Schlagwort: Ullsteinhaus

  • 26-05-30 Bildung ist nicht Vorbereitung auf das Leben; Bildung ist das Leben selbst

    26-05-30 Bildung ist nicht Vorbereitung auf das Leben; Bildung ist das Leben selbst

    In der U-üc eine junge Frau mit zwei großen Liebeskind-Papiertüten, in denen etwas zehn neue Handtaschen waren, die sie aufmerksam betrachtete. Für Privatverbrauch zu viele, für kommerziellen Einkauf zu wenige. Was auch immer die wahre Geschichte hinter dem Transport war, sie war sicher spannend.

    *

    Vor mir auf der Südkreuz-Treppe – die Rolltreppe funktioniert natürlich immer noch nicht – ein junger Mann, sein Rucksack so behängt mit Hyroxund Athelete-, Aufnähern, Aufklebern und Anhängern als wäre er ein achtzigjähriger russischer General, schleppt sich auch die Treppe hoch als wäre er ein achtzigjähriger russischer General.

    *

    Was wird früher fertig werden? Die Reparatur der Rolltreppen am Südkreuz oder die daneben liegende Baustelle der BSR-Zentrale des S!nn-Campus?

    *

    Mir träumte, ich wäre auf einer Abschlussfeier unter einem Zeltdach, bei der fast nur Frauen geehrt wurden. Angesichts der Ereignisse der Tage war dies ein beleidigend unorigineller Traum.

    *

    Es waren zwei Arbeitstage mit Abschlussfeier.

    S!nn Campus in spe

    Business Applications oder Fachapplikationen?

    Fast hätte ich Freitag ein wenig „Rücken..“ in den Team-Chat gejammert und wäre im mobilen Büro zu Hause geblieben. Aber am einzigen Büroarbeitstag der Woche, nach zwei Tagen Urlaub, wäre mir das dann doch zu peinlich mir selbst gegenüber gewesen.

    Während Madame gleich ein volles back-to-work Programm absolvierte, ging es bei mir außerhalb einiger seltsamer Meetings eh gemächlicher los. Die Freibadsaison startet spätestens Montag, das heißt fast aller Freibadsaisonsvorbereitungsstress ist durch die Organisation durch.

    Ich überstand das donnerstägliche Neun-Uhr-Meeting, das ich selber angesetzt hatte. Zum Glück mussten dort zwei Dienstleister vortanzen, während ich nur ein wenig angesäuert durch die Gegend hmm’en durften.

    Ich überstand sogar das freitägliche 9-Uhr-Meeting im Büro, das ich nicht selbst angesetzt hatte und bei dem ich sogar was machen musste. Und zu meiner großen Überraschung überstand ich selbst das Freitag-14-Uhr-Meeting zum Thema Service-Portofolio.

    Hinter dem Büro

    Reflexionsritual

    Sicher hat es eine karmische Bedeutung, dass ich auf dem Weg zur FernUni-(Abschluss)-Alumni-Feier ausgerechent am Ullsteinhaus aussteigen musste, in dem ich sieben Jahre arbeitete. Aber ich verstand sie nicht.

    So wurde der Donnerstag ein Doppel-Vergangenheits-Abend. Einmal geplant und absichtlich: Ein Rückblick auf die nähere Vergangenheit, das FernUniHagen-Bachelor-Wirtschaftsinformatik-Studium, ein Rückblick auf die fernere Vergangenheit, die Jahre bei Computacenter.

    Für mich aber auch ein Ausblick auf die nähere Zukunft: den Master Wirtschaftsinformatik.

    It’s time to play the music, it’s time to light the lights

    So ein Fernstudium ist ja etwas eigen. Inhaltlich unterscheidet es sich kaum von einem Präsenzstudium, auch die Organisation dahinter ist am Ende eine normale staatliche Universität wie man sie halt so kennt mit ihren Lehrstühlen und Gremien und so. Aber sie ist halt ortlos und damit in gewisser Hinsicht körperlos.

    Kommliton*innen sah ich meist nur während der Präsenz-Klausuren, leibhaftige Professoren nur angesichts zweier Studientage und eines Seminars. So passte es auch, dass das Zeugnis per Post kam.

    Allerdings fiel selbst der FernUni auf, dass das eine arg freudlose Methode ist, so einen prägenden Lebensabschnitt zu beenden, und sie erfand die Alumni-Feier. In jeder Stadt, in der es einen Außenstandort gibt (wie zB Berlin) werden alle Absolvent*innen des letzten Jahres zu einer Feier eingeladen.

    In Berlin dieses Jahr: In die Ufa-Fabrik, ein leicht alternatives Kulturzentrum direkt am Teltowkanal (neben dem Ullsteinhaus) mit einer wirklich schönen Sommerbühne unter dem Zeltdach.

    On the most sensational inspirational, celebrational, Muppetational

    Es begleitete das Saxophon-Quartett Quadrophon, mit schmissig gespielten Jazz-Standards, die mein Herz spätestens gewannen, als sie das Muppet-Show-Theme spielten.

    Es gab drei Reden. Der Universitätsrektor Stefan Stürmer hatte sich höchstpersönlich nach Berlin zum Gratulieren begeben. Dessen Reden war den Umständen nach mehr als gut. Aber wenn er mit einem Zitat eines meiner persönlichen Helden der Politischen Theorie beginnt, muss es ja gut werden. Auch wenn hier John Dewey als Erziehungswissenschaftler zitiert wurde:

    Bildung ist nicht Vorbereitung auf das Leben; Bildung ist das Leben selbst

    Wann ist der richtige Zeit und der richtige Ort, um auch einmal leicht ins Pathos zu fallen, wenn nicht diese Veranstaltung. Und auch sonst gelang es Stürmer, überzeugend zu vermitteln, dass ihm die Fernuni in all‘ ihrer Eigenheit und die Student*innen in all‘ ihrer Verschiedenheit, ein persönliches Anliegen sind.

    Daneben sprach Felix Ackermann, ein ursprünglich aus Berlin stammender Historiker, der die Anwesenheit gleich mal befragte, wer noch gedruckte Zeitung liest (~ 2% der Anwesenden), wer Telegram auf dem Handy hat (~ 20%) und wer Signal (~ 80%), um dann sein Forschungsprojekt über Telegram-Nutzung im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine vorzustellen. Er brachte mich immerhin dazu, nachzuschlagen, was ich machen müsste, um an seiner historischen Exkursion nach „Postpreußen“ teilzunehmen.

    Dazu kam eine Absolventin, die ihren persönlichen, und wie bei den meisten, leicht schiefen, Weg zum Abschluss schilderte.

    Dann durften alle auf die Bühne, einzeln aufgerufen, namentlich genannt, mit einer Pseudo-Urkunde ausgestatte (die echte kam ja schon vor Monaten in der Post) und mit einem kleinen Präsent.

    Endlich mal Komiliton*innen sehen. Endlich mal schauen, wie viele Psycholog*innen hier sind (sehr viele, 50? 60?) und wie viele Wirtschaftsinformatiker (drei), oder Mathematiker*innen (null) oder Bilungdswissenschaftler*innen (~20?) – die alle in spannenden, schicken Interpretationen zwischen „akademisch-festlich“ und „Sommerfest“.

    Und zum Ende, das unwahrscheinlichste Treffen von Allen: 2015 hatte ich mal kurz das ZDF-Hauptstadtstudio dabei beraten, MediaWiki (die Software hinter Wikipedia) einzusetzen, um die Studiotechnik intern zu dokumentieren. Einer der damals beratenden Techniker ist nicht nur Chef des Berliner Alumni-Kreises der Fernuni, sondern hat mich auch gleich erkannt, und sich mit Freude an mich erinnert. Da war ich geplättet.

    Empfang

    Freitag war ereignisloser. Nach der Arbeit Madame treffen, die von dm kam, Milch und Aufbackbrötchen kaufen, packen, und auf die Latifunien fahren.

    Madame begrüßte den Turmfalkenturm. Uns begrüßte die Nachtigall, eine mittelgroße Haustürspinne, der Vollmond und ein Geschwader Mücken. Wo kamen sie her, Dienstag war das hier doch noch weitgehend mückenfrei?

    Links

    ##

    Ich sag ja, IT und Prozesskram ist beides angewandte Arbeitsvermeidung, weil es darum geht, etwas so aufzusetzen, damit es danach möglichst umstandslos läuft. Dank Marc lernte ich dafür den schönen Begriff Zero Maintenance – keine unnützen Aufgaben.

    ##

    Die besten Rezepte: Auf die Fragen was, wie viel, wann, warum kam oft genug die Antwort „Das merksch dann, musch halt probieren.“

    ##

    Katzenfach im Bücherregal. Dieses Regal bleibt mir einfach sympathisch: Bücherliebe – 9 –

    ##

    Ich vielleicht auch: Wäre ich König, so würde ich für jeden Menschen im Reich “Feierabend um drei!“ per Ukas verfügen. Nur ich selber würde bis zum Abend mit Gänsekiesel bei Kernzenschein über Akten und Urkunden brüten und wenn das Lachen der Kinder von der Straße in mein Arbeitszimmer im Palast hereindringen würde, würde ich leise und sehnsuchtsvoll seufzen.

  • 24-03-16 Sanitätsservice Pissarek

    24-03-16 Sanitätsservice Pissarek

    Im Hausflur steht eine Matratze. Das ist erstmal nicht ungewöhnlich. Außergewöhnlich ist es dadurch, dass sie neu und originalverpackt ist. Es steht eine Empfängerin auf dem Paket, die mir im Haus unbekannt ist.

    Madame bekam zu Recht Blumen.

    Typisches durch-die-Stadt-treiben-lassen nach der Klausur: 248er-Bus, U7, zu Fuß laufen, Schwimmbad, X71-Bus, am Hafenbecken sitzen und der Bootsschule zusehen, U6 und M46.

    Mäandern durch die Stadt führte mich unter anderem zur alten Wirkungsstätte am Ullsteinhaus. Dafür, dass die Samwer-Brüder einst Großes ankündigten, wirkt alles unverändert. Nur die Currywurstbude neben dem Einkaufszentrum verschwand. Die U-Bahn-Baustelle ist in den letzten zwei Jahren gewachsen.

    In Neukölln steht eine Pizzeria Cordoba. Hauptsache Griechenland.

    Neben meinem Bus hielt ein Kastenwagen vom Sanitätsservice Pissarek. Ich grinste. Ich hoffe, sie melden sich mit „Läuft“ am Telefon.

    Gelernt: wenn jemand sagt, dass er die Fernuni-Online-Klausuren nicht Online schreiben kann, besteht die Möglichkeit nach Hagen zu kommen und die Klausuren vor Ort zu schreiben.

    (Bereits gewusst: Es gibt umfangreiche Sonderregelungen und -Bestimmungen für JVA-Einsitzende, aber die laufen nochmal anders.)

    Schokoladenfabrik

    Die BWL-Klausur dieses Semester ist Vergangenheit.

    Inzwischen habe ich ganz gut Routine im Online-Klausur-Verfahren: Aufbau und Rückbau des klausurgerechten Arbeitsplatzes läuft von mal zu mal schneller. Die Klausur selbst mochte ich.

    Angesetzt war die Klausur von 8:55h bis 11:00h. Um 9:13h hatte ich den Eindruck, dass ich genug Punkte zum Bestehen zusammengesammelt hatte. Um 9.33h hatte ich alle Fragen beantwortet. Um 10:00h hatte ich alles doppelt gecheckt und alle Rechnungen soweit möglich mit anderen Rechenwegen nochmal gerechnet.

    (Also erst aufgelöst, dann umgeformt statt anders herum. Handgerechnete Teile diesmal mit Taschenrechner bzw. umbekehrt etc.)

    Um 1030h hatte ich dann alles, wo es Hakler gab oder Ergebnisse in den ersten beiden Runden nicht übereinstimmten noch ein drittes und viertel Mal durchgegangen.

    Und dann stellte ich langsam fest, dass ich meine Lösungen und Rechenwege auswendig konnte.

    Weitere Korrekturrunden hätten nur etwas gebracht, wenn ich zwischendurch 10 Minuten auf den Balkon hätte gehen können, kurz ein Youtube-Clip sehen – halt lauter Sachen, die im Rahmen einer Klausur nicht möglich sind.

    Also gab ich ab. Wenn ich hier nicht bestanden habe, muss ich heute morgen vielleicht ein hallizugenes Stadium der Besundseinsverwirrung durchlaufen haben.

    50-Meter-Bahnen

    Nach der Klausur ist vor der Klausur ist nach der Klausur. Oder so. Es galt drei Klausuren (eine geschrieben, eine noch-zuschreiben, von einer das Ergebnis bekommen) zu verarbeiten.

    Auf jeden Fall wollte ich mir nach Abgabe Anspannung vom Leibe schwimmen. Und da ich noch einen halben Tag übrig hatte, konnte ich mich nahe der brandenburgischen Landesgrenze begeben.

    Mit der U7 ging es nach Gropiusstadt und dann durch den Frühling zum Kombibad Gropiusstadt. Ein echter Vorteil der Großsiedlungen sind ihre reichlichen Grünflächen. Ein Vorteil, den sie bei knapp 20 Grad, Sonnenschein und Frühblühern allüberall perfekt ausspielen können. Es roch nicht nur nach Frühjahr, das Frühjahr wirkte intensiv aus sämtliche Sinne ein.

    Der Spaziergang war architektonisch spannend, seelenwärmend und voller Rentner*innen?

    Wo kamen sie her? Inmitten der Gropiusstädter gingen selbst unsere Eltern noch als junge Hüpfer durch. Uns verkaufen sie in Gropiusstadt vermutlich nicht mal Alkohol ohne Ausweiskontrolle.

    Wo wollten sie hin? Ins Schwimmbad! Meine Güte war das voll. Eine grau-weiße Haarmenge wogte über den Wellen.

    Zum Glück war das Becken in drei Bereiche geteilt: Sportschwimmer, Unsportschwimmer und Menschen-die-sich-im-Wasser-unterhalten-wollen. Das hat gut funktioniert. Die 50-Meter-Bahn in Gropiusstadt half, damit die Rentner*innen sich verteilen konnten.

    Ich war im Flow, die Sonne schien, das Fenster erlaubte den vorfreudigen Blick auf das Freibadgelände. Elend des Lebens: würde ich nicht soviel Zeit damit verbringen, für die die Bäder zu arbeiten, hätte ich mehr Zeit zum Schwimmen.

    Aber auch so: alles molto perfetto und wunderbar, um die eine Klausur (BWL) aus dem System zu bekommen und die andere (Mathe) innerlich zu verarbeiten.

    Blick auf den Vorplatz Kombibad Gropiusstadt vor strahlend blauem Frühlingshimel. Ein noch kahler Baum, angeschlossene Fahrräder, ein Mann der auf das Bad zuläuft.

    Bye, bye Zahlentheorie

    Nahezu Zeitgleich mit dem Verfassen der BWL-Gedöns-Klausur kam die Notennachricht der Mathematische-Grundlagen-Klausur.

    Es war knapp. Leider von der falschen Seite. 27 Punkte hätte zum Bestehen gereicht, bei mir waren es 25 Punkte und die Note „n.b.“ wie „nicht bestanden.“. Manchmal hat man Glück und manchmal läuft es so.

    Spontan hörte ich tief in mich hinein, wie ich damit umgehen will und wie es mit dem Masterplan steht und hörte ein überraschend lautes: „Fuck You! Jetzt erst recht. Ich hab die Tortur doch nicht für ein blödes „nb“ auf mich genommen.“ Okay.

    Nach einer Nacht des darüber Schlafens und einmal drüber Schwimmen stimmt die Grundtendenz immer noch. Aber ist natürlich ambivalenter geworden, offenbart Schmerz und Freude.

    Schmerz, denn es kratzt am Ego. Mein Selbstbild ist das eines Menschen, der Klausuren besteht und erst recht Mathe-Klausuren. Nun ist Uni-Mathe-Mathe etwas Anderes als anderes Mathe. Die Durchfallquote von knapp 60% bei der Klausur sagt auch etwas. Zumal die Schreibenden kein repräsentativer Schnitt durch die Gesellschaft sind. Dennoch: Autsch,

    Schmerz, denn die Lernerei war aufwendig im letzten Semester. Ich hatte die Hoffnung, es im Sommersemester ruhiger angehen zu lassen. Und nicht den Mist schon wieder vor der Nase zu haben.

    Schmerz, denn ich muss mir den Platz freiräumen für die Mathematische Grundlagen. Mein schöner innerer Plan für die nächsten drei Semester geht nicht mehr. Das bedeutet mindestens, dass das Modul Zahlentheorie auf Unbestimmt verschoben wird.

    Freude, denn ich habe wenig Zweifel, dass es nächstes Semester etwas wird mit der Klausur und mir. Zwei Punkte sind nicht viel; die kann ich mir in einem Semester erarbeiten.

    Zumal ich weiß, woran es haperte: Zuwenig praktische Übung, zuwenig Aufgaben gerechnet. Das wusste ich auch schon vor der Klausur. Aber es war eine bewusste Entscheidung.

    Meiner Erfahrung bringt es mir wenig, bei den Rechnungen im Nebel zu stochern, wenn ich die Grundsystematik nicht verinnerlicht haben. Die zu verstehen war ein Kampf. Aber ich bilde mir, den Kmapf habe ich gewonnen.

    Da ich mir diesmal den langen, ausführlichen Teil erspare, der da lautet „was wollen die von mir?!?“, kann ich von Anfang an mit rechnen loslegen. Darauf freue mich.

    Freude, denn der Titel „Mathematische Grundlagen“ scheint Programm. Auf dem Inhalt dieses Moduls baut die komplette Uni-Mathematik auf. Wenn das Fundament schief sitzt, kann der Aufbau nicht gut werden. Inhaltlich ist es mir lieber, die Inhalte dieses Kurses sitzen fest als „irgendwo so durchgemogelt.“

    Also wieder angemeldet und auf in’s Abenteuer.

    Stand

    10 Klausuren insgesamt geschrieben, eine dieses Semester noch ausstehend. Bei zweien fehlt noch die Bewertung, sieben sind bestanden, eine ist nicht bestanden. Bachelor Wirtschaftsinformatik: 70 von 180 nötigen ECTS. Eventueller Bachelor Mathematisch-Technische-Softwareentwicklung: 10 von 180 ECTS plus ein Fehlversuch.

    Why libertarian cities fail

    Als wir letzten Sommer bei knapp 40 Grad in Warschau waren, sahen wir gelegentlich einfache Wasserschläuche in den Straßen, die für Sprühnebel sorgten. Das schien mir sofort ein überzeugendes Konzept zur Stadtkühlung im Sommer. Die SPD Schöneberg sieht das auch so und möchte es einführen: Wassernebel gegen Hitzeinseln.

    Schönes aus dem Autorenleben: Cover Animal For ActivityPub Book (via Tröt)

    Auch viaa Tröt: Why libertarian cities fail.

    Blog-Schreiben als Teil des Schulunterrichts. Spannend. Schreibenblog.

    Anke Gröner freut sich über den ICE neo.

  • 23-06-08 Denk-Jan

    23-06-08 Denk-Jan

    In den Notizen für das Blog steht Denk-Jan. Ich denke länger: „Was wollte ich mir selber sagen?“, scheitere aber an der Antwort.

    In der Wohnungsbaustelle im zweiten Stock sind die Maler. Ein Zeichen dafür, dass diese Baustelle sich ihrem Ende nähert. Letztens empfing Madame den Schornsteinfeger. Und dieser meinte „Ist schon ein besonderes Haus. Immer so viele Baustellen.“ Das Mittelhausdach bekam derweil in seiner Westhälfte neue Dachpappe. Was noch immer die beiden Szenarien „Dach undicht“ oder „Einbau einer Dachterrasse“ offenlässt.

    Wahrscheinlich wird die Zweite-Stock-Wohnung demnächst möbliert. Und danach für Fantastillarden monatsweise an planlose Neu-Berliner vermietet.

    Wenn ich mich jemals einsam, alleine und verlassen fühle, dann kann ich mich auf den Blutspendedienst des Roten Kreuz verlassen. Kaum bin ich drei Wochen überfällig, schon schreiben sie nicht nur Briefe und Mails sondern rufen auch an.

    Über meine Büro-Gegend schrieb „Entwicklungsstadt Berlin“: Neubau: Am Südkreuz sind Gewerbe- und Wohnquartiere entstanden. Die Entwicklungsstadt-Website verdient ihr Geld von Immobilieninvestoren und dementsprechend lobhudlerisch sind die Artikel normalerweise. Außer wenn es um einen ganz besonderen Bürobau geht:

    Architektonisch wurde hier, zumindest was die Fassadengestaltung angeht, wenig Kreativität eingesetzt. Auch die Gestaltung der Außenräume ist ungemein nüchtern. … Unter den bisher umgesetzten Projekten finden sich sowohl gelungene als auch weniger gelungene Beispiele moderner Architektur. Kommende Projekte sollten aus den Erfahrungen der bisherigen Bauvorhaben ihre Lehren ziehen – und dürfen durchaus mehr Mut bei der Gestaltung der Gebäude zeigen.

    Von meinem ungemein nüchternen Bau aus war ich auf der anderen Seite des Bahnhofs – den Subaru aus der Werkstatt abholen. (Ölwechsel und Inspektion bei 182.000 km) Dort stieß ich auf eine Jelbi-Mobilitätsstation. Wie damals am Ullsteinhaus. Nur dass das Ullsteinhaus noch spannender war als der Bahnhof. Und ich direkt darin arbeiten durfte.

    Wenn die Bahn jemals eine Besenkammer im Südkreuz ausmistet und als Co-Working-Space vermietet: Ich wäre dabei.

    Mehrere Leih-Elektroroller und ein Aufsteller einer "Monilitätsstation" auf Bahnhofsvorplatz

    Ich stellte fest: Fahrten in die Werkstatt sind neben Bahnhofs-Absetz-Fahrten unsere einzigen Autofahrten, die innerhalb des S-Bahn-Rings beginnen und enden.

    Beim Schreiben fiel mir inzwischen auf, dass Denk-Jan wohl Denk-Jam bedeuten sollte. Also so etwas wie Stau im Hirn. Das Gefühl, dass sämtliche Denkwege von linearer Algebra verstopft sind.

    Ich wollte zur Stauauflösung kurzzeitig etwas komplett Anderes unternehmen. Also erfreute ich mich am Deutschlandticket (Ich kann mich einfach so in den Bus setzen und irgendwohin fahren. Und wieder zurück. Wie krass ist das denn!) und fuhr nach Steglitz, Baumarktluft einatmen.

    Madame traf währenddessen eine alte Bekannte – und die hatte Überraschendes zu erzählen. Sie trafen sich unter anderem im Café Peri. Erster Eindruck: Wirkt so wie sie Madame sich Cafés in hippen Istanbuler Stadtteilen vorstellt.

    Herr Rau schrieb einen Wikipedia-Artikel. Und einen Blog-Artikel wie er den Wikipedia-Artikel schrieb. Außerdem empfahl er einen Billy-Joel-Podcast. Den ich mangels ruhiger Hörzeit und wegen zuviel Denk-Jan aber noch nicht hörte.

    Aus Gründen, die ich nicht mehr verstehe, habe ich mich beim Data Science Bootcamp von Openhpi des Hasso-Plattner-Instituts angemeldet. Das startete ausgerechnet jetzt. Und die beiden Bootcampenden sind hinreißend.

    Die Neben-der-Toilette-Kräuter-Gewächshauskästen im Edeledeka Steglitz sind weg. Der Betreiber verschwindet unter bösem Blut aus Europa. „Deutschlands erstes Lebensmittel-Start-Up mit einer Bewertung von über 1 Milliarde US-Dollar“ (=Infarm) hatte 2020 Fünf Millionen Euro Umsatz (das sind 0,5% von einer Milliarde) bei Kosten von 53Millionen (das ist das 10,5-fache des Umsatzes). Seltsam finde ich, dass ein Startup, welches sich Nachhaltigkeit auf Fahnen und Website schreibt an „zu hohen Energiekosten“ scheitert. Aber oh well, so ist das Leben. Aufgefallen ist mir Infarm vor allem, weil ihr ehemaliges Welthauptquartier an meinem Mittagspausenspaziergang am Ullsteinhaus lag.

    Die re:publica ging vorbei und sie lehrt mich etwas über Bubbles. Ich verbringe mein Leben seit Jahren unter gelernten Fachinformatiker*innen (=Ausbildungsberuf). Von denen bisher keiner je von „Europas größter Digitalkonferenz“ gehört hatte. Und wenn man erzählt, klingt es für sie wie so eine typische Laberveranstaltung auf der Chef*innen ihre Zeit verdödeln, um nicht arbeiten zu müssen.

    Karen erzählte etwas über Zeugnisausgaben in Finnland.

    Die Mauersegler fliegen wieder durch den Hinterhof.

  • 23-03-17 Bis zur Endstation

    23-03-17 Bis zur Endstation

    Madame zog keine Wartenummer.

    Nach dem mittwöchlichen Klausur-Ende stellte ich die Ohren auf Querlüften, öffnete alle Gehirntüren und hoffte, dass zwei Tage Luftzug durch’s Hirn jegliche Erinnerung an Mathematik und Statistik hinausblasen und Platz für doppelte Buchführung und Jahresabschlussklausur nächste Woche schaffen.

    Zum Hirndurchlüftprogramm gehört eigentlich Schwimmen – aber ich war kaum dort, denn ich bin zu erschöpft und auch leicht verschnupft. Aber nächste Woche dann.

    Zum Hirndurchlüften gehört das Lesen netter Unterhaltungsliteratur. Ich beendete „Three Man in a Boat“ und ausgerechnet der deutsche Wikipedia-Artikel zitiert die vielleicht passendste Kritik:

    Das Geheimnis von Jeromes Komik ist die einzigartig moderne Mixtur aus wahrheitsgetreuer Anekdote und Phantasie. Und weil Jerome, im Unterschied zu Dickens, seines Materials nicht ganz Herr ist, kommt reine Komik dabei heraus.

    Der Text schwankt stilistisch zwischen unbeholfener Reiseführersentimentalität und brüllender Slapstick-Komik. Der Leser fühlte sich beim Lesen so wacklig wie die Protagonisten beim Rudern auf der Themse. Für den heutigen Leser ein schönes Eintauchen in den Alltag der 1890er, einerseits zeitgenössisch andererseits stilistisch auch heute problemlos verdaubar.

    Dazu gehört Fernsehen: Kitchen Impossible zum Beispiel. Die Folge von Soontag belegt Madames auf zahlreichen Balkanreisen gewonnen Erkenntnis, dass Südosteuropa den Rest des Kontinents an Hipness links und rechts überholt. Passend zur These, nicht zur Kitchen-Impossible-Folge: Is this the New Cocktail Capital of Europe?

    Dazu gehört im Internet lesen: Vielleicht sollten wir die Digitale Transformation im Schwimmbadbereich out of the box denken. And into the water: Free data-center heat is allegedly saving a struggling public pool $24K a year

    Und dazu gehört Bahn- und Busfahren. Der White Noise der Großstadt auf allen Sinnesebenen, bis zur Endstation und dann das Verkehrsmittel wechseln. Heute mit der U6 und dem 170er Bus und einigen anderen, die nicht bis zur Endstation führten. Die Sonne lockte mich ans Wasser und es zog mich zurück zu Ullsteinhaus und Tempelhofer Hafen.

    Vordergrund: Größere Motorboote im Hafen, noch in Winterverkleidung. Hintergrund: der Bakcstein-Expressionismus-Bau des Ullsteinhauses.

    Obwohl Madame keine Wartenummer zog, bekam sie einen neuen Personalausweis.

    Entdeckung des Tages: die BSR veranstaltet in Zusammenarbeit mit den Bezirksämtern Kiez-Sperrmüll-Tage. Schöne Idee. Wie vorherzusehen war, beteiligt sich Tempelhof-Schöneberg nicht.

    Seltsame Zeiten. Ich spendete für ein Zielfernrohr und ein Nachtsichtgerät für den Vater einer ukrainischen Wikipedianerin. Der Verfasser des Aufrufs ist Administrator der ukrainischen Wikipedia und bekannt zuverlässig. Beklemmende Zeiten.