Schlagwort: Elvis

  • 26-03-10 Laughing with mockery The Edge of Reality

    26-03-10 Laughing with mockery The Edge of Reality

    Linke Übermacht in Zürich schürt bürgerliche Ängste“ erzählt mir der SRF nach den Wochenend-Abstimmungen in der Schweiz. Und mit dieser guten Nachricht könnte ich auch wieder aufhören mit diesem Blogpost.

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    Wobei ich das Schweizer politische System zwar ganz grundlegend verstehe. Wenn es dann aber mal ins konkrete Detail geht und ich zum Beispiel an einem Wahlabend all‘ die Abstimmungen und Ergebnisse sehe, wirkt das auch mich doch sehr verwirrend.

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    Kaum verständlicher scheint mir der irrlichternde Kulturstaatsminister und sein entschiedenes Vorgehen gegen inhabergeführte Buchhandlungen. Zur schwankenden Weltkugel (Berlin), Rote Straße (Göttingen) und Golden Shop (Bremen) gehen jetzt juristisch dagegen vor. Es gibt eine Infoseite mit Spendenlink für die Prozesskosten.

    Damit konnte ich auch gleich mal per QR-Code und Banking-App etwas überweisen. Schickes Verfahren!

    Schön auch das Statement der anderen 115 Buchhandlungen: […] . Wir haben uns entschieden, zusammenzulegen, um den Kolleginnen und Kollegen ihr Preisgeld zu ersetzen. Mehr als die Hälfte der nominierten Buchläden erklärte sich bei einem ersten spontanen Rundruf bereit, Geld ans Sozialwerk des Deutschen Buchhandels zu überweisen, damit auch diese Buchhandlungen ihren Preis bekommen. Außerdem laden wir die Kollegen aus Göttingen, Bremen und Berlin zur Preisverleihung nach Leipzig ein, um mit uns gemeinsam zu feiern. […]

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    Madame konnte nicht zu Bett, denn sie wartete auf Offenburg. Den letzten auszuzählenden Wahlkreis aus Baden-Württemberg.

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    Ich konnte die Rolltreppen am Südkreuz nicht benutzen, denn sie funktionieren weiterhin nicht. Immerhin wurden keine neuen Geht-nicht-Schilder aufgestellt. Vermutlich, weil die Schilder-Aufsteller*innen damit beschäftigt waren, einen Bahnhof nördlich bereits freigegebene Rolltreppen wieder aus dem Betrieb zu nehmen.

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    In Brandenburg fallen Züge aus aufgrund „defekter Bahnsteigkanten“. Das ist neu.

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    Es war ein Garten-Kino-Sonntag und ein Arbeitsmontag.

    Pleasure ground

    Poupou wurde von einer Nachbarin auf den „Naturgarten“ angesprochen, was zu grundsätzlicherem führte:

    Ein Garten ist von seinem Konzept her das Gegenteil von Natur. Wäre unser Garten Natur, das heißt, würden wir nicht mehr eingreifen, würden ihn wohl zuerst Brombeeren überwuchern, irgendwann würde sich ein Birkenhain etablieren, darunter würden junge Buchen hochkommen und schließlich wäre da ein Wald. Weil wir eingreifen, ist es ein Garten.

    Uns erfreut, wenn wir selten gießen, jäten, spritzen oder düngen müssen. Weniger, weil wir das generell ablehnen würden, sondern weil es uns noch mehr erfreut, die Zeit im Garten damit zu verbringen, zu lesen, zu sinnieren und dabei immer wieder den Blick schweifen zu lassen. (Kein Naturgarten)

    Noch befindet sich der Garten im Nachwintermodus, noch bestimmen die schwarzen Stauden des letzten Jahres, gefallenes Laub des Herbstes und das 2025 gewachsene Gras das Bild. Der Frühling recht sich zwar empor, zeigt sich an Knospen, dem rückkehrenden Hausrotschwanz, ersten Hummeln und Schneeglöckchen.

    Aber wie die Schneeglöckchen zwischen braunem Laub und leeren holzigen Rosenstämmen sich emporrecken so gilt es noch den Winter zu überwintern.

    Madame machte fast-winterliches, indem sie umgefallene Stauden des Vorjahres einsammelte – wenn sie liegen, sind sie kein Architekturelement mehr. Sie rückte weiter Bäumen, Hecken und Sträuchern mit Säge und Heckenschere zu Leibe. Denn es ist zwar ein entspannter please ground, aber eben ein bewusst und gewollt gestalteter.

    Und vielleicht sehen wir dieses Jahr erste unbrandenburgische Pfirsichfrüchte.

    Knospen eines Pfirsichbaums an roten Ast. Im Hintergrund ein Gartenbungalow, eine Hecke und blauer Himmel

    Elvis the third

    Es ist möglich, E.P.i.C., den Baz-Luhmann-Elvis-Presley-Konzertfilm dreimal zu sehen. Es ist sogar sinnvoll. Langsam arbeiten wir uns in der Bild- und Tonqualität nach oben. Nach Kant Kino Saal 2 – beste beengtes 70er-Jahre-Feeling in Butzenkino, immerhin mit Stimmung – und dem sehr angenehmen Adria Steglitz landeten wir in der Astor Premium Lounge am Ku’damm: Bequemer als das Adria, umwerfender Sound und Bild, und eine Stimmung, die beinahe Kant-Kino-Niveau erreichte.

    Wieder sprach er. Wieder sang er. Wieder staunten wir über eine Versalität, die von Elvis-Klassikern über Gospel bis zu Bridge over troubled water reichte, staunten über das Zusammenspiel von ihm und Band. Alles nahbar, menschlich, Musiker halt – was mir bisher alles unter dem seltsamen Mythos verborgen blieb.

    Und mit jedem mal schauen, entdecken wir mehr. Diesmal zum Beispiel in den kurz gezeigten Filmausschnitten aus seiner Film“karriere“, die trotz dem Mitspielen in einer erstaunlich großen Auswahl wirklich schlechter Filme erstaunlicherweise nicht komplett seine Karriere zerstörte. Neu entdeckt: Im Song Edge of Reality aus dem Film Live a Little, Love a Little (1968) sind Musik und Set nicht nur abgefahren psychedelisch (der Hund!). Sondern ihnen gelingt auch das Kunststück Elvis (Elvis!) hüftsteif wirken zu lassen.

    Dersdorf bis Wählscheibentelefon (IHK)

    Zu Fuß über Brenig, Dersdorf, Waldorf bis Kardorf.

    Mit dem Zug nach Husum.

    Viele Links: Internet ist kaputt, und die KI hat ein Problem mit Frauen

    Einerseits gar nicht überraschend, mich aber dann doch überraschend. Es existiert die Weiterbildung KI Manager (IHK) (oder Fraunhofer oder Haufe)

    So dystopisch kann man gar nicht mehr denken: Polymarket verdient sein Geld nicht mit Lebensmitteln. Genau deshalb kann es sie verschenken. Die Ware ist hier kein Sortiment, sondern Werbemittel. Brot als Kampagne. Milch als Akquisitionskosten.

    Was aber richtig cool ist: Ich habe nicht nur ein Wählscheiben-Telefon hier zuhause, nein, noch besser: Es funktioniert sogar! … Die Gegenstelle (auch son Begriff) hängt im Nachbarhaus in der Küche. Dort wohnten seinerzeit meine Schwiegereltern. Da in diesem Inselnetz nur zwei Anschlüsse existieren, muss man (leider) auch keine Nummer wählen: Nimmt man auf einer Seite den Hörer ab, dann klingelt es auf der anderen Seite.

    Nicht in E.P.i.C. aber zum Thema wie schwarz kann Elvis klingen: Stranger in My Own Hometown

  • 26-03-08 Wir hörten den Ahorn bevor wir ihn sahen

    26-03-08 Wir hörten den Ahorn bevor wir ihn sahen

    Madame saß mit verschränkten Armen im Pullover auf der Terrasse und sagte „Sommer!“

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    Vorher hatte sie die Woche der Wochen in der Hafenstadt erfolgreich absolviert.

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    Meine Stammbuchhandlung Hammett ist einer der Gewinner des deutschen Buchhandlungspreises. Ja, genau, DIESES Buchhandlungspreises. Wobei ich die vom ebenso närrischen wie kulturlosen Kulturstaatsminister persönlich vom Preis ausgeschlossene Berliner Buchhandlung Die Schwankende Weltkugel auch kenne und empfehlen kann.

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    Mein aktuelles Buch von Dashiel Hammett, the Maltese Falcon weiß mich nicht so recht zu fesseln. Vielleicht weil das Buch im Vergleich zum Film zwangsläufig die halbe Geschwindigkeit hat. Oder weil es im Vergleich zum wild ausufernden von mir geliebten Dain Curse und dem rohen Red Harvest doch irgendwie zu glatt ist.

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    Die Schwimmbadbesatzung teilte Madame mit, sie hätten schon gemerkt, dass sie die schwimmerisch aktivere von uns beiden ist. Das ist einerseits originell, andererseits zur Zeit korrekt. Ich gelobe wieder öfters ins Bad zu gehen.

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    An der Ampel stehend hörte ich wildes Gehupe. Es ging von einem leicht zerbeulten Kleinwagen aus. Ich konnte keinen rechten Grund für die Huperei erkennen und dachte spontan an einen kläffenden Dackel, der Bernhardiner und Schäferhunde angeht.

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    Kurz darauf fuhr ein Subaru Forester1 vorbei. Genauso alt und im selben Waschzustand wie sich unserer normalerweise befindet. An diesem Wagen hing allerdings ein Kennzeichen der US-Botschaft, und ich freute mich: Es gibt sie noch die Guten.

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    Madame stellte fest, dass nicht Daniel Küblböck der Elvis seiner Generation ist, sondern Bill Kaulitz ist der Elvis seiner Generation. Als Kind und Jugendlicher „seltsam“ und stets von Mobbing betroffen, wenig später aufgrund dieser Seltsamkeit Weltstar und Junge-Frauen-in-die-kreischende-Extrase-Treibender.

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    Miss und Mr. Fluffy waren zu Gast. So schön. Gespräche reichten von Versailles zu Nacktschnecken und wieder zurück. Sogar erwachsene Themen kamen vor.

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    Es war ein Freitag mit Arbeit und Kino und ein Samstag auf den Latifundien.

    Die Frage wann Fulbe gesprochen wird und wann französisch

    Ich gewöhne mich daran, dass die Gegend um den Bahnhof Zoo mein neuer Kiez wird. Wenn ich die Strecke Büro->Bücherei beginne, ist der Bahnhof mit den Kinos Delphi Lux und Delphi Palast nebenan ein logischer nächster Wegpunkt.

    Nachdem ich also Madames Buch in der Bibliothek abgeholt hatte, schlug ich erfolglos bei Shoe City die Zeit tot, um endlich zum After-Work-Kino im Delphi Lux zu landen:2 L’histoire de Souleymane / Souleymans Geschichte.

    Zwei Tage

    Zwei Tage im Leben des Asylbewerbers/Fahrrad-Essenslieferanten Souleymane Sangaré (gespielt von Abou Sangare) aus Guinea bis zu seiner Anhörung bei einer namenlosen Sachbearbeiterin (Nina Meurisse) vor dem Office français de protection des réfugiés et apatrides (OFPRA) über seinen Asylantrag.

    Souleymane fährt mit seinem Lieferfahrrad durch Paris, muss sich mit einer ganzen Reihe schlechter Menschen herumschlagen, die seine Situation ausnutzen, um schließlich um 22 Uhr den Bus zur Obdachlosenunterkunft zu erreichen. Dabei versucht er eine Geschichte auswendig zu lernen, die nicht die seine ist, aber im Asylverfahren besser klingt als seine wahre Geschichte.

    Zwischen La Chapelle und Gare du Nord

    Der Film hat zwei deutlich abgegrenzte Teile: 70 Minuten mit dem Fahrrad durch Paris: Hetzen zu Schnellimbissen, Treppen hoch, quer durch den Verkehr; Unfälle vermeiden, überwacht von der Kurier-App. Kurze Diskussionen mit anderen afrikanischen Kurieren und der „Kurier-Nothilfe“ in der App. Längere unerfreuliche Diskussionen mit dem Mensch, der ihm sein Kurierkonto „vermietet“ – denn als Asylbewerber darf Souleymane nicht arbeiten.

    Manchmal dachte ich beim Sehen „zu sehr Sozialreportage, zuwenig Spielfilm, irgendwie wirkt das zu sehr abgefilmt zu wenig gestaltet“ – dafür lernte ich sehr viel über sein Leben und das Leben von Kurierfahrern. Ich werde sie ab jetzt mit anderen Augen sehen.

    Ich lernte Paris aus einer anderen Perspektive sehen – und da ein Großteil des Films in dem Viertel am Gare du Nord/Gare de L’est spielt in dem auch wir in Paris übernachten, war es in Teilen „mein“ Paris. Aus einer Perspektive, die man dort immer spürt, die wir als drei-Tages-Touris aber natürlich nicht sehen. Ich bin von dieser Stadt eh komplett hingerissen, und das hat durch den Film weiter zugenommen.

    Was ist Ihre Geschichte?

    Ganz anders die Anhörung: Ist das Paris-Straßenleben hart, ausbeuterisch, rücksichtlos, aber voller Leben ist es bei der Behörde anders: Neutral. Die Sachbarbeiterin ist freundlich, höflich, ihm durchaus zugewandt.

    Aber beiden, der Sachbearbeiterin und Souleymane, ist bewusst, dass sie den französischen Staat verkörpert, der jetzt in diesem Moment über sein gesamtes weiteres Leben entscheidet. Selten sah ich ein Kammerspiel in dem die Fallhöhe zwischen Form und Inhalt so riesig war. Der Unterschied zwischen dem sehr lebendigem rücksichtlosen Alltag der zwei Tage und dem freundlich-zugewandten Abgrund an dem er in der Behörde entlangwandelt, schmerzt beim Sehen körperlich.

    Besonders schmerzlich wird es, wenn seine auswendig gelernte Geschichte sichtbar zerfällt. Sie fordert ihn mehrfach auf, die Wahrheit zu erzählen. Was er schließlich weinend macht. Eine Geschichte, die menschlich bewegend und nachvollziehbar ist – aber wie wohl die meisten Menschen im Kino wissen, nicht den Anforderungen des Asylrechts genügt.

    Beste schmerzlichste Schlusssätze in Filmen: „Wenn wir den Antrag akzeptieren wird der französische Staat sie mit all‘ seiner Kraft beschützen. Lehnen wir ihn ab, haben sie einen Monat Zeit um in Rekurs zu gehen.“ Wahrscheinlich zerstören wir gerade ihr Leben. Aber höflich und dem Rechtsweg folgend.

    Blick aus dem Delphi Lux Kino. Vor dem Fenster eine abendlich beleuchtete Wand mit Graffitti und ein schmaler Weg. Im Fenster spiegelt sich der Schriftzug "Lux"

    Zitronenfalter: Eins. Taubnessel: Eins.

    Frischluft nach dem Film tat gut. Die Nachtfahrt auf die märkischen Hamptons erfüllte alle Ansprüche: Uns empfing ein Sprung Rehe3. An der üblichen Feldhasenstelle tauchte der Feldhase auf, nur damit danach auf dem Feld ein weiterer Sprung Rehe stand. Und das alles bevor wir den Bungalow auch nur erreicht hatten.

    Bei Rinderstolz & Wildeslust herrschte Sommer. Bis wir den Weg zum Verkaufswagen gelangt waren, waren seine gesamten Bratwurstvorräte aller Sorten bereits ausverkauft. Genau fünf grobe Bratwürste einfacher Art waren übrig. Es ist Grillzeit in Brandenburg.

    Im Garten lässt sich der Frühling Zeit.

    Madame suchte Knospen und Blüten und schnitt Bäume. Drei einsame Krokusse begleiten die Schneeglöckchen. Sie fand eine blühende Taubnessel. Noch herrscht hier Vorfrühlingsansatz, kein Frühling. Für Alkeme benötigt sie trotz Langstreckensäge inzwischen eine Leiter.

    Aber wie letzte Woche auch: Es gab Zitronenfalter.

    Und plötzlich am Kompost hörten wir es summen und brummen. Auditiver Sommer. Nach einiger Orientierung erblickten wir einen blühenden Baum im Niemandsland auf der Ausgleichsfläche hinter dem Nachbargrundstück. Vermutlich ein Silberahorn. Auf den dritten Blick sahen wir in ein paar Metern Höhe Insekten schwirren. Sie sind wieder da.

    Kremšnite, Gurke, Ei

    Holger fährt Bus. Teil 1 und Teil 2 und Teil 3.

    Margrit wurde von Wikipedia enttäuscht.

    Joel war das erste Mal in Ljubljana: „Mein Gott ist die Stadt schön!“ Teil 1 und Teil 2 und Teil 3 (samt Gebäcktipp vom Flusskiesel – spätestens wenn man den ausspricht, merkt man wieder, dass Slowenien K.u.K. war)

    Nicht richtig schön, aber doch eindrucksvoll: Das Ei des Nachbarn.

    Schön und eindrucksvoll: Die Gurke des Juan Sánchez Cotán

    Anmerkungen

    1. An der Markenwahl Subaru hängt in den USA ein großes politisch-kulturelles Universum, das in Deutschland komplett unbekannt ist. Ich gehe davon aus, dass ein US-Botschaftsangehöriger das weiß. Wie wir auch. Als Einstieg: Alex Mayyasi / The Atlantic: How Subarus Came to Be Seen as Cars for Lesbians etwas weiter gefasst: How Subaru Became the Unofficial Car of Vermont … and New Hampshire, and Maine, and Massachusetts, and Washington, and Oregon. ↩︎
    2. Yorck Unlimited No. 14 – damit 17€ pro Besuch. ↩︎
    3. Nicht zu verwechseln mit dem Rehsprung „eine Figur der rhythmischen Sportgymnastik↩︎

  • 26-03-05 Gefühle zeigen mit dem Zimmermannshammer

    26-03-05 Gefühle zeigen mit dem Zimmermannshammer

    Madame betreut diese Woche Finanzjudoka.

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    Eine Ladung Mehrfachstecker wanderte in den Keller. Nicht nur ist die neue Wohnung sehr viel heller als die alte, was zu einem überraschend großen Klemmlampenüberschuss führte, auch hat sie viel mehr Steckdosen an besseren Positionen, was den Bedarf an Mehrfachsteckern senkt.

    Auch noch Umzugsnachbereitung: Die Vasen erblickten wieder das Tageslicht.

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    Im Baz-Luhmann-Interview zu Elvis las ich den Satz: Even early on he had sideburns and was wearing makeup at school — it was coming out of his inventive mind. He was bullied a lot. Und spontan dachte ich an jemand Anderen, der immer zu anders und geschminkt und zu exzentrisch war, und dem Leute sagten, er könne nicht singen – Daniel Küblböck. Der Elvis seiner Generation?

    Auch entdecke ich inzwischen, dass Bob Dylan ein rieser Elvis-Fan war. Das Hören von Heartbreak Hotel beschrieb Dylan als lebensverändernd. Wobei ich von Dylan noch weniger Ahnung habe als von Elvis. Aber ich lernte gleich mit: Es gibt ein Dylan-Album Highway 61, dass der Straße von Dylans Heimat Minnesota in den Süden nach Memphis und Mississippi gewidmet ist.

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    Im Bus vor spielte jemand Stereotyp eines jungen Mannes von heute, indem er wechselnd einen Poker-Livestream auf seinem Handy betrachtete und eine Börsenseite öffnete.

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    Im Südkreuz wurden die Rolltreppen natürlich nicht repariert. Dafür tauchte ein weiteres Schild mit einem Hinweis auf, dass die Rolltreppen wirklich, wirklich kaputt sind.

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    Es waren drei Arbeitstage mit Kinointermezzo.

    Nur ein klitzekleiner Dauerauftrag

    Bevor die Wegelagerer zur Rettung flauschiger ausgebeuteter Babies vom Südkreuz abzogen, raffte ich mich doch noch zu einem Gespräch mit ihnen auf. Wozu habe ich im Leben eine fünfstellige Zahl an Telefonaten mit Menschen geführt, die dringend und aufgeregt etwas von mir wollten, wenn nicht für solche Momente? Ich setzte mich also innerlich gerade hin, ging in den Modus „Jedes Gespräch ein Tanz – und ich führe“ und ließ mich ansprechen.

    Die Dame am Stand sagte ihre Sprüchlein auf, ich sagte meine Sprüchlein auf. Und je nach meiner Lust mal schneller oder langsamer lenke ich das Gespräch dahin, dass die Spendensammlerin meinen flauschigen ausgebeuteten Babies etwas wegnehmen müsste, um es ihren flauschigen ausgegebeuteten Babies zu geben.

    Dann gibt es zwei Möglichkeiten: (1) Die Person erkennt, dass sie verloren hat. Sie verlässt den Verkaufsmodus und dann führte ich schon echt nette spannende Gespräche mit den Leuten an solchen Ständen. Viele sind ja happy, wenn überhaupt mal jemand freundlich zu ihnen ist. (2) Oder die Person erkennt es nicht und fängt an, gegen meine flauschigen ausgebeuteten Babies zu argumentieren. Dann muss ich leider kurz unhöflich werden und das Gespräch beenden.

    Hallo Greenpeace, Eure Spendensammler gehörten leider zur zweiten Kategorie. Schlechter Stil.

    Es ist die Kornellkirsche und nicht die Lärche

    Der Strauch enttarnte sich.

    Seitdem wir im Dezember einzogen, schauten wir auf einen Baumstrauch vor unserem Fenster. Flapsig als „Baum“ bezeichnet, auch weil er ein paar Meter hoch ist, war angesichts der Wuchsform schon früh wahrscheinlich, dass dort ein großer Strauch steht.

    Aber welcher? An der leeren Pflanze, nur Rinde ohne Blätter oder Blüten konnten wir es nicht erkennen.

    Bis Madame die Tage auffiel, dass die sehr hellgrünen Knospen bei näherer Betrachtung schon beginnende Blüten waren. Die wurden etwas größer und gelber und offenbarten ihre ganze Pracht.

    Es ist eine Kornellkirsche: ein in Deutschland auch wild vorkommender Strauch, der im Vorfrühling blüht – wie wir sehen können – wichtige Insektenweide und später mit seinen „Kirschen“ Vogelfutterstrauch. Ein belebter Strauch, der einen Großteil des Jahres über Farbe, Insekten und Vögel direkt vor das Fenster bringt.

    Sehr sympathisch.

    Ausschnitt einer blühenden Kornellkirsche in der Sonne

    entreiß dich seiner Hand wie eine Gazelle, / wie ein Vogel der Hand des Jägers!

    Im Kino1. Mit mir zusammen waren lauter Menschen, die beim originalen Filmrelease 2003 von Oldboy noch weit jenseits der zulässigen Altersgrenze für diesen Film waren.

    Einfach nur fühlen

    Vor dem Film kam eine Werbung für einen anderen Film: Quentin Tarantinos Kill Bill kommt in einer ungeschnittenen Version zurück in die Kinos. Ich dachte beim Sehen gleichzeitig: „Kill Bill ist so unfassbar cool.“ und „Ich hab echt keine Lust mehr auf cool inszenierte Gewalt.“

    Ein wenig befürchtete ich, auch in meiner aktuellen Vorstellung in genau so einem Film gelandet zu sein: Park Chan-wooks Oldboy ist ein von vorne bis hinten durchchereographierter Film mit einem Gewaltlevel am Anschlag.

    Und doch ist er kein bißchen wie ein Quentin-Tarantino-Film.

    Bei Park ist die Gewalt nie Form. Sie ist Ausdruck des Inneren Schmerzes. Und der ist in diesem Film hoch. Wo in der Oper eine Arie gesungen wird, um den Gefühlen Ausdruck zu verleihen, greift hier Protagonist Oh Dae-su zum Zimmermannshammer um seinem Gegenüber methodisch die Zähne zu ziehen.

    Ein Stop in der Handlung; reine gestaltete Emotion. Keine schöne Emotion, aber innerer Ausdruck.

    Der ganze Film ist überbordend wie eine Oper, surreal und phantastisch wie eine Mischung aus Kafka und griechischem Götterspel: Die dunkle Oper Lady Macbeth von Mzensk letzte Woche war eine gute Vorbereitung, ich verließ das Kant Kino ähnlich durchgemangelt wie letzte Woche das Schillertheater.

    15 Jahre lang Teigtaschen

    Der Film beginnt mit dem koreanischen Geschäftsmann Oh Dae-su (gespielt von Choi Min-sik), der am Geburtstag seiner kleinen Tochter stockbetrunken auf der Polizeiwache festgehalten wird. Nachdem er diese endlich verlassen kann, wird er entführt und findet sich in einer wohnungsartigen Gefängniszelle wieder.

    In dieser Zelle verbringt er 15 Jahre ohne zu wissen warum. Von seinem besten und einzigem Freund in der Zelle, dem Fernseher, erfährt er zwischendurch, dass seine Frau ermordet wurde. Eines Tages findet er sich genauso unerklärlich in der Freiheit wieder wie er vorher aus dieser Verschwand.

    Nach seiner Freilassung versucht Oh Dae-su Graf-von-Monte-Christo-artig Rache an seinen Peinigern zu nehmen. Ohne zu wissen, dass diese schon Graf-von-Monte-Christo-artig Rache an ihm nehmen.

    Dabei ist in der Konstellation sein Peiniger Lee Woo-jin (Yoo Ji-tae) eine Art griechischer Gott, der zwar voll innerem Schmerz ist, aber in dieser Situation unangreifbar allesbeherrschend, während Oh Dae-su den kleinen Sterblichen darstellt, der all eine Kraft, Emotion, Schmerz, Wut aufbietet und doch nur durch das Labyrinth rennt, dass Lee Woo-jin für ihn gebaut hat.

    Oh Dae-su ist jemand, der den Geburtstag seiner Tochter betrunken auf der Polizeiwache verbringt – nicht unbedingt sympathisch, sicher kein Übermensch, aber voller Drang und Gefühl. Er steht einem Gegner gegenüber, der 15 Jahre komplett durchgeplant hat.

    „Du stellst die falschen Fragen: Die Frage ist nicht, warum jemand dich 15 Jahre eingesperrt hat, sondern warum du nach genau 15 Jahren freigelassen wurdest?“

    So sehen wir Oh Dae-su, verzweifelt auf der Suche nach dem Grund und Lee Woo-jin verzweifelnd an dem Grund, wie sie sich in den Abgrund treiben.

    No-brainer. Ein Lob der Bürokratie.

    Was ich richtig schön finde: Während des Kopierens sieht man ja Dateinamen vorbei huschen. Und während bei mir da voll wichtiger Scheiß wie „Socialmediakonzept Weihnachtskampagne 2007“ oder „Rebriefing wichtiges Vorgespräch Dezember 2011“ durchläuft, synchronisiert gerade der Schul-Ordner der Liebsten: „So lebten Oma und Opa“, „der Igel“ oder „Zahlenraum bis 20“. Ein no-brainer, was da eigentlich wichtiger ist.

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    Karen erst als Grenzgängerin auf Zypern, wenig später mit der Bunker-App.

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    That one XKCD thing, now interactive

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    KI für Fortgeschrittene: Support-Tickets durchsuchbar machen mit RAG-Search – eine Anleitung

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    Den neuen Jim Jarmusch sehen oder nicht? Ich liebe Jarmusch-Filme, finde aber den Trailer sehr abtörnend. Christian hat offenbar ein komplett anderes Verständnis von Filmen als ich und findet ihn gut.

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    Viele vermeintliche Kämpfer für die Meinungsfreiheit sind ihre größten Gegner. Die Debatte um sogenannte Blasen ist auch schon lange kontraproduktiv. Und Wolfram Weimer macht wieder Wolfram-Weimer-Sachen.

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    Auch war die estnische Justizministerin und Ministerin für Digitales vor Ort, die über die Wandlung der estnischen Verwaltung referierte. Dabei sagte sie so lustige Sachen wie: „Wir lieben Deutschland wegen der Regeln und wegen der Bürokratie!“ Und das meinte sie vollkommen ernst. Sie hätten nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion das deutsche Justizsystem nämlich 1:1 kopiert, und darauf aufbauend war es ihnen möglich, verbindliche Regeln für ihre IT-Systeme zu entwickeln. Sie sagte, unsere Bürokratie sei nach wie vor super, es ginge nur alles etwas langsam.

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 13 – 18,31€ pro Kinobesuch. ↩︎

  • 26-03-03 Lord Almighty I feel my temperature rising

    26-03-03 Lord Almighty I feel my temperature rising

    Der Meisenknödel ist alle. Madame füllte nach. Der Parkplatzfuchs bleibt verschwunden.

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    Nach mehrfachen Versuchen gelang es Madame, montags zu töpfern. Vorher führte sie mit ihrer roten Signaljacke Projekte und Projektteilnehmede zusammen.

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    Erstaunlicherweise hat selbst meine weitgehende Untätigkeit seit vielen Jahren die Wikipedia-Community nicht davon abgehalten, mich in die Jury des Wikipedia-Schreibwettbewerbs zu wählen.

    Ich fürchte, ich muss mal meine Wikipedia-Profilseite aufräumen. Die hat immer noch den Stand 2015.

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    Dazu (un)passend. Es gibt einen neuen Wikidata-Eintrag über mich. Über mich; der ich seit Jahren allen Menschen gefragt und ungefragt erzähle, dass sie auf gar! keinen!! Fall!!! einen Wikipedia-Eintrag über sich selber haben wollen, weil der nur unglücklich macht. Auf gar! keinen!! Fall!!!

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    Der Schlüssel des Schwimmbad-Putzmannes funktioniert nicht mehr. Dies erfuhr ich heute Montagmorgen als ich ihm im Schlafanzug die Tür öffnete. Es wäre zwar auch reguläre Bad-Besatzung anwesend gewesen, aber unsere Klingel war die nächste, die er fand.

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    Nachdem ich recherchiert hatte, wie das verschwundene CD-Player-Kabel heißt („Kaltgerätestecker C7/C8„), tauchte er freundlicherweise von alleine wieder auf, bevor ich einen neuen besorgen konnte. Besorgt hingegen hatte ich weiteren Kabelmanagementbedarf. Unter meinem Schreibtisch war es noch nie so ordentlich.

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    Es war ein Kinosonntag und ein Personalversammlungs-Montag

    Mittags: Stullen, Kaffee und Cola

    Wikipedia schreibt zur Personalversammlung: Unter einer Personalversammlung versteht man eine vom Personalrat einberufene Versammlung aller Beschäftigten einer öffentlichen Dienststelle, [sie] .. darf alle Angelegenheiten behandeln, die die Dienststelle oder ihre Beschäftigten unmittelbar betreffen […] Häufig nutzen auch Dienststellenleiter und Vertreter der Gewerkschaften die Personalversammlung, um ihre Positionen zu den Angelegenheiten der Beschäftigten darzustellen.

    Bei meiner Arbeitgeberin hat es sich eingebürgert, dass insbesondere die Beschäftigten selber ihre Positionen zu ihren Angelegenheiten von TVöD bis zur Dienstkleidung darstellen; was immer eine lebendige, unterhaltsame Versammlung ergibt.

    Im Bewusstsein dessen, dass die Auswahl der Redenden, die Themen der Redebeiträge und der Umgangston keineswegs repräsentativ sind, lernte ich doch wieder vieles über meine Arbeitgeberin und den Betrieb. Auch ist es schön, so viele Leute gleichzeitig an einem Ort wiederzutreffen.

    Natürlich ist das alles hoch intern. Aber zwei Sachen, die quasi meine oberste Chefin, SenInn auch bekannt unter dem Titel Berliner Senatorin für Inneres und Sport verkündete, halte ich für öffentlich und kann sie weitersagen: Auf dem Parkplatz an der Schwimmhalle Märkisches Viertel, der an die Gesobau verkauft wurde, sollen im entstehenden Wohngebäude auch Wohnungen für BBB-Mitarbeiter entstehen. Ein wenig älter, aber mir auch neu, Berlin will bis 2028 insgesamt 1000 neue Wohnungen für Landesbeschäftigte schaffen.

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    Ein Auftritt im Kant Kino inspirierte den Joy Division Song „Komakino“

    Es bleibt absurd. Wir sind gerade einmal zwei Kilometer weit umgezogen, und wir beide haben den Eindruck in einer neuen Stadt gelandet zu sein. Die Wege sind anders, sowohl im direkten Umfeld wie auch „in die Stadt“. Und selbst wenn wir eigentlich Vertrautes treffen, ist es jetzt eher ein „ach, auch mal wieder“ statt Alltag.

    Wir sind immer noch dabei, neue Wege und Verkehrsmittel zu erschließen. Sonntag Vormittag lernten wir: Nicht nur haben wir einen Direttissima-Bus zum Schillertheater (derzeit Komische Oper), derselbe Bus setzt uns auch am Kant Kino ab.

    Auch gelernt: die Kantstraße liegt nach dem Umzug in entspannter Weite mit entspannter Strecke für einen kleinen Sonntagsspaziergang nach der Matinee.

    Sonntag Abend lernten wir: Mit U-Bahn und Bus kommen wir bequem nach Steglitz. Und besuchten das Adria-Kino. Das liegt jetzt eigentlich gar nicht verkehrsgünstiger als vorher. Aber irgendwie ergab es sich.

    Denn wir veranstalteten ein Double-Feature mit zwei Filmen an einem Tag. Oder um genau zu sein: Mit einem Film zweimal am Tag. Es war episch, E.P.i.C. – Elvis Presley in Concert.

    Der Trailer sagte „Schauen sie den Film auf dem größten Bildschirm, den sie auftreiben können.“ Und nun ja, der erste Versuch, Kant Kino1 Saal 2 war das nicht. Um meine Freunde des Filmkompendiums zu zitieren: Um 1988 entsteht an der Stelle der ehemaligen Garderobe der Saal 2. Immerhin wurde er 2017 etwas verschönert. .. Trotzdem konnten die grundsätzlichen Defizite des Raums dadurch nicht behoben werden. Ausstattung des Saals (Technik, Sitzkomfort) liegt knapp unter dem Durchschnitt.

    Ich würde behaupten, für Yorck-Verhältnisse liegt er weit unter dem Durchschnitt. Aber anderereits: Es war eng bestuhl, es war voll, es war stickig, es herrschte gute Laune: Für einen Konzertfilm gar nicht schlecht.

    Dennoch wollten wir mehr Bildschirm und besseren Sound. Also führte uns der Abendweg nach Steglitz ins Adria: 250 Plätze im Kino, das 40 Jahre jünger ist (von 1952) mit State-of-the-Art-Technik. Weniger Stimmung im Saal, dafür mehr Stimmung auf der Leinwand.

    Collage aus zwei Neonschriften "Kant Kino" und "Adria"

    Elvis the second

    Aber warum das Ganze? Für Elvis.

    Wir beide waren bis gestern keine Elvis-Fans. Obwohl ich ein Jahr bei Memphis lebte, keine 100 Meilen entfernt von seinem Geburtsort und in Fahrradweite von Graceland blieb er mir immer verschlossen: Kunstfigur, kein Künstler, Mythos einer anderen Zeit, kein Musiker.

    Das änderte sich.

    Der Film beruht auf historischen Filmaufnahmen, die Baz Luhrmann („der Kubrick des Konfetti„) bei den Recherchen zu seinem Elvis-Biopic von 2022 fand. Zehn Konzerte aus Elvis künstlerisch produktiver Zeit in Las Vegas, noch ohne Ton. Dazu eine absolute Seltenheit: ein echtes langes Interview mit Elvis.

    Sie fanden Tonspuren, sie restaurierten und sie schnitten und sie schufen einen höchst erstaunlichen Film: Einen Konzertfilm, der sich anfühlt, als würde einen der Künstler selbst durch das Konzert führen.

    Durch den Film führt das Interview, das Elvis als sehr nachdenklichen reflektierten Menschen zeigt, die Szenen zeigen mal in Abschnitten den jungen Elvis, vor allem aber viele Proben, erarbeiten der Stücke und Elvis auf der Bühne.

    Ich staunte: Selten habe ich einen weißen Musiker gehört, der durchgehend in seiner kompletten Musik (und seine Bandbreite im Film ist erstaunlich, einschließlich Gospel, Beatles-Songs, Bob-Dylan-Songs und natürlich bekannte Hits) so durchgehend und konsequent nach Black Music klingt. Dazu ein Publikum, das komplett weiß ist. Es ist absurd.

    Dabei lernte ich: Elvis und Band hatten ein Repertoire von etwa 150 Songs, die sie spontan spielen konnten und je nach Stimmung im Publikum und Tag hat er das Programm entsprechend angepasst und live gewechselt. Elvis weigerte sich auch die eigentliche Show zu proben: Er wollte alert und spontan sein, die Band sollte auf ihn reagieren.

    Auch gelernt: Für jemand der THE KING war und kaum auf die Straße gehen konnte ohne von Fans belagert zu werden, wirkt er durchgehend bescheiden, immer bemüht die Distanz des Mythos durch einen selbstironisch-albernen Humor zu brechen.

    Und natürlich: Was für ein Musiker.

    Es kann sein, dass wir eine dritte Vorstellung in einem noch besser ausgestatteten Kinosaal besuchen.

    Gelernt / nicht gelesen

    Noch mehr zum Elvis-Film: Ein langes Interview mit Baz Luhrmann in Vulture/dem New York Magazine: Baz Luhrmann Wants an Elvis Cinematic Universe

    Im März lernte ich: „Dark Showering“ nennt sich der Trend, bei dem man beim Duschen das Licht im Bad ausschaltet, stark dimmt oder maximal ein paar Kerzen anzündet. Das soll helfen, abends besser zu entspannen und die Einschlafzeit zu verkürzen.

    Im März lernte ich auch: Steinerne Rinnen sind ein faszinierendes geologisches Gebilde, bei dem sich Wasser ausnahmsweise nicht irgendwo reingräbt, sondern im Gegenteil etwas aufbaut, zum Beispiel so eine Barriere in der Landschaft, auf (!) der das Wasser dann fließt. Verrückt, oder?

    Ein Abschied vom luxemburger Literaturcafé Bovary: Adieu Bovary

    Schiefgelesen bespricht ein Buch, bei dem bei der kompletten Inhaltsangabe dachte, es wäre 2026 erschienen. Nur um dann zu lesen, dass es von 1940 ist: Die Gedanken sind sein -„Kallocain“ von Karin Boye (und faszinierendes Buchcover-Rezensentin-deja-vue)

    Anmerkungen

    1. Am Rande: Ich entdeckte: Im Kant Kino selber fanden auch einmal Rockkonzerte statt: Aus dem Erfolg der Veranstaltungen, die von „Conny“ zunächst als zusätzliche Werbung für das Kino gedacht waren, entwickelte es sich zu einem Platz für die innovativen Strömungen der Rockmusik. Mit Long Tall Ernie & The Shakers wurde noch im selben Jahr der Anfang gemacht. Punk und New Wave spülten jede Menge aufstrebender Musiker auf die Bühne des Kant-Kinos. Weil „Conny“ ein offenes Ohr besaß, fanden auch Künstler jenseits des Rock-Genres, wie Friedrich Gulda und Jeremy Steig, den Weg in die Kantstraße 54 ↩︎