Schlagwort: Reise in eine strahlende zukunft

  • 25-11-27 southpark, M.A., B.Sc.

    25-11-27 southpark, M.A., B.Sc.

    Die Welt auf den Straßen ist verworren geworden. Selbst wenn jemand morgens um 6.30h wild rufend und schwankend über die Bürgersteige läuft, kann es sein, dass er einfach nur mit Headset telefoniert.

    Madame fuhr das letzte Mal aus der Schöneberger Wohnung in die Hafenstadt.

    Ich schaute bei LinkedIn vorbei. Ich lachte, als mir ein Post eines angehenden Fernuni-Hagen-Wirtschaftsinformatik-Bachelors gezeigt wurde, der über seine zweistündige Lernsession schrieb:

    „Erfolg ist nur gemietet … während viele langsam in den Sonntag starten, investiere ich die nächsten zwei Stunden in meine Zukunft … Disziplin, Ausdauer und Sitzfleisch … Voller Fokus. Keine Ausreden … der Unterschied zwischen ‚Ich würde gerne‘ und ‚ich habe es geschafft‘ #mindset #Disziplin #Focus“

    Ich weiß selber, dass es den Bachelor in Hagen wahrlich nicht geschenkt gibt, war aber trotzdem sehr kurz davor ein „Yo, Brother, chill mal“ unter den Post zu setzen. Meine Güte.

    Bei uns im neuen Briefkasten landete ein handgeschriebener Zettel in Kinderschrift, dass die Wassertemperatur im Stadtbad zu niedrig ist. Pflichtbewusst habe ich den beim Kollegen an der Kasse abgegeben – obwohl mich sein Niedlichkeitsfaktor schon sehr zum Behalten animierte.

    Wir beide haben Erinnerungen daran, dass man während und nach einem Umzug in den 1990ern/2000ern monatelang weder Telefon noch Internet hatte, weil das damals alles so lange dauerte mit dem Umschalten. Heute nicht mehr. Außer bei uns. Mit einer schon fast handgeschriebenen (auf jeden Fall selbst geschriebenen und individuell formulierten) Entschuldigung der Sachbearbeiterin. Im Gegensatz zu damals kann ich mir heute aber wenigstens einfach unlimited Daten zum Handy dazu buchen. Es wird ein Monat des Hotspots werden.

    Es waren zweieinhalb Tage des Arbeits und Prä-Umziehens.

    Reise in eine strahlende Zukunft

    Ausgelesen: Rainer Erler: Reise in eine strahlende Zukunft – ein Skandalroman aus den 1980ern, um Atomabfälle, die über dunkle Kanäle über alle Weltmeere verbracht und dann zum Verschwinden gebracht werden.

    Der Roman ist schlimm geschrieben. Es ist ein klarer Plotgetriebener Unterhaltungsroman, allerdings mit einem Plot, der nur durch seine Löcher überraschend wirkt. Darin bewegen sich Charaktere, die mit „wandelne Klischees“ noch sehr nett beschrieben wären.

    Was am Buch oft nett ist: Das Buch ist Kind seiner Zeit, der 1980er: Atommülltransporte in Castor-Behältern, heldenhafte, draufgängerische Journalisten, Exotismus und am Ende sind Greenpeace die Guten. Was mir das Buch verleidet: Ein Nebencharakter vergewaltigt fast die Protagonistin, sagt zwei Seiten später „ey, tut mir echt leid“ und alles ist wieder gut – auch da ist der Roman ein Kind der 1980er in ihrer schlimmen Gestalt.

    Vor allem scheint mir das Buch aber eine Ausrede für den Autor gewesen zu sein, eine Weltreise zu unternehmen: Die engen Gassen von Marseille, der Blick auf dem New Yorker Hotelzimmer, der Hafen in Singapur, die Fahrt durch das australische Outback; hier wird der Roman plötzlich detailliert und entwickelt Leben. Vor meinem inneren Auge habe ich sofort den Autor, der genau dies als Tourist in diesen Städten erlebt hat.

    Kein Platz für dieses Buch im Regal.

    Sie ist da

    Auf jeden Fall einen Ehrenplatz im Regal, oder an der Wand, erhält die Urkunde, die kam. Seit dem 11. November darf ich mich offiziell Wirtschaftsinfornatik-Bachelor seit dem 16. September nennen. Oder so. Bachelor-Urkunde und Zeugnis kamen mit der Post.

    Denn ich habe es jetzt amtlich bestätigt geschafft. Natürlich nur dank Mindset, Motivation und Fokus.

    Das Bachelorstudium ist endgültig vorbei, und wenn ich nicht nächste Woche umziehen würde, könnte ich jetzt feiern und noch mal in mich gehen, wie es eigentlich war und was hängen bleibt. Ich hoffe sehr auf einen ruhigen Januar dafür.

    Aber egal: Erst mal ist die Urkunde gekommen. Quantitativ herrscht damit Uni-Abschluss-Gleichstand in diesem Haushalt und ich bin das erste mal seit vielen Jahren auch punktgenau formal dafür qualifiziert, was ich schon die ganze Zeit mache.

    Feiern kommt noch.

    R522

    Ich war zweieinhalb Stunden bei IKEA und alles was ich bekam, war eine Vorgangsnummer.

    Außerdem konnte ich inzwischen durch ausgiebige Beobachtung das Organisationssysteme des Kundendienstcenters ganz gut verstanden. Inzwischen weiß ich, dass R-Nummern Reklamationen sind, X steht für eXpress, S für allgemeiner Service, K für Krückgaben (ich vermute K wegen Kulanz), nur was E ist, weiß ich noch nicht.

    Abgesehen von der Warterei war die ganze Geschichte eher unerfreulich:

    Wir und IKEA sind uns einig. Die Küche ist gebaut, das Küchenfenster geht nicht mehr, auf ist ein Fehler.

    IKEA sagt: „Das ist so offensichtlich eine Fehlplanung, dem müsst ihr zugestimmt haben, sonst hätten wir ja nicht fehlgeplant.“

    Wir sagen: Das sehen wir leider ein wenig anders. Tatsächlich haben wir mehrfach darauf hingewiesen, dass wir eine Küche mit öffnendem Fenster bevorzugen.

    Jetzt halt die Ticketnummer.

  • 25-11-22 Ick bin ein ChaWiener

    25-11-22 Ick bin ein ChaWiener

    Endlich fand ich eine zweifellos sinnvolle Anwendung von ChatGPT. Es löst jetzt meine Captchas und ist dabei erfolgreicher als ich.

    Madame töpferte ein Seepferdchen nach Art eines mittelalterlichen Elefantenbildes. Allerdings steht ihr das Internet zur Verfügung und so konnte sie ihr Werk vor dem Abschluss noch einmal mit Bildern echter Seepferde vergleichen.

    Das Café Bilderbuch ist weg! Zumindest deutet Frau Karminrot das an und die Insolvenzmeldungen vom 11. August scheinen es zu bestätigen. Meine Reaktion „Oh gott! Sie haben das seelische Zentrum aus dem Kiez gerissen!“. Madame reagierte rationaler mit „Das sah schon lange so aus als sollte es mal überarbeitet werden, aber anscheinend war kein Geld mehr da.“ Passend dazu: Außerdem haben die Leute sich schon immer mit Lektüre wichtig gemacht. Schließlich wurde dafür extra das Café erfunden.– aber heute anders.

    Ich staune: Ich habe im Internet unseren Umzugswunsch bei der Telekom eingetütet und keine 10 Minuten später rief die zuständige Sachbearbeiterin mit sinnvollen Rückfragen und Informationen an. Bei o2 ist sowas nie passiert. Dafür stellt sich der neue anvisierte Stromanbieter tot. Na mal schauen.

    Es war ein Arbeits- und ein Prä-Umzugstag.

    Der Hof und der Müll

    T-10 bis zum Umzug. Wir verzehren die letzten Vorräte aus dem Gefrierschrank. Langsam häufen sich die Momente, in denen wir denken „Das letzte Mal, dass..“ oder „Bald nicht mehr..“

    Ein erfreuliches Bald-nicht-mehr wird auf jeden Fall der Abschied von den Haus-Hallodris. Die entpuppten sich zum Abschied noch einmal als rechte Rüpel-Eumel, als Madame höflich fragte, ob sie es sind, die seit neuestem das Hoftor abschließen und damit die BSR aussperren. Vermutlich getroffen in all‘ ihrer normal-vermüllenden Hallodrihaftigkeit – und gerade offenbar im Termin mit Opfern Kaufinteressierten – reagierten ein Hallodri mit Verbalaggression. Mon Dieu!

    Immerhin scheint ihnen durch das Gespräch aufgegangen, dass Müll-Berge im Hinterhof nicht dem Verkaufsclaim helfen, dass hier ein ordentlich-bürgerliches Haus steht. Passend zum Niveau und ihrem wir-scheuen-Kosten-und-Mühen-Anspruch versenkten sie den herumliegenden Müll jetzt erstmal im Papiercontainer. Mon Dieu!

    Mit der Dresdner Eisebahne

    Auch offiziell sind wir neue Menschen. Seit Freitag sind wir offiziell Bewohner des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf (ChaWi), im Personalausweis klebt ein neuer Aufkleber, seine elektronisch gespeicherten Daten wurden umprogrammiert.

    Zum Abschied fand der Termin in unseren ehemaligen Altbezirk Tempelhof-Schöneberg (TS) statt. Das einzig zeitnah verfügbare Bürgeramt lag an der Grenze von TS zu Brandenburg. Auf mit der Dresdner Eisenbahne ans südliche Ende Berlins nach Lichtenrade.

    Dort: eine epische Unterführung vom Ausmaß eines komplettem Kongresszentrums (siehe Der lange Anfahrtsweg der „Dresdner Bahn“) und ein backsteingeprägtes Ortsbild, dass in Madame sofort Norddeutschlandassoziationen weckte. Kaum sprache es aus, sahen wir eine Filiale des Lübeck/Hamburger Stadtbäckers Junge.

    Aber vor das Pain au chocolat hatte der Plan die Ummeldung gelegt. Das Bürgeramt sitzt im ehemaligen Christophorus-Kinderkrankenhaus. Nachdem wir gemeinsam mit der Sachbearbeiterin dem Start ihres Rechners beiwohnten, lief alles problemlos.

    Passend dazu besichtigte ich endlich die halbfertige Küche, wir brachten ein paar Sachen aus der Kategorie „Sperrig, empfindlich, nur selten benötigt“ aus der alten Wohnung in den neuen Keller.

    Nada

    Gelesen: Jean-Patrick Manchette: Nada – ein Buch, in dem die Akteure quasi immer überhastet, übereilt und spontan agieren, das in seiner Wirkung auf mich aber langsam zersetzend ist. Mit jedem Tag Abstand zur Lektüre denke ich mehr darüber nach und bin begeisterter.

    Paris, 1971, eine Stadt in grau und Dauerregen. Die Hoffnungen von 1968 sind zerstoben – aufeinander treffen eine wild zusammengewürfelte Gruppe der Links-Linken der Gruppe Nada zwischen Desillusionierung, sinnentleerter Gewalttätigkeit und dem Versuch sich an etwas festzuhalten und der Staat in Form emotionsloser Machtausübung.

    Nada entführt den amerikanischen Botschafter, ohne wirklich an Erfolg oder Sinn der Aktion zu glauben und wird im Anschluss vom französischen Staat in einer Schießerei plattgewalzt. Hoffnung hat niemand. Der einzige, der Freude empfindet, ist vielleicht der sadistische Kommissar.

    Fast ein Roman wie ein Gedicht – kein Wort zuviel: Die Szenen sind angerissen, die Dialoge auf das Notwendigste begrenzt, Stimmungen werden in zwei drei Worten gesetzt. Und doch, das deprimierte, graue, zynische Nach-68er-Paris so unfassbar gut getroffen. Ein Roman, für den ich fast ernsthaft französisch lernen möchte, um die Sprache im Original zu lesen.

    Direkt danach: Rainer Erler – Reise in eine strahlende Zukunft. Ein Politthriller von 1986 über Atommüll und Castor-Transorte. Auch kein schlechtes Buch. Aber im Vergleich zum Manchette davor halt, als hätte ich Foucault zur Seite gelegt und jetzt ein Gemeinschaftskunde-Lehrbuch ergriffen.

    Mit Dip, ohne Häuser

    Andere erleben Abenteuer, ich dippe. Immerhin erlebe ich Abenteuer ohne Ende, wenn ich versuche, die beim Dippen entstandenen Saucenflecken wieder aus den Shirts zu bekommen: Rote Beete-Raita

    Frau Blattspinat-U-Bahnverleih besuchte Mühlrose, das letzte für den Braunkohleabbau in der Lausitz abgerissene Dorf: und entdeckte ein Dorf ganz ohne Häuser: Nur mit Straßen, Hecken, erkennbaren Grundstückgrenzen und ganz besonders grünen Rasen auf dem ehemaligen Schwimmbadgelände: Das Dorf ohne Häuser

    Ein Lob des Performative Readings. (via Kieselblog)

    Biopics sind nicht meins. Aber diese Maria-Besprechung macht mich neugierig.

    Wer mit Katz fermentiert, fermentiert gut. Salzgurken bei Magentratzerl.

    Zum Abschluss: Forensic Accounting und KI

    Im Internet traf ich auf einen Artikel zum spannenden Thema KI und die Wirtschaft. Der Artikel hatte mich, als er von „Forensic Accounting“ sprach. Ansonsten ist er glaube ich dem größten Thema von LLMs / KI auf der Spur: Es verbrennt Millarden Dollar, die sich nirgendwo verdienen lassen:

    Nvidia invests in AI startups, startups commit to cloud spending, cloud providers purchase Nvidia hardware, Nvidia recognizes revenue, but the cash never completes the circuit because the underlying economic activity—AI applications generating profit—remains insufficient. (The Algorithm That Detected a $610 Billion Fraud: How Machine Intelligence Exposed the AI Industry’s Circular Financing Scheme)

    Was altbekannt ist, aber immer wieder wiederholt werden sollte:

    OpenAI, valued at $157 billion in its most recent funding round, reported $3.7 billion in revenue for 2025 according to The Information. The company simultaneously disclosed operating expenses of $13 billion, resulting in a $9.3 billion annual cash burn.

    Aber spannenderweise auch eine gute Nachricht für KI-Fans (wenn auch nicht für LLMs):

    November 20, 2025, represents an inflection point in financial markets. For the first time, algorithmic trading systems detected accounting fraud faster than human analysis. The 18-hour reversal from post-earnings euphoria to negative market territory reflects machine intelligence processing financial statement footnotes, calculating deviation from industry norms, and executing trades before human analysts completed their models.

  • 25-08-03 Bachelurlaub

    25-08-03 Bachelurlaub

    Madame lernte Hillary kennen, Singer-Songwriterin aus New Mexico, später dann ein sächsisches Ehepaar, das Steak tartare essen wollte.

    Ich traf den Bauleiter unserer Dachbaustelle. Gute Nachricht: Wenn sie mit dem Dach fertig sind, ist unsere Wohnung zur Renovierung vorgemerkt – was nötig ist, angesichts der ganzen Schäden, die sich über die letzten zweieinhalb Jahre Baustelle über unseren Köpfen angesammelt haben. Schlechte Nachricht: Wenn sie mit dem Dach fertig sind, ist unsere Wohnung zur Renovierung vorgemerkt – leider stehen Wohnung renovieren und gleichzeitige wohnen in einer Wohnung in einem gewissen inneren Spannungsverhältnis.

    Es war ein letzter dreiviertel Arbeitstag und ein erster Tag der freien Tage zur Vorantreibung der Bachelorarbeit – der Bachelurlaub. Ich machte aber erstmal Urlaub vom Bachelor und verbrachte den Samstag auf den Latifundien.

    Trotz Urlaub, Strohwitwertum und potenzieller Lernverhöhlung gelang es mir bisher, Struktur im Alltag aufrecht zu erhalten. Vier von fünf Abendessen waren ordnungsgemäß gekocht und hatten jeweils drei Gänge. (1 – immer Gemüserohkost, 3 – immer Obst. Ich will auch nicht übertreiben)

    Ausgelesen: Wir schon wieder – 16 jüdische Erzählungen. Die letzten drei Texte. Einer (der der Herausgeberin) ein bißchen belanglos, Ljudmila Ulitzkajas Dankesworte an die Antisemiten eindrucksvoll, aber irgendwie mehr Statement als literarischer Text und Was hättest du getan?, der Deutschland 2025 gut und schmerzhaft trift. Erst beim Nachsehen wird mir bewusst, dass der Text von Dana Vowinckel ist, deren Gewässer im Ziplock hier länger von Madame im Bungalow gelesen wurde.

    Ratatouille verpönt

    Wenn wir verreisen, stelle ich fest, vor lauter Reiserei komme ich nicht zum Schreiben und es passiert eh zu viel, um es zu würdigen.

    Dies passiert selbst, wenn ich gar nicht mitfahre. Alleine Madames Telefonerzählungen aus Paris-Versailles-Bayeux sprengen jeden Blograhmen. Allein die Serenade in Versailles bietet genug Stoff für eine ganze Reihe.

    Deshalb nur ein Detail: der Potager du roi – der königlichen Küchengarten. Der ist durch alle Revolutionen und politischen Verwerfungen seit dem 17. Jahrhundert im Betrieb – Obst und Gemüse wollten alle Versailles-Zuständigen.

    Madame bekam eine Führung auf französisch. Sie erfuhr: Aus bürokratischen Gründen fördert der Staat den Garten – Weltkulturerbe seit 1979 und Teil von Versailles – nicht, so dass sie alleine von Eintrittsgeldern leben und dem Verkauf ihrer Erzeugnisse.

    Denn es gibt einen Stand, an dem frisches königliches Obst und Gemüse verkauft wird.

    Der Klimawandel zeigt sich auch hier: der Anbau wechselt weg vom Obst hin zum Gemüse.

    Eine Änderung gegenüber der Geschichte: Ludwig XIV war größer Obst und Gemüsefan. Aber zu seiner Zeit war mediterranes Gemüse (im Wesentlichen alle Zutaten der Ratatouille) verpönt. so dass hier Feigen und Äpfel wuchsen.

    Original Reise Ratatouille

    Der Bachelurlaub begann im 248er Bus vom Südkreuz in den Bergmannkiez. Schon vor vielen Wochen hatte ich Original Sin: President Biden’s Decline, Its Cover-Up, and His Disastrous Choice to Run Again in der Hammett-Buchhandlung bestellt und dann über viele Wochen nicht abgeholt. Endlich Zeit es zu ändern.

    Wie es sich für eine gute Buchhandlung gehört: Ich betrat den Laden. Und während ich noch in der Tür stand, sah Christian mich, drehte sich sofort um, und holte das Buch aus dem Vormerkregal. Beste Buchhandlung.

    Und weil ich nicht anders kann, also in einer Buchhandlung spontan ein Buch zu kaufen, kam ein antiquarisches Exemplar von Rainer Erlers Reise in eine strahlende Zukunft (Verlag das neue Berlin, 1986) hinzu.

    Und weil ich ja Urlaub habe, wandelte ich in die neben gelegene Marheineke-Markthalle. Im Gedenken an Madames Frankreichtour entdeckte ich Le Bretagne, die mir ein vortreffliches Ratatouille-Galette servierten und dazu eine überzeugende französische Konditorei-Auswahl im Tresen stehen hatten.

    Der Schrei des Rotmilans

    Fahren auf die Latifundien in dichtem Bodennebel. Der Regen hinterlässt spuren. An der Raststätte Stolper Heide1 sucht der Kassierer jeden möglichen Rabatt heraus, den er noch finden kann. Dabei ist die Raststätte eh schon die preiswerteste Quelle für Autogas.

    Wöchentliches Mähen im August – das Wetter ist ernstlich kaputt. Der Garten wirkt so üppig wie nie – zumindest was das leuchtende Grün angeht, bewegt er sich überraschend stark in Richtung englischer Landhausgarten. Nur wächst das Gras auf den Wegen auch wie blöde.

    Nach Mäh- und Falläpfelrunde folgte die Besorgungsrunde: Die letzten Bratwürste vor dem Urlaub der Metzgerei, Rasenmäherbenzin, Altglasverbringung, Gemüse und alkoholfreies Bier, ein Stück Erdbeerschnitte am Kremmener Marktplatz. Über dem Marktplatz kreiste ein Storch.

    Nachmittag eine Geräuschkulisse aus dem Schrei des Rotmilans und herüberwehenden Fetzen der Speedwaybahn.

    Fast beinahe lasse ich alle selbstgesteckten Regeln sausen und werde üppig. Der Garten zeigt sich nach all‘ dem Regen in paradiesischer Paradiesheit zudem mit besten Wolken. Meine Regel: 1 Post – 1 Bild wankt. Denn welches nehmen?

    Aber egal. Ich bleibe bei einem Bild. Ich entscheide mich für zwei Mitbewohner*innen, die sich bisher allen halbwegs scharfen Fotos entzogen: Chorthippus brunneus (aka brauner Grashüpfer – sehr häufig, aber halt sprunghaft im Versuch ihn zu fotografieren) und eine Schwebfliege (Ehrlich gesagt, keine Ahnung, wie häufig sie sind – wir haben so viel gelb-schwarze Insekten aller Art, dass ich nur noch selten bestimme)2. Auch habe ich immer keine Lust, sie zu fangen, einzufrieren und dann ihre Geschlechtsteile unter dem Mikroskop zu bestimmen.

    Chorthippus brunneus an Armbanduhr
    Schwebfliege an Wilder Möhre

    Teletext und Blitz nach oben

    Aharoni kann etwas, was vermutlich niemand sonst auf dieser Welt: Wirrwarr-Text, der auf englisch geschrieben wurde, aber auf hebräisch ausgegeben wird, fließend lesen. My Useless Super-Power: Reading Incorrectly Encoded Teletext

    I guess this is BookTok speaking: eine geschlossene Veranstaltung um 23:00h zur Präsentation einer neuen Young Adult Reihe.

    Konstantin freut sich: In einem Raum mit über 3 Meter Höhe und 99 Jahren an Geschichte aufwachen. – und da sagt der Berliner Altbaubewohner: Ha! Das habe ich jeden Morgen!

    Ein Blitz nach oben, fotografiert aus der ISS. (via Das BlaBlog)

    Urlaub in der Normandie scheint im Trend zu liegen: Saint-Valéry-en-Caux: kleines Küstenstädtchen in der Normandie

    Urlaub im Balkan. Karen verlässt ausnahmsweise den Zug: Turku-Sarajevo mit dem Zug: (9) Split – Dubrovnik

    Mit dem Boot. Über Geld wird eh zu selten geredet: Was kostet ein Bootsurlaub in Friesland?

    Mehr als Urlaub: Holger und Angela geben den Schlüssel zum Liegeplatz ab und steigen für 13 Monate aufs Boot.

    Anmerkungen

    1. Ich glaube eine der wenigen Autobahnraststätten, die nicht zum Tank&Rast-Imperium gehört. ↩︎
    2. Der Halluzinator lässt sich übrigens nur mühsam davon abbringen, dass es sich bei dem Tier um eine Wespe handelt. Selbst wenn ich dazu sage, dass es eine Schwebfliege sein soll. Er verweist dabei jedes Mal auf die Wespentaille als ausschlaggebendes Merkmal. Und was sehen wir auf dem Foto NICHT: Genau, eine Wespentaille. ↩︎