Schlagwort: Geburtstag

  • 25-10-23 Öömrang in Dahlem

    25-10-23 Öömrang in Dahlem

    Die wilden Tauben machen Randale. Sie wurden einmal wieder aus der Dachbodenbaustelle geworfen, und versuchen fast mit Gewalt zurückzukommen. Dazu haben sie sich vor allem unsere Fenster auserkoren. Sie sind kurz davor, mit Anlauf dagegen zu fliegen. Es gilt auf jeden Fall: „Augen auf und Zimmertür zu beim Lüften, sonst haben wir drei Taubenpaare, die zu Fuß unsere Wohnung erkunden.“

    Madame ist kurz davor, in der Thomas-Dehler-Bibliothek ein „Stammkundin“-T-Shirt zu bekommen und gleich Kaffee angeboten zu kriegen sobald sie die Tür durchschreitet. Jetzt lieh sie sogar ein zweites Buch (Marcie R. Rendon) und eine DVD (Elizabeth George).

    Von der Gemüslichkeit brachte Madame, Schwarzkohl (Schwarzkohl!! Bester Kohl!!!), Brie und Hartkäse einer Prignitzer Schafherde mit, und auch das scheint mir wiederholenswert.

    Unterwegs aß ich einen Jackfruit-Burger (die erste Jackfruit meines Lebens) und würde sagen: War gut, aber nichts wofür ich Umwege fahren würde.

    Ich bekam eine private Mail mit Schilderung eines IT-Problems. Halb hatte ich sie schon an das Ticketsystem weitergeleitet, bevor mir auffiel, dass ich privat gar kein Ticketsystem betreibe.

    Es waren drei Tage der Arbeit.

    Die Kompetenzvermutung der TL VM gegenüber IKEA-Mitarbeiter*innen befindet sich in einem stetigen Sinkflug.

    Beim Vorbeilaufen aufgeschappte Satzfetzen „Wenn eine Bierdose im Schaltschrank umgefallen ist, dann wird das keiner zugeben.“ Das kann ich sicher als geflügeltes Wort übernehmen, muss nur noch ein Einsatzgebiet finden.

    Ich hätte fast einen Blog in meinen Feedreader gepackt, habe dann aber beschlossen, dass ich Schreibende, die ihre Posts regelmäßig vom Halluzinator bebildern lassen, leider nicht ernst nehmen kann.

    Schoki + Butter + Ei = Begeisterung

    MMB, der gerade neben mir sitzt, beschwerte sich: „Alle fünf Minuten rufen Menschen bei southpark an. Das wäre ja noch erträglich. Wenn er nicht immer 4:45 min mit ihnen reden würde.“ Die Arbeit verlagert sich gerade von Projekt 1 auf Projekt 2, aber es wird nicht weniger. Immerhin ist No. 2 inhaltlich spannender, ab Montag ist auch der Lankwitzer Lackmeister wieder anwesend, dann wird alles besser.

    Immerhin hat der Ansturm am Dienstag eine kurze Pause eingeleckt. Das war sehr freundlich, denn Dienstag war Sachertortentag.

    Voll dem Nerdgeist des Teams habe ich mich verschrieben beim Thema Geburts- und Jahrestage, bei denen ich eine große Neigung habe, sie zu vergessen oder nicht weiter ernst zu nehmen. Ein dementsprechend schlechter Geburtstagsgratulant bin ich – und dementsprechend war meine Motivation zum Geburtstagstorte backen auch wenig glückwunschwunschgetrieben sondern eher ein schlichtes „ich habe Lust zu backen und das ist ein schöner Anlass“.

    Naja, trotz meiner eigenen Glückwunschsaumseligkeit wurde ich wirklich exorbitant von Gratulant*innen (mehr *innen ehrlich gesagt) bepuschelt und war das doch ganz erfreulich. Zumal die Torte richtig gut war, mit Sicherheit meinen eigenen Bepuschelungsfaktor für nächstes Jahr nochmal gesteigert hat.

    Eine Villa mit Rüschenvorhang

    Das Capitol Dahlem ist eines der spannenderen Kinos Berlins. Es befindet sich in einer 1920er-Jahre-Villa im beschaulichen Grünen im Berliner Nobel-Außenbezirk mit Universitätsanbindung. Im Jahr 1941 übernahm der Präsident der Nazi-„Reichsfilmkammer“ Carl Fröhlich die Villa und ließ sich dort seinen privaten Filmsaal einbauen.

    Nach dem Krieg kam Gerhard Klein an das Kino – Klein, einst Kinderschauspieler, der im Berliner Ensemble in Kästners Emil und die Detektive mitspielte, dann im Max-Ophüls-Film Lebertran, wurden von ebenjenen Nazis des Carl Fröhlich nach Polen deportiert. Kleins Eltern starben im Konzentrationslager, er selbst konnte nach Palästina fliehen.

    Nach dem Krieg kam er zurück nach Berlin, und in ebenjener Zentrale des Grauens, eröffnete er ein Programmkino mit legendärem Programm, das er bis in die 1980er hinein betrieb.

    Mittlerweile gehört das Gebäude der FU Berlin, wird betrieben von den Yorck Kinos, die zum Beispiel auch das Odeon in unserer Nachbarschaft betreiben. Leider, und das war dann der endgültige Stupser, endlich mal in die U3 zu steigen und nach Dahlem zu fahren: Die Freie Universität bekommt Etatkürzungen, und überlegt die Villa samt Kino zu verkaufen. Was vermutlich das Ende des Kinos bedeuten würde.

    Mehr zum Kino im studentischen Campusmagazin der FU: Once Upon a Time in … Dahlem

    Die Kaninchen waren künstlich

    Es lief Amrum. Ein Film von Fatih Akin/ Hark Bohm, der auf Bohms Kindheitserinnerungen auf Amrum fußt. Im Wesentlichen erzählt er die Tage Ende April/ Anfang Mai 1945 als Hitler Suizid beging, der Zweite Weltkrieg endete und Nanning (Bohms Alter Ego im Film) eine kleine Schwester geboren wird.

    In diesem Bezug auf eine Realgeschichte liegt Stärke und Schwäche des Films.

    Seine Stärke: Es kommen Themen zusammen, die vermutlich niemand fiktional gemischt hätte: Nazis, Amrumer Natur, Familiendrama, Coming-of-Age, Jagd, Friesische Inseltraditionen, Friesisch, Hunger, die Trennung zwischen Inselbewohnern, Festländern und Flüchtlingen.

    Seine Schwäche: So viele Themen. Manchen Themen wird der Film eher gerecht, anderen nicht so.

    So mittelgut behandlet wird das Thema Nazis. Er widmet sich dem Thema solide und angemessen, aber im Vergleich zu anderen Filmen des Themas fällt Amrum weder in guter noch in schlechter Hinsicht auf.

    Ich fange mit dem an, womit ich im Film haderte: Den Naturaufnahmen. Ich habe nicht auf Amrum gelebt, aber an der DIthmarscher Nordseeküste. Ich war viel draußen, ich weiß wie diese Art der Landschaft bei Sonne und Regen, Nebel und Matsch, am Meer, im Hinterland und im Watt aussieht und wie sie sich anfühlt. Und immer wenn ruhige athmosphärische Naturszenen im Film vorkamen dachte ich nicht an Nordsee, sondern an die Motivauswahl in einer mittelguten NDR-Doku „Unsere Küste“. Das war alles so vorhersehbar, die Motive so offensichtlich und irgendwie auch wenig sinnlich. Das war Küste zum Anschauen, nicht zum Fühlen. Inmitten eines sonst überzeugendes Filmes störend.

    Deutlich besser war es, wenn Charakter in der Natur waren. Nanning sammelt Nachts unter dem Sternenhimmel Treibholz. Die beiden Jungs laufen durch die Hundsrosen. Sie jagen Kaninchen und Robben, Nanning kämpft sich bei auflaufendem Wasser durch den Priel. Das fühlte sich überzeugend an, und damit sind wir bei der großen Stärke: den Schauspielern. Durchgehend ein intensiver Cast, der die Intensivität dieser letzten Kriegs- und ersten Friedenstage überzeugend verkörperte.

    Überhaupt die Menschen: Die aus Hamburg geflohenen Nazi-Bildungsbürger aus Nannings Familie, die Einheimischen mit ihrem Misstrauen gegenüber den Festländern; die Diskussion, ob jemand, der neun Generationen Vorfahren aus Amrum hat, aber selbst nur schlecht Öömrang redet, überhaupt Amrumer ist. In der den Film durchziehenden Diskussion „Wer ist wir?“ liegt fast die größte Stärke des Films.

    Die größte Stärke für mich: Sie reden Öömrang, die Amrumer Version des Nordfriesischen. Großartige Schauspieler*innen reden auf großer Leinwand lange Dialoge auf Nordfriesisch. Offiziell auf „Deutsch, Friesisch“, wird schon nach den ersten Worten klar, dass Öömrang kein Dialekt sondern eine eigene Sprache ist. Inselleute reden Friesisch, Hamburger hochdeutsch und im Dialog zwischen den Gruppen geht es mal so und mal so. Die Schauspieler*innen, die alles hochdeutsch-Muttersprachler*innen sind, bringen das mal so und mal so rüber. Aber gerade Diane Kruger (= Bäurin Tessa Bendixen) und Detlev Buck (= Fischer Sam Gangsters) würde ich sofort die friesisch-Muttersprachlerin abnehmen.

    Fermentieren haselieren

    Weil ich den Capitol-Dahlen-Artikel im Campusmagazin überraschend gut geschrieben fand für eine Studierendenpostille, war ich neugierig, was aus der Autorin seitdem wurde; durchaus spannend.

    Ein gutes Interview mit Akin zum Film und dessen Hintergründen: Fatih Akin über sein NS-Drama „Amrum“: „Wir alle haben mit dieser Zeit zu tun“

    Gerne hadere ich mit Heim-Software-Basteleien, weil ich denke, das ist großer Aufwand für ein komplett bedeutungsloses Ergebnis. Hier dachte ich, das möchte ich auch machen: „Designing Software for Things that Rot“

    Eine extrem hohe Kompetenzvermutung habe ich wenn Frau Pane-Bistecca asiatisch kocht. Ihr Nasi Goreng sollte ich nachmachen, allein um zu wissen, wie ein echtes Nasi Goreng schmecken könnte.

    Frankfurt Osten – beste Stadtgegend: Industriekultur im Frankfurter Osten: Eine fotosoziologische Spurensuche

    Herr Rau fand ein Spiel, bei dem es darum geht, den Halluzinator beim Haselieren zu schlagen: Links: Python, Scratch, KI

    Wenn einem Kolleginnen Fehlermeldungsbildschirme beschreiben, erinnert mich das mitunter frappant an die Fernsehsendung „Dingdsa“.

  • 25-10-07 Sauerkirsch auf Sauerbraten (Stuttgart)

    25-10-07 Sauerkirsch auf Sauerbraten (Stuttgart)

    Ich hörte mir staunend zu, wie ich selber sagte „Der Pinot Noir war von 2014“ – ein Satz über den ich lange nur gelästert hätte, und der doch hier ganz unprätentios gemeint war und passte.

    Es war ein Tag des Feierns in Stuttgart: Eine bestandene Bachelorarbeit, ein 50. Geburtstag, zwei unterschriebene Verträge und eine vollendete Lebensabsicherung. Der deutsche Nationalfeiertag, der auch noch war, trat angesichts dieser Anlassdichte in den Hintergrund. Das war schon einen großen elf Jahre alten Spätburgunder wert.

    Wir blieben bis Vormittags im Hotelzimmer. Denn es war spacig – im doppelten Sinne. Es war groß, hatte Space, und zumindest das Badezimmer hat vielleicht auch schon einmal erfolglos versucht, zum Mond zu fliegen.

    Und wir hatten große Pläne, auf die der gesamte Vormittag zulief. Diese Pläne ließen es geraten erscheinen, mit eher leerem Magen angetreten zu werden.

    Gegen halb zwölf begaben wir uns durch die Massen der Lederhosen- und Dirndl-Träger*innen von der Station Stadtbibliothek über den Charlottenhof bis hin zum Marienplatz. Dort warteten die beiden kirchlichen Würdenträger*innen, mit denen wir verabredet waren.

    Mit der Zacke auf die halbe Strecke

    Ein Stuttgarter Wahrzeichen fuhr uns hinauf zu einem anderen Wahrzeichen der Stadt. Die Zacke, die Zahnradbahn Stuttgart, fuhr uns die halbe Strecke hinauf nach Degerloch bis zu Vincent Klinks Wielandshöhe.

    Uns empfingen gestärkte Tischdecken, Kellner in Uniformen und prachtvolle Blumenbouquets. Zu Klinks Überzeugungen gehört es, alles was einen Restaurantbesuch vom Alltag entfernt, zu zelebrieren. Der Meister selbst drehte zu Beginn des Mittagsservices eine Runde, begrüßte alle Gäste. Denn so will es der Anstand, und Anstand ist ein Konzept, das in der Wielandshöhe ausgeprochen hoch gehalten wird.

    Obwohl uns die Website gewarnt hatte „Es geht um das Essen, nicht die Aussicht. Jeder, der hierher kommt, hat einen besonderen Anlass, versuchen sie gar nicht erst um einen Fensterplatz zu kämpfen“ blieb uns das Panoramascheibenglück hold. Wir hatten einen Ecktisch mit einer Aussicht auf das tiefer liegende Stuttgart in gleich zwei Richtungen.

    Im Normalfall denke ich bei solchen Anlässen „Der Koch weiß besser was gut ist als ich, und ich bin hier, weil ich ihm vertraue – also nehme ich das Menü.“ So hielten wir es alle.

    Das Menü

    Um meiner späteren Erinnerung aufzuhelfen. Das Menü enthielt:

    • Gruß aus der Küche: Zwiebelkuchen
    • Vorspeise: Forellenfilet an Linsen und Beurre Blanc oder Schweinskopfsülze an mariniertem Gemüse
    • Suppe: Lauch-Kartoffel-Suppe
    • Hauptgang: Sauerbraten mit Dinkelspätzle
    • Dessert: Meringue Perdu mit Vanilleeis und Himbeeren

    Als Aperitiv einen Sekt mit Zitrone? Oder war es sehr klein geschnittene Zitrone aufgegossen mit Sekt? Es gelang uns, den Kellner zu verwirren, indem wir erst zum Hauptgang Wein wünschten. Dieser war ein Friedrich Becker: Pinot Noir Schweigen von 2014. Der Dessertwein ein Joh. Jos. Prüm Graacher Himmelreich Riesling Auslese von 2019.

    Die Namen der Gerichte täuschen darüber hinweg, wie beeindruckend sie waren. Einer der Leitlinien des Restaurants ist es ja, die handwerkliche traditionelle Küche am Leben zu erhalten. Aber halt auch unter dem Motto „wir lernten Kochen bei Paul Bocuse und nicht bei unseren Omas.“ Also Essen in einer Perfektion und Präzision, die die Vollzeitbeschäftigung eines eingespielten Teams voraussetzt. Und so war es.

    Um die Highlights herauszugreifen:

    • Der Geruch des Sauerbratens beim Abheben der Cloche. Ich hätte ihn gar nicht essen müssen, sondern hätte ihn einfach nur 20 Minuten riechen können.
    • Der Saft(?) der Sauerkirsche, der sich beim Aufschneiden über ebenjenen Sauerbraten ergoss.
    • Das marinierte Gemüse zum Schweinekopf.
    • Der erste Schluck vom Pinot Noir.
    • Das komplette Dessert.
    • Madames leuchten in den Augen auch nach Tagen, wenn sie das Wort „Linsen“ ausspricht.

    Nicht Schwimmen

    Scheiterten wir daran, im Baden-Württembergischen Haus der Geschichte die Ausstellung Frei Schwimmen zu sehen. Seit dem 1. Oktober schließt das Haus normal um 17 Uhr, und das war uns zu früh. Es half auch wenig, dass Donnerstags bis 20 Uhr geöffnet gewesen wäre und freitags der Eintritt frei ist.

    Gleich nebenan die Plakate für das Skandalstück Sancta, das am entsprechenden Abend lief – aber natürlich ausverkauft war.

    Immerhin konnte ich meine Stuttgart-Orientierung erhöhen, indem wir zu Fuß am Landtag vorbei durch den Schlossgarten und die Königstraße bis zur Labyrinthbaustelle Stuttgart 21 und zum Europaviertel liefen. Noch zwei bis drei vergebliche Versuche, Frei Schwimmen zu besuchen, und ich werde mich in der Stadt auskennen.

    Pferdezahnarzt und Menschenmaskenbildner

    Verkehrte Welten. Ich trinke Spätburgunder und Carsten isst Fischbrötchen in Büsum.

    Ein weiteres Sternelokal zum Vormerken, dank Julia Chishuru, westafrikanische Küche in London. Monatsrückblick September 2025: Alte Freunde, neue Risse

    Sachen, von denen ich vorher nie gedacht hätte, wie spannend ich sie finde: Mit dem Pferd beim Zahnarzt.

    Joel beim #FotoVorschlag mit. Thema: Handwerk. Vier schicke Fotos seiner Handwerkskunst.

  • 25-04-22 Als wir abfuhren, läuteten die Kirchenglocken

    25-04-22 Als wir abfuhren, läuteten die Kirchenglocken

    Paris-Nachhall

    Um diesen Post langweiligstmöglich zu beginnen, zwei Korrekturen zum letzten Post:

    Das Restaurant Le train bleu liegt natürlich nicht im Gare du Nord, sondern im Gare de Lyon. Die opulenten Deckengemälde mit den Reisezielen in Südfrankreich hätten mir eine Erinnerungsstütze sein können.

    Zum Jardin du Luxembourg fuhren wir nicht mit der Metro, sondern mit der RER, der Pariser Version der S-Bahn.

    Ein letztes Paris-Erlebnis: Da wir Karfreitag morgens zum Zug wollten, fragten wir, ab wann Frühstück ist. „Na, um sieben. Wie jeden Tag“ – „Ist das nicht anders, weil morgen Feiertag ist?“ – Der Rezepzionist war mehr verwundert ob unserer Frage. Wir erklären, dass sich in Deutschland die Frühstückszeiten an Wochenenden und Feiertagen ändern. Er, mit einer Fassungslosigkeit tief aus der Seele: „Im Hotel???“. Hätten wir erwähnt, dass sich in Deutschen Hotels Sonntags jeder Gast selbst eine Wurststulle mitbringen muss, er hätte nicht überraschter sein können.

    Trier

    Aber Paris ist schon fast eine Woche her. Der Koffer mit dem Trier-Gepäck hingegen steht noch unausgepackt im Flur. Also eigentlich natürlich der Koffer, mit den Pariser und den Trierer Sachen. Denn wir fuhren von Paris mit dem TGV nach Saarbrücken und von dort mit Regios nach Trier.

    So der Plan.

    Regio und ein TGV fast ausschließlich in Frankreich – was soll schon schief gehen?

    Krieg! Der zweite Weltkrieg. Eine Fliegerbombe. Und plötzlich fuhr unser TGV nicht mehr nach Saarbrücken, sondern nach Mannheim – mit dem Regio zwei Stunden in die falsche Richtung entfernt. Mit uns zusammen wollte der halbe TGV zurück nach Saarbrücken.

    Wir sahen Szenen.. ein Regio bei dem Menschen mit Gesichtern an die Tür gedrückt standen.. Paare die sich lautstark auf dem Bahnsteig anbrüllten.. ein erwachsener Mann der mit voller Wucht auf den Tresen der genervten Warme-Semmel-Verkäuferin schlug. High Life im Regionalverkehr.

    Aber mit Madame kann man selbst unter diesen Umständen gut und entspannt verreisen. Immerhin wissen wir jetzt, dass mensch bei Yormas im Bahnhof Kaiserslautern auch mal eine Stunde warten kann, direkt nebenan sogar noch eine echte Bahnhofsgaststätte existiert.

    Trier, jetzt wirklich

    Wir kamen an. Kellerkind holte uns am Bahnhof ab, setzte uns im Holiday Inn neben Mosel und Freibad ab und erläuterte das weitere Programm.

    Drei Essen

    Drei Abendessen mit Kellerkind und anderen Gästen.

    Kulinarisch am bemerkenswertesten: Die Brasserie Sim, eine langsame Entwöhnung wieder vom Pariser Sieben-Gänge-Menü zum „Mittagstisch im Forum Esswirtschaft / Berlin“. Ich hatte Bouche de la mer (Königinnenpastete mit Meeresfrüchten – passend zum Karfreitag), Madame Cordon Bleu mit Münsterkäse.

    Die Meeresfrüchte-Etagere mit Hummer und Austern versuchte uns. Aber die anderen, uns vorher unbekannten, waren viel zu sympathisch und spannend, um eine Etagere zwischen sie und uns zu platzieren.

    Das speziellste Essen, zwei Tage später im Brauhaus: der Kellner, der mitbekam, dass es etwas zu Feiern gab und spontan Teller und Gabeln für den mitgebrachten Geburtstags- und Taufkuchen brachte und dazu noch einen Cocktail spendierte.

    Drei Städte

    „Immer diese römischen Sarkophage. Immer wenn wir graben, finden wir neue Sarkophage aus antiker Massenfertigung.“, klagte Bruder Gregor, „Die will schon lange kein Museum mehr haben. Aber Schreddern können wir sie auch schlecht. Also haben wir eine Garage angemietet, um sie aufzubewahren, mittlerweile stehen sie auch im Garten des Klosters.“ – Trier in a nutshell.

    Die römische Stadt

    Trier, die älteste Stadt Deutschlands mit der ältesten romanischen Kirche Deutschlands und der ältesten gothischen Kirche Deutschlands, Hauptstadt des römischen Galliens – und seitdem ging es irgendwie bergab.

    Wir liefen mehrfach an der Porta Nigra vorbei, besichtigten die Konstantinbasilika aus dem 4. Jahrhundert und die Kaiserthermen aus ähnlicher Zeit. Letztere ein eindrückliches Beispiel dafür, dass Protzbauten auf der grünen Wiese auch um 380 n. Chr. schon beliebt waren. Was für ein Gangsystem.

    Leichtes Gelächter allerdings bei allen mit der Bahn angereisten, die Triers historischen Bedeutung mit der „verkehrsgünstigen Lage“ erklärt fanden.

    Die katholische Stadt

    Kellerkinds Heimatgemeinde nach Wohnort feiert die Messe nach dem Tridentischen Ritus. Die traditionelle katholische Messe, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil abgeschafft wurde, von Papst Benedikt in engen Grenzen wieder eingeführt und unter Franziskus nur in sehr viel engeren Grenzen, in wenigen Einzelfällen unter gerade-noch-so-Duldung erlaubt wurde. Wer die Tridentische Messe feiert muss wirklich sehr davon überzeugt sein, zum konservativen Flügel des Katholikentums gehören zu wollen.

    Kellerkind möchte nicht Teil dieser Gemeinde werden.

    Trier, die Stadt in der an jeder Straßenecke eine historische Kirche mit lebendiger Gemeinde steht. Die Stadt, die ihrem bekanntesten Sohn, Karl Marx, die 50 Meter Straße widmete an der das Sex-Kino und die beiden Nachtbars stehen, die Stadt wo es Weihwasser in Kanistern zum Selbstabholen gibt, Trier ist besonders.

    Kellerkind erzählte: Als sie damals nach Trier zog, und kurz darauf der Papst starb, läuteten 30 Minuten lang sämtliche Kirchenglocken der Stadt.

    Die moderne Stadt

    Wir kauften Schuhe und sahen eine Nazi-Demo. Die Stadt war über die Ostertage überfüllt. Die Chance bei Calchera, familiengeführtes italienisches Eiscafé seit 1937, einen Platz zu ergattern, waren Null.

    Wir zogen weiter, fanden einen Schuh-Räumungsverkauf und waren erfolgreich. Kurz darauf fanden wir einen anderen Eiscafé-Platz bei San Marino, saßen friedlich, als plötzlich die Nazi-Demo durch die Stadt zog.

    Der ehemalige Ballermann-Sänger Björn Banane – I kid you not – war Stargast einer Demo irgendwo zwischen Querdenkerdemo und waschechten Neonazis. Die Gegendemo war auch anwesend.

    Er herrschte mittelschweres Weimarer-Republik-Feeling wenn man nichtsahnend in eine friedlichen Kleinstadt kommt und plötzlich linke und rechte Demos an einem vorbeiziehen. Beunruhigend: (1) Sie waren beide ungefähr gleichgroß. (2) Bei der Banane-Demo war ein ganzer Block, der optisch als gewaltbereite Neonazis erkennbar war – der die ganzen anderen Querdenker aber nicht weiter störte. (3) Der im Café herübergewehte Gesprächsfetzen vom Nachbartisch „Irgendwie haben sie ja recht.“

    Wir hatten zum Glück die Gelegenheit uns auch noch länger zu den Omas gegen Rechts zu begeben und etwas mitzudemonstrieren.

    Neben Nazis sahen wir auch einen Stapel Eidechsen. Das war netter.

    Ein Ereignis

    Aber wir waren weder nach Trier gekommen um Schuhe zu kaufen, noch im Römer zu schauen. Das katholische Trier hatte eingeladen. Nun ist Glaube etwas höchstpersönliches; der Versuch eine Glaubensmotiviation nachzuvollziehen schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Und so bleibe ich beim flapsigen: Kellerkind wurde vom katholischen Trier infiltriert. Aufgewachsen in atheistisch/agnostisch/protestantischer Umgebung, hatte sie sich mit Ü30 entschieden, sich taufen zu lassen – katholisch.

    Als wir hörten „Erwachsenentaufe. In einer Klosterkirche durch die Mönche. In der Osternacht“ wollten wir sofort eingeladen werden und wurden erhört.

    So als quälten wir uns Nachts um 3 aus dem Bett, um uns um 4:05h vom vorbestellten Taxi zur Benediktinerabtei St. Matthias bringen zu lassen. (Mit dem einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen – Trier natürlich). Warten auf dem Mönch.

    Ein Mönch verteilte Kerzen (nicht, wie zuerste gedacht: Kaffeebecher; oder Schnapsgläser), das Osterfeier brannte.

    Wir zogen in die dunkle Kirche. Es folgten zweieinhalbstunden Messe. Erst die komplette Osterfeier. Dann ein die Taufe (Kellerkind bekräftigte nachdrücklich den Glauben und widersagte dem Bösen). Dann die Tauferneuerung – Mönche verteilten Taufwasser, dass sich die anwesenden Gläubigen noch einmal aufbringen konnten; der agnoistische und evangelische Teil der Gäste verzichteten – dann ein kompletter Abendmahlsgottesdienst mitsamt Kellerkinds Erstkommunien und einem beträchtlichen Teil der ,Allerheiligenlitanei, endend mit „Heilige Scholastika, bitte für uns.“

    Irgendwann zwischendurch auch noch die Firmung, zu der das Öl offensichtlicht aus dem heiligen Flachmann geschüttet und bereitet wurde.

    Vorher hatte es noch Diskussionen gegeben, ob die Protestanten an der Kommunion teilnehmen können und sollen (alle Anwesenden einschließlich der Mönche im Prinzip dafür, Kirchenrecht dagegen), ich persönlich entschied mich als Freund der Formvorschrift für eine unabendmahlsliche Segnung.

    Durch die Kirchenfenster zu sehen: die Verwandlung der dunklen Nacht über das Morgengrauen in den Tag.

    Danach, frisch errettet und durchgefroren ein kleines Nachgottesdienstfrühstück mit der Gemeinde, danach ein größeres Frückstück mit der Klostergemeinschaft im Refektorium. Am Tisch, Bruder Gregor, ein Mensch mit dem wir noch hätten stundenlang sitzen können und wortwörtlich über Gott und die Welt reden können.

    Ein Abschied, der Papst stirbt

    Am Bahnsteig erfahren wir das der Papst gestorben ist. What’s App meldet – Spiegel und New York Times wissen nichts – aber Bild.de bestätigt. Als wir in den Zug steigen, beginnen die Glocken zu läuten.

    southpark spielt mit ChatGPT

    Auch ein Ergebnis der Reise. Ich spielte viel mit ChatGPT, schaute was geht und was nicht. Aber dazu an anderem Ort mehr. Ich hoffe, ich bin inzwischen wieder auf einem sozialverträglichen Maß des Spielen angekommen. Aber etwas müsst ihr jetzt damit durch.

    Prompt1 : Erstelle mir passend zum Blogtext oben eine Illustration als Ergebnis und verschiedene Empfehlungen. Ergebnis:

    Outfit-Empfehlungen (50 Jahre)
    Frau: Zweireihiger Leinenmantel in Ecru mit handgestickten Details, kombiniert mit Seidentuch aus Lyon.
    → Elegant nostalgisch, kontinentales Flair; tragbar beim Stadtbummel wie zur Tauffeier im Kloster.

    Mann: Marineblauer Sakko-Mantel mit Cordkragen und St. James-Schal, dazu graue Bundfaltenhose.
    → Klassisch-französischer Provinzstil, unauffällig distinguiert; passt in Trier wie Paris, auch im Regionalzug.

    Kulinarik für ein Paar (50 Jahre)
    Gebratener Wolfsbarsch auf Fenchel-Orangen-Bett mit Pastis-Butter, dazu Blätterteig-Tarte Tatin und ein Glas Crémant de Die.
    → Französisch ohne Überladenheit, feierlich, aber nicht prätentiös – perfekt zwischen Baptisterium und Bahnhof.

    Musik
    Lucrecia Dalt – „Atemporal
    → Subtile elektronische Meditation über Zeit, Erinnerung und Identität – für späte Stunden in Klosterfluren oder auf Bahnsteigen.

    Film
    „The Secret of Roan Inish“ (1994) von John Sayles
    → Mythen und Realismus verschmelzen; Erinnerung, Glaube und Zugehörigkeit verankert in Landschaft und Familie – weich und weise erzählt.

    ? Roman
    Ruth Gilligan – „The Butchers’ Blessing“
    → Irische Glaubens- und Übergangsriten, aufgearbeitet in einem Roman über Mütter, Märtyrer und Märkte. Wild, intim und erschütternd schön.

    ? Sachbuch
    Lauren Elkin – „Flâneuse: Women Walk the City in Paris, New York, Tokyo, Venice and London“
    → Essayistischer Spaziergang durch urbane Räume aus weiblicher Perspektive. Reflexion über Öffentlichkeit, Identität und Bewegung – wie geschaffen für Paris-Nachhall-Leser:innen.

    1. Sinngemäß. In Wahrheit waren die Prompts etwas komplexer und auch mehr als einer. ↩︎
  • 24-09-10 Heupferd mit Rotschwäche

    24-09-10 Heupferd mit Rotschwäche

    Madame lies die Wetterwand erröten.

    Madame entrang dem rasenden Bäckereiwagen zwei Stück Endlich-ist-Wochenende-Kuchen, Bohnen und Paprika. Und natürlich Puddingschnecken sowie hervorragende Quarkbällchen.

    Hier geht es zu wie auf Herrn Raus Piratenschiff! ist auf dem besten Weg zur Redensart.

    Noch mehr Heupferde. In allen Größen. Vom Heupferd bis zum Heushetlandpony. Auffallend: Das Exemplar mit nur einem halben linken Vorderbein und Rotschwäche. Erst drückte es sich stundenlang an der roten Außenwand des Bungalows entlang.

    Später begab es sich über die Terrasse; dort lag noch ein Fallapfel mit roter Schale. Die nächsten Stunden saß das Vieh auf dem Apfel.

    Madame notierte sich, dass sie das entlaufene Sedum in der Wiese ausgraben will.

    Großstadt-Hitzglocke: Sonntagabend um 21:15h bei 22 Grad in den Latifundien aufgebrochen, um 22:00h bei 28 Grad in Schöneberg angekommen.

    Auch mit Dauerlüften hält sich die schwere Hitzer – in der Wohnung, im Supermarkt, im Bus und erst recht im 30-Grad-Treppenhaus.

    Ihr seid wirklich sicher, dass wir keine 30-Grad-Tage mehr bekommen, dieses Jahr? Oh, ihr Optimisten!

    Tropennacht hält wach. Irgendwann des Nächtens spielt das Radio eine Interviewwiederholung mit Jens Spahn. Ich bin kurz davor aus dem Bett zu springen und nachts um zwei spontan den Grünen beizutreten. Glücklicherweise hatte der Sleeptimer Mitleid mit mir und schaltet Jens Spahn stumm.

    Derweil führt die SPD die lang vermissten Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Dänemark wieder ein. So panisch, wie die Regierung gerade durch die Gegend hühnert; die AfD-Führung muss vor lauter Lachen auf dem Boden rollen und sich die Bäuche halten.

    Ich kaufte Theaterkarten. Die vorkommenden Rollen Europa, Putzkolonne, Regenbogen, Wissenschaftler überzeugten mich.

    Da offensichtlich gerade Herbst ist, begann ich mich gedanklich mit Weihnachts- und Herbst/Winter-Geburtstagsgeschenken zu beschäftigen. Falls mir jemand etwas schenken möchte: ich würde das DEERC DE65 Remote Control Car with 1080P HD Camera nehmen. (und das ist auch auf keiner der „offiziellen“ Wunschlisten drauf)

    Wir folgten den Dönerfluencern zu Mir Döner. Mit etwas rumsuchen auf Youtube fand ich zahlreiche Dönertester, die alle bei Mir waren. Wenn in der Nachbarschaft schon etwas weltberühmt auf Social Media ist, sollten wir hin. Die Schlangen sind wieder etwas geschrumpft. Wir machten uns Montagabend auf den Weg.

    Zu Recht! Durchgehend echtes Fleisch, alles saftig und zart, ungewohnt tomatig mit Anklängen von Bolognese-Sauce. Gerne wieder.

    Madame installierte, inspiriert von Herrn Buddenbohm, eine neue Karten-App. Unabgesprochen installierte ich, inspiriert von Herrn Buddenbohm, eine neue Karten-App. Bisher bin ich glücklich. Die Karte sieht schön aus, sie basiert auf Open Street Map und scheint zu leisten was ich wünsche.

    Letzte Lücken

    Es gilt letzte Lernlücken zu füllen.

    Bei der Klausur darf ich die Skripte nutzen – sogar mit Anmerkungen, also klebe ich ein halbes Dutzend Klebsis an neuralgische Stellen und schreibe mir Formeln an Stellen an denen ich sie schnell wiederfinde. Aber natürlich ist es viel schneller und sicherer, wenn ich die entsprechenden Formeln im Moment des Moments auswendig kenne.

    Selbst die graphische Simplex-Lösung wiederholte ich. Bei der Methode hatte ich einst vor zwei Seminaren beschlossen, dass sie mir zu trivial ist, um mir zu merken wie sie funktioniert. Aber die Antwort: „Habe ich für zu trivial gehalten und deshalb nicht gelernt“, ist eine Antwort, die in der Klausur vermutlich keine Punkte gibt.

    Weiter ging es mit Fakten, die es nie schaffen, sich in meinem Hirn festzusetzen:

    Die Varianz ist \[\sigma^2 \] Die Standardabweichung ist deren Wurzeln, also: \[\sqrt{\sigma^2} = \sigma \] Nicht umgekehrt. Die beiden zu sortieren ist mir schon zu Schulzeiten nicht gelungen; alle Kurse zur empirischen Sozialforschung in den 1990ern halfen nicht und nun auch nicht die diversen Statistikseminare. Ich hoffe, ich kann es für 24 Stunden in meinem löchrigen Hirn halten.

    Zur Bestimmung von (Pseudo-)Zufallszahlen eignet sich die multiplikative Kongruenzmethode. Hier gilt:

    \[ z_{i+1} = z_i * a \mod b \] Dabei ist b ein vielfaches von 2: \[ 2^n\] Die maximale Zahl der bestimmbaren Zufallszahlen beträgt n-2. Ist b also \[ 512 = 2^9 \] lassen sich \[ 2^{9-2} = 2^7 = 128 \] Zufallszahlen damit bestimmen.

    Während ich inhaltlich bisher ein wirklich gutes Gefühl habe, kommt Spannung aus anderer Richtung. Unser Wohnungsinternet neigt den ganzen Montag zu sporadischen Aussetzern – misslich wenn ich eine Onlineklausur mit dauernder Kameraüberwachung schreiben soll.

    Also Montag noch Techniktest mit Ersatzrechner und mobilem Hotspot – scheint zu funktionieren. Fingers Crossed.

    1000 Kilometer

    Wofür das Internet gut ist: mit 40.000 Leuten danach suchen, wer die sechste Person auf einem 2008 hergestellten Stoff ist. Sie wurde gefunden: Celebrity Number Six confirmed.

    Übrig aus Vor-Internet-Zeiten: Stephan Max besucht die Traumathek-Die Traumathek – Kölns letzte Videothek

    Besondere Filme schauen im Kino geht derzeit in Cannes: 5. Deutsches Filmfestival in Cannes

    Dank Ostseereise dieses Jahr bekomme ich regelmäßig Werbemails der litauischen Bahn. Ich lernte, dass es einen Sonderzug „in die Pilze“ gibt. Was mensch sonst noch im Baltikum mit der Bahn machen kann, empfiehlt die Zugpost: Ohne Bus durchs Baltikum: Bahnreisen in Estland, Lettland und Litauen

    (Der Artikel ist aus 2023. Wie wir im Sommer testeten, kommt man seit 2024 wieder komplett mit Bahn von Deutschland dorthin.)

    Andere Fortbewegung: Der erste 1000-Kilometer-Trip mit dem E-Auto.

    Frau Brüllen bohrt

    Wegen der furchtbaren Fruchtfliegenplage in meiner Küche bestelle ich mir aus einer Stimmung heraus eine fleischfressende Pflanze. Dabei nehme ich mir ganz fest vor, sie auf gar keinen Fall ,,Audrey“ zu nennen – auch nicht mit Nummer.

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  • 23-12-12 Fortzahlung des Entgelts 42-T

    23-12-12 Fortzahlung des Entgelts 42-T

    Madame wird einen Dachsbau unter Beobachtung stellen; in einem Klavierkonzert mit Kopftuch vielleicht auf die feinen Unterschiede achten. Darauf ein purée de marrons.

    Wikimania 2024 wird in Kattowitz stattfinden. Wikimania in Zugreichweite klingt reizvoll. Leider zu einem für mich ungünstigen Termin.

    Da es 2023 schon für keinerlei „extra“-Ziele reichte, kann ich ja schon mal eines für 2024 verkünden: Es wird eine Zitronenpresse-Veröffentlichung geben.

    Währenddessen schleppe ich mich im Schneckentempo weiter durch das Mathe-Skript. Nachdem ich den Berg abgeflogen bin (Querlesen) und an ausgewählten Stellen ausstieg und diese erkundete (Studientag), muss ich mir nun alles zu Fuß erlaufen. (Gründlich lesen und nachrechnen) Und das dauert. Immerhin bewährt sich die Technik mit Spielzeug und Surface-Pen ganz vortrefflich.

    Madame wurde belobigt. Student*innen wollen jetzt Stegreifreden.

    Mensch kann überraschend viel Zeit mit Windows Hello verbringen. Das Azure AD, ein immerwährendes Füllhorn der Freude.

    Elite Kickboxing ist schon längst ausgezogen. Aber sie verwirrten mich, indem in ihren Räumen statt Kickboxen aktuell Kinderjudo stattfindet. Abgesehen von Form und Farbe der Anzüge ist kaum ein Unterschied feststellbar. Ich hoffe auf eine dauerhafte Bleibe der Mini-Judokas, fürchte aber eine Zwischennutzung.

    Aquatische Biotechnologie

    Wir gingen zum Synchronschwimm-Weihnachtsmärchen. Der SC Wedding, Zentrum des Berliner Synchronschwimmens, veranstaltet dies seit mehreren Jahren. Es wird ein klassisches Weihnachtsstück aufgeführt. Dort wo im „normalen“ Theater Tanz- und Gesangsnummern wären, wird hier synchrongeschommen. Dabei ist der ganze Verein im Wasser, von Mitgliedern der deutschen Nationalmannschaft hin bis zu den Kleinsten, die vor wenigen Monaten ihr Seepferdchen gemacht haben.

    Es gab eine liebevoll modernisierte und ent-mysoginisierte Version von „Die Schöne und das Biest.“ Belle (Die Schöne) und das Biest finden sich über ihr gemeinsames Interesse am Medizinstudium. Noch nie sah ich Synchronschwimmen live vor Ort. Und ich wusste schon, dass es sehr viel anspruchsvoller ist als man gemeinhin denkt. Aber oh wow. Ist das krass. Hätten wir nicht auf knüppelharten Betonbänken gesessen, wäre ich vor Ehrfurcht im Boden versunken.

    (Videos gibt es bei Hauptstadtsport.tv)

    Schon beim ersten szenischen Auftritt von Belle stolperte ich über den Satz „Ich möchte studieren. Ich möchte wissen wie der Körper funktioniert“ und ich dachte „Klar, Biophysik; das was Sportler*innen gerne studieren“, Belle setzte fort mit „Ich möchte Medizin studieren.“ Medizin ergab im Rahmen der Handlung mehr Sinn. Aber späteres duckduckgoen erbrachte, dass die Belle-Darstellerin und Drehbuch-Mitautorin Michelle Zimmer wahrhaftig Biotechnologie an der TU Berlin studiert.

    Nach drei Stunden bei fast 30 Grad auf unbequemer Bank war ich groggy und durch. Bewunderte die Menschen im Wasser noch mehr. Allerdings: Gäbe es eine Weltmeisterschaft im Sport-Schauen kämen Madame und ich sicher nicht in die Top 10. Zimmer und Seidel allerdings gelang dies bereits als Duo bei der Synchronschwimm-WM.

    Direktzug Vilnius-Riga

    Der Bahn-Fahrplanwechsel bringt einige schöne Überraschungen. So gibt es nicht nur einen Nachtzug Berlin-Paris, sondern auch eine Verbindung mit nur einmal umsteigen von Hamburg in die Ukraine. Für uns reizvoll: die Bahnlücke im Baltikum scheint nach vielen Jahren mit einer neuen Verbindung Vilnius-Riga geschlossen. Die Fahrplanänderungen in der Zugpost.

    Mein inneres Bild von Dithmarschen sieht ziemlich genau so aus wie diese Fotos.

    Christiane über Winter im französischen Bergdorf.

    Kannste dir nicht ausdenken. Wie die konservative Soap Melrose Place über Jahre links-subversive Kunst inszenierte: The Virus Inside Your TV. In the 1990s, a group of radical artists smuggled political messages into Melrose Place. Not everyone found it funny. (Falls sich mal wieder jemand fragt, wann die Weltgeschichte diese bizarre Abzweigung nahm auf der wir uns befinden: Vielleicht war das der Anfang.)

    Als Informatik-Student des vielfachten Bildungswegs habe ich natürlich ein Interesse an den sogenannten Coding-Camps: Mehrwöchige bis mehrmonatige Kurse, die versprechen gegen meist hohe Gebühren das Programmieren beizubringen. Kann ich mir aus verschiedenen Gründen gar nicht für mich vorstellen. Aber neugierig bin ich schon, was dort genau passiert. Der Tagesspiegel bringt (leider hinter Paywall) etwas Licht ins Dunkel: Softwareentwickler ohne Studium: Wie Bootcamps den Quereinstieg ermöglichen.

    Manchmal, beim Lesen von so fast-Rentner-Blogs, die jeden Tag bis zur Rente zählen, frage ich mich, ob bloggen den Geist vorzeitig altern lässt. Der Lebensüberdruss ist stark in ihnen. Und dann stolpere ich über Christa Chorherr und denke. „Nein!“ Die war letztens bei einem 95. Geburtstag eingeladen (und ist selbst in ähnlichen Alterssphären unterwegs), und wälzt alltäglich kluge Gedanken, zum Beispiel über Allein-kochen und die Situation in Russland.

    Über meine letztjährigen Blog-Einträge wurde ich an Bless the Lord my Soul erinnert. Da letztjährige Video ist nicht mehr verfügbar. Aber ein gutes Motto für die nächsten Monate und Jahre. Seid geschützt.

  • 23-10-03 Get throught the greatest limits

    23-10-03 Get throught the greatest limits

    Der Subaru rattert nicht mehr. Genauer gesagt, gibt er kein Geräusch mehr von sich. Die Zentralverriegelung will nicht. Kein Lämpchen leuchtet. Womit das Problem recht eindeutig in der Batterie zu verorten wäre. Nur hilft uns diese Erkenntnis noch nicht zu einem fahrenden Auto.

    Im Markgräflerland konnte auch der kommunale Tigermückenjäger kein Festmahl mit Gartenblick verhindern. Kübelpflanzen sind aber erstmal out.

    Zum Geburtstag schenkte ich mir einen Wecker, der um fünf Uhr klingelte. Und dabei war nicht einmal Reise- oder Ausflugstag. Bis 19 Uhr blieben wir weitgehend auf den Latifundien. Unterbrochen nur durch ein kurzes Fußballspiel von SC Achtsam Prenzlberg gegen FC Schienbein Friedrichshain. Schienbein gewann aufgrund seines belgisch-deutschen Starstürmers. Es war insgesamt sehr anstrengend aber auch sehr schön.

    Am Wochenende wandelten wir mit dem Kaptain um Sans,souci. Ein Mann – ich vermeinte italienische oder spanische Sprachfetzen aus seiner Gruppe zu vernehmen – trug ein T-Shirt „Get throught the greatest limits.“

    Das wäre doch, in genauer dieser Schreibung, ein schönes Motto für das nächste Lebensjahr.

    Hände einer Statue, die sich dem Himmel entgegenrecken.

  • 22-12-12 Zwei Käfige voller Narren

    22-12-12 Zwei Käfige voller Narren

    Heute lernte ich: Das Löschmittel aus CO2-Feuerlöschern verlässt diesen mit -78Grad Celsius. Man muss aufpassen, wo man dieses Gerät festhält. Überhaupt: ein phänomenales Spielzeug. Leider zu teuer zur reinen Freizeitgestaltung.

    Der Feuerwehrmann empfiehlt Feuerlöschsprays (zB aus dem Baumarkt). 600ml aus der Spraydose löschen bis zu 15 Liter brennendes Friteusenfett.

    Madame sprenkelte Mandeln. Der Kaptain begutachtete Glasuren.

    Italienisches Wort des Tages: Coltelleria.