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  • 26-05-09 cellphones are NOT REAL

    26-05-09 cellphones are NOT REAL

    Auf der Kreuzung: Sushi.

    Lachs und Reis hielten noch zusammen, wirkten aber verloren auf der schwarzen Fahrbahn.

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    Für mehr Zylinder mit Totenkopfmotiven in der Bahn. Für mehr Transport von duftendem Obst.

    In der Ringbahn: Ein Radfahrer mit leicht blutendem Finger stieg ein, sofort sprang eine Reisende mit Rollkoffer auf und bot ihm ein kleines Pflaster aus ihrem Vorrat.

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    Madame übersetzte einen Liszt-Sonaten-Artikel für Wikipedia.

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    Die neuen Saisonkräfte für die Freibadsaison arbeiten sich ein. Es ist mir seit Jahren nicht mehr passiert, dass ich in dieser meinen Organisation ganz leicht von oben herablassend gesiezt wurde.

    Im Schwimmbadfoyer, ein Erwachsener fragte ein kleines Mädchen, ob sie noch ein Schwimmabzeichen machen wird. Sie, sehr schüchtern: „Ich kann nicht. Ich hab schon Silber.“

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    Der Parkplatzfuchs ist jetzt zwei Füchse. Donnerstagabend entdeckte ich großen Fuchs und eine halbe Länge schräg dahinter einen kleinen Fuchs, auf dem Parkplatzgarten. Wie schön.

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    Es waren zwei klavierkonzertfreie Arbeitstage zwischen Neukölln und Hohenschönhausen.

    Die Auferweckung der reitenden Leichen

    Nach dem netten Schreibwettbewerbswochenende überlege ich, mal wieder an der Wikicon teilzunehmen. Die liegt ausnahmsweise nicht an meinem Geburtstagswochenende, sondern findet vom 18. bis 20. September in Regensburg statt.

    (Hinweis: Auch wenig oder nicht-Aktive Wikipedia-Interessierte sind sehr willkommen).

    Wenn ich schon hinfahre, kann ich auch etwas anbieten. Derzeitig unter dem Arbeitstitel: „Die Auferweckung der reitenden Artikelleichen.“ Es soll eine Art Workshop werden (vor Ort, vermutlich mit Vorbereitung schon online onwiki), zum Thema „Wichtige Artikel, die sehr schlimm veraltet sind.“

    Leider hat Wikipedia mehr dieser Artikel als die Community jemals wird überarbeiten können.

    Deshalb der Workshop: Ziel ist es zu erarbeiten, welche der Artikel den größten Schmerz verursachen. Ziel soll es sein, einerseits eine Einigung zu haben, was am meisten Schmerz verursacht (Zentraler Artikel, Aktuelles Thema, keine Quellen, Inhaltlich stark veraltet) und eine Liste mit 10 am meisten schmerzenden Artikeln.

    Mit dem Ziel: Wir zeigen uns auf der Wikicon 2027 wie stark sie sich verbessert haben.

    Hohenschönhausen

    Ende letzter Woche war das Bundesfinale Jugend trainiert für Olympia in Berlin. Ich merkte dies, weil ich meine Tram Richtung Sportforum Hohenschönhausen mit diversen Gruppen Jugendlicher mit Jacken wie Sportland NRW oder Team Schleswig-Holstein oder „schwarz-aber-auf-einem-Koffer-steht-handschriftlich-Cottbus“ teilte.

    Mit mir zusammen reisten die besten Schul-Jugendhandballmannschaften Deutschlands in der Tram an. Denn das Sportforum hat nicht nur eine Schwimmhalle des Olympiastützpunktes Schwimmen (mein Ziel), sondern auch eine Eislaufbahn, eine Bogenschießanlage, eine Rollschuhbahn und eine große Sporthalle zum Beispiel für Handball.

    Ich aber wollte weder Handball spielen noch schwimmen, sondern mal wieder in ein Büro. Der eigentliche Grund meiner Anwesenheit lief erfreulich schnell und glatt ab, und weil ich gut in der Zeit lag und es Freitagmittag war und die BBL (Badbetriebsleitung) super ist, bekam ich noch eine kleine Führung durch die Anlage:

    • Mit dem großen 50-Meter-Becken
    • Und dem Sprintbecken für Startübungen
    • Und der Gegenstromanlage
    • Und dem ehemaligen Sprungbecken und und dem anderen ehemaligen Sprungbecken
    • Und der ehemaligen 50-Meter-Schwimmhalle in deren umgebauten Ex-Becken jetzt die Bogenschützen trainieren
    • Und dem Technikkeller: größflächiger und heller als in „unserem“ Bad, aber mit all den Rohren, Pumpen, Filtern und Leitungen immer wieder faszinierend.
    • Sehr faszinierend: Die Leinensäcke: Die Bahnleinen hängen unter dem Becken in großen Säcken und können von oben herausgezogen werden.

    Nur schwimmen dort wird schwer. Für Training am Olympiastützpunkt reicht es bei mir nicht.

    Karl-Marx-Döner

    In der U-Bahn-Station Karl-Marx-Straße in Neukölln eine Kunst-Installation, irgendwas kritisches zur neuen Zeit mit Handies und Handy-Hüllen und so. Groß wird es allerdings erst, wenn die Installation in direkten Dialog mit ihrer Umgebung, einer Neuköllner U-Bahn-Station tritt, und zweisprachig verkündet „cellphones are NOT REAL / handy sind ATTRAPPEN“.

    Vorher: Karl-Marx-Straße. Beste Hauptstraße Neuköllns; weniger langweilig als die Hermannstraße, diverser als die Sonnenallee, Karl-Marx kann Hipster und little Arabia gleichzeitg.

    Vorher: Der türkischsprachige Film hatte mich inspiriert, ich setzte mich in einen Dönerstand, aß ganz hervorragenden Döner und freute mich am älteren enthusiastischen Alleintouristen aus Süddeutschland, den das alles etwas überforderte, der aber mit großer Begeisterung seine Halal-Currywurst aß.

    Vorher: Saal 3 im Passage-Kino. Der große Fernsehsaal. Ich werde mir merken, in diesem Saal nur noch die ersten drei Reihen zu buchen. Berlinale-2026-Gewinner Gelbe Briefe von İlker Çatak lief im After-Work-Kino um 18.10h.1 Ein Film, der viele Vorschusslorbeeren einsammelte, meinem Eindruck nach nach seinem echten Kinostart aber eher sang- und klanglos versackte.

    Ich verstand warum.

    Ein Film über Staatskunst

    Gelbe Briefe hat zehn richtig gute Minuten. Leider muss man knapp zwei Stunden auf sie warten, und der gute Filmpart kann sich nicht bis ins Ende retten.

    Gelbe Briefe handelt von einem Künstlerehepaar (Sie, Derya: Schauspielerin, Er, Aziz: Drehbuchschreiber mit Unilehrstuhl), die in einer autorität regierten Türkei leben. Genaue Details zum politischen System bleiben eher vage.

    Sie eiern sich so durchs System wie es die meisten Menschen machen würden: Mit genug Meinung, um noch in den Spiegel sehen zu können, aber angepasst genug um noch auf der „richtigen“ Seite der roten Linie zu sein, es reicht für die Stelle am Nationaltheater und an einer staatlichen Universität.

    Dann passiert etwas Politisches im Hintergrund. Die rote Linie verschiebt sich. Plötzlich finden sich die beiden auf der falschen Seite wieder. Sie verlieren Jobs und Wohnung, sie ziehen zusammen mit ihrer 14jährigen Tochter Ezgi zu seiner Mutter in die Wohnung nach Istanbul und eiern dann dort genauso herum, nur unter finanziell schlechteren Umständen.

    Verpasste Chancen

    (1) Er könnte das Herrschaftsinstrumentarium zeigen, wie sich die Schlinge um sie zusammenzieht, wie Freunde auf Abstand gehen, die Familie sich in Sicherheit bringt etc.Das passiert nicht: Die Schilderung des Downfalls bleibt schematisch,. Ihr gesamtes soziales Netz bleibt erhalten. Die Kleinfamilie beginnt Streit untereinander, aber nie so sehr, dass es bedrohlich wirkt, immer mehr: so streiten halt Familien. Ja, vom Unilehrstuhl zum Taxifahrer ist ein Fall. Aber ich konnte den Gedanken nicht ablegen, dass es genug Künstler gibt, die auch ganz ohne autoritäte Regime Odds Jobs arbeiten müssen, um ihr Leben zu finanzieren.

    (2) Der Film könnte das Rumeinern thematisieren. Also: wieviel Stolz ist möglich? Wieviel ist nötig? War ihr Verhalten vor dem Absturz eigentlich okay? Wie gehen sie mit der Situation um? Das Thema steht eigentlich im Raum, wird aber nie so wirklich thematisiert. Einige alte Weggefährten, schon länger auf der „falschen Seite“ sprechen es kurz an, nie aber wird es wirklich Thema.

    Nur zehn Minuten lang, Derya bekommt ein Angebot als Hauptrolle in einer erschlechten Soap Opera, wenn sie Präsidentenfeindliche Social Media Posts löscht, wird es thematisiert: Wie steht Selbsterhalt und Unabhängig im Verhältnis zu politischen Prinzipien? Ist es Politik was Aziz macht oder nur Ego? Die beiden streiten direkt vor der Tochter, und es wird spannend. Die Tochter rennt davon und Aziz wirft sofort alle Prinzipien über den Haufen, um Kontakte zur Polizei zu nutzen, um die Tochter zu finden.

    Da tut es mal weh, da wird nicht nur geeiert.

    Und nachdem Ezgi wieder gefunden wurde, haben sie alle wieder lieb und eieern halt weiter durch ihr Leben.

    Mein Bauchgefühl ist, dass Çatak zu viele türkische Freund*innen hat, denen ähnliches wiederfuhr und die ihm gegenüber seinen Filmfiguren zur Beißhemmung führten. Irgendwie ist der Film dauerhaft zu nett zu ihnen.

    Links

    Im Nu hatte ich meine stets bereite Wikipedia-Präsentation (Obsidian) gezückt

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    Juna bei einer Kurator:innenführung für Internetmenschen im Deutschen Historischen Museum: Ausstellungsbetrachtung: Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung des dhm Berlin

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    Wir hörten ein rauschendes Klavierkonzert. Nein, anders: Wir versuchten ein Klavierkonzert in Deutschlandfunk Kultur während der Fahrt zu den Latifundien zu hören, das UKW-Rauschen des Autoradios machte aber jedes Hören zunicht. Zum Glück leben wir im Zeitalter der Mediatheken: Marc-André Hamelin beim Berliner Klavierfestival

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    Wo wir bei Hamelin sind: ein Fundstück. Hamelin erklärt auf Youtube warum nahezu unspielbare Stücke nahezu unspielbar sind: Super-Virtuoso Breaks Down 9 Impossible Piano Pieces (ft. Marc-André Hamelin)

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    was es alles nicht mehr gibt in der großen stadt [Berlin]. eine unvollständige liste.

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 23 – 10,35€ pro Kinobesuch. ↩︎

  • 26-02-21 Westberlinfahrten

    26-02-21 Westberlinfahrten

    Eine Parfümwolke umhüllte mich in der U-Bahn. Geschmacksrichtung: Kirschbonbon.

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    Das Knirschen von Streusplit begleitet meine Wege. Vor der Autowaschanlage bildete sich eine epische Schlange: 40 Autos? 50 Autos? Samstagvormittag und das Ende von Eis und Schnee kombinierten sich zur höchsten Autowaschanlagenbetreiberbeglückung.

    Endlich kann ich wieder lüften ohne die Wohnung sofort in einen Iglu zu verwandeln.

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    Paten-E liebt Spätzle.

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    An der Bushaltestelle erzählte eine junge Frau in hippiesker Aufmachung ihrer Freundin wie sie anlässlich einer Buchmesse das erste mal in einem Edel-Business-Hotel übernachtete: „Es war crazy aber auch inspirierend.“

    Im Eck-Edeka erzählte mir eine etwas ältere Frau im Brustton tiefer Überzeugung: „Was soll ich mit Wein? Ich brauch Bier!“

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    Kaum hatte ich Donnerstag geschrieben, dass meine Hilfsbereitschaft für den Monat aufgebraucht ist, bekam ich eine Mail von einem der fünf Menschen, die mich jederzeit wegen privaten IT-Problemen kontaktieren dürfen.

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    Das syrische Restaurant Planet Cuisine am Kleistpark bietet ein Ramadan-Menü mit Hauptgericht (2 Speisen nach Wahl), Ayran und Datteln. Das kommt auf die innere Liste.

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    Der steigende Zuzug von Inder*innen nach Berlin zeigt sich an der steigenden Zahl von Lebensmittelläden mit indischen Produkten. Eine begrüßenswerte Erscheinung.

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    Es kommt der Punkt im Arbeitsleben an dem ich mich frage „Können unsere Kassenrechner eigentlich Sound ausgeben?“

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    Am Südkreuz eröffnete Bäcker Dreißig by Wöllhaf. Der Moabiter schleppte mich in der Hoffnung auf Eröffnungsangebote hin. Aber es gab nichts besseres als „Sechs Brötchen für den Preis von fünf.“

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    Beim Kaptain fiel nachts um vier bei Minusgraden und starkem Ostwind die Heizung aus. Der örtliche Sänitär- und Heizungshandwerker verwies auf viele andere ausgefallene Heizungen und erklärte Unpässlichkeit.

    Zum Glück scheint beim Anderen, erfahrungsgemäß schwierigen, Heizungdienst mittlerweile ein Generationswechsel stattgefunden zu haben: der Sohn erwies sich als ungeahnt schnell, freundlich und verbindlich.

    Oh wie schön ist ein warmes Haus.

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    Es war ein Arbeitsfreitag und ein Gruschtelsamstag.

    Am 20. März findet die Klausur statt

    Langsam lerne ich etwas ernsthafter für die Digitale-Diversitäts-Klausur. Dabei lernte ich Neues gelernt: Nicht unbedingt inhaltlich im Kern, aber doch, dass dafür inzwischen feste etablierte Theorieanätze existieren:

    • Die IT-Identität (im Sinne von „Mein Dauergamen / meine Programmierkenntnisse / meine Teilnahme an der eSports-Excel-Weltmeisterschaft sind Teil meiner Identität genau wie Geschlecht, Ethnie, und Überzeugungen)
    • Stereotype threat / Stereotype lift: Wenn Menschen wissen, dass ihre Gruppe bei einer Aufgabe als stereotypisch „schlecht abschneidend“ angesehen wird und sie befürchten durch ihr eigenes ungenügendes Abschneiden dieses Stereotyp in der Situation zu verstärken, führt allein dieses Wissen und die Befürchtung zu schlechteren Leistungen. Im speziellen Fall „Digitale Diversität“ erklärt am alten Klassiker Frauen-und-Mint. Und es führt natürlich auch zur Problemvermeidung, indem sich Mitglieder der entsprechenden Gruppen gar nicht erst in entsprechende Sitiuationen begeben.

    Immer wieder nett, „eigene“ Bücher in der Oxfam-Verkaufsauslage zu sehen

    Ausgelesen: Dashiell Hammetts The Dain Curse. Meine zwischenzeitlich schwindende Liebe zum Buch kehrte zurück. Dazu irgendwann mehr. An sich ging es diese Tage eher darum, Bücher durch die Gegend zu fahren als darum, sie zu lesen.

    Es waren Tage der Buchlogistik. Mein Versuch in Schöneberg ein Büchereibuch abzuholen, scheiterte am Bibliotheksausweis. Dieser war zwischen Bestellung und Abholung abgelaufen. Man könnte denken: „Prima, du warst ja eh gerade in der Bücherei.“ Aber ha! Diese spezielle Zweigstelle wird von Ehrenamtlichen betrieben, die keine Stammdaten bearbeiten dürfen. Nicht einmal, um profan Ausweise zu verlängern.

    Also begab ich mich nach Wilmersdorf für ein Miniabenteuer: Meinem Erstbesuch in der eigentlich örtlich für uns zuständigen Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek. Die war freundlich und höflich, aber diese Bibliothekar*innen eigene innere Begeisterung und Drang anderen Menschen zum Lesen und Wissen zu verhelfen, fehlte; sowohl am Tresen wie auch in der ganzen Ausstattung. Irgendwie fühlte sich das emotional kalt an. Ich werde weiter beobachten.

    Also dann mit gültigem Ausweis zurück nach Schöneberg, um Exhalation: Stories von Ted Chiang abzuholen. Immerhin ist mein Jahresmotto ja „Einatmen – Ausatmen.“ In der Thomas-Dehler-Bibliothek habe ich wieder Menschen getroffen, die einem am liebsten sofort die ganze Bibliothek zeigen und vorführen würden und ihre Lieblingsbücher präsentieren – wie ich es kenne.

    Am Samstag absolvierte ich den Gang, den wir seit Monaten hinter uns bringen, und wohl auch noch in sinkender Intensität hinter uns bringen: Ich brachte Bücher zu Oxfam. „Guten Tag, ich habe eine Tasche Buch.“

    Der 101er-Bus hält neben dem Schillertheater

    Während ich dies schreibe, sitzt Madame im ICE 278 Basel->Berlin. Überraschenderweise wird dieser am Bahnhof Zoo halten. Noch überraschendererweise ist das für uns von Belang.

    Es ist spannend. Eigentlich sind wir nur zwei Kilometer parallel zum S-Bahn-Ring gezogen. Aber „unser Berlin“ fühlt sich anders an. Nicht nur im Nahbereich, Alt-Wilmersdorf ist deutlich kleinstädtischer als Alt-Schöneberg. Auch im weiteren Verlauf: Wir sind in einer anderen Einfahrtsschneise in die Stadt gelandet.

    Fielen wir bis 2025 in den Bus oder die S-Bahn auf dem Weg „in die Stadt“ landeten wir entweder an der Schloßstraße in Steglitz oder irgendwo zwischen Potsdamer Platz und Friedrichstraße, da wo auch Brandenburger Tor, Unter den Linden und viele Ministerien sind. Eine Gegend, die bis 1990 oft brach lag, sich seit 1990 neu erfunden hat.

    Ab 2026 führt uns der Weg „in die Stadt“ in Richtung Zoo, Wittenbergplatz, Ku’damm. Das klassische Westberlin. Eine Gegend, die sich immernoch neu finden muss und den Verlust der zentralen Berliner Stadtzentrumsrolle verknusen.

    Und auch wir müssen uns noch finden. Festgestellt: Hit Markt Ulrich am Bahnhof Zoo kann ein ganz normaler Supermarkt auf dem Weg nach Hause sein. Einschließlich des sehr selbstvergessenen Menschen, der auf einer kleinen Eisfläche schnelle Umdrehungen um sich selber machte, der Dame, die dem wartenden Ampelpublikum lautstark etwas verworrenes von Menschenrechten erzählte und dem was die Zeitung wohl „Auseinandersetzung im Obdachlosenmilieu“ nennen würde – immerhin ohne Gewalt.

    Langsam lerne ich die Orientierung durch die Labyrinth-U-Bahn-Station Fehrbelliner Platz. Noch nicht lerne ich, dass ich in der U7 von Schöneberg aus meist nach Westen will und nicht nach Osten.

    Nächtlicher Blick von der Kreuzung am Bahnhof Zoo Richtung Ku'damm. Eine Radfahrerin im Vordergrund, Autos, Teile des Bikinis Hauses und des Zoo-Palastes. Im Hintergrund Europa-Center und Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-KIrche

    Das Sakral muss anspringen

    In einem Blog las ich die Formulierung „das Sakral muss anspringen“ führ „es muss sich richtig anfühlen“, und ich möchte die bitte übernehmen, allein schon um meinen Mitmenschen auf den Keks zu gehen.

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    Jens Bemme über die (wikipedistische) Erschließung historischer sächsischer Tanzkarten: Ordnung muss sein. Extra-Touren mit historischen Tanzkarten – und mit GLAM

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    Johannes mit einem Rückblick auf die Kreuzberger Konzertkasse Koka 36.

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    Christiane war in der Mimosen-Forcerie.

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    Angela und Holger auf dem Karneval in A Coruña.

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    Gestern verschlungenes Unterwegssein mit verschiedenen Zielen. Sitze in der U-Bahn auf dem Weg von der Friseurin nachhause und lese in meinem Buch, „Herkunft“ von Saša Stanišic. Ein Mann steht auf und sagt, während er auf dem Weg zur Tür ist, „das ist ein sehr guter Autor“. Bin erstaunt, dass jemand etwas sagt, einmal, und kann nur kurz zustimmen, was ihn freut.

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    In Hamburg hatte ich nur das Bett und den Schreibtisch. Wie im Hotel. Da kann ich auch nicht lesen. Außer ich verreise mit meiner Frau, wenn sie neben mir liegt, dann lese ich bis in die Nacht hinein. Vielleicht liegt es auch an ihr und nicht am Bett.

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    I’m autistic. Don’t panic. […] Some people who know me may be very surprised to read that I’m autistic. Others will be surprised that it took me so long to figure it out. I understand both.

  • 25-06-03 Dinner mit Aussicht auf Regen

    25-06-03 Dinner mit Aussicht auf Regen

    Madame errang in Säkularisierungstheorie und Facetten und Wahrnehmung religiöser Vielfalt je 100%.

    Nachzutragen ist: Das in diesem Blog bereits erwähnte Klavierkonzert von Severin von Eckardstein hat seinen Weg in die Deutschlandfunk-Audiothek gefunden: Severin von Eckardstein beim Berliner Klavierfestival.

    Emma von Adecco schrieb mir eine Handy-Nachricht. „Hallo! Ich bin Emma von Adecco. Wir haben eine Stelle als Freiberufler zu besetzen. Kann ich Ihnen mehr Einzelheiten geben? Reply STOP Exit.“ Fast wäre ich neugierig genug gewesen, um nachzufragen.

    Nachbarin Polizei hat auf ihrem Gartenparkplatz drei Glasflaschen aufgestellt, kurz bevor der Parkplatz ins Beet übergeht. Die LowTech-Variante eines Einparkpiepsers?

    Gelesen (in Teilen): Tales from the Manuscript of Saragossa. Ein Deutscher las die englische Übersetzung eines französischen Buchs, das ein Pole geschrieben hatte, welches von einem Niederländer in Spanien handelt, der Geschichten aus Italien erzählt. Wilde Angelegenheit. Später kommt mehr dazu.

    Das allererste mal länger in Berlin war ich im Rahmen eines Praktikums. Frau Tampon-Sögel beherbergte mich in ihrer Wohnung in Weissensee. Sechs Wochen lang fuhr ich jeden Tag mit der U8 zum Hermannplatz und stieg dort um in die U7 zum Südstern. Wenn ich aus der richtigen Perspektive in der U-Bahn-Station Hermannplatz unterwegs bin, habe ich manchmal immer noch den Geruch der Ofenheizung aus der damaligen Wohnung in der Nase.

    Kathedrale der Elektrizität

    Neukölln ist das neue Südkreuz. Nein, eigentlich nicht. Aber wie im Südkreuz auch, steht in der Passage zwischen Karl-Marx-Straße und Richardstraße ein Klavier. Dieses gehört zum Restaurant Vorwerck (Iberty: 2023) und begrüßt die Gäste.

    Ich aber wollte nur ein bisschen bummeln zwischen dem migrantisch geprägten Kleingewerbe an der Karl-Marx-Straße und der Richardstraße, die gerade noch so auf dem schmalen Grad zwischen Boheme, Verfall und übler Gentrifizierung balanciert, um sehenswert zu sein. Nicht zu vergessen, dass hier die 1000 Quadratmeter Neukölln liegen, in der der Stadtbild an seine alte Zeit als Böhmisch Rixdorf erinnert und dörflich wirkt.

    Tourist in der eigenen Stadt: Noch auf dem Hinterhof bei Restaurant/ Neuköllner Oper/ Kino wurden aufwendige Blumengestecke zusammengesteckt. Ich lief langsam die aufkommende Schwüle des Wochenendes spürend durch die Passage zur Richardstraße. Dort steht das expressionistische Umspannwerk (siehe: Kathedrale der Elektrizität). Ich fand Musikinstrumentenwerkstätten ebenso wie das auf Biographien spezialisierte Antiquariat. Auf der Rückseite das Ensemble Neuköllner Hochniederkultur mit der Neuköllner Oper, dem Heimathafen Neukölln, dem Vorwerck und eben den Passage-Kinos.

    Dort erwartete mich ein Kinoposter, dass es mir den Rücken kalt herunter laufen lassen lies, zum Glück zu einem anderen Film. In meinem Film traf ich ein Mutter-Tochter-Gespann, Mutter mit osteuropäischem Akzent und ein mittelaltes Männer-Duo, unklar ob Paar oder nicht. Und ein märchenhafter Film: Flow. Ich begab mich in Reihe 4, Platz 3 und lehnte mich im Sessel zurück. Ich war früh, musste aufpassen, in der Wärme des Tages nicht einzuschlafen.

    Schnurchel, schnurf

    Endlich einmal ein Filmheld für mich: Ein Capybara, das den halben Film über schläft und schnarcht und die andere Hälfte über andere Tiere rettet.

    Ich wollte ins Kino. Drei Filme kamen in Frage: Pane, Amore e Fantasia (Italien, 1953), Ghost in the Shell (Japan, 1997) und Flow (Lettland, 2024). Ich warf Würfel befragte den Halluzinator und er riet:

    • Pane, amore e Fantasia: Ja, wenn du Hitze und Lächeln suchst, mit einem kleinen Aperitivo danach.
    • Ghost in the Shell: Ja, aber mit ruhigem Geist und offenen Pupillen, Wenn du dich verlieren willst, tief drinnen.
    • Flow: Ja, Wenn du leise Schönheit willst, wenn du bereit bist zu fühlen, ohne dass jemand spricht.

    Meine Entscheidung fiel dann weniger poetisch aus, richtete sich danach, welcher Film Samstagnachmittag lief in einem mir bisher unbekannten Kino. Und so landete ich im Passage-Kino Neukölln in Saal 4 und sah Flow. (Trailer)

    Der Film war Originalversion angekündigt. Aber das hatte vermutlich keine Auswirkungen, denn es gibt keinen Dialog. Null. Eine Welt ohne Menschen, nur Tiere – die zwar untereinander kommunizieren, aber durch Geräusche, Gesten, Körperlichkeit.

    Eine lettisch-belgisch-französische Koproduktion, in der ich mir einbilde sowohl osteuropäische märchenhafte Poesie zu finden wie auch französischen Willen zum Stil. Eine Welt, in der Menschen einst waren, sie ist voller menschlicher Artefakte. Aber nicht erklört (von wem auch?). Eine Gruppe von Tieren, Katze, Lemur, Sekretärsvogel, Labrador und eben das Capybara retten sich auf ein Floß.

    Es gibt nicht wirklich einen Plot (wie auch ohne formulierte Ziele?), sie erleben, werden getrieben, versuchen im Fluß zu blieben. Geschaffen wurde der Animationsfilm ausschließlich mit der Open-Source-Software Blender und gewann eine Latte Preise.

    Wir waren letzten Sommer im Lettland, wo jede Menge Plakate zum Film hingen, und er der meistgesehene Film der lettischen Geschichte ist. Aber selbst für Nicht-Letter: Er ist sicher einer der speziellsten Filme, die ich in den letzten Jahren sah.

    Schwalben kommen, Schwalben gehen, Schwalben kommen

    Was für ein seltsamer Sonntag. Die Wettervorhersage hatte leichtes Getröpfel (Berlin) bzw. schwere Weltuntergänge (Latifundien) vorhergesagt, und ich war auf den Latifundien.

    Einen halben Tag blieb ich damit beschäftigt, alle fünf Minuten in den Bungalow zu verschwinden, weil es entweder anfing zu regnen oder in der Sonne drückend heiß wurde, oder wieder rauszugehen, weil es gerade wieder angenehm war.

    Terrassenfrühstück und Kaffeegartenrunde gelangen noch. Dann kam ein leichter Regen. Ich packte alles zusammen, und alles ich dann im Bungalow saß, dachte ich, jetzt ist wieder trocken. Das Spiel wiederholte sich. Als der Regen vor war, kam Sonne. Auf der ungeschützten Terrasse in der Sonne merkte ich die Schwüle sofort und ging wieder rein. Dann kam eine Wolke und ich ging wieder raus.

    Außer Lesen und Bachelorarbieren war ich mit dem Wetter-hin-und-her vollauf beschäftigt. Auch die Tiere schienen verwirrt. Ich sah wenige von ihnen. Kurz vor dem eigentlichen Unwetter ein Schwarm Schwalben wild über dem Grundstück. Dann kam das Unwetter gar nicht bzw zog nördlich und südlich an mir vorbei, und wieder der Schwarm Schwalben.

    Ich glaube, ich habe ein- und dieselbe Fliege dreimal durch die Haustür wieder nach Draußen gelassen.

    Mein Plan war es während des für den Abend angekündigten Weltuntergangs zu Essen, und dann nach dessen Ende wieder nach Schöneberg zu fahren? Mangels Weltuntergangs fiel mein Plan in sich zusammen.

    Am Ende saß ich auf der Terrasse, aß Staudensellerie und Paprika, trank Buttermilch und sah die spektakulärsten Gewitterwolken, die alle in der Ferne von mir vorbeizogen.

    Ethik oder Diversität oder Gestaltung?

    Eine andere Entscheidung liegt noch vor mir. Eigentlich wäre es Zeit mich für das Wintersemester 25/26, nach Plan Mastersemester 1, zurückzumelden. Aber es ist sinnvoll, gleich die Module anzugeben, die man nächstes Semester belegen will.

    Dafür muss man wissen, welche Module man belegen will. Und bei einem kann ich mich nicht entscheiden.

    Die Rahmenbedingungen: An sich möchte ich die Masterarbeit Wirtschaftsinformatik irgendwann bei einem Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik schreiben. Dazu empfiehlt es sich, sie alle mal im Modul kennengelernt zu haben. Vier kenne ich schon, der fünfte fehlt mir noch: BIGSI, der Lehrstuhl für Betriebs­wirtschafts­lehre, insb. Gestaltung soziotechnischer Informationssysteme. Dieser bietet drei Module an: Digitale Ethik, Digitale Diversität oder Socio-Technical Information Systems Design.

    • Digitale Ethik ist ein Bachelormodul, das sich mit etwas Zähneknirschen für den Master anerkennen lässt. Wäre (hey, Nebenfach-Magister-Philosoph!) natürlich weit in meiner Komfortzone. Andererseits bin ich da auch weit in meinem „Someone is wrong on the Internet!“-Bereich. Also bitte, soll ich mir von BWLern was über Philosophie erzählen lassen?!?
    • Digitale Diversität ist ein Mastermodul. Da gilt das mit der Komfortzone eingeschränkt. Zu meiner Studienzeit war die Identitätspolitik entweder sehr abstrakt (hallo, französische Poststrukturalisten) oder fand in den unwissenschaftlichen Nebenfächern (aka Geisteswissenschaften) statt. Zur Soziologie war sie noch nicht wirklich vorgedrungen. Aber insgesamt liegt das auch nah an dem was ich sonst mache und denke.
    • Socio-Technical Information Systems Design ist ein englischsprachiges Modul (wenn auch erfreulicherweise viel näher an proper English als Knowledge Management..) und liegt im Komfortbereich, weil es sehr meinen derzeitigen Interessen entspricht – auch wenn ich hier vermutlich am wenigsten Vorwissen habe.

    Und so lange ich mich nicht entschieden habe, kann ich mich nicht rückmelden.

    (halber Bürotag klimatisiert, Rückflug mit Schlafen, 8,5 Stunden, 29 Grad auf 19 Grad): Jetzt wird es mega-spannend denn: Konzeptwechsel!

    Herr Mess über KI im Alltagseinsatz. Deckt ungefähr meine Erfahrungen: Mir hilft es beim lateralen Denken, weil es oft genug schräge, unerwartete Ergebnisse liefert und unerwartete aber nicht unpassende Wissensbrocken hervorzaubert. Oder halt frei erfundenes. Wenn ich Inspiration suche ist mir das fast egal. Aber never ever glaubt ohne Kontrolle, was ihr da lest: KI-Krisen. (und ja, sie hat noch das anderes Einsatzgebiet, das in einer seriösen Welt spielt, dass sich als unbezahlter Praktikant zusammenfassen lässt. Braucht Aufsicht und klare Ansagen, Qualität voller Überraschungen, aber sie verschnellert einiges deutlich)

    Julia Pracht übersetzte für das Alpine Museum München und lernte einiges über Sand- und Kalkstein.

    Frau Novemberregen on a run. Oder eher: On a flight. Ich habe jedes Wort gefeiert.

  • 24-03-16 Sanitätsservice Pissarek

    24-03-16 Sanitätsservice Pissarek

    Im Hausflur steht eine Matratze. Das ist erstmal nicht ungewöhnlich. Außergewöhnlich ist es dadurch, dass sie neu und originalverpackt ist. Es steht eine Empfängerin auf dem Paket, die mir im Haus unbekannt ist.

    Madame bekam zu Recht Blumen.

    Typisches durch-die-Stadt-treiben-lassen nach der Klausur: 248er-Bus, U7, zu Fuß laufen, Schwimmbad, X71-Bus, am Hafenbecken sitzen und der Bootsschule zusehen, U6 und M46.

    Mäandern durch die Stadt führte mich unter anderem zur alten Wirkungsstätte am Ullsteinhaus. Dafür, dass die Samwer-Brüder einst Großes ankündigten, wirkt alles unverändert. Nur die Currywurstbude neben dem Einkaufszentrum verschwand. Die U-Bahn-Baustelle ist in den letzten zwei Jahren gewachsen.

    In Neukölln steht eine Pizzeria Cordoba. Hauptsache Griechenland.

    Neben meinem Bus hielt ein Kastenwagen vom Sanitätsservice Pissarek. Ich grinste. Ich hoffe, sie melden sich mit „Läuft“ am Telefon.

    Gelernt: wenn jemand sagt, dass er die Fernuni-Online-Klausuren nicht Online schreiben kann, besteht die Möglichkeit nach Hagen zu kommen und die Klausuren vor Ort zu schreiben.

    (Bereits gewusst: Es gibt umfangreiche Sonderregelungen und -Bestimmungen für JVA-Einsitzende, aber die laufen nochmal anders.)

    Schokoladenfabrik

    Die BWL-Klausur dieses Semester ist Vergangenheit.

    Inzwischen habe ich ganz gut Routine im Online-Klausur-Verfahren: Aufbau und Rückbau des klausurgerechten Arbeitsplatzes läuft von mal zu mal schneller. Die Klausur selbst mochte ich.

    Angesetzt war die Klausur von 8:55h bis 11:00h. Um 9:13h hatte ich den Eindruck, dass ich genug Punkte zum Bestehen zusammengesammelt hatte. Um 9.33h hatte ich alle Fragen beantwortet. Um 10:00h hatte ich alles doppelt gecheckt und alle Rechnungen soweit möglich mit anderen Rechenwegen nochmal gerechnet.

    (Also erst aufgelöst, dann umgeformt statt anders herum. Handgerechnete Teile diesmal mit Taschenrechner bzw. umbekehrt etc.)

    Um 1030h hatte ich dann alles, wo es Hakler gab oder Ergebnisse in den ersten beiden Runden nicht übereinstimmten noch ein drittes und viertel Mal durchgegangen.

    Und dann stellte ich langsam fest, dass ich meine Lösungen und Rechenwege auswendig konnte.

    Weitere Korrekturrunden hätten nur etwas gebracht, wenn ich zwischendurch 10 Minuten auf den Balkon hätte gehen können, kurz ein Youtube-Clip sehen – halt lauter Sachen, die im Rahmen einer Klausur nicht möglich sind.

    Also gab ich ab. Wenn ich hier nicht bestanden habe, muss ich heute morgen vielleicht ein hallizugenes Stadium der Besundseinsverwirrung durchlaufen haben.

    50-Meter-Bahnen

    Nach der Klausur ist vor der Klausur ist nach der Klausur. Oder so. Es galt drei Klausuren (eine geschrieben, eine noch-zuschreiben, von einer das Ergebnis bekommen) zu verarbeiten.

    Auf jeden Fall wollte ich mir nach Abgabe Anspannung vom Leibe schwimmen. Und da ich noch einen halben Tag übrig hatte, konnte ich mich nahe der brandenburgischen Landesgrenze begeben.

    Mit der U7 ging es nach Gropiusstadt und dann durch den Frühling zum Kombibad Gropiusstadt. Ein echter Vorteil der Großsiedlungen sind ihre reichlichen Grünflächen. Ein Vorteil, den sie bei knapp 20 Grad, Sonnenschein und Frühblühern allüberall perfekt ausspielen können. Es roch nicht nur nach Frühjahr, das Frühjahr wirkte intensiv aus sämtliche Sinne ein.

    Der Spaziergang war architektonisch spannend, seelenwärmend und voller Rentner*innen?

    Wo kamen sie her? Inmitten der Gropiusstädter gingen selbst unsere Eltern noch als junge Hüpfer durch. Uns verkaufen sie in Gropiusstadt vermutlich nicht mal Alkohol ohne Ausweiskontrolle.

    Wo wollten sie hin? Ins Schwimmbad! Meine Güte war das voll. Eine grau-weiße Haarmenge wogte über den Wellen.

    Zum Glück war das Becken in drei Bereiche geteilt: Sportschwimmer, Unsportschwimmer und Menschen-die-sich-im-Wasser-unterhalten-wollen. Das hat gut funktioniert. Die 50-Meter-Bahn in Gropiusstadt half, damit die Rentner*innen sich verteilen konnten.

    Ich war im Flow, die Sonne schien, das Fenster erlaubte den vorfreudigen Blick auf das Freibadgelände. Elend des Lebens: würde ich nicht soviel Zeit damit verbringen, für die die Bäder zu arbeiten, hätte ich mehr Zeit zum Schwimmen.

    Aber auch so: alles molto perfetto und wunderbar, um die eine Klausur (BWL) aus dem System zu bekommen und die andere (Mathe) innerlich zu verarbeiten.

    Blick auf den Vorplatz Kombibad Gropiusstadt vor strahlend blauem Frühlingshimel. Ein noch kahler Baum, angeschlossene Fahrräder, ein Mann der auf das Bad zuläuft.

    Bye, bye Zahlentheorie

    Nahezu Zeitgleich mit dem Verfassen der BWL-Gedöns-Klausur kam die Notennachricht der Mathematische-Grundlagen-Klausur.

    Es war knapp. Leider von der falschen Seite. 27 Punkte hätte zum Bestehen gereicht, bei mir waren es 25 Punkte und die Note „n.b.“ wie „nicht bestanden.“. Manchmal hat man Glück und manchmal läuft es so.

    Spontan hörte ich tief in mich hinein, wie ich damit umgehen will und wie es mit dem Masterplan steht und hörte ein überraschend lautes: „Fuck You! Jetzt erst recht. Ich hab die Tortur doch nicht für ein blödes „nb“ auf mich genommen.“ Okay.

    Nach einer Nacht des darüber Schlafens und einmal drüber Schwimmen stimmt die Grundtendenz immer noch. Aber ist natürlich ambivalenter geworden, offenbart Schmerz und Freude.

    Schmerz, denn es kratzt am Ego. Mein Selbstbild ist das eines Menschen, der Klausuren besteht und erst recht Mathe-Klausuren. Nun ist Uni-Mathe-Mathe etwas Anderes als anderes Mathe. Die Durchfallquote von knapp 60% bei der Klausur sagt auch etwas. Zumal die Schreibenden kein repräsentativer Schnitt durch die Gesellschaft sind. Dennoch: Autsch,

    Schmerz, denn die Lernerei war aufwendig im letzten Semester. Ich hatte die Hoffnung, es im Sommersemester ruhiger angehen zu lassen. Und nicht den Mist schon wieder vor der Nase zu haben.

    Schmerz, denn ich muss mir den Platz freiräumen für die Mathematische Grundlagen. Mein schöner innerer Plan für die nächsten drei Semester geht nicht mehr. Das bedeutet mindestens, dass das Modul Zahlentheorie auf Unbestimmt verschoben wird.

    Freude, denn ich habe wenig Zweifel, dass es nächstes Semester etwas wird mit der Klausur und mir. Zwei Punkte sind nicht viel; die kann ich mir in einem Semester erarbeiten.

    Zumal ich weiß, woran es haperte: Zuwenig praktische Übung, zuwenig Aufgaben gerechnet. Das wusste ich auch schon vor der Klausur. Aber es war eine bewusste Entscheidung.

    Meiner Erfahrung bringt es mir wenig, bei den Rechnungen im Nebel zu stochern, wenn ich die Grundsystematik nicht verinnerlicht haben. Die zu verstehen war ein Kampf. Aber ich bilde mir, den Kmapf habe ich gewonnen.

    Da ich mir diesmal den langen, ausführlichen Teil erspare, der da lautet „was wollen die von mir?!?“, kann ich von Anfang an mit rechnen loslegen. Darauf freue mich.

    Freude, denn der Titel „Mathematische Grundlagen“ scheint Programm. Auf dem Inhalt dieses Moduls baut die komplette Uni-Mathematik auf. Wenn das Fundament schief sitzt, kann der Aufbau nicht gut werden. Inhaltlich ist es mir lieber, die Inhalte dieses Kurses sitzen fest als „irgendwo so durchgemogelt.“

    Also wieder angemeldet und auf in’s Abenteuer.

    Stand

    10 Klausuren insgesamt geschrieben, eine dieses Semester noch ausstehend. Bei zweien fehlt noch die Bewertung, sieben sind bestanden, eine ist nicht bestanden. Bachelor Wirtschaftsinformatik: 70 von 180 nötigen ECTS. Eventueller Bachelor Mathematisch-Technische-Softwareentwicklung: 10 von 180 ECTS plus ein Fehlversuch.

    Why libertarian cities fail

    Als wir letzten Sommer bei knapp 40 Grad in Warschau waren, sahen wir gelegentlich einfache Wasserschläuche in den Straßen, die für Sprühnebel sorgten. Das schien mir sofort ein überzeugendes Konzept zur Stadtkühlung im Sommer. Die SPD Schöneberg sieht das auch so und möchte es einführen: Wassernebel gegen Hitzeinseln.

    Schönes aus dem Autorenleben: Cover Animal For ActivityPub Book (via Tröt)

    Auch viaa Tröt: Why libertarian cities fail.

    Blog-Schreiben als Teil des Schulunterrichts. Spannend. Schreibenblog.

    Anke Gröner freut sich über den ICE neo.

  • 23-05-16 Fluch der Karibik

    23-05-16 Fluch der Karibik

    Die Hinter-dem-Büro-Baustelle dichtet das Tiefgaragendach mit Dachpappe ab. Das Dach liegt genau auf Bodenhöhe. Es sieht so aus, als würden mehrere Lagen Dachpappe direkt auf den Erdboden verlegt. Darauf wird ein halber Meter angekarrter Erde kommen, um Natur zu suggerieren. Die Hinterhausbaustelle zog Schläuche quer über den Hinterhof. Irgendeine weitere Baustelle sperrte spontan den Radweg vor unserem Haus.

    Der Bungalow-Wasserzählerwechsel mit Verplombung ist in all‘ seinen Verästelungen durchlaufen. Damit ist die letzte der dortigen Winter-’22/’23-Aufgaben vollendet.

    Der Kaptain schickte Fotos aus Sylt – ich bewundere, dass sie eine Wohnung mieten konnte, die im Erdgeschoss liegt, Meerblick hat und bezahlbar ist. Madame stand am Spandauer Damm.

    Meine Lieblings-Event-Mitarbeiterin (MLEM) testete freundlicherweise einen neu erfundenen Prozess.

    Zur mittelfristigen Erhaltung meiner geistigen Gesundheit nahm ich mir vor „Keine Uni auf der Arbeit. Auch nicht in den Pausen.“ Jetzt aber bin ich aber an einem Punkt, an dem ernsthaft Neugier und Ehrgeiz geweckt sind, Ich will wissen, wie diese komischen Mathe-Sachen funktionieren. Ich nahm mehrfach Mathe mit zur Mittagspause – weiß aber noch nicht was ich davon halte.

    Matritzenrechnungen mit zahlreichen Variablen
    Mathematiker haben es nicht so mit Zahlen.

    Weißer Flügel in Neukölln

    Neukölln gab alles. In der U7 zwischen Mehringdamm und Karl-Marx-Straße der junge Mann, gestylt, mit seiner großartigen Pastell-Neon-leuchtenden Boombox, der viel zu laut Achtziger-Jahre-Pop spielte und tanzen wollte. Das Publikum im Wagen schwankte zwischen amüsiert und genervt. Mit der ganz genervten Radfahrerin versuchte der junge Herr sich anzufreunden.

    Wir waren auf dem Weg zu Professor Transformation. Mit unserem Gourmet-Sachverständigen waren wir im „Vorwerck“, dem Event-Restaurant im Erdgeschoss der Neuköllner Oper verabredet. Ich haderte etwas – mehrgängiges Essen in Innenräumen fällt für mich unter Kultur, und damit unter Winteraktivitäten, – aber Madame und Professor Transformation waren von einem dortigen Zufallsbesuch so begeistert, dass ich zum geplanten Essen mitkam.

    Lohnend. Es gab ein 3-Gänge-Menü (Schaum vom Tomatenessenz mit Spalten von Rotweinschalotten), Kalbsrückensteak, Süßkartoffel gefüllt mit Graupen-Risotto und Azuki-Bohnen und New York Cheesecake. Durchgehend kompetent gekocht.

    Dazu, für uns nicht geplant, kamen wir zur Grand Piano Show. Wechselnd setzen sich Kellner an den weißen Flügel und spielen Pophits, Filmmusik, Klassik, die Tische raten gegeneinander. Wer zuerst den richtigen Song ruft, bekommt einen Punkt. Wir waren eher schlecht (3 Pünktchen brachten uns I will Survive, Jeannie und Time Warp). Über das Konzept an sich herrschte an unserem Tisch Uneinigkeit:

    Die klavierspielenden Kellner sind schick – wo muss man schon Fluch der Karibik am Flügel vorspielen, um Kellner zu werden? Ín seiner eigentümlichen Anmutung könnte das ganze Restaurant direkt dem New York Magazine entsprungen sein. Für Berliner Verhältnisse wirkte alles ungewohnt großstädtisch.

    Andererseits war das Essen eigentlich so gut, dass es hätte alleiniger Star des Abends sein sollen und nicht noch mit einer Klaviershow um unsere Aufmerksamkeit buhlen müssen. Aber wir kommen wieder, spätestens im Winter.

    Schafe und Scones

    Frau Herzbruch wurde zur Handball-Eishockeymutter (und als ehemaliger Kreismeister im Kleinfeldhandball kommt mir alles sehr bekannt vor.)

    Sarah Merker von den National Trust Scones besuchte die sconefreien Birmingham Back to Backs.

    Frauherr Streifzug verbrachte die ersten Wochen eines Sabbaticals auf den Orkneys und brachte unter anderem großartige Schafsbilder mit.

    Wem es entging. Meine „du meine Güte-Meldung des Monats:“ Zwei Öl/Gasfelder in Turkmenistan setzen mehr Treibhausgase frei als das komplette Vereinigte Königreich mit alles. Sprich: der Effekt, dort die Lecks zu stopfen wäre größer als die Umstellung eines kompletten westlichen Industriestaates auf Null Treibhauseffekt. Bei dem Thema merkt man immer mal wieder wie klein, unbedeutend und unwichtig man in dieser Welt ist.