Schlagwort: Grashüpfer

  • 25-08-03 Bachelurlaub

    25-08-03 Bachelurlaub

    Madame lernte Hillary kennen, Singer-Songwriterin aus New Mexico, später dann ein sächsisches Ehepaar, das Steak tartare essen wollte.

    Ich traf den Bauleiter unserer Dachbaustelle. Gute Nachricht: Wenn sie mit dem Dach fertig sind, ist unsere Wohnung zur Renovierung vorgemerkt – was nötig ist, angesichts der ganzen Schäden, die sich über die letzten zweieinhalb Jahre Baustelle über unseren Köpfen angesammelt haben. Schlechte Nachricht: Wenn sie mit dem Dach fertig sind, ist unsere Wohnung zur Renovierung vorgemerkt – leider stehen Wohnung renovieren und gleichzeitige wohnen in einer Wohnung in einem gewissen inneren Spannungsverhältnis.

    Es war ein letzter dreiviertel Arbeitstag und ein erster Tag der freien Tage zur Vorantreibung der Bachelorarbeit – der Bachelurlaub. Ich machte aber erstmal Urlaub vom Bachelor und verbrachte den Samstag auf den Latifundien.

    Trotz Urlaub, Strohwitwertum und potenzieller Lernverhöhlung gelang es mir bisher, Struktur im Alltag aufrecht zu erhalten. Vier von fünf Abendessen waren ordnungsgemäß gekocht und hatten jeweils drei Gänge. (1 – immer Gemüserohkost, 3 – immer Obst. Ich will auch nicht übertreiben)

    Ausgelesen: Wir schon wieder – 16 jüdische Erzählungen. Die letzten drei Texte. Einer (der der Herausgeberin) ein bißchen belanglos, Ljudmila Ulitzkajas Dankesworte an die Antisemiten eindrucksvoll, aber irgendwie mehr Statement als literarischer Text und Was hättest du getan?, der Deutschland 2025 gut und schmerzhaft trift. Erst beim Nachsehen wird mir bewusst, dass der Text von Dana Vowinckel ist, deren Gewässer im Ziplock hier länger von Madame im Bungalow gelesen wurde.

    Ratatouille verpönt

    Wenn wir verreisen, stelle ich fest, vor lauter Reiserei komme ich nicht zum Schreiben und es passiert eh zu viel, um es zu würdigen.

    Dies passiert selbst, wenn ich gar nicht mitfahre. Alleine Madames Telefonerzählungen aus Paris-Versailles-Bayeux sprengen jeden Blograhmen. Allein die Serenade in Versailles bietet genug Stoff für eine ganze Reihe.

    Deshalb nur ein Detail: der Potager du roi – der königlichen Küchengarten. Der ist durch alle Revolutionen und politischen Verwerfungen seit dem 17. Jahrhundert im Betrieb – Obst und Gemüse wollten alle Versailles-Zuständigen.

    Madame bekam eine Führung auf französisch. Sie erfuhr: Aus bürokratischen Gründen fördert der Staat den Garten – Weltkulturerbe seit 1979 und Teil von Versailles – nicht, so dass sie alleine von Eintrittsgeldern leben und dem Verkauf ihrer Erzeugnisse.

    Denn es gibt einen Stand, an dem frisches königliches Obst und Gemüse verkauft wird.

    Der Klimawandel zeigt sich auch hier: der Anbau wechselt weg vom Obst hin zum Gemüse.

    Eine Änderung gegenüber der Geschichte: Ludwig XIV war größer Obst und Gemüsefan. Aber zu seiner Zeit war mediterranes Gemüse (im Wesentlichen alle Zutaten der Ratatouille) verpönt. so dass hier Feigen und Äpfel wuchsen.

    Original Reise Ratatouille

    Der Bachelurlaub begann im 248er Bus vom Südkreuz in den Bergmannkiez. Schon vor vielen Wochen hatte ich Original Sin: President Biden’s Decline, Its Cover-Up, and His Disastrous Choice to Run Again in der Hammett-Buchhandlung bestellt und dann über viele Wochen nicht abgeholt. Endlich Zeit es zu ändern.

    Wie es sich für eine gute Buchhandlung gehört: Ich betrat den Laden. Und während ich noch in der Tür stand, sah Christian mich, drehte sich sofort um, und holte das Buch aus dem Vormerkregal. Beste Buchhandlung.

    Und weil ich nicht anders kann, also in einer Buchhandlung spontan ein Buch zu kaufen, kam ein antiquarisches Exemplar von Rainer Erlers Reise in eine strahlende Zukunft (Verlag das neue Berlin, 1986) hinzu.

    Und weil ich ja Urlaub habe, wandelte ich in die neben gelegene Marheineke-Markthalle. Im Gedenken an Madames Frankreichtour entdeckte ich Le Bretagne, die mir ein vortreffliches Ratatouille-Galette servierten und dazu eine überzeugende französische Konditorei-Auswahl im Tresen stehen hatten.

    Der Schrei des Rotmilans

    Fahren auf die Latifundien in dichtem Bodennebel. Der Regen hinterlässt spuren. An der Raststätte Stolper Heide1 sucht der Kassierer jeden möglichen Rabatt heraus, den er noch finden kann. Dabei ist die Raststätte eh schon die preiswerteste Quelle für Autogas.

    Wöchentliches Mähen im August – das Wetter ist ernstlich kaputt. Der Garten wirkt so üppig wie nie – zumindest was das leuchtende Grün angeht, bewegt er sich überraschend stark in Richtung englischer Landhausgarten. Nur wächst das Gras auf den Wegen auch wie blöde.

    Nach Mäh- und Falläpfelrunde folgte die Besorgungsrunde: Die letzten Bratwürste vor dem Urlaub der Metzgerei, Rasenmäherbenzin, Altglasverbringung, Gemüse und alkoholfreies Bier, ein Stück Erdbeerschnitte am Kremmener Marktplatz. Über dem Marktplatz kreiste ein Storch.

    Nachmittag eine Geräuschkulisse aus dem Schrei des Rotmilans und herüberwehenden Fetzen der Speedwaybahn.

    Fast beinahe lasse ich alle selbstgesteckten Regeln sausen und werde üppig. Der Garten zeigt sich nach all‘ dem Regen in paradiesischer Paradiesheit zudem mit besten Wolken. Meine Regel: 1 Post – 1 Bild wankt. Denn welches nehmen?

    Aber egal. Ich bleibe bei einem Bild. Ich entscheide mich für zwei Mitbewohner*innen, die sich bisher allen halbwegs scharfen Fotos entzogen: Chorthippus brunneus (aka brauner Grashüpfer – sehr häufig, aber halt sprunghaft im Versuch ihn zu fotografieren) und eine Schwebfliege (Ehrlich gesagt, keine Ahnung, wie häufig sie sind – wir haben so viel gelb-schwarze Insekten aller Art, dass ich nur noch selten bestimme)2. Auch habe ich immer keine Lust, sie zu fangen, einzufrieren und dann ihre Geschlechtsteile unter dem Mikroskop zu bestimmen.

    Chorthippus brunneus an Armbanduhr
    Schwebfliege an Wilder Möhre

    Teletext und Blitz nach oben

    Aharoni kann etwas, was vermutlich niemand sonst auf dieser Welt: Wirrwarr-Text, der auf englisch geschrieben wurde, aber auf hebräisch ausgegeben wird, fließend lesen. My Useless Super-Power: Reading Incorrectly Encoded Teletext

    I guess this is BookTok speaking: eine geschlossene Veranstaltung um 23:00h zur Präsentation einer neuen Young Adult Reihe.

    Konstantin freut sich: In einem Raum mit über 3 Meter Höhe und 99 Jahren an Geschichte aufwachen. – und da sagt der Berliner Altbaubewohner: Ha! Das habe ich jeden Morgen!

    Ein Blitz nach oben, fotografiert aus der ISS. (via Das BlaBlog)

    Urlaub in der Normandie scheint im Trend zu liegen: Saint-Valéry-en-Caux: kleines Küstenstädtchen in der Normandie

    Urlaub im Balkan. Karen verlässt ausnahmsweise den Zug: Turku-Sarajevo mit dem Zug: (9) Split – Dubrovnik

    Mit dem Boot. Über Geld wird eh zu selten geredet: Was kostet ein Bootsurlaub in Friesland?

    Mehr als Urlaub: Holger und Angela geben den Schlüssel zum Liegeplatz ab und steigen für 13 Monate aufs Boot.

    Anmerkungen

    1. Ich glaube eine der wenigen Autobahnraststätten, die nicht zum Tank&Rast-Imperium gehört. ↩︎
    2. Der Halluzinator lässt sich übrigens nur mühsam davon abbringen, dass es sich bei dem Tier um eine Wespe handelt. Selbst wenn ich dazu sage, dass es eine Schwebfliege sein soll. Er verweist dabei jedes Mal auf die Wespentaille als ausschlaggebendes Merkmal. Und was sehen wir auf dem Foto NICHT: Genau, eine Wespentaille. ↩︎
  • 23-06-26 Schachbrettfalter Sturzflutwarnung

    23-06-26 Schachbrettfalter Sturzflutwarnung

    Todmüde tranken wir Rotwein vom Werderaner Wachtelberg und fielen danach mit letzter Kraft ins Bett. Es war der Regenfreitag nach dem Gewitterdonnerstag – und es war so schön und entspannend einen 21-Grad-Tag zu haben, an dem man mittags die Schreibtischlampe anknipsen muss.

    Jetzt bin ich doch noch hauchdünn an Einsendeaufgaben gescheitert. 28,7% der Punkte wo 30% erforderlich wären. Innerlich hatte ich allerdings mit noch weniger Erfolg gerechnet , ich bin nicht überrascht. Einmal muss ich noch bestehen. Einmal sind noch Aufgaben in Korrektur (mit besserem Gefühl als bei den 28,7%) und im Zweifel bleibt mir noch ein Hail-Mary in der allerallerletzten Runde.

    Auf der Nachbarmittelhausdachterrasse veranstalteten in junger Mann und eine junge Frau eine Fotosession. Vermutlich zur Unterhaltung der 30 bis 40 Hinterhauswohnungen, die diese Dachterrasse einsehen können.

    Schwirr, Schwirr

    Beim latifundalen Wege-mähen lässt es sich nicht vermeiden, das hohe Gras im Wiesenteil anzustoßen. Rechts und links stoben Grashüpfer davon. Überhaupt fühlt man sich im Sommer in diesem Garten wie ein Franz von Assisi der Mittelmark, von Insekten umschwirrt.

    Und damit meine ich nicht nur die Junikäfer, die offensichtlich dämlichsten Tiere, die Brandenburg zu bieten hat. Nein, ich bin kein Baum. Auch wenn du fünfmal gegen mich dotzt.

    Mit dem astronomischen Sommeranfang kommen auch die Schmetterlinge. Dieses Wochenende besonders auffallend: der schwarz-weiß bemusterte Schachbrettfalter, der sich an den zahlreichen Knautien erfreute.

    Dr. Dolittle bestimmte eine Dorngrasmücke. Immer wieder spannend: wenn man ein Tier, eine Pflanze einmal sicher identifiziert hat, fällt sie einem dann immer wieder auf.

    Mir kam eine seltsam schnell und geradeaus fliegende Hornisse entgegen, die aus der Nähe betrachtet Libellenflügel hatte. Nach etwas Suchen: es war eine weibliche Plattbauchlibelle. Was es alles gibt.

    Dazu gelernt: Auch Plattbauchmännchen haben Unterscheidungsprobleme: Wie andere Libellen auch, verfügt der Plattbauch über eine ausgezeichnete Sehkraft. Dennoch kommt es bei den Männchen der Art vor, dass des Öfteren Hornissen angeflogen werden, da sie wohl auf einige Entfernung den gelbgefärbten Weibchen gleichen.

    Wiese mit blühenden Platterbsen

    Sürpriz war eine Ralph-Siegel-ESC-Popgruppe

    Wenn man erwachsen ist, bedeuten komplette Überraschungen nur selten Gutes. Gute Nachrichten müssen meist erarbeitet werden oder schicken Vorausboten und Ahnungen. Aus heiterem Himmel passieren:

    • Ein noch-gar-nicht-richtig-da-seiendes Gewitter, eine Bö, ein Scheppern, ein Klirren und im Rahmen hängt ein halbes Fenster. Zum Glück wurde niemand verletzt. Wir haben das Fenster über Nacht provisorisch gesichert und am nächsten Morgen kam der Glaser und nahm den Rahmen mit halben Fenster mit in die Glaserei. Trotz Sturzflutwarnung überstand das Rest-Fenster den Starkregen vom folgenden Tag gut.
    • Ein Sprotz, ein Knall.. ne, ehrlich gesagt keine Ahnung, ob der Zug Geräusche machte. Auf jeden Fall fiel der deutsche Stromabnehmer am ICE Berlin-Zürich aus. Der ICE stand auf „dem längsten Brückenbauwerk Deutschlands“ – rechts der Abgrund, links das Gegengleis, keine Türen offen. Dramatische Szenen, Türen wurden geöffnet (Klimaanlage kaputt – 30 Grad und schwül draußen) und wieder geschlossen (Abgrund / Gegengleis – alles zu gefährlich), dann unter Aufsicht der zufällig anwesenden Bundeswehrsoldat:innen wieder geöffnet.
    • Irgendwann war dann der Schweizer Stromabnehmer soweit präpariert, dass er zumindest Klimaanlagen und Bordbistro-Strom aus der deutschen Oberleitung holen konnte.
    • Ein erster Evakuierungszug kam, war aber selber schon voll mit „normalen“ Fahrgästen. Ein zweiter Evakuierungszug kam.
    • Am Ende nahm Madame nach 8 1/2 Stunden „Fahr“zeit Berlin->Erfurt in Erfurt wieder die Gäste in Empfang, die wir mittags in Berlin in den Zug gesetzt hatten.

    Ich persönlich bin dankbar für die Existenz einer ausreichend großen Vorsichtskasse, die in diesen Momenten ein whatever-it-takes an Autogas-zum-nach-Thüringen-fahren, Hotelzimmern, weiteren Fahrkarten, Glasern et cetera hergibt. So werden die Episoden am Ende eher zu einem Abenteuer. Ich erinnere mich noch lebhaft an Teile meines Lebens in denen keine Chance für eine Vorsichtskasse bestand, und derartige Ereignisse sich sofort zu existenzielle Bedrohungen auswuchsen.

    Alles Geld hilft aber nicht bei den Katastrophennachrichten, die uns vom anderen Ende von Familie Ö erreichten.

    Die Nachricht kam kurz vor unserer Familiengartenfeier. Je nach recht nahem bis sehr entfernten Verhältnis zu ebenjenem Teil der Familie war die Stimmung. Ein anderer Teil der Großfamilie wird demnächst heiraten – und es stellt sich die Frage, wer wie mit wem dorthin gelangt und vor allem wer nicht kommt. Ich bekam nur die Hälfte mit, stand größtenteils am Grill, wo mir La escaladora mexicana Gesellschaft leistete.

    Ein zweijähriger Mini-Herkules hätte fast das Planschbecken bezwungen.

    Erfurt – Jerusalem – Brieselang

    Madame versuchte heute aus Erfurt zurückzukommen. Fast hätte sie um 11:38h den verspäteten 11:09h-Zug nach Berlin genommen. Allerdings konnte dieser „wegen einer Funkstörung“ nur Nebenstrecken fahren. Deshalb nahm sie um 11:40h den nur knapp verspäteten 11:28h-Zug.

    Das mag ich am Bloggen: Da schreibe ich 2017 etwas über die Parkplatzsituation in Jerusalem. Und 2023 kommt ein Kommentator vorbei, gibt den aktuellen Stand und ergänzt. Beeindruckend. Danke Tommy.

    Indian Butter Chicken ist eines der Gerichte, die ich quasi ununterbrochen essen könnte. Wilma Pane-Bistecca hat freundlicherweise ein Gericht für den Slow Cooker.

    Ein Wahrzeichen des Berliner Autobahnrings soll schließen: Das amazon-Logistikzentrum Brieselang macht zu. Weil es 10 Jahre nach Bau nicht mehr modern genug ist, muss andernorts neu gebaut werden. (*Jetzt bitte kulturkritisches Gebrummel von southpark vorstellen*)

    Falls ihr um Umkreis Liebscher-Bracht-Anhänger habt: Liebscher-Bracht müssen Werbung ändern. Erfolgreich verklagt von der Verbraucherzentrale.

    Das ZDF war in meinem Berliner Sommerwohnzimmer zu Gast. Am 7. Juli wird die aspekte-Sendung ausgestrahlt werden, die im Sommerbad im Insulaner entstand. Während des normalen Badebetriebs. Ich bin gespannt.

    Ein Mafia-Geheimdienststaat machte, was in Mafia- und Geheimdienstkreisen manchmal passiert. Da beide Gruppen nicht für akkurate Öffentlichkeitsarbeit bekannt sind, mutmaßen westliche Medien und ihre Experten wild herum. Fast hätte Weltgeschichte in Russland geschrieben werden können. Im Nachhinein werde ich das Wort „Operettenputsch“ aus meinem Kopf nicht los.