Schlagwort: Interrail

  • 25-08-21 Korrespondierende Variablen

    25-08-21 Korrespondierende Variablen

    T-12, noch zwölf Tage bis zur Abgabe. Aktuell 10700 Wörter, darunter 97 Formeln und ungefähr zwei Seiten Code.

    Madame ist zurück. Zur Feier der Rückkehr kaufte sie gleich für uns Fahrkarten für ICE und TGV. Wir können den Satz sagen, der zwar ein bißchen pathetisch ist, aber irgendwie auch schön: „Wir haben ein Stammhotel in Paris.“

    Bei zwei bzw. drei Aufenthalten in einem Jahr sollte das gehen. Diese Bahn-Direktverbindung Berlin-Paris ist schon sehr, sehr schön.

    Abendliche drei-Gänge-Menüs sind viel weniger Aufwand für mich, wenn Madame sie zubereitet.

    Auf der Bank im Bahnhof Südkreuz: Ein älterer Herr im gut sitzenden Anzug, der eine gedruckte Zeitung las. Es hat den Stil der ganzen Bahnhofshalle ein Stück nach oben gezogen.

    Auf der Arbeit freue ich mich über Tickets, die den SM-Raum betreffen. Auch in den Schwimmmeister-Räumen steht Technik.

    Es waren drei Tage der halben Erwerbsarbeit und der halben Bachelorarbeit.

    Manchmal fühle ich mich beim Mail-Schreiben seltsam. Erst eine Mail an die Hausverwaltung: „Hallo, wir haben zuwenig Wasser. Also eigentlich gar keins, zumindest kein Warmes.“ Direkt danach die zweite Mail an die Hausverwaltung: „Hallo, wir haben zuviel Wasser, es kommt aus der Zimmerdecke von der Dachbaustelle.“

    Logistik, so wichtig. Es kommt nicht nur auf die Wassermenge an, sondern auch auf den genauen Ort wo es ist.

    Ich gab zuviel Geld für handgestreichelte, biologisch harmonisierte und von glücklichen Kindern am Strand eingesammelte Kokosbriketts für den Grill aus. Wenn schon Geld verbrennen, dann wenigstens wortwörtlich.

    Nach September kommt Oktober

    Auch wenn die hochdramatische Phase mit Bachelorabgabe und direkt darauffolgenden Klausuren erst folgt. Langsam bin ich in der Lage wahrzunehmen, dass die Welt sich am 17. September weiter drehen wird.

    Der erste Termin der Komischen Oper taucht in meinem Sichtfeld des Kalenders auf: Hallo, Jesus Christ Superstar.

    Neben den ICE/TGV-Fahrkarten erfolgten auch Hotel- und Restaurantbuchungen, eine Buchung für eine Pferdeshow über Madame (nein, nicht die Madame) und eine vage Grilleinladung für September und Oktober.

    Auch werde ich endlich mal das Projekt „Linux auf den alten Laptop“ in Angriff nehmen.

    Fast hätte ich mich im Überschwang der Gefühle für die Wikipedia-Schreibwettbewerbsjury gemeldet. Aber da setzte dann doch die Vernunft noch rechtzeitig ein.

    Vage angedacht fürs nächste Jahr: Via Interrail eine Grand Tour Berlin->Paris->Mailand->Triest->Wien->Warschau->Berlin. Auch auf die Gefahr hin, spätestens im Zug Paris->Mailand the most underdressend person in the train zu sein.

    Ist x=2 eine Formel?

    In einer Bachelorarbeitsquelle lese ich etwas von „korrespondierenden Variablen“ und denke spontan an ein kleines x und ein kleines y. Beide betreiben Briefkorrespondenz mit Feder, Tintenfass und Siegelwachs.

    Die Bachelorarbeit fliegt nicht, aber sie geht brav und unbeirrt ihren Gang. Kaum denke ich, das Problem ist gelöst, dann erhebt ein neuer Nebenaspekt sein Haupt aus den Nebeln meines Unwissens.

    Aber ich bin mir relativ sicher, etwas abgeben zu können, für das ich mich nicht abgrundtief schämen muss. Damit ist mein komplettes Ziel für die Bachelorarbeit schon erreicht.

    Weiterhin happy über die frühzeitige Entscheidung alles in LaTeX zu machen – egal, was für einen Humbug ich abgebe. Es sieht toll aus.

    97 Formen erscheinen mir arg viel. Ich überlege, bei „Formeln“ wie

    \[ x_{HG} = 0,564753 \]

    die Nummerierung zu entfernen. Überhaupt könnte ich heute einen Zwischen-Aufräumtag machen, Dopplungen streichen, unbeholfene Formulierungen überarbeiten, und ergründen, warum das Symbolverzeichnis zwar vorhanden ist, nicht aber im Inhaltsverzeichnis angezeigt wird.

    Bild vom Schreibtisch mit zwei ausgeschalteten Monitoren, Tastatur, Maus, Mousepad, zwei Schreibtischaufsätzen - drumherum diverse Bibliotheksbücher zu mathematischer Programmierung, Stifte und ein Taschenrechner.

    Malende Musiker und tanzende Häuser

    Getriggert durch den La-Chimera-Soundtrack habe ich mehr zu Franco Battiato gelesen. Der hat nicht nur mit Centro di gravità permanente einen ewigen Italo-Disco-Synthiehit geschrieben, sondern auch sonst ein überraschend vielfältiges Leben geführt: Prog Rock -> Stockhausen -> Brian Eno -> spiritueller Synth-Pop (die Centro..-Phase) -> Songschreiber für u.a. Milva -> Erste Oper -> Musikalische Messe -> Weitere Oper und verschiedene spiritiuell-philosophische Bücher -> Mit La Cura (hier der deutsche Text) einen der Liebesliedklassiker Italiens veröffentlicht -> Film gedreht -> Mitglied der sizialianischen Regionalregierung -> weitere Opern und Filme.

    Die taz würdigt Hinrich Baller, dem unsere Nachbarschaft einige ihrer spannendsten Bauten verdankt: Als würden sie tanzen

    Readinsweden in Straubing und danke für’s Mitfiebern!

    Passend zu meinen Linux-Plänen für den Oktober veröffentliche Lorenzo den Post: Linux Mint – Schritt für Schritt, so wie ich es gemacht habe

    Wenn ich in Stuttgart bin, sollte ich den Restaurantempfehlungen von Vincent Klink folgen: Wo ich gerne esse. Überhaupt schreibt er ein hoch unterhaltsamen Blog.

    Was ich nicht nachmachen sollte: Mit (am Anfang noch nicht auftretendem) Covid eine Fernwanderung starten: Hardangervidda in Norwegen: Warum ich abbrechen musste

    Filme die ich sehen muss (via Feuilleton und Firlefanz):

    Set at the height of the Cold War, 1949 centres on the relationship between the writer Thomas Mann, played by Hanns Zischler, and his actress, journalist and rally driver daughter Erika, played by Sandra Hüller, as they embark on a road trip in a black Buick cruiser across a Germany in ruins.

  • 25-06-29 Laufkundschaft im Nirwana

    25-06-29 Laufkundschaft im Nirwana

    Auf der Budapest Pride waren mehrere hunderttausend Menschen. Besser werden die Nachrichten nicht.

    In Steglitz kann mensch Austernmesser mit einem Griff aus zerstoßenen Austernschalen kaufen.

    Es war ein Donnerstagabend, ein Office-Freitag und ein Latifundien-Samstag, durchgehend schwül bei wechselndem Temperaturen. Von: 21 Grad und schwül bis zu „Ladevorgang des Telefons unterbrochen bis dieses wieder normale Temperaturen hat.“

    Teile der Kollegenschaft verabschiedeten sich ins lange Wochenende auf das Fusion-Festival. Natürlich nur Verwaltung, die anderen müssen hitzegenervte Berliner*innen in den Freibädern bändigen.

    Auf dem Weg ins Büro: der Geruch von frischem Asphalt am Morgen. Immerhin eine Baustelle, die erkennbare Fortschritte macht.

    Das märkische DHL versucht seit zwei Tagen ein Paket auszuliefern, scheitert aber immer an „Krankheit oder Unfall oder Arbeitszeitüberschreitung.“ Was schade ist – nachdem Pakete und Briefe in Berlin schon längerem ein Glücksspiel sind, war die Lage in den märkischen Hamptons bis 2024 mustergültig. Pakete kamen wie angekündigt, Wünsche funktionierten und wir kannten die Austrägerin. Offenbar gab es eine Umorganisation.

    Ein Lob der Schöneberger Nachbarin von gegenüber. Diese erschafft ein wahres grünes Paradies auf ihrem Balkon.

    Gelesen: Carlo Levi „Die doppelte Nacht“ und weiter in „Wir schon wieder.“ Später dazu mehr.

    Die 606 mit Mangolikör

    Es war Donnerstag am späten Nachmittag. Für den Abend war ein mittlerer Weltuntergang angekündigt, vorher war es the new normal mit Temperaturen jenseits der 30-Grad-und-Schwüle. Ich also im besten IT-im-Home-Office-bei-30-Grad-Outfit, Madame hatte sich noch aufgerafft ins Insulanerbad zu gehen.

    Anruf von der Bank: Wir haben noch ein Konto, wegen dem sie uns seit über 10 Jahren nicht gesehen haben – das stimmt. Es ist ein reines Funktionskonto, das macht was es soll und keinerlei Aufmerksamkeit bedarf.

    Und weil die Bank keine aktuellen Ausweise und Unterschriften haben, soll das Konto jetzt gesperrt werden – WHAT??? Es stellte sich heraus, dass sie uns im Februar ein Dokument geschickt hatten – das wurde auch ausgefüllt und unterschrieben – aber falsch! WHAT???

    Wir können aber gleich bis 18 Uhr in Steglitz vorbeikommen und Ausweise zeigen. Es war 17:20h in Schöneberg und ich so unvorbereitet auf Außeneinsätze wie mensch nur sein kann. Außerdem: Schwül, Unwetter.

    Aber hilft ja nichts. Ich habe etwas herausgesucht was auf den ersten Blick als ernsthafte Hose erkennbar war. Wir sind zum Bus, dann nach Steglitz und im Eilschritt zur Bank. WIr waren mal echte Laufkundschaft.

    Dann haben wir brav Ausweise eingescannt, drei Stammdatenverträge unterschrieben, erfahren, dass die Dame gerade nur die Vertretung ist1, während wir aus dem Fenster sahen, wie der Himmel immer dunkler wurde, die Bäume sich wild schüttelten. Aber wenn das Banksystem 30 Sekunden benötigt, um den Stammdatenvertrag zu öffnen, dann benötigt es halt 30 Sekunden.

    Wir kamen im trockenen Sturm wieder aus der Bank. Es waren noch ein paar Meter zur Bushaltestelle. Madame bemerkte, dass sie nach Möglichkeit nicht vom einem Baum erschlagen werden möchte und wir jetzt einfach ins nächstes Lokal gehen, dort mit einem Abendessen den Sturm überbrücken.

    Jenseits der Kreuzung war „…sches Restaurant“ an einer Fassade zu lesen. Leider war die Kreuzung sechsspurig mit dichtem Verkehr, so dass wir die grünen Ampeln abwarten mussten. Und der Regen begann, und nach 15 Sekunden waren wir nass. Also die letzten Meter im Laufschritt ins Restaurant. Der Abend der Laufkundschaft zum Zweiten.

    Das entpuppte sich als „indisches Restaurant Nirwana“. Sie waren sicher hocherfreut uns durchgeschwitzt und vollgeregnet im Hause begrüßen zu dürfen, waren aber trotzdem ausgesprochen nett.

    Idunda ist auf Hochzeitsreise in Kopenhagen

    Wir kamen auf Zoos zu sprechen und inspiriert von Frau Brüllen fragte Madame sich, was auf den Basler Zooelefanten ihrer Jugend wurde. Die beiden Anwesenden und Idunda, die laut Schild, immer auf Hochzeitsreise in Kopenhagen war.

    Dabei stieß Madame auf die Geschichte der fünf Elefäntli, die alle als Babies vom Zoo Basel gekauft wurden – natürlich eine Riesenattraktion waren, und auch gerne mal durch die Stadt geführt wurden; auch war es üblich, dass Kinder auf ihnen reiten durften. Soweit rekonstruierbar waren diese immer im Elefantenhaus angekettet. Zu Madames Zeiten waren zwei davon bereits gestorben, Idunda war unterwegs und die anderen beiden standen im Zoo.

    Welch unterschied zu heute. Im Jahr 2025 bereibt der Zoo Basel eine „berührungslose Haltung“, die natürlich sehr viel näher am natürlichen Leben der Elefanten ist, zum Beispiel auch aber bedeutet, dass medizinische Maßnahmen nur stattfinden können, wenn die Elefanten aktiv mitmachen. Und wenn nicht, dann nicht. Wie jetzt als eine Elefantenkuh starb, weil ihr Baby im Körper starb aber nicht entfernt werden konnte, und jetzt auch die Mutter starb.

    A long way seit den Fünf Elefäntli.

    Zum Glück ist der Garten eh viel zu trocken zum Kohlanbau

    Madame brachte Bitumen entlang der Gierschfront aus. Während Nachbar Ost gerade Giersch produziert, verhält sich der Bambus auf der Seite von Nachbar West friedlich – vermutlich ist es dem zu trocken.

    Über der Wiese 30-40 Kohlweißlinge gleichzeitig. Dem benachbarten Rapsfeld sei dank. Dazu Schachbrettfalter, Zitronenfalter, Kleinzeug (Schwebfliegen, Käfer, Bienen) aller Art und die großen Holzbienen. Madame vergleicht ihren Flug mit Militärhubschraubern: groß, dunkel und immer sehr zielgerichtet etwas ansteuernd.

    Eine Wiese in gelb und rosa und violett. Die Knautien blühen noch, inzwischen aber hat das Labkraut die halbe Wiese eingenommen und blüht im bezaubernden Gelb. Darüber eine rosa-weiße Schicht aus rankenden Platterbsen. Hätten wir etwas von geplant, wir hätten es uns nicht besser ausdenken können.

    Da die Temperaturen erträglich sind, erfolgte leichtes Sommeraufräumen – Mohn an diversen Stellen abmähen, Schönheitskorrekturen mit der Heckenschere und die diesjährige Finalisierung des Wiesenwegkonzeptes. Die Pergola bekam ihr Schattiernetz, so dass auch die Sonnetage kommen können.

    Den Rosen geht es geht, Apple Blossom fühlt sich sichtlich wohl.

    And I knew it complete

    Prägendes Erlebnis meiner ehemaligen Interrail-Fahrt: der knallevolle Nachtzug von Montpellier nach Calais – nur ein Abteil war fast leer. Was sich erklärte, wenn man die Tür öffnete: Es stank massiv nach Alkohol. Ich war damals ebenso unerschrocken wie faul und zog einen Sitzplatz mit Abenteuer dem Gangstehen vor. Ich lernte einen lustigen Polen kennen, der mir Rotwein aus einer Plastik-Colaflasche anbot und mir ausführlich vom Theaterfestival in Avignon erzählte. Seitdem bin ich Fan des Festivals, freue mich natürlich wenn Christiane noch etwas mehr dazu schreibt: Erinnerungen an Avignon

    What’s the Right Way to Translate Chinese Dish Names? (via Kaltmamsell)

    Beste Art der Fernreise: von der aus Vietnam stammenden Kollegin zu deren Hochzeit in Vietnam eingeladen werden.

    Der Herr Flusskiesel hat seine Blogroll überarbeitet und eine kleine und feine Liste zusammengestellt. Und das sage ich nicht nur, weil iberty darauf steht.

    Posts mit Billy Joel werden hier natürlich immer verlinkt: It’s sad and it’s sweet

    Famous last words

    Es gibt zwei Gründe, warum ich noch ein New-York-Times-Abo habe. Einerseits. Durch mehrfaches kündigen und Bleib-hier-Angebote zahle ich derzeit nur 2 Euro im Monat dafür. Andererseits der Dealbook-Newsletter, der halt Nachrichten aus Perspektive der Finanzwirtschaft erzählt. Einerseits eine Perspektive, die ich sonst woanders nur schwerlich bekomme, andererseits sortiert der ziemlich gut nach relevanten Themen und irrelevanten Sau-durchs-Dorf-Debatten durch. Zum Wochenende zum Klimawandel (und ja, ich halte den Tonfall für Sarkasmus):


    Banks have started to bake this [Klimawandel-]forecast, once thought extreme, into their research. A recent report from Morgan Stanley on the air-conditioning market, which is expected to benefit from increases in urbanization as well as the frequency and intensity of heat waves, said its “base case” was a 3 percent rise in average global temperatures. In that scenario, how much did analysts expect the cooling market to grow by 2030?

    A. 16 percent, to $272 billion

    B. 41 percent, to $331 billion

    C. 104 percent, to $479.4 billion


    1. Unser Glück vermutlich. Der eigentlich zuständige Herr hätte uns vermutlich einfach in die Kontosperrung laufen lassen und dann einen Formbrief geschickt. ↩︎
  • 24-04-30 Tuten und Knirschen

    24-04-30 Tuten und Knirschen

    Rüyam, in Reiseführern weltberühmt als Schöneberger Döner-Geheimtipp, zog über die Straße. Die Schlange ist noch länger als sonst.

    Elite Kickboxing heißt jetzt Fight Academy und bietet neben Kinderkarate auch Selbstverteidigung für Frauen an. Von all‘ den Kampfsportschulen der Gegend bleibt es diejenige mit den positivsten Vibes.

    Mir träumte, ich würde an zwei Videokonferenzen gleichzeitig teilnehmen. Mit zwei Headsets auf dem Kopf. Und sei es nur im Traum – etwas mehr Schwung kommt ins Leben zurück.

    Die Berliner Freibäder öffneten. Am Wochenende das Sommerbad am Olympiastadion und am Montag das Prinzenbad. Am Mittwoch wird das Insulanerbad die Drehkreuze öffnen.

    Über Jahre wollte ich zum Strausberger Seeschwimmen, verpeilte es aber immer. Nun ist das Strausberger Srandbad bis auf Weiteres geschlossen, mangels Wasser – und jetzt mag ich dort nicht mehr hin.

    Zeit, umzuplanen. Am 6. Juli findet am Strandbad Kyritz das Insel- und Langstreckenschwimmen statt. Ich fürchte bis dahin bin ich nicht fit genug für ein Langstreckenschwimmen. Aber Ansehen wäre ein Plan: dann weiß ich, worauf ich mich vielleicht einlasse.

    Der Flötist zieht aus. Nach knapp 50 Jahren in seiner Wohnung und 80 Jahren im selben Kiez wurde er Opfer einer Eigenbedarfsklage. Der Grund hierfür ist so Wohnungsmarkt Berlin 2024 wie er nur sein kann: die Vermieterin kann sich die Miete ihrer aktuellen Berliner Mietwohnung nicht mehr leisten und will nun in die eigene Wohnung.

    Peter Schleuse ging wieder auf große Fahrt. Er war einer dieser Menschen, die, egal an welchen Ort sie kommen, der Ort war danach ein Stück heller, fröhlicher als vorher. Er hinterließ ein Leuchten.

    Zum Abschied tutet ein Nebelhorn.

    Kenntnisse in gremienrelevanten Prozessen und Protokollführung

    Falls ihr Eurer IT einen Gefallen tun wollt: Heiratet nicht! Oder behaltet zumindest Euren Namen. Namensänderungen in der Windows-Accountverwaltung sind auch 2024 noch ein Thema zum die-Luft-anhalten.

    Erwerbsarbeit hindert uns daran, eine Feiertagswochenende auf den Latifundien zu verbringen. Und so fahren wir von Mittelmark nach Berlin und werden wieder nach Mittelmark fahren und wieder nach Berlin und wieder nach Mittelmark.

    Einige der Strecken begleitet uns das entvandalierte Latifundienrad.

    Für Madame ist es die letzte Woche eines anstrengenden Frühjahrs. Für mich wird es anscheinend eine Woche mit Öffentlicher-Dienst-Extrem.

    Ich lernte ein neues Feature des öffentlichen Ausschreibewesens kennen: die verifizierende Teststellung.

    Bei einer Ausschreibung werden Kriterien aufgestellt und die Bewerber sagen, ob sie diese erfüllen können. Wenn es wichtig ist, müssen sie die Erfüllung beweisen: hier im Rahmen der verfizierenden Teststellung. Wir hatten eine sehr lange Liste mit Anforderungen an eine Software. Der brave Außendienstler musste nun bei allen Anforderungen vorführen, dass seine Software sie auch wirklich erfüllt.

    (Man stelle ich als Beispiel vor: 300 leicht verschiedene Funktionen von MS Word und eine mehrstündige Vorführung:

    • Kann Überschriften verschiedener Levels – Check
    • Kann Text in Überschriften umwandeln – Check
    • Kann drucken – Check
    • Kann als PDF drucken – Check
    • Kann Kopfzeilen – Check
    • Kann Fußzeilen – Check
    • Kann Seitenzahlen – Check
    • Kann Textmarken visuell anzeigen – Check
    • Kann Kommentare inline anzeigen – Check

    Es ging natürlich nicht um Word. Aber die umfassende Kleinteiligkeit war ähnlich.)

    Wild.

    Wer Lust auf noch mehr öffentlichen Dienst extrem hat: Die Berliner Bäder haben seit heute eine neue Stellenausschreibung: „Assistent:in (d/w/m) für Vorstands- und Gremienangelegenheiten – Organisatorisch und inhaltlich – Abgeschlossenes Hochschulstudium in Wirtschaftswissenschaften und/oder entsprechende Berufserfahrung – TVÖD 9b“. (= je nach Berufserfahrung 3500 bis 5000 Euro netto).

    Auf Weißblüte folgt Rotblüte

    Die Sportflugzeuge brummen wieder.

    Madame wuschelte den Buchs.

    Madame nennt die Brombeere Zwooi. (Genau – diejenige Brombeere, die wir schon im Mai ’23, August ’23, Oktober ’23 und März ’24 umfassend ausgruben). Madame grub sie erneut großzügig mit einem halben Kubikmeter Erde drumherum aus. Jetzt neu: Zwooi treibt an zwei Stellen gleichzeitig. Diesmal im Gehege und erstmals auch außerhalb des Geheges. Der Name Zwooi ist mehr als verdient für dieses Getüm.

    Sowohl am Gartenzaun (West) wie auch am Gartenzaun (Ost) entdeckten wir Giersch-Nester. Noch jenseits unserer Latifundien. Dort sollen sie auch bleiben.

    Währenddessen erreicht uns die ersten Rosen, die die Gazebola bewachsen sollen. Scarman’s Himalayan Musk. Nachdem ich einst Paul’s Himalayan Musk in einem Garten sah – acht Meter hoch und mit Profiradler-Oberschenkeldicken-Stämmen habe ich tiefen Respekt und etwas Angst vor dieser Rosengattung.

    In weniger beeindruckenden Neuigkeiten: der neue Rote Ginster blüht. Eine erste zarte Mohnknospe beginnt sich zu öffnen. Und auch der Rotdorn erweckt den Anschein diese Woche noch loszulegen.

    Zum Abschied erwies uns der Kaminkehrerrotschwanz die Ehre und knirschte standesgemäß vom Schornstein der Ost-Nachbarn.

    Kleiner rot blühender Ginster vor sehr viel Gras (gegen die Sonne)

    Mit der Bahn / bei der Bahn

    Diesedunstpoesie

    Die vielleicht eindrucksvollste Bahnfahrt meines Lebens, das erste Teilstück Interrail 1993, endete am Zielbahnhof Villach. Christa Chorherr ist in Villach, schreibt über die Eisenbahnerstadt und die falsche Seite der Bahngleise.

    Auf den Bahngleisen sind die Bähnler. Krautreporter besuchte, schöne Fragestellung. Nicht: Warum ist alles so schlecht? Sondern: Wie ist es wirklich? Ein Zugbegleiter, ein Fahrdienstleiter und eine Lokführerin erzählen. Geschenkt von Kieselblog. Vielen Dank!

    (Nebelhorn-Datei: East Brother Light Diaphone Foghorn, aufgenommen von Frank Schulenburg, Lizenz Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

  • 23-03-04 Rammstein on estrogen

    23-03-04 Rammstein on estrogen

    Madame brach gen langes Wochenende auf. Das brachte mich in eine ungeahnte Situation: Die übliche Samstagroutine fiel aus, aber ein ungeahntes Reich der Freiheit eröffnete sich. Ich hätte wieder schlafen gehen können – der gestrige Freitag war ja überraschend anstrengend geworden. Oder gleich in den Mathebüchern verschwinden. Ich konnte einfach so auf das Rad steigen, denken „ich komme irgendwann wieder“ und dann verschwinden. Oder den ganzen Tag eine explosions-und-blutreiche Serien per Beamer im Wohnzimmer sehen.

    Die vielen Möglichkeiten überforderten mich. Immer wenn ich dabei war, etwas anzufangen, viel mir auf, wie viele andere Möglichkeiten ich mir damit verschließen – und so lief ich wie ein sehr müdes und langsames aufgeschrecktes Huhn durch die Wohnung. Bis ich mich dann irgendwann auf „Privatmails aufräumen, Papierstapel auf dem Schreibtisch wegkriegen“ geeinigt hatte – das musste auf jeden Fall mal sein.

    Bei der Gelegenheit konnte ich die neue gebührenfreie Kreditkarte in Betrieb nehmen. Test erfolgreich: Sie erfüllt den einen Zweck für den sie angeschafft wurde und lässt mich gebührenfrei von den Geldautomaten der Umgebung Bargeld abgeben. Wichtiger: Im neu eingerichteten Onlinebanking wechselte ich vom „bösen“ Revolving Credit (ich zahle pro Monat nur einen kleinen Teil der Ausgaben zurück, der Rest bleibt als Schulden auf dem Kreditkartenkonto und wird teuer verzinst) zum „guten“ Charge-Verfahren (ich zahle am Ende des Monats Alles; kein Kredit, keine Zinsen).

    Das ganze Verfahren lässt mich traurig zurück: der aus Banksicht einzige Sinn der Karte scheint darin zu bestehen, Leute zum Schuldenmachen zu bringen, die sie vorerst nicht zurückzahlen zu können und daraus mit Phantasiezinsen Geld zu verdienen. Aber um so weniger Hemmungen habe ich, mir aus der Karte eine kostenlose Dienstleistung zu basteln.

    Screenshot der Onlinebanking-Website. Tilgungsrate: 100%

    Irgendwann schwang ich mich doch noch auf’s Rad. Aber weil ich weiterhin etwas unkoordiniert war, fuhr ich einfach mal wieder den alten Arbeitsweg ab – dort habe ich noch jede kleine Erhebung, jede Kurve und jede Bodenwelle in den Beinen und landete noch im alten Supermarkt.

    Vor mir an der Kasse: Ein Einkauf von zwei Packungen Salat, drei Flaschen Wein. In meinem Kopf formte sich der Gedanke „Desolat leben, aber gesund – ein passendes Motto der gesellschaftlichen Entwicklung.“ Da nahm die Dame auch noch zwei Packungen Zigaretten und das Motto zerstob in meinem Kopf.

    Inspiriert von der Kaltmamsell schaute ich bei VG Wort vorbei (wie zu erwarten war, nix Gutes in 2022 für mich), schrieb eine verspätete Geburtstagskarte und sortierte alte Schwimmbadkarten in die Schwimmbadkartensammelportmonnaietasche.

    Überraschend gut gefiel mir der deutsche ESC-Beitrag. „Rammstein on estrogen“ wie ein Youtube-Kommentator schrieb. Und da deutsche Welterfolge die Scorpions, Rammstein und Scooter sind, hat die Band vielleicht sogar Chancen.

    Auf Tröt las ich die Geschichte des russischen 1439. Regiments. Ein Staat, der so mit ihren eigenen Leuten umgeht, ist weit davon entfernt friedensbereit oder auch nur -fähig zu sein.

    Sonst ist heute dann doch vor allem ein Italopop-Fernuni-Statistik-Tag.

    Urlaubstip: Es gibt Rabatt auf die Interrail-Tickets.

  • 22-12-28 Der Tee ist ein Geräusch

    22-12-28 Der Tee ist ein Geräusch

    Das Interrail-Ticket (bis zum 5. Januar noch um 10% ermäßigt) umfasst auch Rabatte auf die Fährverbindungen Travemünde-Helsinki und Travemünde-Liepaja. Das macht unsere mögliche Sommer-Urlaubs-Planung wieder einen Schritt möglicher.

    Nur leider wird bis dahin wohl immer noch kein einziger Zug zwischen Lettland und Litauen fahren. Ich hätte ernsthaft gedacht, dass mindestens Pan-Baltische-Solidarität dafür sorgt, dass eine solche Strecke aus Prinzip betrieben wird. Denkste. Also steht am ehesten eine Reise per Schiff, Zug und Bus ins Haus.

    Während Madame recherchierte, kochte ich endlich den besorgten Grünkohl (Hurra, ich kann wieder alles essen). Dazu Wacken-Craft-Beer, wenn schon regionale Produkte, dann konsequent. Im Fernsehen sahen wir mit erstaunen, dass die Dithmarscher Trümmertorte unter dem Namen „Wolkentorte“ der große Hit in der hippen Kreuzberger Markthalle IX ist.

    Abends blieb sogar Zeit für die Fernuni. Die Mathe-Einsendeaufgaben sind am 10. Januar fällig. Ich beschloss: zu wenig Zeit, um es richtig zu lernen – also jetzt mit Augen-zu-und-durch-im-Schnelldurchgang durch Integrale und Lineare Algebra und hoffen, dass 30 Jahre alte Mathe-LK-Erinnerung zusammen mit „beliebig viel Zeit und Zugriff auf die Unterlagen“ mich durch die Aufgaben bringen.

    Leider sagt mir meine Schul-Mathe-Erinnerung auch, dass in keinem Fach „Zeit“ und „Zugriff auf die Unterlagen“ so unwichtig sind. Entweder man kann es – dann reicht ein Bruchteil der angesetzten Zeit und das Buch ist nicht nötig. Oder man kann es nicht, und dann hilft beides auch nicht. Es bleibt spannend.

    Nach den 600 Schritten laut Schrittzähler gestern (wann auch immer ich die gemacht haben soll, gefühlt waren es 16), war ich heute ausgeschlafen und erholt. Wir trafen den Badischen Beamten zu unserem traditionellen Nordsee-Weihnachtstreffen (wir beim Kaptain, er bei Schwiegers) und spazierten plaudernd mit >10.000 Schritten durch Tönning und entlang des Eiderdeiches.

    Das Meer ist im Winter so viel eindrucksvoller als im Sommer, scheint es doch die Umgebung zu verschlucken. Und auch wenn die Eider hier noch offiziell Fluss ist, wirkt so doch meerartig. Wir meerartiger sie noch gewirkt haben muss, als das Eidersperrwerk noch nicht gebaut wurde.

    Unser erstes Treffen, in dem alle Anwesenden im öffentlichen Dienst sind. Es fühlt sich so unglaublich gesetzt an. Wobei die beiden anderen Anwesenden in echten großen Behörden sind, die Berliner Bäder fühlen sich im Vergleich halt doch an wir ein normaler Mittelständler mit eigentümlichen Geschäftsbetrieb.

    Wir bestellten Kaffee und Tee. Es schepperte gar fürchterlich in der Küche. Wir bekamen zwei Kaffee, „der Tee dauert noch einen Moment.“ Der Tee war ein Geräusch.

    Heute Abend spielen im Liberty Bowl in Memphis die Kansas Jayhawks gegen die Arkansas Razorbacks an.

  • 22-12-22 Sono in vancaze natale

    22-12-22 Sono in vancaze natale

    Die Vorweihnachtsruhe hatte sich bis heute Mittag noch nicht eingestellt. Ich bin jetzt raus. Es bleiben ja noch Kollegen vor Ort.

    Beim Ausloggen um 16:30h vergaß ich prompt, mich aus der Zeiterfassung auszutragen und musste mich gleich wieder einloggen, um mich wieder auszuloggen. Rest des Abends: Um Haaresbreite den Herd munter weiter laufen lassen, nachdem ich die zweite Portion Miss-South-Rotkohl heruntergenommen hatte. Und auch sonst fühle ich mich wie eine Luftmatratze, der man das Ventil geöffnet hat. Lasst mich heute nichts gefährliches mehr anfassen.

    Madame entdeckte, dass Interrail-Tickets bis Jahresanfang 2023 mit 10% Rabatt verkauft werden. Wir überlegen, ob wir spontan kaufen und hoffen, im Laufe des Jahres gemeinsame Urlaubszeit für eine Bahnfahrt nach Polen und/oder ins Baltikum zu haben.

    Eine Recherche brachte die erfreuliche Nachricht, dass seit Herbst 2022 wieder eine tägliche Bahnverbindung zwischen Polen und Litauen besteht. (Krakau -> Warschau -> Mockava (Litauen) -> Umsteigen -> Vilnius). Seit dem EU-Rail-Baltica-Projekt auch, ohne dass man Belarus dabei durchqueren muss. Das stelle ich mir aktuell schwierig vor.

    Falls ihr Bahntipps für Polen und/oder Baltikum habt: ich bin ein dankbarer Abnehmer.

    Warszawa Centralna Bild: Warszawa Centralna – panoramio von: Mister No Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported

    Wolodymyr Selenskyj war in Washington. Darüber können andere besser schreiben als ich. Aber über eine Zahl stolperte ich doch: die komplette militärische Hilfe der USA seit Beginn des Krieges – also alle Raketenwerfer, Drohnen, Haubitzen, Fahrzeuge, Panzerfäuste und alles zusammengenommen – hat einen Wert von etwa 22 Milliarden US-Dollar.

    Das ist ein halbes Twitter.

    Oder anders gesagt: Elon Musk hat für soziales Netzwerk mit vorher schon unklaren Zukunftsaussichten doppelt soviel ausgegeben, wie die größte Militärmacht der Welt dafür ausgab, um 10 Monate lang die russische Armee aufzuhalten.

    Selbst Militärausgaben befinden sich normalerweise fernab jeder Logik. Aber das ein mühsam geldverdienendes Netzwerk doppelt soviel Wert sein soll, wie alles was die USA an moderner Waffentechnik in die Ukraine schiffte, scheint mir noch absurder.

    Ich könnte den Satz jetzt noch fünfmal reformulieren, um mich an seiner Absurdität abzuarbeiten. Aber das hilft den Fakten auch nicht. Io devo preparare le vacanze natale.

    Nachtrag: Bereits seit drei Tagen vergesse ich, über die Stopfgarnkrise zu bloggen. Soviel zu meinem Zustand.

    Nachtrag zum Nachtrag: Ali Ahmed Aslam, der Erfinder des Chicken Tikka Masala, ist gestorben.