Schlagwort: Zitronenfalter

  • 26-03-08 Wir hörten den Ahorn bevor wir ihn sahen

    26-03-08 Wir hörten den Ahorn bevor wir ihn sahen

    Madame saß mit verschränkten Armen im Pullover auf der Terrasse und sagte „Sommer!“

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    Vorher hatte sie die Woche der Wochen in der Hafenstadt erfolgreich absolviert.

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    Meine Stammbuchhandlung Hammett ist einer der Gewinner des deutschen Buchhandlungspreises. Ja, genau, DIESES Buchhandlungspreises. Wobei ich die vom ebenso närrischen wie kulturlosen Kulturstaatsminister persönlich vom Preis ausgeschlossene Berliner Buchhandlung Die Schwankende Weltkugel auch kenne und empfehlen kann.

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    Mein aktuelles Buch von Dashiel Hammett, the Maltese Falcon weiß mich nicht so recht zu fesseln. Vielleicht weil das Buch im Vergleich zum Film zwangsläufig die halbe Geschwindigkeit hat. Oder weil es im Vergleich zum wild ausufernden von mir geliebten Dain Curse und dem rohen Red Harvest doch irgendwie zu glatt ist.

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    Die Schwimmbadbesatzung teilte Madame mit, sie hätten schon gemerkt, dass sie die schwimmerisch aktivere von uns beiden ist. Das ist einerseits originell, andererseits zur Zeit korrekt. Ich gelobe wieder öfters ins Bad zu gehen.

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    An der Ampel stehend hörte ich wildes Gehupe. Es ging von einem leicht zerbeulten Kleinwagen aus. Ich konnte keinen rechten Grund für die Huperei erkennen und dachte spontan an einen kläffenden Dackel, der Bernhardiner und Schäferhunde angeht.

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    Kurz darauf fuhr ein Subaru Forester1 vorbei. Genauso alt und im selben Waschzustand wie sich unserer normalerweise befindet. An diesem Wagen hing allerdings ein Kennzeichen der US-Botschaft, und ich freute mich: Es gibt sie noch die Guten.

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    Madame stellte fest, dass nicht Daniel Küblböck der Elvis seiner Generation ist, sondern Bill Kaulitz ist der Elvis seiner Generation. Als Kind und Jugendlicher „seltsam“ und stets von Mobbing betroffen, wenig später aufgrund dieser Seltsamkeit Weltstar und Junge-Frauen-in-die-kreischende-Extrase-Treibender.

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    Miss und Mr. Fluffy waren zu Gast. So schön. Gespräche reichten von Versailles zu Nacktschnecken und wieder zurück. Sogar erwachsene Themen kamen vor.

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    Es war ein Freitag mit Arbeit und Kino und ein Samstag auf den Latifundien.

    Die Frage wann Fulbe gesprochen wird und wann französisch

    Ich gewöhne mich daran, dass die Gegend um den Bahnhof Zoo mein neuer Kiez wird. Wenn ich die Strecke Büro->Bücherei beginne, ist der Bahnhof mit den Kinos Delphi Lux und Delphi Palast nebenan ein logischer nächster Wegpunkt.

    Nachdem ich also Madames Buch in der Bibliothek abgeholt hatte, schlug ich erfolglos bei Shoe City die Zeit tot, um endlich zum After-Work-Kino im Delphi Lux zu landen:2 L’histoire de Souleymane / Souleymans Geschichte.

    Zwei Tage

    Zwei Tage im Leben des Asylbewerbers/Fahrrad-Essenslieferanten Souleymane Sangaré (gespielt von Abou Sangare) aus Guinea bis zu seiner Anhörung bei einer namenlosen Sachbearbeiterin (Nina Meurisse) vor dem Office français de protection des réfugiés et apatrides (OFPRA) über seinen Asylantrag.

    Souleymane fährt mit seinem Lieferfahrrad durch Paris, muss sich mit einer ganzen Reihe schlechter Menschen herumschlagen, die seine Situation ausnutzen, um schließlich um 22 Uhr den Bus zur Obdachlosenunterkunft zu erreichen. Dabei versucht er eine Geschichte auswendig zu lernen, die nicht die seine ist, aber im Asylverfahren besser klingt als seine wahre Geschichte.

    Zwischen La Chapelle und Gare du Nord

    Der Film hat zwei deutlich abgegrenzte Teile: 70 Minuten mit dem Fahrrad durch Paris: Hetzen zu Schnellimbissen, Treppen hoch, quer durch den Verkehr; Unfälle vermeiden, überwacht von der Kurier-App. Kurze Diskussionen mit anderen afrikanischen Kurieren und der „Kurier-Nothilfe“ in der App. Längere unerfreuliche Diskussionen mit dem Mensch, der ihm sein Kurierkonto „vermietet“ – denn als Asylbewerber darf Souleymane nicht arbeiten.

    Manchmal dachte ich beim Sehen „zu sehr Sozialreportage, zuwenig Spielfilm, irgendwie wirkt das zu sehr abgefilmt zu wenig gestaltet“ – dafür lernte ich sehr viel über sein Leben und das Leben von Kurierfahrern. Ich werde sie ab jetzt mit anderen Augen sehen.

    Ich lernte Paris aus einer anderen Perspektive sehen – und da ein Großteil des Films in dem Viertel am Gare du Nord/Gare de L’est spielt in dem auch wir in Paris übernachten, war es in Teilen „mein“ Paris. Aus einer Perspektive, die man dort immer spürt, die wir als drei-Tages-Touris aber natürlich nicht sehen. Ich bin von dieser Stadt eh komplett hingerissen, und das hat durch den Film weiter zugenommen.

    Was ist Ihre Geschichte?

    Ganz anders die Anhörung: Ist das Paris-Straßenleben hart, ausbeuterisch, rücksichtlos, aber voller Leben ist es bei der Behörde anders: Neutral. Die Sachbarbeiterin ist freundlich, höflich, ihm durchaus zugewandt.

    Aber beiden, der Sachbearbeiterin und Souleymane, ist bewusst, dass sie den französischen Staat verkörpert, der jetzt in diesem Moment über sein gesamtes weiteres Leben entscheidet. Selten sah ich ein Kammerspiel in dem die Fallhöhe zwischen Form und Inhalt so riesig war. Der Unterschied zwischen dem sehr lebendigem rücksichtlosen Alltag der zwei Tage und dem freundlich-zugewandten Abgrund an dem er in der Behörde entlangwandelt, schmerzt beim Sehen körperlich.

    Besonders schmerzlich wird es, wenn seine auswendig gelernte Geschichte sichtbar zerfällt. Sie fordert ihn mehrfach auf, die Wahrheit zu erzählen. Was er schließlich weinend macht. Eine Geschichte, die menschlich bewegend und nachvollziehbar ist – aber wie wohl die meisten Menschen im Kino wissen, nicht den Anforderungen des Asylrechts genügt.

    Beste schmerzlichste Schlusssätze in Filmen: „Wenn wir den Antrag akzeptieren wird der französische Staat sie mit all‘ seiner Kraft beschützen. Lehnen wir ihn ab, haben sie einen Monat Zeit um in Rekurs zu gehen.“ Wahrscheinlich zerstören wir gerade ihr Leben. Aber höflich und dem Rechtsweg folgend.

    Blick aus dem Delphi Lux Kino. Vor dem Fenster eine abendlich beleuchtete Wand mit Graffitti und ein schmaler Weg. Im Fenster spiegelt sich der Schriftzug "Lux"

    Zitronenfalter: Eins. Taubnessel: Eins.

    Frischluft nach dem Film tat gut. Die Nachtfahrt auf die märkischen Hamptons erfüllte alle Ansprüche: Uns empfing ein Sprung Rehe3. An der üblichen Feldhasenstelle tauchte der Feldhase auf, nur damit danach auf dem Feld ein weiterer Sprung Rehe stand. Und das alles bevor wir den Bungalow auch nur erreicht hatten.

    Bei Rinderstolz & Wildeslust herrschte Sommer. Bis wir den Weg zum Verkaufswagen gelangt waren, waren seine gesamten Bratwurstvorräte aller Sorten bereits ausverkauft. Genau fünf grobe Bratwürste einfacher Art waren übrig. Es ist Grillzeit in Brandenburg.

    Im Garten lässt sich der Frühling Zeit.

    Madame suchte Knospen und Blüten und schnitt Bäume. Drei einsame Krokusse begleiten die Schneeglöckchen. Sie fand eine blühende Taubnessel. Noch herrscht hier Vorfrühlingsansatz, kein Frühling. Für Alkeme benötigt sie trotz Langstreckensäge inzwischen eine Leiter.

    Aber wie letzte Woche auch: Es gab Zitronenfalter.

    Und plötzlich am Kompost hörten wir es summen und brummen. Auditiver Sommer. Nach einiger Orientierung erblickten wir einen blühenden Baum im Niemandsland auf der Ausgleichsfläche hinter dem Nachbargrundstück. Vermutlich ein Silberahorn. Auf den dritten Blick sahen wir in ein paar Metern Höhe Insekten schwirren. Sie sind wieder da.

    Kremšnite, Gurke, Ei

    Holger fährt Bus. Teil 1 und Teil 2 und Teil 3.

    Margrit wurde von Wikipedia enttäuscht.

    Joel war das erste Mal in Ljubljana: „Mein Gott ist die Stadt schön!“ Teil 1 und Teil 2 und Teil 3 (samt Gebäcktipp vom Flusskiesel – spätestens wenn man den ausspricht, merkt man wieder, dass Slowenien K.u.K. war)

    Nicht richtig schön, aber doch eindrucksvoll: Das Ei des Nachbarn.

    Schön und eindrucksvoll: Die Gurke des Juan Sánchez Cotán

    Anmerkungen

    1. An der Markenwahl Subaru hängt in den USA ein großes politisch-kulturelles Universum, das in Deutschland komplett unbekannt ist. Ich gehe davon aus, dass ein US-Botschaftsangehöriger das weiß. Wie wir auch. Als Einstieg: Alex Mayyasi / The Atlantic: How Subarus Came to Be Seen as Cars for Lesbians etwas weiter gefasst: How Subaru Became the Unofficial Car of Vermont … and New Hampshire, and Maine, and Massachusetts, and Washington, and Oregon. ↩︎
    2. Yorck Unlimited No. 14 – damit 17€ pro Besuch. ↩︎
    3. Nicht zu verwechseln mit dem Rehsprung „eine Figur der rhythmischen Sportgymnastik↩︎

  • 25-06-29 Laufkundschaft im Nirwana

    25-06-29 Laufkundschaft im Nirwana

    Auf der Budapest Pride waren mehrere hunderttausend Menschen. Besser werden die Nachrichten nicht.

    In Steglitz kann mensch Austernmesser mit einem Griff aus zerstoßenen Austernschalen kaufen.

    Es war ein Donnerstagabend, ein Office-Freitag und ein Latifundien-Samstag, durchgehend schwül bei wechselndem Temperaturen. Von: 21 Grad und schwül bis zu „Ladevorgang des Telefons unterbrochen bis dieses wieder normale Temperaturen hat.“

    Teile der Kollegenschaft verabschiedeten sich ins lange Wochenende auf das Fusion-Festival. Natürlich nur Verwaltung, die anderen müssen hitzegenervte Berliner*innen in den Freibädern bändigen.

    Auf dem Weg ins Büro: der Geruch von frischem Asphalt am Morgen. Immerhin eine Baustelle, die erkennbare Fortschritte macht.

    Das märkische DHL versucht seit zwei Tagen ein Paket auszuliefern, scheitert aber immer an „Krankheit oder Unfall oder Arbeitszeitüberschreitung.“ Was schade ist – nachdem Pakete und Briefe in Berlin schon längerem ein Glücksspiel sind, war die Lage in den märkischen Hamptons bis 2024 mustergültig. Pakete kamen wie angekündigt, Wünsche funktionierten und wir kannten die Austrägerin. Offenbar gab es eine Umorganisation.

    Ein Lob der Schöneberger Nachbarin von gegenüber. Diese erschafft ein wahres grünes Paradies auf ihrem Balkon.

    Gelesen: Carlo Levi „Die doppelte Nacht“ und weiter in „Wir schon wieder.“ Später dazu mehr.

    Die 606 mit Mangolikör

    Es war Donnerstag am späten Nachmittag. Für den Abend war ein mittlerer Weltuntergang angekündigt, vorher war es the new normal mit Temperaturen jenseits der 30-Grad-und-Schwüle. Ich also im besten IT-im-Home-Office-bei-30-Grad-Outfit, Madame hatte sich noch aufgerafft ins Insulanerbad zu gehen.

    Anruf von der Bank: Wir haben noch ein Konto, wegen dem sie uns seit über 10 Jahren nicht gesehen haben – das stimmt. Es ist ein reines Funktionskonto, das macht was es soll und keinerlei Aufmerksamkeit bedarf.

    Und weil die Bank keine aktuellen Ausweise und Unterschriften haben, soll das Konto jetzt gesperrt werden – WHAT??? Es stellte sich heraus, dass sie uns im Februar ein Dokument geschickt hatten – das wurde auch ausgefüllt und unterschrieben – aber falsch! WHAT???

    Wir können aber gleich bis 18 Uhr in Steglitz vorbeikommen und Ausweise zeigen. Es war 17:20h in Schöneberg und ich so unvorbereitet auf Außeneinsätze wie mensch nur sein kann. Außerdem: Schwül, Unwetter.

    Aber hilft ja nichts. Ich habe etwas herausgesucht was auf den ersten Blick als ernsthafte Hose erkennbar war. Wir sind zum Bus, dann nach Steglitz und im Eilschritt zur Bank. WIr waren mal echte Laufkundschaft.

    Dann haben wir brav Ausweise eingescannt, drei Stammdatenverträge unterschrieben, erfahren, dass die Dame gerade nur die Vertretung ist1, während wir aus dem Fenster sahen, wie der Himmel immer dunkler wurde, die Bäume sich wild schüttelten. Aber wenn das Banksystem 30 Sekunden benötigt, um den Stammdatenvertrag zu öffnen, dann benötigt es halt 30 Sekunden.

    Wir kamen im trockenen Sturm wieder aus der Bank. Es waren noch ein paar Meter zur Bushaltestelle. Madame bemerkte, dass sie nach Möglichkeit nicht vom einem Baum erschlagen werden möchte und wir jetzt einfach ins nächstes Lokal gehen, dort mit einem Abendessen den Sturm überbrücken.

    Jenseits der Kreuzung war „…sches Restaurant“ an einer Fassade zu lesen. Leider war die Kreuzung sechsspurig mit dichtem Verkehr, so dass wir die grünen Ampeln abwarten mussten. Und der Regen begann, und nach 15 Sekunden waren wir nass. Also die letzten Meter im Laufschritt ins Restaurant. Der Abend der Laufkundschaft zum Zweiten.

    Das entpuppte sich als „indisches Restaurant Nirwana“. Sie waren sicher hocherfreut uns durchgeschwitzt und vollgeregnet im Hause begrüßen zu dürfen, waren aber trotzdem ausgesprochen nett.

    Idunda ist auf Hochzeitsreise in Kopenhagen

    Wir kamen auf Zoos zu sprechen und inspiriert von Frau Brüllen fragte Madame sich, was auf den Basler Zooelefanten ihrer Jugend wurde. Die beiden Anwesenden und Idunda, die laut Schild, immer auf Hochzeitsreise in Kopenhagen war.

    Dabei stieß Madame auf die Geschichte der fünf Elefäntli, die alle als Babies vom Zoo Basel gekauft wurden – natürlich eine Riesenattraktion waren, und auch gerne mal durch die Stadt geführt wurden; auch war es üblich, dass Kinder auf ihnen reiten durften. Soweit rekonstruierbar waren diese immer im Elefantenhaus angekettet. Zu Madames Zeiten waren zwei davon bereits gestorben, Idunda war unterwegs und die anderen beiden standen im Zoo.

    Welch unterschied zu heute. Im Jahr 2025 bereibt der Zoo Basel eine „berührungslose Haltung“, die natürlich sehr viel näher am natürlichen Leben der Elefanten ist, zum Beispiel auch aber bedeutet, dass medizinische Maßnahmen nur stattfinden können, wenn die Elefanten aktiv mitmachen. Und wenn nicht, dann nicht. Wie jetzt als eine Elefantenkuh starb, weil ihr Baby im Körper starb aber nicht entfernt werden konnte, und jetzt auch die Mutter starb.

    A long way seit den Fünf Elefäntli.

    Zum Glück ist der Garten eh viel zu trocken zum Kohlanbau

    Madame brachte Bitumen entlang der Gierschfront aus. Während Nachbar Ost gerade Giersch produziert, verhält sich der Bambus auf der Seite von Nachbar West friedlich – vermutlich ist es dem zu trocken.

    Über der Wiese 30-40 Kohlweißlinge gleichzeitig. Dem benachbarten Rapsfeld sei dank. Dazu Schachbrettfalter, Zitronenfalter, Kleinzeug (Schwebfliegen, Käfer, Bienen) aller Art und die großen Holzbienen. Madame vergleicht ihren Flug mit Militärhubschraubern: groß, dunkel und immer sehr zielgerichtet etwas ansteuernd.

    Eine Wiese in gelb und rosa und violett. Die Knautien blühen noch, inzwischen aber hat das Labkraut die halbe Wiese eingenommen und blüht im bezaubernden Gelb. Darüber eine rosa-weiße Schicht aus rankenden Platterbsen. Hätten wir etwas von geplant, wir hätten es uns nicht besser ausdenken können.

    Da die Temperaturen erträglich sind, erfolgte leichtes Sommeraufräumen – Mohn an diversen Stellen abmähen, Schönheitskorrekturen mit der Heckenschere und die diesjährige Finalisierung des Wiesenwegkonzeptes. Die Pergola bekam ihr Schattiernetz, so dass auch die Sonnetage kommen können.

    Den Rosen geht es geht, Apple Blossom fühlt sich sichtlich wohl.

    And I knew it complete

    Prägendes Erlebnis meiner ehemaligen Interrail-Fahrt: der knallevolle Nachtzug von Montpellier nach Calais – nur ein Abteil war fast leer. Was sich erklärte, wenn man die Tür öffnete: Es stank massiv nach Alkohol. Ich war damals ebenso unerschrocken wie faul und zog einen Sitzplatz mit Abenteuer dem Gangstehen vor. Ich lernte einen lustigen Polen kennen, der mir Rotwein aus einer Plastik-Colaflasche anbot und mir ausführlich vom Theaterfestival in Avignon erzählte. Seitdem bin ich Fan des Festivals, freue mich natürlich wenn Christiane noch etwas mehr dazu schreibt: Erinnerungen an Avignon

    What’s the Right Way to Translate Chinese Dish Names? (via Kaltmamsell)

    Beste Art der Fernreise: von der aus Vietnam stammenden Kollegin zu deren Hochzeit in Vietnam eingeladen werden.

    Der Herr Flusskiesel hat seine Blogroll überarbeitet und eine kleine und feine Liste zusammengestellt. Und das sage ich nicht nur, weil iberty darauf steht.

    Posts mit Billy Joel werden hier natürlich immer verlinkt: It’s sad and it’s sweet

    Famous last words

    Es gibt zwei Gründe, warum ich noch ein New-York-Times-Abo habe. Einerseits. Durch mehrfaches kündigen und Bleib-hier-Angebote zahle ich derzeit nur 2 Euro im Monat dafür. Andererseits der Dealbook-Newsletter, der halt Nachrichten aus Perspektive der Finanzwirtschaft erzählt. Einerseits eine Perspektive, die ich sonst woanders nur schwerlich bekomme, andererseits sortiert der ziemlich gut nach relevanten Themen und irrelevanten Sau-durchs-Dorf-Debatten durch. Zum Wochenende zum Klimawandel (und ja, ich halte den Tonfall für Sarkasmus):


    Banks have started to bake this [Klimawandel-]forecast, once thought extreme, into their research. A recent report from Morgan Stanley on the air-conditioning market, which is expected to benefit from increases in urbanization as well as the frequency and intensity of heat waves, said its “base case” was a 3 percent rise in average global temperatures. In that scenario, how much did analysts expect the cooling market to grow by 2030?

    A. 16 percent, to $272 billion

    B. 41 percent, to $331 billion

    C. 104 percent, to $479.4 billion


    1. Unser Glück vermutlich. Der eigentlich zuständige Herr hätte uns vermutlich einfach in die Kontosperrung laufen lassen und dann einen Formbrief geschickt. ↩︎
  • 25-03-09 Volkshochschule, Kindergarten, Studienabbruch

    25-03-09 Volkshochschule, Kindergarten, Studienabbruch

    Ulli Zelle, in Berlin weltberühmt als SFB/RBB-Lokalreporter geht in den Ruhestand. Einst sahen wir ihn mit seiner Band Ulli & die grauen Zellen bei der Brandenburger Landpartie. Der RBB wird zu seinen Ehren am 31. Mai eine Abschiedsgala veranstalten.

    Madame war im Klausurlaub. Nach der Onlineklausur 1C („Berufliche Bildung“) am Mittwoch folgte die Präsenzklausur im Kranzlereck 2A1 („Empirische Bildungsforschung“) am Freitag.

    Donnerstag war sie vor allem damit beschäftigt mit der Statistiksprache/Software RStudio zu spielen.

    Auch memorierte sie die verschiedenen Beispiele für Statistiktests: Volkshochschule für t-Test, Kindergarten für Chi-Quadrat, Studienabbruch für ANOVA und diverse, die ich mir nicht mehr merken konnte.

    Es war nicht ungeschickt gemacht: Jedes Verfahren der Schließenden Statistik war in allen Details an einem Beispiel erklärt. Wenn man sich also Verfahren und Beispiel zusammen merken konnte, konnte man sich merken wie die Daten der Volkshochschülerinnen und erhoben und gestestet wurden wie die Daten der Studienabbrecher. Dann musste man sich nur merken „Aha. Kindergarten = Chi-Quadrat, das heißt es gab zwei Kindergartengruppen und die Daten wurden..“

    In der Verwaltung für mich: Spaß mit Spamfiltern und Druckersoftware. Auf dem Weg getroffen: der recht maskulin wirkende Aufzugshandwerker, der Blümchens Herz-an-Herz hörte.

    In der Verwaltung mitbekommen: Die Berlinovo vermietet inzwischen einen Teil ihrer Appartments ausschließlich an Bedienstete des Landes Berlin. Derzeit nichts, was uns interessierte. Aber angesichts des irren Berliner Wohnungsmarktes ist es auf jeden Fall gut, diese Alternative zu haben.

    Donnerstags abends dann gemeinsames Kopffreiaquajoggen/-schwadern im Stadtbad Lankwitz. Ich versuche ja, meine Schwimmbadbesuche variabel zu halten. Aber manchmal hat das Stammgastsein auch Vorteile. Wenn ich die „Ich-darf-umsonst-rein“-Mitarbeiterkarte vergesse, mich die Dame an der Kasse aber als Stammgast-mit-Betriebsausweis wiedererkennt, komme ich auch ohne Karte ins Bad. Immerhin kenne ich jetzt auch ihren Spitznamen.

    Ich lerne weiter Informationsmanagement, staune, dass der Abschnitt „Technologie“ (neben „Strategie“, „Bedarf“ und „Erbringung“) sich ausschließlich mit Datenschutz, IT-Sicherheit und Nachhaltigkeit beschäftigt. Nichts gegen die drei Themen. Aber meiner bescheidenen Auffassung nach, ist die Technologie doch breiter aufgestellt.

    Mittagsessen mit Lunchbox auf dem schön gegärtnerten Vattenfall-Vorplatz am Südkreuz. In Jahr 3 seines Bestehens entdecken ihn mittlerweile auch andere Menschen. Aber: Sonne! Frühjahr!

    Südkreuz Offices, nicht Vattenfall. In der Pause besser den Bürokomplex verlassen.

    Der Hausrotschwanz ist Vogel des Jahres 2025. Unser Gartenexemplar scheint sich aber noch im Süden die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Das wissen wir, denn wir waren im Garten.

    Die letzten Kraniche fliegen ab

    Es war Der erste Samstag im Frühling.

    Wir begaben uns auf die Latifundien. Noch sind wir im eingeschränkten Gartenmodus von Samstag mittag bis Sonntag mittag, aber der Freitagabend bis Sonntagabend-Rhythmus ist nicht mehr fern.

    Zwar hatten wir immer mal wieder nach dem rechten gesehen – aber das war nur kurz. Diesmal: Wasser wieder anstellen. Zeug hin- und herschieben. Auf dem Küchentisch lag noch eine Zeitung mit der Überschrift „Die letzten Kraniche fliegen davon.“

    Aufräumen bedeutete: Unter der Besteckschublade eine tote Spitzmaus finden. Es stellte sich heraus, diese ist gar keine Maus sondern eine Maulwurf-Verwandte. Anscheinend fand sie im Winter ins Haus, aber nicht wieder hinaus.

    Über uns kreisten die schon wieder zurückgekehrten Kraniche. Im Garten flatterten Distelfalter und Zitronenfalter. The Swingin‘ K’s nahmen ihren Bungalow ebenfalls wieder in Betrieb. Nebenan scheinen sich die Meisen dauerhaft angesiedelt zu haben, die Spatzen ja schon eh. Entweder wir sahen ein halbes Dutzend Hummelköniginnen oder sechsmal diesselbe Hummelkönigin.

    Soweit wir bisher feststellen konnten, hat alles (außer der Spitzmaus) den Winter überlebt.

    Die Schneeglöckchen blühten noch und scheinen sich unter der Rosenhecke häuslich einzurichten. Die Hamamelis blühte schon im der zweiten Runde. Wir bemühten uns, auf keine wachsenden Narzissen zu treten. Die kleineren wildnäheren Narzissen beginnen vorsichtig mit der Blüte Knospen allerüberall.

    Rinderleberpaté

    Am Frühling erfreute sich auch der Mitarbeiter des Landwirtschaftsbetriebs, der an unserer Grünstücksgrenze mit dem Traktor vorbeifuhr und Zeug auf den Acker sprühte. Da es nicht roch, beschlossen wir „Pflanzenschutzmittel“, und dann beschlossen wir Fenster und Türen zu schließen und erstmal ins Dorf zum Einkaufen zu fahren, bis sich das Spray fest mit dem Ackerboden verbunden hatte.

    Und so fuhren wir erst zu Rinderstolz & Wildeslust, kauften einen kompletten Schweinenacken und dann bei den nahegelegenen Sußermärkten Gemüse und anderen Kleinigkeiten. Nur das Brotmehl vergaßen wir, den Kartoffelstampfer für Kartoffelstampf führte keiner der Supermärkte.

    Da der Frühling 2025 nicht bescheiden anfängt, sondern voller Schwung in das Jahr brettert, bot sich ein Draußentag mit langsamen Angrillen an. Da in Berlin Feiertag war, bot es sich an, auch die normalen Lebensmitteleinkäufe in Brandenburg durchzuführen.

    Auf dem Rückweg entdeckten wir: Die Milchtankstelle hat aufgerüstet. Führt neben Milch, Eiern und Wasserbüffelfleisch seit neuestem auch Suppenhuhn und Wagyu-Fleisch von Schloss Schwante.

    Ein Fall von: Sag mir, dass du im Speckgürtel unterwegs bist, ohne zu sagen, dass du im Speckgürtel unterwegs bist. Bzw hier eher der Wagyugürtel.

    Unser nicht ganz so edler Schweinenacken kam bei etwa 140 Grad gut zwei Stunden auf den Grill – und danach hatten wir ein wunderbares Abendessen im Sonnenuntergang und ausreichend Fleisch für die ganze nächste Woche.

    Falsch programmiert

    Computer sind doof

    Züge sind besser (zum Beispiel von Budapest über Berlin nach Stockholm)

    Bei Gelegenheit testen: Taco Casserole (schneller Taco-Auflauf)

    Für alle, die es bis hierher geschafft haben, gibt es ein paar Bilder aus dem Karl-Foerster-Garten vom letzten Wochenende.

  • 24-06-29 Nachtbadesonette

    24-06-29 Nachtbadesonette

    Der alte Kühlschrank neben der Biotonne wurde gestürzt. Jetzt liegt er.

    Nachbar 3M zieht doch nicht aus. Sein aktueller Vermieter verdödelte es, ihm rechtzeitig die Mietschuldenfreiheitsbescheinigung auszustellen. Muss man auch schaffen: 3M mit einem Altmietvertrag möchte seinem Vermieter den Jackpot schenken, indem er ohne Abfindung auszieht – und dann kriegt der Vermieter es nicht hin.

    Bei Cebu (Ex-Ding Dong) gibt es Burger mit türk. Bacon.

    Im Autokino Zempow läuft ein Dokumentarfilm von 2006 über das traditionsreiche Autokino Zempow. Mein Staunen ob seiner Existenz wächst jeden Monat weiter.

    Madame telefonierte mit einem Elektriker auf dem Spielpatz.

    Madame rechechierte Linienbusse nach Oslo.

    Ich buchte Sitzplatz 7 und 8 im Zug Riga -> Vilnius.

    Ein Baumarktmitarbeiter wies mich darauf hin, dass man 2,20 Meter Brett nicht in vier 70-Zentimeter-Stücke aufteilen kann.

    Madame fuhr den Saunazug FLX1243. Mit #Fensterauf aber leider nur 5 Zentimeter #Fensterauf. Ohne Klimaanlage bei 30 Grad und prallem Sonnenschein acht Stunden Herausforderung.

    Shall I compare thee to a summer’s day

    Wien wurde letztens als lebenswerteste Stadt der Welt ausgewählt. Das wundert mich nicht – eine Stadt, die öffentliche Wannenbäder anbietet; eine Stadt in der man im Freibad Saisonkabinen und Saison-Wiesenkabinen und Saison-Kabanen mieten kann, muss die lebenswerteste Stadt der Welt sein.

    WIr immerhin nutzten unsere Tiny Kabane (SK 14/15; 5,33€) zum Most Special Day des Insulanerbads: die lange Nacht des Insulaners. Mit Shakespeare Company, Planetarium auf dem Insulaner und dem Sommerbad.

    Wir nahmen den Bad-Anteil war. Erst schwammen wir von 21:20 bis 22:00. Dann setzten wir uns auf die Beckenterrasse; sahen den nächtlichen Schwimmer*innen zu und lauschten Musik und Sonetten. Die Shakespeare Company hatte sich auf dem Fünfmeterturm postiert, trug Shakespeare (auf deutsch) vor und sang wechselnd Musik aus seiner Zeit.

    Irgendwann Umzug nach oben zur Aperol-Spritz-Station.

    Diese Bilder mit schicker Beleuchtung, nächtlichen Schwimmern, schöner Musik und einem schönen Drink. Viel mehr Sommerabend geht nicht.

    Herbst is coming

    Zeichen des nahenden Herbstes: Die Stare beginnen sich zu Schwärmen zu formieren. Die Mauersegler beginnen den Formationsflug im Berliner Hinterhof zu üben. Noch keine Screaming Party, aber auf dem Weg dorthin.

    Der Garten geht in den Hochsommer über. Die Grundfarbe wandert vom hellen satten Grün ins gelblich-bräunliche hinüber.

    Die einmalblühenden Rosen sind durch. Die verspäteten Stanwells legen jetzt richtig los. Die Gräser sind schon im Samenstadium, die Disteln blühen ebenso das Labkraut wie die Platterbsen.

    War letztes Wochenende das Wochenende der Schwebfliegen, sind es dieses Wochenende die Schmetterlinge. Endlich auch ein Zitronenfalter, auch die Tagpfauenaugen sind in Mengen wieder da. Gleichzeitig sah ich sechs Schachbrettfalter.

    Scarmans Himalayan Musk musste ich wieder von der Pergola entwirren. So lange diese nicht fertig gestrichen ist, sollte sie nicht unter einer Rose verschwinden.

    (Für’s Protokoll: Erste Grundierung ist durch, bei der zweiten ist die Südseite durch. Endlich mal ein Wochenendtag an dem Regen nicht angekündigt war und auch nicht stattfand).

    Fensterweg

    Aktueller (2021) Hintergrund zum Autokino Zempow beim Deutschlandfunk: Einziges Autokino der DDR macht wieder Programm

    Auch im Deutschlandfunk lief Klassik, Pop et cetera mit Hape Kerkeling.

    Jon Worth fährt mit dem Zug durch Albanien und erlebt ganz andere Formen des Fensterauf. Fensterweg; beziehungsweise die Scheibe ist nicht im Fensterrahmen, sondern sie liegt oben auf der Kofferablage.

    ben_ dachte in Anmut und Demut über Würfelsysteme in Rollenspielen nach.