26-01-27 Address to a Haggis (Letzte Putzrunde)

Ich habe eine DJ-Anfrage von „Oskar“ für ein „House Event in Berlin Schöneberg mit exklusivem Publikum.“ Es werden 200-300 Gäste erwartet, der DJ allerdings soll nicht ganz so exklusiv sein, der wird nach dem Tarif „Günstiger DJ für private Feiern“ bezahlt. Ergo 400-700€.

Allerdings bin ich weiterhin kein DJ. Ich gebe zu, eine freiberufliche Tätigkeit, bei der mir mittlerweile täglich mehrere Angebote eingehen, hatte ich auch noch nie. Vielleicht sollte ich doch noch „günstiger Freizeit-DJ“ werden.

Der Ex-Wiener Feinbäcker am Südkreuz verwandelt sich in Dreißig bei Wöllhaf. Oder anders gesagt: Ein Bahnhofsdienstleister (Wöllhaf) verkauft mit seinen Leuten Lizenzprodukte einer sächsischen Traditionsbäckerei.

Das Festnetztelefon befindet sich wieder auf dem Rückweg. Alcatel-Mobilteil und Fritzbox-Basis mochten sich nicht. Also werde ich wohl in den Sauren Apfel der Langeweile beißen, der da heißt Gigaset.

In den Kisten tauchten viele viele alte Laptops auf. Ich werde mich irgendwann doch mit der Komplettlöschung ihrer Festplatten beschäftigen müssen und dann 20 Kilo Laptop zur BSR bringen.

Per Signal kam eim Foto eines handgeschriebenes Rezepts für Vegetarian Haggis.

Es war ein Sonntag des Aufräumens und Ausgehens und ein Arbeitsmontag des Eises.

The Leiter has left the building

Jetzt ist sie leer, leer. Und wir sind wieder heraus, heraus. Die letzte Schöneberger Aufräum- und Ausmistaktion ist beendet. Die alte Wohnung ist bereit für die Übergabe.

Am Ende trug Madame den Putzeimer voller Schmutzwasser vier Stockwerke hinunter bis zum nächsten Gulli, um nicht mit ihm wieder durch die gewienerte Wohnung zu müssen.

Die große Leiter zum Erreichen von Altbau-Decken und -Gardinenstangen liegt im Auto und wartet auf ihre endgültige Übersiedlung auf die Latifundien, ebenso wie diverse Bretter aus mutigeren Regal- und Schrankbefestigungskonstruktionen und der Zweitstaubsauger.

Zuletzt merkten wir, dass weder das Opern-Plakat an der Tür außen noch der Stadtplan an der Tür innen zum unverrückbaren Bestand der Wohnung gehören, sondern einst von uns angebracht wurden. Gerne hätte ich den Stadtplan gerettet. Der ist mittlerweile historisch – vieles hat sich seitdem in der Stadt geändert; und der produzierende Verlag wurde im Februar 2025 aus dem Handelsregister gelöscht.

Aber natürlich: Ein Stadtplan, der fast 17 Jahre an einer Tür geklebt hat, lässt sich nicht zerstörungsfrei von dieser Tür entfernen.

Cragganmore ist komplexer als Irn-Bru

Für mehr Lyrik im Restaurant!

Sonntagabend führte uns der Weg ins Brlo Charlottenburg zum Burns Supper mit Gieza Poke. Ein Lob mit Bekanntschaft mit schottischer Verwandtschaft.

All mein Wissen über das Burns Supper habe ich aus der Wikipedia. Es ist ein lustiger, mehr oder weniger ritueller Abend zur Feier des schottischen Nationaldichters Robert Burns, der seit 1801 jährlich weltweit am 25. Januar begangen wird, wenn sich genug Freunde Schottlands finden.

Unser Abend war nicht ganz so formal, wir waren ja in Berlin, die Schotten und ihre Nachfahren waren in der Minderzahl, und eine Moderation durch eine Drag Queen ist im Original auch nicht vorgesehen. Aber so fröhlich und warmherzig wie man es sich von Schott*innen beim Feiern vorstellt.

Es gab Essen: Cullen Skink, Haggis mit Neeps und Tattie und zum Nachtisch Cranachan. Es gab natürlich auch Getränke: Bier (wir waren ja bei einer Craft-Bier-Brauerei zu Gast), das offizielle schottische Nationalgetränk Whisky (Bowmore, Cragganmore, Dalwhinnie) und das echte schottische Nationalgetränk Irn-Bru.

Und es gab Programm. Gieza Poke in formvollendeten Outfit begann mit Ausspracheübungen des Scots (das ch..). Es folgte Lyrik, Dudelsackmusik vom Band, die Address to a Haggis samt ritueller Haggis-Anschneidezeremonie und mehr Lyrik. Dann auch vorgelesen von den deutschen, englischen und schottischen Gästen. Als das Pub Quiz zu Robert Burns begann, brachen wir auf, der frühe Wecker nervt den Feierenden.

Zum Abschluss erfuhren wir: Das Ganze war ein Event der Brlo-Azubis, die quasi alles vom Konzept bis zu Service und Küche vor Ort selber gemacht haben – Chapeau.

Encore:

Fair fa‘ your honest, sonsie face,
Great chieftain o‘ the pudding race!
Aboon them a‘ yet tak your place,
Painch, tripe, or thairm:
Weel are ye wordy o‘ a grace
As lang’s my arm.

Ye Pow’rs, wha mak mankind your care,
And dish them out their bill o‘ fare,
Auld Scotland wants nae skinking ware
That jaups in luggies;
But, if ye wish her gratefu‘ prayer,
Gie her a haggis!

(Robert Burns: Address to a Haggis)

Es rutscht

Parkplatzausblicks-Entertainment: das Eisballett des kleinen Schneeräumfahrzeugs. Also so balettig wie ich Ballett tanzen würde. Wegen des großen Erfolgs beschloss der Winter 2025/2026 eine Wiederholung des Features Blitzeis, und diesmal even more extreme.

U-Bahn-Geländer, die von einer Eisschicht wie von Glas überzogen waren. Dito Ampeln, Laternen und Oberleitungen. Eine Tram, die zwei Tage lang nicht fährt. S-Bahn und U-Bahn am Montagmorgen in Teilstücke zerfallen. Madames Weg in die Hafenstadt verdoppelte sich. Während Berlin zum Gehen ungemütlich war, entpuppte sich die Hafenstadt als blanke Eispiste.

Ich hatte mehr Glück, mein Weg war kurz genug, um innerhalb eines der Zerfalls-Teilstücke der S-Bahn zu liegen. Aber es war ein Tag, an dem wir keinen Schritt aus dem Gebäude heraus machten, der nicht nötig war.

Gut, dass der Weg zum Schwimmbad, keinerlei Außentätigkeiten enthält. Madames Besuch Nummer 9. Ich liege weit zurück. (Damit 4,22€ pro Besuch).

Zum Aufwärmen: Dampfnudeln mit Vanüllesauce.

Gossip-Manzai

Passend zum Festnetztelefon: Die Gossip Bench, das kombinierte Mid-Century-Möbel zum Sitzen und Telefonieren. (#5)

I had no idea: Japans Comedy-Szene live: Manzai

4 Gedanken zu „26-01-27 Address to a Haggis (Letzte Putzrunde)“

  1. Haggis esse ich nicht ungern, hab’s aber noch nie selber gemacht; der Aufwand des Besorges scheint mir sehr groß. Deshalb interessiert mich die vegetarische Version, vielleicht nach ersten Erfahrungen.

    Mein Zwillingsbruder ist Pipe Major einer Dudelsackband, der kriegt immer wieder mal Burns Nights mit. Selber habe ich nur einmal eine an der Uni erlebt, von Studierenden und Faculty organisiert, auch wie oben beschrieben, nur ohne Cullen Sink und an einen Nachtisch kann ich mich auch nicht erinnern. Aber wir haben getanzt, ein bisschen, schottisch-irische Volkstänze. Das war schön.

    1. Ja, wir haben tatsächlich auch schon das Nachfolgemodell, wir müssen es nur wieder finden. Und das gewohnte Format gibt es leider nicht mehr.

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