Schlagwort: Rotkohl

  • 22-12-21 Fallschirmspringende Bieber

    22-12-21 Fallschirmspringende Bieber

    Der Wikipedianer Claude J ist verstorben. Dass er an seinem Todestag noch Wikipedia bearbeitete, berührt mich.

    Das defekte Autorad wanderte vom Hinterhof auf die Busspur und folgte seinem Kumpel, der weißen Ledercouch. Die sah ganz schick aus, als sie vor einem knappen halben Jahr in den Hinterhof wandete. Langsam aber setzen ihr fünf Monate Wetter zu.

    Kollege M wird ein Perlhuhn kaufen.

    Madame kaufte rote Tinte.

    Morgen ist mein immobiler Donnerstag. Das bedeutet, meine Anwesenheit in der Verwaltung ist für diese Vor-Weihnachtszeit beendet. Zur Feier des Tages ersetzte ich den normalen IT-Filterkaffee durch einen Vollautomaten-Vanilla-Capuccino. Der genauso schmeckt, wie sich das gerade anhört.

    Dann Büroverlassung. See you on the other side. Noch allerdings wirkt Weihnachten immer noch wie findet-in-vier-Wochen-statt, diverse Arbeitspläne für Anfang Januar wirken auf mich näher denn der Heiligabend in drei Tagen.

    Der Miss-South-Rotkohl war gut. Hätte mehr Aroma vertragen können. Granatapfelkerne aus dem Slowcooker sind ein lustiges Experiment. Neben dem Jahresplan „Miss-South-Kochbuch-nachkochen“ steht auch der Jahresplan „Was wurde aus Miss South?“ an. Die Miss war eine recht erfolgreiche britische Foodbloggerin und Zeitungskolumnistin, beendete Ende 2016 ihren Blog und ist seitdem im Internet nicht mehr auffindbar.

    Heute lernte ich: 1948 ließ das Idaho Fish and Game Department Bieber per Fallschirm über Idaho ab. Es existiert sogar ein Film. (ab Minute 7:20 bis 9:15 kommen die Falllschirmbieber)

    Bild: Oregon State University at the capitol von: Oregon Secretary of State Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic

  • 2022-12-20 Kein Rohrbruch

    2022-12-20 Kein Rohrbruch

    Madame schnippelte Scheinlöwenzahn.

    Was war das? Nachdem ich gestern selbstbewusst den Übergang vom Vorweihnachtsstress zum Jetzt-ist-egal-Chill verkündet hatte, habe ich heute die letzte halbe Stunde meiner Arbeitszeit leer auf den Rechner gestarrt und versucht zu verstehen, welche Büffelherde gerade über mich hinweggelaufen war. Da wollten wohl noch einige schnell etwas fertigbringen und forderten Support an.

    Zum Ausgleich ein Abendschmankerl: ein Kollege im Radio. Den kenn‘ ich.

    Vorher dem Ansturm blieb mir Zeit, um über das gestrige „She Said“ nachzudenken. Wir sahen ihn mit Professor Transformation im Delphi Palast. Der Film zum Harvey-Weinstein-Fall. Er erzählt den Fall Weinstein anhand der Entstehungsgeschichte des Artikels Harvey Weinstein Paid Off Sexual Harassment Accusers for Decades (Paywall removed) aus der New York Times, der vieles von #metoo ins Rollen brachte. Er verfolgt die beiden Journalistinnen Jodi Kantor und Megan Twohey, die den Artikel recherchieren.

    Das Gute: Der Film widersteht sowohl der Versuchung voyeuristisch zu werden als auch der Versuchen, Weinstein als eine Art gefallenen charismatischen Antihelden darzustellen.

    Inhaltlich, auf der Handlungsebene, wird der Film der Komplexität des Themas überraschend gut gerecht.

    Das weniger Gute: Emotional bleibt der Film flach und wenig komplex. Gefühlt bestehen 90% des 129 Minuten langen Films daraus, dass engagierte, fleißige, gegen Wände rennende Journalistinnen, mit verängstigten, schamtraumatisierten Schauspielerinnen und Ex-Miramax-Angestellten telefonieren, damit diese „on the record“ gehen. Die restlichen 10% zeigen leere Hotelflure mit der immer gleichen penetranten drohend-traurigen Musik. Was an Komplexität im Fall liegt; zum Beispiel bei den Enablern, die wussten/ahnten was passiert aber nichts taten, geht leider unter.

    Ein Film, der gerne eine hervorragende Dokumentation geworden wäre, aber der Hollywood-Erfolgs-Logik nach ein mäßiger Spielfilm werden musste. (und dann auch noch leider an der Kasse floppt).

    Mit leichtem Grisen sehe ich Alpha-Twitter*innen auf Tröt, die offensichtlich sehr darunter leiden, nicht mehr automatisch im Mittelpunkt zu stehen. Jetzt versuchen sie, politisch reflektiert einen Punkt zu machen, warum Tröt unbedingt mehr wie Twitter werden sollte.

    Gleich werde ich Rotkohl schneiden, um das Jahresprojekt 2023, das Miss-South-Kochbuch nachkochen, zu beginnen.