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  • 24-12-19 Liste von Filmen, die in „The Holiday“ empfohlen werden (18×0- (13,7))

    24-12-19 Liste von Filmen, die in „The Holiday“ empfohlen werden (18×0- (13,7))

    Richard of York gave battle in vain.

    Mit dieser Eselsbrücke lernen englische Schüler*innen die Farben des Regenbogens (Red, Orange, Yellow, Green, Blue, Indigo, Violet). Unter pubertierenden Penäler*innen auch gern umgedichtet zu Richard of York gave battle in Vagina.

    Dieses wichtige Wissen erlangten wir durch die Fernsehserie Taskmaster.

    Der Innsbrucker Platz ist Nummer 2 der Unfallschwerpunkte in Berlin. Als Mensch der den Platz regelmäßig überquert und regelmäßig Unfallfahrzeuge am Rande des Platzes stehen sieht, wundert mich das gar nicht.

    Die Lotto-Stiftung fördert eine Produktion der Komischen Oper von Jesus Christ Superstar im Flughafen Tempelhof. I need tickets. Entweder wird es großes Desaster oder eine begeisternde Sache – auf jeden Fall denkwürdig.

    Madame beorderte die Deckenlochbohrer zur Deckenlochstopfung. Stand aktuell: Gestopft, nicht gemalert. Auch die angedrohte Rohrfreilegung im Bad passierte noch nicht. Aber wir erfuhren, dass auf dem Dachboden – unserer Decke – das erste Mal seit Menschengedenken eine Dämmung auf dem Fußoden angebracht ist, unsere Wohnung also wärmer werden sollte als je zuvor.

    Der Kaptain widerfuhr eine Erscheinung aus der Vergangenheit. Mein Ex-Mitbewohner in Leipzig und (einige Jahre später) Ex-Genosse in Kiel tauchte in der Dithmarscher Landeszeitung auf. Er ist neuer ehrenamtlicher Geschäftsführer von Sarahs Getreuen in Schleswig-Holstein. Das ist jetzt einerseits überraschend, andererseits auch nicht. Hauptsache die Frisur sitzt.

    Wer jemals links der Mitte in Hamburg politisch aktiv war, weiß dass Hamburg ein ganz besonderer Ort voll bizarrer Überraschungen ist. Das BSW setzt diesen Trend fort: Sieben Mitglieder des Bündnisses Sahra Wagenknecht haben am Wochenende ohne Kenntnis des Bundesvorstandes einen Landesverband in Hamburg gegründet. Diesen Landesverband nennen sie „Bündnis für Vernunft und Gerechtigkeit“, ohne den Namen der Gründerin der Bundespartei Sahra Wagenknecht

    Unvergessen die Sitzung im Hamburger Gewerkschaftshaus 2001 als erst Mitglieder des anstrengenden Flügels des Saals verwiesen wurden. Nur damit sie kurze Zeit darauf im 1. Stock mit Plakaten auf dem Fenstersims balancierend und an die Scheiben hämmernd wieder auftauchten.

    Während der Postbote noch darum kämpft, jeden Großbrief an sein Ziel zu bringen, hat DHL in Schöneberg kapituliert. Die Weihnachtsaufmerksamkeit der BBB kam bei Kollegen bereits letzten Mittwoch an, hier noch nicht. Diverse Pakete befinden sich seit >1 Woche im Status „in der Zustellregion angekommen.“

    Bluten in Lichterfelde

    Während mir die rechte Hand des DRK seit Wochen Mails und Briefe sendete, um mich zur Blutspende zu treiben, weiß ich, dass die linke Hand des DRKs mich eiskalt abweisen würde, wenn ich käme. Grimpfung und Mandelentzündung sei dank. Also wartete ich brav meine Frist ab, bevor ich Dienstagabend den M85 Richtung Charité nahm.

    Die Deko dezent weihnachtlich, die Mitarbeiter*innen und Ehrenamtlichen sowieso immer total freundlich. Ich geriet an denselben Arzt bei dem vor zwei Versuchen die Chemie irgendwie nicht stimmte. Diesmal war alles okay und prompt waren auch die Werte okay.

    Das Spritzen blieb störrisch. Ich lernte den Einmal-sofort-Eispack kennen, der zur Blauer-Fleck-Vermeidung auf den Arm kam. Weil fast Weihnachten ist, ging ich sogar mit einem kleinen Geschenk in Form eines Kuschelschals nach Hause.

    Der eigentliche Grund, warum ich zur Blutspende gehe, war auch vorhanden: die Freiwilligen servierten frisch gestrichene Heckerle-Stullen.

    Wenig neues bei der immerwährenden Querdenkerdemo auf der Schloßstraße. Dieselben 10 Menschen, dieselben Schilder („Zahle bar!“ / „WHO – NATO – EU“ / Irgendwasmitfrieden) und derselbe Aufbau wie immer. Ihr Durchhaltevermögen schwächelt allerdings. Dass sie während meines Blutspenderückwegs bereits komplett zusammengepackt hatten, ist neu. Das gab es seit Corona nicht mehr.

    Alle Filme mit Irene Dunne

    Nach dem Regeltermin Blutspendet am Dienstag folgte der Regeltermin Fetch am Mittwoch. Das Odeon bringt einmal pro Monat eine klassische RomCom, wie alles im Odeon in OV/OmU. Im Dezember natürlich einen Weihnachtsfilm. Nach Love Actually im Dezember 2023 folgte 2024 Nancy Meyers The Holiday („Liebe braucht keine Ferien“) von 2006.

    Der Plot so realistisch wie zum Beispiel der Plot von Top Gun. Zu Weihnachten tauschen eine liebesleidende Engländerin (Iris – Kate Winslet) und eine liebesleidende Amerikanerin (Amanda – Cameron Diaz) ihre Wohnungen. Beide lernen jemand kennen (Graham – Jude Law – lernt Amanda kennen; Miles – Jack Black – lernt Iris kennen).

    Aber auf einer emotionalen Ebene ist alles wahr und jede*r kann sich in einem Charakter wiederfinden. Kate Winslet, Cameron Diaz, Jack Black und Jude Law sind allesamt vollkommen hinreißend, die Szenen charmant und Vieles fühlt sich vollkommen korrekt an.

    Was den Film aber groß macht, wird durch das fünfte Rad am Wagen neben den beiden Paaren, dargestellt: Arthur Abbott, Drehbuchautor aus der großen Zeit in Hollywood und Zufallsbekanntschaft von Iris/Kate Winslet in L.A.

    Abbott (ohne Alter, sein Schauspieler Eli Wallach war beim Dreh 90 Jahre alt) entführt Iris in die Welt des alten Hollywoods. Er bringt sie in seine Wohnung voller Memorabilia. Abbott erzählt Anekdoten von damals, nutzt dabei schöne Wörter wie gumptious oder Schmock und empfiehlt historische Filme. Meine Lieblingsszene des Films findet statt, als Abbott mit ein paar alten Kumpels eine Channuka1-Party2 bei Iris in Amandas Haus schmeißt.

    Wo Abbott aufhört, macht Miles weiter. Der Charakter ist Komponist von Filmmusik, er gestaltet den Film zu einer Hommage an die Filmmusik und insbesondere an den Komponisten Hans Zimmer.

    Zimmer komponierte die Musik für The Holiday. Im Film wird das Heimstudio von Miles gezeigt – dies ist eine ziemlich genaue Kopie des Studios, das Zimmer damals bei sich im Haus hatte.

    Die IMDB verzeichnet weit über 50 Verbindungen zu anderen Filmen. Vor allem aber von Filmen, die als DVDs in Regalen stehen. Ihre Titel sind ohne Anhalten von The Holiday kaum erkennbar.

    Das Blog watchingforever zählt nicht nur die Filme auf, die erwähnt werden, sondern geht auch tiefer darauf ein, wo Filme Nancy Meyer Filme referenzierte ohne sie explizit zu nennen: ‘The Holiday’: a modern rom-com with a classic movie heart:

    Von Arthur Abbott erwähnt

    His Girl Friday („Sein Mädchen für besondere Fälle“) (1940 – Klassiker der Screwball-Komödie, Rotten Tomatoes 99/100, in verschiedensten Listen der besten Filme aller Zeiten; und mir komplett unbekannt).

    The Lady Eve („Die Falschspielerin“) (1941) – Unkonventioneller Screwball-Klassiker

    Allgemein Filme mit Irene Dunne.

    Bluebeard’s Eighth Wife („Blaubarts achte Frau“) (1938 von Ernst Lubitsch) – wird nicht explizit erwähnt. Aber wenn Arthur das Konzept meet-cute erklärt, schildert er dazu eine Szene aus dem Film.

    In der Videothek

    Jaws („Der Weiße Hai“) 1975 – Filmmusik von John Williams – Miles performt die Titelsequenz

    Driving Miss Daisy („Miss Daisy und ihr Chaffeur“), 1989, Filmmusik von Hans Zimmer. Auch angesungen von Miles.

    The Graduate („Die Reifeprüfung“) 1967 – Songs von Paul Simon. Hello Mrs Robinson angesungen von Miles. Dustin Hoffmann hat ein Cameo als Videotheksbesucher und schüttelt den Kopf.

    Chariots of Fire („Die Stunde des Siegers“) 1981 – Musik von Vangelis.

    The Mission („Die Mission“) – 1986 – Musik von Ennio Morricone.

    Sonstige Erwähnungen

    Cinema Paradiso (1988, Musik von Ennio Morricone / Andrea Morricone) – Die Filmmusik läuft in Miles Auto als er Iris das erste Mal trifft.

    Mon Oncle („Mein Onkel“) – 1958 – das Poster hängt prominent in Amandas Haus.

    Once Upon a Time in America (Es war einmal in Amerika) 1984 – Musik von Ennio Morricone; die Titelmelodie von The Holiday beginnt mit den ersten Takten von Deborahs Theme aus Once Upon a Time.

    Der Mann im Mond braucht keine KI

    Da His Girl Friday in den USA keinem Copyright mehr unterliegt, beherbegt Wikipedia den kompletten Film.

    Wo ich schob bei Watchingforever rumstöberte entdeckte ich „Just Imagine“ It’s a pre-Code sci-fi musical comedy with Busby Berkley-like dance numbers, vaudevillian humor, a trip to Mars and a man brought back to life after 50 years.

    Die ehemaligen humoristischen Songwriter des Lumpenpacks kombinieren Billy Joel mit Slime: WZF?! (2.4 Update) feat. Alligatoah

    Maik Riecken mit vielen spannenden Gedanken zu KI in der Schule, insbesondere zum Thema „was passiert eigentlich kognitiv bei den Lernenden wenn sie KI nutzen“?: KI in der Schule? Ist sie nun einmal da und muss man sich deswegen damit beschäftigen? (via Hajo Inwanowitsch)

    Anmerkungen

    1. Überhaupt Chanukka-Party. Natürlich fand ich die Szene total schön, andererseits verfluchte ich meine Landsleute: wir könnten hier auch einfach nette, spannende Chanukka-Parties in Deutschland haben, wenn wir nicht die Feiernden vertrieben und ausgerottet hätten. ↩︎
    2. Der Weihnachtsfilm mit Chanukka-, Weihnachts und Silvesterparty. Wie es sein sollte. ↩︎
  • 24-11-26 (Gal, 1973, S. 70)

    24-11-26 (Gal, 1973, S. 70)

    Madame testete zum Abendesse eine Speise aus Goldfischfutter Sojageschnetzeltem. Sie fand es in der Konsistenz besser als Tofu; ich bin skeptisch. Aber ich mag Tofu auch lieber als sie es mag. Auf jeden Fall ist der Goldfischfutterbeutel ein platzsparender Proteinvorrat in der Küche für Momente des Einkaufsnotstands.

    An den Folgetagen betätigte sie sich als Leguminati. Der der kleine Crocky kam wieder einmal dafür zum Einsatz, Linsen zuzubereiten. Alleine dafür lohnte seine Anschaffung. Und Milchreis könnte er auch mal wieder herstellen.

    Holt schon mal die Schilder aus dem Keller und sucht die Trillerpfeifen. Ein Kollege machte mich darauf aufmerksam, dass am 31.12. der TVÖD ausläuft und Tarifverhandlungen anstehen. Ich rechne zumindest mit symbolischen Streiks.

    #TeamHabeck ist bereits jetzt anstrengend. Dabei findet die Bundestagswahl erst in 12 Wochen. Ich sehe es kommen, am Ende wähle ich aus lauter Genervtheit die Partei für ganzheitliche Gesundheitsforschung.

    Die Steiermark und Rumänien wählten. Die Ergebnisse liegen jenseits meiner Kommentarfähigkeit. Gleichzeitig stimmte die Schweiz gegen Autobahnausbau. Würden die Menschen am Ende nicht immer Faschisten wählen, fände ich die aktuelle Unberechenbarkeit des Wahlvolks hochspannend.

    Picobello sauber ist kein Begriff der dieses Mietshaus bezeichnet. Aber auch hier gibt es Abstufungen: Montag morgen hatte jemand einen kompletten Karton mit neuen Dokumentenhüllen direkt vor die Haustür gekippt. Warum?

    Auch die Dachbodenbaustelle ist fleißig. Seit dieser Woche auch mit kräftiger Baustellenbeleuchtung für Arbeiten nach Sonnenuntergang.

    Nur der Taubenschwarm, der sich friedlich auf dem verlassenen dachlosen Dachboden eingerichtet hatte, irrt immer noch etwas verloren durch das Baugerüst.

    b_{NN} \leq 20 \pm \delta

    Meine Haushaltsarbeit hält sich in Grenzen. Zu sehr thront noch die Seminararbeitsdeadline in der Woche. Einzig die Erwerbsarbeit ist kaum verhandelbar. Sonst versuche ich möglichst komplikations- und aufwandslos an den Schreibtisch zu gelangen und dort zu bleiben.

    Die Seitenzahl stieg inzwischen auf 10 (von notwendigen 12). Inhaltlich geht es voran. Ich denke, wenn ich gleich sofort abgeben müsste, würde ich mit Überleitungen und Erläuterungen schon auf die geforderte Länge kommen. Jetzt geht es vor allem darum, die Qualität emporzuheben aus den Niederungen meines bisherigen Unwissens.

    So arbeite ich mich durch Dantzig (1947), Manne (1953), Gal (1973), Gal (2001), Stepan / Fischer (2009) und Bergonovo (2017) im Versuch meinen Erklärungen etwas mehr Substanz zu verleihen. Inzwischen denke ich auch, mein Nugget-Pommes-Modell könnte etwas mehr mathematischen Glanz vertragen – aber erst einmal den Rest fertig machen bevor ich mir dort wieder Arbeit aufhalse.

    Extraherausforderung: mein erstes echtes Dokument von >1 Seite in LaTeX. Ich fühlte mich bestätigt: ich kann den größten Stuss schreiben und es sieht trotzdem extrem professionell aus. Auch bestätigt: Die Kontrolle, die ich über Aussehen und Anordnung der Arbeit habe, ist phänomenal.

    Aber auch den Erwartungen entsprechend: Hätte ich nicht eine Suchmaschine zu Hilfe, in der ich andauernd Syntax und Befehle nachschlagen könnte, wäre ich im gegebenen Zeitrahmen hoffnungslos verloren.

    Vielleicht ergründe ich auch noch, warum das Symbolverzeichnis inzwischen „Symbolverzeichnis“ (auf deutsch) heißt, die Ebene darunter aber trotzdem von „Symbols“ und „Descriptions“ redet.

    Kanon

    Ich fürchte die Schilderung ist mehr oder weniger real so passiert.

    Die NZZ kürt einen Kanon der 100 wichtigsten Bücher des 21. Jahrhunderts. Zumindest bei den Büchern, die ich davon kenne, wie Löwen wecken oder Die Jakobsbücher, würde ich mich der Wertung anschließen.

    Nicht kanonisch aber ikonisch für das Kino des 20. Jahrhunderts ist der gelbe Trainingsanzug von Bruce Lee. Ich wiederentdeckte ihn durch seine nicht ganz so sportliche Reinkarnation als Taskmaster-Phil-Wang-Bekleidung.

    Die städtebauliche Umgebung um die Südkreuz Offices hat starkes Verbesserungspotenzial. Nein, eigentlich besteht sie nur aus Verbesserungspotenzial. Aber es gibt einen Anfang. Die Bauzäune sah ich schon live:

    Die Bürgersteige und Knotenpunkte werden barrierefrei gestaltet und ein neuer Radweg auf dem Niveau des Bürgersteigs geschaffen. Vom Autoverkehr trennt ihn künftig ein kombinierter Park- und Pflanzstreifen. Außerdem geplant ist, schattenspendende Bäume zu pflanzen. (Eine Straße verändert ihr Gesicht)

  • 24-10-29 Entrare individualmente

    24-10-29 Entrare individualmente

    Das Theater Chemnitz sagte unsere Vorstellung ab, die wir für Freitag buchten: Krankheitsbedingt. Das ist praktisch.

    Die Zeiträume, in denen ich schlafen kann, ohne mich mit einem epischen Hustenanfall selbst zu wecken, verlängern sich von 50 Minuten auf 4 Stunden. Die Halsschmerzen entwickeln sich vom aufmerksamkeitsfordernden Dauerzustand zum Ibuprofen-empfänglichen Hintergrundrauschen. Ich kann zwei Sätze am Stück reden, ohne dass Gefühl zu haben, meine Stimme für den nächsten halben Tag zu schreddern. Meine Konzentration reicht in Maßen für leichtes Fernsehen. (Taskmaster)

    Es geht aufwärts.

    Wie es sich gehört, lies sich im Anschluss in Haushalt die Halsentzündung doppelter Bewegung sehen: bei mir aufwärts, bei Madame abwärts. Irgendwann in der Nacht von Sonntag auf Montag trafen sich die Kurven, Montag ging es Madame schlechter als mir. Wir haben die Hoffnung: Es hat sie weniger stark erwischt, sie wird schneller wieder auf die Beine kommen.

    Vielleicht beiderseitiges Annähern an den Normalzustand zum Wochenende.

    Derzeit: Wohnungshüten, schlafen und ernähren von vorgecrockter Rindfleischsuppe.

    Meine Weltwahrnehmung nimmt zu. So steht zum Beispiel in drei Metern Höhe ein Paar Doc Martens auf unserem Baugerüst. Das könnte das Rätsel lösen, warum Samstagnacht um drei Uhr morgens zwei Junge Männer am Gerüst herum lärmten. Allerdings werfen die beiden Doc Martens auf dem Gerüst auch verschiedene Fragen auf.

    Temporäre Weltwahrnehmung ermöglicht Papierzeitungslektüre.

    Wie stets staune ich über die FAS. Die fordert vorne im Politik- und Wirtschaftsteil, dass auch die letzte chronisch kranke alleinerziehende Bürgergeldempfängerin sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellt. Zehn Seiten weiter hinten, bei Wert & Wohnen, allerdings wird minutiös ausgerechnet, wie mensch als qualifizierter Hochverdiener mit Mitte 40 in den privaten Ruhestand gehen und sich dem Arbeitsmarkt entziehen soll. Das ist der Sound jeder zweiten FAS-Ausgabe.

    Seltener und fast verwunderlicher diese Woche. Der Disclaimer; unter dem Artikel „Warum links nicht mehr sexy ist“1 . Dort weist die Redaktion darauf hin: „Dieser Text versteht sich als Debattenbeitrag. Er erhebt keinen Anspruch auf vollständige Abbildung der Wirklichkeit.“

    Was sofort die Frage aufwirft: Die anderen FAS-Texte erheben den Anspruch vollständiger Abbildung der Wirklichkeit?

    Im Radio gehört: Die Diskussion über die Krankschreibung per Telefon. Kurz danach sah ich in einer Praxis die Praxis. Madame hatte mir noch einen Termin ergattert. Unter dem Laufband „Einzeln eintreten / entrare individualmente“ konnte ich eine Stunde lang die Schlange vorm Empfangstresen beobachten. In 90% der Fälle spielte sich dasselbe Gespräch ab: „Termin?“ – „Nein.“ – „Warum sind sie hier?“ – „AU.“ – „Gehen sie wieder nach Haus. Der Arzt ruft sie nach 12 an.“

    Mir war vollkommen unklar, wann er alle Anrufe durchführen wollte, ohne dabei wahnsinnig zu werden. All‘ diese Menschen persönlich in der Praxis wartend an dem Tag – Chaos! Kollaps!

    Digitaler U-Bahn-Arzt

    Besondere Umstände erzwingen die Fahrt zum Hausarzt. Entdeckung: ich habe einen neuen Hausarzt. Mein ehemaliger Doktor residierte um die Ecke, hatte weder Sprechstundenhilfe noch Terminvergabe: Mensch kam, wartete ein wenig, und wurde dann gut behandelt.

    Aber der Arzt wurde schneller älter als man selber. Die Öffnungszeiten schrumpften. Dann gab es eine Praxiskooperation. Erst kam eine Dottoressa zum Hausarzt in die Praxis. Dann zog der Doktor zu Dottoressa und Dottore. Meine Anreise verlängerte sich von um-die-Ecke-schlurfen zu vier-Stationen-mit-der-U-Bahn-zum Nollendorfplatz.

    Derzeit ist der (ehemalige) Hausarzt länger abwesend, Kommentar in der Praxis „Er ist älter als man denkt.“

    Also zum Dottore. Der ist nicht nur Italiener sondern auch in vielem das Gegenteil vom Doktor: Freund der aufwendigen Organisation und Digitalisierung, offenbar davon träumend eine komplexe Großpraxis zu bauen, die sich komplett selbst organisieren kann, während die Ärzte nur behandeln.

    Das angenehme: Was die Behandlung angeht, war er trotz Montag-Morgen-Erköltungszeit-Chaos außerhalb des Behandlungszimmers genauso entspannt und aufmerksam wie der Doktor. Er zeigte, dass man auch auf eine andere Art genauso wahnsinnig freundlich und vertrauenserweckend sein kann.

    Dabei scheint er mir einige Jahre jünger als ich selbst. Das erhöht die Hoffnung, dass er noch länger durchhält bevor die Rente kommt.

    Auf allen Ebenen war das sehr positiv.

    Kaukasus-Zwergspitzmaus

    Kate Bush und Jim Kay erschufen einen Zeichentrickfilm über eine Kaukasische-Zwergspitzmaus (in English auch Ukrainian shrew) in einer kriegszerstörten Stadt. Unterlegt mit dem Song Snowflake, geschrieben von Kate Bush – gesungen von Bushs Sohn in seiner Kinderstimme.

    Unglaublich schön und schlimm zugleich.

    Bei Kate Bush mehr zum Hintergrund: Meet litte Shrew.

    1. Anscheinend gar nicht online. Nicht mal per Paywall. ↩︎
  • 24-06-13 Pi Sigma Bowtie

    24-06-13 Pi Sigma Bowtie

    Die Gerüste sind verschwunden. Das Über-dem-Bordell-Mural entpuppte sich als Nike-Werbung.

    Länger – Monate schon – sind die Gerüste am Hinterhaus verschwunden. Bauarbeiten sind keine mehr zu erkennen. Der ausgebaute Dachboden steht weiterhin leer.

    Entweder der Investor hat so viel Geld, dass er den Markt auswarten kann. Oder er hat so wenig Geld, dass es für Wasser- und Stromanschluss nicht mehr reicht.

    Im ähnlichen Limbo befindet sich das Hoftor. Das ist seit einem Monat halb montiert, die Farbe grundiert aber das Tor nicht gestrichen. Es wird seitdem nicht mehr angefasst.

    In diesem Haus stellt das kein überraschendes Vorgehen dar. Nur wirkten die Handwerker, die die erste Hälfte ablieferten, ungewöhnlich kompetent. Aber vielleicht war mit einem halben Hoftor auch das gute Handwerkerkarma für 2024 aufgebraucht.

    Noch ungewöhlicher: Obwohl das Tor weiß grundiert ist, hat seit einem Monat noch niemand ein Griffito am Tor angebracht. Ich zweifle an Schöneberg Central. Wenigstens wurde die nächtliche Lungerei im Hinterhof wieder eröffnet.

    Mir träumte, ich wäre bei einer Wikipedia-Konkurrenz aktiv. Leider wurden uns die Server abgeschaltet und wir mussten unter Zeitdruck alle Daten sichern.

    Katherine Ryan gewann die zweite Staffel von Taskmaster. Greg Davies, der Taskmaster, spielt die Rolle des Tatortreinigers in der englischen Tatortreiniger-Adaption The Cleaner.

    Beinschlitz ist der diesjährige Trend bei Abiball-Kleidern.

    Die Gurkenernte im Spreewald hat begonnen. Es beginnen die jährlichen zwei Wochen ultimativer Brandenburgküche: Frischer Spargel mit frischen Spreewaldgurken.

    Die Bahnstrecke Richtung Latifundien soll ausgebaut werden. Jetzt wirklich und ehrlich. Indianerehrenwort.

    Der Alltag bietet diese Woche überraschend viel Interaktion mit dem politischen Geschehen. Nach Wahlhilfe bei der Europawahl und nach die-Polizei-schützt-unser-Haus-vor-der-Palästinademo nun Staatsbesuch und Ukrainekonferenz.

    Einmal mit dem Fahrrad quer durch die Polizeiabsperrungen. An jeder Kreuzung hier mindestens zwei Polizeiwannen mit Kennzeichen aus Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Ein epischer Stau durch komplette Stadtteile. Kaum S-Bahn. Kolleg*innen, die über Stunden auf dem Weg zur Arbeit verschollen waren.

    Nur ich fuhr mit dem Fahrrad am Stau vorbei. Es erfreut mein kleines schadenfrohes Herz bei jedem Anlass.

    Aus einer Wohnküche heraus schaute ich auf die Paul-Gerhardt-Kirche. Der Blick sorgt für ziemlich viel Fragen auf Aufregung.

    Eine Website weist mich darauf hin, dass meine Kreditkarte demnächst abläuft. Es wird ein großer Spaß werden, diese an passenden und unpassenden Stellen zu ersetzen.

    Permutieren

    Neben der Teilnahme am Weltgeschehen gelang es mir, ein paar Seiten Fernuni zu bearbeiten. Das Modul Sicherheit im Internet und Datenbanken erreicht den Teil Datenbanken. Und kaum hab ich mal fünf Seiten am Stück unkonzentriert gelesen, schon fand ich mich inmitten höherer Mathematik wieder.

    Endlich wieder neue Symbole. Endlich Bowtie.

    \(\bowtie \)

    Also zurück, sorgfältiger lesen. Ganz so schlimm ist es nicht mit der Relationalen Algebra. Aber ich war ganz froh über die diversen Mathemodule der letzten Semester, die mich viel über die formale Denkweise dahinter lehrten ebenso wie über die Notation.

    Faszinierend. Ich mache noch an einer anderen Uni einen kommerziellen SAP-Kurs. Während der SAP-Kurs auf der Oberfläche arbeitet und erklärt, welche Schalter welche Module wie aktivieren, kommt der Hagener Datenbanken-Kurs vom anderen Ende: „Nun stellen wir uns mal ganz dumm: Was ist eine relationale Datenbank?“

    Man muss das Thema einkreisen.

    Antreten und zählen

    Lin trat in Magdeburg für die SPD an.

    Hotel Mama streikt in Berlin.

    Ilka ging in Skandinavien nicht schwimmen.

    Sieglinde Geisel in der FAZ bespricht den weissrussischen Roman Europas Hunde von Alhierd Bacharevičs. Ich bin interessiert.