Schlagwort: Eichelhäher

  • 26-04-21 How do you know when the hug is done?

    26-04-21 How do you know when the hug is done?

    Madame erklärte den Unterschied zwischen einem Algorithmus und KI.

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    Ich war das erste Mal seit Januar 2025 unprovoziert auf einer US-News-Website. So tief sitzt der Stachel.

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    An der most plastic Plastic Plaza Berlin, dem Uber-Platz zwischen der Uber Arena und der Uber Eats Music Hall, wollten wir Essen. Wer zuerst kommt, sucht aus. Madame wählte den Kumpir Club, oder wie mir ihre Rechtschreibprüfung mitteilte: Sitze bei lumpig.

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    Bestandsaufnahme nach dem Regen: Die Ahornblüten am Parkplatz wurden komplett niedergeschwemmt. Der rosa Fluschelpuffel hielt sich tapfer. Unter dem Magnolie im Office-Innenhof steht aktuell eine weiß überzogene Buxbaumkugel.

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    Es war ein Regensonntag im Garten und ein Trockenmontag zwischen Arbeit und Hail Mary.

    Wesselburen ist AWBU, Lörrach ist RLR

    Dank Uschi wurde ich auf die wunderbare Welt der Bahn-internen Bahnhofsbezeichnungen hingewiesen, Nach diesen hat zum Beispiel der Hauptbahnhof Hannover die Bezeichnung HH, der Hamburger Hauptbahnhof wird hingegen AA geschrieben.

    Ich folgte der Spur und stellte fest, je tiefer ich mich in das Thema hineinbegebe, umso unklarer wird, warum welcher Bahnhof wie betitelt ist. Nur scheinen Telegrafenkürzel des 19. Jahrhunderst einiges damit zu tun zu haben.

    Damit ich nicht komplett im Kaninchenloch verschwinde, arbeitete ich mich mit Bekanntem wieder heraus: Der Bahnhof Südkreuz trägt das Kürzel BPAF – Ich vermute Berlin Papestraße Fernbahnhof.

    Die Schubkarre füllte sich

    Madame hechtete aus der S-Bahn in den mit laufendem Motor bereit stehenden Subaru, um mit auf die Latifundien zu kommen. Denn wir noch nachts ankämen, würden wir morgens bereits im Garten aufwachen. Es galt das Drittel des Tages zu erwischen bevor zur Freude des Gartens und zur Unfreude der Gärtner*innen der große Landregen begann.

    Vor dem Regen: Die Kirschallee in der Ferne leuchtete über das Feld. Kirsche und Steinfrüchte in der Nähe leuchteten über den Garten. Ich himmelte die rosa Staubblätter in der weißen Birnenblüte an. Unter dem Rotdorn blühte die einzige tapfere rote Tulpe, die dort seit Jahren blüht. Vom Feld schaute ein großer schwarzer Hund zu uns hinüber.

    Wir versuchten eine Kaffegartenrunde zu absolvieren, die einerseits vor dem Regen fertig würde, andererseits auf gar keinen Fall Anzeichen von Eile zeigte – denn das stünde dem Zweck dieser Runde komplett entgegen.

    Im beginnenden Regen: Madame brachte den Rosendünger aus. Ein Eichelhäher lieferte eine Flugshow an der Pergola.

    Im Starkregen: Madame arbeitete, ich las weiter in Exhalation. Dazu im Deutschlandfunk Django Reinhardt über Bach, danach die Ska-Urgesteine El Bosso & die Ping-Pongs.

    Im Erdgeschoss bestellen, im dritten Stockwerk abholen und essen

    Liebes IMAX, wir müssen über den Ausdruck „normal“ reden. Ich bin nun wahrlich kein der Connaisseur der Kleinportion. Aber in dem was ihr unter einem „normal“ großen Popcorneimer verkauft, hätte mensch Spaghetti für eine komplette Jugendhandballmannschaft kochen können.

    Wobei ich beim Popcorneimer noch dachte „naja, ist halt für Menschen, die auch Freunde haben, die teilen sich das.“ Aber die Colabecher in denselben Proportionen. Are you kidding?

    southpark verlässt das Arthouse-Biotop, geht ins UCI luxe und staunt; nicht nur darüber wieviel Geld mensch für eine einzige Kinokarte ausgeben kann, auch für ein paar Magnum-Bons, die acht Euro kosten – und es Menschen gibt, die dies bezahlen. Eine wundersame Welt.

    Der Besuch dieser Welt lohnte: denn nirgends ist der Screen größer und der Sound besser und es galt ein Weltraumepos zu sehen.

    Aber vorher: Werbung.

    Dieses Bild zeigt nicht wie steil die Plätze bergab gehen und wie riesig diese Leinwand ist.

    Spider Wars 14

    Ein anderen Kino bedeutet andere Werbung. In diesem Falle bedeutet ein Mainsteam-Blockbuster-Kino auch Werbung für Mainstream-Blockbuster-Filme.

    Es gab Werbung für Scream 7 (8? 9?), Spider Man irgendwas, Star Wars das-will-doch-wirklich-niemand-mehr-zählen. Inspirierend, und sei es nur anregend zur Geldausgabe-für-ein-Kinoticket wirkte das jetzt nicht.

    Was mich aber noch mehr überraschte als die inhaltliche Ödnis der Trailer: Ich saß in der Überwältingungsmaschine IMAX und die Trickeffekte sahen dennoch bestenfalls nach einem mittelmäßigen Computerspiel aus. Letztens las ich noch in einer Überschrift, dass Film-CGI in den letzten Jahren schlechter wird. Mein visueller Eindruck schien das zu verfestigen.

    Oder ich hatte noch keine Brille ich das letzte Mal in einem echten Special-Effects-Film war.

    Den Trailern nach zu urteilen, besteht großes Kino derzeit überwiegend aus der Fortsetzung der Fortsetzung einer Serie, die 1980 ihren kreativen Höhepunkt hatte, und nun mit zweifelhaften CGI aufgepimpt wird.

    Da freue ich mich die über all jene, die sich davon nicht abschrecken lassen, trotzdem ins Kino gehen, dort riesige Popcorneimer kaufen und damit das IMAX finanzieren, auf dass ich es auch einmal in 10 Jahren besuchen kann.

    Im Atmen orientierte er sich an Katharine Hepburn

    Popcorneimer waren angebracht. Wir sahen „a masterpiece of a family popcorn movie“ – The Astronaut/Project Hail Mary mit Ryan Gosling, Sandra Hüller und Rocky der Puppe.

    Toller Film, nicht lebensveränderung, keine große Kunst, aber ein richtig, richtiger schöner popcorniger, lieber, emotionaler, ästhetisch toller Popcornfilm.

    Und, beste Entscheidung, weitgehend ohne Computergrafik. Denn die Macher*innen des Films verließen sich auf die jahrhundertealte Kunst des Puppenspiels. Das tolle, großartige Alien Rocky war eine Puppe, die von sechs Rockyteers gespielt und vom Hauptrockyteer James Ortiz gesprochen wurde.

    (Für Hintergrund: A Little Baby Owl. A Little Katharine Hepburn. All Alien.)

    Denen gelang es, eine Puppe zu erschaffen, die wirklich Alien, nicht-menschlich-nicht-tierisch aussieht, und doch so viel „Gestik“ und Leben in sich hat, dass mensch sie sofort knuddeln möchte. Wie Ryan Gosling auch – der aber dann das Konzept einer Umarmung erklären muss.

    „Wann ist die Umarmung vorbei?“ – „Man merkt es.“

    Notat

    Service: hier veröffentliche die DB InfraGo die komplette Excel-Liste sämtlicher Abkürzungen der Betriebsstätten.

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    Für den Herbst. Es war gar nicht so einfach, noch Narzissenlücken zu finden. Außer der Stelle am Obstbaumweg zwischen neuer Birne und Mirabelle, die wir immer vergessen.

    Nett wären welche im Landschilfhain.

    Und unter dem Wohnzimmerfenster.

    Telechandler

    In der neuen Folge erklärt Franceso Wilking von Die Höchste Eisenbahn und Tele, wie er mit 16 in das Werk von Bob Dylan eintaucht.. und das wird Madame vermutlich interessieren, weil der 16jährige Francesco in ihrer eigenen Schulband spielte. (via)

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    Auch ’ne Idee zur Studienfinanzierung: Sie kümmert sich

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    Und ich stellte es mir komisch vor, zum letzten Mal die Tür zu schließen. Dann andererseits auch nicht, man schließt ständig irgendwelche Türen zum letzten Mal, macht es sich nur nicht bewusst und kann natürlich alles mit Bedeutung aufladen, wenn man dazu neigt. Ich neige dazu nicht. Aber die Tür zum Elternhaus ist dann ja vielleicht doch, naja, wir werden sehen, dachte ich mir.

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    Borges meinte glaube ich mal, dass die besten Rezensionen zu nicht-erschienenen Büchern geschrieben werden. Rein subjektiv gilt das natürlich auch für nicht gelesene Bücher. Zumal wenn es Bücher sind, die ich durchaus lesen könnte, aber irgendwie nie dazu kam: Einige Gedanken zu „Lebwohl, mein Liebling“ von Raymond Chandler

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    An liebe jedes Wort in diesem Text.

  • 26-03-26 Senior IT Administrator:in (d/w/m) oder Stellvertretende Abteilungsleitung IT (d/w/m)

    26-03-26 Senior IT Administrator:in (d/w/m) oder Stellvertretende Abteilungsleitung IT (d/w/m)

    Die Berliner Bäder vergeben aktuell zwei IT-Jobs: Senior IT Administrator:in und Stellvertretende Abteilungsleitung IT. Da ihr hier gelandet sein, beweist ihr Geschmack und Kompetenz und deshalb: Wenn es für Euch in Frage kommt: Bewerbt euch gerne!

    Die Stellen sind im öffentlichen Dienst, mit allen Vor- und Nachteilen, im Microsoft-geprägter Umgebung. Ihr müsst es nicht lieben, solltet davon aber auch keine Bauchschmerzen bekommen. Ihr dürft/könnt/müsst mit mir zusammenarbeiten. Für Fragen dazu bin ich natürlich auch absprechbar.

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    Ende der unbezahlten Werbeeinblendung.

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    Madame vermisste Vögel in der Kornellkirsche. Wie auf Zuruf kamen in der nächsten Minute zwei Meisen und kurz danach auch noch ein Eichelhäher. Ein schönes Tier!

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    Während die Kornellkirsche langsam an Blühkraft verliert, befindet sich die nebenstehende Verdachtskirsche kurz vor dem Ausbruch. Wir hoffen, dass sie sich gut mit dem angesagten Nachtfrost koordiniert.

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    Videomeeting mit Dienstleister „unten in Thüringen.“ Angesichts des Schnees auf seinem Dachfenster sah das für mich eher nach „oben in Thüringen“ aus. Wir einigten uns auf „700 Meter über dem Meeresspiegel kurz vor der bayerischen Landesgrenze.“

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    Ich habe die Ehre, 80 Seiten eines Romans-in-Entstehung lesen zu dürfen, und der ist richtig, richtig gut. Ein Wow-Moment.

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    Edeka Duolingo installierte Kameras über den SB-Terminals.

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    Im Südkreuz, eine junge Frau in Influencer-Beige mit Plüsch-Alpaka im Arm, das fast so groß war wie sie selbst. Und ich dachte immer, der Slogan „Alpakas-sind-die-neuen-Einhörner“ wäre nie aus den Laboren der Werbeabteilungen entkommen.

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    Im Südkreuz auf der Treppe (die Rolltreppen sind weiter außer Gefecht) rannte ein junger Mann mit Angel, Netz und entsprechenden Hut und Hose die Treppe hoch. Wohl doch kein so entspannendes Hobby.

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    Es waren drei Arbeitstage unterbrochen von Nachtkino.

    Das schwappende Geräusch der letzten Wellen

    Ich war mal wieder im Becken. Leider konnte ich nicht wirklich schwimmen. Irgendwie war ich die Hälfte der Zeit von dem Gedanken absorbiert: „Und ich wohne hier. Wie krass ist das?“

    Vielleicht weil es leerer war als sonst. Vielleicht weil ich mehr „Raum“ mitbekam und weniger auf andere Personen achten musste. Die guten Vorsätze aus dem Januar sind längst alle vergessen. Der beginnende Frühling zieht Menschen aus den Hallenbädern und nach draußen.

    Ich nutzte wieder einmal die Zeit, zum Vor-ins-Bettgehen-schwimmen-weil-es-so-schön-nah-ist. Und in den letzten paar Minuten vor dem Ende der Badezeit teilten wir uns zu dritt ein komplettes 25-Meter-Becken; während des draußen schon lange dunkel war, die Rettungsschwimmer*innen und Fachkräfte langsam begannen, zusammenzupacken und dieser ganze Raum in eine seltsam melancholisch-ruhige Stimmung versank.

    Geister in Neukölln

    Ein Traum in Türkis

    An der Kreuzung neben unserer Wohnung ist eine Autowaschstraße mit Boxen zum Auto-Selberwaschen. An der Herrmannstraße/Neukölln ist ein „Selbstwasch Hundesalon“.

    Das Neues Off-Kino in Neukölln wirkt, als hätten sie das Odeon umgebaut und dabei Wes Anderson als Stilberater eingestellt. Vielleicht habe ich neues Lieblingskino.1

    Ich unternahm geistig eine der heftigeren filmischen Achterbahnfahrten meines Lebens. Im gefühlten Tempo von 10 km/h. Der Kinobesuch am Dienstag2 ließ mich ähnlich sprachlos mit offenem Mund zurück wie damals in Sommer La Chimera. Nur war der Film diesmal nicht italienisch sondern thailändisch, mir fehlte also auch noch eine Menge kultureller Referenzrahmen. Die Frage „Was ist seltsam? Was ist normal?“ wird nochmal spannender, wenn ich keine Ahnung habe, was Macher*innen und Zielpublikum des Films als „normal“ empfinden.

    Geister existieren, wenn sie erinnern oder wenn sie erinnert werden

    A Useful Ghost / ผีใช้ได้ค่ะ (Thailand, Singapur, Deutschland, Frankreich 2025) ist das Erstlingswerks des Regisseurs Ratchapoom Boonbunchachoke. Er lief im Rahmen der In the mood-Reihe der Yorck Kinos. Der Film ist mit Hilfe internationaler Gelder aus Berlinale Weltfonds und ähnlichem entstanden, aber komplett mit einem thailändischen Team gedreht.

    Auch in Thailand läuft der als eine Art Arthouse-Film, hat aber gerade bei den weiblichen Hauptdarstellerinnen etablierte Mainstream-Stars am Start.

    Es handelt sich um eine queere Geister-Komödie / politischer Film / Sozialsatire.

    Es beginnt damit, dass ein Staubsauger nachts hustet und Staub wieder ausspuckt, läuft über die Krankenhausszene in der eine Krankenschwester mit einem Staubsauger darüber diskutiert, ob sie als Geist-der-Ehefrau-im-Staubsauger sich an die Besuchszeiten halten muss oder als Ehefrau zu jeder Zeit kommen darf und endet nach über zwei Stunden in einer Szene, in der die Geister des Massakers von 2010 blutige Rache am zuständigen Minister nehmen.

    Zwischendurch ist es eine Art Meditation über Fortschritt und seine Kosten und die Bedeutung der Erinnerung.

    Wie meine Eingangsworte vermuten lassen: Es ist schwer, den Plot in seiner ganzen Komplexität wieder zu geben. Es geht um Geister, die nicht gehen können, weil sie lieben und andere, weil sie noch offene Rechnungen mit den Lebenden haben. Es geht darum, wie die Lebenden versuchen, diese Geister auszunutzen (daher der Titel „A Useful Ghost“) und die Opfer, die dabei anfallen. Und zuletzt ist der Film queer: Mal fast klassisch (Mann-Mann) mal ungewöhnlich (Mann-Geist-Staubsauger).

    Neues Off Kino von außen. Nachts, Schaukästen und Ankündigungstafel über dem Eingang erleuchtet mit "A Useful Ghost"

    Das Denkmal für die Revolution von 1932 fällt

    • Für seine Komplexität und Absurdität ist der Film sehr langsam erzählt. Lange Einstellungen, spärlicher Dialog, Schauspielern auf engem Raum.
    • Es ist ein Erstlingswerk. Ich vermute, jede*r erfahrene Regisseur*in hätte versucht die 800 spannenden Ideen des Film auf 8 zu kürzen, und jede davon mehr durchzuerzählen. Das wäre dann ein formal besserer Film geworden – aber halt auch viel weniger spannend.
    • Mir fehlt jeglicher Referenzrahmen für thailändischen Film. Aber ich vermute, dass dieser Film auch in Thailand aus dem Rahmen fällt. Um so spannender, dass er mit Davika Hoorne und Apasiri Nitibhon zwei echte dortige Stars an Land zog – soweit ich recherchieren konnte, im Fall Hoorne aus persönlicher Bekanntschaft und weil sie das Drehbuch spannend fand.
    • Dass das gestürzte Denkmal, geräumt zugunsten einer Shopping-Mall, an die Revolution von 1932 erinnerte, zum Beispiel musste ich mir erst im Nachhinein anlesen. Bei einem Film, der sich so nachdrücklich um das Thema Erinnern dreht, war das eine Bedeutungsebene, die mir fast entgangen wäre.
    • Die Staubsaugerfabrik sieht so aus wie deutsche Fabriken in den Filmen aus den 1960ern/1970ern, bei denen ich immer denke „die gibt es nicht mehr.“ Doch gibt es: in Thailand.
    • Was ich am Film spannend finde: So sehr die Story die greifbare Realität verlässt, so sehr zeigt er Alltag in einer Welt, die mir sehr fremd ist.
    • Dieser Regisseur ist kein Freund buddhistischer Mönche. Wahrlich nicht. Aber ihre Szenen sind sehr lustig.
    • Ich liebe den Film dafür, dass der Minister als charmanter Sympathieträger eingeführt wird, und sich erst langsam seine Seite als Massaker-Befehlender offenbart. Wobei er als Mensch im eins-zu-eins immer noch charmant und sympathisch bleibt, auch wenn schon klar ist, wie viele Leute er hat umbringen lassen.

    Licht und Schatten

    poupou auf der Suche nach parfümfreien Deo: Parfümfrei: Deoprobleme (unbezahlte Werbung)

    Madame kann beisteuern: Auch Fish&Chips ist ein hervorragenden einarmiges Essen: Abends aßen wir im Restaurant. Bei der Auswahl bin ich zurzeit etwas eingeschränkt, da ich möglichst Gerichte wähle, die problemlos einhändig zu essen sind, etwa Penne mit Rindfleischstreifen oder Erbseneintopf, weil das Essen mit Messer und Gabel wegen der Armschiene etwas mühsam ist. Auch weiterhin gute Genesung.

    Licht und Schatten und licht und ton.

    Ich würde diese Beobachtung aus der S-Bahn bestätigen: Dabei habe ich festgestellt: Man liest offensichtlich wieder. Entgegen all der Meldungen zur Krise des Buches und der Buchhandlungen hatten eine Unzahl von Solo-Personen Bücher in der Hand, und zwar Bücher aller Art

    CW häusliche & sexuelle Gewalt: Grandma’s Hands

    Der grosse Herr Maus, der montags erst um zehn in der Schule sein muss, bekam kurz vor halb zehn einen Anruf von einer unbekannten Nummer. Da sie aber nicht nach einer Werbenummer aussah und er ausserdem einen Rückruf aus der Poliklinik erwartete, ging er glücklicherweise ran. Es war eine Lehrerin, die Aufsicht bei den Abiturprüfungen hatte, und nun anrief, um zu fragen, ob der grosse Herr Maus denn gar nicht zum Deutschabi – das er genau wie die grosse Schwester vor zwei Jahren jetzt schon schreibt – zu kommen gedenke. Ich hörte ihn nur panisch „Was, heute? Jetzt?!“ ins Telefon rufen

    Anmerkungen

    1. Auch das Kino-Kompendium scheint mir ungewöhnlich enthusiastisch im Tonfall. Zu recht. ↩︎
    2. Yorck Unlimted No. 16, damit 14,88€ pro Film. ↩︎

  • 26-01-20 Nägel raus, Wollteppich Kazak rein (Playin‘ for the blue haired crowd)

    26-01-20 Nägel raus, Wollteppich Kazak rein (Playin‘ for the blue haired crowd)

    Noch acht Kisten. Wir sind uns mit der Zählung wieder einig. Ich warf Schuhe weg, von denen ich hätte schwören können, sie schon seit Jahren nicht mehr zu besitzen.

    Mühsam rang ich mich zu dem Entschluss durch, dass es ein zuviel an LAN-Kabeln geben könnte.

    Madame dehnte ihr Total Immersion + Aquajogging-Programm auf eine Stunde aus. Wenn ich nicht aufpasse sehe ich demnächst nur noch ihre Rücklichter während sie durch’s Wasser chillt.

    Es war ein Arbeitsmontag mit Wohlfühlkino und ein Wohnungs-Ausräum-Sonntag.

    Um 6:56h kam der Parkplatzfuchs. Er überquerte direkt hinter dem eiligen Fußgänger den Weg, unbemerkt von diesem.

    Bei drei Grad Plus kamen drei Eichelhäher. Kaum schwinden die Minusgrade, tauchen die Vögel in unserem speziellen Kälteloch wieder auf. Sogar eine Blaumeise war darunter.

    Der Wollteppich Kazak, der indische Seidenteppich und *nuschel nuschel Pakistan* kamen gereinigt und repariert zurück. Wie man es sich wünscht, entpuppte sich der Lieferer als Teppich-Nerd. Unser Plan „leg man ab und wir überlegen dann wo und wie wir die Teppiche hinlegen“ fand keinen Anklang. Er musste ja den Teppich präsentieren und ausbreiten und zeigen was sie gemacht hatten und diskutieren, wo er am besten aussieht. Und auf jeden Fall – sie sehen toll aus.

    Natrürlich hatte er noch Ideen wo weitere Teppiche gut wirken würden. Ich fürchte er hatte Recht. Naja, irgendwann, wenn wir groß und reich sind. Zum Glück bietet auch hier die mangelnde Quadratmeterzahl der neuen Wohnung eine wirksame Beschränkung allzu ausschweifender Pläne.

    Verschüttete Erde

    Es sind nur noch Kleinigkeiten in der alten Wohnung. Aber selbst die können Arbeit machen, wenn es einfach sehr viele Kleinigkeiten sind: Viele Bohrlöcher zum Beispiel. Oder dies und das und jenes, das nicht umziehen sollte. Wie zum Beispiel die komplette Balkonausstattung: Denn wir haben ja gar keinen Balkon mehr. Insbesondere die Blumenerde.

    Madame putzte an den ganzen unangenehmen Stellen, an die mensch sonst nie rankommt oder ranwill. Sie trug Erde und alte Vorhänge die vier Stockwerke hinunter in den Müll. Wir zogen Nägel aus der Wand, trugen noch mehr Erde nach unten und trafen einen unserer Lieblings-(Ex)-Nachbarn. Wir lernten: Als Taxifahrer ist er Stammgast unserer neu benachbarten Autowaschanlage. Vielleicht sehen wir ihn dort noch einmal.

    Immerhin gelang es den Haushallodris zwischendurch, den Müllcontainer von der BSR leeren zu lassen, so dass wir ihn wieder befüllen konnten.

    High on the Wechselland

    Ausgelesen: Jessica B. Harris: High on the Hog. Das Buch spannt eine weite Reise aus Westafrika über die Zucker-Plantagen der Karibik, die Südstaaten, die Great Migration und das Black Harlem der Harlem Renaissance bis ins Alter der Fernseh-Celebrity-Köche. Immer kenntnisreich, immer spannend, immer ein wenig dahinplätschernd. Herzzerreissend allerdings wird es, wenn man liest, dass es 2011, zur Hochzeit Barack Obamas geschrieben ist und voller Hope und Enthusiasmus, was die Zukunft der Afro-Amerikaner angeht. Als 2026 lebender möchte man nur noch seufzen oder weinen.

    Angelesen: Raphaela Edelbauer: Das flüssige Land. Nach ungefähr fünf Seiten merkte ich: Edelbauer und ich, das klickt total: So denke ich und so würde ich gerne schreiben können. Sie schreibt in einer schönen aber artifiziellen Sprache, die niemand so reden würde – aber passend.

    Auf Seite 5 taucht ein erstes wörtliches Zitat auf: Eine E-Mail – die liest sich ziemlich genau wie eine echte informelle Mail eines Uni-Lehrstuhls 2025 klingen würde. Die gesammelte sprachliche Wurstigkeit der Mail im Vergleich zur hochgestochenen Künstlichkeit zuvor knallt wie Regal, das von der Wand fällt. Eins, zwei Sätze nur, und diese rücken den ganzen Roman zurecht.

    Ich bin inzwischen auf Seite 40, bin fasziniert von der Sprache, bin fasziniert vom Springen zwischen profanstem Alltag (Sie öffnete eine Excel um die Beerdigung ihrer Eltern zu planen) und halluzinatorisch-unwirklichen Passagen durch das österreichische Wechselland irgendwo in den Bergen zwischen Niederösterreich und der Steiermark.

    Und jetzt bin ich gespannt:

    • Wird der Roman es schaffen seiner gesamten sprachlichen Hochseilbühnenfechterei ausreichend inhaltlich-emotionale Tiefe zu geben um nicht irgendwann hohl zu wirken?
    • Und: Geht mir der Ansatz irgendwann beim Lesen auf die Nerven? Unwahrscheinlich aber nicht unmöglich.

    Soolai, soolai, soolaimon

    Durch Bekannte kam ich auf die Idee: After-Work-Kino. Dank meiner Jahreskarte1 ist es gar nicht mal so blöd, einfach auf dem Heimweg einen kurzen Abstecher beim Kino zu machen, zwei Stunden in dunklem Raum und gemütlichen Sessel abzuklingen, und erst dann in die Wohnung zu gehen.

    Ich machte einen Versuch mit Song Sung Blue um 17 Uhr im Odeon.

    Ich erwartete ein wenig Comfort Food für die Seele: Einen soliden, rührenden Film, in dem gesungen wird. Ich bekam weit mehr: Großes Kino.

    Dabei ist der Film von Craig Brewer keine Kunst, will keine sein. Nicht in diesem Film kommt unerwartet, nichts fordert heraus, nichts wird irgendeine Grenze erweitern. Das ist perfekt exekutiertes Unterhaltunghandwerk mit erkennbar großer Liebe für seine Subjekte: Diejenigen Entertainer, die nie den großen Durchbruch hatten, aber trotz allem mit allem Herzblut und Liebe unter prekären Lebensumständen Unterhaltung machen. In den Worten der Hauptfigur Mike Sandrino: „I’m not a songwriter. I’m not a sex symbol but, I am an entertainer.“ Alles ist genau dort wo es hingehört, und man sieht, dass es gut ist.

    Der Film ist manchmal witzig, oft traurig, gerne euphorisch, voller Liebe, liebt Musik (in der Form handgemachter Musik von Musikliebhabern), aber vor allem voller Wärme.

    Man möchte sie herzen und knuddeln und umarmen. Und dann passiert etwas und man möchte sie noch mehr herzen und knuddeln und ganz doll umarmen, aber aus anderen Gründen. Und dann passiert etwas und man möchte sie noch mehr herzen und umarmen. Und eigentlich möchte man Charaktere, Nebencharaktere, und das ganze Filmteam umarmen.

    Der Film erzählt die mehr oder weniger reale Geschichte von Mike Sardina (Hugh Jackman) und Claire Stingl (Kate Hudson), die sich als erfolglose Musiker und Imitatoren (Don Ho bzw. Patsy Cline) durchschlagen. Sie treffen sich in mittlerem Alter2 im Backstagebereich eines unbedeutenden Oldie-Gigs („Playing for the blue haired crowd“ der alten Menschen) auf der Wisconsin State Fair, verlieben sich und gründen eine gemeine Neil-Diamond-Coverband. Es folgt die Story aus Glück, Schicksal (in Form eines aus der Kontrolle geratenen Autofahrers, der Claire Bein und Lebenswille kostet), und neu erkämpftem Glück bevor Mike seine Herzkrankheit erwischt.

    An jeder Stelle möchte man sie herzen.

    Insbesondere, weil es eine Geschichte von Mittvierzigern, -fünfzigern erzählt, die das auch Leben. Die sehen so aus als hätten sie vorher ein Leben gehabt. Sie bringen ihr Leben mit (Kinder, Süchte, verpasste Chancen, Eltern, kaputte Autos, einen Zahnarzt, der auch der Musikmanager ist), und die Verhalten sich auch so als hätten sie schon viel erlebt.

    Er erzählt Geschichten von Menschen, die halb Friseurin und halb Musikerin sind, die beten dass ihr Auto durchhält, wenn sie zur Arbeit müssen, und die auf einem Date Corn Dogs essen.

    Er erzählt die Geschichte der Kinder. Denn bei allem anstrengenden was die Eltern machen: Es wird klar, dass die Kinder diejenigen sind, die es am Ende ausbaden müssen, und ihre insbesondere Claires Teen-Tochter Rachel (Ella Anderson) viel zu früh zuviel tragen muss, in einem Leben, dass sie sich nicht aussuchen konnte.

    Er nimmt Musik ernst. Jackman und Hudson singen selber. Nicht perfekt, eher so wie man es von Imitatoren auf der Wisconsin State erwarten würde. Aber sie erwecken den Anschein es zu lieben. Sie erwecken den Anschein, tiefe emotionale Meinungen darüber zu haben, dass der Song Soolaimon von Nial Diamond viel spannender ist als sein allseits bekannter Smashhit Sweet Caroline.

    Kate Hudson ist so großartig.

    Ehre, Ehre, Ehre

    Ich verbeuge mich und bedanke mich herzlich: Leute, die im Schwimmbad wohnen

    Links

    Das Elend des Spiegel-Beststeller-Autor-Aufklebers. Oft beklebte Autoren sind Coaches und Finanzberater, die Wohlstand und ein gutes Leben versprechen. Also Menschen, die online oder bei Verkaufsveranstaltungen noch mehr »Produkte« verkaufen wollen und für die das SPIEGEL-Siegel offenbar fünfstellige Summen wert zu sein scheint. (via Ligne Claire)

    Das Slowcooker-Blog wird 20. Und ich gratuliere herzlich! Gerade bei den ersten Schritten mit unserem Crocky war es unverzichtbar.

    Im Hosentaschenblog wird die Grillsaison mit dem neuen Kugelgrill eröffnet.

    Hotel Mama motiviert mich, endlich den Weg in die Schaubühne zu finden: star trek und „sabotage“

    (Nebenbei: ich staune wieviel Interesse der fünfzehnte Ableger des achten Subplots von Star Trek hervorruft. Aber auch da verweise ich auf Hotel Mama, das ist von all den Besprechungen diejenigen, die mir am meisten vermittelt warum das interessant sein könnte)

    Anke Gröner schildert, dass Leslie Jamison rezensiert das Buch Dress, Dreams, and Desire. A History of Fashion and Psychoanalysis

    Ich würde sagen, nicht nur in der Gemeinde. Ich erlebe ja selber oft genug wie ein extrem ineffizienter Prozess immer gleich ausgetauscht werden soll gegen eine komplett unpersönlichen Prozess: In der Gemeinde sind Micro-Begegnungen wichtiger als Effizienz

    Anmerkungen

    1. Womit das Unlimited-Besuch Nummer 5 war, damit 47,60€ pro Besuch. ↩︎
    2. Jackman war beim Dreh 56 Jahre alt, Hudson 45 Jahre. Und beide dürfen im Film so aussehen als wären sie wirklich so alt. So refreshing. ↩︎
  • 25-11-08 Quick Commerce und ein Tiroler Apfelkuchen

    25-11-08 Quick Commerce und ein Tiroler Apfelkuchen

    Die erste gute Nachricht: der Strich auf dem Test wird heller. Die zweite gute Nachricht: die innerwohnungliche Quarantäne ist beendet.

    Aus der Kombination der beiden Nachrichten (Quarantäne beendet, aber Strich noch da), lässt sich die schlechte Nachricht deduzieren: Es hat auch Madame erwischt.

    Unserer Schätzung nach passierte es am Montag als ich erst noch gar nicht wusste, dass ich krank bin, und dann nichts von COVID-19 ahnte.

    Es waren drei Tage der COVID-19.

    Jetzt also sofiert Madame. Ich aber fühle mich fit wie die ganze Woche nicht, habe freiwillig mehrfach eine kleine Leiter bestiegen und ein 20-Kilo-Paket erst vier Stockwerke hoch und dann wieder herunter getragen.

    Spannend, dass der Controllstreifen je dunkler ist, je heller der coronaTeststreifen ist.

    Grünspecht und Eichelhäher

    Langsam bin ich wieder diesseits meiner eigenen Gedanken, und möchte für das Protokoll vom letzten Sonntag vermerken:

    • Die neuen Narzissen sind gesetzt: unter Küchen- und Schlafzimmerfenster, am alten Grillplatz und neben dem großen Gartenvulkan. Also im Wesentlichen einmal um den Bungalow herum.
    • Madame schnitt Hecke auf dem Gemeinschaftsgrundstück und – am Wichtigsten – wurde dabei von mehreren relevanten Nachbarn gesehen, hat sich zur Erinnerungsförderung auch mit diesen unterhalten.
    • Wir nahmen uns vor, nächstes Jahr endlich den Schuppen mit einer Stufe vor der Tür und mit Strom zu versorgen; noch nicht ganz entschieden ist, ob für alle Fälle eine Wallbox hinzu kommen soll. Noch fahren wir mit Autogas und Benzin (und der Subaru möge noch ein paar Jahre durchhalten), aber ein Ende des Verbrennungsmotors ist hier absehbar.
    • Fast hätten wir uns nicht in den Garten getraut. Denn die ganze Zeit hüpften Grünspecht und Eichelhäher durch den Garten – die wollten wir natürlich nicht verscheuchen.

    Fahrradträger und enge Durchfahrt

    Letzter externer Sozialkontakt bevor ich daniedersank: eine tschechische Familie, die anscheinend zur neu gebauten Dachboden-Ausbau-Wohnung im Hinterhaus wollte. Ich frage mich, ob als Gast oder als Besitzer? Denn so in klassischer vier-Personen-Familienaufstellung mit frische geputztem Mittelklasseauto und darauf frisch geputzte Fahrräder, sie alle in glänzender Funktionskleidung – ich glaube nicht, dass ich in diesem Haus je Menschen sah, die so derartige mein-Habitat-ist-nicht-die-Großstadt-Vibes verströmten wie diese.

    Ist es möglich, Bücherregale dreireihig zu stellen?

    Angesichts des baldigen Umzugs versuchen wir Zeug loszuwerden. Die neue Wohnung ist in vielerlei Hinsicht ein Traum, und sie sparkt jede Menge Joy. Aber sie ist auch 12 Quadratmeter kleiner als unser jetzt schon vollgestopftes Domizil.

    Wenn ich richtig zähle, dürften die ersten fünf bis sechs Meter Buch die Wohnung verlassen haben. Ich fing an, die erste Tasche mit nicht-dringend-gemochten-CDs zu packen und eine seit Jahren nicht verwendete Ersatzsportmatte verließ die Wohnung. Das Stehpult ist noch da, aber nur weil die Übergabe am Virus scheiterte.

    Noch sucht der silber-blaue Sessel ein neues Heim; und vermutlich weitere zehn Meter Buch, sowie anderer Kleinkram. Ich überlege, einen Zu-verschenken-Verteiler aufzubauen.

    Größer Posten: Das Bett. Das mögen wir eigentlich. Aber es ist ein paar kritische Zentimeter zu groß für das neue Schlafzimmer, ist zudem 17 Jahre alt, von IKEA, und wurde auch schon einmal geflickt. Aber jetzt ein neues Bett kaufen als Ersatz für Eines, das wir beide mögen?

    Naja, ein paar Tage Krankenlager ersparten uns die Entscheidung. Halb brach es, halb sank ich dahin. Offenbar hat es genau rechtzeitig zum Umzug seine natürliche Lebensdauer erreicht. Noch besser wäre es gewesen, es hätte diese Entscheidung nicht nachts um 1 getroffen, während ich das Zimmer eigentlich nicht verlassen sollte.

    Der improvisierte Schlafplatzumbau funktionierte auch Nachts. Am nächsten Tag war Madame in der Hafenstadt, so dass ich ein paar Stunden Zeit zur ordnungsgemäßen Demontage und Verräumung hatte.

    Bestellen

    Zum Glück ist Ereignis ein paar Tage her. Nichts läge mir derzeit ferner als fiebrig im Bett zu wälzen. Das Abenteuer wartet. Und da meine Abenteuer ja immer noch unter Vermeidung phyischer Nähe stattfinden sollte, wagte ich mich in die Welt der Lebensmittebringdienste.

    Versuch 1: Quick Commerce, aka Flink. Versprechen eine Lieferung von ihrem Angebot innerhalb einer kurzer Zeit. Und tatsächlich war es spannend, auf „bestellen“ zu drücken, einem Punkt auf der Berlin-Karte zu folgen, und kaum 20 Minute später waren neue Coronatests, Schokolade, Wurstaufschnitt und eine Überraschungs-„Rettertüte“ mit Tomaten, Birnen und Quaese in der Wohnung.

    Aber: Selbst mir fiel auf, dass das ganz schön teuer war angesichts der Einkäufe und die Auswahl begrenzt. Am Ende ist Quick Commerce halt so eine Art Liefer-Späti mit Späti-Preisen und -Angebot.

    Zweiter Versuch Knuspr: Das wollte sich eher an, wie eine Onlineversion der BioCompany mit lokalem Gemüse und Fleisch der Biomanufaktur Havelland. Dazu diverse Münchner Lokalerzeuger, tschechische Knödel, drollige Eigenmarken und Marks and Spencer Food. Fast hätte ich bestellt; aber die Lieferung war erst Montag möglich – da kann ich voraussichtlich schon wieder selber einkaufen.

    Selber backen

    Deshalb weiter im Programm, möglichst viele Vorräte vor dem Umzug aufzubrauchen: Diesmal Buchweizenmehl. Das Internet hatte mir vor ein paar Tagen schon einen (Süd)Tiroler Apfelkuchen mit Buchweizenmehl in verschiedenen Varianten in die Hände gelegt. Den gab es gleich zweimal, einmal prä-Coronatest und einmal jetzt und ich pickte mehr oder weniger blind dieses Rezept:

    Südtiroler Apfelkuchen mit Buchweizenmehl – kann empfehlen, die Nuss-Buchweizen-Mischung gegen Apfel, Zucker und Bitterorange funktioniert.

    Heute aber war ich neugierig. Wenn mir das Internet etwas als „traditionell“ für eine Gegend verkaufen will, beginnt mein Misstrauen. Leider sind solche Claims auch nur mit großem Aufwand recherchierbar. Also fragte ich den Haselanten.

    Aussage: Nein, ein Apfelkuchen mit Nüssen aus Buchweizenmehl ist in (Süd)Tirol nicht traditionell. Aber es gibt dort einen traditionellen Buchweizen-Nuss-Kuchen mit Apfel.1

    Hurra, der Haselant hat seinen sympathischen Spirit der Gaga-Aussagen wieder, den ChatGPT durch ChatGPT5 verloren hatte.

    Drehtür und Bahnhof

    Ich musste kurz grinsen: Neue Drehtür am Görlitzer Park gestohlen

    Da entdecke ich eine Gemeinsamkeit mit Frau Novemberregen und schon ist sie vorbei: [ich] bin sehr freudig aufgeregt über sehr viele Dinge, zunächst einmal die Übernachtung, ich wollte nämlich immer schonmal in einem Intercity-Hotel übernachten, nur hat es sich bisher noch nie ergeben. Bis heute!

    Passend dazu: Herr Buddenbohm nimmt mir die Worte aus dem Mund, was ich an Bahnhöfen liebe.

    Auch du, Athen: Gentrifizierung nennt man das.

    Nein, ich hätte nicht gedacht, dass ich meine Musiktipps je aus einem Blog names fadenspiel und fingerwerk bekommen würde. Aber hach, Soleil Blue ist einfach zum Dahinträumen und das Video schon sehr Frankreich.

    Endlich mal jemand, der den Zusammenhang zwischen Halloween und Allerseelen sieht:

    ich erinnere mich an die fotos von hell erleuchteten friedhöfen, kannte und kenne aber niemanden, der selber was angezündet hat, klar, wir waren alle knapp über 20 damals, da hatten wir noch keine toten, aber es war auch niemand auf diese art gläubig, […] Inzwischen trage ich meine toten so mit mir herum, sie sind teil des inneren panoptikums, denke sozusagen immer und nie an sie. […] ich mag den jetzigen umgang mit allerseelen lieber, die geister werden im lebendigen gefeiert, die toten und ihre gespenster in einer kindgerechten form, (Hotel Mama: ognissanti)

    Jetzt Dunkeltuten.

    Anmerkungen

    1. Die wahre Traditionstorte scheint aber die Schwarzplentene Torte mit Preiselbeeren zu sein. ↩︎
  • 23-04-30 Put on some makeup. Turn on the 8-track

    23-04-30 Put on some makeup. Turn on the 8-track

    Zwei Eichelhäher scheiterten. Als wir den Bungalow betreten wollten, lag vor der Tür ein gigantischer Stapel Zweige. Weiteres Beobachten erbrachte: auf einem Balken etwa anderhalb Meter über der Tür befand sich der Beginn eines Vogelnestes.

    Im Laufe des Samstags kristallisierte sich heraus: zwei Eichelhäher versuchten auf dem schmalen Balken über der Tür ein Nest zu bauen. Leider ist der Anflug schwierig, der Balken schmal – mehrfach am Tag funktioniert das mit dem rechtzeitigen Bremsen nicht, und der Nest-Ansatz fliegt auf den Boden.

    Zweige vom alten Nest-Ansatz darf man nicht mehr benutzen. So sagt es das eherne Eichelhäher-Gesetz. Deshalb lag direkt vor der Tür genug Baumterial für eine komplette Eichelhäher-Großsiedlung.

    Naja, und da wir nicht umhin konnten die Eingangstür jetzt mehrfach als solche zu benutzen, wurde es dem Pärchen auch zu unruhig und sie suchten sich hoffentlich einen geeigneteren Ort zum Nestbau.

    Jetzt müssen wir nur noch das Rätsel klären, warum andauern Bienen durch die Terrassentür hinein oder hinaus wollen. Ein Nest im Bungalow fanden wir noch nicht.

    Während wir hier also saßen, telefonierte Madame mit südwestdeutschen Bekanntschaften. Sie tauschten sich darüber aus, dass das was Westdeutsche als „Datscha“ bezeichnen, im ostdeutschen ein „Bungalow“ ist. Kurzes etymologisches Nachschlagen bei Wikipedia: Datscha bezeichnet eigentlich das Stück Land auf dem sich das Haus befindet. Das Wort Bungalow hingegen stammt aus dem Gujarati und ist „ein Haus in bengalischer Bauweise.“

    Diese bengalischen Häuser bauten sich die Kolonialbeamten gerne als Wochenend/Landhäuser, womit die Doppelbedeutung des Bungalows als ebenerdiges Haus ebenso wie die als Wochenendehaus abgedeckt war.

    Aber bevor wir zum Garten gelangt waren, galt es, unseren Kulturwinter zu beenden. It ended with a bang: Hedwig and the Angry Inch im Renaissancetheater. Das Rockmusical von Hansele/Hedwig aus Ostberlin/Kansas, die als alternde Diva ihre Lebens- und Liebesgeschichte erzählt und rockt. Würdiges, ungewöhnliches rockiges Ende eines Barrie-Kosky-reichen Kulturwinters. Zudem an bezaubernder Spielstätte. I put on my make-up and turn on the eight-track.

    Fast leere Zuschauerraum und Bühne des Rennaissance-Theaters

    Darstellertrivia 1: Sven Ratzke (Hedwig) wurde im selben Jahr nur wenige Kilometer entfernt im deutsch-niederländischen Grenzgebiet geboren, wie Ilse DeLange, die wir letzte Woche sahen. Zufall?

    Darstellertrivia 2: Noëlle Haeseling (Itzhak) ist die deutsche Hörspielstimme von Prinzessin Lillifee. Und nun werde ich den Rest meines Lebens glauben, dass Prinzessin Lillifee eine jüdisch-bulgarische Dragqueen ist.

    Da ich noch Multizip bin, hatten wir reichlich Hustenbonbons und Maske dabei. Die Gartenzeit dient folgerichtig dem Entzippen bei leichtem Rehaprogramm: Lange schlafen, sehr behutsame Arbeit an der frischen Luft (vorzugsweise bei Sonnenschein.), viel nichtalkoholisches Trinken. „Echtes“ angrillen (also ernsthaftes Fleisch): Ein Krustenbraten landete im Grill, dazu Grillpastinaken.

    Dazu Podcast hören: Wer hat Angst vorm Drachenlord. Meine Güte. Die Geschichte ist noch krasser als ich schon immer dachte.

    Birne, Mirabelle und Kische blühen wie noch nie. Die Äpfel sind kurz davor. Der Goldlack verbreitet sic selber um die Ecke herum. Die Rosen bereiten die Blätter vor. Madame bewunderte die blauen Anemonen. Die Indigo-Lupinen scheinen unsere letztjährige Teilung mittels Axt und Kettensäge überstanden zu haben. Beide Pflanzenteile treiben aus.

    Nachbar Caninero hat einen neuen Rasenmähroboter.

    Christine Cazon schrieb einen Q&A zum Cannes-Filmfestival. Und ich stelle fest: Cannes-Festival und Berlinale haben zumindest eines gemein: Es ist traditionell arschkalt.

    Wir werden nächste Woche vermutlich nicht genug Kochzeit haben. Aber die New York Times veröffentlicht immerhin etwas zum Nachlesen: The History of the Coronation Chicken.