Schlagwort: Wahllokal

  • 25-02-18 Zerreißen sie den Stimmzettel

    25-02-18 Zerreißen sie den Stimmzettel

    Im Feldkampf gegen BV Garding unterlag Achtung Wesselburen nach bewegtem Duell knapp mit zwei Metern Kiek ut. Garding hatte bereits zwei Schott erspielt, musste diese jedoch im Lauf des Matches wieder einsetzen. Leider für Wesselburen entglitt dem 20. Boßler die Kugel stark auf den mit hohem Gras bewachsenen Deich, und das war der Sieg für Garding.

    Auf der Straße: ein Schneeräum-Smart. Den Bus überholte ein Zweisitzer-Smart, vorne mit montierte Schneeschaufel, hinten mit Salz/Kies-Streu-Trommel. Es wirkte durchaus professionell. Nur sehr klein.

    Madame bekam ihren Koffer wieder. Der Kofferreparateur lobte das Modell, hadert aber mit seinem Gestänge.

    Die Lörracher demonstrierten.

    Die Manic Street Preachers veröffentlichten ein neues Album, ich bin unterwältigt.

    Nach der Klausurabgabe Betriebliche Informationssysteme habe ich die Notenstatistik des Vorsemesters angeschaut. Oops, Durchschnitt 3,5, gut ein Drittel der Schreibenden ist damals durchgefallen. Irgendwie hatte ich die Klausur als gar nicht so selektiv im Hinterkopf gespeichert.

    Glücklicherweise muss ich hier nichts über Politik schreiben: Rebecca Solnit nimmt mir in ihrem Newsletter die Worte aus dem Mund . Fast möchte ich sagen, sie schreibt wortwörtlich das, was ich auch schreiben würde. Aber natürlich hat sie es tiefer durchdacht als ich gerade und formuliert besser als ich je könnte: No One Knows How This Will End (But I Do Not Think It Will End Well for Them):

    I don’t know where Trump, Musk, and Vance’s story ends, but I know it doesn’t end with them in power, and I don’t think it will end particularly well for them, though my main concern–and yours, I presume–is trying to prevent damage along the way. And I’m convinced that if we take action, we get to write some of the chapters and maybe revise or erase some of what they’re trying to impose.

    Der Hallig-Gröde-Paragraph

    Madame als Briefwahllokalschriftführerin bekam eine persönliche Schulung im Rathaus durch die Leiter der Briefwahlzentren. Ich als Bundestags-Wahlhelfer der Reserve musste mich mit dem Schulungsvideo begnügen. Gegenüber meiner letzten Urnen-Wahlhilfe entdeckte ich zwei Änderungen:

    • Die Wahllokale sind angehalten, ziemlich genau die Länge der Schlange vor dem Lokal zu monitoren. Zweimal am Tag sollen sie die Zahl der Wartenden melden – vermutlich, damit die Wahlleitung einschreiten kann, wenn Schlangen zu lang werden.
    • Überraschend viel Zeit verwendete die Schulung auf den Sonderfall nach §68 Abs. 2 BWO „Ergibt die Feststellung .. dass weniger als 30 Wähler ihre Stimme abgegeben haben“. In diesem Fall wird unter komplexen Regularien und stringenter Dokumentation nach 18 Uhr das Wahllokal aufgelöst und die Stimmen zusammen mit einem anderen Wahllokal ausgezählt.

    Nicht neu hingegen war der ausführliche Tanz, um Briefwähler*innen, die dann doch im Wahllokal auftauchen. Auch das ein hingebungsvoll choreographierter Akt mit vielerlei Durchschlägen.

    Es läge mir fern, Menschen von der Wahl abzuhalten; aber falls ihr Briefwahl beantragt habt, macht ihr das Leben Eurer Wahlhelfer deutlich einfacher, wenn ihr auch wirklich briefwählt. Und falls nicht: Bringt auf jeden Fall den Wahlschein mit. Sonst werdet ihr zurückgewiesen.

    Falls ihr den Stimmzettel mitbringt, den ihr für die Briefwahl bekommen habt, so ist die Anweisung „zerreißen sie den Stimmzettel vor den Augen des Wahlberechtigten und händigen sie einen neuen aus.“

    Die Jakobsbücher

    Nachdem die Klausur vom Tisch war, konnte ich ein weiteres Opus Magnum beenden. Die Jakobsbücher – begonnen im Sommerurlaub – sind fertig. In Bücherregal meines Inneren teilen sich die Jakobsbücher eine winzige Nische mit dem Zauberberg und Don Quijote. Auf der Nische steht „Mühsam, langweilig, aber so großartig, dass jede Stunde es wert war.“

    Olga Tokarczuk erzählt in den Jakobsbüchern auf etwa 1200 Seiten das Leben des Jakob Frank (geb. Jakub Lejbowicz), Wanderer zwischen den religiösen Welten, Jude und Christ, Religionsgründer und fast-Messias sowie seiner Anhänger durch das Polen des 18. Jahrhunderts.

    Das Buch beginnt vor Franks Geburt und endet nach seinem Tod. Dabei hat die Erzählungen Ausschweifungen und ein Erzähltempo, das eher dem 18. Jahrhundert angemessen erscheint als dem 21. Auf Seite 3 hatte ich den Überblick über alle handelnden Personen verloren. Wechselnde Erzähler, Zeitsprünge und erzählerische Kreisbewegungen lassen das Buch im Stil fast wie eine Andacht oder Meditation wirken.

    Passend zum Thema spielt sich das Buch sowohl in einer realen wie in einer geistigen Welt ab. Dabei hat die reale Welt der Zeit genug Veränderung: es beginnt tief auf dem Land im polnischen Shtetl, geht über Warschau, Tschenstochau und den kaiserlichen Palast in Wien und endet in einem Offenbacher Schloss, während sich die Französische Revolution abspielt.

    Europa tritt aus dem Rest-Mittelalter in die Aufklärung hinein, und mittendrin die Gruppe getaufter Kabbalisten auf ihren seltsamen Wegen. Ein erfreulicher Realismus: da das Buch ein ganzes Leben abdeckt, altern die Protagonisten, man erlebt den Wandel unterschiedlicher Charaktere von der stürmischen Jugend hin bis ins hohe Alter.

    Geographisch gar nicht so weit weg, das nächste angefangene Buch: Dmitrij Kapitelman: „Eine Formalie in Kiew“. Kapitelman, 1991 mit acht Jahre als jüdischer Kontingentflüchtling aus Kiew gekommen, will Deutscher Staatsbürger werden. Dafür benötigt er eine Geburtsurkunde, die nur die ukrainischen Behörden vor Ort ausstellen können. Bisherigerer Eindruck: das Buch ist Satire, aber bitterer und trauriger als der Klappentext vermuten lässt.

    Weil ich gut ignorieren kann, wie viele ungelese Bücher ich noch besitze, führte mich mein Weg zur Stadtbibliothek Schöneberg. Dort wartete Lutz J. Heinrichs Geschichte der Wirtschaftsinformatik – Entstehung und Entwicklung einer Wissenschaftsdisziplin auf mich. Ich bin gespannt, ob es mir gelingt, sie aufzuschlagen, bevor die Leihfrist abläuft.

    Vor der Bibliothek. Im Hintergrund der Vorplatz vor dem Stadtbad Schöneberg. (Leider derzeit Baustelle)

    Klezmer Futura Fediverse

    Wie ein New Yorker Sohn eines Calypsobassisten den Klezmer wiederbelebte: A little thread celebrating one of the great albums of Jewish-American music, DON BYRON PLAYS THE MUSIC OF MICKEY KATZ

    Die Deutschen Bahnhofsschilder seit den 1950ern und wie sie schicker werden. Von Futura nach Arrow., Deutschlands Bahnhofsschilder.

    Herr Rau über den Stand der Demilliardärisierung.

    Der Pixelboomer bastelt derweil daran, eine Instanz im Fediverse aufzusetzen.

    Es ist erstaunlich, wie schlecht Computer (=Rechner) im Wahrheit im Rechnen sind. Wie Hans J- Boehm durch 10 mathematische Theoriekreise stieg, um Android eine funktionierende Taschenrechner-App zu gönnen: „A calculator app? Anyone could make that.“

    Queere Rollatoren gegen Rechts.

  • 24-06-11 PdF. PdH? PdV? Nein, PdF!

    24-06-11 PdF. PdH? PdV? Nein, PdF!

    Der siebte Herzog von Westminster heiratete. Die Braut fuhr in einem Bentley aus den 1930ern vor. Die Kirche war mit Birken, Rosen und Glockenblumen geschmückt. Die Feier fand in Eaton Hall statt, das der Familie des Dukes seit dem 15. Jahrhundert gehört.

    Der Brandenburger Spargelverband zieht sein Saisonfazit. Wer also bisher zu wenig Spargel hatte, möge sich eilen.

    Kurzes Auflachen beim Lesen der Fernuni-Unterlagen zum Thema Sicherheit im Internet:

    Firewalls sind komplexe Gebilde, die im Rahmen dieses Kurses nicht vollständig abgehandelt werden können. … Bevor Sie eine Firewall installieren, sollten Sie sich mit Hilfe der Literatur tiefer in das Thema einarbeiten.

    Das ist nicht falsch. Aber dann doch so charmant untertrieben wie die Warnung, erst noch ein paar Youtube-Videos zu sehen bevor man an den Stromverteiler geht.

    18 Anwesende um 18 Uhr bei 18 Grad Lufttemperatur. Freibad unter grauem Himmel ist jedesmal erfreulich. Neben 17 offenbar leistungsbezogenen Schwimmer*innen war ich der eine Anwesende, der aus Jux und Dollerei gekommen war.

    Später leistete Madame mir Gesellschaft. Damit kamen wir auf Saisonkabinennutzungen No. 8 und 9 im Insulanerbad und sind bei einem Mietzins von 8,88€ pro Besuch.

    In der Kita Regenbogen wurde gewählt. Nur wir durften nicht mehr. Eine Neuziehung der Stimmbezirke verbann uns von der niedlichen Kita in eine Schulsporthalle direkt neben dem Deutschlandradio.

    Ein Grund in unserer aktuellen Wohnung zu bleiben, ist die Nachbarschaft. In unserem Stimmbezirk 07222 – Rückert-Gymnasium, Turnhalle links errangen die Grünen über 30%, Volt lag mit 7,4% klar vor der CDU und die AfD blieb unter 5%.

    Es ist so ermüdend, weil es so vorhersagbar ist: Es ist der Morgen nach der Europawahl. Ich öffne die Website eines deutschen Leitmediums. Und die ersten acht Artikel beschäftigen sich mit deutscher Innenpolitik.

    Es ist so ermüdend, weil es so vorhersagbar ist: Nachdem der öffentliche Diskurs entscheidend dazu beitrug, Layla zum deutschen Sommerhit 2022 zu machen, wird es dieses Jahr dann Ausländer raus.

    Würde ich nochmal eine Abschlussarbeit in Politikwissenschaft schreiben müssen, wäre „Zusammenhang zwischen der Neigung zur persönlichen Stimmabgabe und der Wahl rechtspopulistischer Parteien und Kandidaten“ ein mögliches Thema. In Berlin bekam die AfD 14,9% bei der Urnenwahl und 7,3% in der Briefwahl – why?

    Vom Verein zum Verein

    Madame ließ sich in Nürnberg etwas von Wikimedia Deutschland erklären. Nach ihrer Rückkehr erzählte sie in Kreuzberg Wikimedia Deutschland etwas.

    Der Verein Wikimedia Deutschland lud zum Wikipedia-Zukunftskongress – Die Weichen für eine Wikipedia der Zukunft stellen. Das ist insofern originell, weil Wikimedia Deutschland weder sonderlich viel Ahnung von Wikipedia hat, noch je in der Lage war, aktiv und bewusst auf die Entwicklung und die Zukunft der Wikipedia einzuwirken.

    Aber es klang nach dem Zusammentreffen mit spannenden Menschen. Und vielleicht auch der ein oder anderen klugen Session in einem Workshop. Nachdem Madame also das Auswahlverfahren der Teilnehmer*innen überstanden hatte, ging es nach Nürnberg.

    Freitag und Samstag standen Keynotes und Podiumsdiskussionen wechselnder Qualität auf dem Programm. Sonntag wäre die Gelegenheit gewesen, auch für die Teilnehmer*innen aktiv zu werden – aber es ging bereits zurück.

    Denn etwas, was WMDE schon 2010 hätte lernen können: viele Wikipedistas sind Wahlhelfer*innen. Man lege einfach nie eine Wikipedia-Veranstaltung auf ein Wahlwochenende. So auch hier mit Madame.

    Sie müssen erst den Umschlag aus dem Umschlag nehmen

    Sonntag bot eine Premiere. Das Bezirkswahlamt hatte beschlossen, uns zu Wahlhelfer*innen bei der Briefwahl zu machen. Urnenwahlhilfe kennen wir, Briefwahl war neu.

    Eine erfreuliche Änderung: Antritt zur Aktion war erst um 14:00 Uhr. Wir konnten also vorher gemütlich selber wählen, ausschlafen und uns mit einem Eis in den Park neben dem Briefwahlstützpunkt setzen.

    Eiswaffel mit Blaubeer-Sahne und Bananenmilch-Eis vor Berliner Straße. Rechts die wilheminische Fassade des Kammergerichts.

    Bis zur Türöffnung um 14 Uhr hatte sich eine dichte Traube hunderter Wahlhelfer*innen vor der Sophie-Scholl-Oberschule gebildet. Im Gebäude waren 72 Briefwahllokale in 72 Klassenräumen eingerichtet, so auch für uns. Ein Briefwahlstützpunkt, besetzt vom professionellen Wahlamt, war im selben Gebäude.

    Der Ablauf war spannend. Punkt 15:00h durften wir die äußeren Umschläge öffnen. Es wurde kontrolliert, dass die Umschläge im richtigen Briefwahllokal gelandet waren, ein korrekt unterschriebener Wahlschein beilag und es auch nur einen Stimmzettelumschlag gab.

    Die Unterlagen gaben deutlich und rot umrandet vor: Immer nur ein Brief. Erst wenn ein Brief abschließend behandelt ist, der Stimmzettelumschlag in der Urne und der Wahlschein in Sicherheit ist, darf der nächste Brief geöffnet werden. Nur ja nichts durcheinander bringen bei den ganzen Umschlägen, den anderen Umschlägen und den Wahlscheinen.

    Waren alle Formalien erfüllt, kam der Umschlag mit dem Stimmzetteln in die Urne, der Wahlschein wurde ordnungsgemäß weggeheftet und die ersten Punkte im Berichtsbogen konnten ausgefüllt und abgehakt werden. Unser 8-Personen-Wahlvorstand war etwa um 16:30h mit den gut 300 Wahlbriefen durch.

    So gegen 17:00 Uhr kam eine Nachlieferung mit den Unterlagen von Last-Minute-Briefwählenden und Fehlläufern. Um 18:50 Uhr kam die Ansage, dass keine weiteren Stimmen mehr kommen werden und wir die Urne öffnen dürfen.

    Also Ausschütten und Stimmzettelumschläge aufschneiden. Kontrollieren, dass in jedem Umschlag nur ein Stimmzettel steckt und kleine und große Häufchen nach Partei machen.

    Da 34 Haufen dieser Wahlzettel reichlich Platz einnehmen, machten wir es so wie bei jeder Wahl bei der ich auszählte: Erstmal wurde nur Platz für die größeren Parteien vorbereitet, die sicher Stimmen bekommen. Bei den Kleinstparteien war davon auszugehen, dass viele in einem Stimmbezirk keine einzige Stimme bekommen würden. Die werden erst angelegt, wenn die erste Stimme auftaucht.

    Und dann begann noch eine Reise durch das Parteiensystem:

    • Wir brauchen das Schild für Pdf!
    • PdH steht schon.
    • Ne, PdF.
    • Ich hätte hier ein Schild für PdV.
    • Nein. Wir brauchen PdF!

    Gegen 21:30h waren wir fertig. Im Vergleich zum Urnenwahllokal ist der späte Beginn der Aktion viel entspannter. Auch fehlt im langweiligen wie im anstrengenden Sinn der direkte Kontakt mit den Wahlbürgern.

    Dafür ist es Papierkram. Statt einem Stimmzettel gibt es die vierfache Menge Papier (Stimmzettel, Wahlschein, zwei Umschläge) mit der großen Sorge nur ja nichts durcheinanderzubringen und aus Versehen gültige Stimmzettel zu ungültigen Wahlscheinen zu sortieren.

    Wir waren nicht böse, dass das Europawahlsystem so einfach ist, nur eine Stimme auf einem Stimmzettel erforderte.

    Wien – New York – Chemnitz

    Frau Chorherr wählte im Wiener Sprengel 007.

    Frau Rabe ließ sich in New York zum Essen einladen.

    Chemnitz coolste Stadt. Jonas‘ Blog liefert Anschauungsmaterial: Kurzweilige Kunst und Kultur im kunterbunten Kosmos Chemnitz.

    (PdF = Partei des Fortschritts – linksliberal-optimistisch, errang sogar ein Mandat im Europaparlament; PdH = Partei der Humanisten – linksliberal-wissenschaftsgläubig; PdV = Partei der Vernunft – wirtschaftslibertär).