Madame startete ihre Triple-Chor-Wochen.
Madame war im Tageslicht bei Edeka Autobahn und war noch viel mehr beeindruckt als wir es schon letztens am Abend waren. „Der Laden ist krass. Wusstest du, dass die Gläserne Molkerei Bio-Fruchtjoghurt mit Koffein in mehreren Sorten herstellt? Alles da.“
*
Ich lernte von der Schulkarawane: Es gibt anscheinend auch eine Rollkoffervariante der Schul-Rucksäcke.
*
Ein Mann im weißen-SPD Hoodie lief alleine die Straße entlang, verloren schauend.
Eine Gestalt, verborgen unter einem überdimensionalen Panda-Kostüm, wiegte sich am Breitscheidplatz traurig in der Musik.
*
Gerne würde ich am Wochenende zum Berliner Rollerderby gehen. Leider ist die Veranstaltungsankündigung nur auf Insta und ich darf sie nicht öffnen.
*
Es war ein MoDiMi-Wochenbeginn zwischen Schwimmbecken, Zooplatz, Gemüseschrank und dem Wunsch zu schlafen.
Schrecke
Nachdem ich im Garten noch Heupferde vermisste, flog mir eines zu. Zumindest fast. Ausgerechnet an der Autobahnausfahrt flog mir ein Exemplar auf dem Arm und ließ sich auf der bicicletta azzurra getreulich bis zu den Südkreuz Offices tragen. Dort allerdings setzte ich es vor der Tür aus. Alleine mit dem Tiefgaragentauben wollte ich es nicht lassen.
Der Gast erwies sich als Südliche Eichenschrecke (Meconema meridionale), auch hier eine Klimagewinnerin. Diese hatte keinerlei Probleme an meinem Arm zu kleben, ließ sich weder durch Bewegungen noch durch Fahrtwind beirren.
Ich schaute im Netz beim NABU nach:
Legt man eine Verbreitungskarte der Südlichen Eichenschrecke über eine Karte des Autobahnnetzes fällt auf: Die unscheinbare Art nutzt den Autoverkehr, um sich auszubreiten. Besonders frisch geparkte, noch warme Fahrzeuge wirken anziehend auf die Schrecke, die man hin und wieder auf den Motorhauben finden kann. Sie hält sich selbst bei hohen Geschwindigkeiten am Fahrzeug fest und lässt sich teils viele hundert Kilometer in neue Lebensräume transportieren.
Okay, da war weder ihr fröhliches Mitfahren, noch der Ort des Zusammentreffens an der Autobahnausfahrt eine besondere Überraschung: Willkommen in Berlin, kleine Anhalterin.

Im Büro. Offenbar haben zum 1. September alle wieder beschlossen, dass es wieder Zeit zum Arbeiten wäre. Der extern hineingebrachte Tempo in die Arbeit beschleunigte sich diese Woche merklich.
Ich kann so nicht schlafen.
Scheitelpunkt PladeLu
Erst wollte ich zur Hammett-Buchhandlung und freute mich auf einen Teil der Radstrecke dorthin, bei perfektem Wetter durch das Fliegerviertel und zurück ins Schwimmbadoffice durch den Akazienkiez.
Dann wollte ich nicht zur Hammett-Buchhandlung und trauerte der Strecke nach.
Dann fiel mir auf, dass ich die netten Teile der Radstrecke auch einfach fahren kann, ohne dafür die Buchhandlung zu besuchen. Noch besser! Ich kann die blöden Teile der Strecke einfach weglassen.
Einmal vom Büro zum Alfred-Lion-Steig und dort den S-Bahnen, ICEs und Regios in der An- und Abfahrt zum Südkreuz zusehen. Dann durch das Puscheltempelhof des Fliegerviertels. Der Platz der Luftbrücke, der PladeLu ist der Scheitelpunkt.
Die nette Strecke der Dudenstraße, die eigentlich gar nicht so nett ist, aber den Radfahrer durch mehrere Kilometer leichtes Gefälle erfreut, am Schöneberger Zentrum Kaiser-Richard-Platz mal kurz nach dem Rechten sehen und schließlich die Parkstraßen zurück nach Alt-Wilmersdorf.

Pollerisierung endlich umsetzen
Es ist unmöglich, mehr als drei Meter durch die Stadt zu gelangen, ohne Plakate zu sehen. Letztens sah ich Jugendliche, die mit einem Klemmbrett und Stift in der Hand auf Plakate zeigten und diese diskutierten.
Ich hoffe, es waren Hausaufgaben.
Das Plakat-Thema scheint mir Verkehr zu sein. Das Berlin-Thema sind Mieten, aber das plakatiert sich nicht gut, eigentlich müssten alle „Wir haben doch auch keine gute Idee“ an die Laternen hängen, und das bringt keine Differenzierung.
Deshalb lieber Verkehr. Unter dieses schöne CDU-Duo möchte ich fast nur „discuss!“ schreiben.


Aber natürlich sehen wir auch schön, dass die Haltung zum Autor nicht nur eine Frage der Politik ist, sondern auch des Wohnorts. Wenn man im Fliegerviertel/“der Gartenstadt“ wohnt, wo Autoverkehr halt vor allem Lärm und Gefahr durch andere ist, dann ist der Poller auch für die CDU eine Verheißung. Wenn man eine Mehrheit in Spandau, Reinickendorf und Zehlendorf gewinnen will, wie die Gesamt-Berliner-CDU, dann ist der Poller ein Schrecken, der Zehlendorfer beim Innenstadt-Trip behindert.
Zum Bad
Die Hausbad hat wieder offen. Gerne hätte ich ausgiebig gebadet, geplanscht und geschnurchelt.
Aber die Tage waren kurz.
Erfreulicherweise bedeutet die Wiedereröffnung aber, der Bademantelgang ist wieder offen, mein 30-Sekunden-Trip von Wohnungstür bis Schwimmbaddusche ist wieder möglich, und es lohnt auch, für eine Viertelstunde Schwimmen ins Hallenbad zu gehen.
Und ein neues Ich verlässt danach das Wasser. So schön.
Danach fiel ich in den 249er, fuhr zum Zoo, stellte überrascht fest, dass auf dem Breitscheidplatz gerade eine Rollschuhbahn aufgebaut ist, und fühlte mich sehr professionell, weil ich im Media Markt alle LEGO-Aufbauten, E-Trottinetts und Kaffeemaschinen ignorierte, um den Laden ausschließlich mit einem drei Meter Patchkabel zu verlassen.
Wobei natürlich kein Profi sein Patchkabel bei Media Markt am Ku’damm kaufen würde.

Vollkommen entfallen war mir, dass der Mentor von Odysseus Sohn den Namen „Mentor“ trägt
Nach etwa einer Stunde Film dachte ich spontan, „ach, ich könnte auch mal den eigentlichen Text der Odyssee lesen.“ Insofern war der Film erfolgreich.
Nolan’s Odyssey, finally. Der Großstadtsnob („Nur OV, nur Top-Saal, aka IMAX, UCI iSense oder großer Saal im ZOO-Palast“) bekam eine Karte.
Ich erwartete:
- Viel zu viele Männer, die bedeutungsvoll und ernst in Nahaufnahme in die Ferne schauen.
- Insgesamt einen mittelmäßigen Film.
- Aber großes Spektakel, deshalb Spektakelsaal.
Ich bekam.
- Sehr viele Männer und Frauen, die in Großaufnahme bedeutungsvoll in die Ferne schauten. Wobei Anne Hathaway/Penelope mit Abstand die in die Ferne-schau-Meisterin war.
- Insgesamt einen mittelmäßigen Film.
- Gar nicht so viel Spektakel, weil sehr viel Zeit mit bedeutungsschwer schauenden und redenden Menschen in Großaufnahme gefüllt wurde. Die Spektakel-Szenen aber waren eindrücklich.
Ungefähr 20 Minuten struggelte ich damit, Odyssey als eine Verfilmung eines griechischen Mythos anzusehen. Das scheiterte, weil offensichtlich alle Hauptpersonen nicht nur englisch redeten, sondern auch die Welt und ihre eigenen Handlungen interpretierten wie Amerikaner des 21. Jahrhunderts sie interpretieren würden. Das waren keine Gestalten antiker Sagen vor mir, sondern Amerikaner mit Schwertern.
Den Film als Fantasy-Film zu sehen, klappte auch nicht so sehr, dazu war zuviel Mühe darauf verwandt, Schmutz und Schmerz realistisch darzustellen.
Irgendwann dachte, okay, ich sehe einen Film über eine Gruppe Amerikaner, die irgendwie in den griechische Sagen-Kosmos geraten sind, vollkommen in over their head sind und versuchen dem zu entfliehen. Das ergab Sinn.
Es war gut unterhaltsam. Da inzwischen so viele Menschen den Film sahen, und es eine handvoll denk- und erinnerungswürdige Szenen gibt, ist es auch ein guter Inhalt für Small Talk. Aber so richtig Grund, den Film zu sehen, gibt es auch nicht.

We took care of everything
Der letzte Bus Richtung Zoo fährt um 0:27h, der letzte Bus vom Zoo nach Schmargendorf um 0:32h.
Schlafen blieb ein schwieriges Thema diese Woche. Nachdem ich mir selbst schon eine gut vierstündige Nacht mit Odyssey-Rückkehr um 0:30h und Wecker um 5:00h eingeplant hatte, erreichten mich Mails währned ich im Kino war.
„Your Account by GoDaddy was created“ – okay, also ich habe keinen Account angelegt.
Aber natürlich kann jeder Eumel bei GoDaddy einen Account erstellen und meine öffentlich bekannte Mail-Adresse eintragen. Ärgerlich, aber kein Grund mich vom Schlafen abzuhalten.
„You’ve arrived here from Google, and we think you’ll like it at GoDaddy. We took care of everything we could automatically“ – wenn die Mail an einen Gmail-Account geht, macht mir das mehr Sorgen. Wie, alles von Google wurde transferiert? Was? Wie? An wen? Wer hat Zugriff?
Einen Monat nach dem WordPress-Hack mit wp2shell wollte ich keine Minute verschwenden und verbrachte eine spannende Stunde mit diversen Support-Bots und Chats. So gegen 1:30h wusste ich:
- Chatten mit jemand, der vermutlich englisch schreibt, mir sein Text aber mit einer Übersetzungs-KI auf deutsch ausgegeben wird, fühlt sich seltsam an.
- Das ganze scheint legitim. Die alte iberty.net-Domain aus Blogger-Zeiten habe ich damals bei Google angelegt, Google hat 2026 keine Lust mehr auf Domainverwaltung und das zu GoDaddy transferiert. Das finde ich immer noch reichlich seltsam, aber zumindest war es kein Hack.
Auf in die fröhlichen drei Stunden Schlaf.
Acht Physalis
Es gelang mir 132 Gramm Rucola, unseren Gemüslichkeitsanteil diese Woche, grammgenau abzuwiegen. Einfacher waren die drei Patisson-Kürbisse, die zwei Paprika und acht Physalis(!). Das Paar, das nach mir kam, frohlockte bereits „Keine Zucchini!“, aber natürlich gab es neben den Tomatenbergen auch noch Zucchini.
Auf dem Gemüserückweg bin ich noch auf der Wegfindung mit der biciletta. Der schöne Radweg endet punktgenau an der Bezirksgrenze zwischen Schöneberg und Wilmersdorf, danach wird er eklig.
Also fuhr ich testweise quasi auf der Grenzlinie nach Süden Richtung Park und dann von dort weiter. Noch nicht optimal, aber viel besser. Die Kufsteiner Straße wird mein Freund.

Back home. Mit Äpfeln, Tomaten und Zucchini hatte Madame für die Lokalbasketballpräsidentin zwei Quiches vorbereitet.

Links
Loosy beim Booktokcamp-Con in Brandenburg: 29.08.2026 – Fish out of Water
*
Aus dem Leben einer Zugbegleiterin direkt nach Sturmchaos: Sturmauswirkungen
*
Für die to-do-list: „Ich wall‘ hinab zum Strande“ in den aktiven Wortschatz aufnehmen.
*
Judith Holofernes mit ihren Dolly-Parton-Erinnerungen: „viele von euch wissen, wie viel Dolly Parton mir bedeutet. Aber heute, als ich von ihrem Tod erfahren habe, hab ich irgendwie noch mal anders verstanden, warum man das sagt: „Sie bedeutet mit viel.“ und dazu ihre Dolly-Parton-Video-Empfehlungen
*
Cassandra Wilson starb. Cassandra Wilson, Grammy-winning jazz artist, remembered
Schreibe einen Kommentar