Schlagwort: BSR

  • 26-04-23 Zwanglose Absprachen täglich um 9.00 Uhr im Raum 114

    26-04-23 Zwanglose Absprachen täglich um 9.00 Uhr im Raum 114

    Das Schicksal spülte Freebie-Zahnputztabletten mit Erdbeergeschmack in Madames Wege. Sie reichte sie wenig begeistert an mich weiter. Ich hoffte auf das Aroma „Erdbeerjoghurt – sehr süß“, bekam aber „Pappe, in Erdbeerjoghurt gelagert.“

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    Die Baustelle, von der ich bisher dachte, dass dort die neue Zentrale der Berliner Stadtreinigung BSR entsteht, errichtet laut Baustellenankündigungschild den „S!NN Campus“.

    S!NN Campus. Wie Sinn ergeben.

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    Der Kriegsminister des Fifa-Friedenspreisträgers zitierte in einem Gottesdienst einen gewaltlüsternen falschen Bibelvers auf einem Tarantino-Film. Das sagt natürlich viel über den Friedenspreisträger und seine Bande. Leider sagt es auch etwas über die Anschlussfähigkeit von Tarantino-Filmen. Ich leiste innerlich weiterhin Abbitte, sie je cool gefunden zu haben.

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    Staunen über die Nachbarschaft. Nicht nur, dass die benachbarte Auenkirche zum Gottesdienst Mitglieder des RIAS-Kammerchors auftreiben kann; wenn die eigene Kantorei der Auenkirche ein Konzert gibt, dann spielt das Community-Orchester des DSO Berlin. Welcome to hochbürgerliches Westberlin.

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    Gesprächsfetzenverwehung: „48% Durchlassverminderung!!!“. Mir fehlt der Kontext ob das jetzt ein guter oder schlechter Wert ist, auf jeden Fall war er ungewöhnlich.

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    Es waren drei Tage in denen Arbeit zuverlässig gegen den Frühling gewann.

    Hoch und nieder. Manchmal wieder.

    Die Rolltreppe in BPAF rollt wieder.

    Also nicht DIE Rolltreppen, nicht diejenigen, die Mitte Februar von einem Tag auf den anderen gesperrt wurden und seitdem nie wieder in Betrieb gingen. Die einzige Änderung dort ist, dass der Kofferträger durch ein Hinweisschild auf den Fahrstuhl ersetzt wurde.

    Die andere Treppe rollt: Diejenige, die von September bis Dezember geplant ersetzt werden sollte, und die dann von Dezember bis April ungeplant immer noch in restauro war.

    Wahrscheinlich karmisches Gleichgewicht. Wenn ich schon nicht mehr täglich die vier Stockwerke Altbau-Treppenhaus überwinden muss, dann komme ich halt am Bahnhof auf meine Treppenstufen.

    Das Jahr 1994 / 2012 / 2014 / 2025 hat angerufen

    Wenn die Gegenwart im ereignislosen Alltagsmodus läuft, findet die Vergangenheit Wege sich einzuschleichen.

    Das Jahr 1994 mailte. Das war im ersten Moment ebenso überraschend wie erfreulich. Nach ein paar Stunden hatte sich die Überraschung langsam abgekühlt, die Freude blieb.

    Das Jahr 2012 tauchte im Dateiordner auf. Semi-Zufällig stieß ich auf Team-Sitzungs-Protokolle aus einer Welt vor meiner Zeit zwischen 2012 und 2018 und staunte. Während Form der Meetings und Form der Protokolle einem starken Wandel unterlagen, immer stark abhängig von den jeweiligen Personen, blieben die Inhalte oft gleich. Einige Probleme wurden nie gelöst, beschäftigen uns immer noch. Andere Aufgaben kehren zyklisch wieder. Manchmal erkenne ich auch Fortschritte. Am schönsten sind die halb-mysteriösen, halb-menschlichen Vermerke wie: „Zwanglose Absprachen täglich um 9.00 Uhr im Raum 114“

    Die Tasse aus wilden Leiharbeitszeiten von 2014 sehe ich fast wöchentlich. Aber erst nach 12 Jahren viel mir auf, dass tecops und teacup fast dasselbe Wort sind. Falls ich in Pseudo-Plattdeutsch verfiele sogar noch mehr: „Min deern, dit is mijn tecops für mijn Tee“.

    Die E-Mail-Adressvervollständigung schlug mir eine Mail an die alte Haus“verwaltung“ bis 2025 vor. Fast hätte ich ihnen spontan eine Mail geschrieben mit „Ätsch, wir sind gar nicht mehr bei Euch. Und das ist super.“

    Fantasie op. 17

    Madame stellte ein komplettes Klavierkonzert in ihrer Haltung dar. Während ich halb daniedergesunken am Esstisch mit dem Stuhl verschmolzen war, vom Schlaf nur durch die Mühsal getrennt, die der Weg ins Schlafzimmer bedeutet hätte, schwebte sie in die Wohnung, leuchtete mehr als alle Lampen zusammen.

    Das erste Konzert des Berliner KlavierfestivalsSeverin von Eckardstein spielt Mozarts Sonate c-moll KV 457, Schumanns Fantasie op. 17, Brahms‘ Klavierstücke op. 118, Liszt‘ Sonetto 123 del Petrarca sowie die Dante-Sonate – schien lohnend.

    In Minuten verwandelte sie das ganze Wohnzimmer in bewohnten Schumann. Fast so eindrucksvoll wie das Konzert.

    After the rain

    Das Gras es grünt, das Puffelfluschel rosat und die Tulpen roten. Die Mischung aus viel Regen am Wochenende plus dezenter Wärme bei Sonne hat dem Frühling Auftrieb gegeben. Das Gras so saftig wie in der Butterwerbung, die letzten Zwiebenblumen strecken ihre Köpfe selbst aus dem Trockenschatten der Hauswand empor und der große Baum Richtung Ex-Finanzamt entpuppte sich mit Blättern als Linde.

    Falls wir wollen, können wir unter dem Lindenbaum tanzen.

    Stadtbad von 1961 auf sattgrüner Wiese mit Bäumen vor Frühlingssonne.
    Weder Ex-Finanzamt noch die Linde. Aber in der Nähe.

    Severin von Duisburg in Würde

    Poupou war beim Berliner Klavierfestival: Berliner Klavierfestival 2026. Severin von Eckardstein

    *

    KI aussperren oder auch nicht.

    *

    Respekt: Nach Feierabend starte ich meinen zweiten Versuch, mal von der Arbeit (in der Nähe vom Landtag in Düsseldorf) so weit es geht in Richtung Duisburg zu laufen.

    *

    Ein Konzert von Admin of the ashes würde ich mir jederzeit anschauen.

    *

    (via Kaltmamsell)

    STANDARD: Wird Altern in Würde überschätzt?

    Rösinger: Was soll denn das auch heißen? Jugendliche sind ja auch nicht in Würde jung. Das dient ja nur wieder dazu, um Leuten vorzuschreiben, wie sie leben sollen.

    Notat

    Erstes Mal dieses Jahr: Zum Lunch draußen gegessen (Di, Rote Insel)

    Erstes Mal: Café Pinjo zum Lunch getestet. (Do)

  • 2026-01-24 Lichtbildvortrag am Samstag

    2026-01-24 Lichtbildvortrag am Samstag

    Die Schokoladenhersteller verramschen ihre Pistazienvorräte. Dank eines nahen Mindesthaltbarkeitsdatums und des dazu gehörigen Rabatts konnte auch ich mir eine Dubai-Schokolade leisten. Schmeckt wirklich fein. Aber ist, wenig überraschend, den Hype nicht wert.

    Das Café Toskana mit der italienischen Auslage im Schaufenster bot im Innern Menemen und Sucuk-Frühstück an. Sizialinische Cannoli gab es aber auch.

    Mir träumte, ich sähe eine Fernsehsendung in der erläutert wird, dass Urlaub eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers ist und jederzeit gestrichen oder umgelegt werden kann. Obwohl dies technisch als Alptraum zählt, nahm ich das im Traum als selbstverständlich hin. Ich muss ein ernsthaftes Wort mit meinem Traum-Ich reden.

    Dem Kaptain träumte, ich schreibe mein Buch. Sehr viel besser.

    Es war ein Exkursions-Arbeitstag und ein Stadtgeschichts-Samstag.

    IKEA-Regale sind aus Holz

    Zwischen die verschiedenen Anlässe des Vorwochenend- und Wochenend-Entertainments setzte die Welt einen Ausmistausflug. Die Übergabe der Schöneberger Wohnung naht jetzt wirklich. Noch gibt es einige Kleinigkeiten zu erledigen: Letzte Bohrlöcher schließen, putzen und wienern und wieder putzen und Reste entfernen: Die abgenommenen Galerieschienen und Gardinenstangen, drei Dosen mit Lösungsmittel von 2010, letzte mit Erde gefüllte Blumenkübel.

    Also schruppten wir und stiegen auf Leitern, schleppten Zeug nach unten und stopften es um Madame herum ins Auto. Es folgte kurzer Weg nach Neukölln-Süd zum Wertstoffhof Plus, an dem wir uns in die übliche Samstagabend-Schlange stellten. Auf dem Hof führte ich noch eine kurze Diskussion ob die Galerieschienen aus Metall sind (ja!). Ich ließ mich vom BSR-Personal überzeugen, dass alte IKEA-Regale wirklich aus Holz gefertigt sind und dementsprechend über den Altholz-Container entsorgt werden sollen.

    Nach der Heimkehr chillen und Sauerkraut-Raclette.

    Next stop Springfuhl

    Hurra! Dienstreise! Also fast. Meine Fahrzeit hätte fast gereicht, um nach Hamburg zu kommen. Als rein Berliner Unternehmung reichen unsere „Reisen“ aber eigentlich nie über den Tarifbereich B der BVG hinaus. Ich fuhr vom Südkreuz (Schöneberg) zum S-Bahnhof Springfuhl (Marzahn). Ich hatte mir selbst einen Badbesuch gesichert. Diesmal in der Schwimmhalle „Helmut Behrendt“, einer spannenden Sportschwimmhalle aus der späten DDR, wo sich heute gefühlt halb Marzahn trifft. (und meinem persönlichen Eindruck nach: Die nettere Hälfte).

    Ein wenig IT machen, ein wenig mit den Leuten vor Ort plaudern und viel viel über den Badbetrieb lernen. Ich staunte, was ich alles lernte. Nebenbei strich ich auch die Einladung ein, mal so vorbeizukommen und einfach die Büroräume im Bad (mit denen dies ausnahmsweise gesegnet ist) zu nutzen, um ganz normal zu arbeiten.

    Es klingt verlockend. Auf jeden Fall schicker als der normale Bürobau. Und von der Wohnung im Schwimmbad zum Büro im anderen Schwimmbad – ich bin stark versucht.

    Vom Seebad zur Kreuzung

    Wenig überraschend derzeit: Ich war Samstag in einem Kino.

    Überraschender: Kein Film lief. Das Kino, die Eva-Lichtspiele Wilmersdorf, gehören auch nicht zur Yorck-Gruppe.

    Es lief ein heimatkundlicher Vortrag. Der „12. Lichtbildvortrag zur Geschichte Wilmersdorfs.“

    Am überraschendesten: Ein großer alter Kinosaal mit 250 Plätzen war auch bei diesem 12. Vortrag komplett ausgebucht.

    Dipl-Ing. Christina Kautz führte bereits zum 12. Mal durch die Geschichte und Geographie Wilmersdorf „Vom Sackgassendorf zum Großstadtbezirk“. Für uns als Neu-Zugezogene war das natürlich ein Geschenk.

    Wir wissen jetzt, wo das alte Paar zweier Eichen steht, das einst den Eingang des Dorfes markierte und jetzt eher verloren im Straßenlabyrinth Wilmersdorf wirkt.

    Denn wir lernten, warum wir beide Probleme haben, uns zu orientieren. Die Straßen in Alt-Wilmersdorf verlaufen wirklich nicht, so wie Straßen in alten Dorfkernen normalerweise verlaufen, unser „so-funktioniert-Stadt“-Gefühl möchte etwas anderes als das was wir vorfinden – und wir lernten warum.

    Hilfreich war es hier, dass der Vortag von einer Dipl-Ing./Landschaftsbauerin gestaltet wurde, die gerade bei solchen Fragen „Wie funktioniert Landschaft? / Wie funktioniert Stadt?“ in ihrem eigenen Sweet Spot unterwegs war.

    Immer wieder spannend, die Erkenntnis, dass die gesamte Wilmersdorfer Geschichte und innere Geographie um den Wilmersdorfer See kreist – der einfach nicht mehr existiert. Aber natürlich zahlreiche Spuren in den Straßenzügen, den Grundstückzuschnitten und der Gliederung des Stadtteils hinterließ.

    Wir erfuhren nette Anekdoten: Zum Beispiel von der prachtvollen U-Bahn-Brücke über dem See, die wenige Jahre nach ihrem Bau wieder abgerissen wurde. Aber auch zur Geschichte der Eva-Lichtspiele selbst (ehemals Roland-Lichtspiele), die seit 1913 existieren.

    Gerne auch zum 13. Mal. Wobei aufgrund des großen Erfolgs das Eva-Kino jetzt eine ganze stadtgeschichtliche Vortragsreihe einmal im Monat veranstalten will. Es geht weiter mit U-Bahn, S-Bahn und Straßenbahn.

    Berlin – Rom – an Leuten reiben

    Durch den Vortag kennengelernt: Histomap Berlin, eine Website bei der mensch sich alte Berliner Städtpläne seit 1928 anschauen kann. Nett: Einfach eine Adresse eingeben und sich langsam durch die Geschichte des Grundstücks zoomen. Dabei gelernt: Das Stadtbad war bis zum Bau des Stadtbads 1961 gebäudefrei. Und das mitten im Stadtring. Eigentlich zogen wir halt doch aufs Dorf.

    Auffällig im Vortrag: eine Karte mit Berlin als Festung im 18. Jahrhundert mit Bastionen, Wällen, zackigen Mauern, wie es sich gehört. Denn in anderen Städten kann man diese Festung noch sehen (Frankfurter Wallanlagen, Hamburger Sternschanze, Leipziger Stadtring.) Aber in Berlin? Mit etwas Recherche fand sich der Spreegraben hing eng mit dem Grünen Graben der Festung zusammen, die Straße Am Festungsgraben, der Königsgraben/Zwirngraben oder auch der Köllnische Park und der Hausvogteiplatz ist das Innere des ehemaligen Sparr-Bollwerks/Jägerbastion.

    Was man mit den schräg laufenden Oberwall- und Niederwallstraße und der Ausstülpung des Platzes auch sehr gut sehen kann, wenn mensch mal drauf achtet.

    © OpenStreetMap-Beitragende

    Die Serie Suburra sehen heißt Rom-Sehnsucht bekommen. Das Gefühl hatten wir schon beim sehen und jetzt schreiben das auch ehemalige Römer. (Außerdem: Glitzer im Jugendzimmer)

    Gelernt: Herr Buddenbohm siezt seinen Haselanten.

    Fazit: ich kann mich jetzt an Leuten reiben. Und das war sehr lustig. Ich bevorzuge aber dann doch die „nur gucken!“-Version von Striptease.

  • 25-12-04 Eine Formalie in Kiew

    25-12-04 Eine Formalie in Kiew

    Zum Abschied noch einmal Hinterhof. Um 6:20h Uhr morgens hörten wir aus dem Schöneberger Schlafzimmer das Rumpeln der Müllabfuhr. Kurz danach ein eher lauter Wortwechsel auf dem Hof – einer der Stimme nach der Rüpel-Eumel-Hallodri von vor ein paar Tagen, der andere unbekannt. Stimmung: Unfroh.

    Beim späteren Nachsehen: Container so voll wie ehedem. Vermutung: Der Eumel-Hallodri wollte, dass die BSR irgendwas tun soll, und die Müllwerker haben ihm erzählt, was sie von seiner Eumel-Hallodrihaftigen Herangehensweisen an Sachen halten.

    Aber nicht mehr unser Problem, jetzt wieder aus der Ferne unser Entertainment.

    Unser aktueller Post-Schöneberger Stand: Madame stolperte beim Verlassen des Gebäudes über die Handtücher des Flip-Flop tragenden Frühschwimmers, der vor dem Haupteingang darauf wartete, dass endlich das Schwimmbad öffnet. Vermutlich war er genauso verblüfft, Madame zu sehen, wie umgekehrt.

    Niemand ist etwas passiert, nur allgemeine Verblüffung.

    So lange ich inmitten eines Kisten- und Möbelbergs sitze, will ich nicht sagen, dass der Umzug vorbei ist – aber zumindest stehen sämtliche Kisten und Möbel jetzt in Wilmersdorf. Wir verbrachten die erste Nacht in der neuen Wohnung.

    Es waren die beiden Tage des Umzugs.

    T-1

    Aus Gründen von Prozess-Bruch-Vermeidung und Faulheit beauftragten wir das Umzugsunternehmen HeldinTrans auch die ganze in-Kisten-Packerei zu übernehmen.

    Plan war auch: die Profis packen die Kisten an einem Tag, ersparen uns zumindest in der alten Wohnung, dass wir schon Wochen aus und in halb gepackten Kisten leben müssen. Das ging auf.

    Sie kamen um acht Uhr, fünf Mann, ich glaube ein ukrainisches-türkisches Team und sie packten und wickelten in Seidenpapier, LuPo1 und eine Art Frischhaltefolie und sie packten und wickelten weiter. Sie demontierten, schraubten auseinander2 und packten weiter.

    So weit wir sehen konnten, lief alles sehr sorgsam und bemüht, sorgsamer und definitiv mit sehr viel mehr LuPo und Frischhaltefolie und Klebebändern als wir sie benutzt hätten. „So viele Bücher!“ und so viel Seidenpapier-nötiges Geschirr.

    Madame verblüffte, indem die bewunderten „antiken Vasen“ keine 10 Jahre alt und außerdem von ihr selbst getöpfert waren.

    Wir lernten, dass Canapee offenbar das ukrainische und türkische Wort für Sofa ist.

    Denn wie Eisbären in stetig schrumpfenden Eis hatten wir uns auf dieses Canapee zurückgezogen. Das ist das eigentümliche, an der wir-lassen-packen-Konstruktion: Wir mussten zwar anwesend sein um im Zweifel Sachen zu entscheiden – ansonsten war aber das Beste, was wir tun konnten: Nicht im Weg rumstehen.

    So begannen wir am Küchentisch – bis sie Küche und Stühle einpacken wollten, und flüchteten weiter durch die Wohnung, bis uns nur noch das Sofa blieb. Eine schön-absurde-Situation: Wir beide auf dem Sofa, lesend, während um uns herum fleißig gearbeitet wird.

    So kam ich dazu, endlich weitere größere Teile von Dmitrij Kapitelmans Eine Formalie in Kiew zu lesen, Madame setzte ihre Zweitumrundung des Elizabeth-George-Kosmos fort.

    Um 13:40h waren sie fertig. (Wir „so schnell“, sie „so lange, so viel zu verpacken“), und wir beschlossen, dass die Wilmersdorfer Leere gemütlicher ist als das Schöneberger Kartonlabyrinth und begaben uns nach Wilmersdort. Immerhin gab es in Wilmersdorf schon Klapptisch und -stühle und Pflanzen und eine Möglichkeit, unbgegrenzte Mengen Kaffees zu machen.3

    T0

    Wenn das Umzugsunternehmen dreimal schreibt, dass sie um 9 Uhr kommen, dann kann mensch sich darauf verlassen, dass es um 8:15h klingelt und sieben Leute in Montur vor einem stehen.

    Es war ja schon fast alles demontiert und gepackt und vorbereitet, so dass es „nur“ noch um das Tragen ging. Vier Stockwerke hinab durch ein Treppenhaus. Wir beide wieder mit der ehrenvollen Aufgabe „nicht herumstehen“, was aber schwieriger war – die Wege waren durch die ganzen Kisten schmal geworden und bald schon waren auch die letzten Stühle und das Canapee in Folie verpackt – ergo unbenutztbar.

    Neben den existenziellen Schmerzen („Mein Leben! Was mache wir? Alles weg! War das eine gute Idee?) kamen irgendwann auch einfach Schmerzen durch stundenlanges Stehen hinzu. Lesen war im Stehen auch eher schwer geworden.

    Um 12:10h war die Wohnung leer. (Fast) all unser Hab und Gut befand sich ein Bord eines vollen 7,5 Tonners und einen drittelgefüllten 3,5 Tonners. Das Auspacken ging schnell. Nur noch ein Dreiviertelstockwerk von 1961 statt vier Altbaustockwerke. Die neue Wohnung ist zwar kleiner als die alte, aber doch größer als der LKW. Also war mehr Platz. Sie trugen hinein und bauten auf.

    Zwischendurch war es sehr gemütlich.

    Dann kamen die Kisten. Und sie hinterließen das Problem, dass wir die Schränke haben, um Zeug einzuräumen, aber gar nicht erst an die Schränke kommen, weil sie komplett zugebaut sind mit dem Zeug, das eigentlich in die Schränke soll.

    Die nächsten Tage wird wohl das Kistenumstapeln unser größtes Hobby.

    Um 15:16h war alles vorbei. Alle Möbel, Kisten und sonstiger Gruscht waren in die neue Wohnung und den neuen Keller verbracht. Alles war ordnungsgemäß unterschrieben und dokumentiert und dann war nicht nur alles vorbei, sondern auch alles fing an.

    Jetzt folgte die Wohnungsfreiligung. Aber das ist eine andere Geschichte. Die zumindest ich deutlich entspannter angehen werde, denn jetzt ist erstmal der Tunnel mit fester Deadline vorbei – erst einmal wird unser Leben derzeit stündlich wieder wohnlicher und angenehmer.

    Bücher mit Käse überbacken

    Im Dezember lernte ich: So ein kleiner Mittagsschlaf ist, als würde man den Tag mit Käse überbacken.

    Herr Rau und die Bücher.

    Krähen sind einfach cool. Hamburg-Korresponden Percy Puddletree bestätigt.

    Und in eben diesem Möbelhaus wurde ein Theaterstück aufgeführt. In der Küchenabteilung. Stühle hatten die ja genug, war kein Problem.

    Anmerkungen

    1. Offenbar der mehrsprachige Fachbegriff für Luftpolsterfolie ↩︎
    2. Selbst Sachen, wir wir gar nicht beauftragt hatten, sondern sagten, machen wir selber, wie zum Beispiel Wandregale abschrauben oder Billys von der Wand lösen. ↩︎
    3. Es war uns zwar gelungen, dem Umzugsteam die Kaffeemaschine wieder zu entreißen, aber auch mit nur einer Frühstücksportion vorgemahlenem Kaffee. ↩︎
  • 25-11-22 Ick bin ein ChaWiener

    25-11-22 Ick bin ein ChaWiener

    Endlich fand ich eine zweifellos sinnvolle Anwendung von ChatGPT. Es löst jetzt meine Captchas und ist dabei erfolgreicher als ich.

    Madame töpferte ein Seepferdchen nach Art eines mittelalterlichen Elefantenbildes. Allerdings steht ihr das Internet zur Verfügung und so konnte sie ihr Werk vor dem Abschluss noch einmal mit Bildern echter Seepferde vergleichen.

    Das Café Bilderbuch ist weg! Zumindest deutet Frau Karminrot das an und die Insolvenzmeldungen vom 11. August scheinen es zu bestätigen. Meine Reaktion „Oh gott! Sie haben das seelische Zentrum aus dem Kiez gerissen!“. Madame reagierte rationaler mit „Das sah schon lange so aus als sollte es mal überarbeitet werden, aber anscheinend war kein Geld mehr da.“ Passend dazu: Außerdem haben die Leute sich schon immer mit Lektüre wichtig gemacht. Schließlich wurde dafür extra das Café erfunden.– aber heute anders.

    Ich staune: Ich habe im Internet unseren Umzugswunsch bei der Telekom eingetütet und keine 10 Minuten später rief die zuständige Sachbearbeiterin mit sinnvollen Rückfragen und Informationen an. Bei o2 ist sowas nie passiert. Dafür stellt sich der neue anvisierte Stromanbieter tot. Na mal schauen.

    Es war ein Arbeits- und ein Prä-Umzugstag.

    Der Hof und der Müll

    T-10 bis zum Umzug. Wir verzehren die letzten Vorräte aus dem Gefrierschrank. Langsam häufen sich die Momente, in denen wir denken „Das letzte Mal, dass..“ oder „Bald nicht mehr..“

    Ein erfreuliches Bald-nicht-mehr wird auf jeden Fall der Abschied von den Haus-Hallodris. Die entpuppten sich zum Abschied noch einmal als rechte Rüpel-Eumel, als Madame höflich fragte, ob sie es sind, die seit neuestem das Hoftor abschließen und damit die BSR aussperren. Vermutlich getroffen in all‘ ihrer normal-vermüllenden Hallodrihaftigkeit – und gerade offenbar im Termin mit Opfern Kaufinteressierten – reagierten ein Hallodri mit Verbalaggression. Mon Dieu!

    Immerhin scheint ihnen durch das Gespräch aufgegangen, dass Müll-Berge im Hinterhof nicht dem Verkaufsclaim helfen, dass hier ein ordentlich-bürgerliches Haus steht. Passend zum Niveau und ihrem wir-scheuen-Kosten-und-Mühen-Anspruch versenkten sie den herumliegenden Müll jetzt erstmal im Papiercontainer. Mon Dieu!

    Mit der Dresdner Eisebahne

    Auch offiziell sind wir neue Menschen. Seit Freitag sind wir offiziell Bewohner des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf (ChaWi), im Personalausweis klebt ein neuer Aufkleber, seine elektronisch gespeicherten Daten wurden umprogrammiert.

    Zum Abschied fand der Termin in unseren ehemaligen Altbezirk Tempelhof-Schöneberg (TS) statt. Das einzig zeitnah verfügbare Bürgeramt lag an der Grenze von TS zu Brandenburg. Auf mit der Dresdner Eisenbahne ans südliche Ende Berlins nach Lichtenrade.

    Dort: eine epische Unterführung vom Ausmaß eines komplettem Kongresszentrums (siehe Der lange Anfahrtsweg der „Dresdner Bahn“) und ein backsteingeprägtes Ortsbild, dass in Madame sofort Norddeutschlandassoziationen weckte. Kaum sprache es aus, sahen wir eine Filiale des Lübeck/Hamburger Stadtbäckers Junge.

    Aber vor das Pain au chocolat hatte der Plan die Ummeldung gelegt. Das Bürgeramt sitzt im ehemaligen Christophorus-Kinderkrankenhaus. Nachdem wir gemeinsam mit der Sachbearbeiterin dem Start ihres Rechners beiwohnten, lief alles problemlos.

    Passend dazu besichtigte ich endlich die halbfertige Küche, wir brachten ein paar Sachen aus der Kategorie „Sperrig, empfindlich, nur selten benötigt“ aus der alten Wohnung in den neuen Keller.

    Nada

    Gelesen: Jean-Patrick Manchette: Nada – ein Buch, in dem die Akteure quasi immer überhastet, übereilt und spontan agieren, das in seiner Wirkung auf mich aber langsam zersetzend ist. Mit jedem Tag Abstand zur Lektüre denke ich mehr darüber nach und bin begeisterter.

    Paris, 1971, eine Stadt in grau und Dauerregen. Die Hoffnungen von 1968 sind zerstoben – aufeinander treffen eine wild zusammengewürfelte Gruppe der Links-Linken der Gruppe Nada zwischen Desillusionierung, sinnentleerter Gewalttätigkeit und dem Versuch sich an etwas festzuhalten und der Staat in Form emotionsloser Machtausübung.

    Nada entführt den amerikanischen Botschafter, ohne wirklich an Erfolg oder Sinn der Aktion zu glauben und wird im Anschluss vom französischen Staat in einer Schießerei plattgewalzt. Hoffnung hat niemand. Der einzige, der Freude empfindet, ist vielleicht der sadistische Kommissar.

    Fast ein Roman wie ein Gedicht – kein Wort zuviel: Die Szenen sind angerissen, die Dialoge auf das Notwendigste begrenzt, Stimmungen werden in zwei drei Worten gesetzt. Und doch, das deprimierte, graue, zynische Nach-68er-Paris so unfassbar gut getroffen. Ein Roman, für den ich fast ernsthaft französisch lernen möchte, um die Sprache im Original zu lesen.

    Direkt danach: Rainer Erler – Reise in eine strahlende Zukunft. Ein Politthriller von 1986 über Atommüll und Castor-Transorte. Auch kein schlechtes Buch. Aber im Vergleich zum Manchette davor halt, als hätte ich Foucault zur Seite gelegt und jetzt ein Gemeinschaftskunde-Lehrbuch ergriffen.

    Mit Dip, ohne Häuser

    Andere erleben Abenteuer, ich dippe. Immerhin erlebe ich Abenteuer ohne Ende, wenn ich versuche, die beim Dippen entstandenen Saucenflecken wieder aus den Shirts zu bekommen: Rote Beete-Raita

    Frau Blattspinat-U-Bahnverleih besuchte Mühlrose, das letzte für den Braunkohleabbau in der Lausitz abgerissene Dorf: und entdeckte ein Dorf ganz ohne Häuser: Nur mit Straßen, Hecken, erkennbaren Grundstückgrenzen und ganz besonders grünen Rasen auf dem ehemaligen Schwimmbadgelände: Das Dorf ohne Häuser

    Ein Lob des Performative Readings. (via Kieselblog)

    Biopics sind nicht meins. Aber diese Maria-Besprechung macht mich neugierig.

    Wer mit Katz fermentiert, fermentiert gut. Salzgurken bei Magentratzerl.

    Zum Abschluss: Forensic Accounting und KI

    Im Internet traf ich auf einen Artikel zum spannenden Thema KI und die Wirtschaft. Der Artikel hatte mich, als er von „Forensic Accounting“ sprach. Ansonsten ist er glaube ich dem größten Thema von LLMs / KI auf der Spur: Es verbrennt Millarden Dollar, die sich nirgendwo verdienen lassen:

    Nvidia invests in AI startups, startups commit to cloud spending, cloud providers purchase Nvidia hardware, Nvidia recognizes revenue, but the cash never completes the circuit because the underlying economic activity—AI applications generating profit—remains insufficient. (The Algorithm That Detected a $610 Billion Fraud: How Machine Intelligence Exposed the AI Industry’s Circular Financing Scheme)

    Was altbekannt ist, aber immer wieder wiederholt werden sollte:

    OpenAI, valued at $157 billion in its most recent funding round, reported $3.7 billion in revenue for 2025 according to The Information. The company simultaneously disclosed operating expenses of $13 billion, resulting in a $9.3 billion annual cash burn.

    Aber spannenderweise auch eine gute Nachricht für KI-Fans (wenn auch nicht für LLMs):

    November 20, 2025, represents an inflection point in financial markets. For the first time, algorithmic trading systems detected accounting fraud faster than human analysis. The 18-hour reversal from post-earnings euphoria to negative market territory reflects machine intelligence processing financial statement footnotes, calculating deviation from industry norms, and executing trades before human analysts completed their models.

  • 25-11-15 Röntenbildentsorgung im ersten Stock

    25-11-15 Röntenbildentsorgung im ersten Stock

    Die deutschen Boßelmeisterschaften 2026 werden am 15./16. Mai 2026 in/um Wesselburen stattfinden.

    Beim Vorbeifahren entdeckt: Ex-Lustgarten (Angebot genau wie der Name vermuten lässt) hat sich nach seiner Zwischenstation als Sonnenstudio inszwischen als Weiterbildungs- und Coachinginstitut wieder erfunden. Es bleibt ein Ort, wo Seelen sterben.

    Entdeckung: der Änderungsschneider Hauptstraße zwischen Sachsendamm und Lidl hat ein unglaublich verschmitztes Lächeln – ich bin Fan.

    Hinterhofgeschichten

    Das Schöneberger Haus schafft es, immer neue Umdrehungen der Seltsamkeiten zu schaffen. Nachdem unser Haus-Hallodris den Hinterhof jahrelang als Müllkippe nutzten und sich Scharmützel mit interessierten Obdachlosen lieferten, scheint eine neue Phase angebrochen.

    Auch das letzte Autowrack wurde entfernt. Bis auf unser eigenes Auto ist der Hof komplett leer. Die Durchfahrt zum Hof bekam einen neuen Anstrich und neue Lampen – und das Tor ist abgeschlossen. Also soll zumindest abgeschlossen sein: Da die Mieter zweier kompletter Hinterhäuser (und all ihr Besuch) durch dieses Tor durchmüssen, es außer dem physischen Schlüssel keine Öffnungsmöglichkeit gibt, ist es natürlich komplett absurd das Tor dauerhaft abschließen zu wollen.

    Der Zettel, der sagte, „das Tor muss abgeschlossen werden“ – wie üblich natürlich ohne Namen, Ansprechpartner oder andere erkennbare Absender – hing auf jeden Fall keine 24 Stunden.

    Arbeitshypothese: Die Hallodris wollen mal wieder irgendeinen weiteren Teil des Hauses verkaufen, und dafür soll es so wirken als wäre das hier ein bürgerliches und wohlanständiges Grundstück.

    *kicher*

    Wir werden beobachten.

    Und sind auch nicht komplett böse, in deutlich geregeltere Verhältnisse zu ziehen.

    Ein Versuch einer Rekonstruktion

    Eigentlich wären wir dieses Wochenende in Frankfurt/Oder und Słubice und würden Dota auf der Transvocale hören. Aber dann zogen wir den Lottogewinn einer neuen Wohnung und seitdem ist es alles etwas hektisch und unübersichtlich gerade.

    Aktuell ist unser Leben schneller als wir selber, wir beide sahen uns heute Nachmittag an „Das mit dem Pain au chocolat, das Frühstück, das war erst GESTERN?“

    Also: Dienstag – Arbeit, abends zum Recyclinghof Wilmersdorf, Bett und Elektroschrott wegbringen.

    Mittwoch: Madame holte Gemüsli. Ich: ????? (War das der Tag an dem ich versuchte, einen Stromvertrag für Wilmersdorf abzuschließen???. Ich glaube es war der Tag, an dem ich um haaresbreite bei einer dreistündigen Softwareschulung eingeschlafen wäre)

    Donnerstag: Mobiles Arbeiten. Der Piano-Express transportierte ein Piano ein paar Kilometer nach Westen. Warten auf Godot die Küchenlieferung 1 (sie blieb verschollen). Küchenlieferung 2 und 3 kamen perfekt nach Plan.

    Freitag: Morgens um sieben Küchenbauer und Estrichmeister in Empfang nehmen, Frühstück in der neuen Wohnung mit Pain au Chocolat vom S-Bahn-Backstand. Danach bin ich zur Arbeit, Madame bespaßte die Küchenbauer. Ab Mittags bis in den Abend hinein wir beide: Diverse Verhandlungen mit IKEA-Chat und Hotline wegen Nachlieferung und Nachmontage. Abends IKEA vor Ort (Oberschschrank besorgen)

    Samstag: Bücher aussortieren; Bücher wegbringen zu Oxfam; Elektro, CDs, Haushaltsblech, Batterien zum Recyclinghof Gradestraße; bei IKEA eine vergessene Unterschrankbeleuchtung besorgen. Treffen mit Zia sociale und Zio macchina, Wohnung zeigen, Essen in der Heidelbeere.

    Holen..

    Die Sache mit der Küche ist kompliziert. Mittlerweile habe ich inzwischen so oft IKEA-Menschen zu erklären versucht, warum es zwei verschiedene Teilaufträge für eine Küche gibt, dass ich es nicht mehr schreiben mag.

    Auf jeden Fall führte die Spezial-Konstruktion dazu, dass 114 Küchenteile in der neuen Wohnung liegen, zehn (darunter leider Kochfeld und Spülschrank) fehlen.

    Freitag also waren zwei großartige Küchenbauer vor Ort, die einen Top-Eindruck machten, viele Ideen hatten, anfingen ein paar Schränke zusammenzubauen – und feststellten, dass sie ohne Spülschrank und Kochfeld, die Arbeitsplätte nicht zusägen können, und ohne Arbeitsplatte, die Wandpaneele nicht anbringen können und deshalb auch keine Oberschränke. Das war wohl vorerst wenig.

    Auf jeden Fall hatten sie noch lustige Ideen, die Küche abseits des IKEA-Standards ein bißchen aufzupimpen, was uns noch zu diversen Materialnachkäufen veranlasste. Wir werden berichten.

    ..und Bringen

    Gibt es besseres Wetter, um zum Recyclinghof zu fahren, als Dauerregen im Dunkeln? Auf jeden Fall – es macht mehr Spaß, wenn wir trocken stehen und etwas sehen können.

    Gibt es stimmungsvoll passenderes Wetter? – Auf gar keinen Fall.

    Nachdem ich Dienstag bereits auf dem Miniatur-BSR-Hof in Wilmersdorf war (soo niedlich) also heute zur Mutter aller Recyclingshöfe nach Neukölln; dort wo direkt nebenan die echten Müllautos losfahren, dort wo ich vermutlich auch radioaktive Abfälle und Kriegswaffen entsorgen könnte.

    Samstag Nachmittag – beste Zeit. Erstmal standen wir 30 Minuten hinter einem Kuwaitischen Botschaftsauto in der Schlange bevor wir auf den Hof durften.

    Dann staunte ich, dass der Recyclinghof zweistöckig ist: Unten Elektro, Schadestoffe und komplexere Sachen – oben Holz, Metall, Sperrmüll, CDs, Röntgenbilder. Die Container für Holz, Metall und Sperrmüll stehen im Erdgeschoss, so dass man vom Sonnendeck aus die Sachen einfach nach unten werfen kann.

    Dann stellte ich fest, dass ich im strömenden Regen 200 CDs aus ihren Packungen pfriemeln sollte, damit sie getrennt entsorgt werden. Und ich freute mich, was alles getrennt gesammelt wird.

    Sollte ich jemals alte Röntgenbilder von mir entsorgen wollen, weiß ich wo der entsprechende Container steht.

    Immerhin festgestellt: Wir haben wirklich sehr wenig echten Gruscht in der Wohnung. Fast alles sind Sachen, von denen wir denken „Ist gut. Aber wir haben inzwischen etwas Ähnliches in Schöner.“ (Das gilt zum Beispiel für die fünf Meter Buch, die heute bei Oxfam landeten) oder es waren sentimentale Erinnerungsstücke, die bereits mehrere Sortierrunden überstanden hatten in den letzten Jahren.

    Viele davon hatte ich heute allerdings in der Hand, und dachte „die Erinnerungen an Orten, Zeiten, Personen sind soviel lebendiger als diese Stücke. Ich brauche sie wirklich nicht.“ Und so verließen mich mehrere Dutzend Konferenzbadges, sowie ausgewählte Kleinigkeiten aus Studiums- und WG-Zeiten. Und auch der Hausausweis beim Europäischen Parlament:

    Nicht mehr Teil dieses Haushalts. Der Ex-Brüsseler-Hausausweis des Europaparlaments.

    The Unknown and the Gumpert

    Thomas ranted, zurecht: Keiner braucht KI in persönlichen Blogs

    Wenn ich es dieses Wochenende schon nicht nach Frankfurt/Oder schaffe, kann ich nachlesen wie der Umblätterer dort vor ein paar Wochen eine Ausstellung besuchte: GKM in der Hansestadt Frankfurt an der Oder

    Watching Forever beschreibt einen Film (“The Unknown” von 1927) und zwei Gedanken sind in meinem Kopf (1) Wie um alles in der Welt, konnte ich Lon Chaney bisher verpassen! (2) Das Film wäre voll was für Herrn Rau.

    Herr Rau allerdings spielt währenddessen mit einem Schweinskopf.

    Margrit und Wally lesen vor. Und als hätte ich nicht gerade mehrere hundert Bücher entsorgt, denke ich “ das wäre schön, vielleicht antiquarisch?“: Die Unbehausten

    10 Jahre Jubiläumsschild „20 Jahre Friseursalon Gumpert“

  • 25-03-13 SOLL und IST

    25-03-13 SOLL und IST

    Ich erschlug die erste Stechmücke bevor ich den ersten Kaffee aufsetzte. Und für eine Innenstadtwohnung, zu Zeiten, die an Nachtfrost kratzen, ist das die falsche Reihenfolge.

    Die Dachbodenbaustelle sieht mittlerweile überzeugend nach fast-fertigem-Dachstuhl aus.

    Straßenszenen: ein Mann trägt einen kindsgroßen Kuschel-Halbmond über die Kreuzung. Davor eine polizeiliche Unfallaufnahme zwischen weißem Mercedes (tiefergelegt) und grauem Golf. Instinktiv will ich denken „Bestimmt war der Golf unschuldig.“ Aber so wie die Autos stehen, kann es nur anders herum gewesen sein.

    Die BSR streikt. Langsam wird es mühselig die Hinterhof-Müllcontainer unter dem Müllberg wiederzufinden. Aber da die BSR unter anderem auch für mein höchstpersönliches Gehalt streikt, stelle ich mich jeden Tag mit erhobener Faust vor die Container und singe die Internationale.

    Ich könnte auch endlich mal bei der Gewerkschaft eintreten. Aber das wäre zu einfach.

    Die BVG streikt nicht. Dennoch verschmäht der 248er schon wieder unsere Haltestelle und schon wieder aufgrund eines Wasserrohrbruchs auf dem Weg dorthin.

    Der Fernuni-Gebührenbescheid Sommersemester 2025 kam. Wenn alles nach Plan läuft, ist Knowledge Management (engl-sprachiges Modul) das letzte Modul für das ich im Bachelor Wirtschaftsinformatik bezahlen werde.

    Weiterhin staune ich, dass ein ganzes Semester bei einer staatlichen Universität dasselbe Geld kostet, wie etwa anderthalb Stunden Fortbildung bei einem kommerziellen Anbieter unklarer Qualität.

    Donald Trump veranstaltete vor dem Weißen Haus eine Tesla-Verkaufsshow. Und dafür dass wir gerade einmal in Monat 3 der Amtszeit sind, hatte das erstaunlich starke 4-Seasons-Total-Landscaping-Vibes.

    Wir veranstalteten ein neues Experiment zur IT-Wissens-Vermittlung in der Verwaltung und ich bin ziemlich happy über das Ergebnis. More to come.

    Ich veranstaltete unfreiwillig ein Experiment der Mittagspause am Schreibtisch. Hopefully not more to come.

    Ich komm nicht raus, entdecke vorm Büro aber einen unerwarteten Fernsehturmblick.

    Einsatzszenarien

    Die Informationsmanagement-Klausur rückt näher, und langsam versuche ich die Ganzhirnimmersion in strategisches Alignment, Unternehmensarchitektur-Referenzmodelle und das Standard-Datenschutz-Modell. Sollte ich die ganzen Nummern von ISO-Standards jetzt wirklich auswendig lernen?

    Immerhin: ISO/IEC 27001 Information technology – Security techniques – Information security management systems – Requirements kann ich schon fast auswendig aufsagen ohne sie bewusst gelernt zu haben. Auch erinnere ich mich im Zweifel mitten in der Nacht daran, dass 27001:1 die wirklich relevante Unternorm ist.

    Spannend weiterhin, zumindest einen Teil des Inhalts tagsüber in der Verwaltung direkt vor der Nase zu haben.

    Und wenn das Modul schon bei Fragen der Strategie und des Projektmanagements von SOLL und IST spricht, habe ich derzeit jeden Tag den Abgleich zwischen Informationsmanagement nach Lehrbuch (SOLL) und Informationsmanagement in einer realen Organisation des öffentlichen Dienstes (IST).

    Einige Verwerfungen des täglichen Lebens sind im Lehrbuch halt doch weg-abstrahiert.

    Holzschnitt-Bürgergeld

    Von Berlin aus denkt man ja manchmal, dass die Nordeuropäer viel zivilisierter sind als die eigene Umgebung. Nur um dann zu lesen, dass die Finnen sich mit neuen Straßenbahnen genauso anstellen wie Deutsche: Strassenbahn? Ja bitte!

    Wie konnte ich das bisher übersehen?: Schlossruine Dammsmühle.

    WIE KONNTE ICH DAS BISHER ÜBERSEHEN? Holzschnitte der Berliner Bäder.

    Bürgergeld und Mental Health – aus der Nähe betrachtet.

  • 21-01-11 Stand-Up Waddling

    21-01-11 Stand-Up Waddling

    Das Gerüst am Hinterhaus verschwindet. Es ist unklar, ob die Baustelle fertig ist oder der Bauherr kein Geld mehr hat. Unser Gerüst steht noch. Die dazugehörige sporadische Baustelle allerdings kehrte aus der Dezemberruhe nicht zurück.

    Die Deutsche Bahn möchte mit mir vielleicht ein einstündiges Onlinegespräch zum Thema „Bahn Bonus-Komfortsitze“ führen. Meine komplette Meinung zum Thema ist „Funktioniert halt nicht.“ Bleiben 59:30 Minuten übrig.

    Nick Saban hört nach 17 Jahren als Trainer der Alabama Crimson Tide auf. Damit geht einer der wichtigsten Trainer in 120 Jahren College-Football-Geschichte.

    Madame fuhr mit der Not-S-Bahn in die Hafenstadt.

    Die Bahn streikt, die S-Bahn betreibt einen Notverkehr. Die Busse sind entsprechend voll. Mein Fahrradschloss ist im Eise festgefroren. Also lief ich zu Fuß in die Verwaltung.

    Wobei ich heute morgen noch laufen konnte, mich freiwillig durch die Stadt begab. Dies sollte sich ändern.

    Dabei überquerte ich die Autobahnabfahrt auf der gerne die Letzte Generation festklebt. Kurz überlegte ich mich, mich dem Trend anzuschließen, mich auf die Abfahrt zu setzen und etwas zu blockieren. Ein Grund zur Demonstration und Beschwerung würde sich finden, und sei es dass es kalt und ungemütlich sei.

    Der Heimweg war schwieriger. Nachdem Bahn, Bus und Fahrrad bereits ausgefallen waren, war Nieselregen auf den Minus-Fünf-Grad-Boden gefallen und zu einer glatten Eisfläche gefroren. Zu-Fuß-gehen war nur noch schwerlich möglich. Über einen grasbewachsenen Mittelstreifen rettete ich mich bis zu einem S-Bahn-Ersatz-Bus, der mich die halbe Strecke nach Hause brachte.

    Der Rest: selten habe ich so langsam ein paar hundert Meter zu Fuß hinter mich gebracht; watschelnd in Mini-Schritten an den Hauswänden klebend. Selten habe ich dabei so gut sämtliche Muskeln trainiert, die für die Balance zuständig sind. Wenige Menschen waren auf der Straße, von denen viele rutschten und um ihr Gleichgewicht kämpften. Überraschenderweise sah ich niemand am Hinfallen.

    Noch leerer als die Straßen: Der Verkehrsübungsplatz.

    Epsilon ist winzig winzig klein

    Die Einsendeaufgaben sind durch. Gestern war die Deadline für die zweite Runde Aufgaben. Die hatte ich ja schon im November eingegeben und gespeichert. Aber erst jetzt sind wir im Stadium „nichts geht mehr.“ Ich hoffe, mein November-Ich war kompetent und errang genug Punkte, damit ich im März die Klausur in „Internes Rechnungswesen / Produktion und Logistik / Marketing“ mitschreiben darf.

    Natürlich konnte ich nicht widerstehen und belegte noch einen Kurs, der weder in Plan A Wirtschaftsinformatik, noch in Plan B Mathematisch-Technische-Softwareentwicklung formal eine Rolle spielt: Planen mit mathematischen Modellen. Aber er klingt spannend. Und inhaltlich auch passend. Und nicht zuletzt, er ist eine „wünschenswerte Vorbedingung“ für das Seminar dass ich dann im WS 24/25 belegen möchte. Ich will ja nicht in ein Seminar geraten und dann inhaltlich keine Ahnung haben, worum es geht.

    Noch aber bin ich gerade bei den Mathematischen Grundlagen unterwegs. Weiter unterwegs bei den reellen Zahlen und den Wurzeln mit Brüchen. Maxima und Minima kommen vor, Suprema und Infima und vor allem der winzig, kleine, unvorstellbar kleine Abstand ε, der eine nicht zu unterschätzende Rolle in vielen Beweisen spielt.

    Geld, das rätselhaft verschwindet und erscheint

    Da meine Konzentration immer nur für kleine Mathe-Dosen reicht, ruhe ich das Hirn zwischendurch indem ich durch das Blog-Konvolut der inzwischen 373 Jahresrückblicke schmöckere. Das ist nett und entspannend.

    Verschiedene Menschen bloggen. Aber es liegt eine starke Gewichtung auf bloggende Shepreneure, die achtsames Persönlichkeitscoaching betreiben. Gäbe es eine Wortwolke über alle dortigen Blogs, würde neben Achtsamkeit auch Hochsensibilität, Verbindung, Selbstwirksamkeit, Empowerment et cetera eine Rolle spielen. You get the vibe.

    Fast hätte ich beim Lesen allerdings das Lese-Spielzeug ruiniert, indem ich einen Schluck Tee darauf geprustet hätte. Der Satz in Jahresrückblick No. 286 kam unterwartet:

    Sich wirklich mit Geld zu beschäftigen und selbst die Verantwortung dafür zu übernehmen, bedeutet nämlich auch mal links und rechts über den Tellerrand zu schauen. Und wenn Du das tust, landest Du auf einmal beim Thema Krpytowährungen.

    Das wirkte so passend als würde ein Fußballkommentar zwischendurch Liebeslyrik von Rumi zitieren. Aber nachdem ich den Tee dann runtergeschluckt hatte wurde ich neugierig, wie The Gospel of Crypto in diesem Umfeld umformuliert würde.

    Kurze Antwort: Gar nicht. Es folgte überhaupt nicht The Gospel of Crpyto sondern das viel ältere Loblied des Multi-Level-Marketings aka Schneeballsystem. Ein unseriöses Geschäftsmodell, dass sich als anderes unseriöses Geschäftsmodell tarnt. Irgendwo auch faszinierend. Aber falls jemand in Eurer Nähe die GamesCoin erwähnt: Rennt!

    Auf den ersten Blick seriöser ist Fujitsu. Das Unternehmen allerdings verursachte einen Skandal, der das Vereinigte Königreich in Atem hält. Über Jahre hat die Horizon-Finanz-Software, von Fujitsu für das britische Post Office erstellt, falsche Zahlen geliefert. Hunderte Betreiber*innen einzelner Postfilialen wurden verklagt, zu Gefängnisstrafen verurteilt, in den Ruin gefrieben, in den Suizid getrieben, da sie angeblich Geld unterschlagen hatten – Geld, das nie fehlte, aber von der Software erfunden wurde. Es ist so unglaublich. Der Fall sollte bitte Curriculums-Pflichtinhalt in der Wirtschaftsinformatik werden.

    Schwarzwald-Jungfernstieg-Israel

    Frau Herzbruch entdeckt Plotholes in Schwarzwaldklinik – Die neue Generation

    Herr Buddenbohm würdigt den Yüksel-Mus-Platz

    Lila trifft sich mit dem Team vom Kindergarten Charuv, der seit dem 7. Oktober im Kriegsgebiet liegt.