    Samstag – Dominsel

    Samstag, Hotelfrühstück, irgendwann gegen 10:00h Aufbruch zur Tourist-Info am Alten Markt, um uns einen einfachen Stadtplan zu besorgen. Die Jakdojade-App (die ist soo toll!) empfahl uns einen kurzen Fußweg und dann die 98er-Tram zur Haltestelle Katedra, um zur Dominsel zu gelangen. Wir besichtigten den Dom (speziell: Backsteingothik in Katholisch – wie halt zur Bauzeit alle Backsteingothik-Kirchen gedacht waren) und umrundeten die Dominsel. Schauten von der Brücke in den Fluss Cybina.

    Da wir per Jakdojade (die App ist so toll) gleich ein Wochenendticket gebucht hatten, nutzten wir das, fuhren mit der 98 im Kreis und wieder urück zum Ausgangspunkt. Zu Fuß weiter durch die Stadt zum Zamek, dem ehemals preußisch-wilhelmischen Kaiserpalast und vor allem zur Enigma-Ausstellung.

    Samstag – Enigma

    Die war sehr beeindruckend, dazu später mehr. Nur kurz: Enigma war die Maschine mit der die deustche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ihre Kommunikation verschlüsselte. Dank Briten und Polen konnten diese Nachrichten schon früh entschlüsselt werden, was entscheidenden Einfluss auf den Kriegsverlauf hatte.

    Die Ausstellung ist aufgeteilt in zwei Teile: Der erste Teil empfindet den Kryptographie-Kursus nach den die drei polnischen Dechiffrierer Marian Rejewski, Jerzy Różycki und Henryk Zygalski als Mathematikstudenten im Posen der 1920er durchliefen – es wird dargestellt, in dem man selber einen Crash-Kurs zum Thema Ver- und Entschlüsselung durchläuft mit zahlreichen praktischen Übungen.

    Kärtchen mit einem wilden Farbmuster. Ein Teil ist bedeckt mit einem Rotfilter, der eine Ziege sichtbar macht.
    Eine der ersten Übungen im Kryptographie-Kurs: Steganographie. Die Nachricht ist nicht verschlüsselt, aber versteckt. Nur wer weiß, dass dort eine Nachricht ist, wird sie (wie hier mit Hilfe eines Farbfilters) sichtbar machen können. Die Ziehe ist das inoffizielle Wappentier Posens.

    Im zweiten Teil weiß man dann ja schon gut wie Verschlüsselung funktioniert, und kann den historischen Teil, was genau die drei machten, um Enigma zu entschlüsseln – und wie überhaupt die Enigma-Maschine funktionierte, viel besser würdigen. Wir hielten uns dort gut zwei Stunden auf, bevor es mal wieder zu Fuß durch weitere Teile der pittoresken Posener Innenstadt wieder zum Hotel ging.

    Samstag – Kommunales Bad Rataje

    Wir griffen Schwimmsachen, nahmen die 13er Tram bis zur Haltestelle Wioślarska und liefen zur Pływalnia kryta Rataje, dem „Städtischen Schwimmbad [im Stadtteil] Rataje.“ Wir zogen die ein oder andere Bahn und erfreuten uns danach kurz am ungewohnten Luxus eines 32 Grad warmen Nichtschwimmerbeckens. Zurück mit der Tram, auf zum Essen.

    Nach einem kurzen Abstecher durch die Haupteinkaufsstraße, der Pólwiejska, war uns experimenteller beim Essen zumute. Wir kehrten im Laboratorium Smaku ein. Die waren so wenig auf Touristen eingestellt, dass wir beim Bestellen dreiviertel geraten haben was wir bestellten. Wir wurden mit außergewöhnlicher Darreichung von schönem Essen belohnt. Als Vorspeise Grützwurstkroketten mit Cranberry-Apfel-Salzgurke und Pilzsalat, danach Pad Thai und Wiener Schnitzel. 180 Złoty für zwei Gänge plus Wein.

    Danach: „Ich bin ein Star“ auf dem Hotelfernseher.

    Sonntag

    Heute Hotelfrühstück. Ein Fußweg wieder über den Alten Markt (der es schafft trotz einer Riesenbaustelle immer noch echt schön auszusehen) zur „Neuen Synagoge“, die wir auch aus der Nähe sehen wollten. Die stammt aus dem 19. Jahrhundert, wurde von den Nazis in ein Schwimmbad umgebaut, die polnischen Kommunisten haben das Schwimmbad gleich weitergenutzt und mittlerweile steht das Gebäude leer. Beeindruckender Bau, traurige Geschichte.

    Zu Fuß noch mal ernsthaft Posener Geschäftsinnenstadt besichtigen/bebummeln. Dabei staunten wir über hunderte (tausende?) junger Menschen bester Laune in Teils aufwendigem Cosplay mit Spendendosen; sowie darüber, dass jeder zweite Mensch in der Stadt einen Herzaufkleber trug, den man bei den jungen Menschen gegen eine Spende erwerben konnte. Schließlich wurden wir aufgeklärt: Heute ist der Abschlusstag des Wielka Orkiestra Świątecznej Pomocy (des Großen Orchesters der Weihnachtshilfe), eines jährlichen Charity-Events, der polenweit durchgeführt wird und anscheinend eine heftige Resonanz in der Bevölkerung findet.

    Danach dann (mit der 9er- und der 6er-Tram) zum Bahnhof, noch Zeit im Shoppingzentrum Avenida vertreiben und die Sahnetörtchen-Auslage der Bäckerei dort bewundern. Um 15:26 stiegen wir in den pünktlichen Fahren EC 44 (Warschau-Berlin-Express), der uns kurz nach 18 Uhr wieder in Berlin Hauptbahnhof aussteigen ließ.