Schlagwort: Filmmusik

  • 26-01-31 Gewöhnlich erkannten wir die Unsrigen sofort, sobald sie hinter einem Busch auf freiem Gelände hervorkamen

    26-01-31 Gewöhnlich erkannten wir die Unsrigen sofort, sobald sie hinter einem Busch auf freiem Gelände hervorkamen

    Madame fuhr nach Bremen. Dachte sie. Dann war sie in Oldenburg. Am Ende kam sie doch in Bremen an.

    Sie schwärmt seitdem vom Hotel gegenüber vom Bahnhof.Nur am Namen sollte das Hotel noch arbeiten: Plaza Premium Columbus Hotel Bremen. Meine Güte.

    Sie traf und trifft eine der unverstandensten Gruppen des freien Internets: Wikipedia-Administrator*innen.

    Urlaubsplanüberlegungen: Mit der Fähre direkt nach Klaipeda? Oder mit dem Zug nach Kopenhagen/Trelleborg und von dort mit der Fähre nach Klaipedia? Oder ganz anders?

    Martinhörner zur Mitternacht. Ein Geräusch, das wir so geballt seit der Schöneberger Hauptstraße nicht mehr hörten. Im Halbschalf dachte ich „Stadtautobahn.“

    Die Berliner Feuerwehr berichtet, dass ihr zeitweise die Rettungswagen ausgehen. Die Unfallkrankhäuser schieben ähnlich viele Einsätze wie an Silvester. Willkommen in der Eiswüste Berlin. Allein an der Ampel gegenüber dem Büro – leicht abschüssig, inzwischen eine blanke Eisplatte – sah ich bei meinen letzten drei Überquerungen jedesmal eine Person stürzen.

    Life-Hack einer jungen Mutter: An den besonders schlimmen Stellen den Kinderwagen (ohne Kind nehme ich an) an wacklig wirkende Menschen ausleihen, damit diese einen Impro-Rollator nutzen können.

    Aufgrund der Eislandschaft Berlin haben die Berliner Öffentlichen Bibliotheken ihre Leihfrist um drei Wochen verlängert. Niemand soll gezwungen sein, vor die Tür zu gehen und sich ein Bein zu brechen, beim Versuch etwas zurückzugeben. Ehrenmenschen.

    Es war ein Wochenendanfang zwischen Eis und Kino mit besonderer Aufmerksamkeit aufs Atmen.

    Sprachi

    Im Radio geriet ich an das „rbb Jugendradio“ Fritz. Und ich staunte, Im Fünfminutentakt hörte ich Wörter, die ich noch nie in einem deutschen Text gesprochen gehört habe. Das meiste waren Übernahmen aus dem amerikanischen Social-Media-Kontext1 und dürfen als solche gerne weiter jenseits meines Wortschatzes bleiben. Schön fand ich „Schickt eine Sprachi an..“ – da stimmen Albernheit von Wort und Tätigkeit doch wunderbar überein. Das sollte ich übernehmen.

    BANIS

    In Zehlendorf an der Bushaltestelle. Eine auf den ersten Blick normal wirkende Frau schreit mit bewunderungswürdiger Ausdauer die leere Fläche vor sich an. „Du FOTZE! Du hast mir nicht zu sagen! Du Schwanzlutscherin!“

    Später in der Wohnung. In den frisch gefallenen Schnee vor unserem Fenster schrieb jemand vier Meter breit: „PENIS“.

    Der Winter schlägt den Berliner*innen auf’s Gemüt.

    Am nächsten Morgen: Fuchsspuren verliefen durch das Wort. Bis Vormittags hatte jemand PENIS in BANIS verwandelt. (oder B8NIS)

    Michael Haneke sah diesen Film 25mal

    Ein Kino hatte mich nach Zehlendorf gelockt. Die Bahnhofslichtspiele (Bali) feiern ihren 80. Geburtstag. Einst in den 1960ern/1970ern ein an diesem Ort unerwarteter Hotspot des Westberliner Politkinos, seit 2024 von einem ehemaligen Rechtsanwalt übernommen, dem ich unterstelle sich damit einen Jugendtraum zu erfüllen.

    Das Kino: mit alten Filmpostern an der Wand, Klavier und Jukebox im Saal, vor der ersten Reihe einige Bistrotische, alles hat eine Aura des Jugendzentrums. Muss ich explizit sagen, dass ich es sehr mochte?

    Anlässlich des 80. Geburtstags veranstaltet das Kino eine Woche der Filmklassiker. Da ich nicht alles sehen kann und will, entschied ich mich zur Füllung einer Bildungslücke. Andrei Tarkowski’s Der Spiegel (Зеркало -> Serkalo, UdSSR 1975)2.

    Ein Film der mich an Yi Yi vom Mittwoch erinnerte: Plot und Erzählstruktur sind noch aufgelöster als in Yi Yi. Jede Einstellung ein Gemälde, jeder der knappen Dialoge halb Gedicht halb Meditation/Gebet, (außer die Teile in denen tatsächlich Gedichte gesprochen werden) jedes Geräusch ein Teil des Soundtracks. Ein Film, der in seiner Logik des emotionalen Fließens näher an Musik liegt als an gängigen Filmen.

    Matsch

    Es gibt keinen Plot. Die Rahmenhandlung lautet, dass ein 40jähriger Dichter sich im Moment seines Todes an sein Leben erinnert. Diese Rahmenhandlung habe ich während des Films nicht bemerkt, habe erst im Nachhinein davon gelesen.

    Es ist eine Abfolge von Erinnerungsfragmenten Tarkowskis, immer wieder springend, immer wieder in Erinnerungen an Träume übergehend an seine Kindheit und als junger Erwachsener. Oft springt der Film; ein Wort oder eine Handlung, die in einer Sequenz erwähnen werden, öffnen die Tor in die nächste Sequenz.

    Im Wesentlichen gibt es drei Orte, die immer wieder auftauchen: russisches Landleben auf der Blockhaus-Datscha, der Dichter als kleines Kind (etwa 1935); Moskau im Zweiten Weltkrieg; der Dichter als Erwachsener mit kleinem Sohn (1960er/1970er). Wir sehen aus der Sicht des Dichters: Mutter und Ehefrau werden von derselben Schauspielerin gespielt ebenso wie der Dichter als Junge und sein Sohn.

    Wo die Handlung schwimmt, und die konsitente Realität sich auflöst und die reale Realität um so stärker. Bilder vom Matsch, ich fühle mich nass; Bilder vom brennenden Haus, ich rieche das Feuer. Oft genug schafft es der Film, jegliche Vernunftkontrolle zu umgehen und sofort zu den tieferen Hirnschichten des haptschen Fühlens und Riechens vorzudringen.

    Bach, Bruegel, Artemeyev

    Ein Film in vier Stimmen.

    Der Film beginnt mit Bach und der Film endet mit Bach. Dazwischen Purcell und Pergolesis Stabat Mater. Selten erklingt Musik, aber wenn, dann ist sie raumgreifend, nie nur Hintergrund sondern Architektur der Szene.

    Ein andere Modus: Die eigentliche „Filmmusik“ von Eduard Artemjew. Oft elektronisch, nur selten als Musik erkennbar, oft komponiert aus Natur- und Umgebungsgeräuschen, elektronisch aufgearbeitet und verfremdet. Wie der ganze Film: es ist ein halb träumerischer Übergang zwischen Umgebung und Gefühl, subjektiv empfundenem und vorgefundenen.

    Dritter Modus: Geräusch. Ähnlich wie in Yi Yi, nie „nur“ Geräusch, sondern immer Rhythmus, Verstärker, gesetzt, oft erst die Szene machend.

    Vierter Modus: Gedicht. Tarkowskis Vater, der Dichter Arseni Tarkowski, liest seine eigenen Gedichte während im Film etwas anderes passiert. Auch hier zählt Klang mehr als Worte (wenn man kein russisch kann und den Untertext liest eh). Der Klang des Gedichts als eigene Musik.

    Flüssiges Land, zähflüssiges Buch

    Es waren Tage der Auflösung: Neben den Filmen Yi Yi und Serkalo, in denen sich Filmkonventionen und Realitätssicht auflösten, las ich auch Raphaela Edelbauers „Das flüssige Land“ aus. Hier löst sich buchstäblich das Land auf.

    Leider ist, trotz aller sprachlichen Brillanz, das Buch konventioneller als die beiden Filme. Und auch die wunderschöne Idee der österreichischen Kleinstadt im Wechselgebiet, nicht ganz von dieser Welt, halb im 19. Jahrhundert, halb im Jetzt, wortwörtlich verschlungen von den Sünden der Vergangenheit, wird im Laufe des Romans immer mehr entmagischt und immer „realistischer.“ Wodurch auffällt, wie sehr die innere Logik hakt. Inhaltlich strebt das Buch dem fulminanten Höhepunkt zu, stilistisch fällt es auseinander. Schade. Am Ende doch kein Buch, das dauerhaft im Regal bleiben wird.

    Leiter weg, Blumenkohl her

    Die Logistikwochen lassen in ihrer Intensität nach. Aber noch sind sie nicht vorbei. Nachdem die Schöneberger Wohnung inzwischen leer ist, war das Auto voll. Denn Bretter, die große Leiter und der latifundinische Staubsauger sollten alle nach Brandenburg. Dem Subaru würde es nicht schaden, auch mal wieder bewegt zu werden.

    Also auf in die märkischen Hamptons. Die letzten Meter über den Plattenweg Richtung Siedlung mit dem Auto rutschen. Die weiße Schneelandschaft bestaunen. Einatmen. Ausatmen. Weite. Stille. Mit Schnee noch weiter und stiller als normalerweise.

    Alles stand noch. Alles sah noch gut aus. Das Grundstück war, abgesehen von Katzenspuren, unberührt. Bier und Brause hatten erwartungsgemäß den Temperaturen standgehalten.

    Stehen. Schauen. Atmen. Nichts hören. Wieder atmen. Augen schließen. Atmen.

    Nach einem Zwischenstop beim Supermarkt beschloss ich das Haus nicht mehr zu verlassen. Also ging ich ins Schwimmbad.

    Total Immersiv

    Wie schnell Systeme zusammenbrechen. In unserem Hausbad gibt es eine als solche gekennzeichnete Sportbahn. Bei der Treppe ist der Bereich Totholz und dazwischen liegt der Bereich der Bahnenschwimmer ohne sportlichen Ehrgeiz. Je nach Laune und Beckenfüllung bin ich beim Totholz oder beim Bahnenschwimmen, ich bin ja aus Jux und Dollerei unterwegs, nicht aus sportlichen Gründen. Naja, heute war ein echtes Totholz-Pärchen unterwegs das zwei Drittel der Bahnschwimmbreite einnahmen. Sofort brach die Unordnung aus. Zwei Leute von 40 Anwesenden. Und alles wurde schwierig.

    Im tiefen Becken ein bißchen mit der Totalen Immersion herumspielen. Und wie immer, wenn mensch in einem komplexen Bewegungsablauf auf einen Teil bewusst achtet (hier: An welchem Punkt beginne ich den Armzug nach hinten?) gerät alles andere in Unordnung.

    Leider gehört zum komplexen Bewegungsablauf Kraulschwimmen auch das Atmen. Und naja, es gelang mir erfolgreich weder zu ertrinken noch auf halber Strecke hustend zusammenzubrechen. Nachdem ich meinen Stolz überwunden hatte, und von 3-Zug-Atmung auf 2-Zug-Atmung umgestellt hatte, hielt ich sogar länger als acht Meter durch.

    Wien du wunderbare

    I feel Joel. Manchmal hat man das Gefühl, das rein physisch links und rechte Sachen kaputt gehen und mensch mit den reparieren gar nicht hinterherkommt. Aber das neu gekauft Auto noch beim Händler, das ist krass: Dinge gehen kaputt.

    Weiter südlich gibt es weniger Eis aber mehr Schnee: Mehr davon, und zwei und drei und vier.

    Wien du wunderbare I: Früher konnte man mit Romantauschzentralen gutes Geld verdienen, heute tröpfelt das Geschäft mit Groschenromanen nur noch. (via Blütenstaub)

    Wien du wunderbare II: “waun I mi scho aufbrezln muass, gibt’s hoid a a Brez’n dazua” Camp Catatonia beim Wiener Ball der Wissenschaft und ich liebe einfach alles an diesem Text.

    Eine längeres Gespräch mit einer Mathe-Kollegin, die in der 5. Klasse einen Schüler hat, der im Zahlenraum bis 10 noch immer die Finger zu Hilfe nimmt. Beim Blick ins Grundschul-Zeugnis stellte sich dann heraus, dass er in der vierten Klasse in Mathematik gar keine Note, sondern nur ein paar freundliche Worte erhalten hatte. Und da regen sich andere über die vermeintliche Abschaffung der schriftlichen Division auf …

    Anmerkungen

    1. Zum Beispiel: „Musiker A macht legit 1:1 dieselbe Musik wie B“. Also im Sinne von engl. legitimate/legitim, ganz genau, wahrhaftig, wirklich. ↩︎
    2. Die Post-Überschrift („Gewöhnlich erkannten wir..“) ist der erste Satz im eigentlichen Film. Es gelang mir nicht, ihn sinnvoll in den Text hier einzuarbeiten, ↩︎

  • 26-01-29 Bilder von Hinterköpfen

    26-01-29 Bilder von Hinterköpfen

    Im Südkreuz ein Schwarm Spatzen.

    Im Netto Rollbergviertel stehen die ersten Paletten mit Milka-Osterhasen.

    Im Kino lernte ich von einem neuen Beruf. Yorck-Kinos suchen eine „Fachkraft Fein- und Sonderreinigung“. Wie ich mir zusammenrecherchierte scheint das eine besondere Spezialisierung für die Erstreinigung nach Neu- oder Umbauten zu sein.

    Es waren drei Tage der Arbeit zwischen Eis, Erkältung und Kino.

    Wie es sich gehört, sind wir beide mit latenter Erkältung unterwegs. Nie schlimm genug, um wirklich zu sagen „ich bin krank“. Aber doch nervig genug für verstopfte Nasen, gelegentliche Glieder- oder Kopfschmerzen und ein Schlafbedürfnis jenseits des Normalen.

    Um Madames Schwimmhallenbesuchsvorsprung nicht zu groß werden zu lassen, verlegte ich die Mobile-Arbeits-Tags-Mittagspause wieder in die Schwimmhalle. Entweder ich werde jetzt gesund oder wenigstens richtig krank.

    Wahrscheinlich trägt auch die Stallhaltung unsererseits zum Ansatz einer Unpässlichkeit bei. Aber auf den Eiswegen da draußen möchte mensch keinen Schritt mehr laufen als unbedingt nötig.

    Aktueller Stand:

    • Auf wenig genutzten Wegen liegt eine Art zu Eis gefrorener Schnee
    • Auf sehr stark genutzten Wegen (zB die ersten drei Meter vor dem U-Bahn-Zugang): das Eis wurde durch zuviel Reibung aufgelöst, auf den nächsten drei Metern bilden sich Löcher im Eispanzer, bevor wieder etwas weiter Weg die Eisplatte beginnt.
    • Denn auf stark genutzte Wegen wurde das Schnee-Eis durch den Druck der vorbei laufenden Menschen zu blanken Eisplatten komprimiert. Befördert wird das durch die 21. Jahrhundert-Variante des ausgelagerten Winterdienstes, der gerne in Eiltempo mit einem Autolein den Schnee vom Eis fegt und – ohne zu streuen – die Eisflächen übrig lässt.

    Die Mall der tropfenden Eimer

    Ich war erst auf dem Weg ins Kino und lief durch ein Gebäude, dass mich geradezu anschrie: „Dreh einen Film in mir! Oder fünf! Hole Jim Jarmusch, Aki Kaurismäki und Marion Ade!“

    Das Einkaufszentrum Kindl Boulevard im Rollbergviertel hat alles was einen Unort auszeichnet: Eine Mall voll leerstehender Geschäfte, 1990er-billig-Investoren-Architektur, Behörden- und Jobcenterflure in den höheren Stockwerken und eine tiefe Aura der Hoffnungslosigkeit, die seit mindestens 2007 andauert. Ein Mann der durch die Gänge wankte und „Deutschland! Deutschland!“ sang.

    Aber wie geballt! Wie ausdrucksstark! Wie geschickt wird die Lost Mall akzentuiert durch den Laden für afghanische Festkleidung (türkische Hochzeitsläden sind nichts dagegen) und das Arthouse Kino.

    Noch aber fehlt der Film zum Boulevard. Noch ist der stärkste Anspruch auf Ruhm des Boulvards seine Eimersammlung. Regelmäßig bei Starkregen stehen die ganze Länge des Durchgangs entlang Putzeimer, die den Regen auffangen.

    Gleich möchte ich das Drehbuch beginnen: Die einsame Arbeiterin im Asia Imbiss des Marktes, eigentlich Filipina muss sie sich als Vietnamesin ausgeben „um ins Konzept zu passen.“ Ein Cast aus Stammgästen aus Bürgeramt und Jobcenter-Mitarbeitern. Dazu Gelegenheitsbesucher*innen: Jobcenter-„Kunden“, die Wärme brauchen, verirrte Gäste des Arthouse-Kinos und Gäste des Business-Hotels, die ausversehen den falschen Ausgang nahmen. Eine zärtliche Liebesgeschichte zwischen der Asia-Imbiss-Mitarbeiterin und einem Jobcenter-Sachbearbeiter bahnt sich an. Dann entdeckt er, dass sie keinen Aufenthaltsstatus besitzt. Er setzt dadurch eine Lawine von Ereignissen in Gang und muss sich am Ende in die Berliner Halbwelt begeben, um sie wieder zu finden.

    一一

    Dabei war ich nicht gekommen, um einen Film zu schreiben, sondern um einen Film zu sehen1. Und was für ein Film: 一一 , in lateinischer Umschrift Yī yī. englischer Titel Yi Yi – A one and a two2, ein Klassiker derTaiwan New Wave und Stammgast in „Die besten Filme des 21. Jahrhunderts“-Listen3.

    Was für ein spannender Film! Nicht im Sinne von Plot, Spannung, Suspense. Eher im Gegenteil. Der Film vermeidet alles, was mensch in Storytelling-Seminare lernt: Kein Spannungsbogen, keine Emotionalisierung, kein Charakter, der einen als Zuschauer emotional an die Hand nimmt und zur Identifikation auffordert. Aber:

    Jede Einstellung ein Gemälde. Jedes Autogeräusch ein Sound. Jede Sekunde voll menschlichem Leben. Der Film vermeidet Konventionen, löst sie geradezu auf, und schafft dadurch eine besondere Atmosphäre. Fast fühlte ich mich wie im Zauberberg – die Zeit aufgelöst, ich fragte mich kurz, gibt es überhaupt eine Handlung?

    Dann fiel mir auf: Eine Geburt, eine erste Liebe, eine Hochzeit, ein vielleicht-Suizidversuch, mehrere Ehedramen, ein Mutter-Tochter-Drama, ein Schlaganfall, ein Mord, eine Beerdingung – das ganze volle Leben war in allen Facetten präsent.

    Und weil der Film so voll war, mich auch mit einigen Tagen Abstand immer noch dezent überfordert, versuche ich mich auf einige wenige Aspekte konzentrieren4.

    Der Plot: Von Hochzeit und Beerdigung

    Zentrale Charaktere sind NJ (Vater), Min-Min (Mutter), Ting-Ting (Tochter, 13) und Yang-Yang (Sohn, 8). Der Film beginnt mit der Hochzeit von Min-Mins-Bruder, einem rechten Hallodri, die von des Bruders Ex-Freundin erfolgreich gesprengt wird. Am selben Tag erleidet Min-Mins Mutter einen Schlaganfall und fällt ins Koma.

    Wie es sich für eine Familie gehört, löst sich die Handlung in zahlreiche Subplots auf (Min-Min im Kloster, NJ trifft seine Jugendliebe wieder, Ting-Ting (sie und ihre beste Freundin Lili haben nacheinander denselben Freund, der auch mit Lilis Mutter zusammen ist, die wiederum eine Affäre mit Lilis Englischlehrer hat, mit dem auch Lili eine Affäre beginnt), der drohende Untergang mit NJs Unternehmen) und bei der Beerdigung der Großmutter wieder zusammenzufinden.

    Straßengrundrauschen

    Irgendwann fiel mir auf: Ich höre im Film nur Musik, wenn auch die Charaktere selber Musik hören. Sei es Hintergrund in einer Bar, jemand spielt Klavier, jemand singt.

    Dann fiel mir auf: Eigentlich höre ich immer das, was die Charaktere auch hören. Vielleicht Musik, vielleicht eine röhrende Küchenmaschine, vielleicht einen Streit aus der Nachbarwohnung, sehr oft höre ich Autos, denn die Geschichte spielt in der Großstadt. Es schafft eine ungahnte Unmittelbarkeit.

    Noch später fiel mir auf: Ich höre nicht „einfach“ das, was jetzt realistisch wäre. Alles hat Rhythmus, alles rahmt die Handlung, setzte Akzente. Fußböden quietschen als würden sie sagen „Hotel mit Vergangenheit für Menschen mit Vergangenheit“, Straßen erzeugen ein prägnantes Hintergrundrauschen. Alles im Fluss.

    Filme vom Leben

    Irgendwo in der Zeitlosigkeit des Film gehen Ying-Ying und ihr Freund ins Kino und unterhalten sich. Sie bevorzugt RomComs, er realistisches Drama. Sie: „Warum Filme ansehen, die einfach vom normalen Leben handeln. Wäre es nicht sinnvoller, einfach rauszugehen und zu Leben.“ Er: „Mein Onkel sagt, seitdem das Kino erfunden wurde, leben wir dreimal so lang wie zuvor.“

    Später: Yang-Yang macht mit seiner neuen Kameras Fotos von Hinterköpfen und schenkt sie den fotografierten. „Damit du das sehen kannst, was du sonst nicht siehst.“

    Belgrad- A Coruna – Malcom F.

    Auf Geschäftsreise in Belgrad.

    Auf Privatreise. Einfach mal in den Bus steigen.

    hmble Musik.

    How Browsers work – in interaktiv. (via Stefan)

    I’m a linguist, and when people find out about it, they very often ask how many languages I speak. I hate it.

    Haselantische Zugabe

    Vorscht! Bitte nicht scheten. (Prompt: Erstelle mir eine Illustration zum vorhergehenden Text)

    Anmerkungen

    1. Yorck-Unlimited-Besuch No. 7 – ergo 34€ pro Besuch. ↩︎
    2. 一 ist das Zeichen für eins. 一一 als eins, eins bezeihungsweise normalerweise gemeint als „eins nach dem anderen.“ Schreibt man die Striche nicht nach- sondern übereinander, ist es das Zeichen für zwei. ↩︎
    3. Was meine Banausigkeit unterstreicht mit der ich von diesem Film das erste Mal in meinem Leben vor etwa zwei Wochen erfuhr. ↩︎
    4. Nur als kleine Anmerkung was noch alles ginge: Ein langer Text, der sich mit dem Einsatz von Hokkien, der indigenen Sprache Taiwans, im Unterschied zum chinesischen Mandarin befasst: Feeling Seen: Edward Yang’s Yi Yi ↩︎
  • 24-12-19 Liste von Filmen, die in „The Holiday“ empfohlen werden (18×0- (13,7))

    24-12-19 Liste von Filmen, die in „The Holiday“ empfohlen werden (18×0- (13,7))

    Richard of York gave battle in vain.

    Mit dieser Eselsbrücke lernen englische Schüler*innen die Farben des Regenbogens (Red, Orange, Yellow, Green, Blue, Indigo, Violet). Unter pubertierenden Penäler*innen auch gern umgedichtet zu Richard of York gave battle in Vagina.

    Dieses wichtige Wissen erlangten wir durch die Fernsehserie Taskmaster.

    Der Innsbrucker Platz ist Nummer 2 der Unfallschwerpunkte in Berlin. Als Mensch der den Platz regelmäßig überquert und regelmäßig Unfallfahrzeuge am Rande des Platzes stehen sieht, wundert mich das gar nicht.

    Die Lotto-Stiftung fördert eine Produktion der Komischen Oper von Jesus Christ Superstar im Flughafen Tempelhof. I need tickets. Entweder wird es großes Desaster oder eine begeisternde Sache – auf jeden Fall denkwürdig.

    Madame beorderte die Deckenlochbohrer zur Deckenlochstopfung. Stand aktuell: Gestopft, nicht gemalert. Auch die angedrohte Rohrfreilegung im Bad passierte noch nicht. Aber wir erfuhren, dass auf dem Dachboden – unserer Decke – das erste Mal seit Menschengedenken eine Dämmung auf dem Fußoden angebracht ist, unsere Wohnung also wärmer werden sollte als je zuvor.

    Der Kaptain widerfuhr eine Erscheinung aus der Vergangenheit. Mein Ex-Mitbewohner in Leipzig und (einige Jahre später) Ex-Genosse in Kiel tauchte in der Dithmarscher Landeszeitung auf. Er ist neuer ehrenamtlicher Geschäftsführer von Sarahs Getreuen in Schleswig-Holstein. Das ist jetzt einerseits überraschend, andererseits auch nicht. Hauptsache die Frisur sitzt.

    Wer jemals links der Mitte in Hamburg politisch aktiv war, weiß dass Hamburg ein ganz besonderer Ort voll bizarrer Überraschungen ist. Das BSW setzt diesen Trend fort: Sieben Mitglieder des Bündnisses Sahra Wagenknecht haben am Wochenende ohne Kenntnis des Bundesvorstandes einen Landesverband in Hamburg gegründet. Diesen Landesverband nennen sie „Bündnis für Vernunft und Gerechtigkeit“, ohne den Namen der Gründerin der Bundespartei Sahra Wagenknecht

    Unvergessen die Sitzung im Hamburger Gewerkschaftshaus 2001 als erst Mitglieder des anstrengenden Flügels des Saals verwiesen wurden. Nur damit sie kurze Zeit darauf im 1. Stock mit Plakaten auf dem Fenstersims balancierend und an die Scheiben hämmernd wieder auftauchten.

    Während der Postbote noch darum kämpft, jeden Großbrief an sein Ziel zu bringen, hat DHL in Schöneberg kapituliert. Die Weihnachtsaufmerksamkeit der BBB kam bei Kollegen bereits letzten Mittwoch an, hier noch nicht. Diverse Pakete befinden sich seit >1 Woche im Status „in der Zustellregion angekommen.“

    Bluten in Lichterfelde

    Während mir die rechte Hand des DRK seit Wochen Mails und Briefe sendete, um mich zur Blutspende zu treiben, weiß ich, dass die linke Hand des DRKs mich eiskalt abweisen würde, wenn ich käme. Grimpfung und Mandelentzündung sei dank. Also wartete ich brav meine Frist ab, bevor ich Dienstagabend den M85 Richtung Charité nahm.

    Die Deko dezent weihnachtlich, die Mitarbeiter*innen und Ehrenamtlichen sowieso immer total freundlich. Ich geriet an denselben Arzt bei dem vor zwei Versuchen die Chemie irgendwie nicht stimmte. Diesmal war alles okay und prompt waren auch die Werte okay.

    Das Spritzen blieb störrisch. Ich lernte den Einmal-sofort-Eispack kennen, der zur Blauer-Fleck-Vermeidung auf den Arm kam. Weil fast Weihnachten ist, ging ich sogar mit einem kleinen Geschenk in Form eines Kuschelschals nach Hause.

    Der eigentliche Grund, warum ich zur Blutspende gehe, war auch vorhanden: die Freiwilligen servierten frisch gestrichene Heckerle-Stullen.

    Wenig neues bei der immerwährenden Querdenkerdemo auf der Schloßstraße. Dieselben 10 Menschen, dieselben Schilder („Zahle bar!“ / „WHO – NATO – EU“ / Irgendwasmitfrieden) und derselbe Aufbau wie immer. Ihr Durchhaltevermögen schwächelt allerdings. Dass sie während meines Blutspenderückwegs bereits komplett zusammengepackt hatten, ist neu. Das gab es seit Corona nicht mehr.

    Alle Filme mit Irene Dunne

    Nach dem Regeltermin Blutspendet am Dienstag folgte der Regeltermin Fetch am Mittwoch. Das Odeon bringt einmal pro Monat eine klassische RomCom, wie alles im Odeon in OV/OmU. Im Dezember natürlich einen Weihnachtsfilm. Nach Love Actually im Dezember 2023 folgte 2024 Nancy Meyers The Holiday („Liebe braucht keine Ferien“) von 2006.

    Der Plot so realistisch wie zum Beispiel der Plot von Top Gun. Zu Weihnachten tauschen eine liebesleidende Engländerin (Iris – Kate Winslet) und eine liebesleidende Amerikanerin (Amanda – Cameron Diaz) ihre Wohnungen. Beide lernen jemand kennen (Graham – Jude Law – lernt Amanda kennen; Miles – Jack Black – lernt Iris kennen).

    Aber auf einer emotionalen Ebene ist alles wahr und jede*r kann sich in einem Charakter wiederfinden. Kate Winslet, Cameron Diaz, Jack Black und Jude Law sind allesamt vollkommen hinreißend, die Szenen charmant und Vieles fühlt sich vollkommen korrekt an.

    Was den Film aber groß macht, wird durch das fünfte Rad am Wagen neben den beiden Paaren, dargestellt: Arthur Abbott, Drehbuchautor aus der großen Zeit in Hollywood und Zufallsbekanntschaft von Iris/Kate Winslet in L.A.

    Abbott (ohne Alter, sein Schauspieler Eli Wallach war beim Dreh 90 Jahre alt) entführt Iris in die Welt des alten Hollywoods. Er bringt sie in seine Wohnung voller Memorabilia. Abbott erzählt Anekdoten von damals, nutzt dabei schöne Wörter wie gumptious oder Schmock und empfiehlt historische Filme. Meine Lieblingsszene des Films findet statt, als Abbott mit ein paar alten Kumpels eine Channuka1-Party2 bei Iris in Amandas Haus schmeißt.

    Wo Abbott aufhört, macht Miles weiter. Der Charakter ist Komponist von Filmmusik, er gestaltet den Film zu einer Hommage an die Filmmusik und insbesondere an den Komponisten Hans Zimmer.

    Zimmer komponierte die Musik für The Holiday. Im Film wird das Heimstudio von Miles gezeigt – dies ist eine ziemlich genaue Kopie des Studios, das Zimmer damals bei sich im Haus hatte.

    Die IMDB verzeichnet weit über 50 Verbindungen zu anderen Filmen. Vor allem aber von Filmen, die als DVDs in Regalen stehen. Ihre Titel sind ohne Anhalten von The Holiday kaum erkennbar.

    Das Blog watchingforever zählt nicht nur die Filme auf, die erwähnt werden, sondern geht auch tiefer darauf ein, wo Filme Nancy Meyer Filme referenzierte ohne sie explizit zu nennen: ‘The Holiday’: a modern rom-com with a classic movie heart:

    Von Arthur Abbott erwähnt

    His Girl Friday („Sein Mädchen für besondere Fälle“) (1940 – Klassiker der Screwball-Komödie, Rotten Tomatoes 99/100, in verschiedensten Listen der besten Filme aller Zeiten; und mir komplett unbekannt).

    The Lady Eve („Die Falschspielerin“) (1941) – Unkonventioneller Screwball-Klassiker

    Allgemein Filme mit Irene Dunne.

    Bluebeard’s Eighth Wife („Blaubarts achte Frau“) (1938 von Ernst Lubitsch) – wird nicht explizit erwähnt. Aber wenn Arthur das Konzept meet-cute erklärt, schildert er dazu eine Szene aus dem Film.

    In der Videothek

    Jaws („Der Weiße Hai“) 1975 – Filmmusik von John Williams – Miles performt die Titelsequenz

    Driving Miss Daisy („Miss Daisy und ihr Chaffeur“), 1989, Filmmusik von Hans Zimmer. Auch angesungen von Miles.

    The Graduate („Die Reifeprüfung“) 1967 – Songs von Paul Simon. Hello Mrs Robinson angesungen von Miles. Dustin Hoffmann hat ein Cameo als Videotheksbesucher und schüttelt den Kopf.

    Chariots of Fire („Die Stunde des Siegers“) 1981 – Musik von Vangelis.

    The Mission („Die Mission“) – 1986 – Musik von Ennio Morricone.

    Sonstige Erwähnungen

    Cinema Paradiso (1988, Musik von Ennio Morricone / Andrea Morricone) – Die Filmmusik läuft in Miles Auto als er Iris das erste Mal trifft.

    Mon Oncle („Mein Onkel“) – 1958 – das Poster hängt prominent in Amandas Haus.

    Once Upon a Time in America (Es war einmal in Amerika) 1984 – Musik von Ennio Morricone; die Titelmelodie von The Holiday beginnt mit den ersten Takten von Deborahs Theme aus Once Upon a Time.

    Der Mann im Mond braucht keine KI

    Da His Girl Friday in den USA keinem Copyright mehr unterliegt, beherbegt Wikipedia den kompletten Film.

    Wo ich schob bei Watchingforever rumstöberte entdeckte ich „Just Imagine“ It’s a pre-Code sci-fi musical comedy with Busby Berkley-like dance numbers, vaudevillian humor, a trip to Mars and a man brought back to life after 50 years.

    Die ehemaligen humoristischen Songwriter des Lumpenpacks kombinieren Billy Joel mit Slime: WZF?! (2.4 Update) feat. Alligatoah

    Maik Riecken mit vielen spannenden Gedanken zu KI in der Schule, insbesondere zum Thema „was passiert eigentlich kognitiv bei den Lernenden wenn sie KI nutzen“?: KI in der Schule? Ist sie nun einmal da und muss man sich deswegen damit beschäftigen? (via Hajo Inwanowitsch)

    Anmerkungen

    1. Überhaupt Chanukka-Party. Natürlich fand ich die Szene total schön, andererseits verfluchte ich meine Landsleute: wir könnten hier auch einfach nette, spannende Chanukka-Parties in Deutschland haben, wenn wir nicht die Feiernden vertrieben und ausgerottet hätten. ↩︎
    2. Der Weihnachtsfilm mit Chanukka-, Weihnachts und Silvesterparty. Wie es sein sollte. ↩︎