Schlagwort: Döner

  • 26-05-09 cellphones are NOT REAL

    26-05-09 cellphones are NOT REAL

    Auf der Kreuzung: Sushi.

    Lachs und Reis hielten noch zusammen, wirkten aber verloren auf der schwarzen Fahrbahn.

    *

    Für mehr Zylinder mit Totenkopfmotiven in der Bahn. Für mehr Transport von duftendem Obst.

    In der Ringbahn: Ein Radfahrer mit leicht blutendem Finger stieg ein, sofort sprang eine Reisende mit Rollkoffer auf und bot ihm ein kleines Pflaster aus ihrem Vorrat.

    *

    Madame übersetzte einen Liszt-Sonaten-Artikel für Wikipedia.

    *

    Die neuen Saisonkräfte für die Freibadsaison arbeiten sich ein. Es ist mir seit Jahren nicht mehr passiert, dass ich in dieser meinen Organisation ganz leicht von oben herablassend gesiezt wurde.

    Im Schwimmbadfoyer, ein Erwachsener fragte ein kleines Mädchen, ob sie noch ein Schwimmabzeichen machen wird. Sie, sehr schüchtern: „Ich kann nicht. Ich hab schon Silber.“

    *

    Der Parkplatzfuchs ist jetzt zwei Füchse. Donnerstagabend entdeckte ich großen Fuchs und eine halbe Länge schräg dahinter einen kleinen Fuchs, auf dem Parkplatzgarten. Wie schön.

    *

    Es waren zwei klavierkonzertfreie Arbeitstage zwischen Neukölln und Hohenschönhausen.

    Die Auferweckung der reitenden Leichen

    Nach dem netten Schreibwettbewerbswochenende überlege ich, mal wieder an der Wikicon teilzunehmen. Die liegt ausnahmsweise nicht an meinem Geburtstagswochenende, sondern findet vom 18. bis 20. September in Regensburg statt.

    (Hinweis: Auch wenig oder nicht-Aktive Wikipedia-Interessierte sind sehr willkommen).

    Wenn ich schon hinfahre, kann ich auch etwas anbieten. Derzeitig unter dem Arbeitstitel: „Die Auferweckung der reitenden Artikelleichen.“ Es soll eine Art Workshop werden (vor Ort, vermutlich mit Vorbereitung schon online onwiki), zum Thema „Wichtige Artikel, die sehr schlimm veraltet sind.“

    Leider hat Wikipedia mehr dieser Artikel als die Community jemals wird überarbeiten können.

    Deshalb der Workshop: Ziel ist es zu erarbeiten, welche der Artikel den größten Schmerz verursachen. Ziel soll es sein, einerseits eine Einigung zu haben, was am meisten Schmerz verursacht (Zentraler Artikel, Aktuelles Thema, keine Quellen, Inhaltlich stark veraltet) und eine Liste mit 10 am meisten schmerzenden Artikeln.

    Mit dem Ziel: Wir zeigen uns auf der Wikicon 2027 wie stark sie sich verbessert haben.

    Hohenschönhausen

    Ende letzter Woche war das Bundesfinale Jugend trainiert für Olympia in Berlin. Ich merkte dies, weil ich meine Tram Richtung Sportforum Hohenschönhausen mit diversen Gruppen Jugendlicher mit Jacken wie Sportland NRW oder Team Schleswig-Holstein oder „schwarz-aber-auf-einem-Koffer-steht-handschriftlich-Cottbus“ teilte.

    Mit mir zusammen reisten die besten Schul-Jugendhandballmannschaften Deutschlands in der Tram an. Denn das Sportforum hat nicht nur eine Schwimmhalle des Olympiastützpunktes Schwimmen (mein Ziel), sondern auch eine Eislaufbahn, eine Bogenschießanlage, eine Rollschuhbahn und eine große Sporthalle zum Beispiel für Handball.

    Ich aber wollte weder Handball spielen noch schwimmen, sondern mal wieder in ein Büro. Der eigentliche Grund meiner Anwesenheit lief erfreulich schnell und glatt ab, und weil ich gut in der Zeit lag und es Freitagmittag war und die BBL (Badbetriebsleitung) super ist, bekam ich noch eine kleine Führung durch die Anlage:

    • Mit dem großen 50-Meter-Becken
    • Und dem Sprintbecken für Startübungen
    • Und der Gegenstromanlage
    • Und dem ehemaligen Sprungbecken und und dem anderen ehemaligen Sprungbecken
    • Und der ehemaligen 50-Meter-Schwimmhalle in deren umgebauten Ex-Becken jetzt die Bogenschützen trainieren
    • Und dem Technikkeller: größflächiger und heller als in „unserem“ Bad, aber mit all den Rohren, Pumpen, Filtern und Leitungen immer wieder faszinierend.
    • Sehr faszinierend: Die Leinensäcke: Die Bahnleinen hängen unter dem Becken in großen Säcken und können von oben herausgezogen werden.

    Nur schwimmen dort wird schwer. Für Training am Olympiastützpunkt reicht es bei mir nicht.

    Karl-Marx-Döner

    In der U-Bahn-Station Karl-Marx-Straße in Neukölln eine Kunst-Installation, irgendwas kritisches zur neuen Zeit mit Handies und Handy-Hüllen und so. Groß wird es allerdings erst, wenn die Installation in direkten Dialog mit ihrer Umgebung, einer Neuköllner U-Bahn-Station tritt, und zweisprachig verkündet „cellphones are NOT REAL / handy sind ATTRAPPEN“.

    Vorher: Karl-Marx-Straße. Beste Hauptstraße Neuköllns; weniger langweilig als die Hermannstraße, diverser als die Sonnenallee, Karl-Marx kann Hipster und little Arabia gleichzeitg.

    Vorher: Der türkischsprachige Film hatte mich inspiriert, ich setzte mich in einen Dönerstand, aß ganz hervorragenden Döner und freute mich am älteren enthusiastischen Alleintouristen aus Süddeutschland, den das alles etwas überforderte, der aber mit großer Begeisterung seine Halal-Currywurst aß.

    Vorher: Saal 3 im Passage-Kino. Der große Fernsehsaal. Ich werde mir merken, in diesem Saal nur noch die ersten drei Reihen zu buchen. Berlinale-2026-Gewinner Gelbe Briefe von İlker Çatak lief im After-Work-Kino um 18.10h.1 Ein Film, der viele Vorschusslorbeeren einsammelte, meinem Eindruck nach nach seinem echten Kinostart aber eher sang- und klanglos versackte.

    Ich verstand warum.

    Ein Film über Staatskunst

    Gelbe Briefe hat zehn richtig gute Minuten. Leider muss man knapp zwei Stunden auf sie warten, und der gute Filmpart kann sich nicht bis ins Ende retten.

    Gelbe Briefe handelt von einem Künstlerehepaar (Sie, Derya: Schauspielerin, Er, Aziz: Drehbuchschreiber mit Unilehrstuhl), die in einer autorität regierten Türkei leben. Genaue Details zum politischen System bleiben eher vage.

    Sie eiern sich so durchs System wie es die meisten Menschen machen würden: Mit genug Meinung, um noch in den Spiegel sehen zu können, aber angepasst genug um noch auf der „richtigen“ Seite der roten Linie zu sein, es reicht für die Stelle am Nationaltheater und an einer staatlichen Universität.

    Dann passiert etwas Politisches im Hintergrund. Die rote Linie verschiebt sich. Plötzlich finden sich die beiden auf der falschen Seite wieder. Sie verlieren Jobs und Wohnung, sie ziehen zusammen mit ihrer 14jährigen Tochter Ezgi zu seiner Mutter in die Wohnung nach Istanbul und eiern dann dort genauso herum, nur unter finanziell schlechteren Umständen.

    Verpasste Chancen

    (1) Er könnte das Herrschaftsinstrumentarium zeigen, wie sich die Schlinge um sie zusammenzieht, wie Freunde auf Abstand gehen, die Familie sich in Sicherheit bringt etc.Das passiert nicht: Die Schilderung des Downfalls bleibt schematisch,. Ihr gesamtes soziales Netz bleibt erhalten. Die Kleinfamilie beginnt Streit untereinander, aber nie so sehr, dass es bedrohlich wirkt, immer mehr: so streiten halt Familien. Ja, vom Unilehrstuhl zum Taxifahrer ist ein Fall. Aber ich konnte den Gedanken nicht ablegen, dass es genug Künstler gibt, die auch ganz ohne autoritäte Regime Odds Jobs arbeiten müssen, um ihr Leben zu finanzieren.

    (2) Der Film könnte das Rumeinern thematisieren. Also: wieviel Stolz ist möglich? Wieviel ist nötig? War ihr Verhalten vor dem Absturz eigentlich okay? Wie gehen sie mit der Situation um? Das Thema steht eigentlich im Raum, wird aber nie so wirklich thematisiert. Einige alte Weggefährten, schon länger auf der „falschen Seite“ sprechen es kurz an, nie aber wird es wirklich Thema.

    Nur zehn Minuten lang, Derya bekommt ein Angebot als Hauptrolle in einer erschlechten Soap Opera, wenn sie Präsidentenfeindliche Social Media Posts löscht, wird es thematisiert: Wie steht Selbsterhalt und Unabhängig im Verhältnis zu politischen Prinzipien? Ist es Politik was Aziz macht oder nur Ego? Die beiden streiten direkt vor der Tochter, und es wird spannend. Die Tochter rennt davon und Aziz wirft sofort alle Prinzipien über den Haufen, um Kontakte zur Polizei zu nutzen, um die Tochter zu finden.

    Da tut es mal weh, da wird nicht nur geeiert.

    Und nachdem Ezgi wieder gefunden wurde, haben sie alle wieder lieb und eieern halt weiter durch ihr Leben.

    Mein Bauchgefühl ist, dass Çatak zu viele türkische Freund*innen hat, denen ähnliches wiederfuhr und die ihm gegenüber seinen Filmfiguren zur Beißhemmung führten. Irgendwie ist der Film dauerhaft zu nett zu ihnen.

    Links

    Im Nu hatte ich meine stets bereite Wikipedia-Präsentation (Obsidian) gezückt

    ##

    Juna bei einer Kurator:innenführung für Internetmenschen im Deutschen Historischen Museum: Ausstellungsbetrachtung: Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung des dhm Berlin

    ##

    Wir hörten ein rauschendes Klavierkonzert. Nein, anders: Wir versuchten ein Klavierkonzert in Deutschlandfunk Kultur während der Fahrt zu den Latifundien zu hören, das UKW-Rauschen des Autoradios machte aber jedes Hören zunicht. Zum Glück leben wir im Zeitalter der Mediatheken: Marc-André Hamelin beim Berliner Klavierfestival

    ##

    Wo wir bei Hamelin sind: ein Fundstück. Hamelin erklärt auf Youtube warum nahezu unspielbare Stücke nahezu unspielbar sind: Super-Virtuoso Breaks Down 9 Impossible Piano Pieces (ft. Marc-André Hamelin)

    ##

    was es alles nicht mehr gibt in der großen stadt [Berlin]. eine unvollständige liste.

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 23 – 10,35€ pro Kinobesuch. ↩︎

  • 26-04-09 Schaf und Change

    26-04-09 Schaf und Change

    Die Verdachtskirsche vor dem Fenster ziert sich weiterhin mit dem Aufblühen. Vermutlich ist es eine Zierkirsche.

    **

    Wenn der Fachbegriff für eine Rolltreppe eigentlich Fahrtreppe ist, ist dann ein Rollstuhl auch eigentlich ein Fahrstuhl?

    **

    Kommen se herein! Hier geht es ab! Hier geht die Luzi! ABENTEUER! Jede dritte Runde gibt eine Extrarunde der besten Wortspiele! Für alle, für Hund, Katze und Kind, hier bleibt kein Auge trocken!

    **

    Gegen den blauen Himmel zur blauen Stunde, das Blau nur unterbrochen vom leuchtenden Abendstern, wirkt selbst der Schattenriss einer fliegenden Stadttaube romantisch.

    **

    Zu Loben ist der Friseur Haarstelle um U-Bahnhof Blissestraße, der nicht nur einen Spontantermin für den Kaptain hatte, und sie liebevoll umsorgte wie es zum Staunen ist, sondern dem auch noch eine ganz ausgezeichntete Frisur gelang. Chapeau!

    Genauso erfreulich ist die Abenteuerlust des Kaptains, unterstützt von Madame.

    **

    Es waren drei Besuchstage der Arbeit mit Außeneinsatz.

    Um Berlin drumherum

    Im rbb las ich, dass fast alle Rolltreppen am Südkreuz wieder gehen. Im Südkreuz selber hörte ich den Ausruf der Verzweiflung „Sind denn hier überhaupt keine funktionierenden Rolltreppen!“

    Der Wikipedianer in mir hätte gern alle vier funktionierenden Rolltreppen gezeigt, wenn er nicht das Gefühl gehabt hätte, die Frage wäre rhetorisch gemeint.

    Alles unverändert – ein Bahnhof der Absperrungen.

    Neu, und hoffentlich wirklich kurzfristig ist nur, dass dieser Bahnhof zur Zeit eine Endstation ist, denn die Ringbahn ist auch noch gesperrt. Und so fuhr ich nicht 15 Minuten bis zum Baumschulenweg, sondern 50 Minuten, einmal den Ring fast in Gänze falschherum.

    Freude über den tschechischen Zug, der uns Höhe Jungfernheide entgegen kam.

    Tiefes Mitleid mit dem Bettler bei Messe/Nord – allerdings gemischt mit dem starken geruchlichen Eindruck, der selbst 20 Minuten nach der Begegnung noch dafür sorgte, dass sich Mitfahrer*innen in diesem Bereich des Wagens Tücher vor die Nase hielten.

    An der Autobahnbrückenbaustelle, der berühmten, standen mehrere große Sandhaufen mit Nummern-Schildern von 1 bis 30 gekennzeichnet.

    Nach dem Ausstieg erblickte ich den Beweis, dass Treptow das Zentrum kulinarischer Innovation ist: der Bhatura-Döner.

    Schild, das den Bhatura-Döner anspreist. "Neu! Indisches Brot und Dürum Döner! Vorsicht Suchtgefahr"

    Wat mutt das mutt

    Frau Brüllen schreibt: „An den Drehtoren dann festgestellt: die meisten Fahrradschleusen auf das Südareal sind gesperrt, in line mit der seit mehreren Jahren für den 1. April 2026 angekündigten und, tadaaa, zum 1. April 2026 implementierten Schliessung des Südareals … Ich hatte schon in diversen Chats etc den Outrage mitbekommen und gepflegt ignoriert. .. Womit ich nicht gerechnet hatte: die Wut und den Frust, die die geschlossenen Drehtore und diese Kisten bei anderen auslösten. Es wurde geschimpft und geflucht, dass „ja, klar, das angekündigt worden wäre, aber wie kann es so plötzlich eingeführt werden und niemand hat einem genau gesagt und gezeigt, wo genau man jetzt parken kann?!“

    Ich musste doch grinsen.

    Teile meines Jobs bestehen aus dem, was man „Digitalisierung der Verwaltung“ nennen kann, oder bildlicher gesprochen: Wir bauen neue Fahrradstellplätze und reißen alte Fahrradstellplätze ab. Und wir versuchen aktiv im Vorfeld, die Wut- und Frustwellen abzufangen, die so etwas auslösen kann.

    Menschen können sehr sehr sehr an ihrem Fahrradstellplatz hängen. Sie können auch überraschend nachdrücklich darauf bestehen, dass die Methode, das Fahrrad über zwei Treppen zu tragen, dann einmal zu drehen und es schließlich auf dem Kopf abzuschließen, die einzig wahre und für immer gültige Methode ist, ein Fahrrad abzustellen.

    Immerhin mag ich das. Also nicht den Wut und Frust – aber das Gefühl Wut und Frust entschärft zu haben und wieder eine Vertrauensebene der Uneinigkeit geschaffen zu haben.

    **

    In other news: Ich freue mich sehr auf mein ganz unmetaphorisches Fahrrad, das ich bald bestellen werde.

    Lieblingswohnzimmerbad

    Weil Softwaresysteme komplexer sind, als Fahrradstellplätze, kann es vorkommen, dass ich einen Vorwand finde, die Verwaltung zu verlassen und an die Spree zu fahren.

    Zum Beispiel in mein Lieblings-Wohnzimmerbad. Das kleine Schul- und Vereinsbad Baumschulenweg, das gefühlt immer nur von 7:10 bis 7:23 jeden zweiten Vollmond bei Regen für die Öffentlichkeit geöffnet ist und ansonsten ausschließlich Schule und Vereine bedient.

    Schulen und Vereine sind im Allgemeinen leichter zu handeln als die große Öffentlichkeit und brauchen weniger Personal: Das Bad ist klein, die Besatzung ist klein, der Weg dorthin kann idyllisch an der Spree entland genommen werden und die ganze Atmosphäre war schon damals, 2018, als es mir gelang bei Vollmond um 7:11 vor dem Eingang zu stehen, einfach kuschlig.

    Ich weiß gar nicht so sehr, warum genau, aber es fühlte sich immer an, als hätte jemand in seinem Wohnzimmer einen kleinen Swimmingpool errichtet, und würde nun Freundinnen und Freunde empfangen.

    Highlight: Das lebensgroße Bild eines Schafkopfes, der um die Ecke in die Schwimmhalle lugt.

    Und Freude und Wunder, auch viele Jahre später, beim Dienstbesuch, hing das Schaf noch.

    Blick aus dem Wald auf den Anleger der F11 an der Spree

    Jerewan global

    Das kleine menschlichen Wesen redet vier Sprachen.

    Ein Bericht aus dem Jahr 2026. Wirklich. Zu Besuch in einer Fernsehshow: Zu Gast im Publikum bei „Wer stiehlt mir die Show?“.

    Vielleicht doch mal in die Berlin global Ausstellung. Readinginsweden war schon da.

    Östlich von Istanbul zurück in Tblisi. Wie schön! Dann im Zirkus. Und gleich weiter nach Jerewan.

    Notat

    • Erinnerungsmail für die ersten Fernuni-Einsendeaufgaben.
  • 25-11-20 Jetzt noch die Fräsmaschine

    25-11-20 Jetzt noch die Fräsmaschine

    Während ich dies schreibe, premierenflötiert Madame in der Stadtbadwohnung. Jeden Tag wird die Wohnung ein wenig bewohnbarer.

    Karls Erdbeere am Südkreuz verschwand bis nächstes Jahr. Vermutlich tötete Nachtfrost auch die allerletzten Erdbeeren.

    Im Winter gibt es Gemüsli nur alle zwei Wochen. Madame wurde daran erinnert, als sie vor dem leeren Gemüslichkeits-Schrank stand. Dann halt nicht.

    Während das Schrumpfgemüsli eigentlich geplant war (für uns allerdings „Winter“ nicht Mitte November beginnt), werden auch wir Betroffene der Crowdfarming-Probleme. Nachdem „unsere adoptierte“ Kuh gestorben war, und wir deswegen keinen Käse mehr bekamen, „adoptierten“ wir eine andere Kuh bzw. halt deren Käse. Überraschendweise allerdings gelang der ersten verstorbenen Kuh danach die Wiederauferstehung und jetzt haben wir doppelt Käse.

    Die Feurig-Apotheke in der Schöneberger Hauptstraße impft unkompliziert (Mittwochs nachmittags) gegen Grippe und Corona. Die Menschen rennen ihnen die Türen ein und die Apotheke versteht nicht, warum die ganzen Ärzte sich so anstellen.

    Den Grippeshot ließ ich mir dennoch öffentlicher-Dienst-angemessen von meiner Arbeitgeberin setzen. Der Impfshot auf die eh schon in mir herumlungernde Erkältung obenauf war vielleicht nicht die brillanteste Idee – aber manchmal ist der schlechte Weg immer noch der Beste. Ob ich eine Corona-Impfung kurz nach einer Corona-Infektion für sinnvoll halte, muss ich noch entscheiden.

    Donnerstag gab ich das schlechtsvorbereitetste Wikipedia-Interview meines Lebens; also nicht, weil ich mich sonst auf derlei Interview vorbereitet hätte. Aber ich glaube ich habe seit Wochen nicht mehr ernstlich an Wikipedia gedacht; normalerweise fällt mir auch nicht 7 Minuten vor Beginn beim Blick in den Kalender ein, dass gleich sofort ein Interview kommt. Aber so ist es halt an Tag T-13 bis zum Umzug.

    Zum Glück ging es um „25 Jahre Wikipedia“ und ich durfte von anno dunnemals erzählen. Demnächst dann auf einem süddeutschen ÖR-Sender.

    Es waren zweieinhalb Tage zwischen Arbeit und Umzugsvorbereitung und dem starken Drang, möglichst viel dazwischen zu schlafen.

    Immerhin wird es entspannter. Der Umzugsmensch war noch mal da. Wir haben seit der letzten Schätzung 20 Meter Buch und insgesamt 6 Kubikmeter Zeug aus dem Haushalt verschafft; das Meiste, was weg sollte, ist jetzt weg – den Rest können wir entspannt angehen lassen, denn für dessen Umzug werden wir eh bezahlen, egal, ob es am Umzugstag noch anwesend ist oder nicht.

    Kein Zeitdruck mehr beim Entsorgen, weniger Zeitdruck bei der Küche.

    Spüle läuft

    Ich verschob ungefähr ein Dutzend Mails mit IKEA-Lieferbestätigungen, Chat-Transkripten und Auftragsnummern aus dem Posteingang, denn ich hoffe, diese nie wieder zu benötigen.

    Halleluja!

    Die Küche macht Fortschritte. Sobald das Silikon getrocknet ist, haben wir Wasser in der Küche, können Spüle, Herd und eine ganze Menge Schränke benutzen.

    Dafür wie winzig die Küche ist, sieht sie toll aus. Bei aller Bescheidenheit.

    Aber sie ist nicht vollendet.

    Es fehlen:

    • Zwei Schranktüren (nachbestellt, weil die Küchenbauer eine bessere Schrankidee hatten). Die sind anfang der Woche irgendwo auf dem Weg zum IKEA-Zentrallager zum DPD-Zentrallager in einem Loch versunken und werden hoffentlich wieder auftauchen.
    • Waschmaschine, Geschirrspüler und Kühlschrank (logisch, die bringen wir aus der alten Wohnung mit).
    • Die Fräsmaschine: Entweder hat IKEA falsch gemessen oder falsch gerechnet: Auf jeden Fall lässt sich das Küchenfenster nicht mehr öffnen, weil es gegen das Kochfeld stößt. Es ist eine Sache weniger Millimeter. Das Gute ist: IKEA hat selber gemessen und geplant. Es ist unbestreibar wer Schuld ist und das ganze Beheben muss. Das Ungute: ist halt trotzdem Aufwand und weiterer Warterei. Zur Auswahl stehen: Arbeitsplatte wechseln (was bedeutet, die halbe Küche neu zu bauen, weil alles in Höhe und Breite an der Arbeitsplatte ausgerichtet ist); oder dort wo die Kochplatte ist, etwas abzufräsen, so dass die Kochplatte plan mit der Arbeitsplatte liegt. Das passiert hoffentlich nächste Woche.

    Für vegane Maultaschen ins Restaurant

    Etwas Recherche brachten einen Scheinriesen des Service Managements zum Vorschein. Wenn deine komplette Framework-Organisation aus dir und deiner halben Ehefrau besteht, beginne ich zu zweifeln.

    Wieder einmal traf sich die Karpfengruppe der IT zum Socialising, Lästern, Planen und zur psychischen Hygiene. Die Resonanz fiel leider aus, denn DJ OneNote wollte vegane Maultaschen – und dafür mussten wir ins Heuberger.

    Das Essen war besser als in der Resonanz, die uns umgebenden Weihnachtsfeiergruppen zahlreicher, und am Ende war es halt ein Restaurang, keine Kneipe.

    Wir tauschten Berliner Wohnungssonderlichkeiten aus (Fömi wohnt jetzt in Friedenau) und die lieben Jungspund-Kolleg:innen glauben mir weiterhin mein Alter nicht. Ich könnte ja den Personalausweis als Beleg zeigen – aber das wäre langweilig.

    Wie schön: Mal zwei Stunden rauskommen, ohne dabei umzuziehen oder umzugsvorzubereiten.

    Nicht das Heuberger, aber noch veganer

    Fermentieren und kaufen

    Wild Fermentation von Sandor Ellix Katz war hier ein lebensveränderndes Buch. Denn diesem verdanken wir das unkomplizierter Vollkorn-Sauerteig-Roggenbrot, das an 90% der Tagen in diesem Haushalt zum Frühstück gegessen wird. Um so neugieriger war ich darauf, dass die Magertratzler jetzt eine deutsche Ausgabe eines Katz-Buchs bespricht: Kochbuch: Die Fermentier-Bibel | Sandor Ellix Katz

    Anderswo Roggenbrotprobleme.

    Das ist gar nicht so einfach mit der Zukunft: Kassen- und personallose Supermärkte in der Krise: Problem-Einkauf bei Netto Pick & Go: Überholspur zur Kontrollwaage. Das ist gar nicht so einfach in der Zukunft: der Versuch 1:1-Ausstattung (eine Schülers, ein IT-Gerät) umzusetzen: 1:1-Ausstattung in the making – Teil 3

    Spielen mit Daten: Nicky Reinert hat einen Datensatz mit den meisten Supermärkten Deutschlands und kann erstaunliche Dinge daraus ziehen: Wo liegt die ALDI-Grenze?

    Und jetzt ins Bett.

  • 25-03-22 Die Erde entsteht auf deinen Wink, wie du sie geschaffen hast:du gehst auf für sie – sie leben,du gehst unter, sie sterben.

    25-03-22 Die Erde entsteht auf deinen Wink, wie du sie geschaffen hast:du gehst auf für sie – sie leben,du gehst unter, sie sterben.

    Madame brachte eine berufliche Hauptkampfwoche zu Ende, indem sie in der Hafenstadt durch Räume schlenderte und sich Pinnwände erklären ließ.

    Sehr geehrter Herr southpark, wir freuen uns, Ihnen mitzuteilen, dass Sie im Sommersemester 2025 an unserem Lehrstuhl eine Bachelorarbeit schreiben können..

    Jetzt wird es spannend. Jetzt muss der Lehrstuhl – bwlquam1 – noch das Thema bestätigen – wobei ich mir bei bwlquam ziemlich viele Themen vorstellen kann, die ich gerne schreiben würde.

    Auf jeden Fall – ich habe nächste Woche einen Termin in der Verwaltung, in der wir mal ernsthaft über Arbeitszeiten in der heißen Phase der Bachelorarbeit reden werden. Es geht ja viel neben der normalen Arbeit – aber ich glaube das wird dann zuviel.

    Aber vorerst ist es noch hin. Noch gehe ich normal in die Südkreuz Offices und verfluche das Rechtemanagement unseres Ticketsystems.

    Nach einer ganzen Woche der Arbeitsankunft zwischen 8:50h und 8:58h zeigte sich mein energetischer Aufschwung darin, dass ich Freitag um 8:49h kam – und es sogar schaffte, vorher das Fahrrad aufzupumpen. Ein Leben außerhalb des Lernens ist möglich.

    In der Mittagspause schlenderte ich gemütlich durch das Südkreuz. Das Klavier in der Osthalle hat mittlerweile seinen eigenen Zeit-Artikel bekommen. Auch in der Osthalle ist jetzt DönerBiz; ich dachte sie haben erfolgreich expanidert und bespielen jetzt beide Bahnhofsenden. Aber der Westhallenteil ist chiuso.

    Weiterhin geöffnet hat Rüyam in Schöneberg – auch ein Dönerladen, der anscheinend weltbekannt im Internet ist. Der beste Döner im weiten Umkreis – aber wir holen ihn selten, zu abschreckend ist die Schlange, die zu jeder Tag- und Nachtzeit vor dem Laden ist.

    Da passte es, dass ich einen zweit-Rüyam in Charlottenburg entdeckte. Dieser ist in bequemer Laufweite der Komischen Oper. Denn zu Madames wunderbaren Eigenschaften gehört es, dass man erst mit ihr Döner essen gehen kann und direkt danach eine Oper ohne Handlung von Philipp Glass betrachten kann.

    Nefer Kheperu Ra Wa en Ra

    Echnaton (Akhnaten), Oper von Philipp Glass, uraufgeführt 1983 an der Staatsoper Stuttgart, 2025 neu inszeniert von Barrie Kosky an der Komischen Oper Berlin. Sie läßt mich leicht sprachlos zurück.

    „Die Oper hat keine durchgehende Handlung“ steht in einer Besprechung. Das ist untertrieben. Eigentlich hat sie gar keine Handlung. Glass und Kosky reden wechselnd von „Meditation über Religion“ oder „ein Ritual“.

    Einzelne Tableaus, minimal Music mit zahlreichen Wiederholungen, ein spärliches Bühnenbild, das vor allem aus Licht besteht und Chor und Tänzer*innen auf der Bühne, die „Bewegungssequenzen“ absolvieren. Das Libretto besteht historischen Texten in Altägyptisch, altakkadisch und hebräisch.

    Über- außerirdisch wie vom Stück verlangt, Countertenor John Holiday. Ein Hüne von Mann steht auf der leeren Bühne, macht den Mund auf, und spontan fragen wir uns beide, wo sie die Sopranistin auf der Bühne versteckt wurde.

    Die Geschichte von Echnaton, dem Pharao, der die alte Ordnung stürzen wollte und an seiner eigenen Hybris scheitert, bietet jede Menge Raum für Trump-Assoziationen. Aber das wäre zu wenig, zu flach. So viel mehr steckt in dieser musikalischen Meditation – das muss sacken bevor mir die richtigen Worte dazu einfallen.

    (Der Trailer fasst es ganz gut zusammen. Aber drei Stunden.. mit einer Wucht, die live erlebt werden muss.)

    Streugut in Eimer in die Kiste

    Gut zum gedanklichen sacken lassen, war körperliche Arbeit.

    Nachdem wir quasi wieder in die Zeitfreiheit zurückkamen, legte der Dauergartenverein den Subbotnik auf den ersten freien Samstag Vormittag. Das war nicht ganz so frei, wie es ich mir gewünscht hätte. Aber Bewegung in der Sonne bei einfachen Tätigkeiten, taten uns sicher nicht schlecht.

    Unsere Klein-Arbeitsgruppe mit den Swinging K’s fegte Streugut von den Wegen der Anlage zusammen und sammelte dies wieder ein für den nächsten Winter. Erfolgreich entknirschten wir den Weg, erfuhren Details von der Arbeitsplatzsuche, wenn man zwei Uni-Abschlüsse aber kein Abitur hat.

    Im Schwang der Gartenarbeitsgefühle schwang Madame Heckenschere und Astschere und arbeitete sich durch’s Gehölz. Der Rotdorn wurde eine Etage höher gelegt, die Obstbäume nähern sich in ihrer Form wieder dem Lehrbuch an. Es sammelte sich langsam ein zu verbrennender Stapel Rosenholz.

    Ich versuchte meinen Plan umzusetzen „wenn mich mein Arbeitgeber ließe, würde ich die ganze Woche durchschlafen.“ Gut, dass ich mich sonnengecremt hatte; der Tag hätte peinlich und schmerzhaft enden können. Immerhin hatte ich währenddessen ein paar spannende Ideen. Mal schauen, ob sie nächste Woche immer noch für gut halte.

    Die Forsythie täuscht ein Aufblühen an, hält sich dann aber zurück. Erste zarte Narzissen erscheinen, aber noch blühen 4 von 40 oder so.

    Am Himmel ein Schwarm Kraniche. Eine Hornisse begleitete die Streugruppe. Der Vogel des Jahres, der codirosso spazzacamino, auch Hausrotschwanz, kehrte zurück und vergnügt sich bei uns auf Obstbäumen und Palettenstapeln. Vielleicht entdecken wir dieses Jahr, wo er eigentlich sein Nest baut.

    Die Frühling kommt, aber erst langsam. Nur die Walzenwolchsmilch überascht uns mit ihrer Blüte.

    Doppelinder

    Wenn Leute nach Deutschland migrieren, sind es derzeit Inder*innen. Wenn es quasi Muster-Zuzügler sind, dann Inder*innen. Aber vermutlich wäre es vielen Deutschen auch nicht recht, wenn sie dies bewusst wahrnähmen, und ihnen klar würde, dass die Inder*innen in viel besseren Jobs arbeiten als sie selber. Warum der Boom der indischen Community in Berlin kein Zufall ist

    Chaim Nachman Bialiks Erzählungen sind deutsch erschienen.

    Durch ein 1980er-Rollenspiel das Jahr 2025 verstehen: Schizophrener Computer

    Wäre ich das hier schreibe, spielt mir der Streaming-Dienst der Wahl2 Bloodywood auf den Lautsprecher, eine Heavy Metal Band aus Neu Delhi. Und meine Güte, Heavy Metal und Bollywood passt so gut zusammen. Ich bin fasziniert.

    Ich spiele die letzten Wochen mit Obsidian herum, und es freut mich, dass es Herrn Rau auch so geht. KW 12: Schreck im Theater, Obsidian

    Anmerkungen

    1. Lehrstuhl für Betriebswirtschaftlehre, insbesondere Quantitative Methoden und Wirtschaftsmathematik ↩︎
    2. Nein, nicht DER Streamingdienst. Qobuz it is. ↩︎
  • 24-04-25 Zwei Rasenmäherbreiten

    24-04-25 Zwei Rasenmäherbreiten

    /me duckduckgo’t „Geschmolzenes Plastik von Bratpfanne entfernen“ .

    Zustand sonst: Habe versucht, einen Teefilter in der Kaffeemaschine zu installieren und wunderte mich, warum es nicht funktioniert.

    Es wird Zeit für ein ereignisarmes Wochenende.

    Der koreanische Solaranlagenhersteller Qcells eröffnet am Südkreuz neben Vattenfall einen Showroom.

    Auf der Straße mitgehört: Ein türkischer Berliner erklärt Bekannten, wie der Döner erfunden wurde. Es begab sich so: Die Deutschen wollten unbedingt etwas, dass man IM GEHEN essen konnte. Kulturloses Volk halt. Daher die Idee mit dem Brot als offenem Transportbehälter für Fleisch und Salat. Und weil die Deutschen so große Kohlfans waren, wurde Rotkohl ergänzt.

    Keine Ahnung, ob es stimmt. Aber es klang überzeugend.

    Ich will nicht sagen, dass ich xkcd 2916 (machine) immer noch spiele. Aber wenn es dafür eine echte Version gäbe (größeres Spielfeld, Möglichkeiten zu speichern und Maschinen mit Freund*innen zusammen zu bauen), würde ich sofort begeistert größere Geldbeträge bezahlen.

    Umsonst war die zweite Runde Rechercheschulung der UB Hagen. Ich dachte ja schon, dass ich bei dem Thema nicht unbewandert bin. Aber das war noch mal ein anderes Level. Respekt.

    Nach Feierabend: Endlich mal wieder ins Stadtbad Lankwitz. Noch eine Woche bis das Freibad am Insulaner wieder öffnet.

    In der Mittagspause ging es zur Salbung.

    Blick auf den Richard-von-Weizsäcker-Platz. Polizei und Ampelreparateure im Einsatz.

    Anti-Fa/Pro-Fa

    Die Grünen haben weitere Wahlplakate aufgehängt. Diese strömen eine Aura maximaler Unmotiviertheit aus.

    Übel nehme ich, dass auf den Plakaten Fotos der Wir-sind-die-Brandmauer-Demos aus dem Winter sind. Ich möchte klarstellen, dass ich gegen Faschismus demonstrierte und nicht für die Grünen.

    (Nichts gegen die Grünen. Aber wenn man die antifaschistische Brandmauer auf Grünen-Anhänger*innen beschränkt, kann man es auch sein lassen mit dem Brandmauern).

    Bei den Profaschisten: Auch wenn es politische Unterschiede gibt, scheint die Gangster- und Halunkendichte in der AfD ähnlich hoch wie ehedem in der NSDAP. (Aktuelles Ausstellungsstück 1: Krah, aktuelles Ausstellungstück 2: Halemba). Das hat politische Gründe.

    In der Politik geht es um Macht und Einfluss. Sie zieht Halunken aller Coleur magisch an.

    Die liberale Demokratie erfand Regeln der bürokratischen gegenseitigen Kontrolle, um dies einzudämmen – von der Gewaltenteilung zwischen Exekutive / Legislative / Judikative bis hin zum Elend einer europaweiten öffentlichen Ausschreibung. Das stoppt Halunken nicht. Es macht ihr Leben aber so anstrengend, dass sie sich meist andere Betätigungsfelder suchen.

    Der Faschismus kennt derartige Mechanismen nicht: In faschistischen Bewegungen herrscht eine strikte Unterteilung zwischen Freund und Feind.

    Freund ist wer „der Bewegung“ gegenüber loyal ist, unabhängig vom sonstigen Verhalten. Man kommt mit Allem durch, solange man Loyalität vorgibt. Menschen mit dehnbarem Gewissen haben keinerlei Probleme sich loyal zum Faschismus zu bekennen.

    Systematisch lässt sich sagen: je faschistischer eine Organisation ist, desto mehr Halunken.

    Treillage

    Es gibt überraschende Anrufe. Und es gibt Anrufe vom Handwerker, dass er genau jetzt 50 Kilometer entfernt auf den Latifundien steht, anfangen möchte zu arbeiten, und es wäre gut wenn Du auch anwesend wärst. Natürlich klingelt das Telefon während des Duschens. Während gerade der Paketbote mit dem 25 Kilo-Paket klingelt.

    Zum Glück für mich widerfuhr dieses Erlebnis Madame. Die zum zweiten Glück auch noch Möglichkeit und Geistesgegenwart hatte, sofort Richtung Latifundien aufzubrechen. (Also nachdem der Paketbote versorgt war.)

    Immerhin hatten die Zimmerleute das nötige Holz mitgebracht. Sie haben sich für die Nicht-Vorankündigung vielmals entschuldigt. Während ich dies schreibe, wird in der Mittelmark hoffentlich etwas aufgebaut.

    Aber was: Eine Laube? Eine Pergola? Ein Pavillon? Eine Treillage? Ein Salettl? Eine Sommerhalle, Trinkhalle oder ein Gartensaal? Die Begriff verwischen fröhlich ineinander. Wikipedia sagt unter anderem: eine Laube steht frei, eine Pergola schließt an ein anderen Gebäude an.

    Zählen zwei Rasenmäherbreiten Abstand zum Schuppen als „anschließen“?

    Auf jeden Fall wird ein Holzbau mit Rankgittern in der Mittelmark gebaut. An dem werden in Zukunft Rosen einen schönen Sommerschatten spenden. Denn es wird heiß werden in Brandenburg.

    Da uns aber die welterbigste aller Pergolas inspirierte (sooo schön), werde ich bei „Pergola“ bleiben.

    Fast Schneechaos

    Gabi Frankemölle stellte in der US-Botschaft ihr neues Kochbuch vor: Cook across America.

    Schneechaos ist eigentlich ein Wort, das es in Finnland nicht gibt. Aber gestern waren wir nahe dran.

    Formschub über The Nanny Car. Schnickschnack:

    Daneben sondert die Elektronik beim Fahren aber auch ohne begleitende grafische Einblendungen allerlei weitere Pling-, Dödel-, Palim-Palim- und Piepgeräusche ab, deren Bedeutung ohne Konsultation DER ANLEITUNG komplett im Dunkeln bleibt. Eine der akustischen Belästigungen scheint zu bedeuten, dass das Fahrzeug den Kontakt zum Internet verloren hat. Ja, meine Güte, das passiert mir auch ständig, dann guck halt so lange mal aus dem Fenster, Gefährt, ey!

    (via hmbl)

    Die gesammelte Weisheit unbekannter Menschen im Internet plädiert für „Pfanne wegwerfen.“

  • 23-02-21 Frauen reden, Männer ringen

    23-02-21 Frauen reden, Männer ringen

    Madame ruderte mit einem Regenschirm. Mehrfach.

    Dort, wo vor wenigen Wochen noch die weiße Ledercouch auf dem Innenhof stand, liegt nun eine Weihnachtsbaum. Er scheint die Odyssee der Couch über den Hof, die Straße und wieder den Hof fortsetzen zu wollen. Vor einigen Tagen tauchte er eingepackt in einen Plastiksack direkt vor der Haustür auf. Dann wanderte er – ohne Plastiksack – auf den Radweg. Dann in die Baustellenabsperrung, dann vor die Baustellenabsperrung. Mittlerweile liegt er auf dem Hinterhof.

    Der Kaptain kaufte in Büsum ein. Als sie zurückkehrte stand auf dem Parkplatz ein Auto mit kaputtem Scheinwerfer, kaputter Frontschürze und demolierten Kotflügel. Natürlich ohne einen Verursacher in Sicht. Im besten Fall bedeutet das einen Haufen Stress und Ärger, im schlechtesten Fall noch dazu einen Haufen Kosten. Auf jeden Fall ist das Auto in der Werkstatt, die einschlägigen Stellen sind verständigt und wir sehen weiter.

    Ich überwand mich und nutzte den sonntäglichen Sonnenscheim, um das Fahrrad zu putzten großzügig Kette und Schaltung am Fahrrad abzuwischen und neu einzuölen. Immer wieder erstaunlich, wie ein 20 Jahre altes Rad durch ein bißchen Öl und Luft auf den Reifen neue Lebensgeister gewinnt.

    Die Berliner Bäder gebierten (gebaren? geborten?) sich heute überraschend überraschend. Im weiteren Verlauf des Tages stellte sich heraus, dass Mr. Elliott einst einen Rettungsschwimmerschein hatte. Er möchte dennoch nicht den Sommer über als Freibad-Rettungsschwimmer arbeiten. Die Eiserne startete einen Server neu.

    Zwei Filme

    Da Berlinale ist, gingen wir ins Kino. Da es fast unmöglich ist, Berlinale-Tickets zu bekommen, gingen wir ins „normale“ leere Kino. Am Sonntag: Motståndaren im Titania-Palast Steglitz im Rahmen der Berlinale. Montag: Women Talking im Odeon in Schöneberg. Beides sind eindrückliche Filme über Flucht/Verlassen und beide enden mit der Naheinstellung eines Säuglings als Symbol für die Hoffnung auf zukünftige Generationen.

    Eingang zim Titania-Palast mit Berlinale-Plakat.

    Motståndaren – die Geschichte eine iranischen Ringers, der vielleicht, vielleicht auch nicht, mehr als freundschaftliche Gefühle für einen Teamkameraden im Iran hatte. Auf jeden Fall machten dementsprechende Gerüchte die Runde. Der Ringer flieht mit Frau und zwei Töchtern nach Schweden. Um seine Chancen auf einen Aufenthaltstitel zu vergrößern fängt er wieder mit dem Hochleistungssportringen an. Dort ist er, zum Unglück seiner Frau, wieder von schwitzend-muskulösen Männerkörpern umgeben. Das Nicht-Reden-können ist ein Thema des Films, ebenso wie das Gefangensein in der eigenen Lage.

    Wo reden schwerfällt, sind Bilder um so wichtiger. Bildlich wechselt der Film zwischen dem klaustrophisch-monotonen Inneren von Flüchtlingsheim und Behörden sowie der Winterwunderlandschaft Nordschwedens mit Bergen, Wäldern und jeder Menge Schnee. Die Landschaft macht aber auch deutlich: Außerhalb des Flüchtlingsheims gibt es nur Bäume, Schnee und Wölfe. Ihr sitzt wirklich fest. Und natürlich zeigt der Film zahlreiche choreographierte Nahaufnahmen des Ringkampfes.

    Women Talking – Erzählt nach einem Roman von Miriam Toews, der sich wiederum an einer realen Geschichte orientiert. In einer abgelegenen Mennonitischen Gemeinschaft vergewaltigt eine Gruppe von Männern über Jahre Frauen, indem sie diese vorher Kuh-Betäubungsmittel ohnmächtigt macht. Die offensichtlichen Zeichen sexueller Gewalt werden als Werk der Geister/ des Satans oder überbordender weiblicher Phantasie geschildert. Irgendwann werden die Männer erwischt und kommen vor ein weltliches Gericht. Soweit der wahre, reale Teil der Geschichte. Dieser dient aber nur als Aufhänger für den Film.

    Eine Gruppe von Frauen aus mehrere Familien und Generationen diskutiert wie sie mit der Situation umgehen sollen: Bleiben und es akzeptieren, bleiben und kämpfen oder die Kolonie verlassen. Wo Iman, der Ringer, in Motståndaren daran scheitert, dass er nicht sprechen kann, geht es in Women Talking darum, eine Sprache zu finden. Wie redet frau – in einer Gemeinschaft in der Frauen weder Wünsche noch einen Geist noch einen Körper haben dürfen – über das was geschehen ist? Wie streitet sie über Wünsche und Pläne? Ein Film, der im Wesentlichen das zeigt was der Titel verspricht: Women Talking. Was heutzutage ein Garant für viele Filmpreise und einen Box-Office-Flop ist, leider.

    Vier Links

    Miss South empfahl für mein Kochprojekt Cuban Style Black Beans. Ein Blick in die Trockenvorräte ergab nur eine alte Packung Schälerbsen. Schälerbsen im Cuban Style wirkte selbst mir zu unseriös. Und so internetsuchte ich mich zu Gabi Frankemölles Westfälischer Erbsensuppe. Die mir insbesondere gefiel, weil sie eine Rezeptvariante mit Räuchertofu statt Fleisch vorschlug. Mein Experimentiergeist war geweckt. Ich stellte fest: Erbsenuppe im Slow Cooker dauert ewig. Mit der nicht-ganz-neuen-Packung Schälerbsen musste der Crocky sieben bis acht Stunden auf High laufen. Jetzt ist es aber schön sämig und rauchig und wir werden demnächst testen.

    Frau Kellerkind war nicht Hinten im Garten sondern in München.

    Falls ich jemals nach Japan komme, möchte ich ins Miyazaki-Land. Oder: wie kann man einen Freizeitpark so gestalten, dass er die komplette Gegenthese zu Disney World ist.

    Der Berliner in mir freut sich über die Suche des New York Magazins nach dem besten Döner der Stadt: The Kebab Chain Poised to Shake Up New York’s Doner Scene. Es beginnt bei German Doner Kebap (GDK) „in Astoria on a busy part of Steinway Street“ (zu mittelmäßig). Die Autorin geht weiter zu Istanbul Kebab House in Hell’s Kitchen (kein echter Döner-Stand). Der nächste Stop ist Kotti Berliner „at its Dekalb Market Hall location“ (zu Curry-lastig). Schließlich findet sie den besten Döner bei Berlin Doner in Greenwich Village – wo es sowohl das perfekte Lammfleisch als auch die perfekte Umgebung aus Halbbetrunkenen, enge und Hitze gab.