Schlagwort: Tempelhof

  • 26-05-30 Bildung ist nicht Vorbereitung auf das Leben; Bildung ist das Leben selbst

    26-05-30 Bildung ist nicht Vorbereitung auf das Leben; Bildung ist das Leben selbst

    In der U-üc eine junge Frau mit zwei großen Liebeskind-Papiertüten, in denen etwas zehn neue Handtaschen waren, die sie aufmerksam betrachtete. Für Privatverbrauch zu viele, für kommerziellen Einkauf zu wenige. Was auch immer die wahre Geschichte hinter dem Transport war, sie war sicher spannend.

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    Vor mir auf der Südkreuz-Treppe – die Rolltreppe funktioniert natürlich immer noch nicht – ein junger Mann, sein Rucksack so behängt mit Hyroxund Athelete-, Aufnähern, Aufklebern und Anhängern als wäre er ein achtzigjähriger russischer General, schleppt sich auch die Treppe hoch als wäre er ein achtzigjähriger russischer General.

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    Was wird früher fertig werden? Die Reparatur der Rolltreppen am Südkreuz oder die daneben liegende Baustelle der BSR-Zentrale des S!nn-Campus?

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    Mir träumte, ich wäre auf einer Abschlussfeier unter einem Zeltdach, bei der fast nur Frauen geehrt wurden. Angesichts der Ereignisse der Tage war dies ein beleidigend unorigineller Traum.

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    Es waren zwei Arbeitstage mit Abschlussfeier.

    S!nn Campus in spe

    Business Applications oder Fachapplikationen?

    Fast hätte ich Freitag ein wenig „Rücken..“ in den Team-Chat gejammert und wäre im mobilen Büro zu Hause geblieben. Aber am einzigen Büroarbeitstag der Woche, nach zwei Tagen Urlaub, wäre mir das dann doch zu peinlich mir selbst gegenüber gewesen.

    Während Madame gleich ein volles back-to-work Programm absolvierte, ging es bei mir außerhalb einiger seltsamer Meetings eh gemächlicher los. Die Freibadsaison startet spätestens Montag, das heißt fast aller Freibadsaisonsvorbereitungsstress ist durch die Organisation durch.

    Ich überstand das donnerstägliche Neun-Uhr-Meeting, das ich selber angesetzt hatte. Zum Glück mussten dort zwei Dienstleister vortanzen, während ich nur ein wenig angesäuert durch die Gegend hmm’en durften.

    Ich überstand sogar das freitägliche 9-Uhr-Meeting im Büro, das ich nicht selbst angesetzt hatte und bei dem ich sogar was machen musste. Und zu meiner großen Überraschung überstand ich selbst das Freitag-14-Uhr-Meeting zum Thema Service-Portofolio.

    Hinter dem Büro

    Reflexionsritual

    Sicher hat es eine karmische Bedeutung, dass ich auf dem Weg zur FernUni-(Abschluss)-Alumni-Feier ausgerechent am Ullsteinhaus aussteigen musste, in dem ich sieben Jahre arbeitete. Aber ich verstand sie nicht.

    So wurde der Donnerstag ein Doppel-Vergangenheits-Abend. Einmal geplant und absichtlich: Ein Rückblick auf die nähere Vergangenheit, das FernUniHagen-Bachelor-Wirtschaftsinformatik-Studium, ein Rückblick auf die fernere Vergangenheit, die Jahre bei Computacenter.

    Für mich aber auch ein Ausblick auf die nähere Zukunft: den Master Wirtschaftsinformatik.

    It’s time to play the music, it’s time to light the lights

    So ein Fernstudium ist ja etwas eigen. Inhaltlich unterscheidet es sich kaum von einem Präsenzstudium, auch die Organisation dahinter ist am Ende eine normale staatliche Universität wie man sie halt so kennt mit ihren Lehrstühlen und Gremien und so. Aber sie ist halt ortlos und damit in gewisser Hinsicht körperlos.

    Kommliton*innen sah ich meist nur während der Präsenz-Klausuren, leibhaftige Professoren nur angesichts zweier Studientage und eines Seminars. So passte es auch, dass das Zeugnis per Post kam.

    Allerdings fiel selbst der FernUni auf, dass das eine arg freudlose Methode ist, so einen prägenden Lebensabschnitt zu beenden, und sie erfand die Alumni-Feier. In jeder Stadt, in der es einen Außenstandort gibt (wie zB Berlin) werden alle Absolvent*innen des letzten Jahres zu einer Feier eingeladen.

    In Berlin dieses Jahr: In die Ufa-Fabrik, ein leicht alternatives Kulturzentrum direkt am Teltowkanal (neben dem Ullsteinhaus) mit einer wirklich schönen Sommerbühne unter dem Zeltdach.

    On the most sensational inspirational, celebrational, Muppetational

    Es begleitete das Saxophon-Quartett Quadrophon, mit schmissig gespielten Jazz-Standards, die mein Herz spätestens gewannen, als sie das Muppet-Show-Theme spielten.

    Es gab drei Reden. Der Universitätsrektor Stefan Stürmer hatte sich höchstpersönlich nach Berlin zum Gratulieren begeben. Dessen Reden war den Umständen nach mehr als gut. Aber wenn er mit einem Zitat eines meiner persönlichen Helden der Politischen Theorie beginnt, muss es ja gut werden. Auch wenn hier John Dewey als Erziehungswissenschaftler zitiert wurde:

    Bildung ist nicht Vorbereitung auf das Leben; Bildung ist das Leben selbst

    Wann ist der richtige Zeit und der richtige Ort, um auch einmal leicht ins Pathos zu fallen, wenn nicht diese Veranstaltung. Und auch sonst gelang es Stürmer, überzeugend zu vermitteln, dass ihm die Fernuni in all‘ ihrer Eigenheit und die Student*innen in all‘ ihrer Verschiedenheit, ein persönliches Anliegen sind.

    Daneben sprach Felix Ackermann, ein ursprünglich aus Berlin stammender Historiker, der die Anwesenheit gleich mal befragte, wer noch gedruckte Zeitung liest (~ 2% der Anwesenden), wer Telegram auf dem Handy hat (~ 20%) und wer Signal (~ 80%), um dann sein Forschungsprojekt über Telegram-Nutzung im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine vorzustellen. Er brachte mich immerhin dazu, nachzuschlagen, was ich machen müsste, um an seiner historischen Exkursion nach „Postpreußen“ teilzunehmen.

    Dazu kam eine Absolventin, die ihren persönlichen, und wie bei den meisten, leicht schiefen, Weg zum Abschluss schilderte.

    Dann durften alle auf die Bühne, einzeln aufgerufen, namentlich genannt, mit einer Pseudo-Urkunde ausgestatte (die echte kam ja schon vor Monaten in der Post) und mit einem kleinen Präsent.

    Endlich mal Komiliton*innen sehen. Endlich mal schauen, wie viele Psycholog*innen hier sind (sehr viele, 50? 60?) und wie viele Wirtschaftsinformatiker (drei), oder Mathematiker*innen (null) oder Bilungdswissenschaftler*innen (~20?) – die alle in spannenden, schicken Interpretationen zwischen „akademisch-festlich“ und „Sommerfest“.

    Und zum Ende, das unwahrscheinlichste Treffen von Allen: 2015 hatte ich mal kurz das ZDF-Hauptstadtstudio dabei beraten, MediaWiki (die Software hinter Wikipedia) einzusetzen, um die Studiotechnik intern zu dokumentieren. Einer der damals beratenden Techniker ist nicht nur Chef des Berliner Alumni-Kreises der Fernuni, sondern hat mich auch gleich erkannt, und sich mit Freude an mich erinnert. Da war ich geplättet.

    Empfang

    Freitag war ereignisloser. Nach der Arbeit Madame treffen, die von dm kam, Milch und Aufbackbrötchen kaufen, packen, und auf die Latifunien fahren.

    Madame begrüßte den Turmfalkenturm. Uns begrüßte die Nachtigall, eine mittelgroße Haustürspinne, der Vollmond und ein Geschwader Mücken. Wo kamen sie her, Dienstag war das hier doch noch weitgehend mückenfrei?

    Links

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    Ich sag ja, IT und Prozesskram ist beides angewandte Arbeitsvermeidung, weil es darum geht, etwas so aufzusetzen, damit es danach möglichst umstandslos läuft. Dank Marc lernte ich dafür den schönen Begriff Zero Maintenance – keine unnützen Aufgaben.

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    Die besten Rezepte: Auf die Fragen was, wie viel, wann, warum kam oft genug die Antwort „Das merksch dann, musch halt probieren.“

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    Katzenfach im Bücherregal. Dieses Regal bleibt mir einfach sympathisch: Bücherliebe – 9 –

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    Ich vielleicht auch: Wäre ich König, so würde ich für jeden Menschen im Reich “Feierabend um drei!“ per Ukas verfügen. Nur ich selber würde bis zum Abend mit Gänsekiesel bei Kernzenschein über Akten und Urkunden brüten und wenn das Lachen der Kinder von der Straße in mein Arbeitszimmer im Palast hereindringen würde, würde ich leise und sehnsuchtsvoll seufzen.

  • 25-02-27 Eine Anmeldung zu einer Prüfungsleistung

    25-02-27 Eine Anmeldung zu einer Prüfungsleistung

    Die Mücken sind zurück. Zu den unerwarteten Plagen unserer Dachbaustelle gehörte die Mückenplage. Kurzzeitig durch Frosttage unterbrochen, fliegen die Viecher schon wieder in der Wohnung herum. Wir hoffen, dass die Bauarbeiter im Rahmen der weiteren Arbeiten auch die Stechmückenzuchtanlage wieder abbauen.

    Auch zurück ist der Schlamm der allmorgendlich auf unser Fenster gefegt wird.

    Verschwunden hingegen sind die schönen Schaffell-Hausschuhe. Denn eine Horde Kleidermotten mochte diese Schuhe noch lieber als ich sie mochte und siedelte sich dort wiederholt an.

    Ein Techem-Ableser kam, wollte aber nur zwei unserer drei Warmwasserzähler sehen. UPS lieferte Ersatzteile für Rombitombi.

    Verschwunden sind die Absperrgitter am Sachsendamm. Montag sah ich Polizei-LKWs, die diese wider einsammelten. Hätte ich Sonntag nicht wahlgeholfen hätte ich tagsüber auf der Straße herumlungern können und warten, wofür die Gitter benötigt werden.

    Aus Gründen beschäftigte ich mit intensiver mit der Microsoft-Planungssoftware MS-Planner. Und stellte dabei fest: ich denke fundamental anders. Ich denke in Strichen und Pfeile oder Verbindungen und Links; ich will Zusammenhänge und Abhängigkeiten.

    Listen sind okay. Aber sobald es graphisch wird, will ich Netzwerke und Pfade.

    Madame beobachtet bei ihren Chorproben unfreiwillig die Wanderung einer kleinen Drogenszene durch die Schöneberger U-Bahn.

    Mittwoch Abend war ich endlich wieder im Stadtbad Lankwitz. Das Bad war voll, dennoch gelang es problemlos und flüssig eine längere Strecke zu schwimmen. Wie schön. Wie gut es tat. Was nett war: mit den Badleitungen noch eine Rauchen (also sie rauchen, ich steh mit rum). Die Nettigkeit gab es nicht umsonst: Zu Recht wurde ich dafür getadelt, dass ich so lange nicht mehr im Bad war.

    Parametrische Optimierung?

    Linkerhand beginne ich das Lernen für das Klausur Informationsmanagement. Dabei nehme ich aus den Augenwinkeln war, dass auch die Einsendeaufgaben 2 mich für die Klausur qualifiziert hätten – aber ich war ja dank EA1 eh schon durch.

    Weiter bin ich mir nicht sicher, ob das wertvolle Inhalte sind oder Bullshit Bingo für Fortgeschrittene. Andererseits ist es für mich das mit Abstand arbeitsnähste Seminar; gefühlt könnte ich die Hälfte der Aufgaben aus den Unterlagen unseres „digitalen Transformationsprojektes“ lösen.

    Rechterhand meldete ich mich für die Bachelorarbeit an und besitze jetzt eine „Eingangsbestätigung zu einer Anmeldung einer Prüfungsleistung.“ Diese Anmeldung wird an den Lehrstuhl überstellt werden, der dann entscheidet.

    Ich hoffe mal, seit dem Seminar am selben Lehrstuhl vor vier Wochen hat sich nichts an der Meinung des Lehrstuhls geändert. Sollte alles so kommen wie geplant, werde ich im Juni/Juli/August 2025 eine Bachelorarbeit zur Parametrischen Optimierung schreiben.

    Auf jeden Fall habe ich mir schon ein schönes Schwimmbadbeispiel ausgedacht, an dem mensch die ganzen mathematischen Konzepte demonstrieren könnte.

    Grün-Links-AfD

    Mir scheint, alles was ich zur Bundestagswahl an sich schreiben könnte, wurde anderswo bereits besser geschrieben. Deshalb möchte mich auf Bundestagswahlereignisse mit persönlichem Bezug beschränken.

    Ein paar Ergebnisse auf Mikrolevel, jeweils die Top3 der Zweitstimmen:

    Madame zählte einen Tempelhofer Briefwahlbezirk aus (die Adressen liegen in netter Gegend mit schönen Altbauten) mit dem Ergebnis:

    • Grüne 101 Stimmen / 24,7%
    • Die Linke 93 Stimmen / 22,7%
    • CDU 84 Stimmen / 20,5%

    Unsere eigene Schöneberger Nachbarschaft hat natürlich auch gewählt:

    • Die Linke 165 Stimmen / 29,9%
    • Grüne 153 Stimmen / 27,8%
    • SPD 81 Stimmen / 14,7%

    Für die Latifundien finde ich nicht den Wahlkreis in dem wir gewählt hätten, hätten wir dort wählen dürfen, aber zumindest die Gemeinde:

    • AfD 2650 Stimmen / 31,7%
    • CDU 2413 Stimmen / 28,9%
    • SPD 1491 Stimmen / 17,8%

    Und das ist kein ländlicher Bereich. Das ist inzwischen echter Speckgürtel, in dem ein großer Teil der Einwohnerschaft in Einfamilienhäusern lebt, deren Wohngebiete erst seit 20 Jahren überhaupt erschlossen sind.

    Lindh-Arndt

    Neben den Parteien muss ich doch noch zwei MdBs würdigen

    Wahlkreis 101 Wuppertal – SPD

    Einst ereignete sich eine größere Wikipedia-Veranstaltung in Wuppertal. Diese hatte eine Eröffnungsveranstaltung. Auf dem Programm der Veranstaltung war eine Rede des örtlichen Bundestags-Abgeordnete Helge Lindh angekündigt.

    Mein Gedanke war „Ey, jetzt fahre ich extra nach Wuppertal für den Event und dann muss ich mir Politiker-Grußworte anhören? Womit habe ich das verdient?“.

    Welch Irrtum. Es folgte eine der besten Wikipedia-Reden, die ich je hörte. Von jemand, der sich richtig gut damit auskannte, großer Fan war und hervorragend begründen konnte, warum ihm die Idee einer Bildung für alle so wichtig ist. Jemand, der es verstand die Grundidee der Wikipedia und eine politische Mission zu verbinden.

    Ich war beeindruckt und wünschte Lindh, dass er möglichst lange im Bundestag bleiben kann. Es hat trotz schwer angeschlagener SPD funktioniert. Im Wahlkreis 101 gewann Helge Frederik Lindh 33% der Erststimmen und damit das Mandat. (Die SPD holte bei den Zweistimmen nur 20%, noch einmal zeigend wie sehr es ein persönliches Ergebnis ist)

    Landesliste Saarland – Die Linke

    Fast vom Stuhl gefallen wäre ich allerdings bei der Info, dass Moses Arndt in den Bundestag einzieht.

    Moses Arndt prägte meine Jugend und trug maßgeblich zur Politisierung bei. Das ZAP-Punkfanzine war laut, unangepasst, herausfordernd, links, aber viel zu wild um irgendwie vereinnahmt zu werden. Im Triumvirat aus dem Pop-Intellektuellen Martin Büsser, dem Punk-Schlager-Perry-Rhodan-Kuschelautoren Klaus N. Frick und der wilden nihilistischen Energie von Moritz Arndt entstand etwas Einmaliges.

    Natürlich halten solche Glückskonstellationen nie lange. Das ZAP hielt in seiner Blüte gerade noch so lange durch, um die zweite Auflage der Chaostage in Hannover ins Leben zu rufen. (siehe August 1995: Drei Tage Chaos in Hannover)

    Dann zerfiel es, eine letzte Tat war die Gründung der APPD, der Anarchistischen Pogo Partei Deutschlands, die aber nur ein schwacher Abglanz ehemaliger Energie darstellte.

    Büsser gründete intellektuelle Popmagazine, Frick kuschelte in einer unpolitischeren Szene vor sich hin, und von Arndt hörte man, dass er hinter runtergelassenen Jalousien in einem schwer kameraüberwachten Haus im Saarland wohnt.

    Später dann: Er hat als Arzt promoviert und ist jetzt Ringarzt bei Mixed-Martial-Arts kämpfen.

    Und jetzt: Er ist Bundestagsabgeordnete für die Linke, Landesliste Saarland. So speziell übrigens, dass ich anlässlich dessen das erste Moses-Arndt-Foto meines Lebens sehe. Das kam für mich so erwartet als würde Papst Franziskus einer queeren Volleyballmannschaft beitreten.

    Französischer Easy Listening

    Feinanteil: Als Wahlhelfer in einem sächsischen Dorf.

    Männergenerationen am Land.

    Seit langem mal wieder ein Computerspiel, das mich interessieren könnte: Caravan SandWitch durchgespielt und verblüfft

    Gunhild Rudolph fuhr nach Frankfurt und beabschlusste an der Deutschen Gartenakademie.

    Sei wie Frau Novemberregen: Ich habe ja seit einigen Wochen ein neues Hobby, nämlich lästige Bürgerin sein. Man kennt sowas ja im Rahmen des Shareholder Activism, Leute, die einem den letzten Nerv rauben, ich freue mich auf viel Korrespondenz mit meinem/meinen Wahlkreisabgeordneten

    Claudia im Schnee: Nur eineinhalb Stunden vom Bahnhof Tokyo entfernt liegt das Skigebiet Yuzawa (湯沢). Dort liegt ab Dezember bis in den April hinein Schnee, oft mehrere Meter hoch. Hat sich der Schneeanzug für unseren Sohn doch gelohnt

  • 23-04-23 Penicilin ist aus, Mme Hardy drin

    23-04-23 Penicilin ist aus, Mme Hardy drin

    Der Hausrotschwanz knirschte.

    Gibt es im deutschen ein Wort für das erste echte Frühlingswochenende? Mit Sonne und T-Shirt-Temperaturen und Vögeln und so? Dieses Wochenende war am Samstag. Und alle kamen sie raus:

    Erdhummeln, Radfahrer, Steinhummeln, Quadfahrer, Hippiewespen, Cabriofahrer, Wildbienen und Herthafans. Aber vor dem sonnigen Samstag galt es den Freitag zu überwinden.

    Berlin->Bungalow

    Ein Insektenstich(?) am rechten Arm war spektakulär eskaliert. Um Borreliose oder andere Gefährlichkeiten für das Wochenende auszuschließen, führte mich der erste Freitagsweg zum Arzt. Dort gleich doppeltes Elend des Gesundheitswesens:

    • Penicilin ist aus. In ganz Berlin nicht zu bekommen. So dass der Arzt es auch gar nicht mehr verschreibt. Das Standard-Normal-Antibiotikum. Krasse Sache.
    • Im Wartezimmer ein (aus Nervosität) sehr gesprächsfreudiger Mann Ende 40. Der hat die meisten Zähne seines Oberkiefers verloren und die Zahnärztin möchte 27.000 Euro, um einen Ersatz wiederherzustellen. Die er nicht hat. Er reist nun also nächste Woche in das Heimatland seiner Eltern, die Türkei, um das für die Hälfte des Geldes machen zu lassen. In einem Land in dem er in vierzig Jahren zweimal war und der dortigen Medizin nicht vertraut. Aber 27.000 Euro. Ich war kurz davor, ihn zu herzen.

    Bei meiner Nicht-Borreliose scheint Kortisonsalbe auszureichen. Das Notfall-Ersatz-Antibiotika-Rezept liegt uneingelöst in der Tasche.

    Nach der Fahrt durch den alle-Zuckerfest-Feiernden-wollen-offensichtlich-zum-Jahrmarkt-Stau begann die Gartenzeit. Handwerkerfortschritte: Der neue Wasserzähler ist eingebaut. Nachbar U entpuppte sich als gelernter Elektriker, stellte fest, dass bei der Badsicherung wirklich die Sicherung defekt ist (und nicht die Elektrik). Er kann dieses problemlos nächste Woche kurz selbst in Ordnung bringen.

    Bungalow->Berlin

    Frühling. In allen Facetten. Mit Aufwachen und Aufstehen im Garten. Die Taubnesseln und Narzissen noch am Blühen, alle Stauden beginnen sich emporzurecken, die Obstbäume sind nur noch Augenblicke davon entfernt, ihre Blüten zu entfalten. Hippiewespen balgten sich auf der Terrasse, der Hausrotschwanz sang und knirschte über Stunden vor sich hin.

    Blick in einen fast blühenden Mirabellenbaum hinein.

    Wir saßen mit Rotwein auf dem Rotweinbänkle, und gruben endlich die Rosen Mme Hardy (zu den alten Rosen, Nordende) und und Tweekleurig Scarman (Beet 2 L, Südende) ein.

    Die Zeit war endlich, denn Ms. Fluffy hatte den perfekten Samstag gewählt, um zum Grillen nach Berlin-Tempelhof einzuladen. Wir brachten vegane Cocktailsauce mit. Wir diskutierten über das Motto „bringt Essen mit, das ihn noch in 30 Jahren ohne Reue essen mögt“, ließen uns über den Dresscode „Start-Up-aber-trotzdem-hohe-Tagessätze-wert“ informieren und bekamen die Filmtipps Ankle Biters und Rubber.

    Berlin – Berlin

    Die erste Nacht auf der neuen Matratze. Im Wesentlichen dasselbe Modell wie die alte, aber in 10 Jahre weniger verbraucht. Ist besser.

    In Nicola Keegans Roman Schwimmen bin ich aktuell auf Seite 280 und konnte mir mehr Meinung bilden.

    Schlecht: Das Buch heißt „Schwimmen“ und auf dem Cover ist ein Turmspringer abgebildet. Ist halt wie ein Buch „Fußball“ auf dessen Cover ein Hockeyspieler ist. Und genauso oberflächlich, uninteressiert wird das ganze Schwimm-Thema abgehandelt. Ist halt ein nötiges Plot-Element.

    Der eigentliche Kern aber, die Familiengeschichte, erinnert mich in ihrer Mischung aus Seltsamkeit und Tragik positiv an John Irving. Das Setting ist nicht wie bei Irving Neuengland sondern Kansas. Die Familie besteht aus fünf Schwestern, die eine von Nonnen regierte Schule besuchen und der Vater ist Fledermausforscher mit Privatflugzeug. Den Teil mag ich schon sehr.

    Manchmal lese ich Blogs und bei mir clickt so gar nichts. Menschen denen ich ein gutes Leben wünsche, aber mich interessiert nichts was sie schreiben. Und manchmal clickt es total, und ich denke: „Lese ich total gern, sind sicher auch super spannend zum Kennenlernen.“ Frau Rabensalat hatte mich bei den ersten Worten und endgültig begeistert war ich bei der Schilderung des Mindfulness-Workshops.

    Frau Novemberregen schildert Erfahrungen aus einer Welt in der man regelmäßig Augenbrauen kosmetisch behandeln lässt.

    Die kuriose Fernsehsendung „Raue der Restaurantretter“ führte uns mal wieder in das ioff-Forum. Old-School-Internet-Foren in denen man gemeinsam über schlechtes Fernsehen lästert – besseres 90er-Jahre-Feeling geht nicht.

  • 23-03-04 Rammstein on estrogen

    23-03-04 Rammstein on estrogen

    Madame brach gen langes Wochenende auf. Das brachte mich in eine ungeahnte Situation: Die übliche Samstagroutine fiel aus, aber ein ungeahntes Reich der Freiheit eröffnete sich. Ich hätte wieder schlafen gehen können – der gestrige Freitag war ja überraschend anstrengend geworden. Oder gleich in den Mathebüchern verschwinden. Ich konnte einfach so auf das Rad steigen, denken „ich komme irgendwann wieder“ und dann verschwinden. Oder den ganzen Tag eine explosions-und-blutreiche Serien per Beamer im Wohnzimmer sehen.

    Die vielen Möglichkeiten überforderten mich. Immer wenn ich dabei war, etwas anzufangen, viel mir auf, wie viele andere Möglichkeiten ich mir damit verschließen – und so lief ich wie ein sehr müdes und langsames aufgeschrecktes Huhn durch die Wohnung. Bis ich mich dann irgendwann auf „Privatmails aufräumen, Papierstapel auf dem Schreibtisch wegkriegen“ geeinigt hatte – das musste auf jeden Fall mal sein.

    Bei der Gelegenheit konnte ich die neue gebührenfreie Kreditkarte in Betrieb nehmen. Test erfolgreich: Sie erfüllt den einen Zweck für den sie angeschafft wurde und lässt mich gebührenfrei von den Geldautomaten der Umgebung Bargeld abgeben. Wichtiger: Im neu eingerichteten Onlinebanking wechselte ich vom „bösen“ Revolving Credit (ich zahle pro Monat nur einen kleinen Teil der Ausgaben zurück, der Rest bleibt als Schulden auf dem Kreditkartenkonto und wird teuer verzinst) zum „guten“ Charge-Verfahren (ich zahle am Ende des Monats Alles; kein Kredit, keine Zinsen).

    Das ganze Verfahren lässt mich traurig zurück: der aus Banksicht einzige Sinn der Karte scheint darin zu bestehen, Leute zum Schuldenmachen zu bringen, die sie vorerst nicht zurückzahlen zu können und daraus mit Phantasiezinsen Geld zu verdienen. Aber um so weniger Hemmungen habe ich, mir aus der Karte eine kostenlose Dienstleistung zu basteln.

    Screenshot der Onlinebanking-Website. Tilgungsrate: 100%

    Irgendwann schwang ich mich doch noch auf’s Rad. Aber weil ich weiterhin etwas unkoordiniert war, fuhr ich einfach mal wieder den alten Arbeitsweg ab – dort habe ich noch jede kleine Erhebung, jede Kurve und jede Bodenwelle in den Beinen und landete noch im alten Supermarkt.

    Vor mir an der Kasse: Ein Einkauf von zwei Packungen Salat, drei Flaschen Wein. In meinem Kopf formte sich der Gedanke „Desolat leben, aber gesund – ein passendes Motto der gesellschaftlichen Entwicklung.“ Da nahm die Dame auch noch zwei Packungen Zigaretten und das Motto zerstob in meinem Kopf.

    Inspiriert von der Kaltmamsell schaute ich bei VG Wort vorbei (wie zu erwarten war, nix Gutes in 2022 für mich), schrieb eine verspätete Geburtstagskarte und sortierte alte Schwimmbadkarten in die Schwimmbadkartensammelportmonnaietasche.

    Überraschend gut gefiel mir der deutsche ESC-Beitrag. „Rammstein on estrogen“ wie ein Youtube-Kommentator schrieb. Und da deutsche Welterfolge die Scorpions, Rammstein und Scooter sind, hat die Band vielleicht sogar Chancen.

    Auf Tröt las ich die Geschichte des russischen 1439. Regiments. Ein Staat, der so mit ihren eigenen Leuten umgeht, ist weit davon entfernt friedensbereit oder auch nur -fähig zu sein.

    Sonst ist heute dann doch vor allem ein Italopop-Fernuni-Statistik-Tag.

    Urlaubstip: Es gibt Rabatt auf die Interrail-Tickets.