2026-01-24 Lichtbildvortrag am Samstag

Die Schokoladenhersteller verramschen ihre Pistazienvorräte. Dank eines nahen Mindesthaltbarkeitsdatums und des dazu gehörigen Rabatts konnte auch ich mir eine Dubai-Schokolade leisten. Schmeckt wirklich fein. Aber ist, wenig überraschend, den Hype nicht wert.

Das Café Toskana mit der italienischen Auslage im Schaufenster bot im Innern Menemen und Sucuk-Frühstück an. Sizialinische Cannoli gab es aber auch.

Mir träumte, ich sähe eine Fernsehsendung in der erläutert wird, dass Urlaub eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers ist und jederzeit gestrichen oder umgelegt werden kann. Obwohl dies technisch als Alptraum zählt, nahm ich das im Traum als selbstverständlich hin. Ich muss ein ernsthaftes Wort mit meinem Traum-Ich reden.

Dem Kaptain träumte, ich schreibe mein Buch. Sehr viel besser.

Es war ein Exkursions-Arbeitstag und ein Stadtgeschichts-Samstag.

IKEA-Regale sind aus Holz

Zwischen die verschiedenen Anlässe des Vorwochenend- und Wochenend-Entertainments setzte die Welt einen Ausmistausflug. Die Übergabe der Schöneberger Wohnung naht jetzt wirklich. Noch gibt es einige Kleinigkeiten zu erledigen: Letzte Bohrlöcher schließen, putzen und wienern und wieder putzen und Reste entfernen: Die abgenommenen Galerieschienen und Gardinenstangen, drei Dosen mit Lösungsmittel von 2010, letzte mit Erde gefüllte Blumenkübel.

Also schruppten wir und stiegen auf Leitern, schleppten Zeug nach unten und stopften es um Madame herum ins Auto. Es folgte kurzer Weg nach Neukölln-Süd zum Wertstoffhof Plus, an dem wir uns in die übliche Samstagabend-Schlange stellten. Auf dem Hof führte ich noch eine kurze Diskussion ob die Galerieschienen aus Metall sind (ja!). Ich ließ mich vom BSR-Personal überzeugen, dass alte IKEA-Regale wirklich aus Holz gefertigt sind und dementsprechend über den Altholz-Container entsorgt werden sollen.

Nach der Heimkehr chillen und Sauerkraut-Raclette.

Next stop Springfuhl

Hurra! Dienstreise! Also fast. Meine Fahrzeit hätte fast gereicht, um nach Hamburg zu kommen. Als rein Berliner Unternehmung reichen unsere „Reisen“ aber eigentlich nie über den Tarifbereich B der BVG hinaus. Ich fuhr vom Südkreuz (Schöneberg) zum S-Bahnhof Springfuhl (Marzahn). Ich hatte mir selbst einen Badbesuch gesichert. Diesmal in der Schwimmhalle „Helmut Behrendt“, einer spannenden Sportschwimmhalle aus der späten DDR, wo sich heute gefühlt halb Marzahn trifft. (und meinem persönlichen Eindruck nach: Die nettere Hälfte).

Ein wenig IT machen, ein wenig mit den Leuten vor Ort plaudern und viel viel über den Badbetrieb lernen. Ich staunte, was ich alles lernte. Nebenbei strich ich auch die Einladung ein, mal so vorbeizukommen und einfach die Büroräume im Bad (mit denen dies ausnahmsweise gesegnet ist) zu nutzen, um ganz normal zu arbeiten.

Es klingt verlockend. Auf jeden Fall schicker als der normale Bürobau. Und von der Wohnung im Schwimmbad zum Büro im anderen Schwimmbad – ich bin stark versucht.

Vom Seebad zur Kreuzung

Wenig überraschend derzeit: Ich war Samstag in einem Kino.

Überraschender: Kein Film lief. Das Kino, die Eva-Lichtspiele Wilmersdorf, gehören auch nicht zur Yorck-Gruppe.

Es lief ein heimatkundlicher Vortrag. Der „12. Lichtbildvortrag zur Geschichte Wilmersdorfs.“

Am überraschendesten: Ein großer alter Kinosaal mit 250 Plätzen war auch bei diesem 12. Vortrag komplett ausgebucht.

Dipl-Ing. Christina Kautz führte bereits zum 12. Mal durch die Geschichte und Geographie Wilmersdorf „Vom Sackgassendorf zum Großstadtbezirk“. Für uns als Neu-Zugezogene war das natürlich ein Geschenk.

Wir wissen jetzt, wo das alte Paar zweier Eichen steht, das einst den Eingang des Dorfes markierte und jetzt eher verloren im Straßenlabyrinth Wilmersdorf wirkt.

Denn wir lernten, warum wir beide Probleme haben, uns zu orientieren. Die Straßen in Alt-Wilmersdorf verlaufen wirklich nicht, so wie Straßen in alten Dorfkernen normalerweise verlaufen, unser „so-funktioniert-Stadt“-Gefühl möchte etwas anderes als das was wir vorfinden – und wir lernten warum.

Hilfreich war es hier, dass der Vortag von einer Dipl-Ing./Landschaftsbauerin gestaltet wurde, die gerade bei solchen Fragen „Wie funktioniert Landschaft? / Wie funktioniert Stadt?“ in ihrem eigenen Sweet Spot unterwegs war.

Immer wieder spannend, die Erkenntnis, dass die gesamte Wilmersdorfer Geschichte und innere Geographie um den Wilmersdorfer See kreist – der einfach nicht mehr existiert. Aber natürlich zahlreiche Spuren in den Straßenzügen, den Grundstückzuschnitten und der Gliederung des Stadtteils hinterließ.

Wir erfuhren nette Anekdoten: Zum Beispiel von der prachtvollen U-Bahn-Brücke über dem See, die wenige Jahre nach ihrem Bau wieder abgerissen wurde. Aber auch zur Geschichte der Eva-Lichtspiele selbst (ehemals Roland-Lichtspiele), die seit 1913 existieren.

Gerne auch zum 13. Mal. Wobei aufgrund des großen Erfolgs das Eva-Kino jetzt eine ganze stadtgeschichtliche Vortragsreihe einmal im Monat veranstalten will. Es geht weiter mit U-Bahn, S-Bahn und Straßenbahn.

Berlin – Rom – an Leuten reiben

Durch den Vortag kennengelernt: Histomap Berlin, eine Website bei der mensch sich alte Berliner Städtpläne seit 1928 anschauen kann. Nett: Einfach eine Adresse eingeben und sich langsam durch die Geschichte des Grundstücks zoomen. Dabei gelernt: Das Stadtbad war bis zum Bau des Stadtbads 1961 gebäudefrei. Und das mitten im Stadtring. Eigentlich zogen wir halt doch aufs Dorf.

Auffällig im Vortrag: eine Karte mit Berlin als Festung im 18. Jahrhundert mit Bastionen, Wällen, zackigen Mauern, wie es sich gehört. Denn in anderen Städten kann man diese Festung noch sehen (Frankfurter Wallanlagen, Hamburger Sternschanze, Leipziger Stadtring.) Aber in Berlin? Mit etwas Recherche fand sich der Spreegraben hing eng mit dem Grünen Graben der Festung zusammen, die Straße Am Festungsgraben, der Königsgraben/Zwirngraben oder auch der Köllnische Park und der Hausvogteiplatz ist das Innere des ehemaligen Sparr-Bollwerks/Jägerbastion.

Was man mit den schräg laufenden Oberwall- und Niederwallstraße und der Ausstülpung des Platzes auch sehr gut sehen kann, wenn mensch mal drauf achtet.

Die Serie Suburra sehen heißt Rom-Sehnsucht bekommen. Das Gefühl hatten wir schon beim sehen und jetzt schreiben das auch ehemalige Römer. (Außerdem: Glitzer im Jugendzimmer)

Gelernt: Herr Buddenbohm siezt seinen Haselanten.

Fazit: ich kann mich jetzt an Leuten reiben. Und das war sehr lustig. Ich bevorzuge aber dann doch die „nur gucken!“-Version von Striptease.