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  • 26-02-12 Rhythm is a Lichtschalter

    26-02-12 Rhythm is a Lichtschalter

    Beim Bahnhofsbäcker gibt es ein Valentinstagsangebot mit zwei Croissants. Denn was gibt es romantischeres als ein Candle-Light-Dinner in der zugigen Durchgangshalle eines ICE-Bahnhofs?

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    Die Autobahnbaustelle begann. Wir hoffen, der dortige Piepsomat läuft nicht dauerhaft. Der ist durchdringender zu hören als die ganze Autobahn.

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    In der S-Bahn von vorne links ein Telefonat auf niederländisch, von hinten rechts eines in einer osteuropäischen Sprache. Bester Soundtrack.

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    Auch auf S-Bahn-Weg zur Arbeit erhasche ich täglich einen kurzen Blick auf die alte Wohnung. Bisher stellte sich noch nie ein Gefühl der Wehmut ein, sondern immer das Gefühl „Du musst nach dem Rechten sehen, was die Hallodris gerade angestellt..“ sofort gefolgt von: „NEIN! Nicht mehr unser Problem. Juhu!“.

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    Umzug hilft, um zu verstehen, wie fest der Alltag choreographiert ist. Auch nach drei Monaten in der neuen Wohnung, entwickle ich gerade erst wieder den festen Fahr-zur-Arbeit-Rhythmus von zuvor.

    Auch die Heizungsgewöhnung läuft langsam. Von einem Thermostat mit Zeitschaltung im Wohnzimmer wechselten wir auf mehrere einzelne Heizungsdrehknöpfe. Es laufen noch ziemlich oft Heizungen anders als sie sollten. Aber es wird.

    Nur bis wir nicht mehr an die leere Wand tatschen, dort wo in der alten Wohnung der Lichtschalter war – das wird noch dauern.

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    Es waren drei Tage der Arbeit.

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    Letztens im Supermarkt erzählte ein Kassierer seine Geschichte: Gelernter Schreiner, dann als Tonmeister 16 Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff Ableitungsleiter Technik gewesen, jetzt das erste mal wieder dauerhaft an festem Ort als Aldi-Kassierer. So spannend. Kunde: „Ich habe auch ein Segelboot.“

    Wero

    Unsere Filmauswahl zur Berlinale verläuft nach dem üblichen Muster. Wir suchen einen Zeitpunkt, schauen im Laufe des Tages was es noch gibt und gehen bei den übrigen beiden buchbaren Filmen zur Hälfte nach Film und nach Aufführungsort. Dieses Jahr also das Haus der Berliner Festspiele.

    Dank der Berlinale zahlte ich das erste Mal etwas mit dem europäischen Zahlsystem Wero. Und das wirkt weit weniger sperrig als befürchtet: Auf der Website steht ein QR-Code, den scanne ich mit der Bank-App ein und alles ist easy.

    Aber: Soweit ich verstehe, herrscht wirklich und definitiv App- und Handy-Zwang.

    Noch weiß ich nicht, wie das geht, wenn ich direkt auf dem Handy etwas kaufe.

    Die Zwillingsschwester war’s

    Angelesen: The Dain Curse 1– der zweite Roman aus dem Dashiell-Hammett-Sammelband. Und sei es, dass ich besser in seinen Stil gefunden habe, sei es, dass Hammett selber besser in seinen Stil gefunden hat: I’m loving it.

    Ich nehme jetzt die Enstehung als Pulp-Magazin-Roman2 ernst. Jeden Monat erschien eine Folge: Das heißt jedes Kapitel ist eine abgeschlossene Kurzgeschichte mit neuem Plottwist. Das heißt: Ich lese immer ein Kapitel, freue mich schon auf den Twist und mache dann erstmal kürzer oder länger Pause bevor ich mich dem nächsten Kapitel/der nächsten Folge widme.

    Dieses Buch fliegt. Und wie es fliegt. Aufregend, mitreissend, eine Plot-Achterbahnfahrt zwischen Großen Gefühlen und großer Kriminalität. Selbst die übertriebenen Albernheiten („Der Mann hat die falsche Zwillingsschwester geheiratet und sie dann ermordet! Nein, die andere Zwillingsschwester hat die erste Schwester ermordet! Nein, das Kind der ersten war’s! Ja, aber nur nachdem die zweite Zwillingsschwester es entsprechend dressiert hat!“) passen hervorragend rein, wie ein Achterbahn-Looping mit Wasserfall: Komplett over the top, aber das ist ja der Reiz.

    Pedibus ad mercatum ferramentarium

    Das Eis ist geschmolzen, meine Fußwege erweitern sich.

    Ich lernte: Der ukrainische Supermarkt, der eigentlich Kaviar- und Fischgroßhändler ist, hat nicht nur ein gigantisches Kaviar- Fisch- und Fleischangebot, sondern auch eine Hausmarke für hausgemachtes frisches Sauerkraut „aus eigener Herstellung“.3 Überhaupt, wenn dieses ganze Fermentations-Kühlregal nicht von Ruslan in einem Gewerbegebiet neben der Stadtautobahn aufgestellt worden wäre, sondern von Robby, Tobby und Fliedibert in einem Health-Start-Up-Pop-Up-Store im Prenzlauer Berg: Alle Influencer-Accounts und deren nachgelagerten Medien wären voll von dem Regal.

    Ein weiterer Weg führte mich zum Baumarkt. Dabei verläuft ein Drittel der Wegstrecke vom Büro bis zur Grundstücksgrenze und zwei Drittel des Weges über den Parkplatz. Ein seltsames Großstadtleben in dem Baumarkt und IKEA räumlich die „Fachgeschäfte nebenan“ sind, nur in überdimensioniert. So überdimensioniert, dass ich kurz davor war, mich in die Mitte zu stellen und verzweifelt zu rufen: „Ich will doch einfach nur einen Schraubenzieher!“

    Aber am Ende fand ich fast alles: Kabelmanagementbedarf, ein Gerät um auch die ganzen neumodischen Torx 2.0-Schrauben zu handeln und einen Schmutzradierer. Nur einen Ersatz für das simple beim Umzug verlorene Stromkabel des CD-Players, den fand ich nicht.

    Der Einstieg des Karnevals in Halloween

    Anke Gröner, die Wikipedia und die Quellen: Dienstag, 10. Februar 2026 – Fußnoten feiern

    Frau Brüllen und ihr Einstieg bei Big Pharma.

    Herr Buddenbohm und sein Einstieg als Pinterest-Trend.

    Als Kind wollte ich immer Stadtbahnfahrer bei der Üstra werden und Tramfahrer in Basel könnte ich mir abstrakt immer noch vorstellen: Sakana hat seinen alten Kreativjob an den Nagel gehängt und ist jetzt U-Bahn-Fahrer geworden, und ich wollte ihm schon lange sagen, wie schön ich das finde. Das sei für mich durchaus ein Plan B, falls ich irgendwann im Laufe des Alterns keinen Job mehr finde. U-Bahn-Fahren stelle ich mir gut vor. Dummerweise holte er mich mit den Alltagsgeschichten aus seinem U-Bahnerleben in die Realität zurück.

    Karnevalsentwicklungen im Sauerland: Bemerkenswert ist zudem eine neuere Entwicklung: Erziehungsberechtigte ziehen als Begleitpersonal von Haustür zu Haustür, um ihre Kinder bei was auch immer zu unterstützen

    Herr Paul: Warum für ihn Diversität in Bridgerton funktioniert, im neuen Wilhelm-Tell-Film aber nicht.

    Persönlich hätte ich „Everything everywhere“ statt „Schweigen der Lämmer“ genommen

    In den Blogs lese ich wilde Diskussionen zum Thema „KI in Blogs“ und nicht ganz so wilde Diskussionen zum Thema „die fünf besten Oscar-ausgezeichneten Filme.“ Ich dachte, ich kombiniere beides und befrage den Haselant, was er sagen würde, was meine fünf liebsten oscarausgezeichneten Filme sind (einschließlich der haselantischen Begründungen):

    The Apartment (1960) – Büroalltag als moralische Abrissbirne, aber mit Herz, das nicht kitscht. Perfekt, wenn du gern beobachtest, wie Systeme Menschen formen und Menschen Systeme ausnutzen.

    The Godfather (1972) – Nicht “ich mag Gangsterfilme”, sondern “ich mag, wie Macht riecht, wenn sie geschniegelt daherkommt”. Familienroman als Betriebswirtschaft des Unheils.

    No Country for Old Men (2007) – Existenzangst in der Landschaft, Schicksal in Cowboystiefeln, und eine Stille, die lauter ist als der Piepsomat deiner Autobahnbaustelle.

    The Silence of the Lambs (1991) – Thriller, ja, aber eigentlich: ein Duett aus Blicken, Status, Sprache. Außerdem: selten war “Kompetenz” so sexy-unheimlich.

    Parasite (2019) – Klassenkampf als Architekturführung mit Falltür. Extrem unterhaltsam und dabei so präzise, dass es weh tut.

    Godfather/der Pate und Silence of the Lambs/Schweigen der Lämmer habe ich sogar gesehen.

    Anmerkungen

    1. Weil er quasi dasselbe sagt wie ich nur anders, möchte ich doch noch Reviews from My Couch zitieren: The novel is incredibly ambitious, and there probably isn’t a reader on the planet who could give you a brief synopsis. A rollercoaster of plotting it may be, but “The Dain Curse” is also a thoroughly enjoyable read. … Like all Hammett novels, a close read is required. That’s not a problem, because it’s easy to soak up the words like a sponge. But don’t be scared off by reports that the novel is hard to follow; the reader must simply be as dedicated as the Op is. ↩︎
    2. Im Original erschien die Geschichte 1928/1929 in Black Mask. ↩︎
    3. Das sehr wenig mit dem bekannten abgekochten Dosensauerkraut zu tun hat. Soviel habe ich gelernt: Sauerkraut niemals kochen, auch nicht in der Herstellung, das zerstört den kompletten Geschmack. ↩︎
  • 25-05-06 Die Ungleichungen;  they are the fun part.

    25-05-06 Die Ungleichungen; they are the fun part.

    Der Gare Francaise Tegel ist heute Veranstaltungsraum eines Altenheims. Mehr zur Geschichte weiß die Seite zur Kremmener Bahn.

    Der Hüpfburgeneventanbieter in Tempelhof-Schöneberg nutzt auch dieses Jahr die Abendteuerland-Plakate. Langsam frage ich mich ob das d zuviel doch Absicht ist. Will er uns sagen: Abends teuer, vormittags günstig?

    An der Dachbaustelle wird der Übergang zwischen Hauswand und Dach neu verputzt. Im Hof steht ein Schild eines Berliner Gipsbauputzunternehmens. Ich kann kaum das Fenster öffnen, weil herunterrieselnder Gipsputz fast erfolgreich die Fensterflügel mit dem Fensterrahmen verklebt hätte.

    Wenn man mit dem ICE Berlin verlässt geht es erst über Felder und dann kommt eine überraschende Industrieanlage auf der Pelikan steht – Erinnerungen an Schulfüller werden wach. Aber nicht mehr: Das Werk wird abgerissen.

    Höhepunkt meiner sportlichen Karriere im Zuschauersport war 1992 der Pokalsieg von Hannover 96 im DFB-Pokal der Männer: der Zweitligist aus Hannover mit einem der Überraschungserfolge des Jahrzehnts. Ich war in der wilden Party am Opernplatz. Montag erfahre ich durch Zufall: ein heutiger Kollege war damals beim Spiel im Stadion.

    Mir träumte, ich wäre auf der re:publica. Die geträumte re:publica war aber nur ein Abglanz ihrer selbst. Im Park eines Tempelschlösschens auf einer Havelinsel richteten Johl und Bücherwürmlein ein Freilustessen. Die 30 anwesenden re-publica-Besucherinnen redeten nur von alten Zeiten.

    Dickmaulrüssler

    Madame schnitt einen wunderbaren Fliederstrauch zusammen, der auch die Berliner Wohnung mit seinem Besuch betört. Die Pfingstrosen täuschten an, blühten aber noch nicht auf.

    Über den Latifundien ein Kranichschwarm, der den Zug nach Süden vergessen hat. Jahreszeitgemäß hingegen die Störche die mehrmals am Tag den Garten im Überflug passieren.

    Nachdem Madame Emma Clines The Guest ausgelesen hatte, liest sie The Places in Between von Rory Stewart und empfiehlt beide Bücher sehr.

    Nachdem ich letzte Woche über Pride-Kopfhörer sinnierte und mir Montag Regenbogen-Socken kaufte, machte ich am Wochenende Holz mit Motorsäge und Axt . Damit habe ich für diese Woche mein persönliches Genderspektrum abgeschritten.

    Spannend auch die Schmerzverteilung beim ungeübten Holzhacker. Der Muskelkater begann direkt im Anschluss im unteren Rücken, wanderte bis zum Abend in die Unterarme und war am nächsten Morgen im oberen Rücken angekommen.

    Wieder gab es Besuch am Frühstückstisch: keine Kürbisspinne, sondern ein Mai-Wurmrüssler aus der Familie der Dickmaulrüssler. Der ist als Pflanzenfresser und Löcherschneider in Rosenblätter bei uns nicht ganz so beliebt, sah auf dem blauen Shirt aber zumindest gebührend eindrucksvoll aus. Und angesichts des kompletten Kleinsttierzoos, den wir beherbergen, macht es eh keinen Sinn, einzelne „Schädlinge“ jagen zu wollen.

    Da Madame wusste, wo man auf dem Dorf spontan große Gläser Ayvar bekommt (Lidl), konnte ich eine Balkan-Platte zubereiten. Das schöne: das Gemüse reicht aufgebraten noch für den nächsten Tag, das Fleisch noch für die nächste Woche und danach haben wir länger keinen Fleischhunger mehr.

    Überhaupt schön, einen richtigen handwerklichen Schlachter nahe der Latifundien zu haben – der erfüllt sämtlichen Bedarf an Fleisch- und Wurstwaren.

    Çay istiyorum

    Verschiedene meiner Kleidungsstücke sind in den letzten Monaten altersbedingt auseinandergefallen. Ich beschloss dieses Problem anzugehen. Erst einmal mit der einfachsten Variante: zu TKMaxx am Kaiser-Richard-Platz fahren und dort Socken kaufen. Am Quengeltisch gab es dann noch sehr schöne hellblaue Macarons.

    Wo ich aber schon am Richard-von-Platz war, galt es Veränderungen zu sehen. Das neu eröffnete Restaurant Sultan entpuppte sich als Hühnerbraterei, die auf den ersten Blick auch nicht anders aussieht als die sieben anderen Hühnerbratereien der Straße.

    Besser waren die Nachrichten von Öz Gıda/ Öz Gida. Dies war immer der spannendste der diversen „türkischen“ Supermärkte der Gegend. Das größte, vielfältigste Angebot, die gigantische Fleischtheke mit dem weltbesten Köfte-Fleisch, die Şarküteri, schon früh gab es „deutsche“ Produkte wie Frischilch, deutsche Käsesorten et cetera. Im Schaufenster die Lobpreisung von Tim Raue. Es war immer eine große Schau.

    Letztens fuhren wir im Bus am Laden vorbei und sahen aus dem Fenster nur leere Flächen. Oh nein! Wieder ein Opfer der absurd anziehenden Gewerbemieten der Stadt?

    Da ich gerade in der Ecke war, also ein kurzer Gang der Neugier und ein Gang des Aufatmens. Öz hat umgebaut, die Blumenkränze von der Wieder-Eröffnung hingen noch an der Kasse. Weg vom „türkischen“ Supermarkt, hin zum „Multikulti Supermarkt.“ Der ganze Laden wirkt größer und edler. Die Produkte sind weiter diversifiziert, das Regal mit den Teekochern verschwand zum Beispiel ganz.

    Die schriftliche Kommunikation verläuft komplett auf deutsch. Selbst auf der Website fand ich nur mühsam einen türkischen Teil, wo der Laden noch (eigentlich korrekt) Öz Gıda geschrieben wird und nicht Öz Gida.

    Denn, das blieb von den ehemaligen Türkisch-Kursen hängen. Das ı, also das I ohne Punkt, ist ein eigenständiger Laut, ein Stoßlaut, etwa entsprechend dem e im Wort Dschungel. (oder genauer: der ungerundete geschlossene Hinterzungenvokal (IPA ɯ))

    Deshalb gibt es im Türkischen auch ein großes I mit Punkt: İ.

    Das andere was vom damaligen Kurs hängenblieb, ist der Satz Çay istiyorum – ich hätte gerne jetzt einen Tee.

    Frisbee

    Mein Herz blutet ein wenig. Im Odeon-Kino um die Ecke läuft eine Wes-Anderson-Retrospektive und ich lasse mir gerade Grand Budapest Hotel, Darjeeling Limited und Rushmore entgehen.

    Aber nachdem das lange Wochenende (geplant) nur sehr langsames vorsichtiges Herantasten an die Bachelorarbeit enthielt, wollte ich das Tempo erhöhen. Erstmal wieder ins Thema kommen.

    Ich absolviere noch einmal den Hasso-Plattner-Kurs zur Programmiersprache R, der mich damals überhaupt erst auf den Geschmack mit der Sprache gebracht hat – und ich schaue Youtube-Videos zur Linearen Programmierung und zum Simplex-Algorithmus.

    Die üblichen Mathe-Tutorials helfen mir nicht viel. Die sind als Lockerungsübungen ganz okay. Aber die beschreiben halt die Anwendung „du hast ein lineares Gleichungssystem und willst es mit Simplex lösen – was machst du?“

    Die Frage, die mich ja interessiert, geht eher in die Richtung: Warum und wie funktionierst das überhaupt? Wie kann es sein, dass eine ziemliche einfache Handlungsanweisung (Suche das Element – bringe es auf 1 – subtrahiere und addiere ein bißchen durch die Zeilen) so viel an Erkenntnis bringt und auf so viele Fälle anwendbar ist?

    Um so mehr freute mich das Video 15. Linear Programming: LP, reductions, Simplex der MIT OpenCourseWare. Es handelt sich anscheinend um eine abgefilmte Informatik-Vorlesung des MIT mit Dozent Srinivas Devadas. Die Vorlesung beantwortet nicht alle meine Fragen – aber dafür auch andere gute Fragen, die ich mir selber gar nicht erst gestellt hätte.

    Auch fasziniert bin ich von der didaktischen Methodik: Ein Mann, eine Tafel, Kreide; keinerlei Multimedia-Schnick-Schnack, fast keine Gimmicks – und doch klebe ich geradezu an seinen Lippen, weil es so mitreißend ist. Endlich auch mal ein Mensch mit einem vernünftigen Redetempo.1 Fast lachen musste ich beim Abschnitt, dass die Gleichungssysteme aus Gleichungen (equalities) und Ungleichungen (inequalities) besteht, und „The inequalities, they are the fun part.“

    Der einzige Gimmick: Student*innen, die eine Frage gut beantworten, bekommen als Belohnung beiläufig eine lila Frisbeescheibe von einem Stapel lila Frisbeescheiben zugeworfen. Das passt vom Stil.

    Vier Hochzeiten und eine Brennesselsuppe

    Nils Minkmar hat schlechte Laune und sein Newsletter ist noch besser als sonst:

    Die extreme Rechte ist auf Massenmedien angewiesen, es ist eine historisch bewährte Partnerschaft. Schon dort vorzukommen ist ein Erfolg. Die meisten Menschen denken nicht radikal, möchten aber informiert bleiben und wenn dann die Themen, Vorschläge und Personen der Rechten abgebildet werden, unabhängig von ihrer realen exekutiven Macht, dann nimmt das Publikum all das ernst.

    Eine große Hürde beim Thema Demiliardärisierung stellen Zahlungssysteme dar. Irgendwie gibt es faktisch fast nur noch Visa, Mastercard oder Paypal. Um so gepannter verfolge ich die europäische Alternative Wero. Mit der kann man sich schon länger als Privatperson Geld schicken, jetzt wird expandiert: Wero für Solo-Selbstständige geht in Betrieb

    Mein Internet war damals so ähnlich. via (louise)

    Margrit erzählte wie sie und Wally viermal heirateten: Private FeierEingetragene LebenspartnerschaftErster Versuch der Umwandlung in eine EheHochzeit im Standesamt

    Noch ein Freund des grillifrlns.

    Joel aß Brennesselsuppe (via readinginsweden)

    Sonst habe ich nicht viel gesehen an diesem Tag. Aber immerhin einen Geldautomaten, der mit kurz aufflammender Leidenschaft angetanzt wurde.

    south spielt mit dem Halluzinator

    Hallo Halluzinator, illustriere den vorhergehenden Text und gib mir ein paar Empfehlungen.

    Who let the dog out?

    Empfehlungen

    Outfit: Ein leichtes, gewaschenes Leinenhemd, offen über einem Pride-T-Shirt, kombiniert mit bequemen Workwear-Hosen mit großen Taschen (für Notizbuch, Taschenmesser, Macarons). Dazu alte, gut gepflegte Wanderschuhe.
    → Begründung: Urbaner Waldläufer trifft re:publica-Geist, mit dem Körperbewusstsein eines Holzhackers und dem Stil eines Flaneurs.

    Kulinarik: Geräucherte Aubergine mit Minze, Granatapfelkernen & veganem Joghurt
    Getränk: Ein trockener Raki mit eiskaltem Wasser Warum:
    Ein Echo der Şarküteri, ein Gruß an das Multikulti-Bord des ehemaligen Öz Gıda. Räuchrig, frisch, kühlend – ein Auftakt, der Flieder und Sprachen öffnet.

    Film: „Gleaners and I“ von Agnès Varda – urbane Blicke auf das Übersehene, zwischen Sperrmüll und Macaron.

    Buch; Henri Lefebvre – Die Produktion des Raumes / Für das Denken von Infrastruktur, Verputzarbeiten und Supermarkträumen als gesellschaftlich konstruierte Bühne.

    Musik: Sezen Aksu – Gülümse (Ein melancholischer Optimismus, wie eine Kranichformation, die zu früh oder zu spät aufbricht.)

    Ein türkischer Limerick

    Bir pencere sıvayla dolmuş,
    Dış dünya içten unutulmuş.
    Çoraplar renkli,
    Ayvar’la denkli —
    Gündelik rüya gibi solmuş.

    Ein Fenster vom Putz überzogen,
    hat Außen und Innen verbogen.
    Die Socken sind bunt,
    der Ayvar gesund –
    der Alltag: ein Traum, leicht verflogen.

    Erklärung:

    Reimschema: AABBA – wie im klassischen Limerick.
    
    "dolmuş / unutulmuş / solmuş" bildet den äußeren Rahmen (A-Reim): alle mit dem Past Participle -muş, was perfekt zur leicht resignativen Stimmung passt.
    
    "renkli / denkli" bilden den B-Reim in der Mitte – farbig & passend.
    
    "Ayvar’la denkli" ist bewusst leicht schräg – es suggeriert „im Einklang mit Ayvar“, also dass auch Farben, Alltag und Speisen in Harmonie stehen.
    
    „Gündelik rüya gibi solmuş“ – der Alltag ist wie ein verblassender Traum.
    1. Okay, der Effekt funktioniert vermutlich nur, wenn man ein Herz für lineare Gleichungssysteme, erklärt auf englisch, hat. ↩︎
  • 24-11-19 Ein Laubbläser heulte. Blut spritzte.

    24-11-19 Ein Laubbläser heulte. Blut spritzte.

    Anti-Brumm! Ich brauche Anti-Brumm! Ende November bei 3 Grad Außentemperatur in einer Innenstadtwohnung. Wie absurd kann es werden?

    So verstochen wie ich bin, scheint es wenig Alternativen zu geben. Unsere Arbeitshypothese: die Mücken lebten friedlich in einer Pfütze / Wasserbehältnis auf der Dachbodenbaustelle. Jetzt wo es kalt wird, fliehen sie ins Warme – und unsere Wohnung ist der nächstgelegene warme Aufenthaltsort.

    Der Sonntag blieb ein echter nur-nicht-rausgehen-Sonntag mit Romanlektüre. (Weiter in Olga Tokarczuks Jakosbüchern. Nach Der Dibbuk schon wieder der Handlungsort Wolhynien.)

    Bei plötzlich eintretenden Energieschüben machte ich mich an’s Heimbüro-Aufräumen: Kalender aufgeräumt; als Wahlhelfer angemeldet; Stromzählerstand Berlin gemeldet; am Stromverbrauch Latifundien herumgerechnet; die Monatszahlung für meinen Mastodon-Host erneuert; was man halt so macht.

    Madame besorgte derweil Foxgloves und Sourir d’Orchidee.

    Gelernt: das Kaufmanns-Und & entwickelte sich aus lateinisch et, das im Laufe der Jahre zu einem Zeichen verschmolz. Die Schriftgeschichte hat viele spannende Varianten dieses Zeichens hervorgebracht.

    Mir träumte, ich spiele eine Art SimLife mit 1980er-2D Graphik von oben. Nur die Soundeffekte waren äußerst aufdringlich. Irgendwann war ich wach genug, um die Soundeffekte als montäglichen Wecker zu erkennen.

    Passend dazu setzte ein Laubbläser ein. Er trieb mich ins Bad, wo ich eine der Stechmücken erwischte. Blut an der Wand! So viel Blut an der Wand! Wie konnte eine einzige Mücke mir so viel Blut abzapfen?

    Es gelang mir gerade noch, mich halbwegs morgenfertig zu machen, bevor the marvelous Frau Z die Wohnung betrat.

    In der Mittagspause den Kurzspaziergang ausnahmsweise links herum geführt. Dabei in dem Haus, das letzten Monat noch eine Baustelle war, zwei neue Lokalitäten gesichtet. Die Rote Insel verspricht Coffee and Food. Noch hat sie geschlossen, aber vielleicht könnte das etwas für die Mittagspause werden.

    Le Quartier sieht spannend aus. Aber 12,50€ für das einfachste Mittagsgericht sind doch etwas viel für täglichen Besuch. Aber vielleicht könnten wir mal einen lauschigen Abend machen bei Steak Tartar, Escargots, Bouillabaisse oder Steak Frites. Es kommt auf jeden Fall auf die Liste.

    Auf dem Heimweg konnte ich einen Blick auf den neuen 1-Cent-Dönerladen erhaschen: Ömi’s Gemüsedöner. Dem einsehbaren Innenleben nach gehört er zur besseren Hälfte der Dönerläden dieses Häuserblocks.

    Nach dem Heimweg erfreulicherweise noch die Energie gehabt wieder ernsthaft über Sensitivitätsanalyse nachzudenken und ein paar Schmierzettel vollzumalen. Dass ich das Wochenende nutzte, um mich in Raum und Zeit zu verorten, viele Liegengebliebenes wegzusortieren, half um mich wieder gedanklich auf die Uni stürzen zu können.

    Inhaltlich waren meine Sensitivitätsschmierzettel noch nicht so gehaltvoll. Aber da halte ich es mit Adrienne: „Der schwierigste Teil, ist es anwesend zu sein. Der Rest geht wie von alleine.“

    Egal

    Eine Kollegin fragte mich nach Tipps für den privaten Laptopkauf. Ich konnte mich gleich als Nicht-Nerd beweisen, in dem ich keine Präferenz hatte: Ist für Deine Zwecke1 ziemlich egal. Alles was in den letzten Jahren in den Handel kam, sollte technisch ausreichen.

    Ich würde lieber hochwertig-gebraucht kaufen als zusammengeschustert-neu. Wenn Windows, dann Windows 11, das wird noch länger supportet. Und wenn gebraucht, dann den Händler ein wenig anschauen, ob das Bauchgefühl passt. Sie selbst legte Wert auf einen 15-Zoll-Laptop oder größer.

    Zu technischen Details habe ich zwar Meinungen, halte die aber in dem Kontext für ziemlich irrelevant und verwirrungsstiftend. Um sie nicht ganz so verloren mit „ist egal“ heimzuschicken, suchte ich ihr noch einen Rechner heraus, den ich bestellen würde. (ThinkPad, 3 Jahre alt. 400 Euro)

    Hey Du, ich kann Dir Geld überweisen

    Ich beendete den Sonntagabend damit, Wero-Nutzer zu werden. Wero soll eine Art PayPal auf europäisch werden. Und ich leide schon länger darunter, dass es bei Zahlungen im Internet genau vier Möglichkeiten gibt – PayPal, Klarna, Visa, MasterCard – die mir alle gleichermaßen unsympathisch sind.

    Wer Nutzer eines deutschen Onlinebankings bei einer altmodischen Bank ist, kann sich Wero ziemlich problemlos einrichten. Im Zweifel ist es schon in der normalen Banking-App hinterlegt und muss nur einmal aktiviert werden.

    Nachteil: Noch kann es nix, außer Geld an andere Wero-Nutzer*innen zu übermitteln. Ich stellte schnell fest: die Zahl der Wero-Nutzer*innen im Bekanntenkreis beträgt Null.

    Erschütterung

    Frau Rabe inspizierte in Indien.

    Östlich von Istanbul ist östlich von Istanbul in Almaty (Kasachstan):

    Hinter der Kathedrale ist das Kriegerdenkmal Grund für meine Standardlektion ans Kind und die Lesenden: Deutschland überfiel im Zweiten Weltkrieg die Sowjetunion. Nicht Russland, sondern die ganze Sowjetunion. Ja, die Frage, wer angefangen hat, ist historisch eindeutig geklärt. Und es wurden alle Völker, auch jene die tausende Kilometer von der Front lebten, in den Wahnsinn hineingezogen. Kasachen und Uiguren, Usbeken und Kirgisen fielen überproportional häufig und auch wenn sie die deutschen Truppen nicht unmittelbar im Land hatten, wie der westliche Teil des Riesenreiches, traf die Mobilmachung, die brutalen Forderungen nach Abgaben für die Front und die Flüchtlingsströme aus dem Westen doch auch Zentralasien massiv.

    Harte Liebe für Patrick Bahners:

    Es gab in der FAZ regelmäßige, ausführliche Geburtstagskonferenzen und ein kompliziertes Regelwerk, wann runde und wann nur halbrunde Jubiläen zu einem Artikel führen. Patrick Bahners war der Zirkusdirektor in der Arena dieser Debatten und fasste sich erschüttert an die Stirn, wenn die Runde befand, der Geburtstag eines führenden schwedischen Numismatikers müsste nicht unbedingt in der Zeitung für Deutschland gewürdigt werden. (via der siebte Tag)

    Aus der Praxis: Versicherungstelematik im Auto bei Christian Buggisch.

    Eine andere iOS/Android-Alternative für das Handy: GrapheneOS in der langfristigen Nutzung

    1. Bißchen Internet, bißchen Office. Keine aufwendige Bildbearbeitung, keine Games, kein Bitcoin. ↩︎