Schlagwort: Sauerteigbrot

  • 26-01-10 LAN String

    26-01-10 LAN String

    Ein Mann in der U-Bahn spielte 2048 und ich wurde fast nostalgisch.

    Vor dem Haus: eine ältere Schwester, die ihren jüngeren Bruder auf dem Schlitten vorbeizieht.

    Der Fuchs kam auch, ließ sich Zeit wie selten und stellte sich für einen Passanten in Fotopose.

    Der Labeldrucker kam mit der Post. Ich beherrschte mich vorbildlich, nicht Schilder auf alles zu kleben, was im Wege stand.

    Ich stellte fest, dass die Arte Mediathek umfangreiche Mitschnitte des Bardentreffens Nürnberg 2025 enthält, und höre jetzt spannendend Funk von Nik West. (Bei arte)

    Vielleicht braucht der Rechner doch eine Soundbar? Bei Funk music wirkt das, was aus dem Rechner kommt, arg ärmlich.

    Es waren Freitag und Samstag umgeben von Eis und Schnee.

    Der Geruch beim Öffnen des Kühlschranks ließ es angeraten erscheinen, das gemüsliche Kimchi schnell zu verbrauchen. Da wir beide nicht so richtig Lust zum Kochen hatten, erinnerten wir uns an die Teelicht-Raclette-Öfchen und den Käseimport aus Basel. Es gab zweierlei Kimchi (geruchlicher aber geschmacklich harmloser von der Gemüslichkeit, plus scharfes Kimchi aus dem ukrainischen Edelsupermarkt) mit Raclettekäse. Zu unserer Überraschung war es richtig, richtig gut. Jederzeit wieder.

    Noch 10 Kartons

    Im zweiten Versuch fand sogar Hermes die Wohnng.

    Feudel und Deckel des Brotbacktopfes tauchten auf. Madame bäckt ihr erstes echtes Brot in der neuen Wohnung. Wie sie sagt: Ein Sauerteig-Wiederbelebungsbrot.

    Das LAN läuft. Die Netzwerkdosen haben Netzwerk. Ich hätte halt nur ein Kabel zum Testen verwenden sollen, das nicht selbst kaputt ist.. Trotz Zwangsdowngrade von Glasfaser (alte Wohnung) auf schnelles DSL -> so schnelles Netz hatte der Rechner noch nie. Wow.

    Vor lauter Begeisterung schaute ich mir auch mal näher die ganzen Einstellmöglichkeiten der Fritzbox an, und jetzt kriegen wir E-Mails wenn jemand auf den Anrufbeantworter vom Festnetztelefon spricht.

    Auch an anderen Stellen der Wohnung geht es voran.

    Das Denkmalamt wäre stolz auf uns. An die Klavierzimmerwand unsere Mid-Century Baudenkmals schraubten wir ein Mid-Century-Bücherregal. Manchmal treffen die Zufälle lustig zusammen.

    Unsere Einrichtung besteht zum Großteil aus IKEA oder geerbt; geerbt heißt bei uns meistens eine Entstehungszeit zwischen 1900 bis 1965. Der Nachbau Das durch String inspirierte Regal hat anscheinend eine lustige Geschichte: denn heute bei näherer Betrachtung scheinen es einst zwei Regale gewesen zu sein, die durch einen Heimwerker in eines verwandelt wurden.

    Und egal, auf jeden Fall hängt es: Blaue Bücher hängen über dem blauen Sofa und wir sind bei zehn verbliebenen Umzugskartons.

    Auch mal testen: Würgeengel Cocktailbar

    Siebzehn Jahre in Berlin. Und ich glaube, ich war noch nie am Kotti. Natürlich habe ich den Platz Kottbusser Tor diverse mal mit Bahn, Fahrrad oder Auto überquert. Aber wirklich dort? War ich nie. Der Platz, der für Berliner fast so herausfordernd klingt wie Rollbergkiez oder Sonnenallee, da wo die Westberliner Stadtplanung mitten in Kreuzberg Altbauten durch eine Großwohnsiedlung ersetzte, wo linkes Szene-Kreuzberg auf türkisch-arabische Community trifft; und ich war noch nie da!

    Ein Fehler. Natürlich. So ein Ort an dem ich ausstieg und dachte „das fühlt sich richtig an.“

    Entdeckung: Midye Dolme. Ein Imbiss pries Miesmuscheln in acht Sprachen an. Ein Miesmuschel-Imbiss? Was ist das? Etwas Recherche brachte mir die Erkenntnis über die türkische Spezialität: Midye Dolme – Miesmuscheln gefüllt mit Reis und Muschelfleisch. In Berlin existieren mindestens zwei Imbisse, die sich darauf spezialisiert haben: The Midyeci am Kottbusser Tor (bisher im Internet nur auf Clip Clop und Insta auffindbar) und Midye 47.

    Berlin, du hörst nie auf mich zu überraschen.

    Mein eigentliches Ziel aber war die Dresdner Straße und dort das Kino Babylon Kreuzberg. Nachdem mich die U3 in einer sehr eigene Welt direkt am Kotti geworfen hatte, verließ ich diese wieder. Einmal durch den Durchgang am Neuen Kreuzberger Zentrum gelaufen und schon war ich im Altbau-Szene-Kreuzberg mit Kneipen in denen Antifa-Poster hängen, abgehangenen Edelitalienern und einem eigenwilligen Programmkino mit All-Gender-WCs (um genau zu sein: ein reines Pissoir-WC, eine Sitzklo-WC und ein Sitzklo-WC barrierefrei.

    Passend zum Film. Ich besuchte meinen dritten Yorck-Unlimited Film des Jahres1: Die jüngste Tochter (La petite dernière), Gewinner der Queer Palm beim Cannes Filmfestival 2025.

    Frauen, die ins leere Starren

    Der eigentliche Film – Die jüngste Tochter – war seltsam. Die ganze Zeit dachte ich: Eigentlich sind alle Puzzleteile vorhanden, um einen wirklich großartigen Film zu machen. Aber sie finden nicht zueinander.

    Erzählt wird ein Jahr im Leben von Fatima, dritte Tochter eines algerisch-französischen Familie, die in einem Pariser Banlieu Abitur macht und in Paris beginnt, Philosophie zu studieren. Ist sie zu Beginn des Filmes noch mit einem schnauzbärtigen Nudelkopf zusammen, erforscht sie im Laufe des Jahres ihres lesbische Sexualität.

    Eigentlich hat der Film alles: Eine Ausgangslage die von alleine eine Geschichte erzählt. Tolle Szenen (die Familie am Küchentisch, der Vater auf der Couch und Fatima, die zum Spott und Entsetzen ihrer Schwestern einfach nicht kochen will; Fatimas erstes lesbisches Date via Dating-App). Interessante Schauspieler, ein komplett hinreißendes lesbisches Liebespaar, und ein Setting, das so realistisch und so 2026 wirkt als könnte es direkt wortwörtlich und genau mit diesen Personen in einem Nachbarhaus am Kotti spielen.

    Aber es kommt nicht zusammen.

    Vielleicht passt es nicht, weil die Konflikte sich vor allem in Fatimas Inneren abspielen – verdeutlicht durch sehr viele sehr lange Einstellungen in denen Fatima (gespielt von Nadia Melliti) in die Ferne schaut und die Kamera im Profil ihr fast im Gesicht klebt.

    Vielleicht passt es auch nicht, weil es nie als durchgehende Geschichte gedacht war. Der Film beruht auf dem gleichnamigen autobiographischen Roman vom Fatima Daas; der Roman soll aber viel fragmentarischer und viel verbaler sein als der Film. Eben: gewollte Puzzlestücke.

    Der Film versucht daraus ein großes Ganzes zu machen und das funktioniert nur so halb.

    Hausaufgaben Ultras

    Margrit sah auch Die jüngste Tochter: Jahreswechsel filmografisch

    Hanjo bespricht einen polnischen Comic2 zur Umbruch in Osteuruopa und der klingt spannend: Sylvain Savoia / Marzena Sowa: Marzi 1989.

    Vielleicht tracke ich doch mal Bücher. Aber bei Goodreads bekomme ich immer schon Gänsehaut, wenn ich daran denke. Thomas hat da was: Bücher tracken: Alternativen zu Goodreads

    Noch besser: Nana für zuhause

    Jedes Wort ein Gedicht. Da wird alles zusammen ja wohl auch funktionieren: Gochujang-Tomatensuppe mit Reisnudeln und Tofu

    Manchmal muss man etwas lesen, um sich selbst zu erkennen: An alle Alice-Rohrwacher-Ultras: Arte hat geliefert!

    Herr Rau überfordert mich. Aber das liegt glaube ich zur Zeit an mir. Vom Mausklick zur Maschinensprache (Linux 3)

    Das Fischerspiel zum Thema Allmende-Güter in der anderen 10. ist heute im positiven Sinne gescheitert: Die Klasse hat in den Spielen eins und zwei intuitiv Rücksicht aufeinander genommen und tatsächlich neun Runden geschafft. Erst nach der Auslobung eines Hausaufgaben-Gutscheins für die am Markt erfolgreichste Gruppe war nach Runde drei Schluss. Musste mir dann nur noch schnell eine Hausaufgabe einfallen lassen.

    Anmerkungen

    1. Damit 79,33€ pro Kinobesuch. ↩︎
    2. Oder Graphic Novel für wen Comic zu kindisch klingt. ↩︎
  • 22-12-17 Clownsnase

    22-12-17 Clownsnase

    @Sebaso@chaos.social erschien auf Tröt (bzw. vermutlich war er schon lange da und erschien mir genauso wie Amerika Christoph Columbus erschien) und brachte einen Zeit-Artikel zum gestern erwähnten Blumenstraußautomat mit.

    Mir mangelte es an Zeit zum Lesen, denn es galt ein Adventsbuffet durchzuführen; mit Sauerteigbrot, Lachstarte und Breakfast Strata mit Spinat und Käse. Beziehungsweise andere führten durch, ich versuchte, vage hilfreich vorbereitend herumzustehen.

    Während ich mit dem Staubsauger vage hilfreich herumstand, erschien Alexander Herrmann bei Klassik, Pop et cetera im Deutschlandfunk. Ich verstand nicht viel (Staubsauger), aber zwischendurch hörte ich die Titelmusik von Dallas und Eye of the Tiger (Rocky). Die Sendung wird auf jeden Fall nachgehört.

    Von 15 Eingeladenen waren sieben erschienen. Alle Andere waren mit Atemwegsinfekt entschuldigt. Das war ungefähr die Quote, die wir auch vor 10 Tage schon erwartet hatten, waren froh, selber anwesend sein zu können.

    L hatte ausnahmsweise eine Bluse angezogen. Um den eventuell überbordenden Eindruck von Seriösität zu mindern, schlug sie vor, eine Clownsnase aufzusetzen.

    Neben Clowns ging es um Überwachungskameras, De Bello Gallico und Trennungen in der Altersgruppe Ü50, Familiengeschichte und ihre Abschweifungen in die allgemeine Geschichte. Wir war es mit der Vertreibung der Deutschen aus dem Elsass 1918? Welche:r Beteiligte hat mit welchem Kind und Enkel wie über die NS-Zeit gesprochen? Wie hat sich Giftgaseinsatz an der Ersten Weltkriegsfront für die Soldaten erlebt? Furchtbar? Oder „das-sind-Mittel-der-modernen-Zeit-die-mir-das-Leben-als-Soldat-einfacher-machen?“

    Über Soldatentum stolperte ich beim Querlesen der New York Times. Die Redaktion dort versucht aus internen russischen Dokumenten den Kriegsablauf nachzuzeichen, wie er wirklich für die russische Armee war.

    Als ich begann in die Wikipedia zu schreiben, war das wie mit diesem Blog. Ich schreibe halt was ins Internet, freue mich über jede Leserin und wenn es mehr als zehn sind, staune ich. Ehrlich gesagt, staune ich immer noch, wie weit Wikipedia verbreitet ist und wie prägend für Vieles Wikipedia-Inhalte sind. Heute staunte ich etwas mehr:

    Die New York Times beschreibt Ruslan, 54, dessen Leiche zusammen mit seiner Ausrüstung bei der ukrainischen Rückeroberung des östlichen Distrikts Charkiw gefunden wurde. Ruslan war anscheinend als Scharfschütze eingesetzt. Aber statt einer monatelangen Ausbildung und ein inniges Vertrautmachen mit der Waffe war in seinen Unterlagen eine kurze Anleitung – und der Wikipedia-Artikel zur Waffe selber.

    (Link zum Artikel ohne Paywall)

    Dass Soldaten im Krieg darauf vertrauen (müssen), was irgendsoein hergelaufener Wikipedianer ins Internet geschrieben hat – das eventuell ich mal etwas in Wikipedia schreibe, worauf Menschen dann ihr Leben vertrauen – das macht mir etwas Angst. Andererseits: wer hätte geahnt, dass man mit russischsprachigen Wikipedia-Artikeln die russische Armee sabotieren könnte.