26-05-09 cellphones are NOT REAL

Auf der Kreuzung: Sushi.

Lachs und Reis hielten noch zusammen, wirkten aber verloren auf der schwarzen Fahrbahn.

*

Für mehr Zylinder mit Totenkopfmotiven in der Bahn. Für mehr Transport von duftendem Obst.

In der Ringbahn: Ein Radfahrer mit leicht blutendem Finger stieg ein, sofort sprang eine Reisende mit Rollkoffer auf und bot ihm ein kleines Pflaster aus ihrem Vorrat.

*

Madame übersetzte einen Liszt-Sonaten-Artikel für Wikipedia.

*

Die neuen Saisonkräfte für die Freibadsaison arbeiten sich ein. Es ist mir seit Jahren nicht mehr passiert, dass ich in dieser meinen Organisation ganz leicht von oben herablassend gesiezt wurde.

Im Schwimmbadfoyer, ein Erwachsener fragte ein kleines Mädchen, ob sie noch ein Schwimmabzeichen machen wird. Sie, sehr schüchtern: „Ich kann nicht. Ich hab schon Silber.“

*

Der Parkplatzfuchs ist jetzt zwei Füchse. Donnerstagabend entdeckte ich großen Fuchs und eine halbe Länge schräg dahinter einen kleinen Fuchs, auf dem Parkplatzgarten. Wie schön.

*

Es waren zwei klavierkonzertfreie Arbeitstage zwischen Neukölln und Hohenschönhausen.

Die Auferweckung der reitenden Leichen

Nach dem netten Schreibwettbewerbswochenende überlege ich, mal wieder an der Wikicon teilzunehmen. Die liegt ausnahmsweise nicht an meinem Geburtstagswochenende, sondern findet vom 18. bis 20. September in Regensburg statt.

(Hinweis: Auch wenig oder nicht-Aktive Wikipedia-Interessierte sind sehr willkommen).

Wenn ich schon hinfahre, kann ich auch etwas anbieten. Derzeitig unter dem Arbeitstitel: „Die Auferweckung der reitenden Artikelleichen.“ Es soll eine Art Workshop werden (vor Ort, vermutlich mit Vorbereitung schon online onwiki), zum Thema „Wichtige Artikel, die sehr schlimm veraltet sind.“

Leider hat Wikipedia mehr dieser Artikel als die Community jemals wird überarbeiten können.

Deshalb der Workshop: Ziel ist es zu erarbeiten, welche der Artikel den größten Schmerz verursachen. Ziel soll es sein, einerseits eine Einigung zu haben, was am meisten Schmerz verursacht (Zentraler Artikel, Aktuelles Thema, keine Quellen, Inhaltlich stark veraltet) und eine Liste mit 10 am meisten schmerzenden Artikeln.

Mit dem Ziel: Wir zeigen uns auf der Wikicon 2027 wie stark sie sich verbessert haben.

Hohenschönhausen

Ende letzter Woche war das Bundesfinale Jugend trainiert für Olympia in Berlin. Ich merkte dies, weil ich meine Tram Richtung Sportforum Hohenschönhausen mit diversen Gruppen Jugendlicher mit Jacken wie Sportland NRW oder Team Schleswig-Holstein oder „schwarz-aber-auf-einem-Koffer-steht-handschriftlich-Cottbus“ teilte.

Mit mir zusammen reisten die besten Schul-Jugendhandballmannschaften Deutschlands in der Tram an. Denn das Sportforum hat nicht nur eine Schwimmhalle des Olympiastützpunktes Schwimmen (mein Ziel), sondern auch eine Eislaufbahn, eine Bogenschießanlage, eine Rollschuhbahn und eine große Sporthalle zum Beispiel für Handball.

Ich aber wollte weder Handball spielen noch schwimmen, sondern mal wieder in ein Büro. Der eigentliche Grund meiner Anwesenheit lief erfreulich schnell und glatt ab, und weil ich gut in der Zeit lag und es Freitagmittag war und die BBL (Badbetriebsleitung) super ist, bekam ich noch eine kleine Führung durch die Anlage:

  • Mit dem großen 50-Meter-Becken
  • Und dem Sprintbecken für Startübungen
  • Und der Gegenstromanlage
  • Und dem ehemaligen Sprungbecken und und dem anderen ehemaligen Sprungbecken
  • Und der ehemaligen 50-Meter-Schwimmhalle in deren umgebauten Ex-Becken jetzt die Bogenschützen trainieren
  • Und dem Technikkeller: größflächiger und heller als in „unserem“ Bad, aber mit all den Rohren, Pumpen, Filtern und Leitungen immer wieder faszinierend.
  • Sehr faszinierend: Die Leinensäcke: Die Bahnleinen hängen unter dem Becken in großen Säcken und können von oben herausgezogen werden.

Nur schwimmen dort wird schwer. Für Training am Olympiastützpunkt reicht es bei mir nicht.

Karl-Marx-Döner

In der U-Bahn-Station Karl-Marx-Straße in Neukölln eine Kunst-Installation, irgendwas kritisches zur neuen Zeit mit Handies und Handy-Hüllen und so. Groß wird es allerdings erst, wenn die Installation in direkten Dialog mit ihrer Umgebung, einer Neuköllner U-Bahn-Station tritt, und zweisprachig verkündet „cellphones are NOT REAL / handy sind ATTRAPPEN“.

Vorher: Karl-Marx-Straße. Beste Hauptstraße Neuköllns; weniger langweilig als die Hermannstraße, diverser als die Sonnenallee, Karl-Marx kann Hipster und little Arabia gleichzeitg.

Vorher: Der türkischsprachige Film hatte mich inspiriert, ich setzte mich in einen Dönerstand, aß ganz hervorragenden Döner und freute mich am älteren enthusiastischen Alleintouristen aus Süddeutschland, den das alles etwas überforderte, der aber mit großer Begeisterung seine Halal-Currywurst aß.

Vorher: Saal 3 im Passage-Kino. Der große Fernsehsaal. Ich werde mir merken, in diesem Saal nur noch die ersten drei Reihen zu buchen. Berlinale-2026-Gewinner Gelbe Briefe von İlker Çatak lief im After-Work-Kino um 18.10h.1 Ein Film, der viele Vorschusslorbeeren einsammelte, meinem Eindruck nach nach seinem echten Kinostart aber eher sang- und klanglos versackte.

Ich verstand warum.

Ein Film über Staatskunst

Gelbe Briefe hat zehn richtig gute Minuten. Leider muss man knapp zwei Stunden auf sie warten, und der gute Filmpart kann sich nicht bis ins Ende retten.

Gelbe Briefe handelt von einem Künstlerehepaar (Sie, Derya: Schauspielerin, Er, Aziz: Drehbuchschreiber mit Unilehrstuhl), die in einer autorität regierten Türkei leben. Genaue Details zum politischen System bleiben eher vage.

Sie eiern sich so durchs System wie es die meisten Menschen machen würden: Mit genug Meinung, um noch in den Spiegel sehen zu können, aber angepasst genug um noch auf der „richtigen“ Seite der roten Linie zu sein, es reicht für die Stelle am Nationaltheater und an einer staatlichen Universität.

Dann passiert etwas Politisches im Hintergrund. Die rote Linie verschiebt sich. Plötzlich finden sich die beiden auf der falschen Seite wieder. Sie verlieren Jobs und Wohnung, sie ziehen zusammen mit ihrer 14jährigen Tochter Ezgi zu seiner Mutter in die Wohnung nach Istanbul und eiern dann dort genauso herum, nur unter finanziell schlechteren Umständen.

Verpasste Chancen

(1) Er könnte das Herrschaftsinstrumentarium zeigen, wie sich die Schlinge um sie zusammenzieht, wie Freunde auf Abstand gehen, die Familie sich in Sicherheit bringt etc.Das passiert nicht: Die Schilderung des Downfalls bleibt schematisch,. Ihr gesamtes soziales Netz bleibt erhalten. Die Kleinfamilie beginnt Streit untereinander, aber nie so sehr, dass es bedrohlich wirkt, immer mehr: so streiten halt Familien. Ja, vom Unilehrstuhl zum Taxifahrer ist ein Fall. Aber ich konnte den Gedanken nicht ablegen, dass es genug Künstler gibt, die auch ganz ohne autoritäte Regime Odds Jobs arbeiten müssen, um ihr Leben zu finanzieren.

(2) Der Film könnte das Rumeinern thematisieren. Also: wieviel Stolz ist möglich? Wieviel ist nötig? War ihr Verhalten vor dem Absturz eigentlich okay? Wie gehen sie mit der Situation um? Das Thema steht eigentlich im Raum, wird aber nie so wirklich thematisiert. Einige alte Weggefährten, schon länger auf der „falschen Seite“ sprechen es kurz an, nie aber wird es wirklich Thema.

Nur zehn Minuten lang, Derya bekommt ein Angebot als Hauptrolle in einer erschlechten Soap Opera, wenn sie Präsidentenfeindliche Social Media Posts löscht, wird es thematisiert: Wie steht Selbsterhalt und Unabhängig im Verhältnis zu politischen Prinzipien? Ist es Politik was Aziz macht oder nur Ego? Die beiden streiten direkt vor der Tochter, und es wird spannend. Die Tochter rennt davon und Aziz wirft sofort alle Prinzipien über den Haufen, um Kontakte zur Polizei zu nutzen, um die Tochter zu finden.

Da tut es mal weh, da wird nicht nur geeiert.

Und nachdem Ezgi wieder gefunden wurde, haben sie alle wieder lieb und eieern halt weiter durch ihr Leben.

Mein Bauchgefühl ist, dass Çatak zu viele türkische Freund*innen hat, denen ähnliches wiederfuhr und die ihm gegenüber seinen Filmfiguren zur Beißhemmung führten. Irgendwie ist der Film dauerhaft zu nett zu ihnen.

Links

Im Nu hatte ich meine stets bereite Wikipedia-Präsentation (Obsidian) gezückt

##

Juna bei einer Kurator:innenführung für Internetmenschen im Deutschen Historischen Museum: Ausstellungsbetrachtung: Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung des dhm Berlin

##

Wir hörten ein rauschendes Klavierkonzert. Nein, anders: Wir versuchten ein Klavierkonzert in Deutschlandfunk Kultur während der Fahrt zu den Latifundien zu hören, das UKW-Rauschen des Autoradios machte aber jedes Hören zunicht. Zum Glück leben wir im Zeitalter der Mediatheken: Marc-André Hamelin beim Berliner Klavierfestival

##

Wo wir bei Hamelin sind: ein Fundstück. Hamelin erklärt auf Youtube warum nahezu unspielbare Stücke nahezu unspielbar sind: Super-Virtuoso Breaks Down 9 Impossible Piano Pieces (ft. Marc-André Hamelin)

##

was es alles nicht mehr gibt in der großen stadt [Berlin]. eine unvollständige liste.

Anmerkungen

  1. Yorck Unlimited No. 23 – 10,35€ pro Kinobesuch. ↩︎