Schlagwort: Straßenbahn

  • 25-10-01 Stadtbäume. Und eine Tram. (Paris)

    25-10-01 Stadtbäume. Und eine Tram. (Paris)

    Haltung besitzen Menschen, die in der Pariser Metro stehend zweihändig ein Hardcover lesen können, sich dementsprechend nirgends festhalten, aber auf der wilden Fahrt auch nicht einmal wackeln. Ein neues Lebensziel für mich.

    Diese Zeilen entstehen an Tag anderthalb in Tübingen und ich schreibe über Paris. Wir reisen schneller als ich schreiben kann. Der Blog geht nach. Vielleicht gehe ich auch selber nach. Soviel Input.

    Montag war ein Tag des Laufens in Paris.

    Am Sonntag war noch der Weg der Weg und das Ziel das Ziel gewesen. Hätten wir uns direkt zu den Tres riches heures, dem Spectale du Pferd und der Hulten/Tinguely/de Saint Phalle-Ausstellung beamen können, hätten wir es ernstlich in Erwägung gezogen – allein um den Stress zu reduzieren.

    Am Montag sollte es anders sein: Wir hatten ein paar Punkte auf der Route (Parc des Buttes-Chaumont / Parc Belleville / Rue Oberkampf / Bibliothèque nationale de France (Site François-Mitterrand)). Aber der Weg war mindestens genauso das Ziel. Paris-Bummel war angesagt. Er führte uns durch das 20., 19. und 11. Arrondissement, umfasste die Rue Belleville, den Boulevard Belleville, die Rue Oberkampf, den Boulevard du Temple und den Place de la République.

    Lustigerweise hatten wir trotz arg verschiedener Herangehensweise an beiden Tagen ähnlich viele Schritte auf dem Handy. Aber ich werde am Beginn beginnen

    7bis – Kasperltheater

    Es war ein Teig der Steinbrüche.

    Der Park von Buttes Chaumont wurde 1867 auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs angelegt.

    Der Untergrund ist felsig. Allein der Weg mit der Metro bis zum Park ein kleines Abenteuer. Der Weg spannend, den die Metrolinie 7bis fährt – ich vermute aufgrund des Bodens – nur einspurig ausgeführt, fährt im kleinen Kreis bis zum Park. Wie ich lernte, wurde sie 1967 von der großen Linie 7 abgetrennt und seitdem offensichtlich museal genau im Zustand von 1967 bewahrt. Der Aufstieg von der Station in den Park geht hoch genug, dass ein Fahrstuhl der Standard-Transport weg ist.

    Er weist für Paris beträchtliche Höhenunterschiede auf. Zentraler Punkt ist die Île du Belvédère, ein Einzelfelsen mit Aussichtstempel darauf. Um ihn herum der See, weitere Hügel, aufwendig gepflegte Blumenbeete, ein pittoreskes Kasperltheater (wegen Herbst geschlossen) und eine pittoreske Kinder-Schiffsschaukel alter Schule (also für zwei Personen, die schon selbst Schaukeln müssen).

    Die große Kaskade wird gelegentlich angeschaltet, sie versorgt einen sich malerisch schlängelnden Felsen-„Wildbach“, der im See um die Île du Belvédère endet. Die kleine Kaskade läuft dauerhaft.

    Im Park sind Pariser*innen, unterwegs, die Tai Chi betreiben, Hunde ausführen, Joggen, Picknicken – die Menschen fast so picturesque wie der Park selber. Und wenn in Paris die Revolution ausbricht, werden im Park immer noch schöne Menschen Tai Chi betreiben.

    Flöten und Pinkeln

    Buttes-Chaumont hatte starkes Die-zauberhafte-Welt-der-Amelie-Feeling. Menschen machen schöne Sachen in malerischer Umgebung. Nicht weit entfernt lag aber Belleville und der Parc Belleville.

    Belleville war als wildes, urbanes, migrantisches Paris versprochen worden. Ich würde sagen, wenn man die Schöneberger Hauptstraße und die Neuköllner Sonnenallee kennt, gab es wenig Überraschungen. Aber der Park war schon anders als der Parc des Buttes-Chaumont. Der Parc Belleville wurde 1988 auf dem Hanggelände eines ehemaligen Steinbruchs angelegt – dementsprechend steil geht er bergab.

    Er ist terrassiert, die einzelnen Terrassen immer nur wenige Meter breit, und überwiegend neben den Wegen dicht mit Bäumen und Sträuchern bewachsen. Abgesehen von einigen Aussichtspunkten (mit Blick auf den Eiffelturm) ist er also eher unübersichtlich.

    Und so betraten wir den Park an einer engen Stelle, links und rechts lagen noch Privatgrundstücke, und der erste Parkbesucher, der uns begegnete, war ein Mann der an einem Baum pinkelte. Das war nicht mehr Amelie-Land.

    Etwas weiter im Park, wir hatten mittlerweile verschiedene picknickende Studentinnengruppen passiert, fanden wir ein Bänkchen vor uns, aßen in Belleville gekaufte Pastilla-Pastetchen, und konnten beobachten, wir gut solche Hänge Klang transportieren. Wir hörten ein Doppelkonzert aus Ukulele (vermutlich eher oben am Hang) und Flöte (eher unten am Hang).

    Einen Abstieg weiter am Vertikalspielplatz folgte ein schlafender Obdachloser, der seine spärliche Kleidung am Zaun zum Trocknen aufgehängt hatte.

    Von Neukölln nach Prenzlberg

    Die Rue Oberkampf bot mir zwei Attraktionen. Das älteste Schwimmbad von Paris, die Piscine Oberkampf und eine städtische Duschanstalt/Badeanstalt . Diese in Oberkampf war leider geschlossen, aber weitere scheinen weiterhin in Betrieb.

    Vor allem aber war die Rue Oberkampf als Zentrum des Pariser Nachtlebens angepriesen. Und weil wir alt und langweilig sind, wollten wir dieses lieber am frühen Nachmittag inspizieren. Wir entdeckten zwei Zentren:

    Ein Zentrum östlich der Avenue de la Republique – eine enge Straße, die schmalen Bürgersteige vollgestellt mit Kaffeeplätzen, alles im Zustand, der sagte „bitte gib mir frische Farbe“ – das Neukölln-Feeling aus Belleville blieb präsent.

    Nach der Rue weiter im Westen waren wir plötzlich in einer Fußgängerzone im Prenzlauer Berg angelegt – reichlich Platz, die lokale dreimal so teuer, schicken Läden und Bäckereien, die unsere Großeltern schon nicht mehr als solche erkennen würden.

    Zum Abschluss der Rue tranken wir sehr teuren sehr guten Kaffee („inspiriert aus Kyoto“) und entdeckten Rougier&Pie. Der Laden, der ungefähr so eine normale Papeterie/Bastelgeschäft ist wie der Eiffelturm ein normaler Aussichstturm ist.

    Es gelang uns erfreulicherweise nicht das komplette Reisebudget dort auszugeben, nach harter Schlacht zogen wir nur mit einer handvoll französischer Schulhefte (die guten Großen mit den tollen Karos) und einem Notizbuch von dannen.

    Es folgte die Metro, mal wieder über Chatelet, in den Süden.

    Collette non

    Die letzte Etappe brachte uns aus dem Nordosten der Stadt auf die falsche Seite der Seine. Die Bibliothèque nationale de France (Site François-Mitterrand) liegt zwar fast direkt am Fluss, aber am falschen Ufer. Und so bemühten wir die Metro genau der Devise „Alle Wege führen nach Châtelet“ und wieder hatten wir einen lustigen Wandertag durch die verschiedenen Bereiche der Station.

    An der BNF angekommen, waren wir in einem komplett neuen Stadtviertel: Anscheinend um 1990/2000 komplett neu gebaut, viele Hochhäuser, viele Büros, so ein wenig Potsdamer-Platz-Vibes-in-gepflegter.

    Die BNF selber: Ein Prunkbau irgendwo zwischen Brutalismus und Postmoderne – wir beiden mussten spontan an das Londoner Barbican Centre denken.

    Wir den Collette-Ausstellungsbesuch waren wir beide zu erschöpft. Aber wir merkten uns immerhin: ab 17 Uhr ist der Eintritt frei. Das zur Bibliothek gehörige Kino führt aktuelle Filme in der Originalversion auf. Und der Eintritt auf die schicke Aussichtsterrasse mit den schicken Luxembourg-Liegestühlen und den Blick auf den Wald im Innenhof ist ganztägig möglich.

    Lauter Gründe zum Wiederkehren.

    Letzte Erforschung: Paris hat eine Straßenbahn. Madame entdeckte diese zufällig, als ihr die Navigo-App eine Straßenbahnfahrkarte zum Kauf anbot.

    Wir suchten sie auf dem Netzplan, fanden sie schließlich. Die Linien 3a und 3b führen als Dreiviertelring einmal weit um die Pariser Innenstadt und ein Zweig kam bei uns vorbei. Wir ließen uns in ganz unbekannte Gegenden bringen, südlich der Seine, noch ein ganzes Stück südlich des Quartiert Latin bis zum Gelände um die Université Paris Cité. Auch spannend.

    Aber nicht mehr für uns. Nicht an diesem Tag.

  • 25-07-04 Streckenfilm der Leipziger Straßenbahn (1931)

    25-07-04 Streckenfilm der Leipziger Straßenbahn (1931)

    Motorräder der Marke Harley Davidson sind nicht nur bei Rockern, sondern auch bei Rentnern beliebt.

    Im Treppenhaus liegen Taubenfedern und Reste eines zerbrochenen Eis.

    Der Ausdruck \sum_{j=1}^{n}\overline{x_{j}^{[1}+\delta} bringt Obsidian an seine Grenzen. Das Programm beschwert sich nachdrücklich, dass ich keine Steuerzeichen in einer Überschrift benutzen soll. Dann nicht. Dabei sollte dort nur stehen:

    \[ \sum_{j=1}^{n} \overline{x_{j}^1} + \delta \]

    Die Bachelorarbeit geht voran. Die mathematischen Formeln in der Arbeit sind nur noch schlecht – aber nicht mehr falsch. Ähnliches gilt für den Text. Ich bin zwar am äußersten Rand des geplanten Zeitplans – aber der ist ja auch mit Puffern geplant.

    Auf dem Dach ist Party. Während ich dies in der Berliner Wohnung schreibe, höre ich die Beats von der Dachterrasse des Nachbarhauses, wo sich etwa 30 Menschen versammelt. Erst grillten sie, jetzt stehtanzen sie. Seitdem sie sich zum Stehtanz versammelt haben, muss ich mir auch keine Sorgen mehr um die Freizeitgestaltung machen. Immerhin habe ich in Zimmerlautstärke Partymusik.

    Madame fuhr nach Bonn und wieder zurück. Insofern die Deustsche Bahn sie halt lies. Zwischen Hin- und Rückfahrt definierte sie Religion und beschäftigte sich mit dem ALLBUS.

    Aus den Leitungen kommt kaltes klares Wasser. Leider auch aus der Warmwasserleitung.

    Der Rennpolo steht auf unserem Parkplatz. Der Große musste ins Ausweichquartier.

    Reprise

    Auf dem Arbeitsweg riecht es verräuchert. Der Weg führt vorbei am abgebrannten Dachboden, auch nach einigen Tagen ist es in der Umgebung des Gebäudes merklich nach Feuer.

    Anlässlich des Brandes erfuhr ich, dass die Kariboschweizerin aus Wilmersdorf großer Fan von Da Michele ist, das derzeit wegen Brand- und Wasserschäden nicht geöffnet hat.

    Das hätte sich Madame auch nicht denken können, als sie vor 17 Jahren im Rahmen einer Wohnungsbesichtigungspause bei Marcello einen Espresso trank. Und sich im Anschluss für dieses Wohnung entschied.

    Aus Marcello wurde Beppino und dann Michele und jetzt brannte es. Aber die Wohnung hat Madame immer noch.

    Pferdewagen!

    Ich surfte bei Filmfriend, dem Filmstreaming der öffentlichen Bibliotheken. Mit unendlichen vielen Filmen, von denen ich quasi keinen namentlich kenne. Von denen aber sehr viele ausgesprochen spannend wirken. Leider fehlt mir akut die konzentrierte Energie, um Anderthalb Stunden einen Spielfilm zu schauen.

    Aber es reichte für ein kleines Schwarz-Weiß-Filmchen: Den Streckenfilm der Leipziger Straßenbahn von 1931. Einmal aus dem Fahrerhäuschen quer durch die Stadt. Es fällt das Erwartbare auf: Das Vorkriegsleipzig sah anders aus als das Nach-Wende-Leipzig das ich erlebt habe. Es fällt aber auch auf: So viele Fußgänger*innen! So viele Radfahrer*innen! So wenig Autos! 1931 war es noch kein Problem auch als Fußgänger*in einfach mal quer ohne schauen über eine Hauptstraße zu laufen. Was mich aber noch mehr wunderte: Warum waren die Straßen schon damals so breit, die Fußwege so schmal, wenn der Bedarf offenbar ein vollkommen anderer war als heute?

    massive militarization of ICE is the real heart of this law

    Im Guardian ist ein Artikel über sich-selbst-verunglückende Teslas. Er enthält eine Szene in denen Feuerwehrleute zusehen mussten, wie ein Fahrer in seinem Tesla verbrannte, weil es ihnen nicht gelang an das Innere des Autos zu kommen.

    So ähnlich fühlt es sich an, die politischen Ereignisse in den USA wahrzunehmen. Und weil das kein schönes Gefühl ist, versuche ich meine Aufnahme dessen zu begrenzen. Aber jetzt haben wir einen Wendepunkt erreicht. Der Trump-Haushalt wurde verabschiedet, „The big beautiful bill“.

    Wenn ein englischsprachiger Zeithistoriker als Reaktion auf die gerade beschlossene „big beautiful bill“ nur das eine Wort „Ermächtigungsgesetz“ schreibt, auf deutsch, dann ist ein Wendepunkt erreicht.

    Neben den ganzen Kürzungen verspricht das Gesetz dem Immigrations and Customs Enforcement (ICE) 150 Milliarden US-Dollar in den nächsten vier Jahren. Das entspricht dem zehnfachen des gesamten UN-Haushalts und ist mehr als die anderen Bundespolizeien FBI, DEA, ATF, der Marshals Service und die Gefängnisverwaltung zusammen bekommen.

    Offensichtlich ist das für eine Spezialpolizei komplett überzogen. Und da kommt der Punkt. Ich – und informiertere – halten den Föderalismus für das stärke Bollwerk gegen Trump. Traditionell hat die Bundespolitik und der Präsident wenig im Innern zu sagen. Hier aber sieht es so, als würden sich Trump und die Trumpisten eine gigantische paramilitärische Truppe zusammenstellen, die das Machtgleichgewicht in den USA kippen soll.

    In den Worten der Harvard-Sozialwissenschaftlerin Theda Skocpol:

    I thought last year that the USA was somewhat protected against any similar coerceive authoritarian takeover by its federal structure, given state and local government rights to control most U.S. police powers .. But now I see that the Miller-Trump ethno-authoritarians have figured out a devilishly clever workaround.   Immigration is an area where a U.S. President can exercise virtually unchecked legal coercive power, especially if backed by a Supreme Court majority and corrupted Department of Justice. 

    (Critical Read About the BBB, Federalism and the Future of American Democracy)

    Die Gleichzeitigkeit des Alltags

    An der Seine ist das erste Mal seit 1923 wieder normales Baden im Fluss möglich. Gut, dass ich schon vorher beschlossen hatte, dass ich eigentlich nach Paris gehöre 🙂

    Christiane schwimmt eher im Mittelmeer als in der Seine, feiert gerade 20-jähriges Frankreichjubiläum. Glückwunsch auch hier: Zwanzig – oder Es begann mit einer Suppenschüssel

    Wovon leben Buchhandlungen: Endlich sind wieder Pokemonboosterpaks vorrätig. Der Goldstaub an der Kasse. (5.7.2025 #WMDEDGT?)

    Und nochmal readinginsweden über den Buchbahnshop Lichtenberg: Der Laden ist großartig und genauso, wie man sich so einen Laden vorstellt. Der Verkäufer weiß vermutlich alles über jedes Eisenbahndetail, dass man sich auf de Welt aneignen kann. … Es gibt jeden verfügbaren alten Streckenplan, Fahrplanbücher zum Beispiel Railways of Europe (oder so ähnlich), Eisenbahnliteratur vom feinsten, antiquarisch und neu. Waggons der Berliner Öffis, die auf jede Holzeisenbahnschiene passen, Bastelbögen und eine kleine Kiste mit Druckplatten für 9 Euro. Beim Rausgehen schaue ich mir diese genauer an. Auf kleinen Metallplatten sind (seitenverkehrt natürlich) Fahrkartentexte im Hochdruck aufgebracht.

    Spitfire – Moonpie’s Mission präsentiert ein Alpaca in einem Railshooter-Musical. Alpaca, Musical, „sodass während so einiger Kämpfe gesungen wird und absurderweise in Zwischensequenzen eine Karotte samt Blumenchor Teile der Handlung erzählt.“ , what could possible go wrong?

    Auch Künstler kleckern.

  • 25-03-13 SOLL und IST

    25-03-13 SOLL und IST

    Ich erschlug die erste Stechmücke bevor ich den ersten Kaffee aufsetzte. Und für eine Innenstadtwohnung, zu Zeiten, die an Nachtfrost kratzen, ist das die falsche Reihenfolge.

    Die Dachbodenbaustelle sieht mittlerweile überzeugend nach fast-fertigem-Dachstuhl aus.

    Straßenszenen: ein Mann trägt einen kindsgroßen Kuschel-Halbmond über die Kreuzung. Davor eine polizeiliche Unfallaufnahme zwischen weißem Mercedes (tiefergelegt) und grauem Golf. Instinktiv will ich denken „Bestimmt war der Golf unschuldig.“ Aber so wie die Autos stehen, kann es nur anders herum gewesen sein.

    Die BSR streikt. Langsam wird es mühselig die Hinterhof-Müllcontainer unter dem Müllberg wiederzufinden. Aber da die BSR unter anderem auch für mein höchstpersönliches Gehalt streikt, stelle ich mich jeden Tag mit erhobener Faust vor die Container und singe die Internationale.

    Ich könnte auch endlich mal bei der Gewerkschaft eintreten. Aber das wäre zu einfach.

    Die BVG streikt nicht. Dennoch verschmäht der 248er schon wieder unsere Haltestelle und schon wieder aufgrund eines Wasserrohrbruchs auf dem Weg dorthin.

    Der Fernuni-Gebührenbescheid Sommersemester 2025 kam. Wenn alles nach Plan läuft, ist Knowledge Management (engl-sprachiges Modul) das letzte Modul für das ich im Bachelor Wirtschaftsinformatik bezahlen werde.

    Weiterhin staune ich, dass ein ganzes Semester bei einer staatlichen Universität dasselbe Geld kostet, wie etwa anderthalb Stunden Fortbildung bei einem kommerziellen Anbieter unklarer Qualität.

    Donald Trump veranstaltete vor dem Weißen Haus eine Tesla-Verkaufsshow. Und dafür dass wir gerade einmal in Monat 3 der Amtszeit sind, hatte das erstaunlich starke 4-Seasons-Total-Landscaping-Vibes.

    Wir veranstalteten ein neues Experiment zur IT-Wissens-Vermittlung in der Verwaltung und ich bin ziemlich happy über das Ergebnis. More to come.

    Ich veranstaltete unfreiwillig ein Experiment der Mittagspause am Schreibtisch. Hopefully not more to come.

    Ich komm nicht raus, entdecke vorm Büro aber einen unerwarteten Fernsehturmblick.

    Einsatzszenarien

    Die Informationsmanagement-Klausur rückt näher, und langsam versuche ich die Ganzhirnimmersion in strategisches Alignment, Unternehmensarchitektur-Referenzmodelle und das Standard-Datenschutz-Modell. Sollte ich die ganzen Nummern von ISO-Standards jetzt wirklich auswendig lernen?

    Immerhin: ISO/IEC 27001 Information technology – Security techniques – Information security management systems – Requirements kann ich schon fast auswendig aufsagen ohne sie bewusst gelernt zu haben. Auch erinnere ich mich im Zweifel mitten in der Nacht daran, dass 27001:1 die wirklich relevante Unternorm ist.

    Spannend weiterhin, zumindest einen Teil des Inhalts tagsüber in der Verwaltung direkt vor der Nase zu haben.

    Und wenn das Modul schon bei Fragen der Strategie und des Projektmanagements von SOLL und IST spricht, habe ich derzeit jeden Tag den Abgleich zwischen Informationsmanagement nach Lehrbuch (SOLL) und Informationsmanagement in einer realen Organisation des öffentlichen Dienstes (IST).

    Einige Verwerfungen des täglichen Lebens sind im Lehrbuch halt doch weg-abstrahiert.

    Holzschnitt-Bürgergeld

    Von Berlin aus denkt man ja manchmal, dass die Nordeuropäer viel zivilisierter sind als die eigene Umgebung. Nur um dann zu lesen, dass die Finnen sich mit neuen Straßenbahnen genauso anstellen wie Deutsche: Strassenbahn? Ja bitte!

    Wie konnte ich das bisher übersehen?: Schlossruine Dammsmühle.

    WIE KONNTE ICH DAS BISHER ÜBERSEHEN? Holzschnitte der Berliner Bäder.

    Bürgergeld und Mental Health – aus der Nähe betrachtet.

  • 24-09-17 Vespermusik – Breslau Anno 1650

    24-09-17 Vespermusik – Breslau Anno 1650

    Der Wind zerriss eine Fahne vor dem Möbelhaus.

    Der Subaru steht weiter vor der Werkstatt. Wird es die Benzinpumpe sein? Lässt sie sich reparieren? Und wie teuer wird es werden? Das liebe Autobesitzer, wird das demnächst das Telefon verraten.

    Madame war beim Sportmopsen im Park. Neue Übung, quer durch die Gruppe: der akzidentelle gegenseitige Nasenstüber. Augen auf bei der artistischen Dehnübung.

    Wohnungsgeschichten aus dem Bekanntenkreis. Einer jungen Familie wurde wegen Eigenbedarf gekündigt. Und damit das emotional überzeugend wirkte, lief die Eigentümerin gleich mit einer handvoll kurzhaariger breitschultriger Männer auf, als sie die Kündigung aussprach.

    Am Wochenende mausrutschte ich beim Internetbanking und landete auf LinkedIn. Hartes Schlucken als ich den Post las „Ich, weiblich 33, ohne Kinderwunsch, suche Job..“

    Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob die Uni-Mathematiker nicht einfach nur die Studierenden veralbern wollen.

    Zu Beweisen ist, dass im Ring (Algebra) der Satz gilt:

    \[ 0 * a = a * 0 = 0 \]

    Und der Beweis lautet:

    \[0 = 0 * a – 0 * a = (0 + 0) * a – 0 * a = 0 * a + 0 * a – 0 * a = 0 * a \]

    Letztens wurde ich gefragt, was in einer Mathe-Klausur so für Aufgaben kommen. Ich hatte Probleme, es beschreiben zu können.

    Mit ernst darüber reden, in welchen Ländern man Urlaub machte, die heute nicht mehr zugänglich sind. Russland = unmöglich. Georgien = schwierig. Syrien = unmöglich. Israel = oh je.

    Dabei gehört: die Geschichte des Völkermord-an-den-Armeniern-Engagierten, der extra den teuren unbequemen Lufthansa-Flug in den Kaukasus buchte, um nicht in Istanbul zwischenlanden zu müssen. Und dann fiel Lufthansa aus, die Airline buchte von sich aus auf Turkish Airlines um. Immerhin, er wurde nicht verhaftet.

    „Zettelkasten“ ist ein deutsches Fremdwort im Englischen

    Während Madame viel Kultur machte, machte ich ein wenig Kultur und schreibtischte noch etwas: Stromvertrag suchen; Zugang zu einem Portal rekonstruieren, den ich 2022 über den Arbeitgeberwechsel verloren hatte; Obsidian lernen.

    Es ist mir etwas peinlich, aber ich nutze mit Obsidian eine Wissensorganisations- und Zettelkasten-App, bei der ich kaum wusste wie sie funktioniert.

    Würde Niklas L das wissen, würde er im Grab vor sich hinmurmeln „Es gibt kein handelndes Subjekt. Die Gesellschaft konstituiert sich selbst.“

    Über das Wochende lernte ich mehr zu Obsidian. Jetzt fehlt Praxis. Und die Entscheidung wie ich die Daten über Rechner und Handy und Spielzeug synchronisiere:

    Einfach wären OneDrive oder Dropbox, aber die mag ich beide nicht wirklich. Die cool Kids nutzen Github. Aber das macht gar keinen Spaß mehr, sobald ein Handy beteiligt ist. Die nicht ganz so coolen Kids nutzen Nextcloud. Eigentlich möchte ich über eine NAS gehen – aber die steht noch nicht. Sie bedeutet erstmal am meisten Aufwand, sowohl was mein Engagement als auch die Kosten angeht.

    Vermutlich maile ich mir einfach weiter Dateien.

    Kein Dackelrennen

    Da Subaru vor der Werkstatt stand, blieben die Latifundien sich selbst überlassen. Scarman’s Himalayan Musk musste unbestaunt weiterwachsen. Das Dackelrennen Bärenklau fand ohne unseren Beifall statt.

    Wir feierten das erste Berlinwochenende seit März. Es entwickelte sich zu Kulturrausch mit einem Theaterstück, zwei Konzerten, zweimal essengehen und ein Museumbesuch.

    Freitag: Theater, Shakespeare, war eh geplant.

    Samstag Nachmittag: Titans Rising: Vespermusik Breslau Anno 1650. In einer glücklichen Fügung aus Engagement und Mäzenatentum veranstaltet die Kirche am Lietzensee regelmäßig kostenlose Konzerte mit Alter Musik.

    Eher zufällig stolperten wir in die Saisoneröffnung. Klaus Eichhorn hat Werke des Warschauer und Brelauser Kapellmeisters Marcin Mielczewski aus der Sammlung Böhm im Archiv der Staatsbibliothek ausgegraben. Er stellte diese zu einem Porgramm zusammen, dass 1650 bei einer Vesper in einer Breslauer Hauptkirche gespielt haben könnte.

    Wahnsinnig gute Sänger, drei entzückende Mitglieder eines Knabenchors, ein Orchester mit zwei Zinken (Zinks?) und vier Posaunen. Dazu diese besondere Kirche, der Enthusiasmus aller Beteiligten. Hach, ach, hach.

    Samstag Abend, das nächste Konzert. Dieses überließ ich Madame, ich wollte Privatbürokrempel loswerden.

    Madame fuhr zum Musikfest Berlin: Exaudi (laut Program Vokalensemble mit Affinität für die extremen Ränder Alter und Neuer Musik) sangen chromatische Renaissancemusik. Beeindruckend: die Werke von Nicola Vicentino. Der führte im 16. Jahrhundert eine Unterteilung der Töne in Untertöne ein, die sich sonst erst in der neuen Musik des 20. Jahrhunderts etablierte. Formal strikte Renaissancemusik, mit neutönerischen Elementen. Es muss groß gewesen sein.

    (Mehr Theorie zu Vicentinos Madrigals – als Video)

    Dann ins Jüdische Museum: Sex. Jüdische Positionen. Soviel Input an einem Wochenende kann niemand verarbeiten. Dazu später mehr.

    Kartoffeln in Asche und Rauch

    Frau Brüllen buddelt immer noch:

    [M]ein Hauptlearning ist: wenn ich mal eine Leiche oder überhaupt etwas zu entsorgen habe, werde ich es definitiv nicht im Wald vergraben. Das ist eine unendliche Scheissarbeit, brutal anstrengend, geht endlos und andauernd kommen Leute vorbei.

    Als Kind wollte ich Straßenbahnfahrer werden, um genau diese Straßenbahn zu fahren. Neid ist gar kein Ausdruck.

    Ich las in sechs verschiedenen Blogs, dass die Blogger den Raab-Boxkampf gesehen haben. Alle sechs sind sich sicher, dass Stefan Raab niemand mehr interessiert.

    Das Lumpenpack schaute in den Abgrund der Verzweiflung. Es kam mit schlechter Laune, aber sehr entschlossen zurück: Kruppstahl, Baby.

    (via Heiko Bielinski)