Schlagwort: Geschichte der Wirtschaftsinformatik

  • 25-03-06 Benennen, Erläutern, Erklären

    25-03-06 Benennen, Erläutern, Erklären

    Servicehinweis für Berliner*innen: Samstag ist Feiertag. Auch für Leute, die am Wochenende eh nicht arbeiten, haben die Geschäfte geschlossen.

    Dota veröffentlichte ein neues Video: Kettenkarussel. Wenn ich ein Berlin-Musikvideo sehe, frage ich mich immer: Erkenne ich, wo es gedreht ist? Und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus: die erkennbaren Drehorte sind Innsbrucker Platz (erstes Auftreten 1:11) , S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke und U-Bahnhof Schlossstzraße. Orte, die ich zum erweiterten Wohnzimmer zählen würden und die im Blog schon ihre Spuren hinterlassen haben.

    Auf dem Hinterhof steht ein Elektroswapfiets.

    Die Dachbaustelle macht optisch erkennbare Fortschritte. Leider betreibt sie auch weiterhin die Mückenzuchtanlage. Mittwoch war anscheinend Großbesprechungstag mit allen Chefs.

    Der Nachbar mit ohne Hund hat von den Dachbauarbeitern erfahren, dass sie bis Ende April fertig sein wollen. Außerdem erzählte er seine spannende Wohnungs- und Umzugsgeschichte, die in von einer 35-Mark-Einzimmerwohnung in Kreuzberg über Schöneberg, Charlottenburg und Brandenburg wieder nach Schöneberg brachte.

    Ich las ein paar Seiten in der Geschichte der Wirtschaftsinformatik. Das Buch kreist unter anderem um die Frage: Ist Wirtschaftsinformatik eine eigenständige Wissenschaft? Oder ist sie nur ein Lehrgebiet mit akademischen Anspruch ähnlich dem Wirtschaftsingenieurwesen?

    Die Frage wird verkompliziert, weil es das Fach so nur im deutschsprachigen Raum gibt, während im englischsprachigen Raum eher die Information Systems ähnliche Themen bearbeitet. Die Information Systems haben immerhin schon ein eigenes Wiki mit den gängigsten Theorien des Fachs: Information System Theories.

    Andererseits nähern wir uns gerade mit dem Tempo eines abstürzenden Düsenflugzeugs einem Post-amerikanischen Zeitalter, wer weiß was das mit dem Stellenwert der US-Universitäten in der Welt macht. Und intensiv beten, dass beim Absturz möglichst wenige Menschen zu Schaden kommen.

    Kleeblatt / 1C / 2A1

    Ich lerne das Kleeblatt auswendig. Der Lehrbrief Informationsmanagement hat sein Modul in die vier inhaltlichen Bereiche Strategie, Bedarf, Erbringung und Technologie aufgeteilt und diese in Form eines hübschen Kleeblatts angeordnet.

    Auf den Rändern finden sich dann jeweils kleinere Teilbereiche, Theorien und Rollenbeschreibungen in Unternehmen. So finden sich auf dem Kleeblattblatt „Bedarf“ unter anderem die Teilbereiche Innovationsmanagement und Geschäftsprozessmanagement, die Systemtheorie und die Theorie der Innovationsdiffusion sowie der Enterprise Architect und der Business Analyst.

    Inhaltlich ist es halt sehr praxisnah. Das sorgt bei mir für Wiedererkennungseffekte, muss aber darum kämpfen, akademischen Anspruch zu halten. Soweit ich mitbekam, hat der vorherige FernUni-Lehrstuhl für diesen Bereich dieses Anspruchsproblem durch unfassbare Mengen Text und unfair gestellte Klausuren gelöst.

    Hier hingegen gibt sich der neue Lehrstuhl auffallend viel Mühe, alles verständlich, nachvollziehbar und intuitiv zu halten und die Studierenden zu motivieren. Soweit so sympathisch. Leider gibt es keine Altklausuren, so dass ich etwas ins Blaue hinein lerne.

    Madame schrieb eine Klausur in 1C. Diese gehört zu einer anderen FernUni-Fakultät, scheint aber auch den Pfad von gigantischen Textmengen und tendenziell unfairer Klausurstellung zu verfolgen. Großer Wert wurde auf die „Operatoren“ gelegt – Erklären sie.. erfordert andere Antworten als Erläutern sie.. oder Beschreiben sie.. Wenn man halt inhaltlich nichts zu bieten hat und Student*innen das Leben schwer machen wil.

    Naja, sie hat es geschafft. Eigentlich wäre die Berufliche Bildung ein spannendes Thema – aber so eher nicht.

    Jetzt weiter für sie mit 2A1 – Empirischer Bildungsforschung. Dafür installierte Madame R Studio.

    Aber vorher und nach der Klausur: Belohnungsessen bei Da Michele mit Pizza Margherita und Amalfi Spritz,

    Kekse statt Nazis

    Mittwoch lagen Sticker in meinem Briefkasten „Kekse statt Nazis.“ Ich werde diese natürlich keinesfalls im öffentlichen Raum verkleben. Solltet ihr sie je dort sehen, müssen sie von jemand anderem stammen.

    Die Sticker waren ein letzten Abschiedsgeschenk, el incognito +3 hatten den Weg vom schönen Bayern ins schöne interessante Berlin auf sich genommen. Weitere Bekannte besuchen.

    Wir sahen uns an den Südkreuz Offices und fuhren mit der 248 nach Norden. Auf der Fahrt durfte sich datura mein Bachelorarbeitsthema anhören und deckte natürlich sofort auf, dass sich das Thema zwar als wirtschaftswissenschaftlich tarnt, aber eigentlich informatisch ist.

    Kurzes Stöbern durch den Bergmannkiez, ungeschoren an der Hammett-Buchhandlung vorbeigekommen. Dafür gab es eine kleine Eskalation im Otherland.

    Ich habe eigentlich eine Regel, dass bestimmte Autoren gekauft werden müssen, wenn sie in Buchhandlungen vorrätig sind (zum Beispiel Naomi Novik, Jasper Fforde) – aber auch nur, weil ich weiß, dass sie nie im Regal stehen. Im Otherland setzte ich die Regel schon beim Durchschreiten der Schwelle aus. Eine gute Entscheidung – sonst hätte ich jetzt 10 Bücher mehr.

    Weiter zu Barcomis, Brownies und New York Cheesecake

  • 25-02-18 Zerreißen sie den Stimmzettel

    25-02-18 Zerreißen sie den Stimmzettel

    Im Feldkampf gegen BV Garding unterlag Achtung Wesselburen nach bewegtem Duell knapp mit zwei Metern Kiek ut. Garding hatte bereits zwei Schott erspielt, musste diese jedoch im Lauf des Matches wieder einsetzen. Leider für Wesselburen entglitt dem 20. Boßler die Kugel stark auf den mit hohem Gras bewachsenen Deich, und das war der Sieg für Garding.

    Auf der Straße: ein Schneeräum-Smart. Den Bus überholte ein Zweisitzer-Smart, vorne mit montierte Schneeschaufel, hinten mit Salz/Kies-Streu-Trommel. Es wirkte durchaus professionell. Nur sehr klein.

    Madame bekam ihren Koffer wieder. Der Kofferreparateur lobte das Modell, hadert aber mit seinem Gestänge.

    Die Lörracher demonstrierten.

    Die Manic Street Preachers veröffentlichten ein neues Album, ich bin unterwältigt.

    Nach der Klausurabgabe Betriebliche Informationssysteme habe ich die Notenstatistik des Vorsemesters angeschaut. Oops, Durchschnitt 3,5, gut ein Drittel der Schreibenden ist damals durchgefallen. Irgendwie hatte ich die Klausur als gar nicht so selektiv im Hinterkopf gespeichert.

    Glücklicherweise muss ich hier nichts über Politik schreiben: Rebecca Solnit nimmt mir in ihrem Newsletter die Worte aus dem Mund . Fast möchte ich sagen, sie schreibt wortwörtlich das, was ich auch schreiben würde. Aber natürlich hat sie es tiefer durchdacht als ich gerade und formuliert besser als ich je könnte: No One Knows How This Will End (But I Do Not Think It Will End Well for Them):

    I don’t know where Trump, Musk, and Vance’s story ends, but I know it doesn’t end with them in power, and I don’t think it will end particularly well for them, though my main concern–and yours, I presume–is trying to prevent damage along the way. And I’m convinced that if we take action, we get to write some of the chapters and maybe revise or erase some of what they’re trying to impose.

    Der Hallig-Gröde-Paragraph

    Madame als Briefwahllokalschriftführerin bekam eine persönliche Schulung im Rathaus durch die Leiter der Briefwahlzentren. Ich als Bundestags-Wahlhelfer der Reserve musste mich mit dem Schulungsvideo begnügen. Gegenüber meiner letzten Urnen-Wahlhilfe entdeckte ich zwei Änderungen:

    • Die Wahllokale sind angehalten, ziemlich genau die Länge der Schlange vor dem Lokal zu monitoren. Zweimal am Tag sollen sie die Zahl der Wartenden melden – vermutlich, damit die Wahlleitung einschreiten kann, wenn Schlangen zu lang werden.
    • Überraschend viel Zeit verwendete die Schulung auf den Sonderfall nach §68 Abs. 2 BWO „Ergibt die Feststellung .. dass weniger als 30 Wähler ihre Stimme abgegeben haben“. In diesem Fall wird unter komplexen Regularien und stringenter Dokumentation nach 18 Uhr das Wahllokal aufgelöst und die Stimmen zusammen mit einem anderen Wahllokal ausgezählt.

    Nicht neu hingegen war der ausführliche Tanz, um Briefwähler*innen, die dann doch im Wahllokal auftauchen. Auch das ein hingebungsvoll choreographierter Akt mit vielerlei Durchschlägen.

    Es läge mir fern, Menschen von der Wahl abzuhalten; aber falls ihr Briefwahl beantragt habt, macht ihr das Leben Eurer Wahlhelfer deutlich einfacher, wenn ihr auch wirklich briefwählt. Und falls nicht: Bringt auf jeden Fall den Wahlschein mit. Sonst werdet ihr zurückgewiesen.

    Falls ihr den Stimmzettel mitbringt, den ihr für die Briefwahl bekommen habt, so ist die Anweisung „zerreißen sie den Stimmzettel vor den Augen des Wahlberechtigten und händigen sie einen neuen aus.“

    Die Jakobsbücher

    Nachdem die Klausur vom Tisch war, konnte ich ein weiteres Opus Magnum beenden. Die Jakobsbücher – begonnen im Sommerurlaub – sind fertig. In Bücherregal meines Inneren teilen sich die Jakobsbücher eine winzige Nische mit dem Zauberberg und Don Quijote. Auf der Nische steht „Mühsam, langweilig, aber so großartig, dass jede Stunde es wert war.“

    Olga Tokarczuk erzählt in den Jakobsbüchern auf etwa 1200 Seiten das Leben des Jakob Frank (geb. Jakub Lejbowicz), Wanderer zwischen den religiösen Welten, Jude und Christ, Religionsgründer und fast-Messias sowie seiner Anhänger durch das Polen des 18. Jahrhunderts.

    Das Buch beginnt vor Franks Geburt und endet nach seinem Tod. Dabei hat die Erzählungen Ausschweifungen und ein Erzähltempo, das eher dem 18. Jahrhundert angemessen erscheint als dem 21. Auf Seite 3 hatte ich den Überblick über alle handelnden Personen verloren. Wechselnde Erzähler, Zeitsprünge und erzählerische Kreisbewegungen lassen das Buch im Stil fast wie eine Andacht oder Meditation wirken.

    Passend zum Thema spielt sich das Buch sowohl in einer realen wie in einer geistigen Welt ab. Dabei hat die reale Welt der Zeit genug Veränderung: es beginnt tief auf dem Land im polnischen Shtetl, geht über Warschau, Tschenstochau und den kaiserlichen Palast in Wien und endet in einem Offenbacher Schloss, während sich die Französische Revolution abspielt.

    Europa tritt aus dem Rest-Mittelalter in die Aufklärung hinein, und mittendrin die Gruppe getaufter Kabbalisten auf ihren seltsamen Wegen. Ein erfreulicher Realismus: da das Buch ein ganzes Leben abdeckt, altern die Protagonisten, man erlebt den Wandel unterschiedlicher Charaktere von der stürmischen Jugend hin bis ins hohe Alter.

    Geographisch gar nicht so weit weg, das nächste angefangene Buch: Dmitrij Kapitelman: „Eine Formalie in Kiew“. Kapitelman, 1991 mit acht Jahre als jüdischer Kontingentflüchtling aus Kiew gekommen, will Deutscher Staatsbürger werden. Dafür benötigt er eine Geburtsurkunde, die nur die ukrainischen Behörden vor Ort ausstellen können. Bisherigerer Eindruck: das Buch ist Satire, aber bitterer und trauriger als der Klappentext vermuten lässt.

    Weil ich gut ignorieren kann, wie viele ungelese Bücher ich noch besitze, führte mich mein Weg zur Stadtbibliothek Schöneberg. Dort wartete Lutz J. Heinrichs Geschichte der Wirtschaftsinformatik – Entstehung und Entwicklung einer Wissenschaftsdisziplin auf mich. Ich bin gespannt, ob es mir gelingt, sie aufzuschlagen, bevor die Leihfrist abläuft.

    Vor der Bibliothek. Im Hintergrund der Vorplatz vor dem Stadtbad Schöneberg. (Leider derzeit Baustelle)

    Klezmer Futura Fediverse

    Wie ein New Yorker Sohn eines Calypsobassisten den Klezmer wiederbelebte: A little thread celebrating one of the great albums of Jewish-American music, DON BYRON PLAYS THE MUSIC OF MICKEY KATZ

    Die Deutschen Bahnhofsschilder seit den 1950ern und wie sie schicker werden. Von Futura nach Arrow., Deutschlands Bahnhofsschilder.

    Herr Rau über den Stand der Demilliardärisierung.

    Der Pixelboomer bastelt derweil daran, eine Instanz im Fediverse aufzusetzen.

    Es ist erstaunlich, wie schlecht Computer (=Rechner) im Wahrheit im Rechnen sind. Wie Hans J- Boehm durch 10 mathematische Theoriekreise stieg, um Android eine funktionierende Taschenrechner-App zu gönnen: „A calculator app? Anyone could make that.“

    Queere Rollatoren gegen Rechts.